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Politisches System und Außenpolitik

  • Gustav Schmidt
Chapter
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Part of the Schriften des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin book series (SZFB)

Zusammenfassung

Die britische Außen- und Sicherheitspolitik in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen stand unter dem Einfluß von zwei aufeinander bezogenen Grundentscheidungen, die in der Phase des Friedensschlusses 1919 getroff en bzw. eingeleitet und in den zwanziger Jahren von der Diplomatie ebenso wie von der Wirtschafts- und Finanzpolitik festgeschrieben wurden.

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Literatur

  1. 1.
    Zur Genesis und Funktion der Ten Years’ Rule s. den Aufsatz von Gustav Schmidt, „Effizienz und Flexibilität politisch-sozialer Systeme. Die deutsche und die englische Politik 1918/19”, in: VZG, XXV (1977), bes. S. 179; ders., Strategie, in: MGM, XIV (1973). Hankeys Aufzeichnung für Baldwin vom 24.7.1936, Cab. 21–437, verzeichnet — im Hinblick auf die Defence Deputation — stärker die Folgen der einseitig beispielhaften Abrüstung als die sozialpolitischen Implikationen, die er Lloyd George in der Denkschrift „National Defence“im Juli 1919 unterbreitet hatte. Howard, Continental Commitment, S. 78 f.; Gibbs, Rearmament Policy, Kap. 1, ferner S. 55 f., 69 ff.; ders., in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung.Google Scholar
  2. 2.
    Vor den rüstungswirtschaftlichen Folgen der Ten Years’ Rule warnten nicht nur die Service Departments und Verteidigungsminister, sondern auch Balfour als „Wissenschafts“-minister der Baldwin-Regierung, s. z. B. CID, 236. Meeting, 5. Juli 1928. Die Auswirkungen auf die Rüstungsindustrien hat besonders R. Higham, Armed Forces, analysiert. Die Einwände der Service Departments wurden 1919, 1922 (GeddesCommitte) nur betr. „empfindsamer” Rüstungsgüter berücksichtigt. Die Struktur der englischen Wirtschaft und ihre Anpassungsfähigkeit an die Aufrüstungsprogramme besonders seit 1936 sind in der Studie von Postan vorbildlich behandelt. Das Thema Abrüstung und Arbeitslosigkeit wurde 1930 von einer Deputation des Trades Union Congress’ — Cab. 27/416.; 24.7.1930, T 172–1695 — aufgeworfen. Hankey, der seit etwa Ende 1928 die deutsche Aufrüstung und die rüstungsindustriellen Kapazitäten der deutschen Wirtschaft erkannte, betonte aus politisch-taktischen Gründen gleichfalls den Zusammenhang zwischen Abrüstung und Arbeitslosigkeit. Ihm ging es darum, den Rüstungsgüterexport zu begünstigen, um Kapazitäten für den „Ernstfall” in Betrieb zu halten.Google Scholar
  3. 3.
    Die Garantieerklärung war von Lloyd George Anfang März 1919 gegenüber Wilson und Clemenceau ins Gespräch gebracht worden, um die französische Regierung zum Verzicht auf die Rheingrenze (Foch’s, Tardieu’s Rheinlandpläne) zu bewegen. Das von der Labour Party — mit Vorbehalten — unterstützte Genfer Protokoll und die von den Konservativen akzeptierte Locarno-Lösung hatten die Funktion, das Interesse an einer Abrüstungskonvention zu fördern. In der Phase der Wiederaufrüstung erhielten die für ein,.continental commitment” erforderlichen Maßnahmen keine hohe Priorität. Um jede Erinnerung an den Ersten Weltkrieg zu bannen, wurde statt von einer Expeditionary Force von einer mobilen „Field Force“gesprochen!Google Scholar
  4. 4.
    Auch Ende 1921, als Lloyd George Frankreich eine einseitige Beistandsgarantie für die Dauer der nächsten zehn Jahre anbot (als Preis für die französische Zustimmung zur projektierten Genua-Konferenz), bereitete die Regierung Sparmaßnahmen vor; der First Interim Report of the (Geddes) Committee on National Expenditure (Cmd. 1581, 10.2.1922) sah besonders Beiträge der Defence Departments zum Sparprogramm vor. Die Regierung bekräftigte den Leitsatz, daß innerhalb der nächsten zehn Jahre kein „major war“(europäischer Krieg) zu befürchten sei und daher keine kontinentale Streitmacht unterhalten werden solle. Zum „Bündnisangebot“Lloyd Georges s. Bertram-Lib al, Aspekte britischer Deutschlandpolitik, S. 72 f.; Stamm, Lloyd George, S. 150 f., 217 ff., 323 f., 234; Suarez, Briand, Bd. V, S. 345 ff., 349 ff.; J. Laroche, Au Quai D’Orsay avec Briand et Poincaré, 1913–1926, 1957, S. 146 f. Zur innenpolitischen Kräftekonstellation 1919 und 1924/25, die die Grenzen des englischen „commitment“in Europa absteckten, s. Nelson, Land and Power, S. 360 ff., 376 ff.; Jacobson, Locarno Diplomacy, S. 23 ff.; s. Anm. IV/51. Zum englisch-französischen Verhältnis in der Mitte der zwanziger Jahre unter besonderer Berücksichtigung der Reparations- und Sicherheitsfragen s. Clemens A. Wurm, Sicherheit und Staatsfinanzen. Die französische Außenpolitik in der Phase der Umorientierung 1924–26, 1971 (Diss. Münster), Frankfurt a. M. 1979.Google Scholar
  5. 5.
    Vgl. Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 24. Besonders Hankey und die Stabschefs sowie Baldwin und MacDonald betonten diese Funktion von „Locarno“. In der Öffentlichkeit verfochten Lothian und „Round Table“sowie die „isolationistischen“Presselords Beaver-brook und Rothermere die These, Locarno sei ein Friedensvertrag. Im Zeichen der Bedrohung des Rheinzonen-Status legte man den Akzent darauf, Locarno wegen der Bindung an die Art. 42–44 des Versailler Vertrages als (prekären) Waffenstillstand zu bezeichnen, auf den ein „realistischer“Friedensschluß folgen müsse. Der berühmt-berüchtigte Leitartikel der Times vom 9.3.1936, „A Chance to Rebuild“, spielt auf diesen Meinungstrend an.Google Scholar
  6. 6.
    Baldwin, 11.3.1936, Cab. 23–83, S. 295; vgl. Young, Baldwin, S. 232; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 763 ff.; s. oben, Kap. I. Baldwin argumentierte ferner, daß eine Strafaktion einem Abenteuer gleichkäme. Während er an einer Stelle von der Möglichkeit sprach, daß eine französisch-russische Gegenaktion erfolgreich sein und den Sieg des Bolschewismus in Deutschland bedeuten könnte, äußerte er im Locarno-Krisenausschuß des Kabinetts und gegenüber Flandin Zweifel an der Handlungsfähigkeit Frankreichs und ließ durchblicken, daß er es als Zumutung empfände, die unzureichend ausgerüsteten englischen Streitkräfte als Rückendeckung für den zaudernden französischen Partner zum Einsatz bringen zu sollen. — Die englische Reaktion 1936 ist nur zu verstehen, wenn man daran erinnert, daß repräsentative englische Politiker — Bonar Law 1919; Balfour 1925 — nur zögernd der englischen Garantie für den Rheinzonen-Status zugestimmt hatten; die Differenzierung zwischen „flagrant“und „non-flagrant“im Locarno-Vertrag suchte die Bedenken zu beschwichtigen. Die Imperialisten (Amery, Churchill, Lothian) stimmten der Lösung vor allem deshalb zu, weil sie „Locarno“als Zwischenstufe zur politischen Neuordnung in Europa werteten.Google Scholar
  7. 7.
    In der Einleitung (Anm. E/34) ist der Doppelcharakter der Risikoformel erläutert worden. Beide Aspekte: a) „labour“= Arbeiterbewegung (TUC und Labour Party); b) „labour“als Syndrom zur Bezeichnung eines gesellschaftspolitischen Faktorenbündels (Inflation-Profiteering-„control“-„conscription“usw.) werden im Folgenden ausführlich erläutert und in ihrem Stellenwert bestimmt. Die Risikoformel begegnet — bezogen auf die freiwillige Abrüstung als Vorbild für andere Staaten — auch in der Devise „take risks for peace“. Vor 1934/35 bedeutet diese Devise exemplarische Abrüstung, nach 1936 „flexible“Aufrüstung. Beispiele: Baldwin, 17.11.1934; 31.10.1935, zit. in: A. W. Baldwin, My Father, S. 170 ff., 243. — Hankey, Urheber der Risikoformel, wiederholte sie in den dreißiger Jahren (s. seinen Entwurf des White Paper on Defence, 1935, Cab. 21–407, S. 5). In der Abessinien-Krise findet sie insofern Anwendung, als Baldwin, Halifax, Chamberlain und Simon lieber den Verbündeten Italien verlieren wollten als die Kluft in der öffentlichen Meinung zu erweitern. Die wahlstrategische Kalkulation und die Auffassung, daß englische Außenpolitik vorerst nur „politische Stärke“(= innere Einheit) (s. oben, Kap. I) aufbieten könne, gehen ineinander über.Google Scholar
  8. 8.
    Baldwin, 93.1936, HofC, Bd. 309, Sp. 1832.Google Scholar
  9. 9.
    Die Initiative steht im Zeichen der Auffassung, daß es wichtiger sei, den Frieden zu retten, als den Versailler Vertrag/Status quo festzuschreiben (MacDonald, 11.12.1934, Cab. 27–572). Die Appeasement-Politik strebt die Führung im Bunde mit Frankreich an; „early moves“(friedliche Präventivaktionen) sollten den deutschen „fait accompli“-Methoden entgegenwirken; s. dazu oben, Kap. I; vgl. Weinberg, The Foreign Policy of Hitler’s Germany, S. 253; s. auch Anm. IV/190, 191.Google Scholar
  10. 10.
    Zur Aufhebung der Ten Years’ Rule s. Gibbs, Rearmament Policy, S. 77 ff., 99 ff.; Roskill, Hankey, Bd. III, S. 86 ff.; Meyers, Britische Sicherheitspolitik, S. 90 ff.; Dennis, Decision by Default, S. 28 ff.; Barnett, Collapse of Power, S. 337 ff.Google Scholar
  11. 11.
    Vgl. Gibbs, S. 81, 120 ff. — Es ist eine zweite Frage, ob die Haltung der Labour Party und der Gewerkschaften begründeten Anhalt gab, innenpolitische Risiken ähnlich denen zu erwarten, die 1919 die Einführung der Risikoformel bedingt hatten: der Verf. würde dies verneinen.Google Scholar
  12. 12.
    Vor allem Simon, der als Außenminister 1932–35 für Rüstungsmaßnahmen plädiert hatte, erhob als Innenminister (1935–37) und besonders als Schatzkanzler (1937/38) Bedenken gegen die von den „Experten“vorgelegten Rüstungsprogramme: Sie würden Englands „Gesicht“bis zur Unkenntlichkeit verändern. Außerdem könne England — anders als Deutschland — weder die „Social Services“vernachlässigen noch die Auslands- und Inlandsschulden mit einem Federstrich beseitigen (wegen der Abhängigkeit von Rohstoff- und Rüstungsgüterimporten im Kriegsfall auf Kreditbasis); s. Postan, War Production, S. 17. — Eden und Chamberlain betonten — auch mit Blick auf die öffentliche Meinung in England und im Ausland — entsprechend der Doppelfunktion der Aufrüstung als vertrauensbildende Maßnahme gegenüber Frankreich und als Abschreckungselement gegenüber dem Dritten Reich: „our object is to try to restrain (the Nazi element). Anything that shows that we are determined to press on with our armament and that it is proceeding vigorously will have a steadying influence.“Eden, 13.1.1937, Eden, S. 480. — Gleichzeitig appellierten sie an Deutschland (s. Anm. III/254, 282), Bereitschaft zur Teilnahme an Rüstungsbegren-zungsgesprächen zu zeigen und damit die Voraussetzung für wirtschaftliche Zusammenarbeit zu schaffen. Diese Erklärungen erfolgten am Vorabend der unvermeidlich gewordenen Entscheidung, die erste Rüstungsanleihe aufzulegen, d. h. die Spirale des „labour“-Syn-droms in Gang zu bringen; Chamberlain, Tagebuch-Ein tragung vom 25.4.1937, s. Feiling, N. Chamberlain, S. 292. „What a frightful bill do we owe to Master Hitler, damn him! … If only it was not for Germany we should be having such a wonderful time just now.“N. Chamberlain an seine Schwestern vor dem 1937-Budget, zit. bei Macleod, N. Chamberlain, S. 192. Urn die „recovery“doch noch für „bessere“Zwecke zu nutzen, bemühte sich England — bei politischen Vorbedingungen — um Rüstungsbegrenzung und „colonial appeasement“; s. Anm. IV/430.Google Scholar
  13. 13.
    Die Hoffnungen auf eine Detente, verbunden mit Vorbehalten gegen weitere Steigerungen der Rüstungsausgaben, sind im Zusammenhang mit den Beratungen über die Mission von Halifax im November 1937 zu erkennen: Dilks, P (Hrsg.), Cadogan-Diaries, passim; Dennis, Decision by Default, S. 112; Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 132 ff.; Barnett, S. 466 ff.; Colvin, Chamberlain Cabinet, S. 51 ff.; Wendt, Economie Appeasement, S. 439 ff., 453 ff.; Eden, Facing the Dictators, S. 517 ff., 484 ff.; Gibbs, S. 294 f. — Zur Abkehr von der „business as usual“-Devise und der Aufhebung des Finanzvorbehalts im März 1938 s. Gibbs, S. 296 f., 303 ff.; Hancock/Gowing, British War Economy, S. 70; Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 181 ff.; Dennis, Decision by Default, S. 122 ff.Google Scholar
  14. 14.
    In dieser Auffassung (s. Internat. Jb., XII [1976], S. 278 ff., Punkt 3,5,6 und 9) stimmt der Verf. mit Gibbs (in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 251) und Parker (ebd.) überein. „Since neither the arms nor the arms manufacturing capacity existed, Britain was forced to limit its projected role on the Continent … Limited expenditures implied limited commitments … Appeasement was the result … of the economic currents and fiscal policies of the post-1919 period …“; Coghlan, Armaments, in: History, Bd. 57 (1972), S. 216.Google Scholar
  15. 15.
    Die Erkenntnis, daß die Rüstungskapazitäten Deutschland ein schnelleres Tempo der Aufrüstung erlaubten, als die jeweiligen englischen Vorausschätzungen annahmen, löste einen Anpassungsprozeß aus; vgl. Gibbs, Rearmanent Policy, S. 170 ff., 179ff. u.a.O.; Meyers, Britische Sicherheitspolitik, Kap. 3 und 4.2.3.Google Scholar
  16. 16.
    (Hankey) Defence Requirements Committee; 15.11.1933, Cab. 23–77; 19. und 22.3.1934, Cab. 23–78; Report, 28.2.1934, C.P.64(34), Cab. 24–247; Cab. 21–434; Cab. 21–417; Cab. 2–6/1–2; vgl. Gibbs, Rearmament Policy, S. 97, 115. Die Annahme erinnert an die auf deutscher Seite 1931/32 — im Auswärtigen Amt von Bülow — vertretene Ansicht, daß „… wir in dieser Zeit [während der auf fünf Jahre veranschlagten Geltungsdauer einer Abrüstungskonvention; d. Verf.] doch kein Geld für Mehrausgaben hätten“; s. M. Salewski, Zur deutschen Sicherheitspolitik in der Spätzeit der Weimarer Republik, in: VZG, XXII/3, (1974), S. 125.Google Scholar
  17. 17.
    Im Zwischenbericht vom 24.7.1935 — DRC 25, Cab. 16–112 — wurde der 1.1.1939 als „target date“gesetzt. Ausschlaggebend war dabei — neben der Annahme über die voraussichtliche „Kriegsfähigkeit“Deutschlands — die Rücksichtnahme auf die Kapazitäten der englischen Rüstungsindustrie; Roskill, Hankey, Bd. III, S. 172 ff.; Pownall-Diaries, I, S. 76 f.; Gibbs, Rearmament Policy, S. 97, 115; Shay, Politics and Profits, S. 55.Google Scholar
  18. 18.
    Parker, P in: Hauser (Hrsg.), Weltpolitik, S. 73 ff.; zu Erwägungen, Kolonien an Deutschland zurückzugeben (Sommer 1936—Anfang 1938) — s. ferner Colvin, Chamberlain Cabinet, S. 37, 39 ff.; Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 111 ff.; Klaus Hildebrand, Vom Reich zum Weltreich, München 1969, S. 538 ff. Einflußreiche Kreise begannen im Spätherbst 1937, auf der Grundlage des Bemühens um eine „atlantische Partnerschaft“, den Anschluß Deutsch-Österreichs zu befürworten sowie zu empfehlen, Druck auf die Regierung in Prag auszuüben, den Sudetendeutschen einen Kanton-Status einzuräumen, um eine Verwicklung Englands in einen Krieg zu umgehen; s. All Souls Meeting, 18./19.12.1937, Aufzeichnung über den Sitzungsverlauf und Diskussionspapiere; Nicolson-Diary, 22.12.1937, 22.3.1938, Nicolson-Nachlaß. — Zum Halifax-Besuchsprogramm s. Anm. IV/13. — Die Idee, Deutschland ein Stillhalten in Mitteleuropa abzukaufen, stand hinter den „colonial appeasement“-Überlegungen. Die Koloniallösung wurde durch innenpolitische Widerstände (Imperial Group unter Amery und Sandys, die ein „wirtschaftliches Mitteleuropa“guthießen), durch die Widerstände der Dominions und durch Schwierigkeiten mit Frankreich über die Auswahl der Tauschobjekte blockiert.Google Scholar
  19. 19.
    Leith-Ross, s. Gilbert, Roots, S. 158.Google Scholar
  20. 20.
    Wenn man den Begriff Klassenpolitik ernst nimmt, dann ist nicht zu erklären, warum „Appeaser“wie Lothian, Simon, Halifax seit Ende 1938 bzw. August 1939 zur „Kriegserklärung“an Hider aufforderten. Ihre innenpolitische Einstellung zur Labour Party änderte sich dabei nicht, außer, daß sie im Sinn der Parole „innere Geschlossenheit“die Allparteienkoalition für zweckmäßig hielten. Im übrigen kann man mit der Formel Klassenpolitik weder die Bemühungen um eine „Große Koalition“und die „Grand Alliance“in den Jahren 1936–39/40 noch den Zusammenhalt der Anhängerschaft Chamberlains erklären.Google Scholar
  21. 21.
    Diese Konstellation wurde erstmals in der Unterhausdebatte vom 30.7.1934 über das RAF-Expansionsprogramm deutlich. — Die Priorität für die Expansion der RAF deutet Gibbs (Rearmament Policy, S. 107) zu Recht als erstes Anzeichen für den Übergang von der „re-equipment“-Phase zur Aufrüstung. Dieser Prozeß erfaßte die drei Streitkräfte insgesamt erst 1936 mit der Verabschiedung des „Ideal Scheme“(Shay).Google Scholar
  22. 22.
    Zu den entsprechenden Äußerungen Baldwins, Chamberlains, Edens und anderer in der Märzkrise 1936 s. oben, Kap. I; für die München-Krise s. stellvertretend Ismay, 20.9.1938, Note on the question of whether it would be to our military advantage to fight Germany now or to postpone the issue, Cab. 21–544; Gibbs, Rearmament Policy, S.246ff., 642 ff. Die Labour Party leitete die Berechtigung ihres „Nein“zur Aufrüstung aus ihrer Kritik an der „nationalen“(= verfehlten) Außenpolitik der Regierung ab. „A British Government should announce its intention of postponing all measures of rearmament pending the replies of other Governments to the proposals, in order to show its sincerity and its desire to re-establish peace on a basis of collective security’ and disarmament.“Advisory Committee, International Department, Memo, on the International Situation, Nr. 463A, beraten am 11.3., verabschiedet am 13.3.1936. — Die Regierung konterte, daß die Opposition die Mittel verweigere, die für die von ihr vorgeschlagene Außenpolitik, nämlich englische Führungsrolle im System der „pooled“, „collective security“unentbehrlich seien. Denn noch gehörten die USA nicht zum System. Woraus setze sich „pooled security“zusammen, wenn England die Ausrüstung und Aufrüstung nicht verbessere? In den Regierungsparteien stritt man darüber (s. oben, Kap. I/„Deutschland/Japan“), gegen welche Macht England rüsten und welche es beschwichtigen müsse.Google Scholar
  23. 23.
