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Neuer Blick auf alte Funde: Die Lenziana in Weimar

  • Ulrich Kaufmann

Zusammenfassung

Lenziana befinden sich in Weimar an zwei verschiedenen Stellen: Der Großteil im Goethe-Schiller-Archiv, einige Dokumente aber auch im Thüringer Hauptstaatsarchiv, in der Regel solche, die in direktem Bezug zum Weimarer Hof stehen. Betrachtet man beide Weimarer Archive in der Summe, so ergibt sich quantitativ sowie qualitativ ein beträchtlicher Lenz-Fundus. In der Klassikerstadt existiert Lenzens Coriolan-Bearbeitung in einer eigenhändigen Abschrift, die er (wie das Gedicht „Placet“ auch) dem Herzog schenkte, außerdem eine unvollständige Handschrift des Pandäimonium Germanicum, die Sigrid Damm in ihrer Ausgabe übrigens unerwähnt läßt. Hinzu kommen die (mindestens) drei Gedichthandschriften, welche Goethe in das Journal von Tiefurt gab sowie die lyrischen Texte „Placet“ und „Auf einem einsamen Spaziergang der durchlauchtigsten Herzoginn Louise unter Bäumen“. Von der ebenfalls in Weimar im Original liegenden Erzählung Moralischen Bekehrung eines Poeten...; wird noch die Rede sein. Hervorhebenswert ist ebenso die nicht unerhebliche Zahl von Lenz-Briefen vor allem an Herder, aber auch an Sophie la Roche, die Frau von Stein sowie an Bertuch. Es zeigt sich auch bei den Briefen, daß die dreibändige Leseausgabe des Inselverlages nicht in allen Fällen zuverlässig informiert. Die bei Damm gedruckten Lenz-Briefe an Herder Nr. 49, 57, 65 und 153 (III, 332334, 342f., 352f. und 464), darauf wies Anneliese Klingenberg hin,1 befinden sich seit 1911 in Weimar und sind somit nicht „verschollen“. Eine gesonderte Studie hätte die Handschriften der Briefe an Lenz (z.B. auch die Goethes), sowie weitere Materialien anderer Zeitgenossen zu untersuchen, die sich mehr oder weniger ausführlich zu Lenz äußerten. Eine „Zusammenstellung aller im Goethe- und Schiller-Archiv überlieferten Handschriften des Dichters (von und über ihn)“ umfaßt 33 Texte bzw. auch Textgruppen.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Deutsche Literaturzeitung, 111 (1990), 844–846. Sigrid Damm hat diesen Irrtum im Taschenbuch-Nachdruck ihrer Ausgabe (Frankfurt/Main, 1992) korrigiert.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Günter Schmidt, „Das,Tiefurter Journal` - Medium geselliger Kultur,“ Tharingische Landeszeitung, 15. 4. 1982.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. Das Journal von Tiefort, hg. von Eduard von der Hellen, Schriften der Goethe-Gesellschaft, 7 (Weimar, 1892 ), S. 384ff. Vgl. auch: Gert Vonhoff, S.bjektkonstitution in der Lyrik von J. M. R. Lenz - mit einer Auswahl neu herausgegebener Gedichte, Historisch-kritische Arbeiten zur deutschen Literatur, 9 (Frankfurt/Main, 1990).Google Scholar
  4. 4.
    Das Journal von Tiefort, vor S. 1, als Faksimile gedruckt.Google Scholar
  5. 5.
    Sigrid Damm hat dieses Gedicht autobiographisch gelesen, denn sie entnimmt ihm aus der siebenten Strophe den Titel für die Lenz-Biographie: Vögel, die verkünden Land. Das Leben des Jakob Reinhold Michael Lenz (Berlin, 1985 ).Google Scholar
  6. 6.
    Professor Daunichtäußerte die Vermutung während der Lenz-Tagung im Juni 1992 in Hamburg.Google Scholar
  7. 7.
    Natürlich kann man den Text in einem engen Verständnis als nicht „gedruckt“ ansehen und deshalb auf den Erstdruck verweisen.Google Scholar
  8. 8.
    Thüringer Hauptstaatsarchiv Weimar, HAA XVIII, Nr. 150, S. 174. Britta Titel und Helmut Haug drucken in ihrer Ausgabe die Weimarer Fassung: J. M. R. Lenz, Werke und Schriften (Stuttgart, 1966f.), I, 99.Google Scholar
  9. 9.
    Thüringer Hauptstaatsarchiv Weimar, HAA XVIII, Nr. 150, S. 175. Damms Text „An-“ (III, 106) weist in der 3. Strophe (1. Verszeile) nach „O Phyllis” ein Komma auf, während der Punkt nach der folgenden Zeile in der sich im Staatsarchiv befindlichen Fassung fehlt. Auch Britta Titel und Helmut Haug verweisen nicht auf die Fassung im Staatsarchiv (Werke und Schriften, I, 601 ).Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. Das Journal von Ticfurt, S. 384.Google Scholar
