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Die politischen Zielkulturen in der Bundesrepublik und in der DDR

  • Wolfgang Bergem
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Zusammenfassung

Die politischen Führungen aller Staaten sind daran interessiert, das politische System, dessen Regierung ihnen obliegt, zu stabilisieren. Ein wichtiges Ziel bei dieser Konsolidierung ist die Kongruenz von politischem System und politischer Kultur. Aus dem begreiflichen Interesse der staatlichen Führungen an Systemstabilisierung wird somit der Wille, die vorgefundene politische Kultur weitestgehend dem Typus politischer Kultur anzunähern, der dem politischen System die größtmögliche Stabilität zu geben verspricht. Zwar haben die staatlichen Führungen in Abhängigkeit von den ihnen jeweils gegebenen Möglichkeiten, auf die Gestaltung der politischen Sozialisation — in der sich die Merkmale einer politischen Kultur herausbilden — Einfluß zu nehmen, unterschiedliche Potenzen zur Einwirkung auf die politische Kultur: aber die beschriebene Konstellation ist in allen politischen Systemen grundsätzlich gleich.

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Literatur

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  8. 10.
    Vgl. Gert-Joachim Glaeßner: Systemvergleich, in: Politikwissenschaft 1985/1987, 10141016, hier 1016: “Im Gegensatz zu westlichen Systemen werden die sozialistischen Staaten als Zielkulturen (goal culture) begriffen, die eine utopische, von der kommunistischen Partei formulierte Vorstellung von zukünftiger Gesellschaft haben und unter Berufung darauf Herrschaft legitimieren. Dieser Zielkultur wird eine Transferkultur gegenübergestellt. Sie stellt die Normen zur Verfügung, die die politischen Wege bestimmen, auf denen die letzten Ziele der Gesellschaft erreicht werden sollen.”Google Scholar
  9. 12.
    Vgl. Gert-Joachim Glaeßner: Systemvergleich, in: Politikwissenschaft 1985/1987, 10141016, hier 1016. Glaeßner beschreibt hier den politikwissenschaftlichen Systemvergleich, hinter dessen Annahmen er sich selbst nicht ausdrücklich stellt.Google Scholar
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    Vgl. ausführlicher zum Begriff der Persönlichkeit Dirk Berg-Schlosser: Demokratische Persönlichkeit, in: Handwörterbuch zur politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland 1981, 123–130; Heinz E. Wolf: Persönlichkeit, in: Handbuch zur deutsch-deutschen Wirklichkeit 1983/1988, 551–555. Vgl. zum Begriff der politischen Persönlichkeit Claußen 1988, 35–43.Google Scholar
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    Vgl. Harold D. Lasswell: Democratic Character, in: The Political Writings of Harold D. Lasswell, Glencoe /Ill. 1951, S. 465–525. Diese vier Aspekte sind wiedergegeben in: Dirk Berg-Schlosser: Demokratische Persönlichkeit, in: Handwörterbuch zur politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland 1981, 123–130, hier 125.Google Scholar
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  15. 19.
    Vgl. Ansgar Diller: Die lizensierte Meinung. Neue Aufgaben fir Presse und Rundfunk, in: Jürgen Weber u. a.: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 1: Auf dem Wege zur Republik 1945–1947, München 19853, S. 237–268, hier S. 249; Ansgar Diller: Kultur ‘nach dem Ungeist. Auf der Suche nach einem neuen Standort, in: Jürgen Weber u. a.: Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 2: Das Entscheidungsjahr 1948, München 19863, S. 317–340, hier S. 325–328Google Scholar
  16. 20.
    Vgl. Gaus 1986/1988, 79. Wolfgang Benz (1986, 193) wies darauf hin, daß sich die Amerikaner bei der Wiederbelebung der kulturellen Szene in den ersten Nachkriegsjahren “puritanischer” als die sowjetische Besatzungsmacht zeigten und sich “auf das Erziehen und Belehren” konzentrierten.Google Scholar
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    Vgl. K. E. Bungenstab: Umerziehung zur Demokratie? Reeducation-Politik im Bildungswesen der US-Zone 1945–1949, Düsseldorf 1970, S. 70–78; nach Kleßmann 1986, 92Google Scholar
  18. 23.
    Vgl. G. Pakschies: Umerziehung in der britischen Zone 1945–1949, Weinheim 1979, S. 269; nach Kleßmann 1986, 9425 Verfassung des Landes Hessen vom 1. Dezember 1946. Zuletzt geändert durch Gesetz vom 23. März 1970, in: Verfassungen der deutschen Bundesländer 1981, 162–187, hier 170Google Scholar
  19. 26.
    Verfassung des Freistaates Bayern vom 2. Dezember 1946. Zuletzt geändert durch Ges. vom 19.7.1973, in: Verfassungen der deutschen Bundesländer 1981, 40–72, hier 63Google Scholar
  20. 27.
