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Wissens-Landschaften statt Datenberge: Überlegungen zum Informationsproblem in den Sozialwissenschaften

  • Gerhard K. Heilig

Zusammenfassung

Die Sozialwissenschaften waren sicher nicht die ersten Disziplinen, in denen computerbasierte Informationssysteme in der Forschung eingesetzt wurden. Naturwissenschaften, wie die Physik, die Chemie oder die Meteorologie, gingen auch hierbei voran. Seit den 70er Jahren jedoch gibt es auch in den meisten sozialwissenschaftlichen Fachrichtungen wachsendes Interesse an Datenbanken und computerisierten Archiven. Heute kann man per Computer in sozialwissenschaftlicher Fachliteratur recherchieren, man kann empirische Umfragedaten aus Archiven abrufen oder Software für bestimmte statistische Methoden suchen. Es ist möglich, amtliche Daten des Statistischen Bundesamtes am Bildschirm zu durchsuchen, und man kann Beschreibungen laufender Forschungsprojekte anfordern.

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Literatur

  1. 2).
    Die Anführungszeichen sollen andeuten, daß sich Experten und Laien im Hinblick auf das ihnen zur Verfügung stehende Alltagswissen nicht unterscheiden. Experten besitzen kein irgendwie höherwertigeres oder richtigeres sozialwissenschaftliches Alltagswissen als Laien - wie die Existenz vorurteilsbeladener Wissenschaftler und aufgeklärter Laien beweist.Google Scholar
  2. 3).
    Es ist übrigens naiv zu glauben, Sozialwissenschaftler würden sich von derlei populären Informationsquellen nicht beeinflussen lassen. Jeder, der nach einem Kongress schon einmal mit dem “inneren Zirkel” der “Schlüsselfiguren” zum Bier (oder Wein) trinken gehen durfte, weiß, daß dort die Weichen für so manches Forschungsprojekt und so manche Publikation gestellt werden. Als Lektüre über derlei informelle Informationssysteme der Wissenschaft empfehlen sich die Bücher von Arthur Köstler (’Die Herren Call-Girls“) und…Google Scholar
  3. 4).
    Im Augenblick sind wir Zeuge, wie die kommunistische Welt dabei ist, sozialwissenschaftliches Hintergrundwissen und Werturteile durch neue, unzensierte Informationen aufzufrischen und der Realität näher zu bringen. Dieser Wissensbestand war jahrzehntelang von der sozialen Wirklichkeit abgeschottet und durch scholastische Auslegung staatstragender Dogmen ersetzt worden - mit verheerenden Auswirkungen nicht nur für die Lebenseinstellung breiter Bevölkerungskreise, sondern auch für die Problemwahrnehmung der dort herrschenden “Sozialwissenschaft”. Die zu dieser Öffnung nötigen Informationssysteme (Presse, Rundfunk, Fernsehen, freie Rede, Versammlungsfreiheit) müssen nach Jahrzehnten der Unterdrückung erst wieder mühsam funktionsfähig gemacht werden.Google Scholar
  4. 5).
    Wie schön wäre es, wenn nur eine Stelle auf die Idee käme, Forschungsprojekte zu dokumentieren. Leider wird man als Leiter eines Forschungsprojektes mit Fragebögen gerade überhäuft: Da möchte, erstens, natürlich die eigene Institution (Universität oder Institut) für ihre Forschungsdokumentation eine detaillierte Beschreibung, zweitens verlangt die Förderinstitution (neben Zwischen-und Endbericht) ebenfalls entsprechende Angaben und drittens traktieren den Forscher auch noch diverse nationale und internationale Informationssysteme mit seitenlangen Fragebögen.Google Scholar
  5. 6).
    Aus der fast unübersehbaren Vielzahl internationaler Datenbanken sei hier eine kleine Auswahl aufgelistet, die besonders für Sozialwissenschaftler interessant sein dürfte: United Nations (1992): Child Mortality since the 1960s. A Database for Developing Countries. New York; United Nations (1992): World Population Prospects 1950–2025. The 1992 Revision. Magnetic Tapes and Diskettes. New York; Food and Agricultural Organization (FAO) (1992): AGROSTAT-PC. Computerized Information Series. Rome; Eurostat (1991): Population and Social Conditions. In: Eurostat Catalogue - Publications and Electronic Services, p. 25–34, Luxembourg. Alle diese Datenbanken kann man auf Disketten, Datenbändern oder CD-ROMs erhalten.Google Scholar
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Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1994

Authors and Affiliations

  • Gerhard K. Heilig

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