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Nachmärz pp 144-153 | Cite as

“Hinschwinden aus der Gegenwart”. Richard Wagner nach der Revolution Ein essayistischer Exkurs

  • Thomas Koebner

Zusammenfassung

Viele revolutionäre Vorstellungen Wagners — und da steht er in der Vormärz-Zeit nicht alleine da — zeichnen sich durch Abstraktheit, Wirklichkeitsferne oder Wirklichkeitsverkennung aus. Dazu paßt sein oft überspannter und hochgereizter Ton. Wagners spät gefälltes Urteil über Michail Bakunin, er sei ein Revolutionär gewesen, der in der theoretischen Konspiration steckengeblieben sei (in Mein Leben), gilt genauso für ihn. August Röckel, der Dresdner Musikdirektor, Revolutionär und Freund Wagners wie Bakunins, wirft den Ideologen von 1848 im Rückblick ihr überlastiges Theoretisieren vor. Er hätte ebenso erwähnen können, daß etliche Vorstellungen vom Verlauf und Ziel der Revolution ausgeprägt phantastischen Charakter hatten. Eines der zentralen Konzepte in der revolutionären Programmatik ist die Idee vom umfassenden Weltenbrand, der die alte Welt zerstören müsse, damit eine neue entstehe. Die Fundstellen sind zahlreich, einige Hinweise sollen nur die Verbreitung dieses Topos illustrieren. Bakunin etwa erwähnt in einem Brief an Georg Herwegh vom 6.9.1847, daß er erst glücklich sei, wenn der ganze Erdboden im Brande stehe und sie selbst auch. Moses Hess meinte, von Proudhon sagen zu müssen, er habe das Feuer des modernen Geistes an die Gebäude der alten Gesellschaft gelegt, Hess legt im übrigen Wert darauf, daß jede neue Schöpfung eine Katastrophe sei — und diese Katastrophe werde kommen wie das Jüngste Gericht, um die “Epoche der Illusionen” zu beenden (dies äußerte er 1851 im Jugement dernier du vieux monde social, “Letztes Urteil über die alte soziale Welt”).

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1996

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  • Thomas Koebner

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