    Siehe Anm. IV/200, 219, 97 sowie oben, Kap. II. — Diesen Standpunkt vertrat das FO. Aus diesem Grunde lancierte es die „working agreement“-Verfahren. Die in doppelter Weise vorliegende Bindung der Außenpolitik an die Rüstungspolitik — a) in der „deterrent“-Funktion, b) in dem Bestreben, Rüstungsbegrenzungsabkommen auszuhandeln —, ist oben in den Kap. I und II, unter außenpolitischen Aspekten behandelt worden. Die Relevanz des Arguments wird meist mit dem Hinweis bestritten, „that the nerves were more in need of strength than the armed forces“; Stoneman, in: International Affairs, Bd. 39, S. 23 3; vgl. Eden, S. 339, 346 ff. Die „loss of nerve“-These wird besonders kraß vertreten von Margaret George, The Wharped Vision, Pittsburgh 1965; s. dazu aber Anm. IV/84. Derartiger Kritik hielt die Regierung entgegen, daß es doch riskant wäre, einem schwer bewaffneten Einbrecher mit einem ungeladenen Revolver in der Hand in den Weg zu treten; s. H. Herzfeld, S. 20 ff. Zum Rückstand der englischen Streitkräfte gegenüber den in den zwanziger Jahren aufgestellten Programmen und zur Schwäche der rüstungsindustriellen Kapazitäten s. Postan, S. 3 ff., 7 ff., 69 f.; ferner Coghlan, S. 210 ff. Vgl. auch Ironside, Diaries, 26. und 27.6.1937: „The real question to my mind is whether we can yet afford to be strong with anybody…Somebody might well call our bluff and we should then be exposed…We have nothing with which to fight — literally nothing — and will not have anything for two years.“Das ist zumindest für die Armee vor 1939 zutreffend. Eine andere Frage (keine „Nervenfrage“) ist es, ob das politische Risiko, für einen „Kriegsfall“in Mittel-, Ost- und Südost-Europa nicht gewappnet zu sein, für „richtig“befunden wird oder nicht.Google Scholar
  24. 24.
    12.3.1936, Cab. 23–83, S. 298; 9.3.1936, Beratung über Edens (Regierungserklärung, Cab. 23–83, S. 236 f.; Eden, S. 343 ff.; 16.3.1936, Cooper, Swinton, Eyres-Monsell über die Einsatzfähigkeit der Streitkräfte, Cab. 27–603; COS-Bericht = CID 1224-B, §§ 7,8 = C 2608/4/18, FO 371–19 889, S. 46; die exakten Daten sind bei Gibbs, S. 244 ff. zitiert. -Baldwin, 2.12.1935, Cab. 23—82, S. 353 f. Baldwin widersetzte sich damit dem momentanen Mehrheitstrend im Kabinett, die Ölsanktionsfrage zu forcieren. Seine Äußerungen in der Krise (9.-20.3.1936) führen die Vorbehalte aus. — Die Frage wurde ausgetragen zwischen Vansittart und den Stabschefs; s. oben, Kap. I/Abschn. 6 und 7.Google Scholar
  25. 25.
    Wigram/Sargent/Ashton-Gwatkin-Memo., „Britain, France and Germany“, 21.11.1935; Sargent, 5.12.1934, The Problem of German Rearmament, Cab. 21–417; Simon, G. R. (34) 3, 29.11.1934, Cab. 27–572. - Die Standardargumentation lautete: Falls England abwarte, bis Deutschland seine Stärke ausgebaut habe — denn verhindern wolle und könne niemand mehr die deutsche Aufrüstung —, dann hieße das zu akzeptieren, daß Hitler Forderung auf Forderung präsentiere. Aufgrund seines Vorsprungs in der Rüstungsfrage einerseits und der geringen Konfliktbereitschaft der öffentlichen Meinung in England und in Frankreich andererseits würde Hitler mit jedem Coup „davonkommen“. Es wäre daher besser, „etwas“zu tun, als post eventu zu protestieren. Daß Hitler genauso kalkulierte und deshalb „Alleingänge“riskierte, zeigen die Untersuchungen von Robertson; Braubach; Emmerson; Watt; Funke. Hinzu kam die Erwartung, daß England, wenn es seine Verhandlungsbereitschaft signalisiere, das „deutsche Volk“ins Spiel bringen könne. Hitler würde es schwer fallen, das deutsche Volk wegen weitergehender Forderungen zum „Krieg“zu mobilisieren; zuerst Hoare, 9.3.1934, Cab. 23–78, S. 286.Google Scholar
  26. 26.
    Wigram, 11.2.1936, Minutes zu(gegen): Phipps an Eden, C 750/4/18, FO 371–19 884; Wigram/Sargent-Memo., § 12.Google Scholar
  27. 27.
    Vansittart argumentierte, daß Hitler gleichfalls ein „waiting game“vorziehe, also auch England nichts zu überstürzen brauche; Vansittart-Minute, 3.2.1936, zu C 585/4/18, FO 371--19 884, S. 227 ff.; ders., 21.11.1935, FO 371–18 851, S. 78; Vansittart an Lord Wigram (Georg V.), 7.11.1935, VNST 2/27 = FO 371–18 860, S. 142 (Teilzitat in H. Nicolson, Georg V., S. 576 f.; Colvin, Vansittart in Office, S. 50 f.); C.P. 42 (36), 11.2.1936, § 36, Cab. 27–599. - Die Bedingung stellten neben Vansittart auch Collier, Leith-Ross, N. Chamberlain und Eden. Die Formel, „to be strong before dealing with Germany“— Chamberlain zu Flandin, 29.1.1936, Cab. 23–83, S. 42 f. - konnte man auf verschiedene Punkte und Situationen beziehen. Sie bedeutete für die Regierung, daß die englische Aufrüstung ihre erste Sorge sein müsse. Appeasement wäre Mittel zum Zweck, nicht Selbstzweck; s. Anm. IV/349 ff.Google Scholar
  28. 28.
    Wigram/Sargent-Memo., § 12; Minutes zu C 750/4/18, 11.2.1936, FO 371–19 884; Wigram, zu C 157/4/18, FO 371–19 883, S. 114 ff.Google Scholar
  29. 29.
    Wigram, 10.1.1936, FO 371–19 883, zu C. 157/4/18.Google Scholar
  30. 30.
    Cab. 23–80, S. 319 ff., betr. C.P. 295 (34), s. oben, Kap. I; Minutes zu C 157/4/18, FO 371–19 883, S. 114 ff.Google Scholar
  31. 31.
    Sargent, 30.11.1935, zu C 7931/55/18 (Phipps an Wigram über die Unterredung zwischen François-Ponçet und Hitler), FO 371–18 851, S. 175 ff.Google Scholar
  32. 32.
    15.2.1936, Minutes und Aufzeichnung über eine FO-interne Beratung unter dem Vorsitz Edens am 14.2.1936, FO 371–19 885, S. 273 ff. Wigrams Unterrichtung Bismarcks über die, „working agreement“-Konzeption und verhaltene Andeutungen Edens gegenüber Neu-rath sollten die „Atmosphäre“für eine Verhandlungslösung schaffen helfen. Zu den Weichenstellungen für die Initiative: Wigram, 9.1.1936, C. 151/4/18 und 10.1.1936, zu C 157/4/18, FO 371–19 883.Google Scholar
  33. 33.
    Siehe Anm. IV/351 ff. — Wigram/Sargent-Memo., §§ 12, 33; Sargent-Minute, 23.11.1935, FO 371–18 851, S. 143; ders., 30.11.1935, ebd., S. 175; Eden an Phipps, 24.2.1936, C 750/4/18, FO 371–19 884, S. 8.Google Scholar
  34. 34.
    8.4.1935, Cab. 23–81, S. 299 ff.; Baldwin gegenüber der Defence Deputation, 29.7.1936, s. Anm. 1/225; s. ferner Kap. I/Abschnitt 4; COS 364 = CID 1161-B, 8.2.1935; 29.1.1936, Cab. 23–83. Die „Abschreckungs“-these — als Kehrseite zur Funktion, Frankreich „sense of confidence“zu vermitteln — diente auch dazu, die innenpolitische Debatte ins Abstrakte (Demokratie vs. Diktatur) zu wenden, ohne sich der Feindbild-Frage konkret stellen zu müssen, d. h. ein englisches Eingreifen auf dem Kontinent rüstungspolitisch vorzubereiten (s. Anm. IV/326 f.).Google Scholar
  35. 35.
    Hier greifen Risikotheorem und Vermeidungsgebote in der Außenpolitik ineinander: Die für einen Zweifrontenkrieg gegen Deutschland und Japan erforderlichen Maßnahmen hätten den englischen Kräftehaushalt überfordert und die in dem Syndrom „labour“zu-sammengefaßten Befürchtungen vor der Inflationsspirale aktualisiert. England mußte damit rechnen, zumindest in der Anfangsphase eines Krieges im Fernen Osten ohne effektive Verbündete auszukommen. Die Belastungen einer Two-Power-Standard-Rüstung zu vermeiden, ist eine der Funktionen der Appeasement-Bemühungen um Deutschland und Japan. Die deutsch-japanische Allianz, die man als Reaktion auf einen englischen Beitritt zum französisch-russischen Pakt erwartete, galt als stärker denn die Dreierallianz. Das bedeutete, daß England in diesem Fall noch mehr — in die Tiefe — hätte aufrüsten müssen; die ökonomischen Belastungen hätten auch den politischen „Problemhaushalt“erweitert. Durch ein Arrangement mit einem der beiden Herausforderer konnte man hingegen hoffen, die Folgelasten der Aufrüstung für das politisch-soziale System in Grenzen zu halten. Die Auffassung der Labour Party, Englands Flottenbeitrag zur „pooled security“reiche aus, um das militärische Übergewicht des Völkerbundes (Frankreich, UdSSR, Staaten „Zwischeneuropas“) zu sichern, d. h. die Aggressoren abzuschrecken, hielt die Regierung — zu Recht — für eine Fehlkalkulation.Google Scholar
  36. 36.
    Zur These, daß die englische Politik „Klassenkämpf“und „Blockbildung“als gleichermas-sen gefährlich für den „Frieden“ablehnte, s. Anm. E/27 und Anm. IV/3 51 ff. Die Befürchtung der „centre left“-Bewegungen — s. Allen-Diskussionspapier, Mitte 1934, Rede im All Souls College — gingen dahin, daß den Diehards nach Neuwahlen eine Schlüsselrolle zufallen könnte. Allen errechnete, daß die Regierungsparteien ca. 350 Sitze, Labour 230 und Liberale 50 Sitze gewinnen könnten. Die Diehards im Regierungslager würden proportional besser abschneiden und mit ca. 100 MP unter 350 Regierungsmandaten (gegenüber 280 der Opposition) das Zünglein an der Waage sein. Die „Linkskonservativen“(Völkerbundsanhänger, Sozialpolitiker), die in Industriewahlkreisen kandidierten, würden schlechter abschneiden. Mit einer derartigen Mehrheit ausgestattet, würde die Regierung ihre Energien im Kampf mit dem rechten Flügel verbrauchen, d. h. in der Sozialpolitik zum Immobilismus verurteilt sein. Akzeptiert man, daß Baldwin diese Lagebeurteilung teilte — s. Baldwin gegenüber Defence Deputation, 29.7.1936; ferner Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 745 ff. — und daß es ihm darum ging, „Tory Democracy“gegen die „Diehards“durchzusetzen, dann hätte die Entscheidung, die Wahlen hinauszuzögern, zwei Seiten: Die eine richtete sich gegen Labour’s Kurs der einseitigen Abrüstung, flankiert und kaschiert durch die Blendformel,,pooled security“, die andere gegen den Druck von rechts.Google Scholar
  37. 37.
    D. Easton, A Systems Analysis of Political Life, 1965. — Der Begriff impliziert, daß das politische System als eine Instanz fungiert, die in der Lage und berechtigt (legitimiert) ist, die für die Gesellschaft verbindlichen Werte autoritativ zuzuteilen. Zur umfangreichen Diskussion über das Verhältnis von politischem und ökonomischem System sei verwiesen auf Hans-Jürgen Puhle, Politische Agrarbewegungen in kapitalistischen Industriegesellschaften, Göttingen 1975, bes. S. 21 ff.; J. Kocka, in: Winkler (Hrsg.), Organisierter Kapitalismus; Link, Transnationale Beziehungen, S. 15 ff.; Friedrich Schneider, Politisch-Ökonomische Modelle, Königstein 1979; R. E. Baldwin, The Political Economy of Postwar US Trade Policy, 1976; s. auch Anm. E/53.Google Scholar
  38. 38.
    1932/34 rechnete man damit, daß die deutsche Rüstungsproduktion erst ab 1939/42 eine Gefahr erwarten ließ und stufte die Rüstungsmaßnahmen entsprechend ein: Ab 1935 erfolgte die Forcierung parallel zu Informationen über „Germany’s defence outputs“(s. Gibbs, S. 96 ff., 178 ff.). Seit dem 2. DROReport (Juli 1935), den Kabinettsbeschlüssen von Ende Juli 1935 und den inter-ministeriellen Beratungen über das „Ideal Scheme“— November 1935/März 1936 — galt der 1.1.1939 als „target date“. Die deutsche Überlegenheit — als Angriffsgrund — erwartete man ab 1942, doch für Englands Sicherheit wollte man das Programm 1939 abgeschlossen sehen. — Die Einschätzung 1932/34 hängt damit zusammen, daß auch Vansittart (im Juni 1933) noch äußern konnte: „the Hitler Government has just announced an initial programme for unemployment relief involving the expenditure of very large sums. Such commitments must, for social and political reasons, form a first charge on Germany’s available revenue; and so long as this does not increase too rapidly, she will have not much to spare for rearmament or other forms of external adventures“. Vansittart, 15.6.1933, „A Prosperous Germany?“, C 5456/62/18, FO 371–16 696, S. 239 ff. Das Memorandum wurde an die britischen Vertreter auf der Weltwirtschaftskonferenz verteilt. Die Aufrüstungsfinanzierung hatte zu diesem Zeitpunkt (Juni 1933) schon andere Dimensionen angenommen; s. dazu Milward, German Economy, S. 16 f.; Carr, Arms, Autarky, S. 27. Die deutschen Militärausgaben, die 1932 1% des GNP entsprachen, machten 1933 3% aus (1,9 Milliarden 1933 gegenüber 800 Millionen RM 1932); s. Anm. IV/42.Google Scholar
  39. 39.
    Details zum Niedergang der Schlagkraft der französischen Streitkräfte (in englischer Sicht) seit 1936 verzeichnet COS 698 = FP (36) 57 (März 1938), in: Cab. 27–627. J.-M. d’Hoop, La politique française du rearmament (1935–39), in: Revue d’histoire de la 2me Guerre Mondiale, IV (1954); R. H. S. Stolffi, Equipment for France in 1940, in: History, H. 55 (1969/70). Hankey (Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 308) meinte, Frankreich würde nicht in der Lage sein, auch ohne Einwirkung von Bombenangriffen, den Nachschub („support and supply“) der mobilmachungsfähigen französischen Streitkräfte zu produzieren; Pownall-Diaries, Bd. I, S. 85; Slessor, S. 157, 230 ff.; Ironside, S. 42 ff., 51; Emmerson, S. 173; s. Anm. 1/320, 321. Eindeutig und unverhüllt haben Swinton, Bullock (Air Ministry), General Adam und Liddell Hart in den 1964–67 durchgeführten Interviews vom desolaten Zustand Frankreichs in allen Bereichen gesprochen und die Zeitgewinn-Taktik als einzige unter den denkbaren Optionen englischer Politik gerechtfertigt. Als Schwächen Frankreichs werteten Chamberlain u. a. die Gefahr der Zerstörung des demokratischen Systems und dessen Ersatz durch „Faschismus“(Ligen, Croix de Feu u. a. m.), Kapitalflucht und Franc-Schwäche, industrielle Unruhen; s. N. Chamberlain-Diary, 19.2.1938, ferner die Eintragungen vom 15.3.1936 u. 29.4.1937.Google Scholar
  40. 40.
    Gottfried Niedhart, Der Bündniswert der Sowjetunion im Urteil Großbritanniens 1936–1939, in: MGM, X (1971), S. 55–67. Auch Churchill zog zweifelnd in Betracht, daß Rußland vielleicht nur eine Fassade vortäusche. Gleichzeitig mit dem Verlangen, den Völkerbund zur Einkreisung Deutschlands zu aktivieren, riet er Inskip, sich von Frankreich Daten über den russischen Verbündeten geben zu lassen, denn er nehme an, daß Frankreich den Paktabschluß auf eindrucksvolle Daten fundiert habe; Hankey-Bericht über das Gespräch mit Churchill, 19.4.1936, an Baldwin/D. Cooper, 21.4.1936, Cab. 21–435; vgl. Gilbert, Churchill, Bd. V, S. 723 ff.Google Scholar
  41. 41.
    Die Studie hat auch das Ziel, an einem relevanten historischen Beispiel zu demonstrieren, wie unhaltbar Versuche sind, ohne konkrete gesellschaftshistorische Analyse, d. h. mit einem bloßen Lippenbekenntnis zu historischen Perspektiven, jeder Abschreckungspolitik (begriffsnotwendig) zu unterstellen, daß sie als Psychostrategie zur Militarisierung der Abschreckungsgesellschaften tendieren müsse; so Dieter Senghaas, Rüstung und Militarismus, Frankfurt a. M. 1972 (Suhrkamp 498), S. 43, 38 ff.; Georg Simonis, Außenpolitik und Abschreckung. Ansätze zu einer kritischen Theorie des internationalen Systems (sie!), Frankfurt a. M./New York 1977, S. 234 ff. Wenn in den Sozial Wissenschaften — zu Recht — für die westlichen Industrieländer ein hohes Maß an Kontinuität der „Herrschaftssynthese“angenommen wird, sind historische Vorarbeiten über Abschreckungspolitik als Friedensstrategie eine der Voraussetzungen für eine sozialwissenschaftliche Theorie des internationalen Systems. Die Gegenposition von Thomas C. Schelling (The Strategy of Conflict, Cambridge/Mass. I960): „the deterrence concept requires that there both be conflict and common interest between the parties involved“, trägt der entscheidenden Interdependenz von Innen- und Außenpolitik — zumindest für die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg — besser Rechnung; s. Anm. IV/260 ff.Google Scholar
  42. 42.
    Die Grundsatzentscheidung, „Parität“mit Deutschland — im Bereich der Luftwaffe — zu halten, datiert vom November 1934 bzw. Mai 1935; die Weichenstellung in Deutschland, vor allem die Devise, finanzielle Restriktionen dürften die Aufrüstung nicht behindern, erfolgt im Frühjahr 1933. Deutschland gewann hier den Vorsprung. Als Indikator dient die Entwicklung des Anteils der Verteidigungsausgaben am GNP. Der Verf. folgt dabei Mil-ward, The German Economy at War, S. 16; H. W. Richardson, Economie Recovery in Britain, S. 215; Dunbabin, British Rearmament, in: HJ, 18(1975), S. 588. Doch ist auch im deutschen Fall nicht zu übersehen, daß die Aufrüstung die strategische Position des Dritten Reiches nicht unmittelbar verbesserte, da die Aufrüstung vielfältige Reorganisationen bedingte. Während Hitler entsprechende Schwächen der Westmächte nützte — besonders 1936 (!) —, „versäumten“die Westmächte 1933/35 (und eventuell 1938) entsprechende Möglichkeiten.Google Scholar
  43. 43.
    Das deutlichste Beispiel ist Chamberlains Eintreten für die Expansion der RAF unter Hintansetzung der Ausbaupläne für die Singapur-Basis bei gleichzeitigen Bemühungen um ein Arrangement mit Japan (1933/34). Die auch aus anderen Gründen verzögerte Fertigstellung des Stützpunktes Singapur führte dazu, daß die Admiralität die Pazifikflotte 1938/39 nicht im vorgesehenen Umfang aufstockte. Hieran wird zugleich der Zielkonflikt zwischen der von Chamberlain bzw. von der Flottenführung befürworteten Version der „dual strategy“greifbar. Zur Prämisse, daß England äußere Gefahren abdrängen dürfe, s. unten, Kap. IV/Abschn. 1 (Baldwin, Februar 1936). Zu den Änderungen der Programme für die Expansion der RAF s. Cab. 23–81, Sitzungen vom 15.5., 21.5. und 31.5.1935, S. 384, 419 ff. sowie C. P. 116(35), Air Parity in Western Europe, Cab. 24–255; einen knappen Überblick vermittelt Gibbs, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung. — Die Admiralty beabsichtigte mit der Forderung nach dem Two Power Standard ähnliches, drang aber gegen den Widerstand des Schatzamtes nicht durch. Premierminister MacDonald stimmte 1935 der Beschleunigung der RAF-Expansion zu, nachdem im Anschluß an die deutschen Coups vom 9.3. und 16.3.1935 und an Hitlers Aussagen gegenüber Simon/Eden die Parität (November- 1934-Programm) als gefährdet galt. Er wollte öffentlich für die Einhaltung der Paritätsformel eintreten; s. Simon-Diary, 2.5.1935. Die Paritätsformel hatte auch die Funktion, als Maßstab für die angestrebte Rüstungsbegrenzungskonvention zu dienen (s. Anm. 1/27–52).Google Scholar
  44. 44.
