Advertisement

Anmerkungen

  • Hella Baumeister
  • Doris Bollinger
  • Birgit Geissler
  • Martin Osterland
Part of the Biographie und Gesellschaft book series (BUG, volume 13)

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Anmerkungen

7.2 Zu Kapitel 2

  1. 1.
    Bei der Beurteilung der nachfolgenden Daten ist zu berücksichtigen, daß nur ein Teil der offenen Stellen den Arbeitsämtern gemeldet wird. Trotzdem scheinen sie aber zur Ableitung tendenzieller Aussagen durchaus geeignet. Unklar ist allerdings, wie hoch der Einschaltungsgrad bei der Besetzung von Facharbeiterstellen liegt. Als durchschnittliche Einschaltquote wird etwa 50 % angesehen; vgl.: Friedrich/Henninges 1982: S.10 ff.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. ausführlich Friedrich/Henninges 1982; Frackmann 1982.Google Scholar
  3. 5.
    Eine ausführliche Darstellung des Verbleibs und der Berufswege von Facharbeitern gibt Hofbauer 1981; die angegebenen Zahlen aus: Hofbauer 1980. Problematisch erscheint allerdings in diesen Analysen die Zusammenfassung unterschiedlicher Arbeitsplätze in den Kategorien der Un- und Angelernten auf der einen Seite und der Angestellten auf der anderen. Der Wechsel aus einer Facharbeiterausbildung beziehungsweise -berufstätigkeit auf einen Arbeitsplatz als einfach Angelernter (in der IAB-Terminologie: Hilfsarbeiter/Ungelernter) hat im Berufsverlauf eine andere Bedeutung (und erfolgt häufig zu einem anderen Zeitpunkt und aus anderen Motiven) als der Wechsel auf einen Anlern-Arbeitsplatz als „Spezialarbeiter“ in einem Großbetrieb (zum Beispiel als Anlagenführer). Ähnliches gilt für die verschiedenen Niveaus von Angestelltenarbeitsplätzen. Die folgende Analyse differenziert im Anschluß an diese Kritik innerhalb der Statusgruppen ‘Angestellte’ und ‚Angelernte‘ und verweist auf Arbeitsmarktzwänge und individuelle Motive als Entscheidungskriterien für Berufswechsel oder Verbleib.Google Scholar
  4. 12.
    Für den Wechsel in eine andere Facharbeitertätigkeit bieten die Metall- und Elektroberufe bessere Voraussetzungen als die industrieferneren Berufe (zum Beispiel im Bau- oder im Ernährungsbereich). Sie sind flexibler sowohl im Hinblick auf einen anderen Beruf (vgl. Mertens/Kaiser 1981) wie auch im Hinblick auf Weiterbildungsmöglichkeiten. Wenn ein Facharbeiter des handwerklich-traditionellen Bereichs seinen Beruf aufgibt, steht ihm in der Regel nur eine Angelernten-Tätigkeit offen.Google Scholar
  5. 13.
    Die Ausbildungsintensität der Großbetriebe ist in den letzten Jahren gestiegen, so daß Jung-Facharbeiter aus dem Handwerk heute sehr viel schlechtere Einstellungschancen in der Industrie haben als in den sechziger und siebziger Jahren.Google Scholar

