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Dorfpolitik pp 65-83 | Cite as

Der Verein

Zur lokalpolitischen und sozialen Funktion der Vereine in der Gemeinde
  • H.-Jörg Siewert
Part of the Analysen book series (ANA, volume 22)

Zusammenfassung

Angesichts der Höhe der Mitgliedschaften in Vereinen erscheint die bisherige Vernachlässigung des Vereinswesens durch die Sozialwissenschaften prekär.2 Auch wenn sich die Qualität der Vereinsmitgliedschaft seit der Jahrhundertwende gewandelt haben mag, so stellt doch das heutige Vereinswesen ein soziales Phänomen dar, das bei der Vielfalt der ihm zugeschriebenen Funktionen die Aufmerksamkeit von Sozialwissenschaftlern (wie auch Politikern) verdiente.

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Literatur

  1. 1.
    Der Aufsatz basiert in einigen Teilen auf meinen Arbeiten: Verein und Kommunalpolitik, in: KZfSS, H. 3, 1977, S. 487–510 und Verein und Gemeinde, in: Lokale Freizeitvereine, Werkbericht 3, Institut für Kommunalwissenschaften, Bonn 1978Google Scholar
  2. 2.
    Neuere gemeindesoziologische Untersuchungen, die das Vereinswesen mitberücksichtigen, sind: W. Roth, Dorf im Wandel, Frankfurt 1968; HJ. Beckers, Die kommunale Machtstruktur in einer Pendlergemeinde, Diss. Köln 1968; W. Schulenberg, Probleme der sozialen Integration in einer Oldenburger Stadtrandsiedlung, Oldenburg 1969; B. Luckmann, Politik in einer deutschen Kleinstadt, Stuttgart 1970; B. v. Deenen u. a., Lebensverhältnisse in kleinbäuerlichen Dörfern 1952 und 1972, Bonn 1975; H. Dunkelmann, Lokale Öffentlichkeit, Stuttgart 1975; H.-G. Wehling, A. Werner, Kleine Gemeinde im Ballungsraum, Gelnhausen/Berlin 1975Google Scholar
  3. 3.
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  4. 3a.
    vgl. R. König, Grundformen der Gesellschaft: Die Gemeinde, Hamburg 1958, S. 88 ff.Google Scholar
  5. 4.
    „Der Verein ist eine Assoziation, deren Mitglieder nicht primär wirtschaftliche Interessen verfolgen, die keinen Ausschließlichkeitsanspruch an ihre Mitglieder stellt, deren Mitgliedschaft eine freiwillige ist und die über ein gewisses Maß an,Öffentlichkeit‘verfügt.“H.-Jörg Siewert, Ansätze zu einer Soziologie des Vereins, Magisterarbeit, Tübingen 1971, S. 15; vgl. auch A. Hahn, Vereine, in: A. Bergstraesser, F.H. Tenbruck, B. Fülgraff und H. Oswald, Soziale Verflechtung und Gliederung im Raum Karlsruhe, Karlsruhe 1965, S. 142–168Google Scholar
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    Differenzierungsprozesse lassen sich zu allen Zeiten gesellschaftlicher Evolution ausmachen, wiewohl nicht mit diesen qualitativen und quantitativen Folgen. Vgl. z.B. für das Vereinswesen M.L. Strack, Die Müllerinnung in Alexandria, in: Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft, 4. Jg., 1903, S. 213–234; P. Foucart, Des associations religieuses chez les Grécs, Paris 1873; O. Lüders, Die dionysischen Künstler, Berlin 1873; F. Poland, Geschichte des griechischen Vereinswesens, Leipzig 1909 und E. Ziebarth, Das griechische Vereinswesen, Leipzig 1896Google Scholar
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  14. 13.
    ebd., S. 162Google Scholar
  15. 14.
    ebd., S. 165Google Scholar
  16. 15.
    So H. Dunckelmann, a.a.O., und der demnächst erscheinende Band Verein und Verbände, von W. ReschkaGoogle Scholar
  17. 16.
    Vgl. F. Tönnies, Gemeinschaft und Gesellschaft, Berlin 1926.Google Scholar
  18. 17.
    R. Dewey, Das Stadt-Land-Kontinuum, in: P. Atteslander und B. Hamm, Materialien zur Siedlungssoziologie, Köln 1974, S. 45Google Scholar
