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Politische Kultur in Deutschland vor 1945

  • Wolfgang Bergem
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Zusammenfassung

Die politische Kultur einer Gesellschaft steht nicht im luftleeren Raum, sie ist vielmehr eingebettet in überlieferte Wertmaßstäbe und sedimentierte Denkgewohnheiten, die als kollektives Gut historischer Erfahrungen von Generation zu Generation weitergegeben werden. Dabei ist dieses tradierte Erbe nicht die einzige, noch nicht einmal die wichtigste Determinante der politischen Orientierungen, aber es vermag die Merkmale und Besonderheiten einer Gesellschaft erklären zu helfen. Politische Kulturen sind nicht statisch, aber träge. Sie verändern sich wohl, doch vollziehen sich die Wandlungen, denen sie unterworfen sind, langsam und schwerfällig; diese Veränderungen lassen sich nicht von heute auf morgen bewerkstelligen.

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Literatur

  1. 1.
    Christa Wolf: Kindheitsmuster, Berlin und Weimar 1976, 1990, S. 9Google Scholar
  2. 2.
    Die einprägsame Formel von der ‘Stunde Null’, die der politisch-kulturellen Wirklichkeit im Nachkriegsdeutschland nicht entsprochen hat, wird auch in neueren Veröffentlichungen noch unreflektiert übernommen, so bei Hermann Rudolph 1972, 19; Röhrich 1988, 9 und 12–15; Hermann Glaser: Kultur und Kulturpolitik in der Bundesrepublik Deutschland, in: Deutschland-Handbuch 1989, 413–430, hier 413 und 420; Glaser 1991, 38 und 71.Google Scholar
  3. 4.
    Johannes Gross: Die Deutschen, Frankfurt a. M. 1967, S. 278; zit. n. Sontheimer 1971/ 1991, 120Google Scholar
  4. 6.
    Hans-Georg Wehling: Regionale politische Kultur in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Einfuhrung, in: Regionale politische Kultur 1985, 7–14; ders.: Die Bedeutung regionaler Politischer Kultur-Forschung unter besonderer Berücksichtigung Württembergs, in: Politische Kultur in Deutschland 1987, 259–266; Wehling 1991a; Wehling 199 lbGoogle Scholar
  5. 7.
    Vgl. Thomas Gauly: Konfessionalismus und politische Kultur in Deutschland, in: APuZ 1991/20, 45–53, hier 45–48Google Scholar
  6. 8.
    Vgl. Manfred Görtemaker: Deutschland im 19. Jahrhundert. Entwicklungslinien, Bonn 19893, S. 274–282; Rohe 1991, 224f.Google Scholar
  7. 9.
    Vgl. den Hirtenbrief der katholischen Bischöfe vom 1. November 1917: “Mit unerschütterlicher Treue und opferfreudiger Hingabe stehen wir daher zu unseren Herrschern von Gottes Gnaden, dem Kaiser und den Landesfiirsten… Seiner ganzen Vergangenheit treu, wird das katholische Volk alles zurückweisen, was auf einen Angriff gegen unsere Herrscherhäuser und unsere monarchische Staatsverfassung hinausläuft.” In: M. Meinert/H. Sacher (Hg.): Deutschland und der Katholizismus, Bd. 1: Das Geistesleben, Freiburg i. Br. 1918, S. 431ff.; zit. n. Thomas Gauly: Konfessionalismus und politische Kultur in Deutschland, in: APUZ 1991/20, 45–53, hier 48Google Scholar
  8. 13.
    Reichel 1981b, 62. Vgl. auch Reichel 1982,19f.; Hagen Schulze: Die Versuchung des Absoluten. Zur deutschen politischen Kultur im 19. und 20. Jahrhundert, in: APuZ 1984/7, 3–10, hier 7Google Scholar
  9. 14.