7.3 Zu Kapitel 3

  1. 1.
    Auch andere Autoren begründen die Notwendigkeit, daß die Arbeitkräfte einen individuellen Bezug zu ihrer Arbeit entwickeln bzw. entwickeln müssen, aus der Struktur gegenwärtiger Produktionsbedingungen und -Verhältnisse. In der Regel gehen sie allerdings weniger als Brock und Vetter auf die Konsequenzen für das Handeln und die Orientierung der Arbeitskräfte ein. So weisen Windolf und Hohn darauf hin, daß aufgrund der Unbestimmtheit des Arbeitsvertrages Quantität wie Qualität der verausgabten Arbeit anderweitiger Bestimmung bedürfen. Sie sind Ergebnis der sozialen Beziehungen und Machtauseinandersetzungen im konkreten Arbeitsprozeß (vgl. Windolf/Hohn 1984: 128 f.). Aus den Strukturprinzipien kapitalistischer Produktion und Produktionsverhältnisse begründen Beck und Brater die Notwendigkeit, daß die Arbeitskräfte ein eigenes, arbeitsinhaltliches Interesse an ihrer Arbeit entwickeln. Während „einerseits der Zwang zum Tausch und Geldverdienst Organisation, Zielsetzung und Einsatz der Arbeit... den ökonomischen Maximen der Gewinnmaximierung bzw. Verdienststeigerung unterwirft, denen gegenüber die Arbeitsinhalte lediglich zu nachgeordneten Mitteln werden, bleibt andererseits auch der so organisierte und ausgerichtete Produktionsablauf und Arbeitseinsatz auf konkret-inhaltlich bestimmte und vom persönlichen Engagement der Arbeitenden abhängige Arbeit angewiesen. Obwohl die Arbeitenden unter gegenwärtigen gesellschaftlichen Bedingungen arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, müssen sie gleichzeitig auch am Inhalt ihrer Arbeit interessiert sein.“ Beck/Brater (1977a: 45)Google Scholar
  2. 2.
    Nicht nur Kohli deutet auf die notwendige, aber auch mögliche Gestaltung biographischer Verläufe hin. Geulen z.B. vertritt das „Modell der Weichenstellung“: Das Individuum trifft in seinem Lebenslauf auf bestimmte, gesellschaftlich vorgegebene Entscheidungsalternativen (Berufswahl, Stellenwechsel usw.), in denen es „Weichen zu stellen“ hat (vgl. Geulen 1981: 550 f.). Demgegenüber betont Ku-dera, daß biographisch bedeutsame Entscheidungen des Individuums nicht nur als „Weichenstellungen“, die der „normierte“ Lebenslauf an verschiedenen Abschnitten erfordert wie ermöglicht, begriffen werden können. „Was in Analysen zur zeitlichen Dauer und Abfolge institutionell vordefinierter Lebensphasen wie Bildung, Erwerbstätigkeit, Heirat und Elternschaft nur andeutungsweise erkennbar wird, sind ‚innovative‘ Strukturierungen von Lebensläufen, die nicht durch vorgegebene gesellschaftliche Strukturen oder besondere historische Ereignisse erzwungen sind. “ (Kudera 1983: 366). Solche „innovativen Strukturierungen“ würden von den Individuen im Zuge veränderter Lebensformen und Orientierungen vorgenommen. Auch Brose thematisiert (wenn auch eher mit sozialisations-theoretischer Fragestellung) — unter dem Blickwinkel „Zeit“ — die Differenz, aber auch die (notwendige) Koordination von subjektiver und biographischer Perspektive auf der einen, „sozialer Zeit“, d.h. eine vom ökonomsichen System vorgegebene Dimension, auf der anderen Seite. Unter „sozialer Zeit“ versteht Brose überindividuelle Formen der Zeitorientierung und Zeitstrukturierung, unter „subjektiver Zeit“ „milieu- und individualspezifische Formen der Aneignung und Überformung sozialer Zeitstrukturen“ (Brose 1984: 192). Im Berufsverlauf sollte die Koordination von subjektiven und sozialen Zeitstrukturen (mindestens) soweit gelingen, daß daraus eine (möglichst) dauerhafte, halbwegs befriedigende, stabile Beziehung entsteht. War es für abhängig Beschäftigte schon immer schwierig, diese (stabile) Synchronisation zu erreichen, so ist dies in der Krise noch schwieriger geworden. Während es in Zeiten der Prosperität noch gelang, die eigene berufsbiographische Entwicklung mit der „Systemzeit der Betriebe“ („soziale“ Zeit) in Einklang zu bringen, hat die Veränderung der Zeitdimension durch die Betriebe (sie sind nicht mehr selbstverständlich auf längerfristige Festlegung orientiert) auch Auswirkung auf die Möglichkeit dieser Synchronisation (vgl. ders. 1985: 148f.).Google Scholar
  3. 3.
    Kudera versteht unter Arbeits- und Lebensorientierungen „sinnhafte Deutungen der eigenen Lebenslage und der mit ihr verbundenen Bedürfnisse, Ansprüche und Ziele der Lebensgestaltung, in die immer auch Einschätzungen über die Möglichkeiten und Wege der Verwirklichung von Zielen und Ansprüchen mit eingehen“. Wegen dieser „orientierenden und handlungsleitenden Funktion der Deutungen“ verwendet sie den Terminus „Orientierungen“ (Kudera 1983: 371).Google Scholar
  4. 4.
    Wie jede andere Untersuchung, die mit biographischen Interviews arbeitet, ist auch die vorliegende nicht vor nachträglichen Interpretationen der eigenen Vergangenheit durch die Interviewten gefeit. Auf diese Problematik wird in der Literatur mehrfach hingewiesen (vgl. dazu u.a. Osterland 1983: 773 f.; Kudera 1983: 378). Die Gefahr der nachträglichen Interpretation scheint bei Berufeverläufen jedoch geringer zu sein. Getroffene Entscheidungen (Betriebswechsel, Weiterbildung usw.) haben in aller Regel Veränderungen der Arbeits- und Lebenssituation zur Folge, die als Fakten nicht übergangen werden können. Nachträgliches Erinnern muß sich an diesen Fakten zumindest orientieren, selbst wenn Begründungen für (getroffene) Entscheidungen nicht immer frei von späteren Interpretationen sein mögen. Aber auch hinsichtlich der von den Facharbeitern beschriebenen „Rahmenbedingungen“ scheint Vorsicht geboten. Dies gilt weniger für nachprüfbare Realitäten wie Arbeitsmarktbedingungen, berufsspezifische Chancen u.ä. Da für die Untersuchung Arbeitsplatzbeobachtungen nicht gesondert vorgenommen wurden, sondern wir es bei der Beschreibung durch die Facharbeiter selbst beließen, dürften vor allem hier individuelle Wertungen mit eingeflossen sein. Dies kann allerdings in Kauf genommen werden, da Arbeitsplatzbeschreibungen gerade nicht nur zur Feststellung der (tatsächlichen) Arbeitssituation von Interesse waren, sondern auch als Ausdruck des Verhältnisses, das die Facharbeiter unterschiedlichen Typs zu ihrer Arbeit und zu ihrem Beruf haben.Google Scholar
