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Wie informieren sich Abgeordnete?

  • Dietrich Herzog
  • Hilke Rebenstorf
  • Camilla Werner
  • Bernhard Weßels

Zusammenfassung

Informationsüberflutung auf der einen Seite, aber Mangel an Informationen, vor allem aus der Regierung und der Ministerialverwaltung, auf der anderen, — das sind die beiden ständigen Klagen von Abgeordneten. Sie müssen viel Zeit aufwenden, um “auf dem Laufenden” zu sein1, und fühlen sich doch dauernd schlecht informiert. Dieses Dilemma des Parlamentariers, ähnlich dem des “einfachen Staatsbürgers” inmitten der verwirrenden Vielfalt gegenwärtiger Medieneinflüsse, scheint sich zunehmend zu einem Problem moderner repräsentativer Demokratien auszuwachsen. Hängt doch ihre “Funktionstüchtigkeit” auch von der Vertrauenswürdigkeit und “Repräsentativität der vermittelten Kommunikation”2 ab. Denn neben dem direkten Kontakt zwischen Repräsentanten und Repräsentierten (z.B. in Sprechstunden oder Versammlungen) sind die durch die Medien vermittelten Informationen wichtig, um die in der Bevölkerung vorhandenen virulenten Probleme öffentlich zu machen; und das heißt auch, um “responsives Verhalten”3 zu ermöglichen.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. die “Zeitbudget-Analyse” in Kapitel 7.Google Scholar
  2. 2.
    Hans-Dieter Gärtner, Wahlkampf und Presse, Königstein/Ts.: Hain 1986, S.24.Google Scholar
  3. 3.
    Vgl. Herbert Uppendahl, Repräsentation und Responsivität. Bausteine einer Theorie responsiver Demokratie, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 12 (1981), S.123–134.Google Scholar
  4. 4.
    Über die Rolle der modernen Medien in der gegenwärtigen Demokratie liegen inzwischen zahlreiche Untersuchungen vor. Einen Überblick geben die Beiträge von Kaase, Schatz u.a. in dem von Max Kaase herausgegebenen Sammelband “Politische Wissenschaft und politische Ordnung”, Opladen: Westdeutscher Verlag 1986.Google Scholar
  5. 5.
    Die ausführlichste Untersuchung befaßt sich mit dem britischen House of Commons (Anthony Barker/Michael Rush, The Member of Parliament and his Information, London: Allen & Unwin 1970).Google Scholar
  6. 5a.
    Für die Bundesrepublik (Bundestag und Landtage) haben Henry Puhe und H. Gerd Würzberg eine erste kleinere Studie vorgelegt (Lust und Frust. Das Informationsverhalten des deutschen Abgeordneten, Köln: Mormedia 1989).Google Scholar
  7. 6.
    Erich Vorwerk u.a., Möglichkeiten der Unterstützung der Tätigkeiten der Abgeordneten durch neue Informations- und Kommunikationstechniken und -medien, Parlakom-Studie in sechs Teilen und einem Endbericht, Projektträger: Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung mbH (GMD), Bonn, Schloss Birlinghoven, Sankt Augustin und ADV/ORGA F.A. Meyer AG Wilhelmshaven, Endbericht erschienen am 27.3.1986 in Sankt Augustin.Google Scholar
  8. 7.
    Einen ähnlichen Zusammenhang haben auch Puhe und Würzberg (s. Anm. 5) festgestellt.Google Scholar
  9. 8.
    Ulrich Dübber, Neunzig Prozent ohne Resonanz. Das Bild der Bundestagabgeordneten in Presse, Hörfunk und Fernsehen, in: Hartmut Klatt (Hrsg.), Der Bundestag im Verfassungsgefüge der Bundesrepublik Deutschland — Beiträge zum dreißigjährigen Bestehen des deutschen Bundestages, Bonn: Presse- und Informationszentrum des Deutschen Bundestages 1980, S. 149–151.Google Scholar
  10. 9.
    Zur Entwicklung der Nutzung des politischen Informationsangebots der Massenmedien in der Bevölkerung von 1964 bis 1985 siehe: Klaus Berg/Marie-Luise Kiefer (Hrsg.), Massenkommunikation III: eine Langzeitstudie zur Mediennutzung und Medienbewertung, Frankfurt/M./Berlin: Metzner 1987, S. 105ff.Google Scholar
  11. 10.
    Allerdings sind sich die Medienforscher über die Wirkung der verschiedenen Medien bei der Vermittlung politischer Informationen in der Bevölkerung noch nicht einig. Während von den einen behauptet wird, daß unter den Massenmedien das Fernsehen den größten Einfluß auf die politische Meinungsbildung habe (vgl. Elisabeth Noelle-Neumann, Öffentlichkeit als Bedrohung, Beiträge zur empirischen Kommunikationsforschung, hrsg. v. Jürgen Wilke, Freiburg im Breisgau/München: Alber 1979, 2. Aufl.), wird dieser Befund von anderen bestrittenGoogle Scholar
  12. 10a.
    Klaus Schönbach, Das unterschätzte Medium — Politische Wirkungen von Presse und Fernsehen im Vergleich, München: Saur 1983).Google Scholar
  13. 11.
    Den Mittelwerten liegen folgende Kategorien zugrunde: 4 = sehr wichtig, 3 = wichtig, 2 = weniger wichtig, 1 = eher unwichtig.Google Scholar
  14. 12.
    Was die Anfragen betrifft, so könnte die Tatsache, daß ihnen von den Abgeordneten ein verhältnismäßig geringer Informationswert beigemessen wird, auf eine nicht hinreichende Auskunftsbereitschaft der Regierung hindeuten, zumindest für die von einzelnen Mitgliedern des Bundestages zur mündlichen oder schriftlichen Beantwortung an die Bundesregierung gestellten Fragen wird dies zuweilen eingewendet (vgl. “Selbstverständnisdebatte” des Deutschen Bundestages vom 18.9.1987, PlPr 11/28, S. 1898).Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Dietrich Herzog
  • Hilke Rebenstorf
  • Camilla Werner
  • Bernhard Weßels

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