    Verfassung fir Rheinland-Pfalz vom 18. Mai 1947. Zuletzt geändert durch Gesetz vom 23. Februar 1979, in: Verfassungen der deutschen Bundesländer 1981, 261–288, hier 266Google Scholar
  21. 28.
    Landesverfassung der Freien Hansestadt Bremen vom 21. Oktober 1947. Zuletzt geändert durch Gesetz vom 13.3.1973, in: Verfassungen der deutschen Bundesländer 1981, 101–128, hier 105Google Scholar
  22. 29.
    Verfassung des Saarlandes vom 15. Dezember 1947. In der Fassung des Gesetzes Nr. 1102 vom 4. Juli 1979, in: Verfassungen der deutschen Bundesländer 1981, 302–321, hier 305f.Google Scholar
  23. 30.
    Verfassung für das Land Nordrhein-Westfalen vom 28. Juni 1950. Zuletzt geändert durch Gesetz vom 19. Dezember 1978, in: Verfassungen der deutschen Bundesländer 1981, 227248, 31 Vgl. Verfassung von Berlin vom 1. September 1950. Zuletzt geändert durch 20. Änderungsgesetz vom 26. Februar 1981; Vorläufige Niedersächsische Verfassung vom 13. April 1951, i. d. F. des Gesetzes vom 23. Dezember 1958; Verfassung der Freien und Hansestadt Hamburg vom 6. Juni 1952. Zuletzt geändert durch Gesetz vom 14. Januar 1972; in: Verfassungen der deutschen Bundesländer 1981, 85–100, 202–216 und 133–149Google Scholar
  24. 32.
    Landessatzung für Schleswig-Holstein in der Fassung vom 15. März 1962. Zuletzt geändert durch Gesetz vom 29. Juni 1979, in: Verfassungen der deutschen Bundesländer 1981, 338347, hier 339Google Scholar
  25. 33.
    Verfassung des Landes Baden-Württemberg vom 11. November 1953. Zuletzt geändert durch Ges. vom 6.2.1979, in: Verfassungen der deutschen Bundesländer 1981, 1–24, hier 334 So Franklin Schultheiß, bis zum 31.7.1992 einer von drei Direktoren der Bundeszentrale für politische Bildung: 40 Jahre politische Bildung. Geschichte, Entwicklung, Perspektiven, in: Vierzig Jahre politische Bildung 1990, 19–24, hier 23Google Scholar
  26. 35.
    Vgl. Friedrich Oetinger (Pseudonym für Theodor Wilhelm): Wendepunkt der politischen Erziehung, Stuttgart 1951; nach Manfred Hättich: Anspruch und Wirkung politischer Bildung 1919–1989, in: Vierzig Jahre politische Bildung 1990, 27–33, hier 30. Vgl. dort auch zur Kritik an der Partnerschaftspädagogik.Google Scholar
  27. 36.
    Vgl. Manfred Hättich: Rationalität als Ziel politischer Bildung. Eine Einfihrung, München 1977Google Scholar
  28. 38.
    Vgl. Günter C. Behrmann: Politische Bildung, in: Handwörterbuch zur politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland 1981, 312–319, hier 312Google Scholar
  29. 39.
    Vgl. Alfons Söllner: Vom Staatsrecht zur “political science”? Die Emigration deutscher Wissenschaftler nach 1933, ihr Einfluß auf die Transformation einer Disziplin, in: PVS 1990/4, 627–654, hier vor allem 646f.Google Scholar
  30. 41.
    Vgl. Tätigkeitsbericht 1992 der Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1993, S. 9–44Google Scholar
  31. 42.
    Franklin Schultheiß: 40 Jahre politische Bildung. Geschichte, Entwicklung, Perspektiven, in: Vierzig Jahre politische Bildung 1990, 19–24, hier 19Google Scholar
  32. 43.
    Die bis zum 31.7.1992 amtierende Führungsriege der Bundeszentrale mit drei Direktoren - Franklin Schultheiß (SPD), Horst Dahlhaus (FDP) und Wolfgang Maurus (CSU) - war, um diese Abhängigkeit zu umgehen, nach Parteiproporz austariert, jedoch hatte sie sich sich am Ende selbst völlig blockiert. Die neue Führungsstruktur mit einem Präsidenten - Günter Reichert (CDU) - und zwei Vizepräsidenten - Wolfgang Arnold (SPD) und Hans-Jürgen Beerfeltz (FDP) - soll diese Selbstlähmung überwinden helfen (vgl. Martin Thurau: Nicht nur PR-Maschine fur die jeweilige Bundesregierung. Grabenkämpfe und Parteienproporz haben in den vergangenen Jahren den Bonner “Think Tank” blockiert, in: SZ vom 29./30.8.1992).Google Scholar
  33. 44.
    Vgl. Hans-Hermann Hartwich: Die wechselseitige Beeinflussung von Politik und staatlicher politischer Bildung, in: Vierzig Jahre politische Bildung 1990, 34–50, hier 36–38Google Scholar
  34. 45.
