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Die Vorgehensweise

  • Reiner Keller
Chapter
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Part of the Qualitative Sozialforschung book series (QUALSOZFO, volume 14)

Zusammenfassung

Der Begriff ‚Diskurs‘ bezeichnet ein Konstrukt der Sozialforscherinnen. Damit wird hypothetisch unterstellt, dass spezifischen empirischen Daten, die zunächst als singuläre, in Zeit und Raum verstreute Ereignisse (Äußerungen) existieren und dokumentiert sind, ein Zusammenhang, eine Regel oder Struktur unterliegt. Eine solche Annahme muss als Suchhypothese für die Zusammenstellung eines Datenkorpus eingesetzt werden. Die konkrete Gestalt des Datenkorpus, also sein Umfang und seine Bestandteile, richtet sich nach den Untersuchungszielen. Es kann aus protokollierter mündlicher Rede, unterschiedlichsten Schriftstücken, audiovisuellen Materialien, Beobachtungsprotokollen und auch Artefakten bestehen. Unter der Perspektive ‚Diskurs‘ geht es darum, die sozialen Mechanismen und Regeln der Produktion und Strukturierung von Wissensordnungen zu untersuchen. Es ist deswegen möglich, dass sich bestimmte, zunächst bspw. nach groben thematischen Markern erhobene Daten nicht als Teile der interessierenden Diskurse rekonstruieren lassen bzw. im Fortgang des Untersuchungsprozesses aus dem Datenkorpus ausgeschlossen werden müssen. In diesem Sinne kann eine Diskursanalyse auch scheitern, wenn nicht hinreichend auf die ‚Zusammengehörigkeit‘ der zugrunde gelegten Daten geachtet wird. Welche methodischen Zugänge die konkrete Analyse verfolgt, muss im Zusammenhang der spezifischen Fragestellung, der getroffenen Datenauswahl und der anvisierten Tiefenschärfe einer Untersuchung entschieden werden.

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Literatur

  1. 69.
    Vgl. auch Flick (2002: 33ff).Google Scholar
  2. 70.
    Die nachfolgenden Ausführungen gelten analog für audiovisuelle Daten.Google Scholar
  3. 71.
    Sieht man von der in den Sozialwissenschaften (nicht immer) bestehenden Möglichkeit zur Feldbeobachtung ab, dann besteht, bezogen auf Textdaten, kein grundsätzlicher Unterschied zu geschichtswissenschaftlichen oder sprachwissenschaftlichen Korpusbildungen. Vgl. zu weiteren Möglichkeiten Keller/Hirseland/SchneiderNiehöver (2003).Google Scholar
  4. 72.
    Die grounded theory, d.h. die gegenstandsbezogene Theoriebildung, ist ein Forschungsansatz der qualitativen Sozialforschung, der von Anselm Strauss und Barny Glaser entwickelt wurde und darauf zielt, theoretisch gehaltvolle Rekonstruktionen von Handlungsprozessen — bspw. Betreuungsabläufe in Krankenhäusern — zu ermöglichen. Glaser/Strauss haben dafür verschiedene Konzepte vorgestellt, die auf die Diskursforschung übertragen bzw. fir deren Programm modifiziert werden können und müssen (vgl. dazu Strauss 1998; Glaser 1978 ).Google Scholar
  5. 73.
    Dies gilt natürlich umgekehrt auch für quantitative, bspw. inhaltsanalytische Methoden: dort können zwar große Korpora ausgewertet werden, allerdings nur im Hinblick auf wenige Merkmale. Vgl. dazu auch die Hinweise auf Abkürzungsstrategien bei der Deutungsmusteranalyse umfangreicher Texte in Lüders/Meuser (1997).Google Scholar
  6. 74.
    Vgl. Keller/Hirseland/SchneiderNiehöver (2003), auch Flick (2002: 97ff).Google Scholar
  7. 75.
    Vgl. insbesondere Gee (1999), Gee/Hull/Lankshear (1996), Wetherell (1998), Wetherell/Taylor/Jates (2001a), Jorgensen/ Philipps (2002), Philipps/Hardy (2002) und Guilhaumou (2003); zur Gesprächsforschung auch Deppermann (1999).Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2004

Authors and Affiliations

  • Reiner Keller

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