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Zur filmischen Rhetorik faschistischer Märtyrerlegenden

  • Martin Loiperdinger
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Zusammenfassung

Herausragendes Charakteristikum der „Parteifilm“-Trilogie und Kern ihrer politischen Botschaft ist die Inszenierung des „Sterbens für Deutschland“. In jedem der drei Filme erliegt ein nationalsozialistischer Protagonist einem kommunistischen Anschlag aus dem Hinterhalt — die Dramaturgie von „Hans Westmar“ und „Hitlerjunge Quex“ ist regelrecht von der ersten bis zur letzten Einstellung auf diesen entscheidenden Handlungsstrang hin zugeschnitten. Die Regie läßt es nicht bei der Denunzierung des kommunistischen Gegners als „Mörderbande“ bewenden, sondern versucht neben dem positiven Induktionseffekt, der sich aus der Zeichnung der nationalsozialistischen Hauptfiguren auf der Negativfolie des Feindbilds „Kommune“ ergibt, durchaus eigenständige Positionen nationalsozialistischer Selbstdarstellung zu vermitteln. Die Protagonisten werden nicht als bloße Opfer von Gewaltakten der anderen Seite gezeigt, sie führen vielmehr in voller Kenntnis der Gefahr, die ihnen droht, ihre politische Handlungsweise unbeirrbar fort, setzen ihr Leben aufs Spiel und lassen sich demnach eindeutig als politische Märtyrer ansprechen.

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Anmerkungen

  1. 2.
    E. Leiser 1978, S. 38; D. Welch 1983, S. 69Google Scholar
  2. 3.
    Der gesamte Dialog ist abgedruckt bei E. Leiser 1978, S. 38–40; G. Albrecht 1983, S. 18–20; D. Welch 1983, S. 69, wobei der entscheidende Schluß des Wortwechsels allerdings nur verstümmelt wiedergegeben wird; diese Passage findet sich vollständig zitiert bei J. Baird 1983, S. 508 — außer bei Albrecht findet sich aber bei keinem der Autoren ein Ansatz zur Analyse dieser Szene.Google Scholar
  3. 5.
    G. Albrecht 1983, S. 20Google Scholar
  4. 14.
    Vgl. hierzu M. Loiperdinger 1987, S. 125 ff.Google Scholar
  5. 15.
    J. Goebbels in seiner Berliner Zeitung,Der Angriff’ am 19.8.1929, zit. nach J. Goebbels 1935, S. 261f.Google Scholar
  6. 16.
    Zit. nach der Zulassungskarte der Filmprüfstelle Berlin für den von der NSDAP produzierten Streifen »Das junge Deutschland marschiert“, Prüf.-Nr. 32343 vom 21.10.1932. Es handelt sich um die wohl einzigen dokumentarischen Tonfilmaufnahmen einer HJ-Veranstaltung vor dem 30. Januar 1933. Während die 0-Töne von Schirachs im ersten Akt des Films offenbar verschollen sind, ist die im zweiten Akt folgende Ansprache von Hitler an die HJ erhalten geblieben (vgl. M. Loiperdinger 1979).Google Scholar
  7. 17.
    G. Kaufmann, Das kommende Deutschland (1940), zit. nach Brandenburg 1968, S. 227Google Scholar

Copyright information

© Leske Verlag + Budrich GmbH, Opladen 1991

Authors and Affiliations

  • Martin Loiperdinger

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