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Uruguay in der Integration der La-Plata-Länder

  • Renate Arndt

Zusammenfassung

Mit dem von Argentinien und Brasilien 1986 unterzeichneten Kooperationsabkommen, in das Uruguay teilweise eingebunden ist, werden die bereits dreißig Jahre andauernden Integrationsbemühungen in Lateinamerika fortgesetzt. Das Abkommen von 1986 leitete eine neue Phase der Integration ein. Neu ist die Betonung der bilateralen Kooperation. Zudem wird die wirtschaftliche Kooperation um die Bereiche Technologie, Atomenergie, Transport, Kultur, Kommunikation und Verwaltungswesen erweitert.

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Literatur

  1. 1.
    Die Gründe für das Scheitern vorangegangener Integrationsversuche sind zahlreich. Die wichtigsten sind wohl ungenügende Entwicklung der regionalen Infrastrukturen; Rigidität und fehlender Realismus in gesetzten Zielen, Instrumenten und Fristen; allzu große Unterschiede unter den Mitgliedsstaaten vor allem hinsichtlich Wirtschaftsgröße und Entwicklungsstand; ungleiche Profitverteilung zugunsten der großen Staaten; geringe Beteiligung verschiedener sozialer und politischer Gruppen; Fehlen einer dauernden und stabilen Unterstützung durch die großen Länder jeder der Vereinigungen. Siehe dazu: Klaveren, A.van, 1989; Vacchino, J.M., 1989b; Ferguson, Y.H., in: Lincoln, J.K./Ferris, E.G, 1984; Salgado Peñaherrera, G., 1986. Der intraregionale Handel der ALADI-Mitgliedsstaaten ging in den achtziger Jahren deutlich zurück und fiel von 11300 Mio.US-$ (1981) auf 7600 Mio.US-$ (1986). Im gesamten lateinamerikanischen und karibischen Raum reduzierte sich der intraregionale Handel von 17% (1980) auf wenig mehr als 10% (1985). Vgl. Massad, C, 1989; CEPAL: Notas sobre la economía y el desarrollo, No.465, Juli 1988.Google Scholar
  2. 2.
    Siehe den Beitrag von Dieter Nohlen und Mario Fernández in diesem Band.Google Scholar
  3. 3.
    Die neuen demokratischen Regierungen waren sich jedoch rasch darüber im klaren, daß Demokratie allein nicht automatisch ihre externen Probleme löst, wie beispielsweise die Auslandsverschuldung. Siehe Muñoz, H., 1986a.Google Scholar
  4. 4.
    Siehe hierzu vor allem die Studien von Mónica Hirst (1986, 1988), Leopoldo Mármora (1987, 1988) und Juan M. Vacchino (1988, 1989).Google Scholar
  5. 5.
    Dieser Beitrag stützt sich im wesentlichen auf dreißig von mir geführten Interviews mit Vertretern aus Politik, Gewerkschaft, Unternehmerverbänden, privaten Unternehmern, Presse sowie mit Wissenschaftlern in Uruguay und Argentinien von September bis November 1989.Google Scholar
  6. 6.
    Zahlreiche Meinungen gehen dahin, daß in der Rolle Uruguays, als Landbrücke in der Region zu dienen, die zukünftige nationale Sicherheit Uruguays und sein Einnuß in weltpolitischen Fragen liegt und nicht als Puffer im klassischen Sinne. Die erfolgreiche Besetzung dieser Rolle liege in der Fähigkeit Uruguays, das Land wirtschaftlich in die Region einzubinden und ein funktionsfähiges Kommunikations- und Transportnetz aufzubauen. Vgl. Tulchin, J.S., in: Chay, J./Ross,T.E.(Hrsg.), 1986. Siehe ferner ders., in: Cono Sur, Vol.VI, No.4, 1987, S.227.Google Scholar
  7. 7.
    Diese Einschätzung läuft allerdings Gefahr, sowohl die Veränderungen im internationalen System als auch die nationalen Veränderungen unberücksichtigt zu lassen. A. Cocchi weist darauf hin, daß dies auf nationaler Ebene bedeuten würde, daß dieselben Strukturen, dasselbe Szenarium wieder vorherrscht, welche den Militärputsch ermöglichten. Vgl. dazu: Cocchi, A., in: Nohlen,D./Solari, A., 1988a.Google Scholar