    Vgl. M. Rainer Lepsius: Parteiensystem und Sozialstruktur: Zum Problem der Demokratisierung der deutschen Gesellschaft, in: Wilhelm Abel u. a. (Hg.): Wirtschaft, Geschichte und Wirtschaftsgeschichte. Festschrift zum 65. Geburtstag von Friedrich Lútge, Stuttgart 1966, S. 371–393, hier S. 382–392Google Scholar
  10. 16.
    Thomas Mann schrieb von “der spezifisch deutschen Antithese von Macht und Geist”, weiter von der “deutsche(n) Trennung von Geist und Politik, von radikaler Theorie und Leben, von ‘reinem’ und ’praktischem’ Denken” (Betrachtungen eines Unpolitischen, in: Gesammelte Werke, Bd. 12, Frankfurt a. M. 1960, S. 254 und 277; vgl. auch dort S. 289 und 324).Google Scholar
  11. 17.
    Pappi 1986, 286. Pappi bezieht sich auf Richard Münch: Basale Soziologie. Soziologie der Politik, Opladen 1982.Google Scholar
  12. 18.
    Heinrich Mann: Geist und Tat, in: Essays, Berlin /DDR, Hamburg 1960, S. 7–14, hier S. 14. Der Essay stammt aus dem Jahr 1910.Google Scholar
  13. 19.
    Vgl. zu dieser Mitverantwortung der rechten und auch der linken Intelligenz für den Untergang der Weimarer Republik die grundlegende Untersuchung von Kurt Sontheimer (1962/ 1983); vgl. auch Sontheimer 1990, 98–117; Sontheimer 1991b, 220–226. Vgl. zum Sonderbewußtsein des ‘deutschen Geistes’ Sontheimer 1990, 89–103; Weidenfeld 1990, 53–94; Sontheimer 1991b, 169–172 und 201–213.Google Scholar
  14. 21.
    Pappi 1986, 286. Zur Funktion eines inhaltlich unbestimmten Nationalismus als “Integrationsfaktor” im Kaiserreich vgl. auch Eley 1991, 50f.Google Scholar
  15. 22.
    Sontheimer 1971/1991, 123–128. In der ersten Auflage von 1971 (S. 76–80) war die Tradition des deutschen Idealismus noch nicht aufgenommen.Google Scholar
  16. 23.
    Vgl. Carl Böhret/Werner Jann/Marie Therese Junkers/Eva Kronenwett: Innenpolitik und politische Theorie. Ein Studienbuch, Opladen 1979, 19822, S. 86–88 (wobei die “reduktionistische Tradition” hinzugefügt wird); Eckhard Jesse: Die Demokratie der Bundesrepublik Deutschland. Eine Einführung in das politische System, Berlin 1986, S. 142f; Rausch 1980, 18–28 (wobei als weitere Tradition “Kommunikationsverweigerung und Sprachveränderung” genannt wird); Iwand 1985, 166–176; Backes/Jesse 1989/1990, 227; Weidenfeld/Korte 1991, 116–120 (hinzu kommt hier als weiteres von “sechs politisch-kulturellen Strömungen einer Wertekontinuität” das “Sicherheitsbedürfnis”)Google Scholar
  17. 25.
    Vgl. etwa Greiffenhagen 1979, 65–75; Reichel 1981b, 68–83; ‘Ulbrich 1983, 26–33 und 4653; Krisch 1984, 7; Hagen Schulze: Die Versuchung des Absoluten. Zur deutschen politischen Kultur im 19. und 20. Jahrhundert, in: APuZ 1984/7, 3–10, hier 4 und 8; Berg-Schlosser/Schissler 1987b, 22f.; Irma Hanke: Die politische Kultur, in: DDR. Das politische, wirtschaftliche und soziale System 1988, 121–171, hier 123; Dirk Berg-Schlosser: Entwicklung der Politischen Kultur in der Bundesrepublik Deutschland, in: APuZ 1990/7, 30–46, hier 35f.; Weidenfeld 1990, 19–21 und 27–35; Martin Greiffenhagen: Die Bundesrepublik Deutschland 1945–1990. Reformen und Defizite der politischen Kultur, in: APuZ 1991/1–2, 16–26, hier 23f.Google Scholar
  18. 26.
