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Politische Einstellungen von Bürgern und Abgeordneten

  • Dietrich Herzog
  • Hilke Rebenstorf
  • Camilla Werner
  • Bernhard Weßels

Zusammenfassung

In privaten Gesprächen, in öffentlichen Diskussionen und selbst in der anspruchsvollen Publizistik stößt man immer wieder auf die populäre Meinung, “die Politiker” seien zu weit entfernt vom eigentlichen Leben, kümmerten sich zu wenig um die täglichen Belange der “einfachen Bürger”. Meinungsumfragen zeigen, daß ein beträchtlicher Teil der Bevölkerung daran zweifelt, daß die Politiker “andere als ihre eigenen Ziele” verfolgen. Das trifft auch auf Abgeordnete zu. Der Deutsche Bundestag, so lautet das oft zu vernehmende Pauschalurteil, entscheide zu oft über die Köpfe der Bürger hinweg. Derartige Stereotype lassen sich leicht mit einzelnen Beispielen belegen, und sie sind naturgemäß schwer zu widerlegen. Jedoch steckt dahinter ein wichtiges demokratietheoretisches Problem, dem wissenschaftlich nachzugehen ist, der Frage nämlich, ob sich die Abgeordneten, als Teil der “politischen Klasse”, in ihren Grundüberzeugungen und politischen Zielsetzungen möglicherweise von den Erwartungen der durch sie Repräsentierten entfernen; wobei längerfristig eine solche “Diskongruenz” zwischen Wählern und Gewählten zu einem allgemeinen Vertrauensverlust in die repräsentative Demokratie führen müßte.1

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Anmerkungen

  1. 1.
    Sieht man von den grundlegenden Fragen der Verfassungsordnung ab, so ist über politische Sachfragen ein vollkommener Konsens zwischen Repräsentanten und Repräsentierten in einer “offenen Gesellschaft” (Popper) weder möglich noch notwendig. Derartige Meinungsunterschiede sind vielmehr ein positives Element öffentlicher Auseinandersetzungen und innovativer Politik. Über die Problematik des “Kongruenz-Diskongruenz-Paradigmas” vgl. Dietrich Herzog, Was heißt und zu welchem Ende studiert man Repräsentation?, in: Dietrich Herzog/Bernhard Weßeis (Hrsg.), Konfliktpotentiale und Konsensstrategien, Opladen: Westdeutscher Verlag 1989, S. 322ff.CrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Vgl. Rudolf Wildenmann u.a., Führungsschicht in der Bundesrepublik Deutschland 1981, Universität Mannheim 1982;Google Scholar
  3. 2a.
    Bernhard Weßels, Wählerschaft und Führungsschicht Probleme politischer Repräsentation, Freie Universität Berlin 1985.Google Scholar
  4. 3.
    Dort wurden u.a. Einstellungen über das Verhältnis zwischen “privatem” und “öffentlichem Sektor”, über den Wohlfahrtsstaat und über Umweltpolitik erhoben. Vgl. Sören Holmberg, Political Representation in Sweden, in: Scandinavien Political Studies, 12 (1989), S. 1–36.Google Scholar
  5. 4.
    Vgl. Warren Miller/D.E. Stokes, Constituency Influence in Congress, in: American Political Science Review 57 (1963), S. 45–56;Google Scholar
  6. 4a.
    Philip E. Converse/Roy Pierce, Political Representation in France, Cambridge, Mass.: Harvard University Press 1986.Google Scholar
  7. 5.
    Vgl. Ursula Hoffmann-Lange, Congruence of Political Belieft Among Elites and Voters as Indicator of Representation, hrsg. vom European University Institute, Florenz, 1984.Google Scholar
  8. 6.
    Dieses Kapitel faßt die wichtigsten Ergebnisse zusammen, die in der Zeitschrift für Parlamentsfragen ausführlicher dargestellt worden sind; vgl. Hilke Rebenstorf/Bernhard Weßeis, Wie wünschen sich die Wähler ihre Abgeordneten? Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage zum Problem der sozialen Repräsentativität des Deutschen Bundestages, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 20 (1989), S. 408–424.Google Scholar
  9. 7.
    Die deutsche und internationale parlamentssoziologische Forschung hat inzwischen reichhaltiges Material über die “soziale Disproportionalität” zwischen Wählerschaft und Abgeordnetenstruktur vorgelegt. Dagegen gibt es bisher noch keine hinreichend empirisch belegten Erkenntnisse darüber, ob die Bevölkerung jene “Disproportionalität” akzeptiert oder abzubauen wünscht. Insofern wird mit den hier vorgelegten Umfrageergebnissen Neuland betreten.Google Scholar
  10. 8.
    Ausführlich dazu Suzanne S. Schüttemeyer, Bundestag und Bürger im Spiegel der Demoskopie. Eine Sekundäranalyse zur Parlamentarismusperzeption in der Bundesrepublik, Opladen: Westdeutscher Verlag 1986.CrossRefGoogle Scholar
  11. 9.
    Der Grad der Konfessionsbindung wurde nach der Häufigkeit des Kirchgangs bestimmt.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1990

Authors and Affiliations

  • Dietrich Herzog
  • Hilke Rebenstorf
  • Camilla Werner
  • Bernhard Weßels

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