    Chamberlain, 9.2.1936, s. Feiling, N. Chamberlain, S. 313 f.; vgl. Chamberlain, 23.7.1939; Dilks, „Unnecessary War“, in: Preston (Hrsg.), General Staffs, S. 127; Peden, S. 118 f., 121.Google Scholar
  45. 45.
    Es gibt Hinweise dafür, daß Chamberlain Hitler über Dirksen und Schacht vor der überlegenen englischen Finanzkraft warnen wollte (Hitler hatte gegenüber englischen Gesprächspartnern stets Respekt vor diesem Faktor bezeugt, meist bezogen auf Ausführungen zum Ersten Weltkrieg), s. Dirksen an Weizsäcker, 16.12.1938, ADAP, Bd. IV, Nr. 281, S. 306. Andere einschlägige Zeugnisse, die nach der Freigabe der Akten zugänglich wurden, sind bereits ausgewertet von Parker, Britain, France, and Scandinavia 1939/40, in: History, Bd. 61/H. 203 (1976), S. 370, 374; Cowling, Impact of Hitler, S. 355 ff.; s. auch Macleod, N. Chamberlain, S. 281.Google Scholar
  46. 46.
    N. Chamberlain, 16.1.1938, Feiling, N. Chamberlain, S. 324; Macleod, N. Chamberlain, S. 207; Chamberlain, 25.4.1937, Feiling, ebd., S. 292; Chamberlain an Eden, 10.9.1937, Premier 1/210; Roskill, Hankey, Bd. III, S. 267. — Die Zeugnisse enthalten zum Teil Anspielungen auf Frankreich als schwächer werdenden Bundesgenossen und auf die 15jährige englische Abrüstungsperiode. Weiter heißt es: „and even bear with patience and good humour action which we should like to treat in very different fashion“. Ob die englische Regierung — wie das Zitat suggeriert — bei einem besseren Rüstungsstand zum Einschreiten bereit gewesen wäre, ist eine zweite Frage. Chamberlain und Eden wollten gegenüber Italien 1935 mehr riskieren als unter dem Einfluß von Baldwin, MacDonald, Hoare und der Stabschefs/Verteidigungsminister sowie der,,Spitzen-Beamten” (Hankey, Fisher, Vansit-tart) beschlossen wurde. Die Polen-Garantie 1939 erfolgte nicht unter dem Gesichtspunkt einer verbesserten militärischen Stärkerelation.Google Scholar
  47. 47.
    In der Debatte über das,,Ideal Scheme“im November 1935 trug die Befürchtung, daß kontinuierliche deutsche Luftangriffe die „popular morale“des englischen Volkes unterminieren könnten, zu einer weiteren Bevorzugung der Expansion der RAF gegenüber den anderen Streitkräften bei. — Den Abschreckungseffekt auf Deutschland stellte besonders N. Chamberlain heraus:,,I recognise and indeed insisted on the need for such a recasting of our air programme as would show its truly formidable character and thus act as a deterrent” - N. Chamberlain 26.5.1935, zit. in: Gibbs, S. 175; ähnlich Simon-Diary, 2.5.1935, über die veränderte (nunmehr zustimmende) Haltung MacDonalds zur Paritätsformel für die Luftwaffe. — Vgl. Chamberlain an Simon, 23.9.1936: „my conclusion is that the further we proceed in rearmament the more effective will be any intimation we make to the Germans on the lines you suggested. They are just seeing how far they can exploit our weakness.“Die Behauptung Middlemas’ (Diplomacy of Illusion, S. 221), N. Chamberlain habe nie recht an die Abschreckungsfunktion geglaubt, ist wenig stichhaltig. Zur „fighter vs. bomber“-Kontroverse in der englischen Regierung s. K. Robbins, Munich, S. 201 ff.; Middlemas, Diplomacy, S. 220 ff.Google Scholar
  48. 48.
    Hoare, 9.3.1934, Cab. 23–78, S. 286; vgl. Grenville in: Internat. Jb., XVII (1976), S. 239 f. — Hitlers Blitzkriegsstrategie kalkulierte die „politischen“Schwächen der westlichen Demokratien ein, so, wie deren „Führer“sie einschätzten. Zur Reaktion der „deutschen Öffentlichkeit“auf die Treffen im September 1938 und Hitlers Aufforderung zur Gegenpropaganda s. Wheeler-Bennett, Munich, S. 161 ff.; zur Diskussion über die Blitzkriegsstrategie s. die Beiträge in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung.Google Scholar
  49. 49.
    Die Luftwaffe war zum Beispiel im Abessinien-Konflikt nur begrenzt verwendungsfähig. Mitte 1937 ergab eine Untersuchung, daß die RAF nicht die ihrer Strategie (Trenchard/ Douhet-Doktrin) entsprechenden Typen besaß; s. dazu Slessor, S. 204 ff.; D. C. Watt, Too Serious, S. 76 f.; Webster/Frankland, I, S. 91 ff., 74ff., 97 ff. Die deutsche Luftwaffe war Mitte der dreißiger Jahre an die Operationspläne des Heeres gebunden und keine strategisch selbständige, gegen England gerichtete Operationseinheit (s. K.-H. Völker, Die deutsche Luftwaffe 1933–1939, 1967, S. 72 ff.; Meyers, S. 317 ff.). Die Kriegsmarine und die Armee (Admiralty and War Office) kritisierten auch aus diesen Gründen die Bevorzugung der RAF in den Aufrüstungsprogrammen. — Zur Entwicklung der englischen Luftwaffenstrategie s. B. D. Powers, Strategy without Sliderule. British Air Strategy 1914–1939, London 1976; Earl of Swinton, Sixty Years of Power, London 1966; Collier, The Defence of Britain-, Gibbs, Kap. XV; Webster/Frankland, Kap. II, bes. S. 52 ff. Zum Stand der englischen Flugzeugpoduktion und zu den Kontroversen über Versäumnisse bzw. strukturbedingte Schwächen und technologische Unzulänglichkeiten der englischen Industrie s. P. Fearon, Air France Industry, in: EcHR, XXVII (1974); ders., in: EcHR, XXVIII; A. Robertson, Comment, in: EcHR, XXVIII (1975).Google Scholar
  50. 50.
    Zum Verhältnis von Regierung und Industrie s. unten, Kap. IV/Abschn. 6.Google Scholar
  51. 51.
    Vgl. Gibbs, bes. S. 635 f.; Meyers, S. 103 f. (Zitat aus C. P. 296 [37]). Die englische Regierung rechnete mit einem deutschen „Blitzschlag“gegen England als Waffenschmiede und Finanzier der Allianz; man hoffte aber auf die Abwehrfunktion des Maginotwalles (Pow-nall-Diaries, I, S. 238; Peden, S. 126 [Ismay, Sept. 1936]). Die englische Aufgabe erblickte man darin, einem „Blitzkrieg“zu widerstehen und dann die größere wirtschaftlich-finanzielle Kapazität auszuspielen; COS 513, 26.10.1936, Appreciation of the situation in the event of war against Germany in 1939, Cab. 53–29. — Besonders die „centre left“-Bewegungen befürchteten eine gegen England gerichtete Neuauflage des Schlieffen-Plans als Folge einer englischen Parteinahme für den französisch-russischen Pakt (s. Anm. 1/224). Die Option für die RAF als Instrument der,,dual policy“(Appeasement-Abschreckung) — unter bewußter Abkehr von den Vorstellungen, daß England wie vor 1914 durch die Bereitstellung einer Expeditionary Force die kriegsentscheidende Wende herbeiführen, d. h. den Erfolg der Schlieffen-Plan-Strategie verhindern könne — ist das deutlichste Indiz für die Einstellung auf einen „Fall“, wie er 1939/40 eintrat. Würde sich die Hoffnung auf die Widerstandskraft der französischen Landstreitmacht zerschlagen — und England tat wenig, um die französische Situation zu verbessern —, dann stand England dem deutschen Luftangriff „allein“gegenüber. Trenchard, Urheber der RAF-Strätegie, sprach anläßlich der Defence Deputation unwidersprochen davon, daß England den Kriegsfall mit Deutschland so erwäge, als ob es allein kämpfen müsse. Er bezeichnete diese Annahme als Axiom der offiziellen englischen Strategie. Die Rolle der Armee und der Kriegsmarine seien unbestimmt und Flotte und Heer nicht so ausgerüstet, daß die englische Strategie in eine andere Richtung zielen könne; 28.7.1936, Cab. 21–438; s. Anm. IV/380. — Ein weiteres Indiz sieht der Verf. darin, daß die Stabschefs zwar seit der Annual Review 1930 — unter Bezugnahme auf die Räumung der Rheinlande — wiederholt warnten, daß England zur Erfüllung der Locarno-Pflichten weniger in der Lage sei als 1914 gegenüber Frankreich und Belgien (s. Gibbs,S.69 f.; Barnett, S. 337), daß aber weder 1934/35 noch 1935/36 diesem Einsatzfeld Priorität eingeräumt wurde (s. im einzelnen Gibbs, S. 227, 261). Ein gezielter Diskussionsbeitrag (Hankey, 19.3.1934, Cab. 23–78, S. 286) wurde nicht genutzt, um die Locar-no-Obligationen bei der Beschleunigung der „re-equipment“-Pläne zu berücksichtigen. Im Januar 1935 stellte das Kabinett — gegen das FO (nicht: den Außenminister), ohne Einspruch der Streitkräfte — fest, daß die Rheinzone nicht als „vital interest“zu gelten habe (Cab. 23–81, S. 28).Google Scholar
  52. 52.
    „This sort of contributions which Great Britain might possibly make would primarily be measures to ensure British security, but which could and would be represented [sic!] as constituting contributions to European and French security“! Sargent-Memo., § 16, The Problem of German Rearmament, 5.12.1934, Cab. 21–417, von Simon an MacDonald weitergeleitet und in Simons Denkschrift für den Ausschuß „on German Rearmament” inkorporiert: G. R. (34) 4, 8.12.1934; Simon und MacDonald argumentierten im Sinn der Denkschrift im Committee und im Kabinett, Sitzungen vom 13.12.1934, Cab. 27–572 und Cab. 23–81. Vgl. die COS-CID-Analysen vom April 1938 vor den englisch-französischen Stabsgesprächen (in: Gibbs, S. 631 ff.), besonders deutlich Hoare (ebd., S. 634); s. auch Inskip, 27.3.1939, zit. bei Deakin,in: Les Relations Franco-Britanniques, S. 84 f. — Es gibt Hinweise darauf — Ironside-Diaries-, Inskip, 27.3.1939 (s. o.) —, daß England aus politischen Gründen militärische Schwäche riskierte und dementsprechend für einen Eventualfall nicht gerüstet war. Die notwendige Konsequenz daraus war, daß England in Frankreich einen Schutzschirm sah, mit der Funktion, England die Abwehr eines Luftangriffs zu erlauben; in diesem Sinne s. zum Beispiel Chamberlain, 5.5.1937, Cab. 20 (37), Cab. 23–88; vgl. Gibbs, S. 457 ff.; Dennis, S. 98 f.; Barnett, S. 498 ff. Arbeitsteilung und Kooperation mit Frankreich — Stabsgespräche mit verbindlichen Folgen für die englische Rüstungspolitik hätten nahegelegen (s.auch Gibbs, S. 625) — blieben aber aus politischen Gründen aus.Google Scholar
  53. 53.
    Gibbs, S. 634 f. — Vgl. All Souls Meeting, 18719.12.1937: „we should concentrate upon home invulnerability against air attack within the first ten weaks of war“; Nicolson-Nach-laß.Google Scholar
  54. 54.
    Zur „Bollwerkfunktion“des Maginotwalles s. Gibbs, S. 115, 170 f., 177 ff., 634 ff. Howard betont zu Recht, daß die strategische Planung darauf abgestellt war, daß die französische Armee als erstes Bollwerk gegen einen deutschen Blitzangriff funktionierte, andernfalls würde die englische Strategie eines Abnutzungskrieges sich als Fehlkalkulation erweisen (Howard, S. 116 f.). Zur Genesis der französischen Defensivstrategie in den Jahren 1924/26 s. Wurm, Sicherheitspolitik, Kap. III. Die französische Militärstrategie der dreißiger Jahre basierte auf der Annahme, daß eine gemeinsame englisch-französische Seeblockade Deutschland in die Knie zwingen werde — s. Young, in: Preston, General Staffs, S. 52. Die französische Militärstrategie basierte auf der Annahme, daß eine gemeinsam durchgeführte englisch-französische Seeblockade Deutschland in die Knie zwingen werde; s. dazu Young, La Guerre de la longue durée, in: Preston, General Staffs, S. 52; zur Genesis der französischen Defensivstrategie s. Wurm, Sicherheitspolitik, Kap. III. — Mitglieder der Defence Deputation (Grigg, Page-Croft) betonten, daß wegen der Aversion der englischen Familien gegen ein „Soldat sein für Europa“die englische Strategie auf dem Einsatz der RAF und der Kriegsmarine basieren müsse. Die Rekrutierungskampagne würde besser laufen, wenn die Regierung „imperial policing“und Küstenschutz und „anti-aircraft defence“als Aufgaben des Heeres definiere. Baldwin bestätigte, daß keine Bindung gegenüber Frankreich zum Einsatz einer Expeditionary Force bestehe; darüber stand die endgültige Entscheidung im Juli zwar noch aus, aber Ende 1936 wurde der Vorstoß Coopers von Chamberlain gebremst.Google Scholar
  55. 55.
    In den Diskussionen über die Opportunität einer Garantieerklärung an Belgien 1934/35 wurde deutlich, daß die englische Luftwaffe aus technischen Gründen offensiv nur von belgischem oder nordfranzösischem Boden aus operieren könne; s. Macleod, S. 177 f.; Gibbs, S. 113 ff., 614 ff., 116, 537 ff.; Webster/Frankland, S. 65 ff., 91 ff. — Churchill (Defence Deputation, 28729.7.1936, Cab. 21–438; Gilbert, Churchill, Bd. V. S. 768 ff.) empfahl, daß die englische Flotte, die französische Armee und eine „combined air force operating from close behind (the franco-belgian frontier)“als wirksamste Form der Abschreckung ausgebaut werden sollten.Google Scholar
  56. 56.
    29.4.1936, Cab. 23–84; 29.5.1936, Cab. 23–84, S. 243 f., 252; s. ferner Anm. 1/208,231 ff.; Anm. IV/59; Petibon/Beaumont-Nesbitt, 20.3.1936, Clerk an FO, 21.3.1936, C 2203/ 4/18, FO 371–19 896, S. 197 ff. — Cab. 23–84, 22.4.1936, C. P. 110 (36); zur französischen Militärstrategie in Bezug auf Belgien s. Young, In Command of France, S. 50 ff.Google Scholar
  57. 57.
    Die Stabsgespräche wurden 1936 auf einen Informationsaustausch beschränkt und kamen „planning“in keiner Weise nahe; 8.4.1936, Cab. 23–84; 22.4.1936, Cab. 23–84, S. 4 ff.; CID 1224-B; Gibbs, S. 607 ff., 615 ff., 620 ff. Dabei wurde aus politischen Gründen zwischen Belgien und Frankreich unterschieden. Belgien unterstellte man keine gefährlichen „commitments“(COS 472, § 3 f.). „Locarno“galt immer noch als unvereinbar mit Stabsgesprächen. Die Fragen der Opportunität, der Vor- und Nachteile sowie der Reichweite von Stabsgesprächen wurden nach 1934 mit den schon 1925/26 gebrauchten Argumenten innerhalb Frankreichs und Englands sowie zwischen englischen und französischen Politikern, Militärs und Diplomaten diskutiert; s. zum Vergleich: Wurm, Die französische Sicherheitspolitik, Kap. III, Anm. 179. Solange England dem „New Locarno“-Projekt nachjagte (bis Ende 1937), konnten die Gegner von Stabsgesprächen auf die „Locarno“-Tradition zurückgreifen. Vgl. Taylor, Origins, S. 76 ff. Die Stabsgespräche fungierten 1936 als Geste gegenüber Frankreich. Nachdem der Krisenpunkt überschritten war und der Protest gegen Stabsgespräche nach dem 20. März 1936 losbrach, beeilte sich die Regierung, die Tragweite der Stabsgespräche zu begrenzen (Pownall-Diaries, S. 107 ff.) Gegen Stabsgespräche sprach in den Jahren 1933/34 noch die latente Befürchtung vor französischen Präventivabsichten (s. Air Ministry an Ellington, 13.12.1933, Cab. 21–417). Nach 1935 war sie eher von der Besorgnis über französische,,Schwächen“bestimmt (s. 16.3.1936, Cab. 27–603).Google Scholar
  58. 58.
    Gibbs, S. 635. — Das FO legte den Akzent darauf, daß die Rüstungsanstrengungen auch nach außen hin den Anschein erweckten, als ob England seine Sicherheit mit den von Deutschland bedrohten Staaten (im Westen) identifiziere. Aber auch die Devise vom Rhein als englischer Grenze (Baldwin, Juli 1934) hatte nicht zur Folge, daß England die drei Streitkräfte auf diese Sicherheitsaufgabe in gleichem Maße ausrüstete, s. Howard, S. 94 f., 103 ff.Google Scholar
  59. 59.
    This contact between the General Staffs cannot give rise in respect of either Government to any political undertaking, nor to any obligation regarding the organisation of national defence“, CID, 3.4.1936, S. 3 (Conclusions), FO 371–19 901; CID 1224-B, 1.4.1936, FO 371–19 899, S. 46 f.; Cab. 1.4.1936, 23–83, S. 404; C. P. 218 (36) = COS 511, 1.9.1936, FO 371–19 912, S. 49 f. Vgl. Anm. 1/73, 201 ff„ 231 ff.; Cab. 23–84, 29.4. und 29.5. 1936; s. auch COS 452, § 6. — Daß England den,,Schicksalspartnern“keinen „garantierten“Einfluß auf die Aufrüstungspolitik geben wollte, hatte sich schon Ende 1934 gezeigt: 12.12.1934, Cab. 23–80, S. 321 ff.; C. P. 6 (35), § 7, Cab. 23–81, S. 37. — Vgl. Dennis, S. 82 ff.; Howard, S. 103 ff., 115 ff.; Meyers, S. 181; Masson, in: Les Relations Franco-Britanniques-, Deakin, in: ebd., S. 84. Zur Reaktion der Öffentlichkeit auf die Stabsgespräche 1936 s. Eden, I, S. 360 ff.Google Scholar
  60. 60.
    Vgl. Gibbs, S. 168 ff., 607 ff., 632.Google Scholar
  61. 61.
    Besonders anläßlich des Streites um die Luftpakt-Idee (s. oben, Kap. I und II) wurde die Befürchtung geäußert, daß England aufgrund möglicher zusätzlicher Verpflichtungen gegenüber Frankreich in europäische Querelen verwickelt werden könnte; s. Roskill, Hankey, Bd. III, S. 156 ff. — Da England „direkte“Garantien für die Sicherheit der Staaten „Zwischeneuropas” abgelehnt hatte, wehrte man sich erst recht dagegen, über indirekte Bindungen im Rahmen der französischen Sicherheitspolitik Hilfe auf Abruf für Mittel- und Südost-Europa bereitstellen zu müssen. Ging man davon aus (Hankey, Stabschefs), daß die Schliessung der Lücken („deficiencies“) bis zum Zieljahr 1939 noch eben gelingen könnte, dann war kaum daran zu denken, auch noch Vorsorge für die Erfüllung von Vertragspflichten im Rahmen indirekter Bindungen an Frankreichs Sicherheitssystem zu treffen. Eine zweite Prämisse lautete, daß die englischen Rüstungsmaßnahmen nicht gleichzeitig für die britischen, an Deutschland (Westgrenze) und an Japan orientierten Feindbilder und für das Einsatzfeld im Interesse des französischen Partners operabel sein könnten. Das war eine Umschreibung dafür, daß die Armee — anders als Marine und RAF — begrenzte Funktionen haben sollte; s. Pownall-Diaries, S. 70 ff., 76 ff.; Hankeys Entwurf des Defence Paper (1935), Cab. 21–434; zu Chamberlain (Konflikt mit Cooper) s. Dennis, S. 82 ff.; Middle-mas, S. 116 ff.; Barnett, S. 499 ff.; Shay, S. 80 ff., 136 ff.Google Scholar
  62. 62.
    C. P. 6 (35), § 8e, 9.1.1935; vgl. Gibbs, S. 146. — Der Gesichtspunkt war ausschlaggebend für die von Hankey organisierte Opposition gegen den Luftpaktvorschlag der französischen Delegation und des FO sowie zur negativen Antwort auf französische Anfragen im Vorfeld der Stresa-Konferenz; s. oben, Kap. I; vgl. Gibbs, S. 152 ff.Google Scholar
  63. 63.
