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Randgruppen in der beruflichen Bildung

  • Josef Rützel

Zusammenfassung

In der berufspädagogischen Diskussion taucht der Begriff der Randgruppe erstmals zu Anfang der 70er Jahre auf. Er hat jedoch keine große Verbreitung gefunden. Eine systematische Auseinandersetzung mit dem Randgruppenkonzept und seiner Bedeutung für die Berufspädagogik hat kaum stattgefunden, wohl aber sind die mit diesem Konzept herausgearbeiteten gesellschaftlich verursachten Problemlagen, Benachteiligungen und Diskriminierungen in der Berufspädagogik rezipiert worden und in einschlägige Analysen eingeflossen. Zentral für die Begriffsbildung und die sich darin widerspiegelnden theoretischen Diskussionen sind die gesellschaftlichen Entwicklungsverläufe. Dies gilt auch für die Berufsbildungspolitik und die Praxis der beruflichen Qualifizierung. Auf der Folie gesellschaftlicher Entwicklungen seit den 60er Jahren wird im ersten Teil eine Begriffsreflexion vorgenommen. Daran anschließend werden im Teil 2 wichtige strukturelle Verläufe herausgearbeitet. In den Blick genommen wurden vorwiegend benachteiligte Jugendliche und junge Erwachsene. Im Grundmuster gelten die aufgezeigten Verläufe jedoch auch für behinderte Jugendliche und für erwachsene Benachteiligte und Behinderte. Abschließend werden die Problematik der verwendeten Begrifflichkeit und die Funktion der Benachteiligtenqualifizierung kritisch beurteilt.

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Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Josef Rützel

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