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    vgl. auch H. Gerndt, Städtisches und ländliches Leben. Beschreibungsversuch eines Problems, in: Stadt-Land-Beziehungen, G. Kaufmann (Hg.), Göttingen 1975, S. 31–44Google Scholar
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    Vgl. F.U. Pappi, Wahlverhalten und politische Kultur, Meisenheim a. Glan 1970, S. 96 f. und H.-J. Siewert, a.a.O., 1977, S. 81 f. Das politische System der „traditionalen kleinen Gemeinde“ist in der Regel wenig ausdifferenziert. Anders formuliert: Das politische System bildet typischerweise keine Handlungssysteme, in denen das Handeln an spezifischen Werten, Normen und Rollen orientiert ist, die nicht in gleicher Weise in den relevanten Umwelten außerhalb dieses Systems gelten.Google Scholar
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  24. 22.
    zitiert nach G. Wurzbacher, Dorf, in: Handwörterbuch der Sozialwissenschaften, Bd. 3, Stuttgart/Tübingen/Göttingen 1961, S. 10Google Scholar
  25. 23.
    R. König, a.a.O., 1958, S. 81. Das wissenschaftliche Interesse am „Dorf4, an der ländlichen Gemeinde scheint nachgelassen zu haben. Auch in der Neuauflage „Grundformen der Gemeinde“wird überwiegend Literatur aus den 50er Jahren zitiert. D. Kappe, T. Knappstein, M. Schulte-Altedorneburg, Grundformen der Gemeinde — Großstadt und Dorf, Opladen 1975Google Scholar
  26. 24.
    Vgl. H.J. Gans, Urbanität und Suburbanität als Lebensformen: Eine Neubewertung von Definitionen, in: U. Herlyn: (Hg.), Stadt und Sozialstruktur, München 1974, S. 67–106. Siehe hierzu den Versuch F. Böltkens, der bei seiner Analyse der Stadt als Interaktionssystem davon ausgeht, daß nicht das Gesamtsystem Stadt handlungsrelevant ist, sondern je nach Rollenzusammen-hang von unterschiedlicher Relevanz sein kann. F. Böltken, Zeit- und Raum-Budgets als Informationsinstrument für Stadtforschung und Stadtplanung, in: M. Pfaff, F. Gehrmann (Hg.), Informations- und Steuerungsinstrumente zur Schaffung einer höheren Lebensqualität in Städten, Göttingen 1976, S. 285 ff;Google Scholar
  27. 24a.
    vgl. auch G. D. Lowe, Ch. W. Peek, Location and Lifestyle: The Comparative Explanatory Ability of Urbanism and Rurality, in: Rural Sociology, Jg. 39, No. 3, 1974, S. 395–420Google Scholar
  28. 25.
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  29. 26.
    R. König, a.a.O., 1958, S. 111Google Scholar
  30. 27.
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  31. 28.
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  33. 29.
    Vgl. hierzu den Reader von G. Zimpel, Der beschäftigte Mensch — Beiträge zur sozialen und politischen Partizipation, München 1970. Zu dieser Soziali-sationsfunktion kann auch die Funktion der „Auslese“sozial aktiver Persönlichkeiten gezählt werden.Google Scholar
  34. 30.
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  35. 31.
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  39. 35.
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  40. 36.
    F. Ronneberger, J. Walchshöfer, Parteien als Kommunikationssysteme, in: Strukturprobleme des lokalen Parteiensystems, Institut für Kommunalwissenschaften (Hg.), S. 230 f.Google Scholar
  41. 37.
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  42. 38.
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  43. 39.
    G. Lehmbruch, a.a.O., S. 7Google Scholar
  44. 40.
    Albrecht Lehmann, Das Leben in einem Arbeiterdorf — Eine empirische Untersuchung über die Lebensverhältnisse von Arbeitern, Stuttgart 1976, S. 71. Lehmann betont, daß nur solange der Ortsverein dem Geselligkeitsbedürfnis, dem Bedürfnis nach Intimität auch in seinen Organisationsformen Rechnung trägt, die „Arbeitermitglieder“sich in „ihrem“Verein wohlfühlen.Google Scholar
