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Zusammenfassung

Für die politische Entwicklung Englands seit der Weltwirtschaftskrise, in deren Gefolge das internationale Kräftefeld neu formiert wurde und eine weitere Phase der Destabilisierung des Weltwirtschaftssystems eintrat, hatten die sicherheits-(verteidigungs-)politische und die wirtschaftlich-ordnungspolitische Dimension eine überragende Bedeutung. Auf die Wirtschaftskrise reagierten die in einer Nationalen Regierung koalierenden Interessen- und Meinungsgruppen mit der Verabschiedung der Markenzeichen einer Epoche (Abkehr vom Goldstandard und vom Freihandel), ohne Impulse zu einer neuen Interpretation des Funktionierens einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung zu geben. Die von ihnen getroffenen Maßnahmen signalisierten den Abschied von dem Ziel der Politik nach 1919, London als Clearing House einer multinational-liberalen Verkehrswirtschaft wiederherzustellen, und markierten den Versuch, statt dessen ein relativ autonomes Wirtschafts- und Währungssystem (Handelsvertragssystem, Sterlingblock-Ära) zu leiten. Die Kräfte, die vor dem Ersten Weltkrieg und in den zwanziger Jahren in den innenpolitischen Auseinandersetzungen mit den Freihandels- und Finanzinteressen den Kürzeren gezogen hatten, nutzten die sich weltweit ändernde Konstellation, um ihre 1930–32 in der Macht-und in der Marktarena erreichten Erfolge zu konsolidieren und in der eingeschlagenen Richtung weiterzugehen.

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Literatur

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    Ein Resümee der Studie hat der Verf. im Oktober 1976 auf der Tagung des Georg-Echert-Instituts für Internationale Schulbuchforschung vorgetragen (s. Internat. Jb. f Geschase, und Geographieunterricht, XVII (1976). Die folgenden Ausführungen sind eine z.jsim-menfassung einiger Hauptthesen, ohne daß der jeweilige Begründungszusammenharg wiederholt werden kann.Google Scholar
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    Die Erfahrungen, die England in Indien, in Palästina (1936–39), Ägypten, Sudan u.a.O. als „Oberhoheit“zwischen konfliktbereiten Völkern machte, dienten Hankey, Cranborne, Swinton, Simon, Hoare u.a. als Folie, von der sie ihre Einschätzung der Folgen einer Anerkennung eines deutschen,, Imperialism us“in Mittel- und Südost-Europa ableiteten.Google Scholar
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    Vgl. Anm. IV/431.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1981

Authors and Affiliations

  • Gustav Schmidt

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