  8. 8.
    Die Logik des “suma cero”, von der sich Uruguay nicht zu lösen vermag, d.h. Gewinne in der Region als Verluste im internationalen System wahrzunehmen, hat eine gewagtere Politik verhindert, die Uruguay eine wichtigere Position im regionalen Integrationsprozeß eingebracht hätte.Google Scholar
  9. 9.
    Siehe den Beitrag von Harald Barrios in diesem Band.Google Scholar
  10. 10.
    Laut Statistiken der Banco Central de Uruguay sind darunter folgende Industriebrachen zu verstehen: Nahrungsmittel, Getränke, Tabak, Textilien, Bekleidung.Google Scholar
  11. 11.
    Uruguay zählte bis zu den fünfziger Jahren zu den dynamischsten Volkswirtschaften Lateinamerikas und wies noch 1956 das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Länder Lateinamerikas auf.Google Scholar
  12. 12.
    Es hatte sich gezeigt, daß besonders agroindustrielle Produkte sehr stark von externen Faktoren abhängig sind wie etwa geringe Nachfrage, Sinken der Weltmarktpreise, Protektionismus der Industrieländer. Die Förderung nichtagrarischer Branchen, der sogenannte Industrias Manufactureras sin Origen Agropecuario y/o Importado (IMSOA), welche die Rubrik der nichttraditionellen Industriebranchen stellen, wurde nun vorangetrieben. Von 1974–1980 erhöhten sich die Exporte dieser Branchen dreimal schneller als die traditionellen Ausfuhren. Siehe Macadar, L., in: Integración Latinoamericana, No. 127, 1987, S.5.Google Scholar
  13. 13.
    Messner kommt allerdings zu dem Schluß, daß in CAUCE und PEC nur die alten Importsubstitutionspolitiken, die zu ineffizienter Produktion geführt hatten, im wesentlichen fortgesetzt wurden: “Die regionale Kooperation läuft bisher auf eine Erweiterung der traditionellen Importsubstitution im regionalen Rahmen hinaus”, Messner, D., 1990, VI.Google Scholar
  14. 14.
    Grundlagen, Inhalte und Ziele der Regionalabkommen siehe für den CAUCE in Bustos, P., o.J. und für das PEC in Rodríguez Folle, FVRey García, N., in: Integración Latinoamericana, No.l 19, 1986.Google Scholar
  15. 15.
    Huici/Tacobs schlüsseln — getrennt nach Bereichen — minutiös die Integrationsschritte und -ergebnisse der drei La-Plata-Staaten auf. Siehe Huici, N./Jacobs, E., 1989.Google Scholar
  16. 16.
    Der genaue Wortlaut des Abkommens findet man in den Ausgaben der uruguayischen Zeitung “La Mañana” vom 19. und 28. August 1986 abgedruckt.Google Scholar
  17. 17.
    Messner vertritt die Ansicht, daß CAUCE und PEC die Eingliederung Uruguays in den Weltmarkt eher behindern als fördern. Vgl. Messner, D. a.a.O., S.79.Google Scholar
  18. 18.
    Diese Vision scheint eher “wishful thinking “ als eine realisierbare Strategie zu sein. Uruguay besitzt nicht die wirtschaftliche Antriebskraft nach außen wie die beiden ostasiatischen Staaten, welche ähnliche wirtschaftliche Entwicklung nach sich ziehen würde. Nur mit Vorbehalt kann Uruguay als Finanzplatz mit Hong Kong verglichen werden.Google Scholar
  19. 19.
    Text siehe in: Cámara de Comercio Argentino-Brasileña (Hrsg.), 1989.Google Scholar
  20. 20.
    Martina Müller weist allerdings in ihrem Beitrag in diesem Band darauf hin, daß die Initiative in Brasilien von den verschiedenen Abteilungen des Itamaraty ausging.Google Scholar
  21. 21.