  5. 5.
    Da es sich bei der vorliegenden Untersuchung um eine qualitative und keine Repräsentativbefragung handelt, mag der genaue Anteil dieser Facharbeiter im Verhältnis zu den anderen bestreitbar sein. Doch selbst dann, wenn ihr Anteil nicht ein Viertel beträgt, sondern unter Umständen auch höher liegt, steht außer Zweifel, daß der „typisch deutsche Facharbeiter“ als Mythos, nicht jedoch als Realität existiert: er ist die Minderheit.Google Scholar
  6. 6.
    Indem wir den Beruf als Indikator für strukturell vorgegebene Bedigungen werten, vernachlässigen wir den Persönlichkeits- und identitätsbildenden Aspekt von Beruflichkeit, wie er insbesondere von Beck und Brater („Subjektbezogener Berufsbegriff“) herausgearbeitet wurde. Berufe werden von ihnen auch als bestimmend für unterschiedliche Chancen der Persönlichkeitsentfaltung und Identitätsbildung betrachtet. Sie betonen, daß mit dem Beruf Fähigkeiten nicht nur erlernt, sondern auch verlernt werden. Problematisierend stellen sie fest, daß die Berufsform, quasi durch die Ökonomisierung der Arbeitskraft, die Modellierung der Persönlichkeit und zwar nach Vermarktungsprinzipien forciert. Sie halten es jedoch für empirisch bislang nicht belegt, daß in einem Beruf Personen mit tendenziell gleichen Persönlichkeitsmerkmalen zu finden seien. Gleichzeitig weisen sie allerdings auf eine (Berufs-)„Gruppeneignung“ hin (vgl. Beck u.a. 1979: 6 f.).Google Scholar
  7. 7.
    Mit dieser Feststellung lehnen wir uns an das Konzept der Kohortenbildung an. Lebensläufe nach Kohorten zu differenzieren sei — so Kudera — notwendig, „um so historische Veränderungen in ansonsten ähnlichen Lebensläufen etc. aufzeigen zu können und Rückschlüsse über den differenziellen Einfluß von historischen, also kohortenspezifischen, gegenüber Entwicklungs- bzw. Alterungseinflüssen, also lebensphasenspezifischen Einflüssen auf die Genese von Orentierungen ziehen zu können.“ (Kudera 1983: 375) Vgl. in diesem Zusammenhang auch Geulen (1981: 541 f.), der die kohortenspezifische Betroffenheit von historischen Ereignissen unter Sozialisationsgesichtspunkten betrachtet, d.h. er begründet damit die Unterschiedlichkeit von Sozialisationserfahrungen und damit deren generationsspezifische Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung.Google Scholar
  8. 8.
    Von der Diskussion anderer Identitätskonzepte soll hier abgesehen und stattdessen in diesem Zusammenhang z.B. auf Volmerg (1978) verwiesen werden, die verschiedene Ansätze vorstellt.Google Scholar
  9. 9.
    Der Ansatz von Döbert/Nunner-Winkler wird der kritischen Rollentheorie zugerechnet. Diese ist vom „traditionellen“ rollenanalytischen Zugang, wie er insbesondere von Parsons entwickelt wurde, zu unterscheiden. Während Parsons auf dem Hintergrund seines systemtheoretischen Ansatzes von einer grundsätzlichen Vereinbarkeit individueller und allgemeiner Interessen innerhalb der Systemstrukturen, die dem Individuum vorgegeben sind, ausgeht, weisen die Vertreter/innen der kritischen Rollentheorie eher auf die Reibungspunkte zwischen strukturellen gesellschaftlichen (Vor-)Bedingungen einerseits, individuellen Bedürfhissen und Interessen andererseits hin. In entscheidenden gesellschaftlichen Bereichen halten sie diese Vereinbarkeit (noch) nicht für realisierbar. Im Zentrum ihres Interesses stehen eher die Kompetenzen des Individuums, die die Behauptung von Eigeninteressen gegenüber äußeren Anforderungen und (Rollen-)Erwartungen ermöglichen.Google Scholar
  10. 10.
    Wir verzichten hier auf die Diskussion verschiedener sozialisationstheoretischer Ansätze und weisen in diesem Zusammenhang nur darauf hin, daß unabhängig vom theoretischen Ausgangspunkt (psychoanalytisch, rollentheoretisch usw.) zunehmend Einigkeit darüber besteht, daß neben den Sozialisationsinstanzen (Herkunfts-)Familie und Schule spätere Sozialisationsmilieus nicht außer Acht gelassen werden können. Abgesehen von Um- und Neustrukturierungen von Identitäten in der Adoleszenzphase wird der Bereich Arbeit und Beruf unstrittig als „die“ Sozialisationsinstanz im Erwachsenenalter angesehen. Vgl. hierzu u.a.: Kohli 1975; Lucke 1977; Volmerg 1978; Groskurth 19792; Schumm 1983; Heinz 1983; Kärtner u.a. 1984; Volmerg u.a. 1986.Google Scholar
  11. 11.
    Diese Aussage muß insofern eingeschränkt werden, als nur einzelne der in die Untersuchung einbezogenen Facharbeiter knapp über vierzig Jahre alt sind. Es ist zwar zu vermuten, daß dieses Untersuchungsergebnis auch dann aufrechtzuhalten ist, wenn ältere Facharbeiter einbezogen worden wären; empirisch belegbar ist es allerdings aufgrund unserer Untersuchung nicht.Google Scholar