    Vgl. Hans-Hermann Hartwich: Die wechselseitige Beeinflussung von Politik und staatlicher politischer Bildung, in: Vierzig Jahre politische Bildung 1990, 34–50, hier 39Google Scholar
  35. 46.
    Vgl. Gunter C. Behrmann: Politische Bildung, in: Handwörterbuch zur politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland 1981, 312–319, hier 316Google Scholar
  36. 47.
    So zum Beispiel unter der Überschrift “Aufgabenverständnis der Erwachsenenbildung” in: Die Volkshochschule - Handbuch firr die Praxis der VHS-Leiter und -Mitarbeiter. Loseblattsammlung DIN A4, hg. von der Pädagogischen Arbeitsstelle des Deutschen VolkshochschulVerbandes, 5. Lieferung, Frankfurt a. M. 1972, Blatt 41.515. Dort heißt es auch: “Was immer im einzelnen getan wird, es soll auf eine gesellschaftskritische politische Bildung abzielen und damit emanzipatorisch wirken.”Google Scholar
  37. 48.
    Vgl. Hans-Hermann Hartwich: Die wechselseitige Beeinflussung von Politik und staatlicher politischer Bildung, in: Vierzig Jahre politische Bildung 1990, 34–50, hier 41Google Scholar
  38. 49.
    Vgl. Das Parlament vom 18.8.1989; nach Hans-Hermann Hartwich: Die wechselseitige Beeinflussung von Politik und staatlicher politischer Bildung, in: Vierzig Jahre politische Bildung 1990, 34–50, hier 43Google Scholar
  39. 50.
    Erlaß des Bundesministers des Innern fiber die Bundeszentrale für politische Bildung vom Dezember 1987; zit. n. Peter Lösche: Kooperation zwischen staatlichen Bildungsträgern und Verlagen, in: Vierzig Jahre politische Bildung 1990, 133–135, hier 133Google Scholar
  40. 51.
    Zit. n. Franz Kroppenstedt: Die Weiterentwicklung staatlich geförderter politischer Bildung, in: Vierzig Jahre politische Bildung 1990, 270–275, hier 271f.Google Scholar
  41. 52.
    Vgl. fiber die bislang genannten Zielbestimmungen hinaus auch Gerhart Rudolf Baum: Politische Bildung in der Demokratie. Rede des Bundesministers des Innern auf dem 1. BundeskongreB Mr politische Bildung in Gießen am 19. Februar 1982, in: Zur Situation der politischen Bildung 1982, 11–23, hier 17–21; Wolfgang W. Mickel: Politische Bildung, in: Politikwissenschaft 1985/1987, 730–732; Wolfgang Hilligen: Politische Bildung, in: Handlexikon zur Politikwissenschaft 1986, 363–369; Lothar Döhn: Aufklärung und Ideologiekritik, in: Handbuch zur politischen Bildung 1988, 86–92; Hermann Giesecke: Parteinahme, Parteilichkeit und Toleranzgebot, in: Handbuch zur politischen Bildung 1988, 69–72; Wolfgang Hilligen: Optionen und Überwältigungsverbot, in: Handbuch zur politischen Bildung 1988, 43–48; Klaus Keil: Kontroverses Denken, in: Handbuch zur politischen Bildung 1988, 56–60; Wolfgang W. Mickel: Kritikfähigkeit, Urteils-und BewuBtseinsbildung, ders.: Werte in der politischen Bildung, in: Handbuch zur politischen Bildung 1988, 61–66 und 92–99; Hans-Jürgen Pandel: Alltagsorientierung, in: Handbuch zur politischen Bildung 1988, 66–69; Siegfried Schiele: Konsens und Konflikt, in: Handbuch zur politischen Bildung 1988, 72–76; Gerd Stein: Demokratie und Partizipation, ders.: Mündigkeit und Emanzipation, in: Handbuch zur politischen Bildung 1988, 48–52 und 52–56; Thomas Ellwein: Politische Bildung und Politische Wissenschaft, in: Vierzig Jahre politische Bildung 1990, 257–269, hier 258260; Wolfgang Maurus: Konsens und Konflikt in Politik und politischer Bildung, in: Vierzig Jahre politische Bildung 1990, 276–279Google Scholar
  42. 53.
    Ulrich Sarcinelli: “Prinzip Verantwortung” als politische und pädagogische Bezugsgröße. Überlegungen zum Verhältnis von Politikwissenschaft und politischer Bildung, in: Zur Theorie und Praxis der politischen Bildung 1990, 367–378, hier 375Google Scholar
  43. 54.
    Bei Verba 1965b, 133 wird der Unterschied noch deutlicher als bei Almond/Verba 1963, 498–501Google Scholar
  44. 58.