    Iglesias war sehr darum bemüht, spezielle Arbeitsgruppen für verschiedene Bereiche zu schaffen, mit denen er eine Modernisierung und Effizienzsteigerung des Außenministeriums anstrebte. Es gelang ihm jedoch nicht, diese Arbeitsgruppen im institutionellen Apparat zu verankern. Eine gesonderte Abteilung, die sich ausschließlich mit Aufgaben des Integrationsprozesses beschäftigt wie in Argentinien, entstand nicht.Google Scholar
  22. 22.
    Barrios Tassano konzentrierte sich mehr auf die innere Organisation des Ministeriums. Information aus einem Interview vom 13.10.1989 mit Ope Pasquet, Subsekretär des Auswärtigen Amtes und Vizekanzler bis Juli 1989. Barrios Tassano selbst anerkannte im Interview vom 8.11.1989, daß die bedeutendsten außenpolitischen Erfolge in die Zeit Enrique Iglesias’ fielen.Google Scholar
  23. 23.
    Oscar Avalle, Subsekretär in der Abteilung Programa Integración Argentina-Brasil des argentinischen Außenministeriums und in dieser Funktion an den Verhandlungen maßgeblich beteiligt, brachte dies in einem von mir mit ihm am 23.11.1989 geführten Interview auf den Nenner: “Si el sector privado no asume al proceso de integración, no hay integración.” Juan M. Vacchino, von 1984 bis 1988 Direktor von INTAL/Buenos Aires, verwies ebenfalls auf die notwendige Beteiligung des privaten Sektors (Interview vom 25.10.1989): “La participáción de la ciudadanía en el proceso de integración es un factor de legitimidad y una condición de éxito. Si sólo participan los gobiernos y los tecnócratas el proceso se estanca y fracasa.”Google Scholar
  24. 24.
    Der Text des Programms findet sich in einer unveröffentlichen Information mit dem Titel: Primer encuentro de actualización del Seminario: “Integración económica y estrategia sindical (25 y 26 de noviembre de 1988), Montevideo 5 al 8 de julio de 1989.Google Scholar
  25. 25.
    Deutsch: “Wenn Uruguay wirklich danach strebt, sich zu integrieren und nicht abzukoppeln, dann muß es, gleichzeitig zur regionalen Integration, seine physische Gestalt neu zusammensetzen, seine nationale Beschaffenheit neu formen, seinen Raum neu gestalten sowie unverzüglich den “Gang nach Norden” initiieren.”Google Scholar
  26. 26.
    Jorge Batlle, Präsidentschaftskandidat der Colorados 1989, drückte dies in einem Interview mit “La República” am 28.9.89 folgendermaßen aus: “La integración es que yo le venda a usted una heladera cara y mala y usted me venda a mi una cocina cara y mala.”Google Scholar
  27. 27.
    José Pedro Quijano, Vize-Präsidentschaftskandidat der christdemokratisch orientierten Linkspartei, Nuevo Espacio, bei den Wahlen von 1989, in einem Interview vom 17.11.1989: “Para nosotros el mercado vecino ha sido un trampolín y un campo de aprendizajes.”Google Scholar
  28. 28.
    Dies wurde mir in einem Interview vom 16.11.1989 mit einem uruguayischen Unternehmer und Vertreter der uruguayisch-argentinischen Handelskammer, Emilio Gutierrez Herrero, bestätigt: “Los organismos empresariales no han tenido el mismo sentido integrador que los gobiernos. En eso los gobiernos han sido mucho más avanzados, kan dado el marco. “Google Scholar
  29. 29.
    Gustavo Magariños, bis August 1989 Direktor der Abteilung Asuntos Políticos y Económicos des Außenministeriums und seit 1985 Repräsentant von ALADI, beschreibt die uruguayische Unternehmensstruktur und ihre Funktion im Außenhandel knapp aber anschaulich in seiner Studie: Los agentes económicos vinculados al comercio exterior, Montevideo 1989.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1991

Authors and Affiliations

  • Renate Arndt

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