    Aus der Falle von Beiträgen zur Diskussion um den deutschen Sonderweg vgl. zum Beispiel Plessner 1935/1982; Ralf Dahrendorf: Gesellschaft und Demokratie in Deutschland, München 1965; David Calleo: The German Problem Reconsidered. Germany and the World Order, 1870 to the Present, Cambridge u. a. 1978; David Blackbourn: Wie es eigentlich nicht gewesen, in: Blackboum/Eley 1980, 71–139; Geoff Eley: Deutscher Sonderweg und englisches Vorbild, in: Blackbourn/Eley 1980, 7–70; Bernd Faulenbach: “Deutscher Sonderweg”. Zur Geschichte und Problematik einer zentralen Kategorie des deutschen geschichtlichen Bewußtseins, in: APuZ 1981/33, 3–21; Deutscher Sonderweg - Mythos oder Realität? (Kolloquien des Instituts fur Zeitgeschichte), München, Wien 1982, mit Referaten von Horst Möller, Thomas Nipperdey, Kurt Sontheimer, Ernst Nolte, Michael Stürmer und Karl Dietrich Bracher; Kurt Sontheimer: Ein deutscher Sonderweg?, in: Die Identität der Deutschen 1983, 324–335; Werner Weidenfeld: Die Bundesrepublik Deutschland: kein Provisorium - aber was sonst?, in: APuZ 1983/11, 3–13, hier 5–8; Hagen Schulze: Die Versuchung des Absoluten. Zur deutschen politischen Kultur im 19. und 20. Jahrhundert, in: APuZ 1984/7, 3–10; Eder 1985, 321–325, 367–394 und 480–491; Weidenfeld 1990, 8–66 und 183–186; Sontheimer 1991b, 55–70.Google Scholar
  19. 27.
    Thomas Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen, in: Gesammelte Werke, Bd. 12, Frankfurt a. M. 1960, S. 352Google Scholar
  20. 28.
    Vgl. Hagen Schulze: Die Versuchung des Absoluten. Zur deutschen politischen Kultur im 19. und 20. Jahrhundert, in: APuZ 1984/7, 3–10, hier 4f. Zu der Gewinnung einer deutschen “Identität durch Abgrenzung” im Protest gegen Frankreich vgl. auch Weidenfeld 1990, 16f.Google Scholar
  21. 29.
    Die “Ideen von 1914” kontrastierte Klaus von See (1975) mit den “Ideen von 1789”.Google Scholar
  22. 30.
    Vgl. Bernd Faulenbach: “Deutscher Sonderweg”. Zur Geschichte und Problematik einer zentralen Kategorie des deutschen geschichtlichen Bewußtseins, in: APuZ 1981/33, 3–21, hier 9–12Google Scholar
  23. 32.
    Vgl. Geoff Eley in Blackbourn/Eley 1980, 11–14 und 54. David Blackbourn sah die Vertreter der Sonderwegthese das Konzept der historischen Besonderheit im Falle Deutschlands nach dem - in Orientierung an Orwell formulierten - Motto anwenden: “alle nationalen Historien sind besonders, aber einige sind besondrer als die anderen” (Blackbourn/Eley 1980, 124).Google Scholar
  24. 34.
    Vgl. Brachers Beitrag in: Deutscher Sonderweg - Mythos oder Realität? (Kolloquien des Instituts fir Zeitgeschichte), München, Wien 1982, S. 46–53Google Scholar
  25. 35.
    Sontheimer 1991b, 62f. Vgl. in ähnlicher Formulierung bereits Sontheimers Beitrag in: Deutscher Sonderweg - Mythos oder Realität? (Kolloquien des Instituts 1úr Zeitgeschichte), München, Wien 1982, S. 27–33, hier S. 32.Google Scholar
  26. 39.