    Vgl. zum Beispiel Almond/Powell 1984, 42f.; oder A. Marsh: Exploration in Unorthodoxe political Behavior. A Scale to Measure ‘Protest Potential’, in: European Journal of Political Science 1974/2, S. 107ff.; die letztere Untersuchung nach: von Beyme 1988, 271Google Scholar
  45. 59.
    Vgl. Leslie H. Gelb: To Reenergize Democracy, Reengage the Elites, in: International Herald Tribune vom 7.4.1991Google Scholar
  46. 60.
    Vgl. E. J. Dionne, Jr.: The War Against Public Life: Why Americans Hate Politics, New York 1991Google Scholar
  47. 61.
    Karl Carstens: Aufgaben der politischen Bildung, Bonn 1982, S. 12 und 10 (zit. n. ClauBen 1988, 12)Google Scholar
  48. 62.
    Vgl. zur offiziellen politischen Kultur der DDR auch Sontheimer/Bergem 1990, 61–67.Google Scholar
  49. 64.
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  50. 65.
    Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie 1985, 397Google Scholar
  51. 68.
    Vgl. als Beispiele für diesen immer wieder auftauchenden Begriff Pädagogisches Wörterbuch 1987, 18f.; Wolfgang Rudolph 1987, 79; oder Günther 1989, 14. In anderen Texten hieß es mit gleicher Bedeutung lediglich “allseitig entwickelte Persönlichkeit”, etwa in: Wissenschaftlicher Kommunismus 1973, 535; Programm der SED 1976, 66; Gottfried Schneider 1988, 60; oder Wissenschatlicher Sozialismus 1988, 279.Google Scholar
  52. 69.
    Karl Marx: Das Kapital, Bd. 1, in: ders./Friedrich Engels: Werke, Bd. 23, hg. vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin /DDR 1962, S. S. 508.Google Scholar
  53. 70.
    Wladimir I. Lenin hat gefordert, der Kommunismus müsse dahin gelangen, “allseitig entwikkelte und allseitig geschulte Menschen, die alles machen können, zu erziehen, zu unterweisen und heranzubilden”; dorthin werde er aber “erst nach einer langen Reihe von Jahren” gelangen (Wladimir I. Lenin: Der “linke Radikalismus”, die Kinderkrankheit im Kommunismus, in: Werke, Bd. 31, S. 35; zit. n. Sauermann 1985, 249).Google Scholar
  54. 71.
    Vgl. Karl Popper: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde. Bd. 1: Der Zauber Platons, Tübingen 19692Google Scholar
  55. 72.
    Martin Ahrend: Die Macht der Angst. Ein anderes, ein neues Deutschland? Wie die DDR mit der deutschen Vergangenheit fertig wird, in: Die Zeit vom 31.5.1985Google Scholar
  56. 73.
    Die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik, Berlin /DDR o. J. (1949), S. 18Google Scholar
  57. 74.
    Verfassung der DDR 1986, 61f. und 75 (im folgenden bezeichnet als Verfassung von 1968/ 1974)Google Scholar
  58. 75.
    Protokoll der Verhandlungen des V. Parteitages der SED 1959, Bd. 1, 160f.Google Scholar
  59. 76.
    Protokoll der Verhandlungen des VI. Parteitages der SED 1963, Bd. 4, 301. In diesem Parteiprogramm von 1963 (S. 384) wurde auch die “sozialistische Nationalkultur als die Erfullung der humanistischen Kultur des deutschen Volkes” interpretiert.Google Scholar
  60. 77.
    Johann Wolfgang Goethe: Faust. Eine Tragödie, in: Goethes Werke. Hamburger Ausgabe, Bd. 3, S. 348Google Scholar
  61. 78.
    Walter Ulbricht: Unser guter Weg zur sozialistischen Menschengemeinschaft, in: Das System der sozialistischen Gesellschafts-und Staatsordnung in der DDR. Dokumente, Berlin /DDR 1969, S. 245; zit. n. DDR. Dokumente 1986, 306Google Scholar
  62. 79.
    So zum Beispiel durch ihren Chefideologen Kurt Hager: Die entwickelte sozialistische Gesellschaft, 14. Oktober 1971, in: ders.: Zur Theorie und Politik des Sozialismus. Reden und Aufsätze, Berlin /DDR 1972, S. 162 und 173; zit. in DDR. Dokumente 1986, 323f.Google Scholar
  63. 83.
    Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie 1985, 398Google Scholar
  64. 84.
    Vgl. zum Beispiel Jegorow/Reinhold 1984, 286f.; Hauptabteilung Lehrerbildung des Ministeriums für Volksbildung 1986, 40–49; Pädagogisches Wörterbuch 1987, 18; Wolfgang Rudolph 1987, 156–166; oder Günther 1989, 14–17Google Scholar
  65. 86.
