Advertisement

Nachmärz pp 364-374 | Cite as

Zur Kritik der einfachen Politisierung

Die “Ästhetik des Widerstands” als Nach-68-Roman
  • Martin Rector

Zusammenfassung

Peter Weiss’ “Ästhetik des Widerstands” ist ein Nach-68-Roman — nicht nur, weil der Roman ziemlich bald nach 1968 begonnen wurde, sondern vor allem, weil seine politisch-ästhetische Konzeption auch Resultat der Erfahrungen ist, die der Autor mit jenen Gruppierungen der Studentenbewegung, der außerparlamentarischen Opposition (APO) und der Neuen Linken machte, die hier summarisch mit der Chiffre 1968 bezeichnet werden sollen. Peter Weiss’ Erfahrungen mit diesen Gruppen waren zwiespältig. Trotz grundlegender Übereinstimmungen im Selbstverständnis als ‘Linker’, wohl auch als ‘Marxist’, glaubte er sich doch in wichtigen Punkten von der APO distanzieren zu müssen. Doch war gerade dieser Zwiespalt für ihn auch produktiv, denn er veranlaßte ihn zu einer kritischen Selbstreflexion und Neubestimmung seines Selbstverständnisses als politisch engagierter Schriftsteller. Diese kritische Selbstreflexion schlägt sich nicht nur im Inhalt, sondern auch in der künstlerischen Gestalt der “Ästhetik des Widerstands” nieder. Die “Ästhetik des Widerstands” als Nach-68-Roman lesen meint also: sie als eine durch die Erfahrung mit der 68er-Bewegung ausgelöste implizite Selbstkritik des Autors an seiner eigenen Politisierung lesen. Im folgenden soll daher zunächst Peter Weiss’ Politisierung bis 1968 rekapituliert werden, um dann vor diesem Hintergrund sein Verhältnis zur 68er Bewegung zu verstehen und abschließend einige Reflexe dieser Konfrontation in der politisch-ästhetischen Konzeption des Widerstandsromans selber zu beleuchten.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Bachmann, Ingeborg, 1978: Frankfurter Vorlesungen. Probleme zeitgenössischer Dichtung. In: Werke. Hg. v. Christine Koschel, Inge von Weidenbaum und Clemens Münster, München/Zürich. Bd. 4., S. 181–277.Google Scholar
  2. Canaris, Volker, 1970: Über Peter Weiss. Frankfurt/MGoogle Scholar
  3. Gerlach, Rainer (Hg.), 1984: Peter Weiss. Frankfurt/M.Google Scholar
  4. Krause, Rolf D., 1982: Faschismus als Theorie der Erfahrung. “Die Ermittlung” und ihr Autor Peter Weiss. Frankfurt/M./Bern/Paris/New York.Google Scholar
  5. Rector, Martin, 1992: Laokoon oder der vergebliche Kampf gegen die Bilder. Medienwechsel und Politisierung bei Peter Weiss. In: Peter Weiss Jahrbuch 1, Opladen 1992, S. 24–41.Google Scholar
  6. Söllner, Alfons, 1988: Peter Weiss und die Deutschen. Opladen.CrossRefGoogle Scholar
  7. Weiss, Peter, 1971: Rapporte 2. Frankfurt/M.Google Scholar
  8. Weiss, Peter, 1982: Notizbücher 1960–1971. 2 Bde. Frankfurt/M.Google Scholar
  9. Weiss, Peter, 1991: Rekonvaleszenz. Frankfurt/M.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1996

Authors and Affiliations

  • Martin Rector

There are no affiliations available

Personalised recommendations