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Der scheiternde Künstler auf der Höhe mit “Bruder Goethe” und Zuschauer. Selbstdarstellung im Pandämonium Germanicum

  • Fritz Wefelmeyer

Zusammenfassung

Der Aufstieg in das hochgelegene Pandämonium Germanicum ist für den einen schwierig, für den anderen, so scheint es, leicht. Den Ort des Geschehens nennt die Eröffnungsszene: „Der steil’ Berg“ (I, 248). Der Autor verkürzt ein Wort, ersetzt einen Buchstaben durch einen Apostroph: der steil’ Berg. Das wiederholt sich später, geschieht auch bei anderen Worten. Darin liegt hessische Mundart, also Lokalkolorit, wir sind auf Goethes Terrain. Aber auch Hast und Tempo liegen darin, man spart eine Silbe, was eben noch steil war, ist jetzt schon weniger steil. Darum ist, so darf man schließen, Goethe schon in wenigen Sprüngen ein gutes Stück des Aufstiegs gelungen. Dem anderen gelingt das nicht so leicht. Die Bühnenanweisung für Goethes Part lautet jetzt: „Mit einem Sprung ist er bei ihm“ (I, 249).

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Anmerkungen

  1. 3.
    Vgl. Joachim Ritter, Subjektivität. Sechs Aufsätze (Frankfurt/Main, 1974), S. 141ff. und, allgemeiner, Jacek Wozniakowski, Die Wildnis. Zur Deutungsgeschichte des Berges in der europäischen Neuzeit (Frankfurt/Main, 1987).Google Scholar
  2. 4.
    Hans Blumenberg, Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher (Frankfurt/Main, 1979).Google Scholar
  3. 6.
    Werner Rieck, „Poetologie als poetisches Szenarium. Zum Pandämonium Germanicum von Jakob Michael Reinhold Lenz,“ Lenz-Jahrbuch, 2 (1992), 83.Google Scholar
  4. 8.
    Vgl. „Da verließ ihn der Teufel; und siehe, da traten die Engel zu ihm und dienten ihm“ (Matthäus IV, 11, Novum Testamentum. Graece et Germanice,hg. von Eberhard Nestle [Stuttgart, 1963]).Google Scholar
  5. 10.
    Vgl. Joachim Ritter, Subjektivität und siehe auch allgemeiner Erich Loos, Selbsteinsicht und Selbstanalyse bei Petrarca und Montaigne (Wiesbaden, 1988). Übrigens hat Petrarca auch bereits das metaphorische Gegenbild zum Aufstieg auf die Höhe geschildert: den Gang in die Höhle - ein Zusammenhang, der auch bei Lenz in seinem Schauspiel Catharina von Siena auftritt. Zu Petrarca vergleiche Hans Blumenberg, Höhlenausgänge (Frankfurt/Main, 1989), S. 261ff.Google Scholar
  6. 11.
    Siegfried J.Schmidt, Die Selbstorganisation des Sozialsystems Literatur im 18. Jahrhundert (Frankfurt/Main, 1989), S. 84 ff.Google Scholar
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    Vgl. Reinhard Koselleck, „Historia Magistra Vitae. Über die Auflösung des Topos im Horizont neuzeitlich bewegter Geschichte,“ in Reinhard Koselleck, Vergangene Zukunft. Zur Semantik geschichtlicher Zeiten (Frankfurt/Main, 1979 ), S. 38–66.Google Scholar
  8. 14.
    Vgl. zum Beispiel Des Girolamo Cardano eigene Lebensbeschreibung (München, 1969), S. 44.Google Scholar
  9. 15.
    Vgl. Joachim Ritter, Metaphysik und Politik. Studien zu Aristoteles und Hegel (Frankfurt/Main, 1969 ), S. 106–132. Lenz geht übrigens später, ebenfalls im Kontext einer Selbstreflexion, noch einen Schritt weiter in der Frage nach dem Gutsein. Der Wunsch selbst ist ihm dann bereits fraglich, nicht nur die Verwirklichungsformen. Er entfernt sich damit noch weiter von der praktischen Philosophie des Aristoteles; vgl. II, 345.Google Scholar
  10. 17.
    Wie verbindlich noch das Politikverständnis und die Ethik des Aristoteles im Bekannten-und Freundeskreis von Lenz war, zeigt zum Beispiel eine Jahre später entstandene Übersetzung der Politik des Aristoteles durch Johann Georg Schlosser, den Schwager Goethes. Vgl. dazu Manfred Riedel, Metaphysik und Metapolitik. Studien zu Aristoteles und zur politischen Sprache der neuzeitlichen Philosophie (Frankfurt/Main, 1975 ), S. 129–170.Google Scholar
  11. 18.
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  14. 25.
    Bernhard Blume, Existenz und Dichtung. Essays und Aufsätze (Frankfurt/Main, 1980), S. 187.Google Scholar
  15. 26.
    Vgl. dazu die vorzügliche und anregende Studie von Michael Morton, „Exemplary Poetics: The Rhetoric of Lenz’s Anmerkungen übers Theater and Pandaemonium Germanicum,“ Lessing Yearbook,20 (1988), 121–151, hier besonders S. 145. Allerdings macht der Autor keinen klaren Unterschied zwischen dem Wachbewußtsein des Zuschauers und dem Traumbewußtsein der Theaterfigur, so daß die Frage nach dem Status der vorgeführten Realität nicht in den Blick kommt.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1994

Authors and Affiliations

  • Fritz Wefelmeyer

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