    „The real hope for Europe [is] that, while the United Kingdom should make such preparations as were necessary to defend herself, she should still pursue a policy of a settlement in which Germany could take an equal share.“Simon, 1. Sitzung der British Commonwealth Prime Ministers, 30.4.1935, P. M. (35), S. 4, Cab. 32–125. - Vgl. Committee on Foreign Policy, 27.3.1939, Cab. 27–624; N. Chamberlain, 20.3.1939, Cab. 23–98; Halifax, 8.6. 1939, ADAP, Serie D, Bd. 6, S. 563; s. auch Anm. IV/52.Google Scholar
  64. 64.
    Vgl. Gibbs, S. 647; er folgert daraus zu Recht, daß die Diskussion, ob England durch das Münchner Abkommen Zeit gewonnen und genutzt habe, an den Prämissen der innerenglischen Debatten vorbeigehe — denn die politischen Prädispositionen sprachen dagegen, daß England bei besserer Rüstung vor der und in der Krise 1938 anders gehandelt hätte. — Die englische Regierung hielt es für gefährlich, die Länder in Mittel- und Südost-Europa zum Widerstand gegen deutsche Durchdringungsmethoden zu ermutigen, s. Eden, 3.6.1937, Imperial Conference, FO 371–21 139; vgl. Anm. 1/110 und Anm. Willi. Ähnlich äußerte sich Simon, Diary, 22.5.1938; s. Middlemas, Kap. 6–8, zu den Weichenstellungen vor der München-Krise.Google Scholar
  65. 65.
    Zur Kontinuitätsfrage s. die Literaturberichte des Verf., in: MGM und Internat. Jb., XVII (1976), S. 283 ff. Meyers hat die Ansätze weiterentwickelt und in einer „Wellentheorie“über isolationistische und interventionistische Phasen zusammengefaßt; im einzelnen würde der Verf. die Kontinuität anders als Meyers beurteilen (s. die Habil.-Schrift des Verf., 1971, Teil I). — Für viele englische Politiker war auch der Gesichtspunkt ausschlaggebend, „that the policy (to prevent the domination of Europe by any single power) had been departed from in 1923, when we did not oppose French domination“; All Souls Meeting, Abendsit-zung, 18.12.1937, Nicolson-Papers. Ähnliche Ansichten äußerten Swinton, R. A. Butler, Lord Crathorne (Th. Dugdale) 1964 in Interviews: Es hätte — vor „Prag“— keinen Grund gegeben, sich anders zu verhalten als gegenüber dem „militärischen“Abenteuer der Poinca-re-’Regierung in der Ruhrkrise. Auch damals habe man es für unumgänglich gehalten, den Kontakt mit der stärkeren Seite nicht abreißen zu lassen, obwohl man die Aktion (Curzon-Note) öffendich als Rechtsbruch bezichtigte. Statt die Fehler der balance of power-Diplo-matie zu wiederholen, habe England sich zu Recht auf den Standpunkt zurückgezogen, den Bonar Law im Brief an die Times, 7.10.1922, darlegte, d. h. Ablehnung der Rolle als Weltpolizist und Rückzug auf eine „Ruhepause“für England. Im gleichen Sinne äußerte sich Rickards, einer der Wortführer der,,appeasement“-MP in der Märzkrise 1936 (s. Anm. IV/393).Google Scholar
  66. 66.
    Generell läßt sich feststellen, daß „Isolationisten“in Rüstungsbegrenzungsabkommen die beste Sicherung gegen „Aggression“erblicken (USA in den zwanziger Jahren; England in der Gladstone-Ära); sie suchen eher die „Gegner“zu sondieren als die „Partner“an gemeinsamer Politik zu beteiligen (Lord Salisbury). Diese Umschreibung mag als Orientierungsmarke für die Verwendung des Begriffs im Folgenden dienen.Google Scholar
  67. 67.
    „If we could not make terms with Germany, then we must face rearmament on our own part on an ever-increasing scale“, Simon, 1.2.1935, A. F. (B) 35, Cab. 21–413, zit. bei Gibbs, S. 149.Google Scholar
  68. 68.
    Frankel, in: Kaiser/Morgan, Britain and West Germany, S. 95 ff.; vgl. den Bericht des Verf., in: MGM, 1973, S. 200 f., sowie die Habil.-Schrift, Teil I: Politische Tradition. Zum Versuch, den englischen Einfluß in China zu stabilisieren, s. Reynolds, British Foreign Policy, S. 97 f.; Endicott, Diplomacy, S. 72 ff.; Louis, British Strategy, S. 222 ff.; Trotter, Britain and East Asia-, Leith-Ross, Kap. 15.Google Scholar
  69. 69.
    Vgl. oben, Kap. I und II. Bei der Analyse der Außenpolitik der dreißiger Jahre ist zu beachten, daß die Beurteilung des politisch-sozialen Kräftefeldes in anderen Ländern schwer fiel. Der Denkfigur „Mode rates/ Radie als“für die englische Deutschlandpolitik entsprach die Undurchschaubarkeit des Einflusses „nationalistischer“oder „internationalistischer“Einflüsse auf die Politik der Roosevelt-Administration. Ebenso schwer auszumachen war der Einfluß der „strategischen Cliquen“(Herriot, Laval, Flandin, Daladier, Reynaud u. a.) auf die französische Innen- und Außenpolitik. Der Ausgang der permanenten Positionsgefechte und der Ressortkonflikte in den verschiedenen Ländern war auch deshalb schwer zu beurteilen, weil die Konfliktparteien bemüht waren, durch Vorabmeldungen über Erfolgsaussichten oder drohende Niederlagen Unterstützungsgruppen in befreundeten Staaten für sich zu mobilisieren. Es gab also gleichsam überall Arbeit für „Kremologen“. Politik war in hohem Grade,,Konjekturalpolitik“. Oftmals reichten nicht einmal eindeutige Ereignisse aus, um bestimmte Gruppen zu belehren und zur Änderung ihres Kurses zu veranlassen. Zu diesen analytischen Problemen vgl. D. Menyesch/H. Uterwedde, Wirtschaftliche und soziale Strukturen in der Bundesrepublik und in Frankreich, in: Robert Picht (Hrsg.), Deutschland-Frankreich-Europa, München/Zürich 1978, S. 88.Google Scholar
  70. 70.
    Cowling bringt dies bereits mit der Titelserie,,Impact of Labour“und „Impact of Hitler“(und bevorstehend: „Impact of Inflation“) als Phasen in der Entwicklung englischer „high politics“im Massenzeitalter zum Ausdruck.Google Scholar
  71. 71.
    „Prag“als Wendepunkt: s. Gibbs, S. 647 f. Dazu gehört auch die — wie Grenville richtig feststellt — zunehmende „Isolationierung“Chamberlains im englischen Kabinett seit dem März 1939, s. Cowling, S. 301 f., 379.Google Scholar
  72. 72.
    „Moderates/Extremists“ist ein Topos der Appeasement-Forschung; s. bes. Wendt, München 1938; ders., Aspekte; s. ferner Herzfeld; Lundgreen; Robbins.Google Scholar
  73. 73.
    Air Staff Memo., Rearmament of Germany: Proposed terms of limitation, 16.1.1935, Cab. 21–417: Es ging von einem Maßstab aus, der Deutschland befriedigen könne (weil er sich an deutschen Plandaten orientierte), ohne England und Frankreich zu bedrohen. Die Formel, die besonders von Chamberlain in den Vorberatungen für die englisch-französische Sicherheitskonferenz (1.-3.2.1935) verfochten wurde, sollte verhindern helfen, daß England, von neuen Informationen über Fortschritte in der deutschen Aufrüstung überrascht, seine Programme und deren Finanzierung in kurzen Zeitabständen „anpassen“mußte. Es ging praktisch darum, die unbekannte Größe „deutsche rüstungsindustrielle Kapazitäten“zu neutralisieren.Google Scholar
  74. 74a.
    Baldwin, 28.11.1934, HofC; s. Kap. I; vgl. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 787 ff.; s. auch Simon-Diary, 28.11.1934. — Zur deutschen Aufrüstung s. Walter Bernhardt, Die deutsche Aufrüstung 1934—1939, Frankfurt a. M. 1969Google Scholar
  75. 74b.
    Gerhard Meinck, Hitler und die deutsche Aufrüstung 1933–1937, Wiesbaden 1959Google Scholar
  76. 74c.
    Jacques Benoist-Mechin, Auf dem Weg zur Macht 1925–1937, Oldenburg/Hamburg 1965Google Scholar
  77. 74d.
    Georges Castellan, Le réarmement clandestin du Reich 1930–1935, Paris 1954Google Scholar
  78. 74e.
    Dietmar Petzina, Autarkiepolitik im Dritten Reich, Stuttgart 1968CrossRefGoogle Scholar
  79. 74f.
    Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung-, B. A. Carroll, Design for Total War. Arms and Economics in the Third Reich, Den Haag, 1968Google Scholar
  80. 74g.
    A. Schweitzer, Die wirtschaftliche Wiederaufrüstung Deutschlands von 1934—36, in: Zs. f. ges. Staatswiss., Bd. CXIV (1958), S. 594–637Google Scholar
  81. 74h.
    William Carr, Arms, Autarky and Aggression, London 1972Google Scholar
  82. 74i.
    R. J. Overy, The German Pre-War Aircraft Production Plans, in: EcHR, Bd. 90 (1975), S. 778–797Google Scholar
  83. 74j.
    G. Thomas, Geschichte der deutschen Wehr- und Rüstungswirtschaft 1918–1943/45, Hrsg. von W. Birkenfeld, Boppard 1977Google Scholar
  84. 74k.
    Anja Bagel-Bohlan, Hitlers industrielle Kriegsvorbereitungen 1936–39, Koblenz/Bonn 1975Google Scholar
  85. 74l.
    ; D. Irving, Die Tragödie der deutschen Luftwaffe. Aus den Akten und Erinnerungen von Feldmarschall Milch, 1970Google Scholar
  86. 74m.
    K.-H. Köhler, Die deutsche Luftwaffe 1933–39, 1967.Google Scholar
  87. 75.
    Vgl. Anm. E/12, E 26 und Anm. IV/461; Simon, 14.3.1938, Cab. 23–92. — Inskip und Chamberlain äußerten wiederholt die Befürchtung, ein Rüstungswetdauf würde die englischen Finanzen eventuell noch vordem Eintreten des Ernstfalles ruinieren! Die einschlägigen Zeugnisse sind immer wieder zitiert worden: s. Meyers, Kap. 5.3; Shay, S. 160 ff.; unten, Kap. IV/6; s. bes. Sir R. Hopkins, Note on the Financial Position, CP 149 (39), Cab. 23–100, 15.7.1939. Das Problem wurde erstmals im Juli 1935 akut, als die „Experten“die These vertraten, daß England die strategisch „richtigen“Programme nur mit Hilfe einer Verteidigungsanleihe finanzieren könne; s. Gibbs, S. 179; Pownall-Diaries, S. 76 ff.; Shay, S. 39 ff.; Wrench, S. 321 f. „If this country is to equip itself adequately for its own security and to discourage aggression, we can see no alternative but for the Government to widen its horizon and to resort to some system of capital expenditure for this purpose.“Google Scholar
  88. 76.
    Zum Krisenbegriff s. oben, Einleitung; methodisch vorbildlich V. R. Berghahn, Der Tirpitz-Plan, Düsseldorf 1971. — Die Konfliktherde waren: Staatsinterventionismus/,,industrial self-government“-Ideologie; Rationierung von Arbeitskräften, Rohstoffen, Investitionen u. a. m. Die USA und England suchten die Konflikte durch das Board-(Beirat-)System aufzufangen. Dabei wurden in erster Linie Industrielle kooptiert, in Ausnahmen Gewerkschaftsführer.Google Scholar
  89. 77.
    Dieser Faktor kann hier nur an einem Beispiel eingeführt werden, s. unten, Kap. IV, Abschn. 5: „öffentliche Meinung“.Google Scholar
  90. 78.
    Die auf Handelskammeiberichte, Leserbriefe, Parteipublikationen sowie auf umfangreiche Interviews gestützten Untersuchungen gehen in die Darlegungen ein, ohne in dieser Studie unterbreitet zu werden.Google Scholar
  91. 79.
    „Vermeidungsgebote“meint in erster Linie die Rücksichtnahme auf die „non-interfe-ference“-Haltung der Industrie gegenüber „control“und der Gewerkschaften gegen „conscription“, Einengung der sog. Gewerkschaftspraktiken; „Zustimmung“bezieht sich auf das Bemühen, die Rüstungslasten „ausgewogen“zu verteilen.Google Scholar
  92. 80.
    D. C. Watt, Too Serious a Business, London 1975, hat in einer eindrucksvollen vergleichenden Untersuchung gezeigt, daß die „Militärs“— anders als vor 1914 — zur Zurückhaltung in der Außenpolitik plädierten. Einen ähnlichen Rollenwechsel machten die englischen Konservativen durch. Man konnte Appeasement als „conservative blend of pacifism“(Me Elwee, S. 228) bezeichnen; s. auch Anm. IV/82.Google Scholar
  93. 81.
    Die League of Nations Union exponierte sich mit der Aufforderung, auch jene Sanktionen zu verhängen, die das Überschreiten der Schwelle zum Krieg/militärischen Konflikt bedeuten konnten (Suezkanalsperre im Abessinien-Konflikt; Blockade gegen Japan 1923/33). Die Labour Party verlangte gleichfalls, daß England im Völkerbund die Führung übernehmen sollte — ihr außenpolitischer Sprecher Dalton forderte Kriegsrisikobereitschaft (Ende November 1935) —, doch sah die Partei den Ausweg im System der „pooled security“. Auf dieser Basis hielt sie auch noch 1935/36 Abrüstungsvereinbarungen zwischen den Mitgliedern des Völkerbundes für möglich; denn die Gesamtstärke Englands, Frankreichs, der UdSSR, Polens u. a. müßte ausreichen, um Aggressoren abzuschrecken und in Teilbereichen abzurüsten. Voraussetzung war die Organisation einer internationalen Streitmacht, d. h. in erster Linie einer internationalen Luftstreitmacht. Die englische Regierung wurde verdächtigt, so zu rüsten, als müsse England gegen die ganze Welt kämpfen. Da praktisch nur Deutschland als Herausforderer des Völkerbundes in Betracht käme, sei die Aufrüstung Englands unnötig — die englische Kriegsmarine sei stark genug, ebenso die kombinierte englische und französische Luftwaffe; Advisory Committee on International Questions, Memo. 441 A, Januar 1934, The Labour Party’s Policy and the Service Estimates; diese Einschätzung galt zumindest bis Ende 1936.Google Scholar
  94. 82.
    H. Nicolson, Why Britain is at War, 1939, S. 129; Percy, Some Memories, S. 188; A. W. Baldwin, My Father, S. 120, 127. — Als symptomatisch kann gelten, daß 1939 neben Ame-ry auch der Sprecher der Labour Party die Regierung zur Verteidigung der „nationalen Ehre“(Speak for Britain) aufrief, während die Konservative Partei schwieg bzw. N. Chamberlain zustimmte oder rechtfertigte. In den Wahlen 1935 stimmten die Konservativen ihre Wahlslogans darauf ab, daß ein Votum für Labour hieße, den Völkerbund zu zerstören und eine kriegsrisikobereite Regierung zu wählen: Pamphlet Nr. 3543, Is it Peace?, November 1935. Den Vorwurf, die Regierung betreibe die Aufrüstung für imperialistische Zwecke — wer Waffen herstelle, wolle sie auch einsetzen usw. —, erhob besonders die Socialist League unter St. Cripps. Gegen sie und gegen Lansburys Pazifismus mußte die Labour Party einen schwierigen Kampf um ihr politisches Profil führen.Google Scholar
  95. 83.
    Zu Lothian, Inskip, Runciman, Simon, Leith-Ross s. oben, Kap. III; vgl. Wendt, Aspekte; ders., in: Forndran, Innen- und Außenpolitik-, Niedhart, Britische Deutschlandpolitik, S. 27 f.; Meyers, Britische Sicherheitspolitik, Kap. 5. — In der Habil.-Schrift des Verf. ist dieses Thema für den Zeitraum 1917/22 ausführlich behandelt worden, s. Hinweise in: „Effizient …“, VZG, Bd. 25 (1977). — Das Etikett „innenpolitische Status quo-Strategie“ erscheint auch deshalb wenig angemessen, weil angesichts der quer durch die Parteien und Interessengruppen gehenden „inneren“ Auflehnung gegen die Wiederholung der Vorkriegsdiplomatie und gegen einen Krieg die Rüstungsfrage denkbar ungeeignet ist, als Kriterium für die Bestimmung der gesellschafts- und wirtschaftsordnungspolitischen Standorte zu dienen. Niemand wird ja behaupten wollen, die England von außen aufgedrängte Rüstungsfrage sei von Baldwin, Chamberlain und Simon oder ihren Beratern aufgegriffen worden, um einen Schiffbruch in der Sozial- und Wirtschaftspolitik zu kaschieren oder die politischen Bahnen der zwanziger Jahre zu verlassen. Eine ganz andere Frage ist es, ob man die Sozial-und Wirtschaftspolitik der zwanziger und dreißiger Jahre als Status quo-Politik bewertet.Google Scholar
  96. 84.
    Nahm man — mit Hankey, Simon, Swinton u. a. — an, daß Japan bzw. Deutschland ihre Energien „vergeuden“ würden, sobald sie sich in „Abenteuer” verwickelten (wie Japan 1937 in China), dann durfte man folgern, mit der Zeit auch den Frieden zu retten (für England!). „It was hoped that, if war could be postponed, some new development might occur postponing it still further and it was believed that Japan, by attacking in the Far East this year, while Germany was still unready in Europe, had weakened the German-Italian-Japanese bloc“, All Souls Meeting, 19.12.1937, Vormittag-Sitzung. Die Auffassung, daß „neue Entwicklungen“ eintreten und England immer noch einmal vor schwierigen Entscheidungen bewahrt werden könnte („hoping always for the best“), ist eine von Balfour an Hankey und andere „gelehrige Schüler“ vermittelte „Erbweisheit“ des konservativen Pragmatismus. Darum handelt es sich, wenn sie „wait for events and see how they shape“, „sit on the hedges and watch events“ usw. empfehlen. „Appeasement“ mit „Schwäche der Nerven“ (s. Anm. IV/23) gleichzusetzen, hieße solchen Zweckoptimismus unterschätzen.Google Scholar
  97. 85.
    Chamberlain meinte, die finanziellen Schwächen des Dritten Reiches würden Deutschlands Kriegsbereitschaft begrenzen und die Möglichkeiten eines „zivilen“ Umgangs mit Deutschland wiedereröffnen (s. Feiling, S. 301). Er übertrug die ihn bestimmenden Motive (Mac-leod, S. 47, 196, 208 u. a. O.) auf Deutschland. Eden deutete (Februar 1934) Hitlers,,Wunsch“ nach Friedenssicherung durch eine 10-Jahres-Rüstungskonvention gleichfalls damit, daß das Regime die wirtschaftlichen Schwierigkeiten ernst nehme; zu Vansittart s. Anm. IV/38; s. ferner oben, Kap. II (Hankey) und Anm. 1/205 (Simon). — Das klassische Zeugnis ist wohl die Rede eines „typischen“ Anhängers der konservativen Regierung: Ramsbotham, 24.1.1939, Munich and After, Chatham House, in: Baldwin-MSS., Bd. 124, S. 165—187, bes. S. 180 f. Die Kalkulation zielt offensichtlich darauf ab, das deutsche Volk anzusprechen, d. h. die vom englischen Volk empfundene Einstellung, Rüstungsexpansion sei „madness“, dem deutschen Volk zu suggerieren und anzunehmen, die Hitler-Regierung könne sich derartigen Stimmungen nicht entziehen; vgl. Hoare, 9.3.1934, Cab. 23–78, S. 286; ferner Cadogan, 1938, s. Lammers, Whitehall, in: HJ, XVI/4 (1973), S. 848.Google Scholar
  98. 86.