7.4 Zu Kapitel 4

  1. 1.
    Auf die älteren Untersuchungen zum Arbeiterbewußtsein (vgl. Popitz u.a. 1957; Kern/Schumann 1970) kann in unserem Zusammenhang ebenso wenig eingegangen werden, wie auf die im Rahmen der verstärkten Marxrezeption erstellten Krisenstudien (vgl. z.B. Beckenbach u.a. 1975; Bierbaum u.a. 1977.)Google Scholar
  2. 2.
    Zu Recht weist Schumann daraufhin, daß der den meisten Studien zugrunde liegende Versuch, den Zusammenhang von ökonomischen Krisen, Krisenbetroffenheit und Herausbildung von Klassenbewußtsein nachzuweisen, als gescheitert anzusehen ist: „Es liegt keine überzeugende Bewußtseinstheorie vor, die den Zusammenhang von gesellschaftlichem Sein und Bewußtsein... so genau bestimmen kann, daß die Wirkung gesellschaftlicher Prozesse mit der gegenwärtigen Krise angemessen bestimmt oder gar vorhergesagt werden könnte.“ (Schumann 1983: 9)Google Scholar
  3. 3.
    Schumann u.a. (1982): 1977 Untersuchung in der Werftindustrie; Zoll u.a. (1981; 84): 1978 und 1982/82 Längsschnittstudie in norddeutschen Metallbetrieben; Brenke/Peter (1985): 1981 Qualitative Befragung Berliner Bürger unterschiedlicher Berufs- und Altersgruppen; Kern/Schumann (1984): 1982/83 Follow-up-Studie in der Automobil-, Chemieindustrie und Werkzeugmaschinenbau; Kubach u.a. (1985): 1983/84 Untersuchung in niedersächsischen Metallbetrieben unter Einbeziehung ehemaliger Arbeiter einer stillgelegten Hütte. Ausgenommen bleiben Studien, die explizit Arbeitslosigkeit und den tatsächlichen Verlust des Arbeitsplatzes thematisieren (z.B. Lichte 1978; Bosch 1978; Bahnmüller 1981).Google Scholar
  4. 4.
    Von den Autor(inn)en wird in Anlehnung an Leithäuser/Volmerg (1976) eine Unterscheidung vorgenommen zwischen einer thematisierenden Krisenwahrnehmung, nach der Arbeitslosigkeit und Krise mit gesellschaftlich bedingten Ursachen erklärt werden und einer reduktionistischen Krisenwahrnehmung, in der eine psychische Abwehr der Krisenbetroffenheit vorherrscht. Zwischen den beiden Erhebungswellen 1978 und 1982 wurde eine Abnahme der Bedeutung der thematisierenden, also strukturell erklärenden Deutungsmuster zugunsten der Zunahme der reduktionistischen Deutungsmuster festgestellt (Zoll 1984a: 179 f; Zoll/Neumann 1983: 788 f). Zum theoretischen Hintergrund: vgl.: Geissler u.a. 1984.Google Scholar
  5. 5.
    Eine Ausnahme stellt die Untersuchung von Zoll u.a. dar, bei der sich die Reaktion der Arbeiter auf die krisenhafte Situation des Beschäftigungsbetriebes auch in bestimmten Strategien zeigt. Der Vergleich zwischen den Erst- und ZweitinterGoogle Scholar
  6. views ergibt einen Abbau der aktiven Strategien A (eigenen Arbeitsplatz behalten) und C (Betrieb wechseln) zugunsten der defensiven Strategien B (beliebigen Arbeitsplatz im Betrieb erhalten) und D (vorzeitig aus dem Arbeitsverhältnis ausscheiden) vgl. Zoll u.a. 1984: 225 ff; 233 ff.Google Scholar
  7. 6.
    Dieses Resultat wird auch durch andere einschlägige Untersuchungen gestützt: Während Facharbeitern in den älteren industriesoziologischen Untersuchungen eine besondere Affinität zu den neuen Technologien nachgesagt wurde (vgl. Popitz u.a. 1957; Kern/Schumann 1970) ist in neueren Untersuchungen eine Auflösung der durchweg positiven Einschätzung zum technischen Wandel vorgefunden worden (vgl. Kern/Schumann 1984: 100; Brenke/Peter 1985: 89; Klipstein/Strümpel 1985: 45 f.)Google Scholar