    Diese Pflichtenregelungen in der Verfassung von 1968 in der Fassung von 1974 entsprechen im wesentlichen denen in der ersten Verfassung der DDR von 1949. Allerdings war dort die Einheit von Grundrechten und Grundpflichten weniger explizit als in der Verfassung von 1968; ein Indiz dafür ist, daß in der entsprechenden Überschrift 1949 von den “Rechte(n) des Bürgers” (S. 6) die Rede war, während es 1968/1974 “Grundrechte und Grundpflichten der Bürger” (S. 66) hieß.Google Scholar
  66. 88.
    Vgl. Heuer 1989, 435. Die Warnung, daß die “politische Stabilität im Sozialismus… politischer Aktivität von oben und von unten gleichermaßen und aufeinander einwirkend” bedürfe (S. 435), hatte gute Gründe, doch kam sie spät: Sechs Monate nachdem Heuer das Manuskript seines Buches abgeschlossen hatte, leitete die Öffnung der Grenze der DDR deren Ende ein.Google Scholar
  67. 89.
    Vgl. Hauptabteilung Lehrerbildung des Ministeriums für Volksbildung 1986, 44Google Scholar
  68. 90.
    Vgl. Jegorow/Reinhold 1984, 287; Pädagogisches Wörterbuch 1987, 261; Günther 1989, 16Google Scholar
  69. 91.
    Vgl. Jegorow/Reinhold 1984, 286; Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie 1985, 526Google Scholar
  70. 92.
    Pädagogisches Wörterbuch 1987, 344. An anderer Stelle wurde Selbsterziehung definiert als “die bewußte, planmäßige, systematische Arbeit an sich selbst mit dem Ziel, sich in Übereinstimmung mit den gesellschaftlichen Erfordernissen zu vervollkommnen” (Hauptabteilung Lehrerbildung des Ministeriums für Volksbildung 1986, 229).Google Scholar
  71. 93.
    Vgl. Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie 1985, 350f. Die zitierte Formulierung taucht wortgleich auf in: Pädagogisches Wörterbuch 1987, 260. Weniger sicher und eher differenzierungsbedürftig schien die materielle Determination von Werten und Einstellungen dem Autorenkollektiv unter Leitung von Rudi Weidig (1988, 158): “Einstellungen und Verhaltensweisen entstehen nicht mechanistisch oder gar monokausal aus objektiven Bedingungen; aber sie sind auch nicht einfach im Persönlichkeitsprofil angelegt und ein für allemal prädeterminiert.”Google Scholar
  72. 94.
    Protokoll der Verhandlungen des VI. Parteitages der SED 1963, Bd. 4, 301Google Scholar
  73. 96.
    Vgl. Hauptabteilung Lehrerbildung des Ministeriums für Volksbildung 1986, 43–45Google Scholar
  74. 98.
    Anordnung über die Bildungs-und Erziehungsarbeit in den Heimen der Jugendhilfe - Heimordnung - vom 1. September 1969, _ 3, in: Gesetzblatt der DDR 1969, Teil II, 555Google Scholar
  75. 100.
    So stellte Horst Adam im Jahr des Machtantritts von Erich Honecker fest: “Unser ideologisches Freund-Feind-Bild ist Bestandteil der allseitig entwickelten sozialistischen Persönlichkeit, die bewußt und aktiv die sozialistische Gesellschaft gestaltet… Der sozialistische Staatsbürger braucht ein klares Freund-Feind-Bild, um den Klassenverbündeten und den Klassenfeind des sozialistischen Vaterlandes erkennen und entsprechend handeln zu können.” (Horst Adam: Philosophisch-theoretische Probleme des ideologischen Freund-FeindBildes, in: DZfPh 1971/6, 720–737, hier 736)Google Scholar
  76. 101.
    Vgl. Wörterbuch der DDR-Pädagogik 1974, 233; Pädagogisches Wörterbuch 1987, 410f.Google Scholar
  77. 104.
    Programm der SED 1976, 74. Im Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie (1985, 49) wurde “Arbeitsmoral” als “grundlegender Bestandteil der Moral einer Gesellschaft” eingefilhrt.Google Scholar
  78. 105.
    Vgl. zum Beispiel Wissenschaftlicher Kommunismus 1973, 525 und 535; Kosing 1981/1984, 278; Manz 1983, 62; Jegorow/Reinhold 1984, 286; Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie 1985, 398; Hauptabteilung Lehrerbildung des Ministeriums für Volksbildung 1986, 43–49; Wolfgang Rudolph 1987, 19–26 und 156; oder Günther 1989, 16Google Scholar
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    Hauptabteilung Lehrerbildung des Ministeriums für Volksbildung 1986, 49Google Scholar
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    Zit. in: Vom Sinn unseres Lebens, hg. vom Zentralen Ausschuß für Jugendweihe in der Deutschen Demokratischen Republik, Leiter des Redaktionskollegiums: Lothar Oppermann, Berlin /DDR 1983, S. 81Google Scholar
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    Helmut Hanke 1988, 436. Wie sehr Hanke mit der Feststellung dieser Dialektik von der dogmatischen Sicht abwich, wird deutlich im Vergleich mit einer Publikation aus demselben Jahr, in der “die Einheit von Persönlichkeits-und Produktivkraftentwicklung” (Gottfried Schneider 1988, 10) noch besonders betont wurde.Google Scholar
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    Vgl. Wissenschaftlicher Kommunismus 1973, 525f. und 535Google Scholar
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    Wissenschaftlicher Sozialismus 1988, 490Google Scholar
  84. 115.
