Advertisement

Begriffe und Ereignisse

  • Stefan Hesper

Zusammenfassung

Schreiben ist nicht Sehen und nicht Hören. Dennoch macht sich Schreiben weder blind und taub gegenüber anderen Wahrnehmungen, es versucht vielmehr, Wahrnehmungen über die Grenze des Mediums Sprache hinweg zu retten.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 85.
    Foucault 1971, 365. Begriffsgeschichtlich hat sich das Wort Literatur erst um 1800 in England, Frankreich und Deutschland durchgesetzt. Literatur hört auf, Ausdruck von Bildung und Adel zu sein und wird zur Bezeichnung dessen, was man mit Schrift machen kann.86 Chomsky 1973, 19.Google Scholar
  2. 90.
    Dominique Noguez hat für die Prosa von Marguerite Duras ebenfalls auf diesen Mechanismus der Wiederholung und Differenzierung hingewiesen, der auch die Modalität (konjunktivischer Stil) und die Syntax (parataxischer Stil) verändert. Noguez 1988, 93.Google Scholar
  3. 103.
    Dagegen Luhmann 1984, 14: „Das Buch muß zwar in der Kapitelsequenz gelesen werden, aber nur, weil es so geschrieben ist“.Google Scholar
  4. 105.
    So Didier Anzieu in Das Haut-Ich,Frankfurt am Main 1991.Google Scholar
  5. 110.
    Schon Anfang der 60er Jahre und dann sehr konkret 1976 simuliert Wolfson einen Walkman (mit einem Stethoskop und einem tragbaren Tonbandgerät), um sich gegen Einflüsterungen zu schützen. Für Deleuze ist das „das erste Mal in der Geschichte, daß eine schizophrene Bastelei die Quelle eines Apparates ist, der sich weltweit vervielfachen und auf seine Weise Völker und Generationen schizophrenisieren wird“. CC, 25.Google Scholar
  6. 11.
    l Darauf weist besonders Walter Ong hin. Ong 1981, 36.Google Scholar
  7. 112.
    Interessant ist hier der Aufsatz von Gilbert und Gubar, weil er auf die Tendenz einer männlichen Avantgarde-Ästhetik hinweist, die neue Literatur-Sprache wieder als patrius sermo zu verwenden; dies. 1992, 386–411.Google Scholar
  8. 115.
    Réda Bensmaia hat die Kriterien des intensiven Systems von Deleuze sehr überzeugend in die Analysen des essayistischen Schreibens von Roland Barthes einbringen können, das ebenfalls als System ohne Einheit und Ähnlichkeit konstruiert ist. Bensmaia 1988.Google Scholar
  9. 117.
    Simondon hat seit den 50er Jahren eine Theorie der Formung als Kristallisation durch eine zufällige Abweichung formuliert, die ganz analog zur Kritik Nietzsches an den zeitgenössischen Modellen der Thermodynamik die Paradoxien homöostatisch regulierter Systeme aufzeigt, die nicht nur die Informationstheorie und Kybernetik, sondem auch die Psychologie und Philosophie lange Zeit dominierten. Simondon schlägt dagegen die Annahme metastabiler Gleichgewichte vor, die sich selbst unabsehbar regulieren. Simondon 1989 (Dieser Text stammt aus dem Jahr 1958 ).Google Scholar
  10. 118.
    Hombach 1989, 24.Google Scholar
  11. 119.
    Spencer Brown 1971, V. Jede Unterscheidung besteht für Spencer Brown aus einer Unterscheidung und einer Bezeichnung. Beide Operationen sollen dann im unterschiedenen Objekt wiedereingeführt werden, um den Schnitt rückgängig zu machen.Google Scholar
  12. 124.
    Ich denke hier z.B. an den Aufsatz A rose is a rose von Blanchot, wo er die modifizierende Wiederholung gegenüber der kontinuierlichen Entwicklung als Stilmerkmal der modernen Literatur beschreibt. Blanchot 1969, 498ff; dt. Übers. ders. 1991, 155ff.Google Scholar
  13. 130.
    Daß doppelte Verneinungen Glaubenscharakter besitzen, hat Kafka gegen Watzlawick gezeigt: „Daß es uns an Glauben fehlt, kann man nicht sagen. Allein die einfache Tatsache unseres Lebens ist in ihrem Glaubenswert gar nicht auszuschöpfen.“ „Hier wäre ein Glaubenswert? Man kann doch nicht nicht leben.” „Eben in diesem,kann doch nicht` steckt die wahnsinnige Kraft des Glaubens; in dieser Verneinung bekommt sie Gestalt.“ Kafka 1980, 40.Google Scholar
  14. 134.
    Schon 1964 hat Michel Serres in diesem Sinne das Modell einer netzförmigen, tabulatorischen Ordnung vorgeschlagen, die „mit mehreren Eingängen und vielfältigen Verknüpfungn reicher und flexibler ist als eine lineare Verkettung von Gründen, ganz gleich ob diese Verkettung nun auf Deduktion, Determination, Entgegensetzung usw. beruht“. Serres 1992, 12. Dieses Modell beschreibt zugleich den Schritt von der Wahrscheinlichkeit in die Überdeterminierung, von der Wirkungsforschung zur Analyse von Ursachen ohne Wirkung oder von Ursachen, die mit ihren Wirkungen gleichzeitig sind. Julia Kristeva hat daran in ihrer Semiologie der Paragramme explizit angeknüpft.Google Scholar
  15. 135.
    Das Rhizom als Form hat eine lange Tradition in der Dichtung. Ivan Illich beschreibt ausführlich in diesem Sinne die Tätigkeit des Rhapsoden: „Das Symbol der vor-schriftlichen Erinnerung war der Barde, der die Lumpen der Vergangenheit zusammenflickte. Deshalb heißt er rhapsode: Näher oder Flicker. […] Der Barde dachte nicht über Worte nach, sondern er ließ sich durch den Schlag seiner Lyra treiben“; Illich 1991, 44. Die zeitgenössische Rap-und HipHop-Musik schließt bewußt an diese Tradition der oralen, rhizomatischen Dichtung an.Google Scholar
  16. 154.
    Persönliche Informationen zu seinem Werdegang und zu seinen verschiedenen Berufsfeldern und Leidenschaften findet man z.B. in den Nachrufen in Libération vom 31. August 1992.Google Scholar
  17. 155.
    Seine Annahme von Zeichen jenseits einer binären, exklusiv-disjunktiven Klassifikation macht es ihm auch prompt unmöglich, weiter an Orten der Lacan-Schule zu publizieren. Sein Aufsatz Der Platz des Signifikanten in der Institution von 1973 muß deshalb in der amerikanischen Zeitschrift Semiotext erscheinen.Google Scholar
  18. 156.
    Benveniste 1980, 60. Dieser Aufsatz von Benveniste von 1969 unter dem Titel Sémiologie de la langue ist für Guattari das exemparische Programm eines semiologischen Strukturalismus, der alle Zeichenordnungen im Lichte der Sprache untersucht. Hier findet sich auch die wichtige Unterscheidung von Signifikanz und Interpretanz, die allerdings außer bei Benveniste unter Linguisten keine Resonanz gefunden hat.Google Scholar
  19. 179.
    Guattari in Smoltczyk, Klinggräff 1989, 138.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1994

Authors and Affiliations

  • Stefan Hesper

There are no affiliations available

Personalised recommendations