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Moralische Distinktion. Zur theoretischen Konzeptualisierung einer religiös begründeten Moralisierung

  • Katharina Liebsch
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Part of the Veröffentlichungen der Sektion „Religionssoziologie“ der Deutschen Gesellschaft für Soziologie book series (DGSRELIGION, volume 6)

Zusammenfassung

Mit dem Begriff der Moral sind drei Bedeutungszusammenhänge verbunden: Moral bezeichnet zum einen das „sittlich Gute“ und ein korrespondierendes sittengemäßes bzw. unsittliches Verhalten, beispielsweise wenn von der „herrschenden Moral“ die Rede ist. Zum zweiten charakterisiert der Begriff den Grad der Disziplin und der Zucht, wie es in der Redewendung von der „Moral der Truppe“ zum Ausdruck kommt. Zum dritten kann der Begriff auch auf eine Nutzanwendung, eine Lehre verweisen, eben die „Moral von der Geschichte“ bezeichnen. Moralisierung als Prozess der Etablierung, Befestigung und Verbreitung einer Moral hat demzufolge auch mehrere Bedeutungsdimensionen: Moralisierung kann einerseits darin bestehen, sich auf Sittlichkeit zu beziehen und beispielsweise einen moralischen Verfall zu beklagen oder moralischen Druck auszuüben, andererseits darin, den Grad der Disziplin, der Zusammengehörigkeit und der koordinierten Handlungen einer Gruppe regulieren zu wollen. Zudem kann Moralisierung sich in einem Deutungsanspruch transportieren, indem moralische Erzählungen verbreitet werden, die den Menschen als Leitlinie des Handelns und Maßstab des Gewissens dienen können.

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2001

Authors and Affiliations

  • Katharina Liebsch

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