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Die Aktualität der Diskursforschung

  • Reiner Keller
Chapter
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Part of the Qualitative Sozialforschung book series (QUALSOZFO, volume 14)

Zusammenfassung

In den Sozialwissenschaften besteht ein Grundkonsens darüber, dass die Beziehungen der Menschen zur Welt durch kollektiv erzeugte symbolische Sinnsysteme oder Wissensordnungen vermittelt werden. Die verschiedenen Paradigmen unterscheiden sich nach dem theoretischen, methodischen und empirischen Stellenwert, den sie dieser Einschätzung einräumen. In Analysen der gesellschaftlichen Bedeutung von Wissen und symbolischen Ordnungen haben in den letzten Jahrzehnten die Begriffe des Diskurses,der Diskurstheorie und der Diskursanalyse enorm an Bedeutung gewonnen. Dies gilt vor allem für die breite Rezeption der Arbeiten von Michel Foucault. In deutlich geringerem Maße lässt sich dies auch für Entwicklungen innerhalb des interpretativen Paradigmas behaupten. Die Konjunktur diskursorientierter Theoriebildungen und Forschungen zeigt sich eindrucksvoll in verschiedenen sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, bspw. in Geschichts-, Sprach-, Literatur- und Politikwissenschaften oder der Soziologie.1 Der Bezug auf den Begriff ‚Diskurs‘ erfolgt dann, wenn sich die theoretischen Perspektiven und die Forschungsfragen auf die Konstitution und Konstruktion von Welt im konkreten Zeichengebrauch und auf zugrunde liegende Strukturmuster oder Regeln der Bedeutungs(re-)produktion beziehen. Diskurse lassen sich als mehr oder weniger erfolgreiche Versuche verstehen, Bedeutungszuschreibungen und Sinn-Ordnungen zumindest auf Zeit zu stabilisieren und dadurch eine kollektiv verbindliche Wissensordnung in einem sozialen Ensemble zu institutionalisieren. Diskurstheorien bzw. Diskursanalysen sind wiederum wissenschaftliche Unternehmungen zur Untersuchung der damit angesprochenen Prozesse: Die sozialwissenschaftliche Diskursforschung beschäftigt sich mit dem Zusammenhang zwischen Sprechen/Schreiben als Tätigkeit bzw. soziale Praktiken und der (Re-) Produktion von Sinnsystemen/Wissensordnungen, den darin eingebundenen sozialen Akteuren, den diesen Prozessen zugrunde liegenden Regeln und Ressourcen sowie ihren Folgen in sozialen Kollektiven.

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Literatur

  1. 1.
    Vgl. Keller (1997), die Beiträge in Keller/Hirseland/SchneiderNiehöver (2001, 2003), die Hinweise in der vorliegenden Einführung sowie die Webseite des Arbeitskreises Diskursanalyse (www.diskursforschung.de).Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. zur discourse analysis Kapitel 2.2. und Deppermann (1999); zur Entwicklung von Wissenssoziologie und Sprachforschung Knoblauch (2000).Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2004

Authors and Affiliations

  • Reiner Keller

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