    Eine Untersuchung über folgende Fragen scheint bislang noch zu fehlen: 1. Sympathisierte die „Rechte“ auch nach dem Sieg der Volksfront mit Frankreich als außenpolitischem Schicksalspartner? (Viele pro-französische Kräfte, die z. B. Frankreich in der Ruhrkrise 1922/23 Beifall gespendet hatten, waren Antibolschewisten). Das ließ sich vor 1932, aber nicht 1936 vereinbaren. 2. Wie stark war die „pro-deutsche“ Rechte vor und nach 1936 im Vergleich zur pro-französischen Rechten? 3. Ließ das u. a. von Hankey artikulierte Mißtrauen, eine Regierung der „nationalen Konzentration“ würde ggf. die Ruhrpolitik wiederholen, überhaupt die Mitte-Rechts-Regierungen in Frankreich als „Idealpartner“ in Betracht kommen? 4. Welche französische Regierung konnte es England bzw. den Rechtskräften in England überhaupt „recht machen“? 87 Die These, Baldwin hätte die Gefahr einer Spaltung der Nation entlang ideologischer, von außen beeinflußter Konfrontationslinien als stärkste Bedrohung empfunden, legt Northed-ge, Troubled Giant, S. 385 f., dar. Simon rechtfertigte die im Alleingang — ohne Absprache mit Frankreich und Italien — beschlossene Antwort auf die deutsche Aktion vom 16.3. 1935 damit, daß die öffentliche Meinung erwarte, daß die angekündigte Berlin-Reise von Simon/Eden stattfinde. Die Reaktion auf das Defence White Paper habe gezeigt, daß man (Labour, Liberale, LNU, zum Teil auch Linkskonservative; Presse) der englischen Regierung die Schuld an Hitlers „diplomatic cold“ gab. Falls England mit der Stellungnahme gezögert, d. h. die Bekanntgabe des Berlin-Besuchs bis nach der Ausarbeitung einer „alliierten Protestnote“ hinausgeschoben hätte, „British opinion would have gone against France.“ Im allgemeinen Interesse hätte die Regierung eine „British policy“ beschließen und ausführen müssen (Simon-Diary, 21.3.1935). Die außenpolitische „Aufklärungsarbeit“ der Regierung und des Central Office der Konservativen Partei kreiste um die Widerlegung des Vorwurfs der Labour Party, seit 1931 treibe die Entwicklung einer Katastrophe zu (Hints for Speakers, 25.6.1936 „Socialists and Defence“). A. Henderson, bis 1934 Vorsitzender der Abrüstungskonferenz und führender Kopf Labour’s, bereitete mit dieser Doppelrolle der Regierung Probleme. Es war Henderson, der 1933 („Labour’s Foreign Policy“, Juli 1933, S. 8 ff. „The Set-back since 1931“) die Stichworte lieferte und den Thesen das Gewicht eines als gemäßigt geltenden Oppositionspolitikers gab. Die Kabinettsdebatten über Hendersons eventuellen Rücktritt als Vorsitzender der Abrüstungskonferenz akzentuierten den Zusammenhang von internationalen und „domestic aspects“ und erklären das Festhalten der Regierung 1933/34 an Abrüstungsbemühungen; 15.11.1933, Cab. 23–77, S. 220–226. — Die Labour Party, die 1929/31 ihre Bemühungen forciert hatte, um die Abrüstungskonferenz zum Erfolg zu führen, suchte nach der Rückkehr in die Opposition ihre Politik dadurch zu ergänzen, daß sie dem französischen Standpunkt in der Sicherheitsfrage entgegenkam. Die Labour Party stellte ihre politische Werbearbeit darauf ab, daß sie stets und vorbehaltslos das Genfer Protokoll unterstützt habe und dieses gegenüber dem Locarno-Regionalpakt bevorzuge. Andererseits setzte sie ihre Kritik an der Status-quo-Politik Frankreichs fort. Ihr Eintreten für „kollektive Sicherheit“ wirkte auch als Spitze gegen „Locarno“ und artikulierte aus anderer Sicht das Unbehagen über „Locarno commitments“. Hankey und die Militärs im CID-System registrierten, daß Labour in Nachwahlen mit der Parole agitierte, die Konservativen wollten keine Sozialpolitik und gäben das Geld lieber für Rüstungen aus: Hodsoll an Hankey, 3.12.1934, Cab. 21–398. Das Central Office registrierte im Wahlkampf 1935 als Labour-Parolen u. a. Votum für sozialistische Pläne („plans“) oder für konservativ-imperialistische „planes“(Flugzeuge).Google Scholar
  99. 88.
    Simon, 23.12.1933, Baldwin-MSS., Bd. 121, S. 132. — Das Zeugnis ist vor dem Hintergrund einer Kritik von links zu sehen, wie sie etwa Attlee in der Debatte über das 1. Defence White Paper (1935) atikulierte — HofC, Ser. V, Bd. 299, Sp. 46: „This policy of the old men, this moving backwards to an anarchic world brought us to the war of 1914/18, and will bring us to a far more terrible war unless the policy is entirely changed.“Zur Denkfigur „verlorene Generation“als Motiv der Appeasementpolitik s. Jones, Diary with Letters, S. 175 f.; Gilbert, Roots; Barnett, Collapse of Power. — Zum Zusammenhang Friedenspolitik nach innen und nach außen s. Anm. E/26.Google Scholar
  100. 89.
    Die Labour Party kritisierte schon vor dem Hoare/Laval-Pakt den Verrat des Völkerbundes durch die konservative Regierung. Im Ministerial Committee on Disarmament, das 1934 auch die ersten Rüstungsmaßnahmen beriet, gehörten Anspielungen auf die Kritik der Opposition zum Repertoire der Diskussionsbeiträge. Labour Party, 1934, Programme of Action, For Socialism and Peace; Labour and the Defence of Peace, 5.5.1936; International Policy and Defence, 1937. Die englische Regierung schlug gegenüber den Dominions eine ähnliche Linie ein wie in der Abwehr der Vorwürfe seitens der Labour Party, Liberalen und LNU. Sie betonte ihre fortgesetzten Bemühungen um Verhandlungslösungen, ihr Eintreten zugunsten von Erleichterungen an die Ex-Feindstaaten („make things easier“) ebenso wie die Gründe für die — limitierte — Aufrüstung (weil auch andere Mächte, nicht nur Deutschland, rüsteten): Hankey an MacDonald, 14.1.1935, Cab. 21–422 A.Google Scholar
  101. 90.
    Siehe Lothian-Zitat in Anm. E/26; vgl. Next Five Years’ Group, Programme of Priorities, International Relations, 5:,,In the event of the British Government agreeing to take the initiative outlined above [„peaceful revision“, Weltwirtschaftskonferenz usw.] no opposition need to be offered to the policy of the Government during this transitional period.“Eine ähnlich lautende Resolution verabschiedete der Council of Action for Peace and Reconstruction am 9. März 1936. Auf die von diesen Sammlungsbewegungen artikulierten Stimmungen beziehen sich Jones und andere Ratgeber Baldwins sowie Eden, s. Anm. IV/ 288 f. Die konkrete Folgerung daraus war, daß die englische Regierung sich bemühte, deutsch-englische „Pressekriege“(Februar 1936) abzuwiegeln und die öffentliche Meinung am Vorabend der Rüstungsvorlagen (Budgetberatungen im März) mit Versicherungen der Verständigungsbereitschaft zu beschwichtigen; FO-interne Sitzung unter Leitung Edens, 14.2.1936, C 998/4/18, 15.2.1936, FO 371–19 885, S. 236; Eden, 5.2.1936, Cab. 23–83, S. 58; Nicolson-Diary, 13.2.1936, S. 236.Google Scholar
  102. 91.
    Baldwin befürchtete, steuerliche Belastungen für Rüstungszwecke könnten die Chancen der Regierung trüben, wiedergewählt zu werden. Die Nachfolger würden kein Interesse an den für die Streitkräfte relevanten Fragen nehmen, mit anderen Worten: Er sah die Konservativen in der Regierung als Bollwerk gegen einen Rückfall in die 13–14jährige Phase der einseitig gutgläubigen Abrüstung; s. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 745 ff., 969 ff.; Gibbs, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 246; Howard, S. 79; Baldwin, 12.11. 1936, HofC, Bd. 317, Sp. 1133 ff.; Baldwin gegenüber Defence Deputation, 29.7.1936, Cab. 21–438. — Zur Rüstungsfinanzierung s. unten, Kap. IV, Abschn. 6.Google Scholar
  103. 92.
    Hankey, Disarmament and Rearmament, Cab. 21–434, S. 13 (betr. Beratungsstadien über den Report des Hankey DR-Committee); Ministerial Committee on Disarmament, D. C. M. (32), 55. Sitzung. — Hier ist daran zu erinnern, daß die Labour Party meinte (Attlee, Cole), sie hätte die Wahlen 1934/35 gewinnen können, wenn Baldwin nicht mit dem Völkerbundsslogan auch Labour die Siegesfahne geraubt hätte. Zur Frage der Wahlchancen s. die Tzmes-Umfrage — im Anschluß an Baldwins Erklärung über den,,Rhein als englische Grenze“und die RAF-Expansion: Times, History of the Times, IV, S. 888 f. (die Konservativen hätten im Norden, Nordwesten und in Mittelengland und in Schottland ca. 140–150 Mandate verloren). Nach den Berechnungen von Butler, The Electoral System in Great Britain, S. 185, 173, bestand — aufgrund der Nachwahlergebnisse 1935 — ein Vorsprung von 4% der Konservativen gegenüber Labour. — Rundfragen der LNU im Wahlkampf ergaben, daß außer den Kandidaten der Labour Party und der Liberalen auch ca. 80 der gewählten konservativen MP die Aufrüstung nicht für die vordringliche Aufgabe hielten. Den Mitgliedern der Defence Deputation konnte Baldwin im Juli 1936 zu Recht vorhalten, sie verträten sichere Wahlkreise, während er als Parteiführer darauf achten müsse, „marginal seats“in den Industrieregionen zu behaupten; s. Cab. 21–438, 29.7.1936; vgl. A. W. Baldwin, S. 172, 193; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 745 ff., 969 ff.; McElwee, S. 232. - Die Frage ist seit Churchills Anklage, Baldwin habe die Interessen der Partei vor die des „Vaterlandes” gestellt, oft behandelt worden; s. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 967 ff.; Naylor, S. 63 ff.; Bassett, Telling the Truth; Stannage, East Fulham By-Election-, Dunbabin, British Rearmament.Google Scholar
  104. 93.
    Baldwin, 28.11.1934 (HofC); Simon-Diary, 28.11.1934; Wendt, Blockierter Dialog, in: MGM, 17 (1975); Lüthi, Das britische Parlament, S. 189 ff.Google Scholar
  105. 94.
    Simon (Diary, 28.11.1934) rechnete es sich als Verdienst an, den Zusammenhang von Arbeitsbeschaffung und Aufrüstung in Deutschland erkannt und ebenso in die Regierungserklärung eingearbeitet zu haben wie die „Feststellung“, daß die einseitige Abrüstung Englands Position in den Genfer Verhandlungen über die Abrüstungsfrage nur geschwächt habe. Über den Zusammenhang von deutscher Aufrüstung und Arbeitsbeschaffung, die strategische Funktion des Autobahnbaus, die Technik der Mefo-Wechsel und andere Punkte lieferte Pinsent beachtliche Analysen. Vansittart hatte der Frage sein Augenmerk gewidmet und erkannt, daß eine Forcierung der Ausgaben für Arbeitsbeschaffungsprogramme andere als lediglich „deficit-spending“-Funktionen haben müsse.Google Scholar
  106. 95.
    Natürlich gibt es auf Regierungsseite Erklärungen in der Richtung, daß Staats- und Rüstungsaufträge, besonders im Schiffsbau an die „derelict areas“, der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit dienten; zu Baldwin s. Anm. IV/38; Gewerkschaftsvertreter, Unternehmer und lokale MP schickten entsprechende Resolutionen und Deputationen nach London. Dabei kam es auch zu Rivalitäten zwischen den Vertretern der einzelnen Regionen, die darauf hinwirken wollten, daß Clydeside nicht mehr Schiffsbauaufträge als Tyneside erhielt (s. Times, 29.4.1936, S. 14, „Northern Group of Government Supporters“). — Hankey (Pow-nall-Diary, S. 50, 30.7.1934), Runciman u. a. brachten Rüstung und Arbeitsbeschaffung in einen Zusammenhang, ohne daß jedoch die Regierung daraus eine Kampagne oder eine Politik machte. Die Aufträge der Admiralität blieben ebenso die Ausnahme wie Experimente des Air Ministry, in Zentren der Arbeitslosigkeit — und entfernt von London/Midlands — Flugzeugfabriken anzulegen. Siehe auch Anm.IV/435.Google Scholar
  107. 96.
    Hankey-Aufzeichnung, Disarmament and Rearmament, S. 9, Cab. 21–434; D. C. M. (32), 51. Sitzung.Google Scholar
  108. 97.
    Siehe besonders Vansittarts Korrekturen an Hankeys erstem Entwurf des Statement Relating to Defence, 3.1.1935, Cab. 21–407, bes. zu §§ 26–28, §§ 15 ff. — Die „Fronten“verlaufen nicht ganz klar. Beispielsweise verlangte N. Chamberlain genau so energisch wie Eden eine Aufrüstung, um gegen Gerüchte ankämpfen zu können, England werde wegen seiner Rüstungsdefizite jedem Druck weichen müssen (Chamberlain an Simon, 23.9.1936, Simon-MSS.). Daher verlangte er im Wahlkampf 1935 ein Mandat für („limited“) Aufrüstung. Auf der anderen Seite setzte er sich dafür ein, daß die Regierung erklärte, die Aufrüstung werde nicht zu Lasten der „civil and export production“und des Sozialhaushalts gehen; s. Anm. IV/219.Google Scholar
  109. 98.
    Symptome sind: „no more war“-Stimmung; Zurücknahme der Sparmaßnahmen in den Etats 1934/35; die Erwartung, die „cuts“würden als erstes beseitigt, sobald die Haushaltslage dies gestatte; Peace Ballot-Kampagne der LNU. Hier ist besonders bedeutsam, daß die Regierung den Terminus „Expeditionary Force“fallen ließ, weil er an den Ersten Weltkrieg erinnerte und in regierungsinternen und öffentlichen Dokumenten von „Field Force“sprach, um den schlechten „moral effect“des alten Terminus zu verdrängen: 22.11.1934, CID, 266. Sitzung, Cab. 2–6/1; s. Dennis, S. 47. Daß diese Punkte und das Desinteresse an Europafragen jede Aufrüstungspropaganda erschweren müsse, betonen „Notes“für die Beratungsgremien, s. zum Beispiel 19.11.1934, Cab. 21–407. — Noch im März 1934 unternahmen Steel-Maitland und andere in Universitätswahlkreisen gewählte konservative MP einen Versuch, im Central Council der National Union of Conservative and National Associations den Antrag durchzubringen, die Regierung solle sich jeglicher Aufrüstung enthalten, die den Abschluß der Genfer Abrüstungskonvention gefährden könnte. Lord Stanhope, Simons parlamentarischer Staatssekretär, überredete die Antragsteller, ihre „Motion“nicht zur Abstimmung zu stellen; s. Council Minutes, 28.3.1934; vgl. Anm. IV/127. Inskip hielt der Defence Deputation - 29.7.1936, Cab. 21–438 - vor, daß sie alle im Drei-Parteien-Treffen 1931 für Abrüstung eingetreten seien und auch späterhin, soweit sie Wahlkreispflichten zu erfüllen hätten, vom englischen Beispiel in der Abrüstungspolitik gesprochen hätten.Google Scholar
  110. 99.
    Siehe besonders den Briefwechsel zwischen Hankey und W. Fisher über die Vorbereitung des Defence White Paper, 1935, Cab. 21—407. — Sie kontrastierten die englischen Bemühungen um Friedenssicherung — als englisches Hauptinteresse (durch Abrüstung, „Locarno“, Appeasement) — mit der gewandelten Lage, in der Friede ohne Aufrüstung Englands eine unsichere Angelegenheit sein würde. Gegen den Machttrieb anderer Staaten würde die „international machinery“(Völkerbund) allein nicht helfen. Hankey prägte die Formel: „peace policy“sei die erste,,.rearmament“die zweite Linie der britischen Verteidigungspolitik! — Das Central Office gab den Parteiarbeitern als Handreichung („Hints for Speakers“) Materialien über „Trade and Industrial Progress“(30.1.1936, 11.6.1936) zur Hand. In den Wahlmanifesten (Nr. 3508, Oktober 1935) heißt es u. a.: „Under National Government we are enjoying a trade revival which has made us the envy of the world-But we need Peace and Security to maintain it…Our social services are better…But we need Peace and Security to preserve it…“100 Hankeys Zusammenstellung der Beratungsphasen über den DRC-Report C. P. 64 (34) verzeichnet den Diskussionspunkt wie folgt: „The British public and the restoration of economy cuts. In providing defence plans, would the Government be construed as preparing for war?“D. C. M. (32), 55. Sitzung, Disarmament and Rearmament, S. 13, Cab. 21– 434; s. ferner W. Fisher/N. Chamberlain-Note, 19.11.1934, Cab. 21–407: Sie betonten die Notwendigkeit, einer fehlinformierten öffentlichen Meinung die „deficiencies“bekannt zu machen und die Oppositionsführer aufzuklären, um zu verhindern, daß die Probleme für Wahlkampfzwecke ausgeschlachtet würden. Hankey, Fisher, Vansittart und Chamberlain sahen die Hauptaufgabe darin, das „falsche“Sicherheitsgefühl, das von der LNU geschürt werde („give a lead“-Kampagne/Peace Ballot-Kampagne) in ein „fundiertes Sicherheitsgefühl“zu verwandeln. Die Konflikte über Steuererhöhungen, die Chamberlain 1936 einbrachte — u. a. 2 d auf 1 Pfund Tee, Erhöhung der Einkommensteuer um 3 d auf 4 s 9 d pro £ —, veranschaulichen Aspekte der Verteilungsproblematik; B. E. V. Sabine, British Budget, 1932–1945, London 1970, Kap. IV: „The Price of Defence“, S. 80, S. 82 ff. 1938 wurden einerseits die Erbschaftssteuern andererseits die Verbrauchssteuern (Tabak, Zucker, Autos) erhöht, ohne weitere Erhöhung der Einkommensteuer (s. Sabine, S. 123 ff.). Die Niederlage, die Chamberlain in der Frage der National Defence Contribution durch den Widerstand der City und der Industrie hinnehmen mußte, verschärfte gleichfalls die Fronten zwischen Regierungsparteien und Opposition (Labour); s. Shay, S. 147 ff.; Meyers, S. 410 ff. Ein weiterer Konfliktpunkt ist die auf Drängen der Opposition berufene Royal Commission on Private Manufacture of Arms, die parallel zum Nye-Committee in den USA arbeitete. Sie wurde von der „merchants of death“-Agitation und von Forderungen, die Rüstungsindustrien zu verstaatlichen (Programmpunkt der Labour Party 1934) begleitet; s. Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 165, 264 ff.; zur Haltung der Labour Party s. Naylor; Davis; Brand. Die Regierung entschied sich 1934 für den Vorrang der „restoration of cuts“, d. h. für den Primat der Vermeidung innerer Risiken, zuungunsten der,Aufrüstung’; s. hierzu ausführlich G. Pe-den, Sir Warren Fisher and British Rearmament against Germany, in: EHR, Bd. 94 (1979). N. Chamberlain notierte noch im April 1937, daß die Labour Party fordere, für jedes £, das zu Rüstungszwecken ausgegeben werde, müsse 1 £ „in improving the conditions of the people“angesetzt werden, N. Chamberlain an Hilda, 25.4.1937, NC 18/1/1003. Bezeichnend ist auch N. Chamberlains Notiz — an Ida, 7.3.1937, NC 18/1/997 -: „If only it was not for Germany we would be having such a wonderful time just now.“Zur (beabsichtigten) beschwichtigenden Funktion der National Defence Contribution-Vorlage des Schatzkanzlers s. Anm. IV/141.Google Scholar
  111. 101.
    Hankey an Fisher, 10.1.1935, Cab. 21–407: „In my draft I have begun by pitching it rather high about our peace policy, which I describe as our first line of defence … I am nervous lest we should irretrievably damage the prospects of the National Government by going too fast on this question [Rearmament]“— Hankeys Entwurf wurde von Baldwin und MacDonald positiv aufgenommen: Hodsoll an W. Fisher, 30.1.1935, Cab. 21–407. Zur These s. Gibbs, S. 261 ff.; Marquand, S. 760; D. C. M. (32), 24.6.1934. — Die Expertenberichte betonten stets, daß England nach Kriegsausbruch Truppen auf den Kontinent werde entsenden müssen, um den „Alliierten“wirksam zu helfen. Das Kabinett willigte in die Schaffung einer kleinen mobilen Streitmacht ein, enthielt dieser aber die Reserven vor, ebenso die zur Einsatzfähigkeit notwendigen Waffen (Panzer). Die unzureichende Mittelzuweisung zwang das WO, seinerseits Prioritäten in der Auftragsvergabe zu setzen, ohne damit aber Kontinuität in der Beschaffungspolitik erreichen zu können.Google Scholar
  112. 102.