    Wissenschaftlicher Sozialismus 1988, 480. Zwar ging es hier um die “prinzipielle(n) Offenheit der sozialistischen Gesellschaft fair vorwärtsführendes Neuerertum” im Zusammenhang einer Steigerung der Effektivität in Produktion, Wissenschaft und Technik, jedoch bleibt entscheidend, daß der Begriff der Offenheit mit Bezug auf die sozialistische Gesellschaft in diesem offiziellen Lehrbuch überhaupt auftauchte. Auch der Forscher am damaligen Bereich Wissenschaftlicher Kommunismus der Sektion Marxistisch-leninistische Philosophie der Humboldt-Universität zu Berlin, (inzw. Prof.) Dr. Dieter Segert, betonte in einem Gespräch mit dem Verfasser am 13. Oktober 1988 in Berlin/DDR die Offenheit jeder geschichtlichen Entwicklung und erwiderte auf den Einwand, diese Auffassung widerspräche doch eklatant dem historischen Determinismus des Marxismus-Leninismus, der die Publikationen der DDR-Gesellschaftswissenschaften fast durchgängig die Vorbestimmtheit der geschichtlichen Entwicklung verkünden ließe: “Die Wichtigkeit von solchen Thesen darf man nicht anhand der Mengen an bedrucktem Papier beurteilen.” Segert bemühte sich zu der Zeit neben anderen um die Etablierung politikwissenschaftlicher Forschung in der DDR.Google Scholar
  85. 116.
    Vgl. Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie 1985, 133: “Der Egoismus als moralisches Lebensprinzip und praktisches Verhalten hängt eng mit dem Individualismus zusammen.”Google Scholar
  86. 117.
    Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie 1985, 251f.Google Scholar
  87. 123.
    Protokolle der Verhandlungen des XI. Parteitages der SED 1986, 75 (Berichterstatter: Erich Honecker)Google Scholar
  88. 127.
    Im Jahr 1981 war die DDR mit weit über 10 Milliarden US-Dollar im westlichen Ausland verschuldet. 1983 sank die Verschuldung nicht zuletzt aufgrund westdeutscher Kredite auf 6,7 Milliarden Dollar; jedoch konnte diese Konsolidierung die immensen wirtschaftlichen Probleme, die von der SED-Führung bis zuletzt geleugnet wurden, nicht lösen (vgl. Weber 1976/1991, 200–203).Google Scholar
  89. 128.
    Vgl. Margot Honecker: Die Schulpolitik der SED und die wachsenden Anforderungen an den Lehrer und die Lehrerbildung. Referat auf der Konferenz des Ministeriums für Volksbildung in Erfurt, 15. November 1985, in: Honecker 1986, 724–767, hier 733 und 737f. Offenbar wurde schon eine gewisse Ferne dieser Forderung nach Ausprägung der Individualität der Schiller zur Ideologie des Marxismus-Leninismus empfunden; jedenfalls sah sich Margot Honecker veranlaßt, im unmittelbaren Anschluß zu versichern: “Diese Anforderung entspricht zutiefst dem Wesen des Sozialismus.”Google Scholar
  90. 130.
    Vgl. Harald Schliwa: Vom Stellenwert der Persönlichkeitsentwicklung und der Individualität in der entwickelten sozialistischen Gesellschaft, in: DZfPh 1988/8, 704–712 (dort auch der Hinweis auf die Veröffentlichung in “Konsequent”); Schliwa 1988Google Scholar
  91. 133.
    Harald Schliwa: Vom Stellenwert der Persönlichkeitsentwicklung und der Individualität in der entwickelten sozialistischen Gesellschaft, in: DZfPh 1988/8, 704–712, hier 708f.Google Scholar
  92. 135.
    Eva Strittmatter: Wanzka und Wellm, in: Poesie und andere Nebendinge, Berlin und Weimar 1986, S. 35f. (zit. n. Schliwa 1988, 260)Google Scholar
  93. 140.
    Vgl. Ginter C. Behrmann: Politische Bildung, in: Handwörterbuch zur politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland 1981, 312–319, hier 314Google Scholar
  94. 141.
    Vgl. Wolfgang Hilligen: Politische Bildung, in: Handlexikon zur Politikwissenschaft 1986, 362–369, hier 363; vgl. auch Volker Gransow: Antikommunismus, in: Handwörterbuch zur politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland 1981, 43–48Google Scholar
  95. 147.
    Johannes R. Becher: Wir, Volk der schaffenden Hände, in: Werke, Bd. 1, Berlin und Weimar 19762, S. 397Google Scholar
  96. 148.