    Mme de Staël: De l’Allemagne (1814). Nouvelle édition, Paris 1958, S. 43f. Der Topos des Metaphysischen findet sich dort auf S. 38, 187 und 306. Eine von Öfen, Bier und Tabakrauch gebildete lähmende Schwere, die sich über das ganze Land legt und die Aktivität erstickt, wird auf S. 53 anschaulich geschildert.Google Scholar
  27. 40.
    Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (1784), in: Immanuel Kants Werke, Bd. 4, Berlin 1922, S. 169–176, hier S. 169Google Scholar
  28. 41.
    Einige Politik-und Geschichtswissenschaftler schreiben sogar von einer “Vergötterung des Intellekts” in der Aufklärung, womit sie die Betrachtungsweise der Romantiker übernehmen (vgl. Craig 1982/1985, 217; und wortgleich Weidenfeld 1990, 29).Google Scholar
  29. 42.
    Novalis: Die Christenheit oder Europa. Ein Fragment (Geschrieben im Jahre 1799), in: Schriften. Die Werke Friedrich von Hardenbergs, Bd. 3: Das philosophische Werk II, Stuttgart u. a. 1960, Darmstadt 19833, S. 507–524, hier S. 515f, 520 und 524Google Scholar
  30. 44.
    So schrieb der romantische Staatstheoretiker Adam H. Müller: “Der Staat ruhet ganz in sich; unabhängig von menschlicher Willkür und Erfindung, kommt er unmittelbar und mit dem Menschen eben daher, woher der Mensch kommt: aus der Natur: - aus Gott.” (Zit. n. Weidenfeld 1990, 32)Google Scholar
  31. 47.
    Friedrich Nietzsche nannte diesen “Inthum” einen “höchst verderblich(en)” Wahn. In: Unzeitgemäße Betrachtungen. Erstes Stück. David Strauss, der Bekenner und der Schriftsteller (1873), in: Gesammelte Werke, Bd. 6, München 1922, S. 131Google Scholar
  32. 50.
    Vgl. Georg Lukâcs: Die Zerstörung der Vernunft (1954), Neuwied, Berlin Spandau 1962Google Scholar
  33. 51.
    Friedrich Schiller: Deutsche Größe, in: Schillers Werke. Nationalausgabe, Bd. 2,I, Weimar 1983, S. 431Google Scholar
  34. 52.
    Vgl. Hagen Schulze: Die Versuchung des Absoluten. Zur deutschen politischen Kultur im 19. und 20. Jahrhundert, in: APuZ 1984/7, 3–10, hier 4Google Scholar
  35. 53.
    So der Zecher Brander in Auerbachs Keller in: Johann Wolfgang Goethe: Faust. Eine Tragödie, in: Goethes Werke. Hamburger Ausgabe, Bd. 3, München 1986, S. 68Google Scholar
  36. 55.
    Johann Wolfgang Goethe: Maximen und Reflexionen. Gesellschaft und Geschichte, in: Goethes Werke. Hamburger Ausgabe, Bd. 12, München 1981, S. 382Google Scholar
  37. 61.
    Thomas Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen, in: Gesammelte Werke, Bd. 12, Frankfurt a. M. 1960, S. 247Google Scholar
  38. 62.
    Auf die Komplexität und auch Widersprüchlichkeit der Äußerungen Luthers zu den Fragen von Obrigkeit, Gehorsam und Widerstand hat Karl Dietrich Erdmann (1983, 28–59) hingewiesen.Google Scholar
  39. 63.
    Georg Wilhelm Friedrich Hegel: Die Vernunft in der Geschichte, hg. von Johannes Hoffmeister, Hamburg 19555, S. 54, Anm. a); ders.: Grundlinien der Philosophie des Rechts. Mit Hegels eigenhändigen Randbemerkungen in seinem Handexemplar der Rechtsphilosophie, hg. von Johannes Hoffmeister, Hamburg 19554, S. 207f. (Hervorhebung im Original)Google Scholar
  40. 64.
    Vgl. hierzu Sontheimer 1971/1991, 123; Greiffenhagen 1979, 65f.; Reichel 1981b, 72–75Google Scholar
  41. 69.
