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Dorfpolitik pp 54-64 | Cite as

Lokale Honoratioren

Zur Rolle von Pfarrer und Lehrer im Dorf
  • Christel Köhle-Hezinger
Part of the Analysen book series (ANA, volume 22)

Zusammenfassung

„Honoratioren, pl., die höheren Schichten eines bürgerlichen Gemeinwesens in gesellschaftlicher Beziehung“1. Hier scheinen, für Vergangenheit und Gegenwart, die Dinge klar zu liegen: Pfarrer und Lehrer als Repräsentanten und Vollstrecker kirchlich-staatlicher Ziele, als die lokal herrschende Allianz, in deren Einflußbereich direkt oder indirekt das ganze soziokulturelle Leben im Dorf jahrhundertelang fest und sicher verwahrt gewesen ist. Das Präteritum steht hier für die Überzeugung, daß das Gestern ein ganz anderes, vom Heute quantitativ und qualitativ geschiedenes, homogenes Ganzes war.

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Literatur

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    So der Titel von „Soziologischen Studien und pädagogischen Überlegungen4’ (Untertitel) von Georg M. Rückriem, München 1965. Stellvertretend seien hier drei neue, leicht greifbare Titel genannt, die sich auch kritisch mit der Forschungsliteratur auseinandersetzen. K. Hartmann, F. Nyssen und H. Waldeyer: Schule und Staat im 18. und 19. Jahrhundert (= edition suhrkamp, 694), Frankfurt 1974 (eine historisch-materialistische Studie vorwiegend am Beispiel Preußens) und Hartmut Titze: Die Politisierung der Erzieher (= Fischer Athenäum Taschenbuch, 3002) Frankfurt 1973 (mit ausführlicher Bibliographie). Zur gegenwärtigen Situation des Lehrers vgl. E.H. Kratsch, W. Vathke, H. Bertlein: Studien zur Soziologie des Volksschullehrers (= Studien zur Soziologie des Bildungswesens, 3), Weinheim 1967.Google Scholar
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  6. 6.
    Die nachfolgenden (württembergischen) Beispiele entstammen, sofern nicht anders aufgeführt, meinen archivalischen Arbeiten in den kirchlichen Archiven in Rottenburg und Stuttgart für meine Dissertation: Evangelisch-Katholisch, Untersuchungen zu konfessionellem Vorurteil und Konflikt im 19. und 20. Jahrhundert vornehmlich am Beispiel Württembergs, Tübingen 1976, und — derzeit — für ein Projekt „Urbanisierung“, zum Thema Kirche und Dorf, Entstehung dörflicher Vereine.Google Scholar
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    Vgl. dazu ausführlich Karl Siegfried Bader: Dorfgenossenschaft und Dorfgemeinde, Weimar 1962.Google Scholar
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    Ausgenommen die Lehrer, die Generationen lang an einem Ort wirkten und infolgedessen (ersparte, angeheiratete, ererbte) Güter besaßen.Google Scholar
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    Hasselhorn (a.a.O.), S. 21; ebd. S. 22 heißt es, daß es den Amtskollegen in den nördlich Württembergs gelegenen Gebieten wie auch den Kaufleuten in den Städten besser ging.Google Scholar
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    Auf ihre Darstellung, Implikationen und Folgen für die gegenwärtige Situation können wir hier nicht ausführlich eingehen; vgl. dazu die oben angeführte Literatur. Empirische Materialien hierzu bieten vor allem Jaeggi (Anm. 3) und Pflaum (Anm. 2).Google Scholar

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© Leske Verlag + Budrich GmbH 1978

Authors and Affiliations

  • Christel Köhle-Hezinger

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