    Der Konfliktstoff ist genau markiert in den Pownall-Diaries, 22.7.1935, S. 76: „But its [Interim Report] contents will be hair-raising to Ministers — in fact it suggests we should be ready for war by 1 January 1939 instead of 1942 and say that we can’t do it out of income — obviously — and must proceed to a loan. With the election coming on next winter they’ll hate this talk.“Zur mangelnden „manufacturing capacity“, s. unten Abschn. 6.Google Scholar
  113. 103.
    Vgl. Gibbs, S. 628; Dilks, Unnecessary War, in: Preston (Hrsg.), General Staffs, S. 118–121. Zum Disput WO/FO s. oben, Kap. II; zu den Disputen FO — Stabschefs/Chamberlain 1937/38, s. Middlemas, S. 117 ff.; Dennis, S. 116 ff.; Howard, S. 94 ff., 116 ff. — Die von Chamberlain, Weir und Inskip hervorgehobenen Gesichtspunkte — „finance…fourth arm of defence“— kamen den „politischen“Auffassungen der Stabschefs entgegen; auf der anderen Seite schoben sie den Rüstungsplänen der Services einen Riegel vor.Google Scholar
  114. 104.
    Zum Doppelcharakter der Risikoformel s. Anm. E/34; Anm. IV/7.Google Scholar
  115. 105.
    Vgl. Anm. I V/507. — Inskip, 11.11.1936, HofC; Shay, S. 130 ff.; Gibbs, S. 301 ff.; Meyers, Kap. 5.3.; Simon-Diary, 24.3.1938; Wendt, in: Forndran, S. 16 ff.; Postan, S. 16 ff. Zum Stellenwert des Besuchs von Milch und zu den Umständen, unter denen die „business as usual“-Devise aufgehoben wurde, s. Gibbs, S. 303 ff.; Gibbs, in: Forstmeier/Volkmann, S. 258; Middlemas, S. 215 ff., 93 f; Dennis, S. 116 ff.Google Scholar
  116. 106.
    Vgl. Gibbs, S. 180, 255, XXIII; Hancock/Gowing, S. 62 f., 68, 70; Howson, S. 120; Shay, S. 55 f.; 24.7.1935, DRC 25, Cab. 16–112; Pownall-Diaries, I, S. 70 ff., 76 ff. Auf die Richtlinie gestützt, begannen die Vorbereitungen für das 1936 verabschiedete Ideal Scheme; s. im einzelnen Gibbs, S. 255. Chamberlain, der die Aufrüstungsfrage als Wahlkampfschlager nutzen und rrit Rüstungsaufträgen die Schwachstelle der Regierung (Arbeitslosigkeit) verdecken wollte — s. Anm. IV/435 —, dachte an ein Ausgabenvolumen von zusätzlich £ 120 000 000 für ein 4–5-Jahres-Programm; Chamberlain-Diary, NC 2–23A, 2.8.1935.Google Scholar
  117. 107.
    Cowling, The Impact of Hitler, S. 220 ff. — Der kritische Punkt im zu erwartenden Katalog der Gegenforderungen war „conscription of wealth“, s. die Sitzung des International Subcommittee of the National Executive, 3.3.1936 (Diskussion über einen Fragebogen zur Haltung der Partei in der Defence Estimates Debate). Zum Forderungskatalog der Labour Party und des Trades Union Congress gehörten ferner: Abschaffung des „Means Test“; Zurücknahme des Trade Union Law von 1927; proportional stärkere Besteuerung der Vermögenden; Verstaatlichung der Schlüsselsektoren der Wirtschaft (Bank von England, Schwerindustrie). — Die Frage, ob man Facharbeiter („skilled labour“) „rationieren“und zu „fliegenden Verbänden“zusammenfassen solle (ca. 120 000 Facharbeiter fehlten), um das Rüstungsprogramm (DRC, Third Report vom 21.11.1935, C. P. 26 (36), Cab. 24–259) durchführen zu können, wurde 1936 ausgiebig diskutiert; C. P. 57 (36); Cab. 10 (36); Brown, Defence Programme: Labour Issues involved, 26.3.1936, C. P. 96 (36), Cab. 24–261; Cab. 25 (36) 1, Cab. 23–83; s. im einzelnen Committee on Manpower, Cab. 21–433. — Zur Auseinandersetzung zwischen dem Ministry of Labour (Brown) und Cooper/WO s. Dennis, S. 77 ff.; zu den Forderungen S win tons Anfang 1937 s. Barnes/Middlemas, S. 1025 ff. Im Frühjahr 1939 verhandelte Chamberlain mit dem TUC über die Mitwirkung der Gewerkschaften bei der Beschleunigung der Aufrüstung, besonders zur Ausstattung der,,plötzlich“beschlossenen Kontinentalstreitmacht und über die Rekrutierungsfrage; s. Dennis, Kap. 11.Google Scholar
  118. 108.
    Baldwin, 1.4.1936, HofC, Bd. 310, Sp. 1992, im Anschluß an die Kabinettsdebatte über das in Anm. 107 genannte Brown-Memo. Auch das Statement Relating to Defence, § 49, S. 16, enthielt die Zusage, Industrie und Gewerkschaften auf dem Weg der „willing cooperation“für das Aufrüstungsprogramm einzuspannen. Arbeitsminister Brown betonte, daß der gute Wille der Gewerkschaften die Voraussetzung für die erfolgreiche Durchführung des Ideal Scheme sei. Jede Andeutung von „industrial or military conscription“würde die Rüstungsindustrie in ein Chaos stürzen. Die Gewerkschaften verwahrten sich in Resolutionen gegen jegliche Einengung ihrer Rechte und „practises“, s. Dennis, S. 107. Im einzelnen s. Dennis, S. 71 ff.; Shay, S. 272 f.; Gibbs, S. 310 ff.Google Scholar
  119. 109.
    Absichtserklärungen: Statement Relating to Defence, Cmd. 5107, 1936, bes. §§ 59, 61; § 57 enthält einen Hinweis auf entsprechende Vereinbarungen mit der FBI. Zum Problem der Profitmaximierung (,,profiteering“) der Rüstungsindustrie s. Shay, S. 272 ff.; unten, Kap. IV/6. Im Unterschied zu Shay, der den,Erfolgsfall’ der Society of British Aircraft Constructors verallgemeinert, hat der Verf. den Eindruck gewonnen, daß die Rüstungsbetriebe, die sich einem Auftraggeber — dem Staat — gegenübersahen, die Entwicklung ihrer Branche auch vom ‚Staat‘bestimmt glaubten. Gerade N. Chamberlain scheint den Eindruck angestrebt zu haben, als wolle die Regierung mit der Branche Rüstungsindustrie’ wie mit einer ‚verstaadichten Industrie‘verfahren, ohne aber dem ‚Staat‘die Verantwortung für die sozial- und gesellschaftspolitischen Folgeprobleme aufzubürden. Sowohl die,,stop and go“-Tendenz, die dem Junktim von Appeasement/Detente und (limitierter) flexibler Aufrüstung (vor 1938) innewohnte, als auch die Drohung, im Verweigerungsfall drohe der Industrie ein „Labour“-Regime (s. unten Abschnitt 6), verunsicherten die Industrie; in Kreisen der Federation of British Industries argwöhnte man, daß die Regierung mit der ‚Industrie‘so verfahren wolle, als ob sie verstaatlicht sei — falls die Regierung von der Möglichkeit Gebrauch machen wolle. Die limitierte Aufrüstung zeigt freilich an, daß die Regierung die ‚Industrie‘nicht herausfordern wollte. Im Unterschied zu Shay muß man ferner genauer berücksichtigen, welchen Pressionen das Kabinett ausgesetzt war. Grigg, Hörne und andere Mitglieder der Defence Deputation verlangten, daß den Industrien im Rationalen Interesse’ durch hohe Profitraten das Risiko abgenommen werde, das die Erweiterung der Kapazitäten für Rüstungszwecke bedeuten konnte (Protokoll des Treffens mit dem Premierminister, 28729.7.1936, Cab. 21—438). Darauf drängten auch die Service Departments, von denen erwartet wurde, daß sie Erfolgsbilanzen in der Aufrüstung vorwiesen. Das Schatzamt suchte hier zu bremsen — unter Hinweis auf die,,labour“-Probleme im Sinne der Risikoformel! Vor allem setzte sie in den Kontraktverhandlungen in der Regel durch, daß Anschlußaufträge, die sich in die folgenden Rechnungsjahre erstrecken würden, möglichst vermieden würden (s. Postan, War Production, S. 43 ff.). Zum Problem „profiteering“— d.h. den Absichten des Schatzamtes, der Intentionen der Verteidigungsministerien, den Strategien und Taktiken der „Monopol“-anbieter s. die nach Abschluß des Manuskriptes erschienenen Studien von G. C. Peden, British Rearmament and the Treatsury, 1932–1939, Edinburgh 1979; Keith Middlemas, Politics in Industrial Society. The Experience of the British System since 1911, London 1979.Google Scholar
  120. 110.
    T 172–1856, 13.5.1937. Chamberlains Ausführungen gegenüber einer Vertretung von Industrieorganisationen sind eine „klassische“Darlegung der „Inflationsspirale“; s. die Paraphrase in Shay, S. 148 f.; vgl. Chamberlain, 25.4.1937, in: Feiling, N. Chamberlain, S. 292 u. a. O.; vgl. auch Anm. IV/100, 139, 141 u. 149.Google Scholar
  121. 111.
    Inskip, 30.10.1936, C. P. 297 (36), Cab. 24–265. Die Argumentation hatte die Debatten im Ersten Weltkrieg bereits beeinflußt, setzte sich aber erst nach dem Waffenstillstand allmählich durch.Google Scholar
  122. 112.
    Siehe allgemein Beer, S. 297; ausführlicher die H ab il.-Schrift des Verf.Google Scholar
  123. 113.
    Zu Verhandlungen mit einer Delegation der FBI s. unten, Abschn. 6. Baldwin führte vor dem Wahlkampf 1935 (13.9.35) ein Gespräch mit Citrine; Baldwin gegenüber Defence Deputation, 29.7.1936, Cab. 21–438; Citrine, Men of Work, S. 352 ff.; Barnes/Middlemas, S. 858; A. W. Baldwin, S. 344 f. Baldwin wies die Befürworter eines Allparteientreffens auf die Schwierigkeiten hin, die die Gewerkschaftsführung mit kommunistischen Einflüssen habe; Citrine habe diesen Punkt erwähnt; zwar sei auch Hicks, der Präsident des TUC, für eine Aufrüstungskampagne, doch stehe die Labour Party der Regierungspolitik kritisch ablehnend gegenüber. Citrine habe ihm — Baldwin — dennoch geraten, „to take your courage in both hands and go to the country with it [Aufrüstungsprogramm]“. Verhandlungen mit den Gewerkschaften erfolgten im März 1938, anläßlich der Abkehr vom „business as usual“-Standpunkt; s. Middlemas, S. 216 ff.; Shay, S. 207 ff.Google Scholar
  124. 114.
    Bevin sah in Baldwins Einladung (an Citrine, s. Anm. IV/113), in Rüstungsfragen zu kooperieren, ein Manöver, Labour Party und Gewerkschaften zu spalten; den Verdacht begründete er mit dem Wahlcoup 1935. Er unterstellte der Regierung die Absicht, die Kluft in der Arbeiterbewegung, die sich auf dem Gewerkschaftskongreß im September angedeutet und auf dem Labour Parteitag im Oktober 1935 mit dem ins Persönliche gehenden offenen Konflikt zwischen Bevin/Citrine und Lansbury als Parteiführer gezeigt hatte, zur Spaltung zu treiben. Bevin lehnte es ab, etwas hinter Attlees Rücken zu unternehmen. Die von Be-vin maßgeblich beeinflußte Antwort des TUC auf die von Baldwin über Citrine erbetene Stellungnahme lautete, daß die Regierung den formal korrekten Weg gehen und sich an den Fraktionsvorstand der Labour Party wenden solle; s. A. W. Baldwin, S. 344 f.; Citrine, S. 352 ff. Zur „inneren“Situation der Labour Party und zum Verhältnis TUC/Labour Party in dieser kritischen Phase s. Naylor, S. 150 ff.; Brand, S. 198 ff.; S. Davis arbeitet besonders die Abwehrmanöver der Gewerkschaftsführung gegen „Volksfront“-Pläne und kommunistische Unterwanderungsversuche heraus; er sieht die Gewerkschaftsführung operieren zwischen „Bolschewismus“(organisationsintern) und „Faschismus“(außenpolitisch). In der Regierung setzten sich nicht die Kräfte durch, die eine Kontaktaufnahme mit der Opposition befürworteten. Man hielt es für wenig zweckmäßig, mit Lansbury zu verhandeln. Allein mit der Gewerkschaftsführung zu verhandeln, kam weder für die Regierung noch für die Gewerkschaftsführung in Betracht, außer in Detailfragen. Gespräche mit den Exponenten einer englischen Aufrüstungspolitik in der Labour Party — vor allem Dalton — galten als inopportun: 1. solange Dalton keine Mehrheit in den Parteigremien gefunden hatte; 2. weil Dalton als „Deutschlandhasser“(ähnlich Vansittart) galt; 3. weil Dalton zu den heftigsten Kritikern Baldwins, MacDonalds, Chamberlains und Simons gehörte. Auf Seiten der Industrie stellte sich ein anderes Problem-. Die FBI wünschte als Sprecher der Industrie anerkannt zu werden. Die Regierung und die Departments zogen Konsultationen mit den Industrieverbänden einzelner Branchen vor-, s. unten, Kap. IV/5 u. 6.Google Scholar
  125. 115.
    4.12.1935, Cab. 51 (35) 3, Cab. 23–82, S. 363 ff.Google Scholar
  126. 116.
    Die Untersuchungen der Nye-Kommission in den USA sind Bestandteil der Geschichte der Neutralitätsgesetzgebung; die Befragungen der Royal Commission erfüllten eher die von Regierungsseite erhoffte Ventilfunktion.Google Scholar
  127. 117.
    D. C. Lukowitz, British Pacifists and Appeasement: The Peace Pledge Union, in: JCH, IX (1974/1), S. 115–127; D. S. Birn, The League of Nations Union and Collective Security, in: JCH, IX (1974/3), S. 131–159; A. J. P. Taylor, The Trouble-Makers, London 1957; Cecil, A Great Experiment, London 1941; K. Ingram, 50 Years of National Peace Council, 1958; M. Gilbert, (Hrsg. Plough my own Furrow, London 1965. Die wichtigsten Organisationen sind: British Legion (Ex-Servicemen, die in der Regel gegen Frankreich und für Deutschland agitierten und Wahlkämpfe beeinflußten); Peace Pledge Union (Canon Dick Sheppard); National Peace Council; All Peoples Association (Wrench); National Reform Union (L. H. Behrens, Sir R. Holt); North Western Free Trade Union; zum Teil auch Next Five Years’ Group — s. Jones, Diary with Letters, S. 87; MacMillan, S. 373 ff., 624 ff. Zur Anglo-German-Fellowship und den pro-deutschen Agitations- und Interessenverbänden s. Tennant, True Account, S. 151 ff., 178 ff.; D. C. Watt, Personalities, Essay 6.Google Scholar
  128. 118.
    Während der Abessinien-Krise mußten in der Marine und im Heer kurzfristig Umdisponierungen vorgenommen werden; die „dislocations“waren besonders im Beschaffungswesen des Heeres gravierend. Außerdem wurden die „shadow factories“zunächst für die Ausbesserung der Ausrüstung im Hinblick auf die Abessinien-Krise eingespannt. Da 1936 ohnehin als Krisenjahr in der Rüstungspolitik galt (s. oben, Kap. I) und die Abessinien-Krise in die Phase des Übergangs von der „re-equipment-“zur Aufrüstungspolitik fiel, sahen die Streitkräfte Grund genug, vor der Sanktionspolitik zu warnen. Ihnen schloß sich Handelsminister Runciman an. Er erkannte nicht nur, daß der englische Kohlebergbau einen Abnehmer verlieren würde, sondern auch der deutschen Penetration des „Balkans“durch die Sanktionspolitik gegen Italien Vorschub geleistet würde. Zur Frage, ob die Ansetzungdes Wahlkampfes im November 1935 und die Wahlpropaganda ein „Trick“waren, s. Mowat, S. 553 ff.? Bullock, Bevin, Bd. I, S. 572; J. C. Robertson, The British General Election of 1935, in: JCH, 1974/1, S. 149 ff.Google Scholar
  129. 119.
    COS 442, 12.3.1936 (erörtert im Kabinet am 18.3.1936); 29.4.1936, Cab. 23–84 (s. Kap. I); Gibbs, Rearmament Policy, S. 218 ff.; Marder, Royal Navy, in: AHR, Bd. LXXV/5 (1970).Google Scholar
  130. 120.
    Das Kabinett überstimmte — am 29.4. und 11.5.1936, Cab. 23–84, S. 28 — die Einwände von Swinton, Eyres-Monsell und Cooper; die Service Ministers plädierten für den Rückzug der Streitkräfte aus dem Mittelmeerraum, um sie konzentrieren zu können und die durch die „dislocations“bedingte Aktionsunfâhigkeit zu beenden. Die Mehrheit hielt dem entgegen, daß die Gefahren einer Rebellion der öffentlichen Meinung — im Falle eines einseitigen englischen Rückzugs von der Völkerbundsaktion — größer wären als die von den Stabschefs gefürchteten Gefahren eines vorübergehenden Weiterverbleibs im Mittelmeer; s. im einzelnen Cab. 21–436. Eden, N. Chamberlain — Anfang Dezember 1935 wahrscheinlich auch Hoare — wollten gegenüber dem „kleineren“Diktator demonstrieren, daß England — aufgrund der Rüstungsdefizite — nicht jedem Druck weichen müsse; das gehörte zum Demonstrationseffekt, den sie den Aufrüstungsmaßnahmen beimaßen. Eden wollte sogar die Mittelmeerflotte „präventiv“mobilisieren.Google Scholar
  131. 121.
    Baldwin, 26.2.1936, Cab. 23–83, bes. S. 181 f., 174 ff-, 179 f. Zum Wahlkampf s. Anm. IV/118; ferner Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 857 ff; McElwee, S. 237 f.; Eden S. 279 ff. Monsell und Runciman sprachen sich gegen ölsanktionen aus. Für den Antrag, die ölsanktionsfrage in Genf auf die Tagesordnung zu setzen, wurden folgende Gründe geltend gemacht: Hitler verachte Italien; die Kriegsgefahr sei geringer als im November/Dezember 1935. Entscheidend war jedoch die These, daß die Opposition nicht ein zweites Mal — nach dem Hoare/Laval-Debakel — einen „moral case“erhalten dürfe; dies wäre der Fall, wenn die Regierung sich um eine Entscheidung in der Frage „Ölsanktionen“drücke. Der Aufschub der Entscheidung wäre um so verhängnisvoller, als die Regierung nach dem Hoare/ Laval-Debakel ölsanktionen als eine der möglichen Optionen ihrer künftigen Politik bezeichnet habe. Falls kein Vorstoß erfolge, würde auch die Einheitsfront mit den Dominions in dieser Frage gefährdet werden; s. auch 29.4.1936, Cab. 23–84, S. 28; 29.5.1936, Cab. 23–84, S. 243 ff.Google Scholar
  132. 122.
    Baldwin, 26.2.1936, Cab. 23–83, S. 179 ff.; Baldwin, 5.3. und 9.3.1936, Cab. 23–83; vgl. O’Malley, 24.2.1936, C 1028/4/18, FO 371–19 885, S. 321 ff.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 918, 814 (Mai 1935).Google Scholar
  133. 123.
    Eden überraschte Flandin am 2. März 1936 in Genf mit der Aufforderung, die für den 9. März vorgesehene Beratung über den Bericht des 18er Ausschusses um eine Woche vorzuverlegen und ölsanktionen zu beantragen. Im Gegenzug — 3. März 1936 — stellte Flandin die „Gretchenfrage“nach der englischen Vertragstreue im Falle einer Rheinzonen-Krise. Daraufhin sah sich das Kabinett am 5. März genötigt, die „peinliche“Frage doch zu behandeln — man wich aus auf die „working agreement“-Methode und ließ Phipps instruieren, die Luftpaktfrage sofort anzuschneiden. Die zweite Sitzung des Committee on Germany, auf der die Stellungnahmen der Ressorts zu den Vorschlägen des FO geprüft und ein Beschluß über die Deutschland-Initiative gefaßt werden sollte, war noch nicht zustandegekommen. Siehe im einzelnen Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 54 f.; Eden, S. 337 ff.Google Scholar
  134. 124.
    Der Vorstoß war zugleich ein Affront gegen die französischen Bemühungen, Mussolini zu beschwichtigen, in der Annahme, daß Mussolinis Verhalten in der „Locarno“-Frage maßgeblichen Einfluß auf die deutsche Risikobereitschaft habe. Die deutsch-italienischen Aktivitäten seit Anfang Januar blieben der französischen Diplomatie und Regierung nicht verborgen. Zu den Hitler/Hassell/Mussolini-Sondierungen und ihrer Bedeutung für die Aktion vom 7. März s. Robertson, Wiederbesetzung, in: VZG, X (1962), S. 178 ff.; Funke, S. 82 ff., 91 ff., 108 ff.Google Scholar
  135. 125.