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    Vgl. M. Brett Schneider, G. Göbel, Kommunalpolitische Grundsatzprogramme der Parteien, Berlin 1976 und L.-R. Reuter, Kommunalpolitik im Parteienvergleich, in: aus politik und Zeitgeschichte, B. 34/76, August 1976Google Scholar
  46. 42.
    Hierzu wäre eine breite Diskussion des Autonomieverlustes sowohl der Gemeinde als auch seiner Subsysteme voranzustellen, wodurch die Einschätzung dieser Einflußmöglichkeiten relativiert würde.Google Scholar
  47. 43.
    H. Dunckelmann, a.a.O., S. 176 f.Google Scholar
  48. 44.
    W. Roth, a.a.O., S. 201; Luckmann stellt ähnliches für Bretten fest: „Da die Stellung der verschiedenen Verbände und Vereine, aber auch die Stellung einzelner einflußreicher Bürger, die diesen Interessengruppen angehören, der Lokalregierung bekannt ist, brauchen diese Organisationen wie auch die städtischen Honoratioren durchaus keine rege politische Aktivität zu entfalten oder einen großen,Druck’ auf die Lokalpolitiker auszuüben. Ihr Einfluß ist automatisch, allein durch ihre Präsenz und potentielle Machtausübung gesichert, denn:,Die Vereine will kein Gemeinderat verkrumpeln, weil sich das bei der nächsten Wahl rächen könnte. Es geht dann die Parole vom Vereinsvorstand aus: den wählen wir nicht — der hat uns nicht unterstützt’.“B. Luckmann, a.a.O., S. 172Google Scholar
  49. 45.
    So wird der Verein in verschiedenen Arbeiten in den USA als Machtressource gefaßt. Vgl. z.B. T.N. Clark (ed.), Community Power and Decision-Making: Comparative Analysis, San Francisco 1968; vgl. H.-J. Siewert, a.a.O., 1977 S. 502 f.Google Scholar
  50. 46.
    F. Kromka, Soziokulturelle Integration und Machtverhältnisse in ehemals kleinbäuerlichen Dörfern, Bonn 1975Google Scholar
  51. 47.
    H. Beckers, a.a.O., S. 201Google Scholar
  52. 48.
    F. Kromha, a.a.O., S. 97Google Scholar
  53. 49.
    R. König, Neuere Literatur zur Soziologie der Gemeinde, in: KZfSS, 10, S. 516Google Scholar
  54. 50.
    Haller Tagblatt vom 1.7.1968, zitiert nach R. Narr, Kinderfest — Eine pädagogische und gemeinde soziologische Studie, Neuwied und Darmstadt, S. 45. Vgl. auch M. Tränkle, R. Narr, Unser Dorf soll schöner werden, in: Zeitschrift für Volkskunde, 72. Jg., 1976, H. II, S. 201–230Google Scholar
  55. 51.
    M. Weber, a.a.O., S. 51Google Scholar
  56. 52.
    R. Pflaum, a.a.O., 1961, S. 180. Auch H. Croon/K. Utermann betonen die Funktion des Vereins als Brücke und Bindeglied, H. Croon/K. Utermann, Zeche und Gemeinde — Untersuchungen über den Strukturwandel der Zechengemeinde im nördlichen Ruhrgebiet, Tübingen 1958.Google Scholar
  57. 53.
    A. Lehmann, a.a.O., S. 68; vgl. hierzu auch H. Lenk, Materialien zur Soziologie des Sportvereins, Ahrensburg 1972, S. 74–76, der davor warnt, die Integrationswirkung der Sportvereine für das dörfliche Gemeindeleben zu überschätzen.Google Scholar
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  61. 57.
    Vgl. G. Wurzbachers Vortrag: Über die gesellschaftspolitische Bedeutung der Vereine, in: Bay. Bgm., 7, 1963, S. 166Google Scholar
  62. 58.
    Vgl. z.B. B. Armbruster, R. Leisner, Bürgerbeteiligung in der Bundesrepublik, Göttingen 1975, und H.-J. Siewert, a.a.O., 1971, S. 106–117Google Scholar
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    Vgl. u.a. H. Lenk, Total or Partial Engagement? Changes Regarding the Personal Ties with the Sports Club, in: The International Review of Sport Sociology, Warschau 1966, S. 85–107.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • H.-Jörg Siewert

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