    So beklagte Ernst Robert Curtius im Juli 1945 gegenüber Stephen Spender: “Der Jammer mit den Deutschen ist, daß sie keine Erfahrung haben mit politischer Freiheit. Sie haben sich niemals von ihrer Untergebenen-Mentalität befreit. Ihr Engländer habt vor einigen hundert Jahren einen König geköpft. Die Grundlage eurer Freiheit ist das Bewußtsein, daß man sich gegen Tyrannen auflehnen kann. Die Deutschen dagegen haben sich immer geduckt.” (Zit. n. Stephen Spender: Einfaches Leben. Notizen aus dem Deutschen Tagebuch 1945, in: SZ am Wochenende vom 6./7.12.1986)Google Scholar
  42. 70.
    Vgl. Johan Gattung: Struktur, Kultur und intellektueller Stil, in: Leviathan 1983/3, S. 303338; ders.: Methodology and Ideology, Kopenhagen 1977. Auf Galtungs Unterscheidung von vier dominanten intellektuellen Stilen hat Klaus von Beyme (1988, 11–15 und 76) hingewiesen.Google Scholar
  43. 75.
    Wilhelm Stapel in einem Offenen Brief an den Ministerpräsidenten Otto Braun, in: Deutsche Volkstum, 1927, S. 472 (zit. n. Sontheimer 1962/1983, 186)Google Scholar
  44. 77.
    Heinrich Heine: Deutschland, ein Wintermärchen. Caput VII, in: Buch der Lieder. Deutschland, ein Wintermärchen, München, Wien 1971, 1984, S. 232f.Google Scholar
  45. 78.
    Johann Joachim Winckelmann: Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerei und Bildhauerkunst, in: Kleine Schriften und Briefe, Weimar 1960, S. 29–61, hier S. 44Google Scholar
  46. 80.
    Thomas Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen, in: Gesammelte Werke, Bd. 12, Frankfurt a. M. 1960, S. 248Google Scholar
  47. 82.
    Gustave Flaubert: Dictionnaire des idées reçues (zit. n. Brigitte Sauzay: Keine Liebe, aber Bewunderung. Warum Franzosen sich so schwer tun, ihren deutschen Nachbarn zu verstehen, in: Die Zeit vom 12.12.1986)Google Scholar
  48. 84.
    Vgl. Jürgen Weber: Politischer Idyllismus. Formen, Folgen und Ursachen eines politischen Einstellungsmusters, in: APuZ 1973/26, 3–30Google Scholar
  49. 85.
    Thomas Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen, in: Gesammelte Werke, Bd. 12, Frankfurt a. M. 1960, S. 261Google Scholar
  50. 86.
    Johann Wolfgang Goethe: Belagerung von Mainz, in: Goethes Werke. Hamburger Ausgabe, Bd. 10, München 1981, S. 391. Teilweise wird der Satz auch einfach falsch wiedergegeben: So tauchte er bei Freya von Moltke in ihrem Beitrag zu der Reihe “Reden über Deutschland” in den Münchner Kammerspielen im Herbst 1991 in der Fassung auf: “Die Deutschen lieben die Ordnung mehr als die Gerechtigkeit.” (Nachgedruckt in: Reden über Deutschland 2, München 1991, S. 76)Google Scholar
  51. 87.
    In “Die Welt von gestern. Erinnerungen eines Europäers”, Stockholm 1944, Ludwigsburg 1949, schrieb Stefan Zweig im Kapitel “Incipit Hitler” auf S. 399f.: “ein ungeheures Verlangen nach Ordnung war in allen Kreisen des deutschen Volkes, dem Ordnung von je mehr galt als Freiheit und Recht. Und wer Ordnung versprach - selbst Goethe hat gesagt, daß Unordnung ihm unlieber wäre als eine Ungerechtigkeit -, der hatte von Anbeginn Hunderttausende hinter sich.”Google Scholar
  52. 88.