  11. 11.
    Thüringer Hauptstaatsarchiv Weimar, HAA XVIII, Nr. 150, S. 174. Eduard von der Hellen vermutet durch einen Vergleich der Tinte, daß Goethe auch in der letzten Verszeile die schädigende Korrektur „Könnt“ statt „Könnt’” (für „Könntet“) eingefügt hat (S. 385). Sigrid Damm bietet die richtige Variante an, indem sie auf Goethes Eingriff verzichtet (III, 122).Google Scholar
  12. 12.
    Erich Schmidt, „Lenziana,“ Sitzungsberichte der Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin, 16 (1901), 980.Google Scholar
  13. 13.
    Goethe-Schiller-Archiv Weimar, 36/N9 (11 Blatt). Der Erstdruck erfolgte im Goethe-Jahrbuch, 10 (1889), 46–70.Google Scholar
  14. 14.
    Aber in der 12. „Selbstunterhaltung“ des Erzählers wird „gute Dichter” (II, 351) doppelt unterstrichen.Google Scholar
  15. 15.
    Jan Knopf gibt an, daß Brecht (auch für seine Hofmeister-Adaption) die Lenz-Ausgabe von Ernst Lewy (Gesammelte Schriften, Leipzig, 1909ff.) nutzte (Brecht-Handbuch Theater [Stuttgart, 1986 ], S. 294). Diese Ausgabe enthält Lenzens Coriolan-Übersetzung nicht. Erst in der Coriolan-Spielfassung des Berliner Ensembles von 1964 (Regie Manfred Wekwerth und Joachim Tenschert) habe man die Lenz-Übertragung des Shakespeare-Stückes genutzt (S. 305f.).Google Scholar
  16. 16.
    Johannes H. Müller, J. M. R. Lenz’ Coriolan, Jenaer Studien zur Germanistik ( Jena, 1930 ). Müller vertritt die Auffassung, daß es sich um keine Reinschrift handelt.Google Scholar
  17. 17.
    J. M. R. Lenz, Gesammelte Schriften (München, 1909ff.), III, 441–448.Google Scholar
  18. 18.
    Rüdiger Scholz, „Eine längst fällige historisch-kritische Ausgabe: Jakob Michael Reinhold Lenz,“ Jahrbuch der deutschen Schillergesellschaft, 34 (1990), 195–229, hier 208f.Google Scholar
  19. 19.
    Scholz, „Eine längst fällige historisch-kritische Ausgabe,“ 209. Auch Eva Maria Inbar vertritt in ihrer Studie Shakespeare in Deutschland. Der Fall Lenz (Tübingen, 1982), S. 154ff., die Auffassung, daß Müllers Buch die einzige Edition des Lenz’schen Coriolan mit einem „völlig unveränderten Text” (S. 155) sei.Google Scholar
  20. 20.
    Zitiert wird nach dem Original im Goethe-Schiller-Archiv: Herder aus: 44/II, 1, 11 Lenz.Google Scholar
  21. 21.
    Es sei ausdrücklich vermerkt, daß nicht alle Differenzen auf die Kappe der Herausgeberin gehen, sondern fragwürdig „Modernisierungen“ durch den Verlag eine erhebliche Rolle spielen. Auf andere Textabweichungen in den Lenz-Briefen an Herder macht Anneliese Klingenberg aufmerksam. Wegen der hohen Fehlerquote plädiert sie dafür, die Briefe Lenzens an Herder gesondert nach der Handschrift zu edieren (Deutsche Literaturzeitung, 111, 845). Klingenberg verweist auch (Sp. 846) darauf, daß Damm Klingers Brief an Lenz (III, 461f.) unvollständig druckt. Im Goethe-Schiller-Archiv gibt es eine umfangreichere Fassung, die Goethes Mutter ihrem Sohn am 18. Januar 1802 schickte (vgl. Regest-Ausgabe der an Goethe gerichteten Briefe, IV, Nr. 22).Google Scholar
  22. 22.
    Der erste Beleg ist der von Simon an Lenz gerichtete Brief vom 4. 4. 1776 (III, 422).Google Scholar
  23. 23.
    Goethe-Schiller-Archiv, 06/1126. Elisabeth Genton, „Expositio ad hominem - Un Unédit de Jakob Michael Reinhold Lenz,“ Etudes Germaniques, 17 (1962), 259–269. Den Lenz-Titel übersetzt Genton sinngemäß mit „exposé concernant l’individu, ou: exposé traitant de questions pratiques intéressant la vie même du poète” (259).Google Scholar
  24. 24.
    In dieser Form wird nach Genton, „Expositio ad hominem,“ zitiert.Google Scholar
  25. 25.
    Werke und Schriften, I, 105.Google Scholar
  26. 26.
    Briefe von und an Lenz (Leipzig, 1918 ), I, 222f.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1994

Authors and Affiliations

  • Ulrich Kaufmann

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