    Vgl. Karl Marx: Kritik des Hegelschen Staatsrechts, in: ders./Friedrich Engels: Werke, Bd. 1, hg. vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin /DDR 1956, 1981, S. 203–333, hier vor allem S. 222Google Scholar
  97. 151.
    So vermerkte das in der DDR erarbeitete Pädagogische Wörterbuch (1987, 87) unter dem Stichwort “Disziplin und Ordnung” unter anderem: “Effektive Organisation der Arbeit und des Lebens in einer hochentwickelten Produktion und Gesellschaft verlangt die bewußte und unbedingte Unterordnung unter die Belange von Kollektiven und gesellschaftlichen Prozessen, die Anerkennung der Autorität der Leiter. In der sozialistischen Schule sind Disziplin und Ordnung Voraussetzung und Ergebnis erfolgreicher Erziehungsarbeit.”Google Scholar
  98. 152.
    Nach der Öffnung der DDR-Grenzen machte Hans Modrow in seiner Regierungserklärung vom 17.11.1989 einige Abstriche am jahrzehntelang gültigen Erziehungsziel der SED; bei der Formulierung von Tugenden, deren Wertschätzung durch die DDR-Bürger er behauptete, hielt er weniger an ideologischen als an traditionellen deutschen Verhaltensleitbildern fest: “… sollen fir diese Regierung andere Maximen gelten, nämlich jene, die vom Volk als Tugenden geschätzt werden: Offenheit und Ehrlichkeit, Ordnung und gesetzestreues Verhalten, Bescheidenheit und Sparsamkeit, Fachkompetenz statt Losungen oder flotter Redensarten. Was im Betrieb von jedem Werktätigen gefordert wird, muß auch fir die Regierung, fir die Staatsorgane insgesamt gelten: Qualitätsarbeit.”(ND vom 18./19.11.1989) Für den größten Teil der westdeutschen Medien schien Hans Modrow einige Monate lang die Verkörperung genau dieser Tugenden zu sein.Google Scholar
  99. 154.
    Vgl. Gisela Helwig: Kirchen, in: Handwörterbuch zur deutschen Einheit 1992, 424–431, hier 424Google Scholar
  100. 155.
    Otto Reinhold (1979, 62), der langjährige Rektor der Akademie fir Gesellschaftswissenschaften beim ZK der SED und Mitglied des Zentralkomitees der SED, kam in einem schmalen Bändchen mit dem Titel “Kann man ohne Arbeit glücklich leben?” zu dem Ergebnis: “Die Arbeit und ihre Ergiebigkeit ist immer Grundlage des menschlichen Lebens… Wie es im Sozialismus keinerlei Ausbeutung des Menschen durch den Menschen geben kann, ist auch kein glückliches Leben ohne Arbeit möglich.” An anderer Stelle hieß es: “Arbeit ist Grundbedingung menschlichen Lebens, Existenzbedingung des Menschen.” (Pädagogisches Wörterbuch 1987, 374)Google Scholar
  101. 156.
    So bekräftigte Erich Honecker 1965, zur Zeit einer beginnenden Libertinage in westlichen Fernsehfilmen, Theaterstücken und Zeitschriften: “Unsere DDR ist ein sauberer Staat. In ihr gibt es unverrückbare Maßstäbe der Ethik und Moral, für Anstand und gute Sitte. Unsere Partei tritt entschieden gegen die von den Imperialisten betriebene Propaganda der Unmoral auf, die das Ziel verfolgt, dem Sozialismus Schaden zuzufigen.” (Erich Honecker: Bericht des Politbüros an die 11. Tagung des ZK der SED. 15.-18.12.1965, Berlin /DDR 1966, S. 56; zit. n. DDR. Dokumente 1986, 282)Google Scholar
  102. 158.
    Auf diese harmonische und konfliktfreie Einigkeit deutet der gesellschaftstheoretische Begriff “politisch-moralische Einheit des Volkes”, der laut offizieller Auffassung in der DDR “die neue Qualität der Klassenbeziehungen im Sozialismus widerspiegelt(e), nämlich die Übereinstimmung der entscheidenden politischen, ökonomischen und sozialen Interessen und Ziele der Klassen und Schichten sowie die Übereinstimmung der grundlegenden politischen und moralischen Anschauungen.” (Wörterbuch der marxistisch-leninistischen Philosophie 1985, 418)Google Scholar
  103. 160.
    Helmut Teichmann: Die Politik der Honecker-Führung seit Anfang der siebziger Jahre. Versuch einer Wertung, in: DA 1990/8, 1211–1216, hier 1213Google Scholar
  104. 161.
    In der neuen Verfassung von 1968/1974 hieß es in Artikel 6,1: “Die Deutsche Demokratische Republik hat getreu den Interessen des Volkes und den internationalen Verpflichtungen auf ihrem Gebiet den deutschen Militarismus und Nazismus ausgerottet.” (Verfassung der DDR 1986, 48) Daß man sich in der Wahl des Verbums der Sprache eben dieses Nazismus bediente, ist den Autoren wohl nicht aufgefallen.Google Scholar
  105. 162.
