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Zeitbudget und Arbeitsbedingungen

  • Dietrich Herzog
  • Hilke Rebenstorf
  • Camilla Werner
  • Bernhard Weßels

Zusammenfassung

Wie andere Parlamente in westlichen Demokratien hat auch der Deutsche Bundestag eine Vielzahl von Aufgaben wahrzunehmen. Zu den “klassischen” Funktionen der Parlamente, wie sie seit Bagehot definiert werden1, wozu Herstellung von Öffentlichkeit, Problemartikulation, Gesetzgebung, Regierungskontrolle sowie Wahl- und Rekrutierungsfunktion gehören, kommen im Zuge des gesellschaftlichen und ökonomischen Wandels, der neuen Partizipationsforderungen in der Bevölkerung, sowie der “Internationalisierung” zahlreicher Politikbereiche zunehmend neue Anforderungen. Das heißt für die Abgeordneten vermehrte Arbeitsbelastung und Zwang zur Spezialisierung. Daraus ergeben sich drei grundsätzliche Fragen, die für die Funktionsfähigkeit moderner Parlamente von Bedeutung sind: (1) Wie ist die zeitliche Belastimg der Abgeordneten tatsächlich? (2) Wie gliedern sich die verschiedenen Tätigkeiten? (3) Welche Probleme ergeben sich daraus für die Erfüllung der Aufgaben des Parlaments insgesamt?

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Anmerkungen

  1. 1.
    Waiter Bagehot, The English Constitution, Oxford University Press 1957, Erstveröffentlichung 1867.Google Scholar
  2. 1a.
    Vgl. auch: Uwe Thaysen, Parlamentarisches Regierungssystem in der Bundesrepublik Deutschland, Opladen: Leske und Budrich 1976.Google Scholar
  3. 2.
    Paul Kevenhörster/Wulf Schönbohm, Zur Arbeits- und Zeitökonomie von Bundestagsabgeordneten, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 4 (1973), S. 18–37.Google Scholar
  4. 3.
    Kevenhörster/Schönbohm legten folgende Ergebnisse vor: 1. Sitzungen (32,6 Std. bzw. 37,9 Prozent), 2. Informations- und Kontakttätigkeiten (19,4 Std. bzw. 22,6 Prozent), 3. administrative- und Routinetätigkeiten (14,4 Std. bzw. 16,7 Prozent), 4. sonstige Tätigkeiten (14,1 Std bzw. 15,4 Prozent) und 5. innovative Tätigkeiten (6,3 Std. bzw. 7,3 Prozent) (Anm. 2, S, 23).Google Scholar
  5. 4.
    Ein Vergleich zur Untersuchung von 1972 kann hier nicht vorgenommen werden, da Kevenhörster und Schönbohm in ihrer Studie lediglich exemplarisch die Stundenpläne eines Fraktionsvorsitzenden und zweier Ausschußvorsitzender vorstellen konnten.Google Scholar
  6. 5.
    Auch diese Unterschiede konnten Kevenhörster und Schönbohm aufgrund der geringen Zahl der Befragten nicht ausarbeiten. Vielleicht waren sie damals auch noch nicht so groß.Google Scholar
  7. 6.
    Vgl. auch die Ausführungen in Kapitel 6.Google Scholar
  8. 7.
    Die Ergebnisse von 1973: I. Sitzungen (5,3 Std. bzw. 6,8 Prozent), IL Informations- und Kontakttätigkeiten (33,6 Std. bzw. 42,9 Prozent), III. Administrative- und Routinetätigkeiten (10,9 Std. bzw. 13,9 Prozent), IV, Innovative Tätigkeiten (10,5 Std. bzw. 13,4 Prozent), V. sonstige Tätigkeiten (18 Std. bzw. 23 Prozent) (Anm. 2, S. 24),Google Scholar
  9. 8.
    Vgl, Dietrich Herzog, Politische Karrieren. Selektion und Professionalisierungpolitischer Führungsgruppen, Opladen: Westdeutscher Verlag 1975.Google Scholar
  10. 9.
    Vgl. Alf Mintzel, Die CSU. Anatomie einer konservativen Partei 1945–1972, Opladen: Westdeutscher Verlag 1975.Google Scholar
  11. 10.
    Der Fragetext lautete: “Wenn Sie einmal alle Tätigkeiten im Zusammenhang sehen und an Ihre wichtigsten Aufgaben denken, für welche der Unter Frage 48 (Frage nach dem Zeitaufwand für einzelne Tätigkeiten) wenden Sie dann Ihrer Meinung nach zuviel Zeit auf?” “Und für welche Tätigkeiten können Sie nicht genügend Zeit aufwenden?”Google Scholar
  12. 11.
    1972 wurde der zeitliche Aufwand für Plenardebatten von sehr viel mehr Abgeordneten als zu hoch, wahrend die Sitzungen der Bundestags-Ausschüsse und -Arbeitsgruppen als zu gering dargestellt. (Vgl. Anm. 2, S. 26). Zu berücksichtigen ist hierbei, daß der zeitliche Aufwand für die Tätigkeiten sich ebenfalls verändert hat.Google Scholar
  13. 12.
    Im Vergleich zu 1972 sind die Einschätzungen zu den Informations- und Kontakttätigkeiten sowie zu administrativen und Routinetätigkeiten pointierter geworden, bezüglich der Betreuung von Besuchergruppen haben sie sich sogar umgekehrt.Google Scholar
  14. 13.
    Renate Mayntz/Friedhelm Neidhardt,Parlamentskultur: Handlungsorientierungen von Bundestagsabgeordneten — eine empirisch explorative Studie, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 3 (1989), S. 370–387.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Dietrich Herzog
  • Hilke Rebenstorf
  • Camilla Werner
  • Bernhard Weßels

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