    Die Regierung hatte zunächst in der Abessinien- und in der Rheinzonen-Vorkrise dämpfend auf die Presse eingewirkt. Während sie diese Linie in der Deutschland-Politik beibehielt, setzte Ende Februar 1936, ausgelöst durch Berichte über Gasbomben-Einsatz in Abessinien, eine Protestwelle gegen Italien ein, der sie sich nicht entziehen konnte. Die Ereignisse um den 7. März lenkten die Aufmerksamkeit der Labour Party und der LNU nur vorübergehend vom Abessinien-Konflikt ab; als auf französisches Drängen Italien in die Front der Locarnomächte einbezogen werden sollte, konzentrierte sich die Öffentlichkeitsarbeit der „linken“Opposition (Labour, LNU, Liberale) nahezu ausschließlich auf Italien/Abessinien.Google Scholar
  136. 126.
    Thomas kam dabei den Denkansätzen und Argumenten der Labour-Opposition am nächsten. Die Annahme, England würde nicht allein stehen, erlaubte die Schlußfolgerung, daß neue Obligationen unnötig seien. Dabei überging man die Frage, was England für die Sicherheit anderer Länder tun müsse — denn Thomas gehörte zu den schärfsten Gegnern eines „continental commitment“VExpansion des Heeres; Thomas, 19.3.1934, Cab. 23—78, S. 290; ders., 3.5.1934, Ministerial Committee on Defence Requirements.Google Scholar
  137. 127.
    Die Forderung, auf die Ergebnisse der Abrüstungskonferenz zu warten bzw. deren „Neubeginn“nicht durch einseitige Ankündigung von Aufrüstungsmaßnahmen zu gefährden, ergänzte die Liste der innenpolitischen Vorbehalte gegen Aufrüstungsbeschlüsse. Dabei spielten Rücksichtnahmen auf Wählertrends (Nachwahlen, Umfrageergebnisse) und die Schwierigkeiten, die die Regierung bei der Finanzierung handels- und sozialpolitischer Aufgaben (Unemployment Assistance Board, Empire Marketing Scheme u. a.) geltend machte, eine Rolle; K. Wood, 19.3.1934, Cab. 23–78, S. 290; vgl. Anm. IV/98 (betr. Steel-Maitland).Google Scholar
  138. 128.
    R. MacDonald, 19.3.1934, Cab. 23–78, S. 291; ders., Cab. 23–79, S. 49 f.; Hailsham, 19.3. 1934, Cab. 23–78, S. 287 f. Falls es gelang, einen Minimalkonsens zwischen den anderen Mächten zu vermitteln, hätte England sich das Dilemma einer Aufrüstung ersparen können; hierbei ist „rearmament“von „reconditioning“, „re-equipment“zu trennen.Google Scholar
  139. 129.
    In der Analyse sind taktische Aspekte zu beachten: Chamberlain suchte Verbündete gegen den Einfluß der Stabschefs und Hankeys. MacDonald als Ex-Labour-Premier für das erste Aufrüstungsprogramm zu gewinnen, erschien besonders wichtig. Chamberlain erreichte es u. a., indem er die Frage der „Rationierung“und Koordinierung der Verteidigungsausgaben aufgriff. In strategischen Fragen und hinsichtlich der Prioritäten in den Rüstungsprogrammen unterschieden sich die Präferenzen von Chamberlain (RAF) und MacDonald (Marine); s. Marquand, S. 760; — Hankey an MacDonald, 6.3.1934, Premier 1–153; Mac-Donald-Note, Februar 1934, Co-Ordination of the Estimates of the Defence Services; s. auch Cab. 21–384; vgl. Meyers, S. 211 ff. Chamberlain nutzte die Gelegenheit eines Gesprächs mit Flandin (am Rande der Londoner Konferenz) über die Gefahren einer „disorderly devaluation by the gold bloc“, um Zustimmung für seine Idee eines „limited liability scheme of international police force“einzuholen; Diary, 3.2.1935, NC 2/22.Google Scholar
  140. 130.
    R. MacDonald/Chamberlain, 19.3.1934, Cab. 23–78, S. 289, 284, 291. Zur Debatte über den Bericht des Hankey-Committee, s. Cab. 21–406; Gibbs, S. 110 ff.; Dennis, S. 40 ff; Meyers, S. 90 ff.; Barnett, S. 346ff.; Hancock/Gowing, S. 63ff.;Peden, S. 68 f.Google Scholar
  141. 131.
    Chamberlain spielte auf sein Projekt einer einseitigen englischen Garantieerklärung für Belgien sowie auf Überlegungen über die Schaffung einer internationalen Streitmacht zur Einlösung von Garantieversprechen im Rahmen einer Rüstungsbegrenzungskonvention an; in diesen Fällen hätte man den englischen Beitrag auf Luftwaffengeschwader begrenzen können; s. Feiling, S. 251 ff.; Dennis S. 40 ff. — Simon-Diary, 11.7.1934; Simon an MacDo-nald, 11.7.1934, s. Anm. 1/296; Marquand, S. 758 f.Google Scholar
  142. 132.
    Chamberlain, 19.3.1934, Cab. 23–78, S. 284, 289, 291. Die Alternative war, daß England Mehrkosten auf sich lud, indem es die imperiale Strategie, wie sie das Hankey-Committee entworfen hatte, zur Richtschnur nahm.Google Scholar
  143. 133.
    Das latente Mißtrauen gegenüber Frankreich schloß aus, daß das Kabinett den Argumenten Baldwins vollauf folgte: Baldwin warnte davor, auch noch Frankreichs Freundschaft zu verspielen. Dies würde geschehen, wenn Frankreich nicht Garantien im Rahmen einer Abrüstungskonvention erhielte; 19.3.1934, Cab. 23–78, S. 287. Simon und Vansittart drängten 1933/34 gleichfalls darauf, Frankreich in Sicherheitsfragen entgegenzukommen, um die Abrüstungskonferenz zu „retten“, d.h. Frankreich für („symbolische“) Abrüstung und Deutschland für begrenzte Aufrüstung zu gewinnen; zur Diskussion s. Gibbs, S. 100 ff.; vgl. oben, Kap. I.Google Scholar
  144. 134.
    Aus dem Röhmputsch folgerte man zum Beispiel, daß Deutschland nach außen — unter dem Einfluß der Militärs — vorsichtig operieren werde. Englische „deterrent“-Gesten wären also nicht nötig; damit waren Chamberlains Vorschläge — vorerst — vom Tisch.Google Scholar
  145. 135.
    22.3.1934, Cab. 23–78, S. 332. Eine freiwillige englische Schutzgarantie für Belgien schien vom Ausgabenvolumen und von den innenpolitischen Stimmungsverhältnissen her „billiger“und tragbarer als Bindungen an Frankreich. Zum Komplex s. Gibbs, S. 615 ff., 115 ff.Google Scholar
  146. 136.
    Um sich lästige „commitments“zu ersparen, empfahlen einige Minister, die Ernsthaftigkeit deutscher Gegenvorschläge zu testen, zum Beispiel das Angebot, die Rüstungsmaßnahmen innerhalb eines 10-Jahres-Zeitraumes zu beschränken. Gelänge es, eine begrenzte deutsche Aufrüstung als berechtigt hinzustellen, würde man dem von Frankreich aufgeworfenen Problem von Gegenmaßnahmen gegen die Vertragsbrüche die Grundlage entziehen; 22.3.1934, Cab. 23–78, S. 330 ff., 332; C.P. 70 (34). — Diese Vorschläge sollten England aus der Mitverantwortung für den Versailler Vertrag (Teil V) entlassen. Die Kabinettsmehrheit ließ sich darauf nicht ein, weil ein solcher Schritt Frankreich verbittert und ein deutsch-französisches Wettrüsten ausgelöst hätte, dem sich England nicht hätte entziehen können. Immerhin „neutralisierten“derartige Vorschläge den Effekt jener Stimmen, die ein Einschwenken auf den französischen Standpunkt in der Abrüstungs-Sicherheitsfrage befürworteten; Cab. 23–78, 22.3.1934, S. 336 ff.; C.P. 132 (34); 9.5. 1934, Cab. 23–79, S. 83 ff.Google Scholar
  147. 137.
    Howson, S. 120; Hancock/Gowing, S. 63; Gibbs, S. 81. — In die Argumentation eingeschlossen sind auch die gesellschaftspolitischen Schwierigkeiten, die sich einstellen würden, sobald die Aufrüstung unter Verzicht auf die Formel forciert werden würde („skilled labour“, „dilution“); es sind also nicht nur wirtschafts- und finanzpolitische Interessen involviert. Daher war es logisch, daß die Regierung mit den Gewerkschaften Verhandlungen aufnahm, als sie — unter dem Druck der Argumente der Stabschefs und Inskips sowie der drohenden Ereignisse — die Regel außer Kraft setzte (März 1938). Anfang 1937 wurde ein Vorstoß Swintons, Arbeitskräfte in die RAF-Industrie zu ‚lenken‘, noch abgeblockt — s. Barnes/Middlemas, S. 1025 ff.; Howard, S. 114 f.Google Scholar
  148. 138.
    D.C.M. (32), 25.6.1934, 50. Sitzung, Cab. 16–110; vgl. Gibbs, S. 178 ff.; Shay, S. 42; Pownall-Diary, I, S. 70 ff., 76 ff.Google Scholar
  149. 139.
    Zu Chamberlains NDC-Projekt und der Reaktion der „City“und der Industrieorganisationen gegen die als Geste begründete Abgabe s. Shay, S. 147 ff.; Feiling, S. 292 ff.; Sabine, S. 101 ff.; Meyers, S. 211 f. Gerade Politiker, die für die Rüstungsexpansion stritten und die Regierung aufforderten, Frankreich nicht in den Arm zu fallen wie z.B. Boothby, polemisierten gegen Chamberlains NDC-Idee.Google Scholar
  150. 140.
    Zu den Implikationen für den Außenhandel, die Zahlungsbilanz und den £-Kurs s. unten, Kap. IV/6; Feiling, S. 314 f.; generell s. Sayers, Finance Policy 1939–1945; D.C. Watt, S. 113 ff.; Meyers, Kap. 5.3.; Shay, S. 160 ff.; Howson, S. 120 ff., 128 ff.; Hancock/ Gowing, S. 115 ff. Zum tatsächlichen Zusammenhang zwischen Aufrüstung (sboom) und Inflation s. H.W. Richardson, Economic Recovery, bes. S. 284 f., 233, 55 u. a. O.Google Scholar
  151. 141.
    Phillips-Memo., 31.12.1936, T 175–94; T 175–25; Howson, S. 122 ff.; Shay, S. 161; T 172–1853; T 172–1855/56; vgl. Chamberlain, 25.4.1937, in: Feiling, N. Chamberlain, S. 292 u.a.O. „All the elements of danger are here…(increasing cost of living… a genuine feeling that things are not shared out) and I can see that we might easily run, in no time, into a series of crippling strikes … I don’t say that N[ational] D[efense] Contribution] will prevent all this but I feel sure that it enormously diminishes the danger. It will make the workmen feel that this Government is not in League with their employers to ‚soak‘them while running off with enormous profits themselves … Industrial unrest is only just round the corner…but this [i.e. NDC] may help and keep it there.“N. Chamberlain an Hilda, 25.4.1937, NC 18/1/1003.Google Scholar
  152. 141a.
    Selbst Warren Fisher, der zu den Befürwortern einer Verteidigungsanleihe (seit dem Frühsommer 1935) gehörte, stellte im Juni 1937 fest: „we are rapidly drifting into chaos and are in danger of undermining ourselves before the Boche feels it desirable to move“‚Fisher-Kommentar zu einer Denkschrift Hopkins‘, 1.6.1937, T 161–783, F 48 431/02/1. Vgl. N. Chamberlain, Diary, 25,10.1936 (über Gespräch mit Inskip am 15.9.1936) sowie N. Chamberlain an Hilda, 25.4.1937, NC 18/1/1003; Peden, Treasury, S. 80 ff.Google Scholar
  153. 141b.
    Zu den Argumenten der Regierung in den Budgetdebatten 1935/38 s. Sabine, British Budgets.Google Scholar
  154. 142.
    Chamberlain, 15.2.1933, Cab. 23–75. — Chamberlain spielte das Argument, das in CID 1087-B für eine Aufhebung der Ten Years’ Rule geltend gemacht worden war, erfolgreich gegen einen Antrag der Admiralty aus, die ein bescheidenes Erweiterungsprogramm eingereicht hatte.Google Scholar
  155. 143.
    Indizien sind: Die Rüstungsausgaben entsprachen 1935/36 15% der Staatsausgaben (national expenditure) (bezogen auf drei Streitkräfte) gegenüber 1913/14: 40% (für zwei Streitkräfte); vgl. Richardson, Economic Recovery, S. 215. Die Regierung nutzte diese und andere Daten, um die Kritik der Labour Party als unzutreffend hinzustellen (s. Gibbs, S. 255; vgl. Anm. IV/106). Die Service Minister akzeptierten zunächst (1932/34), daß die „dangers of unpreparedness“eher zu verkraften wären als eine anhaltende Finanzkrise. Unter dem Eindruck der Berichte über die Expansion der deutschen Rüstung änderte sich ihre Haltung dahin — seit dem Frühjahr 1934 —, daß die Minimalforderungen der Streitkräfte erfüllt werden müßten, d.h. es sollten wenigstens die in den zwanziger Jahren beschlossenen Sollstärken erreicht werden; Hailsham, 19.3.1934, Cab. 23–78, S. 288.Google Scholar
  156. 144.
    Cab. 29 (34) 5, 18.7.1934, Cab. 23–79, S. 311 (zum RAF-Expansionsprogramm; es sollte am 19.7.1934 im Unterhaus bekanntgegeben werden); s. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 775; Roskill, Hankey, Bd. III, S. 111. — Es ging um einen Kostenvoranschlag von £ 20 Mill., womit im Verlauf von fünf Jahren 40,5 neue Geschwader geschaffen werden sollten; bekräftigt in: Cab. 23–79, 31.7.1934, C.P. 205 (34). § 50; Shay, S. 43; Gibbs, S. 102 ff.Google Scholar
  157. 145.
    Die Zahlenangaben beziehen sich auf zusätzliche Ausgaben über den Normaletat hinaus; zur Aufteilung im einzelnen s. Gibbs, Kap. IV; ders., in: Forstmeier/Volkmann; Meyers, S. 231 ff.; Roskill, Hankey, Bd. III, S. 107 ff.; Dennis, S. 37 ff.; Barnett, S. 411 ff.Google Scholar
  158. 146.
    31.7.1934, Cab. 23–79, S. 357, 359. — Das Gesamtprogramm wurde von £ 76,8 Mill, auf £ 50,3 Mill, gekürzt. Der Löwenanteil der Streichungen ging zu Lasten der Armee. Vgl. Gibbs, S. 105 ff., 115 ff.; Howard, S. 108 f.; Dennis, S. 37 ff; Shay, S. 36 ff.Google Scholar
  159. 147.
    Vgl. Gibbs, S. 125.Google Scholar
  160. 148.
    Zum New Standard/Two Power Standard-Programm der Marine s. Gibbs, S. 285 f., 318 ff., 378 ff.; Shay, S. 82 ff.; Roskill, Hankey, Bd. III, S. 194 ff.; Howard, S. 113 f.; Peden, S. 113 ff.Google Scholar
  161. 149.
    Vgl. Dennis, S. 44 f.; Shay, S. 41 f. Vgl. Peden, Fisher and Rearmament, S. 37 ff.Google Scholar
  162. 150.
    26.11.1934, Cab. 23–80, S. 233 ff., 237 ff. (Sondersitzung zur Vorbereitung auf die Unterhausdebatte zur deutschen Aufrüstung und Churchills Kritik an der unzureichenden RAF-Expansion). Vgl. Gibbs, S. 134 ff., 138; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 786 ff.; Gilbert, Churchill, Bd. V, S. 585 ff. Den Standpunkt, begleitet von der Aufforderung, die öffentliche Meinung über die Folgewirkungen der Ten Years’ Rule aufzuklären, bezog jeder Service Minister als Plattform für die Expansionsprogramme des eigenen Ressorts; Cab. 23–79, S. 49 ff.Google Scholar
  163. 151.
    N. Chamberlain, 26.11.1934, Cab. 23–80, S. 237 f.; Barnes/Middlemas, S. 786 ff.; Slessor, S. 174 ff.; Collier, S. 28 ff., 41 ff.; Webster/Frankland, S. 65 ff.; Gibbs, S. 135 ff.; Shay, S. 45/46, 216. Zur 1934/35-Initiative, die auf diesem Hintergrund vorbereitet wurde, s. oben, Kap. I.Google Scholar
  164. 152.
    Für Elliot, Hailsham und Londonderry stand das Dritte Reich — zumindest im Hinblick auf die Rüstungsprogramme — als „Feindbild“fest. Simon, der seit 1933 die englische Aufrüstung als gerechtfertigt und notwendig ansah, teilte diese Auffassungen, unterschied aber zwischen den als gefährlich ausgegebenen deutschen Methoden und der zur Zeit noch nicht akuten deutschen Bedrohung.Google Scholar
  165. 153.
    Der Hankey-Report (Defence Requirements Sub-Committee) stellte Deutschland als Hauptfeind fest. Im Kabinett wurde anläßlich der Beratungen über dieses Aufrüstungspro-gramm die Frage gestellt, ob man es den „officials“überlassen dürfe, politische Grundsatzentscheidungen zu fällen; Hoare, Chamberlain, 19.3.1934, Cab. 23–78, S. 282 ff. Zu den Zielkonflikten s. oben, Kap. II; Gibbs, S. 178. Zur Option für ein Appeasement Deutschlands oder eine Beschwichtigung Japans s. oben, Kap. 1/4; Gibbs, S. 86, 94, 120 ff.; Meyers, S. 89 ff.; Dennis, S. 35 ff.; Barnett, S. 344 ff.; Howard, S. 100 ff.Google Scholar
  166. 154.
    1933/34 ging die Regierung davon aus, daß die deutsche Politik bei ihrem „Dcang nach Osten“auf die Überlegenheit der gerüsteten Nachbarn stoßen werde. Dies würde die Gefahr eines deutschen Ausgreifens zumindest vorerst mindern. Die Meldungen über polnisch-französische,,Präventiv“-kriegsabsichten wirkten ebenso dahin wie das deutschpolnische Abkommen. — 19.3.1934, Cab. 23–78, S. 282 ff.Google Scholar
  167. 155.
    29.7.1935, zit. bei Gibbs, Rearmament Policy, S. 180, vgl. dort auch S. 99 ff.; Shay, British Rearmament, S. 56; Howson, Domestic Monetary Management, S. 120. — Chamberlain — 26.5.1935, zit. bei Gibbs, S. 175 — betonte jetzt gleichfalls den Doppelaspekt: Die forcierte Expansion der RAF sollte die öffentliche Meinung in England beruhigen und auf Deutschland als „Abschreckung“wirken.Google Scholar
  168. 156.
    Die Urheber des DRC-Reports (besonders Hankey) drängten dahin, daß die Vorschläge unabhängig vom „Schicksal“der Abrüstungskonferenz verabschiedet würden; sie seien „essential“, stellten nicht Wettrüsten dar, sondern „re-equipment“(Cab. 23—79, S. 52). Die „Politiker“konnten sich auch nach der Barthou-Note vom 17.4.1934 nicht von den Rücksichtnahmen lösen, die das Committee on Disarmament geleitet hatten.Google Scholar
  169. 157.
    Zum Ideal Scheme/DPR, 21.11.1935/9.3.1936, das ein geschätztes Ausgabenvolumen von £ 394–417 Mill, für ein Fünf-Jahres-Programm — zusätzlich zum Jahresverteidigungsetat (Haushaltsansatz für 1936) von £ 124 Mill, implizierte (Cab. 21–422A), s. Gibbs, Rearmament Policy, S. 254 ff.; Shay, British Rearmament, S. 57 ff.; Dennis, Decision by Default, S. 58 ff.; Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 192 ff.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 900 ff.; Howson, Domestic Monetary Management, S. 120 ff.; Peden, S. 74 ff.Google Scholar
  170. 158.
    Vgl. Shay, British Rearmament, S. 144, 159; Gibbs, Rearmament Policy, S. 276 f. Zur Rationierung der Verteidigungsausgaben, d.h. der Zuteilung bestimmter Sockelbeträge für jeden der drei Services, besonders 1937/38, s. Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 116 ff.; Postan, British War Production, S. 25 ff.Google Scholar
  171. 159.