    Thomas Mann: Betrachtungen eines Unpolitischen, in: Gesammelte Werke, Bd. 12, Frankfurt a. M. 1960, S. 482Google Scholar
  53. 89.
    Vgl. (mit Nennung jeweils einzelner der folgenden Tugenden) Sontheimer 1962/1983, 215; Hermann Rudolph 1972, 40f., 43 und 64; Sontheimer/Bleek 1972/1979, 143, 148 und 213; Greiffenhagen 1979, 18; Reichel 1982, 20; Rogalla von Bieberstein 1982, 235f. und 239; Billing 1983, 70; Gaus 1983/1986, 135 und 153; Klinger 1984, 26; Münch 1984, 11–26; Weidenfeld 1984, 12; Luchterhandt 1985, 23f., 103 und 284; Irma Hanke: Die Sozialstruktur, in: DDR. Das politische, wirtschaftliche und soziale System 1988, 83–119, hier 108Google Scholar
  54. 90.
    Mönch 1984, 14. Mönch verweist auf eine Studie von E. W. Zeeden: Deutsche Kultur in der Frühen Neuzeit, Frankfurt a. M. 1968Google Scholar
  55. 91.
    Johann Wolfgang Goethe: Wilhelm Meisters Lehrjahre, in: Goethes Werke. Hamburger Ausgabe, Bd. 7, München 1981, S. 58Google Scholar
  56. 92.
    Immanuel Kant: Der Charakter der Deutschen (1798), aus: Anthropologie in pragmatischer Hinsicht, in: Werke in zwölf Bänden, Bd. 12, Frankfurt a. M. 1964, S. 136 (zit. n. Mönch 1984, 12)Google Scholar
  57. 94.
    Vgl. Mönch 1984, 22–26. Zur Rollenteilung zwischen Mann und Frau im bürgerlichen Tugendkanon vgl. dort auch S. 32, wo Mönch Schillers “Lied von der Glocke” als Beispiel für diese Rollenteilung anführt.Google Scholar
  58. 95.
    Vgl. Ingo Fessmann: Die letzte Idylle. Poesiealben und die Abgründe der deutschen Seele, in: SZ an Ostern vom 2./3./4.4.1988Google Scholar
  59. 96.
    Vgl. Pappi 1986, 288. Pappi bezieht sich hier auf eine “Vermutung” von Ralf Dahrendorf: Gesellschaft und Demokratie in Deutschland, München 1965.Google Scholar
  60. 98.
    Zit. n. Christian Greiff (Hg.): Zitate. Eine Sammlung. 9.000 Zitate aus drei Jahrtausenden, Herrsching o. J., S. 367Google Scholar
  61. 100.
    Vgl. Stephan Wehowsky: Roman Herzog warnt vor “deutscher Unart”. Verfassungsrichter fordert in der Evangelischen Akademie Tutzing zur Achtung Andersdenkender auf, in: SZ vom 18./19.7.1987Google Scholar
  62. 105.
    In den siebziger Jahren gab es in der Bundesrepublik mehr als doppelt so viele Richter pro 1.000 Einwohner als in Italien, Frankreich und Schweden und mehr als viermal so viele als in den USA, Kanada und England (vgl. Erhard Blankenburg: Rechtskultur, in: Handwörterbuch zur politischen Kultur der Bundesrepublik Deutschland 1981, 401–407, hier 405).Google Scholar
  63. 108.
    Karl Strecker: Die Kriegserklärung Englands, in: Walther Eggert Windegg (Hg.): Der Deutsche Krieg in Dichtungen, München 1915, S. 36 (zit. n. Vondung 1988, 328f.)Google Scholar
  64. 109.
    Carl Böhret/Werner Jann/Marie Therese Junkers/Eva Kronenwett: Innenpolitik und politische Theorie. Ein Studienbuch, Opladen 1979, 19822, S. 87Google Scholar
  65. 110.
