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Habitus, Lebenslage und Geschlecht — Über Sozioanalyse und Geschlechtersozialisation

  • Eckart Liebau
Chapter
Part of the Studien zur Jugendforschung book series (SZJUG, volume 10)

Zusammenfassung

Worum geht es in den Debatten über die Geschlechterdichotomie? Was ist Sozioanalyse? Wie werden Habitusformen erworben? Was macht der sozioanalytische Blick sichtbar, wenn man ihn auf die Geschlechtersozialisation im Jugendalter richtet? — Das sind die Fragen, um die es in diesem Artikel gehen soll. Sozioanalyse wird dabei als ein strikt soziologischer Forschungsansatz vorgestellt, der u.a. dazu geeignet sein könnte, mit mancherlei interessenorientierten Mythen aufzuräumen.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Vgl. z.B. Beck-Gernsheim 1990, Hausen 1983, Horstkemper 1987, Lipp 1988, Prengel 1990.Google Scholar
  2. 2.
    Es gibt bisher keine befriedigende Lösung des Problems der männlichen Zentriertheit der deutschen Sprache zumal ihrer Gattungsbegriffe. Ich verwende deshalb in diesem Text meistens die hergebrachte männliche Form; dabei sind dann in den entsprechenden Wendungen, wie es immer schon üblich war, auch die Frauen gemeint. Gerade weil ich Frauen nicht zu Anhängseln (Lehrer und Lehrerinnen, LehrerInnen und Lehrer/innen) degradieren möchte, bleibe ich bei dieser klassischen Variante.Google Scholar
  3. 3.
    Die jüngere Geschichte des Feminismus und der Frauen-Emanzipation hat bekanntlich einen ihrer wesentlichen Ausgangspunkte in der Studenten-bzw. in diesem Fall genauer: in der Studentinnenbewegung der sechziger Jahre. Die Hochschulen und das Wissenschaftssystem sind seither ein Kampfplatz geblieben, auf dem die Auseinandersetzungen in besonderer Deutlichkeit studiert werden können. Vgl. dazu z.B. Clemens u.a. 1986, Sommerkorn 1981, Wetterer 1988.Google Scholar
  4. 4.
    Steffani Engler (1988) hat allerdings den Nachweis geführt, daß Bourdieus Forschungsarbeiten in hohem Maße männlich zentriert sind; aber das besagt auch nach ihrer Meinung nichts über die Fruchtbarkeit der Grundkategorien.Google Scholar
  5. 5.
    Der folgende Abschnitt ist teilweise wörtlich aus Liebau 1987 übernommen: dort ist das Habitus-Konzept sehr viel breiter als hier möglich dargestellt. Vgl. v.a. S. 52–101.Google Scholar
  6. 6.
    Genauer müßte man sagen: vom Moment der Zeugung an. Denn schon die pränatalen Bedingungen des Aufwachsens sind wesentlich sozial vermittelt und geprägt.Google Scholar
  7. 7.
    Schöne Beispiele für die — relativ — geringe Determinationskraft der Geschlechtszugehörigkeit als solcher bieten gerade manche der klassischen geschlechtsspezifischen Felder: so z.B. der Umgang mit der eigenen Körperlichkeit (Modellierung des Leibes durch Sport und Kosmetik) oder der eigenen Erscheinung (Modellierung des Auftritts durch Kleidung, Sprache, Gestik, MimikChrw(133)). Hier hat sich z.B. im Zuge der Modernisierung in den Mittelschichten aus ursprünglich radikal getrennten und komplementär aufeinander bezogenen geschlechtsspezifischen Teilkulturen als eine wichtige neue Form eine eher einheitlich „androgyne“ Kultur herausgebildet. Die Berliner Ausstellung „Androgyn: Sehnsucht nach Vollkommenheit” hat das im einzelnen dokumentiert. Solchen Fragen geht am Beispiel der Kleidung Sabine Trosse 1991 in einer sehr interessanten Magister-Arbeit nach.Google Scholar
  8. 8.
    Die soziale Bedeutung der Geschmacksdifferenzen ist am Beispiel des Frankreichs der siebziger Jahre von Bourdieu in seinem nach wie vor wichtigsten Buch, den „feinen Unterschieden“ (1982) in aller Ausführlichkeit untersucht worden. Vgl. auch Liebau 1991.Google Scholar
  9. 9.
    Jürgen Zinnecker hat darauf hingewiesen, daß mit den von Bourdieu angegebenen Kapitalarten nicht die Gesamtheit von positionsrelevanten Ressourcen beschrieben ist; er hat das am Beispiel jugendlichen Körper-Kapitals näher ausgeführt (1990 b). Im Blick auf die Geschlechterdifferenz wäre es hier z.B. interessant, der Frage nach der Bedeutung von Schönheit als Kapital nachzugehen.Google Scholar
  10. 10.
    Vgl. Neue Sammlung 30 (1990) H. 4 (Themenheft „Kindheit und Jugend 1990“)Google Scholar
  11. 11.
    Ein Musterbeispiel einer solchen konkreten Analyse findet sich im Kapitel „Die Umstellungsstrategien“ in den „feinen Unterschieden” (Bourdieu 1982, S. 210–276).Google Scholar
  12. 12.
    In der Tübinger Untersuchung „Soziale Lage, Studiensituation und kulturelle Interessen Tübinger Pädagogik-StudentInnen“ werden u.a. die Sportpraktiken untersucht; das folgende Beispiel stammt aus dem Kontext dieses Projekts. Erste Ergebnisse zu den kulturellen Interessen sind in Liebau 1991 publiziert.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1992

Authors and Affiliations

  • Eckart Liebau

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