  8. 7.
    Daß die Informationsgewinnung durch persönliche Kontakte am erfolgreichsten ist, wird z.B. auf der Basis des Wohlfahrtssurveys nachgewiesen (vgl. Noll 1982; 1984; 1985; Habich 1984). Der Anteil derjenigen, die, ohne eigene Aktivitäten zu entwickeln ihren Arbeitsplatz gefunden haben, liegt danach z.B. bei den Facharbeitern höher als bei dem Durchschnitt der Befragten; fast jeder zweite Facharbeiter hatte seine Stelle über Kontakte gefunden (vgl. Habich 1984: 346). Doch wie sich zeigt, ist allerdings die Chance, tatsächlich auf diese Weise eine Stelle zu finden, wesentlich von der Situation auf dem Arbeitsmarkt abhängig: In Jahren mit niedriger Arbeitslosenquote waren 81% erfolgreich, aber nur 45% in den Jahren mit hohen Arbeitslosenquoten (ebd.: 350). Welcher Stellenwert einer Rekrutierung über den sogenannten erweiterten internen Arbeitsmarkt zukommt, muß als weitgehend ungeklärt betrachtet werden. Entgegen der These von Manwaring (1982) konnte die Bedeutung dieser Rekrutierungsform in einer kürzlich durchgeführten Betriebsbefragung nicht bestätigt werden (vgl. Deeke/Fischer 1986: 83).Google Scholar
  9. 8.
    Nach Lutz/Weltz (vgl. 1966: 123) verfügte Anfang der 60er Jahre nur jeder achte Arbeiter über ein einigermaßen umfassendes Bild von Arbeitsplätzen und den Arbeitsbedingungen, die auf dem regionalen Arbeitsmarkt angeboten wurden; die übrigen besaßen nur sehr lückenhafte, jedenfalls kaum konkrete Vorstellungen von den Verhältnissen in anderen Betrieben. Hübler kommt bezogen auf die aktuelle Diskussion zu einem ähnlichen Resultat, wenn er resümiert, daß Arbeitsuchende „stets nur über einen kleinen Ausschnitt der Jobs, die für sie in Frage kommen, informiert (sind), und selbst da lückenhaft“ (1985: 19).Google Scholar
  10. 9.
    Gerlach hat anhand einer vergleichenden Studie in unterschiedlich strukturierten Arbeitsmärkten überzeugend nachgewiesen, daß sich Ausmaß und Reichweite des realisierten Facharbeitereinsatzes zum einen von dem je spezifischen Einsatzkonzept des Betriebes und zum anderen von der regionalen Arbeitsmarktsituation bestimmt wird. Abgesehen davon wurde jedoch in allen Vergleichsregionen eine deutliche Abkehr vom Einsatz un- bzw. angelernter Arbeitskräfte und eine Hinwendung zu einem breiteren Einsatz von jungen Facharbeitern vollzogen (vgl. Gerlach 1988). Daß damit eine verstärkte Ausgrenzung der ungelernten Arbeitskräfte vom Arbeitsmarkt einhergeht ist unmittelbar einleuchtend. Gottsleben kommt anhand einer Analyse der Beschäftigungsentwicklung der nicht formal qualifizierten (NFQ) zu dem Resultat, daß man angesichts der sich abzeichnenden Entwicklung, von einem möglichen Bedarf der Betriebe an NFQ kaum noch sprechen kann (vgl. 1987: 10).Google Scholar
  11. 10.
    Vetter hat am Beispiel der Einführung neuer Techniken herausgearbeitet, daß ein Wandel grundlegender erwerbsbiographischer Muster auch bei tiefgreifenden ökonomischen einschließlich marktstrategischen Änderungen nicht quasi zwangsläufig folgt, sondern vielmehr erwerbsbiographische Entwicklungen „durchaus in sich konsistente Verharrungstendenzen aufweisen können“, da sie nach wie vor „von den bereits bisher erprobten Verarbeitungsmustern und Lebensformen geprägt bleiben“ (vgl. Vetter 1986: 236 ff.).Google Scholar