    Klaus Podak: Spiegel des Unheils. Hitlers “Mein Kampf’: Annäherung an ein Buch, das es nicht gibt, in: SZ am Wochenende vom 5./6./7.1.1990Google Scholar
  66. 111.
    Wilhelm Stapel: Der Christliche Staatsmann. Eine Theologie des Nationalismus, Hamburg 1932, S. 170 (zit. n. Sontheimer 1962/1983, 266)Google Scholar
  67. 112.
    Carl Schmitt: Der Begriff des Politischen. Text von 1932 mit einem Vorwort und drei Corollarien, Berlin 1963, S. 26 und 30 (zuerst erschienen im Heidelberger Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik, 1927/1, S. 1–33); Hervorhebung im Original. Schmitts Bezugnahme auf Thomas Hobbes findet sich dort auf S. 64f.Google Scholar
  68. 117.
    Vgl. John C. G. Röhl: Aus dem Leben eines Fabeltiers. Parvenu, Diktator, Psychopath: Wil- helm II. - eine Charakterskizze des letzten deutschen Kaisers, in: Die Zeit vom 4.9.1987Google Scholar
  69. 118.
    Vgl. etwa: Der preußische Weg zum deutschen Nationalstaat, in: “Neue Illustrirte Nachrichten”. Eine Zeitung des Deutschen Historischen Museums zur Ausstellung “Bismarck - Preußen, Deutschland und Europa” im Martin-Gropius-Bau Berlin, 26.8.-25.11.1990Google Scholar
  70. 119.
    Vgl. zum Beispiel Guy Palmade: Das bürgerliche Zeitalter, Frankfurt a. M. 1974, S. 316; Reichel 198 lb, 78–82; Craig 1982/1985, 268f; Helmut M. Müller: Schlaglichter der deutschen Geschichte, Mannheim 1986, S. 203f.; Manfred Görtemaker: Deutschland im 19. Jahrhundert. Entwicklungslinien, Bonn 19893, S. 377f.Google Scholar
  71. 120.
    Jürgen Busche: Die Zukunft der Bundeswehr, in: SZ vom 11./12.1.1992Google Scholar
  72. 121.
    Die Zitation im Kontext: Goethe notierte am 21.10.1786 in Lojano: “Nun bin ich hier in einem elenden Wirtshause in Gesellschaft eines päpstlichen Offiziers, der nach Perugia, seiner Vaterstadt, geht. Als ich mich zu ihm in den zweirädrigen Wagen setzte, machte ich ihm, um etwas zu reden, das Kompliment, daß ich als ein Deutscher, der gewohnt sei, mit Soldaten umzugehen, sehr angenehm finde, nun mit einem päpstlichen Offizier in Gesellschaft zu reisen. -’Nehmt mir nicht übel’, versetzte er darauf, ‘Ihr könnt wohl eine Neigung zum Soldatenstande haben, denn ich höre, in Deutschland ist alles Militär; aber was mich betrifft, obgleich unser Dienst sehr läßlich ist, und ich in Bologna, wo ich in Garnison stehe, meiner Bequemlichkeit vollkommen pflegen kann, so wollte ich doch, daß ich diese Jacke los wäre und das Gütchen meines Vaters verwaltete. Ich bin aber der jüngere Sohn, und so muß ich mir’s gefallen lassen.” In: Johann Wolfgang Goethe: Italienische Reise, in: Goethes Werke, Bd. 11, München 1981, S. 111f.Google Scholar
  73. 122.
    Der Kölner Katholik Konrad Adenauer bezeichnete Preußen einmal als den “Hort des kulturfeindlichen, angriffslustigen Militarismus”, als den “böse(n) Geist Europas”. Das Zitat stammt aus einer Rede vor den Abgeordneten des besetzten Rheinlandes für die verfassunggebende Nationalversammlung in Weimar und den rheinischen Oberbürgermeistern (vgl. Peter Koch: Konrad Adenauer. Eine politische Biographie, Reinbek bei Hamburg 1988, S. 43).Google Scholar

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  • Wolfgang Bergem

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