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Die Europakonzeptionen Frankreichs und Deutschlands am Ende des Zweiten Weltkriegs

  • Wichard Woyke
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Part of the Reihe Grundlagen für Europa book series (GRUNDE, volume 5)

Zusammenfassung

Nach dem Zweiten Weltkrieg bildeten sich in Frankreich und Deutschland unterschiedliche Europakonzeptionen aus, die auch am Ausgang des 20. Jahrhunderts die jeweilige Integrationspolitik der beiden Rheinnachbarn weiterhin nachdrücklich bestimmen (vgl. Sauder 1995: 229–268). Frankreichs Verständnis von internationaler Politik nach dem Zweiten Weltkrieg war trotz zunehmender Integration in Europa weitgehend durch eine staatenzentristische Position charakterisiert. In diesem Gedankengebäude spielen Staaten eine dominante, ja exklusive Rolle. Sie sind Träger aller Politik in den internationalen Beziehungen. Entsprechend diesem Ansatz dürfen Staaten nicht auf ihre Autonomie zugunsten einer übergeordneten Autorität verzichten, wollen sie nicht in Abhängigkeit von anderen Akteuren geraten. Somit orientierte und orientiert Frankreich auch noch heute zu großen Teilen seine Europapolitik am Paradigma Souveränität:

„Im Paradigma Souveränität steht der autonom handlungsfähige und klar von seiner internationalen Umwelt abgegrenzte Staat im Mittelpunkt, der eine Teilung von Souveränitätsrechten mit anderen Staaten ablehnt. Durch die Abgrenzung von anderen Akteuren werden Fremdeinflüsse abgewehrt. Der Souveränitätsanspruch setzt eine Abgrenzungsfähigkeit voraus: Staatliche Macht wird nach dem Grundsatz der Volkssouveränität durch die innerhalb seiner Grenzen lebenden Staatsbürger legitimiert, während Einflußversuche von Akteuren außerhalb seiner Grenzen als illegitim zurückgewiesen werden. Das idealtypische Staatsbild im Paradigma Integration ist ein Staat, der in so vielfältiger Weise mit seinem internationalen Milieu verflochten ist, daß die Abgrenzung zwischen Staat und internationaler Umwelt abgeschwächt ist. Souveränität wird mit anderen Staaten geteilt, d.h. externen Akteuren werden Einflußmöglichkeiten auf die staatliche Politik eingeräumt“ (Sauder 1995: 47).

Nationale Souveränität gilt seit den Tagen der Französischen Revolution vor mehr als 200 Jahren als Grundlage demokratischer Partizipation und als Legitimation des Staates in Frankreich.

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2000

Authors and Affiliations

  • Wichard Woyke
    • 1
  1. 1.MünsterDeutschland

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