7.5 Zu Kapitel 6

  1. 1.
    Nicht nur für industriesoziologische und wirtschaftswissenschaftliche Forschungen sind diese Betriebe verhältnismäßig schwer zugänglich; auch öffentliche Förderungspolitik ist bei Klein- und Mittelbetrieben ungleich schwerer zu implementieren (vgl. Scharpf/Brockmann (Hg.), 1983). Grundlage sind Expertengespräche mit Vertretern der Handwerkskammer und Innungen und mit den Inhabern zahlreicher Handwerksbetriebe im Bremer Raum. In die Aussagen zur Beschäftigungspolitik des Handwerks werden außerdem die Ergebnisse von Expertengesprächen einbezogen, die im Rahmen anderer Projekte des Forschungsprogramms der ZWE,Arbeit und Betrieb‘durchgeführt wurden.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Kleine 1976Google Scholar
  3. 3.
    Für diesen Begriff vgl. Mendius u.a. 1985Google Scholar
  4. 4.
    Fast alle befragten Betriebsinhaber dieser Branchen betonten, daß sie wegen der politischen Appelle die Zahl ihrer Ausbildungsplätze in den letzten Jahren erhöht hätten.Google Scholar
  5. 5.
    Von den in Großbetrieben Beschäftigten und in der Personalpolitik der Großbetriebe wird das Problem von der anderen Seite aus genau entgegengesetzt gewertet: Die Vielseitigkeit im Handwerk gilt als Oberflächlichkeit.Google Scholar
  6. 6.
    Vgl. Kleine 1976: Die materielle Situation der Arbeitnehmer in Großbetrieben ist im Durchschnitt günstiger, „im qualitativen Bereich (Arbeitszufriedenheit, Arbeitsbedingungen, Arbeitsinhalt, Wohnort etc.) haben dagegen die Arbeitnehmer mittlerer und kleiner Betriebe deutliche Vorteile“(S.670).Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1991

Authors and Affiliations

  • Hella Baumeister
  • Doris Bollinger
  • Birgit Geissler
  • Martin Osterland

There are no affiliations available

Personalised recommendations