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Komplexität und Kopplung Zum Verhältnis von ökologischer Forschung und Risikosoziologie

  • Klaus P. Japp

Zusammenfassung

Wenn man das gestellte Thema auf die Fragestellung spezifiziert, was man im Hinblick auf ’den’ gesellschaftlichen Umgang mit ökologischen Risiken (Risikosoziologie) von der ökologischen Forschung lernen könne, stellt sich zunächst eine Irritation ein: Es entsteht der Eindruck, man könne die Relevanz ökologischer Forschung für sich festlegen und dann auf den gesellschaftlichen Umgang mit ökologischen Risiken beziehen — so, als ob dieser nicht immer schon eigene Relevanzkriterien entwickeln würde. Gerade wegen dieser Irritation soll das Thema hier in der angedeuteten Weise verfolgt werdenl. Andererseits empfiehlt es sich schon aus darstellungstechnischen Gründen, ökologischer Forschung zunächst eigenständigen Raum zu geben und jene Irritation erst an später Stelle — im Rahmen einer Art risikosoziologischer Bilanzierung — wieder aufzugreifen.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Man kann ihr nur aus dem Wege gehen, wenn Kurzschlüsse zwischen ökologischen Weltbildern und sozialen Präferenzen benötigt werden. So kann man natürliche Systeme als nur äußerst begrenzt belastbar ansehen und daraus moralische Bedenken gegen die Steierung von Eingriffen beziehen. Genau komplementär lassen sich natürliche Systeme als äußerst belastbar ansehen und daraus strategisch-praktische Präferenzen für die Steigerung von Eingriffen beziehen (zur komplementären Einseiti keit dieser ‘Haltungen’, Holling 1978: 8f). Risikosoziologische Fragestellungen müssen ohne solche Kurzschlüsse auskommen und deshalb noch hinter jene Irritation ausgreifen.Google Scholar
  2. 2.
    Warum gerade diese, wird weiter unten begründet werden. Ebenso die Verwendung des bekanntermaßen kontroversen Begriffs ‘Okosystem’.Google Scholar
  3. 3.
    Man muß allerdings sehen, daß die Hierarchietheorie als solche, d.h. als allgemeine Theorie organisierter Komplexität schon älter ist. Vgl. nur Simon 1973. Es handelt sich hier dementsprechend um eine forschungsstrategisch erfolgreiche und deshalb nicht-zufällige Applikation der allgemeinen Hierarchietheorie auf den ökologischen Forschungskontext. Diese Applikation folgt der allgemeinen Tendenz, das Konzept der Selbstorganisation für natürliche Systeme fruchtbar zu machen (vgl. Dress et al. 1986 ).Google Scholar
  4. 4.
    Ähnlich komplexen Technologien, besteht eine starke Tendenz zur Wissens-und Lernabhängigkeit vom Störfall (vgl. Krohn/Weyer 1989).Google Scholar
  5. 5.
    An diesen Formulierungen wird bereits deutlich, daß die Theorie selbstorganisierter Ökosysteme in unmittelbare Nähe zumindest der allgemeinen Prinzipien der modernen Systemtheorie sozialer Systeme (Luhmann 1984 ) rückt. Dies wird unter Gesichtspunktes r Interdisziplinarität und praktisch-strategischer Lernprozesse auch immer wieder hervorgehoben (vgl. nur: Jantsch 1984 ).Google Scholar
  6. 6.
    Deshalb ist die Orientierung auf Erhaltung der Artenvielfalt in den gängigen Strömungen ’ökologischer Sensibilität’ eine - ästhetisierende - Vereinfachung.Google Scholar
  7. 7.
    Diese Strategie optionswertsteigernder (Müller 1983 ) Ressourcenplanung (White 1980) setzt auf selbstorganisatorische Effekte von Ungewißheit: Wer kann schon wissen, welche Alternativen wann, wie und mit welcher Wirkung realisiert werden. Der Rückhalt besteht eben in der Steigerung von Optionen (Collingridge 1980)! Demgegenüber scheitert regulative Politik nur allzu oft an der Eigenkomplexität der Regulationsobjekte (Stewart 1981 ).Google Scholar
  8. 8.
    Vgl. allerdings White (1980), der auf Alternativen, Flexibilität und Reversibilität setzende ‘Ressourcenplanung’ auf reale Entwicklungen (in den USA) bezieht.Google Scholar
  9. 9.
    Stewart 1981, daneben die diesbezügl. Auseinandersetzungen in der Zeitschrift für Umweltpolitik, vor allem: Jg. 1985–87.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. auch Wiesenthal (1988), der sich auf Formen sozialen Wandels bezieht, die mit so etwas wie losen Kopplungen zwischen Funktionssystemen und sozialen Bewegungen zu tun haben. Eine ähnliche Stoßrichtung mit Bezug auf die ‘Steuerung’ von Funktionssystemen verfolgen Hirschman/Lindblom ( 1962 ). Jedenfalls geht es um die Erhaltung (bzw. Nutzung) von Ungewißheit zugunsten weiterhin möglicher Lernprozesse. Ungewißheitsreduktion durch regulative Politik etwa führt demgegenüber zu notorischen Nachrüstungen ihrer eigenen Defizite - ein ‘Lernprozeß’ mit ausgesprochen beschränkter Haftung.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1990

Authors and Affiliations

  • Klaus P. Japp

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