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Lenz’ Der Hofmeister oder Die Selbstkasteiung des bürgerlichen Intellektuellen. Lenz’ Stück im Kontext des bürgerlichen Trauerspiels

  • Manfred Durzak

Zusammenfassung

Im elften Heft seiner Versuche, in denen Brecht während seiner Zeit am Schiffbauer-damm-Theater sein eigenes dramatisches Werk veröffentlichte und zugleich auch die Bearbeitungen von klassischen Stücken des Theaterrepertoires, die im Gespräch und Meinungsaustausch mit einer Reihe von engen Mitarbeitern für eine Aufführung an seinem Theater vorbereitet wurden, ließ Brecht Anfang der 50er Jahre auch seine Bearbeitung von Lenz’ Der Hofmeister erscheinen, eine Adaption, in die auch die Theatererfahrungen und die Kenntnisse von Ruth Berlau, Benno Besson, Egon Monk und Caspar Neher eingegangen sind. Brecht hat dem Stück in seiner Fassung einen Prolog vorangestellt, in dem dem gegenwärtigen Theater- und Lesepublikum die historischen Dimensionen verdeutlicht werden, die dieses Stück von Lenz und die Mittelpunktsfigur dieses Stückes, den Hofmeister Läuffer, so wichtig machen:
  • Geehrtes Publikum, unser heutiges Stück

  • Wurd verfaßt einhundertfünfzig Jahre zurück.

  • Drin trete aus der Vergangenheit Tor

  • Ich, des deutschen Schulmeisters Urahn, hervor.

  • Ich bin noch in des Adels Dienst

  • Und lehr seine Sprößling mit kargem Gewinst.

  • Bring ihnen bei Bibel und etwas Manieren

  • Naserümpfen, Klugscheißen und Kommandieren.

  • In allen höheren Künsten gewandt

  • Bin ich selber vom niederen Stand.

  • Freilich, die Zeiten wandeln sich grad:

  • Der Bürger wird jetzt mächtig im Staat

  • Und ich bedenk schon früh und spät

  • Daß ich in seine Dienste tret.

  • Er hätte in mir, wie das so heißt

  • Allezeit einen dienenden Geist:

  • Der Adel hat mich gut trainiert

  • Zurechtgestutzt und exerziert

  • Daß ich nur lehre, was genehm

  • Da wird sich ändern nichts in dem.

  • Wills euch verraten, was ich lehre:

  • Das ABC der Teutschen Misere!1

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Anmerkungen

  1. 1.
    Zitiert hier nach dem Reprint im Suhrkamp Verlag, Versuche,20–26/35, 9–11 (Frankfurt/Main, 1977), S. 276–350, hier S. 7.Google Scholar
  2. 2.
    Sammlung Luchterhand, 25 (Neuwied, 1962).Google Scholar
  3. 3.
    Gesellschaft und Literatur im 18. Jahrhundert. Voraussetzungen und Entstehung des literarischen Markts in Deutschland,Beck’sche Elementarbücher (München 1977), S. 73.Google Scholar
  4. 5.
    Theorie des bürgerlichen Trauerspiels im 18. Jahrhundert,Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft, 15 (Frankfurt/Main, 1979), S. 57.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1994

Authors and Affiliations

  • Manfred Durzak

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