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Schlussbemerkung

  • Reiner Keller
Chapter
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Part of the Qualitative Sozialforschung book series (QUALSOZFO, volume 14)

Zusammenfassung

Die vorangehend vorgestellten und sehr verdichtet erläuterten Schritte der methodischen Vorgehensweisen einer sozialwissenschaftlichen bzw. wissenssoziologischen Diskursforschung sollten, das möchte ich noch einmal betonen, als Vorschläge und Anregungen, nicht als Rezepte und Blockierungen eigener Kreativität verstanden werden. Sie bedürfen deswegen der Anpassung an eigene Forschungsfragen und Theorieperspektiven. Die Kreativität des Forschungsprozesses ist unabdingbar für die weitere Entwicklung und die sozialwissenschaftlichen Potenziale gerade auch der Diskursforschung. In der Diskussion der einzelnen Schritte wurde schon verschiedentlich darauf hingewiesen, an welchen Stellen größere Defizite der Diskursanalyse ausgemacht werden können. Dies betrifft sicherlich die Schnittstellen zwischen discourse analysis und Diskurstheorie bzw. -forschung; dazu gehören auch die angesprochenen Auseinandersetzungen mit anderen Datenformaten jenseits der Texte sowie mit den Methoden ihrer Analyse, und dazu zählen letztlich auch Experimente in der Ergebnisaufbereitung. Vermieden werden sollte insgesamt die Neigung zu textidealistischen Fehlschlüssen oder zur ‚reinen‘ Textwissenschaft. Dies wird der Diskursforschung insoweit gelingen, wie sie die materiale Seite der Diskurse sowohl im Hinblick auf die Diskursproduktion als auch bezüglich der Diskursrezeption und der Diskursfolgen in den Blick nimmt, angemessene Vorstellungen der Rolle sozialer Akteure in Diskursen entwickelt, die soziohistorischen Kontexte der Diskurse anerkennt sowie ihre Ergebnisse in Beziehungen zu anderen sozialwissenschaftlichen Theorie- und Forschungsperspektiven setzt. Denn auch wenn viel für den Ansatz der Diskursforschung spricht, so sollte darüber nicht vergessen werden, dass Wirklichkeit und Gesellschaft komplexe Phänomene sind, die schon innerhalb der Sozialwissenschaften verschiedene Zugangsweisen — wie Sozialstrukturanalysen, Untersuchungen nichtintendierter Folgen, Strukturierungstheorien usw. — nicht nur erlauben, sondern auch erfordern.

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2004

Authors and Affiliations

  • Reiner Keller

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