    Die Verteidigungsbereitschaft wurde in der DDR nicht national oder patriotisch, sondern ideologisch motiviert, sie zielte auf die offizielle Weltanschauung. So hieß es in einer Schrift, die jeder neue Armeeangehörige erhielt: “Es gibt nichts gerechteres, als den Sozialismus zu schützen; denn Sozialismus heißt: alles für das Wohl des Volkes, alles für das Glück des Menschen… Noch nie wurden in der deutschen Geschichte Waffen für eine verteidigungswürdigere Sache getragen.” (Polithauptverwaltung der NVA (Hg.): Vom Sinn des Soldatseins. Ratgeber für den Soldaten, S. 9f.; zit. n. Beck 1983, 46)Google Scholar
  106. 163.
    Dieses zusammengeschusterte sozialistische Geschichtsbild wurde in exemplarischer Form bis Ende 1989 im Ost-Berliner Museum Ihr deutsche Geschichte im barocken Zeughaus Unter den Linden präsentiert.Google Scholar
  107. 166.
    Den Auftakt zur Preußen-Renaissance in der DDR bildete 1978 ein Artikel in der FDJ-Studentenzeitung “Forum” (vgl. Rogalla von Bieberstein 1982, 229); bahnbrechend war die 1979 erschienene Biographie Friedrichs H. von der DDR-Historikerin Ingrid Mittenzwei.Google Scholar
  108. 167.
    Vgl. Marion Gräfin Dönhoff: Zuviel der Sorge, zuviel der Hoffnung. Was ist mit den Deutschen los?, in: Die Zeit vom 16.3.1984; Joachim Nawrocki: Die Genossen und die Geschichte. 35 Jahre DDR. Von der Willkür zum Wagnis, in: Die Zeit vom 12.10.1984Google Scholar
  109. 168.
    Vgl. Der Spiegel vom 7.3.1983, S. 103. Bei dem Festakt im November 1983 ehrte Honecker den Reformator als Vorbild (vgl. Hermann Weber: Probleme der DDR 1981–1985. Einleitung, in: DDR. Dokumente 1986, 375–379, hier 376).Google Scholar
  110. 169.
    Die Vereinnahmung auch der nicht-’sozialistischen’ Traditionen der deutschen Geschichte gab der DDR-Historiker Heinz Seeber als Liberalisierung aus: “Je mehr die DDR zur Normalität wird, desto mehr wird die Geschichtswissenschaft von der Politik entlastet.” (Aus einem Gespräch mit Journalisten der “Zeit” zitiert in Gerhard Spörl: Ordnung muß herrschen im Land. Wie die DDR sich versteht, wie sie verstanden werden möchte, in: Reise ins andere Deutschland 1986, 144–158, hier 157) Auf die gewachsene Selbstsicherheit der SED wies auch Adolf Laube, DDR-Geschichtsschreiber und Mitglied des Luther-Komitees, hin: “Eine machtausübende Arbeiterklasse, die auch die Interessen der anderen Klassen vertritt, hat einen breiteren Blick auf die Vergangenheit als eine, die im Kampf um die Macht steht.” (Zit. n. Der Spiegel vom 7.3.1983, S. 106) In einem Gespräch mit dem Verfasser am 17.10.1988 betonte Prof. Dr. Kurt Schneider, Leiter der damaligen Sektion Wissenschaftlicher Kommunismus an der Karl-Marx-Universität Leipzig, die Eingliederung auch von Personen und Strömungen der deutschen Geschichte, die nicht mit der Arbeiterbewegung in Zusammenhang gebracht werden können, in das offizielle Geschichtsbild (bei gleichzeitiger Aussparung aller Aspekte des Nationalsozialismus und seiner Entstehung) sei nicht das vom Verfasser vermutete “Herauspicken von Rosinen”, sondern ein “Zeichen fur die Beweglichkeit” der DDR-Geschichtsschreibung.Google Scholar
  111. 170.
    Honecker auf einer Tagung des Zentralkomitees der SED; zit. in: Autorenkollektiv unter Leitung von Ernst Diehl: Grundriß der deutschen Geschichte. Von den Anfängen der Geschichte des deutschen Volkes bis zur Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft in der Deutschen Demokratischen Republik. Klassenkampf - Tradition - Sozialismus, Berlin /DDR 19792, S. 9; zit. n. Lapp 1981, 11Google Scholar
  112. 171.
    So gegenüber Journalisten der “Zeit”; zit. in Nina Grunenberg: Last und Lust der “Leiter”. Die Führungsspitzen der DDR: Häuserbauen ist ihnen wichtiger als Fahnenhissen, in: Reise ins andere Deutschland 1986, 47–62, hier 52.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1993

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Bergem

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