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Verbände im System industrieller Beziehungen

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Part of the Forschung Soziologie book series (FS, volume 153)

Zusammenfassung

Max Webers Definition des Verbandes, wie er sie in seinem posthum veröffentlichen Werk „Wirtschaft und Gesellschaft“ vorgenommen hat, gilt noch heute vielen Verbandsforschern als zentraler Referenzpunkt.1 Die webersche Terminologie ohne weiteres auf einen Interessenverband nach modernem Sprachverständnis zu übertragen, wäre allerdings grundfalsch. Webers Verbandsbegriff ist wesentlich umfassender als die heute umgangssprachlich mit dieser Bezeichnung versehene Organisationsform. Er defmiert den Verband als „eine nach außen regulierend beschränkte oder geschlossene soziale Beziehung“ mit dem besonderen Merkmal, dass

„die Innehaltung ihrer Ordnung garantiert wird durch das eigens auf deren Durchführung eingestellte Verhalten bestimmter Menschen: eines Leiters, und, eventuell, eines Verwaltungsstabes, der gegebenenfalls normalerweise zugleich Vertretungsgewalt hat“ (Weber 1921, 330).

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. Breitling (1960, 67); Huppert (1973, 17). Bülow (1972, 884) entwickelt den modernen Verbandsbegriff allein auf der Basis von Webers Definition, ohne deren Abstraktheit hinreichend in Betracht zu ziehen.Google Scholar
  2. 2.
    Die `Existenz’ des Verbandes haftet ganz und gar an dem `Vorhandensein’ eines Leiters und eventuell eines Verwaltungsstabes“ (Weber 1921, 331).Google Scholar
  3. 3.
    Das Vorhandensein eines `Leiters’: Familienhaupt, Vereinsvorstand, Geschäftsführer, Fürst, Staatspräsident, Kirchenhaupt (..) soll genügen “ Weber 1921, 3300.Google Scholar
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    Die sozialistische Fabian Society,an deren Gründung im Jahr 1884 die Webbs beteiligt waren, strebte wirtschaftliche Gerechtigkeit und die Kollektivierung der nationalen Ressourcen Großbritanniens an. Die Fabianisten (u.a. George Bernard Shaw, der 1889 die Fabian Essays in Socialism veröffentlichte) übten großen Einfluss auf die Politik der britischen Labour Party aus (siehe Shaw 1889; Hills 1995, 110f).Google Scholar
  9. 10.
    Commons lehrte in den dreißiger Jahren an der University of Wisconsin. Er selbst gab seinen Studenten den Namen „institutional economists“ (Hills 1995, 41), für welche sich in den folgenden Jahren auch der Begriff „Wisconsin School” einbürgerte.Google Scholar
  10. 11.
    Parsons definiert ein soziales System wie folgt: „A social system consists of a plurality of individual actors interacting with each other in a situation which has at least a physical or environmental aspect, actors who are motivated in terms of a tendency to the `optimization of gratification’ and whose relation to their situation, including each other, is defined and mediated in terms of a system of culturally structured and shared symbols“ (Parsons 1951, 5f).Google Scholar
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    So bei Lehner (1981) und Bernholz/Breyer (1984).Google Scholar
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    Zur Figur des politischen Unternehmers siehe Frohlich/Oppenheimer (1971), Eschenburg (1975, 289ff), van Waarden (1992, 153f).Google Scholar
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    Nach Max Weber ist der Idealtypus weder eine Hypothese noch eine vollkommene Darstellung des Wirklichen, „aber er will der Darstellung eindeutige Ausdrucksmittel verleihen“ (Weber 1904, 42).Google Scholar
  14. Der Idealtyp gibt nicht die durchschnittliche, sondern die typische Erscheinungsform wieder, indem die wesentlichen Gesichtspunkte empirisch vorfindbarer Erscheinungen gebündelt und gedanklich gesteigert werden. In diesem Sinne ist auch der ökonomische Tausch,wie er hier vorgestellt wird, als idealtypische Erscheinung eines ökonomisch-rationalen Vorgangs zu begreifen (vgl. Weber 1904, 53).Google Scholar
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    Auch die koordinierende Tätigkeit eines politischen Unternehmers fällt mit sinkender Mitgliederzahl leichter (Olson 1995, 30 f, 176). Es ist in diesem Fall ökonomischer, das Kollektivgut als Trittbrettfahrer zu nutzen.Google Scholar
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    Vgl. Fraenkel (1979, 197–221) sowie Sontheimer (1964, 208): „Das wahre Gesamtinteresse lässt sich umso sicherer treffen, je reichhaltiger die Möglichkeiten spezifischer Interessenvertretungen sind und je differenzierter sie wahrgenommen werden.“ Zur Kritik des Pluralismus und Neopluralismus siehe Böhret et al. (1988), Nuscheler/Steffani (1976) und Kremendahl (1977).Google Scholar
  17. 18.
    Ist der Pluralismus als Theorie durch den Korporatismus abgelöst worden? Nach SchüttWetschky (1997, 50) kann „keine Rede davon sein.“ Als deskriptives Konzept zur Beschreibung der Vielfalt und Heterogenität bestehender verbandlicher Organisationsmuster ist der Pluralismusbegriff nach wie vor im Gebrauch. Vgl. die Beschreibung des Verbändesystems als „organisierter Pluralismus” durch Sebaldt (1997).Google Scholar
  18. 19.
    Macht bedeutet in diesem Zusammenhang „die Fähigkeit, in der Zukunft Vorteile zu erzielen“ (Pizzomo 1978, 284).Google Scholar
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    Die schwedischen Arbeitgeberverbände SAF (Svenska Arbetsgivarförening,Arbeitgeberdachverband der privaten Wirtschaft) und SFO (Statens Förhandlingsorganisation,Verband öffentlicher Arbeitgeber) haben sich im Laufe der Jahre für ihre Klientel so unentbehrlich gemacht, dass diese praktisch zum Beitritt gezwungen sind (van Waarden 1995, 87).Google Scholar
  20. Der IG Metall-Vorsitzende Zwickel erinnerte Kanzler Schröder ein Jahr nach dessen Wahlsieg daran, dass er diesen „nicht zuletzt der gezielten Unterstützung der Gewerkschaften zu verdanken“ hätte (Süddeutsche Zeitung, 5.10. 1999, 20).Google Scholar
  21. 21.
    Unternehmerische Interessen werden in den USA von insgesamt 3.500 Verbänden vertreten (Columbia Books 1998). Das ist etwa das Doppelte aller beim Deutschen Bundestag akkreditierten Interessenverbände (Bundesanzeiger 1994).Google Scholar
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    Die durchschnittlichen Arbeitsstunden pro Person betrugen in Deutschland im Jahr 1973: 1.804, im Jahr 1983: 1.668 und im Jahr 1993: 1.532 Stunden (Bundesrepublik West); im Vergleich: Japan 1973: 2.185, 1983: 2.095, 1993: 1.965; USA 1973: 1.831, 1983: 1.754, 1993: 1.743 (OECD 1993).Google Scholar
  23. 28.
    Max Weber (1921, 336) definiert „Macht“ als „Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen.”Google Scholar
  24. 29.
    Die Zahlen für Dänemark und Finnland lagen mit 80% bzw. 79% Mitte der neunziger Jahre auf einem ähnlich hohen Niveau (Van Ruysseveldt/Visser 1996; ILO 1997).Google Scholar
  25. 30.
    Jeweils Bundesgebiet West (vgl. Müller-Jentsch 1997, 130).Google Scholar

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© Leske + Budrich, Opladen 2002

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