    Vgl. Gibbs, Rearmament Policy, S. 276 f.; Shay, British Rearmament, S. 163; C.P. 165 (37), 25.6.1937, Cab. 24–270 (Simon-Memo.); Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 265, 315; Howson, Domestic Monetary Management, S. 121 ff.,,By 1937 the defence departments were getting out of hand … so that less important items threatened to hold up more important ones“; G.C. Peden, Sir Warren Fisher and British Rearmament against Germany, in: EHR, XCIV (1979), S. 43. Gegen das von Chamberlain/MacDonald gewünschte,,cost-rationing“-Prinzip wandte sich vor allem die Admiralty (konkreter Anlaß war eine Neuauflage des Dauerdisputs der Flotte mit der Luftwaffe um die Kontrolle über,,Fleet Air Arm“); s. Eyres-Monsell an Hankey, 28.2.1934, Cab. 21—384; s. hierzu auch Meyers, Britische Sicherheitspolitik, S. 211 ff.Google Scholar
  172. 160.
    Parker, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 264 ff.; Gibbs, Rearmament Policy, S. 291 f.; Meyers, Britische Sicherheitspolitik, Kap. 5.3. — Diese Darlegung Inskips gehört zu den am meistzitierten Zeugnissen über die englische Außenpolitik der dreißiger Jahre.Google Scholar
  173. 161.
    Gibbs, Rearmament Policy, S. 296.Google Scholar
  174. 162.
    Zu den Strukturproblemen der englischen Wirtschaft in Bezug auf einen Ausbau der Rüstungskapazitäten und effizienten Produktionsbedingungen s. Postan, British War Production, S. 1 ff., 12 ff. u.a.O.; Hancock/Gowing, British War Economy, S. 136 ff. Zur Entwicklung 1938/39 s. bes. Barnett, S. 550 ff.; Dennis, S. 142 ff.; Gibbs, S. 508 ff., 502 ff., 420 ff., 583 ff.; Middlemas, Kap. 6–8; — Die „Aufwertung“der Armee als Unterpfand englischer Bündnistreue erfolgte erst 1939, s. bes. Dennis, Kap. 10 und 11.Google Scholar
  175. 163.
    Zu den Italien betreffenden Richtlinienwechseln s. Eden, 479 ff.; Hancock, S. 64; Gibbs, S. 380 ff.; Meyers, S. 100 ff.; Watt, Italian Problem.Google Scholar
  176. 164.
    Die Veränderungen und Beschleunigungen der RAF-Expansion sind besonders drastisch geschildert von Higham, Armed Forces; s. den Überblick von Gibbs, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, und die tabellarische Übersicht bei Roskill, Hankey, Bd. III, S. 260 ff.; Collier, S. 27 ff.; Postan, S. 38 ff., 433 ff.; Webster/Frankland, S. 65 ff.; Slessor, S. 174 ff., 204 ff.; Meyers, S. 257 ff.; Peden, S. 128 ff.Google Scholar
  177. 165.
    Chamberlain führte einen Kabinettsbeschluß herbei, daß die Regierungsmitglieder in öffentlichen Reden keine Angaben über die Gesamtkosten oder Teilkosten machen dürften (25.2.1936, Cab. 23–83, S. 157 f.). — Er veranschlagte die Kosten des Beschleunigungspro-grammes (Ideal Scheme), das den Beginn der englischen Aufrüstung markiert, zunächst auf £ 394 Mill, (auf fünf Jahre verteilt). Zur Aufteilung der Ausgaben und ihrer Deckung, s. Gibbs, Rearmament Policy, S. 265 f.; Shay, British Rearmament, S. 74 ff.Google Scholar
  178. 166.
    Vgl. Howson, Domestic Monetary Management, S. 120 ff.; s. unten, Kap. IV/6.Google Scholar
  179. 167.
    25.2.1936, Cab. 23–83, S. 157 ff.; 2.3.1936, Cab. 23–83, S. 206 ff.;C.P. 36 (36), 12.2. 1936, Cab. 24–259; Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 196; Gibbs, Rearmament Policy, S. 265 ff.; Shay, British Rearmament, S. 99.Google Scholar
  180. 168.
    Zur Lage der Rüstungsfirmen und der Rüstungsindustrie in der Phase der Geltungsdauer der Ten Years’ Rule s. Higham; Postan-, Pownall-Diaries, I, S. 76 u.a.O. In einem Interview schilderte General Adam im einzelnen (2.7.1964), wie das War Office/Armee darunter zu leiden gehabt hätte, 1. daß die Admiralität „vested interests“in der Rüstungsindustrie hatte, 2. dem WO die Finanzmittel fehlten, um bei der Kontraktvergabe mit Air Ministry und Admiralty „mitbieten“zu können, 3. daß die Unsicherheit über das Auftragsvolumen, das das WO piazieren könnte, die Armee von Anbeginn benachteiligte. Auf der anderen Seite steht, daß die Kontraktabteilung im WO 1936 durch den Einsatz von Experten aus dem Marineministerium erst einmal „leistungsfähig“gemacht werden mußte.Google Scholar
  181. 169.
    Vgl. unten, Kap. IV/6. Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 290 ff.; Shay, British Rearmament, S. 78, 80; Gibbs, Rearmament Policy, S. 256 ff. Zum Disput Cooper/Chamberlain um die Rolle der Armee und die Berücksichtigung der Heeresrüstung in den Ansprüchen an die Rüstungsindustrie s. Cab. 24–265, C.P. 227 (36), C.P. 334 undCJP. 337 sowie die Analysen von Dennis, Decision by Default, S. 88 ff.; Gibbs, Rearmament Policy, S. 441 ff.; Pownall-Diaries, Bd. I, S. 99 (27.1.1936). Chamberlain zog Weir als Verbündeten heran, um seine „limited liability“-Devise gegen das von Hankey, Vansittart, Fisher und den Stabschefs ausgearbeitete Rüstungsprogramm durchzusetzen und insbesondere das War Office zu Einschränkungen hinsichtlich des Aufbaus einer expeditionary Force’ zu zwingen: N. Chamberlain, Diary, 19.1.1936, NC 2–22; Peden, Treasury, S. 124 ff.Google Scholar
  182. 170.
    Simon, 30.4.1935, Imperial Conference, P.M. (35), 1. Sitzung, S. 4, Cab. 32–125. — Vgl. Gibbs, S. XXV: „as part of the process, the British became more inward-looking, more concerned with themselves and less with the ways in which their fortunes and their security were, unavoidably, linked with those of other nations.“Siehe auch Gibbs, S. XXI, 767. Zum innenpolitischen Kontext der Rüstungsdebatte vgl. Middlemas, S. 369; Rock, S. 90. — In den Flottenverhandlungen, dem „klassischen“Beispiel für die Implikationen einer „isolationistischen“Außenpolitik im hier gemeinten Sinn, wollte England demonstrieren, daß die „von Fall zu Fall“-Diplomatie erfolgreicher und auf den politischen Problemhaushalt entlastender wirke als die „all in settlement“-Strategie Frankreichs. Die Regierung informierte die Opposition über den Verlauf der Verhandlungen, um zu erreichen, daß eine öffentliche Kontroversdebatte unterblieb. Siehe Hoare, S. 128 ff.; Baldwin, 4.3. 1936 (HofC).Google Scholar
  183. 171.
    Baldwin, 27.6.1934, Cab. 23–79, S. 223; Baldwin, 11.7.1934, Cab. 23–79, S. 278; s. Gibbs, Rearmament Policy, S. 115 ff., 170 f., 176 f., 168 ff., 635 ff.Google Scholar
  184. 172.
    Zur Offensivstrategie der RAF (Trenchard-Doktrin) s. Webster/Frankland, S. 52 ff.; Gibbs, S. 531 ff.; Powers.Google Scholar
  185. 173.
    Baldwin, 11.7.1934; 27.6.1934, Cab. 23–79, S. 223, 278. Gibbs, S. Ill ff.; s. Anm. 1/ 66,233.Google Scholar
  186. 174.
    6.6.1934, Cab. 23–79, S. 154 ff. — Dies gilt auch als einer der Gründe, die Barthous Wendung in der Sanktionsfrage mitbedingte.Google Scholar
  187. 175.
    Baldwin, 11.7.1934, Cab. 23–79, S. 278; MacDonald, 27.6.1934, ebd., S. 219.Google Scholar
  188. 176.
    Inskip, 30.8.1938, Cab. 23–94; s. Barnett, S. 519; Middlemas, S. 308 ff.; vgl. N. Chamberlain, 20.6.1934, Note on the Finance of Defence; D.C.M. (32), Cab. 16–111; Gibbs, S. 143; Hankey-Aufzeichnung, Disarmament and Rearmament, Cab. 21–434, S. 8; 50. Sitzung D.C.M. (32); S. 9, 51. Sitzung; vgl. Anm. IV/52. Zum „window dressing“-As-pekt der RAF-Expansion und zur Kritik daran s. Gibbs, S. 106; Chatfield an Fisher, 16.7.1934, Cab. 21–434; Roskill, S. 119; Postan, S. 12.Google Scholar
  189. 177.
    Gibbs, S. 107 (Zitat), 103, 97 ff.; Howard, S. 104 ff., 118 ff.; Dennis, S. 127 ff. — Ministerial Committee on Disarmament, 51. und 52. Sitzung; ferner Hankey, Disarmament and Rearmament, Cab. 21–434. Zur Aversion der Ex-Servicemen/British Legion s. als Beispiel G. Braithwaite, Hendon Gazette, 10.4.1936, S. 7; Rickards, s. Anm. IV/393. Die British Legion beeinflußte nach Aufzeichnungen Loders (Lord Wakehurst) die Haltung der MP in der Deutschland-Politik, besonders in den Märzkrisen 1935, 1936, 1938.Google Scholar
  190. 178.
    Vgl. Gibbs, S. 114, 116 ff.Google Scholar
  191. 179.
    Baldwin, 11.7.1934, Cab. 23–79, S. 278.Google Scholar
  192. 180.
    Protokoll, Ministersitzung, 1.2.1935, A.F. (B) (35), S. 11 (Hankey); Hankey, 2.2.1935, Cab. 21–413; Stresa-Briefing, C.P. 79 (35), § 20, S. 7, Cab. 24–254; CID 1161-B (= COS 364), 8.2.1935, § 21, S. 14 f.; 14.10.1935, CID, Cab. 2–6/1, S. 218; 16.10.1935, Cab. 23–82, S. 271; — Zu den Eden-Flandin-Gesprächen vor dem 7.3.1936 s. Emmer-son, S. 54 f.; Eden, S. 332 f., 337 ff. In der Rheinzonen-Krise nutzte England bekanntlich die Verzögerungsmöglichkeiten der Einschaltung des Völkerbundes aus, vgl. Graml, Europa zwischen den Kriegen, S. 373. Die englische Regierung hatte vor der Krise versucht, Frankreich darauf festzulegen, den Völkerbundsrat einzuschalten; England erwartete eine Steigerung der bisherigen Verstöße, aber keine „flagrant action“. Seit dem Herbst 1933 huldigte England der Auffassung, daß Barrackenbauten usw. „politisch“und nicht juristisch zu behandeln seien. Nur im Falle flagranter Vertragsverstösse war England zu sofortigem Eingreifen verpflichtet. Daher kam es darauf an, „flagrant“als nicht gegeben festzustellen und den Völkerbund mit der Angelegenheit zu befassen. Cab. 23–77, S. 50, 57, 62 ff. (Oktober 1933); 5.3.1936, Cab. 23–83, S. 227 ff., 231, 235; Cranborne/Cecil, 8.3.1936, C 1618/4/18, C 1631/4/18, Fo 371–19 889.Google Scholar
  193. 181.
    Cab. 23–76, S. 116 ff. — Auf englischer Seite war die Verbindlichkeit der Garantiemachtrolle seit 1919 bzw. 1925 umstritten. 1936 waren sich die Kronjuristen nicht völlig einig. Die führenden Kabinettsmitglieder beriefen sich auf eine Erklärung A. Chamberlains vor dem Unterhaus, in der er deutlich gemacht hatte, daß Locarno kein Bündnis sei und daß England die Entscheidung über „Krieg und Frieden“vorbehalten bliebe. Hankey bemühte sich, die Minister mit den einschlägigen Exzerpten zu „versorgen“. Baldwin, 11.3.1936, Cab. 23–83, S. 295.Google Scholar
  194. 182.
    C.P. 79 (36), Cab. 23–83, S. 303 ff., 16.3.1936.Google Scholar
  195. 183.
    Zur unterschiedlichen Behandlung Belgiens und Frankreichs s. Gibbs, S. 615, 620; s. Anm. 1/273; Hankey, 1.2.1935, Protokoll A.F. (B) (35), S. 17, Cab. 21–413; ferner C.P. 19 (35), §7, S. 2.Google Scholar
  196. 184.
    Zu Simon und K. Wood s. Eden, S. 360 f., 362 f.; Barnes/Middlemas, S. 920 f. Zur Situation 1934/35 vgl. G.R. (34) 5, 14.12.1934, § 19;C.P. 295 (34), 11.12.1934; C.P. 6 (35), 9.1.1935; C.P. 19 (35), S. 3, Punkt f, 24.1.1935, in: Cab. 21–413. — Bemühungen profranzösischer Kräfte — Lord Camrose, Steed, Spears, Churchill, Boothby, A. Chamberlain —, den innerenglischen Willensbildungsprozeß in den Rahmen definitiver Zusagen an Frankreich zu spannen, kamen über erste Erfolge im Ausgangsstadium der Beratungen nicht hinaus. Die englische Politik arbeitete mit psychologischen Mitteln: „sense of confidence“gegenüber Frankreich, Abschreckung gegenüber Deutschland. Dies bot den Vorteil, den innenpolitischen Willensbildungsprozeß über Fragen der Sicherheits-, Außen- und Rüstungspolitik von „Fremdeinflüssen“möglichst frei zu halten bzw. die selbständige englische Vermittlerrolle zwischen den Konfliktparteien zu unterstreichen.Google Scholar
  197. 185.
    Im Einzelnen s. Gibbs, Rearmament Policy, S. 147 ff., 143 ff., 607 ff.Google Scholar
  198. 186.
    Die andere restriktive Bedingung — innenpolitische Schwierigkeiten/öffentliche Meinung — ist seit jeher ein Standardargument im Erklärungsmuster der Appeasement-Politik, die „Offenbarung“der Rüstungsschwächen gegenüber Verbündeten hingegen nicht; s. oben, Kap. I und Kap. II/„Vansittart“. — 12.3.1936, Cab. 23–83, S. 298 ff.; 11.3.1936, Cab. 23–83, S. 236 (Baldwin, Chamberlain); Monsell/Cooper/Swinton, 16.3.1936, Cab. 27–603; s. auch die Locarno-Ausschuß-Sitzung vom 13.3.1936.Google Scholar
  199. 187.
    Zum Folgenden: Meeting of Ministers, 30.3.1936, Cab. 27–603 (betr. Stabsgespräche/ „letter of intent“). Man einigte sich darauf, das Scheitern der Verhandlungslösung nicht zu konstatieren, um damit den Stabsgesprächen jeden Anflug von Dringlichkeit zu nehmen. Die öffentliche Diskussion sah in den Stabsgesprächen die Rückkehr zur Vorkriegsdiplomatie und reagierte entsprechend allergisch.Google Scholar
  200. 188.
    1.4.1936, Cab. 23–83, S. 404; 8.4.1936, betr. CID 1224-B; 22.4.1936, Cab. 23–84, S. 4 f., betr. C.P. 110 (36). — Vgl. Gibbs, Rearmament Policy, S. 254; Dennis, Decision by Default, S. 66 ff.Google Scholar
  201. 189.
    Vgl. Renouvin, in: Les Relations Franco-Britanniques, S. 28. Anläßlich der 1934/35-Initiative hatten Simon und das FO die Notwendigkeit eines Entgegenkommens an den französischen Standpunkt betont; s. oben, Kap. I; G.R. (34) 5, 14.12.1934, Cab. 27–572.Google Scholar
  202. 190.
    12.12.1934, Cab. 23–80, S. 322; C.P. 6 (35), in: Cab. 23–81, S. 37; 26.2.1936, Cab. 23–83, S. 179 ff.; 9.3.1936, Cab. 23–83. — Der durch die Aufrüstungsprogramme vermittelte „sense of confidence“sollte es England erlauben, die Partner auf den Weg der Verhandlungslösung mitzuziehen. Vor allem 1935/36 kritisierte die Labour Party die französische Politik. Sie sah zwar als „Fernziel” Hilfsaktionen für Frankreich vor, das in dem System der „pooled security“eine Schlüsselrolle spielte, hätte aber 1934/36 Aufrüstung in Verbindung mit einer englisch-französischen Allianz abgelehnt.Google Scholar
  203. 191.
    Sargent-Memo., 5.12.1934, § 16, Cab. 21–417. England verstand unter der Formulierung in der Hauptsache den Aufbau einer Verteidigungsstreitmacht, die den unmittelbaren englischen Sicherheitsinteressen diente, stellte die Aufrüstungsmaßnahmen aber dennoch so hin, als verschaffe England anderen Ländern Sicherheit. Diese Annahme war nur begründet, falls sich Deutschland durch die Ankündigung englischer Rüstungsprogramme von „Abenteuern“abschrecken ließ in dem Sinne, daß die deutschen Militärs die Zeichen zu deuten verstanden und ihre Zurückhaltung auch Hitler gegenüber durchzusetzen vermochten; Anm. IV/52, 61,63.Google Scholar
  204. 192.
    Baldwin, 11.3.1936, Cab. 23–83, S. 295; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 918; 814. Zum „Bolschewismus“-Komplex s. Anm. 1/348.Google Scholar
  205. 193.
    Flandin-Unterredungen mit Chamberlain und Baldwin, 12./13.3.1936, Chamberlain-Be-richt, 13.3.1936, Cab. 27–603; Flandin, S. 208 ff. Ähnlich wie Flandin äußerten sich in der Märzkrise Churchill, Boothby, W. Steed, Einzig und andere pro-französische englische Politiker. Gibbs (S. 646) betont, daß die englische Politik Präventivaktionen ausschloß.Google Scholar
  206. 194.
    Zur These, Appeasement sollte Zeit für die Aufrüstung schaffen, s. Herzfeld; ferner Rock (S. 89 f.). Gibbs hebt zu Recht hervor, daß die Aufrüstung nicht Kriegsbereitschaft für einen Konfliktfall in Mittel- und Südost-Europa intendierte.Google Scholar
  207. 195.
    Vgl. Gibbs, S. 615; vgl. Anm. IV/190.Google Scholar
  208. 196.
    Zu den Befestigungsbauten und zur Rheinzonen-Krise s. oben, Kap. I. — England wollte von dem Thema wegkommen, es schulde Frankreich „additional commitments at our expense“, da es auf dem Verhandlungswege den Partnern das Unterpfand ihrer Sicherheit nicht wiederbringen könne. Diesem Zweck diente die Formel, man solle versuchen, eine dauerhafte Lösung auf der Basis von Nichtangriffspakten zwischen Deutschland und dessen Nachbarn zu erreichen, ergänzt durch Beistandspakte „to reinforce the security of the parties concerned“; die Formel koppelte ein deutsches Angebot (erster Halbsatz) mit einer französischen Standardforderung (2. Halbsatz), wobei man die französische Forderung mit größerer Skepsis beurteilte. England vermied jede Andeutung, ob es sich an den Beistandspakten beteiligen wollte und legte Wert darauf, daß Formulierungen gefunden wurden, die einen (späteren) deutschen Beitritt zu den Beistandspakten offenhielten: C.P. 79 (36), Cab. 23–83, S. 303 ff., 16.3.1936.Google Scholar
  209. 197.
    Zur Trenchard-Doktrin und der Überprüfung, ob die RAF die ihr entsprechenden Flugzeugtypen habe oder überhaupt den Abfangjägern die Priorität geben müsse, s. Slessor, S. 204 ff.; ferner Gibbs, Kap. XV, Webster/Frankland, S. 91 ff.; Watt, Too Serious, S. 76 f.Google Scholar
  210. 198.
    Siehe hierzu Dennis, bes. S. 173 ff. — Einen informativen und gedankenreichen Überblick gibt P.M. Kennedy (Splendid Isolation); auch Howard (S. 126 ff., 34 ff., 39, 52, 68, 102).Google Scholar
  211. 199.
    Vgl. Gibbs, S. 313. Vgl. auch oben, Kap. I, Abschn. 4 und 11.Google Scholar
  212. 200.
    Dies war stets das Argument einer „Fraktion“in der Regierung, aber nicht das dominante (s. Anm. IV/219). Zur Kräftekonstellation im Kabinett, besonders nach der Märzkrise 1939, s. Grenville, Contemporary Trends, in: Internat. Jb., XVII (1976), S. 235 ff.; ferner Shay, British Rearmament, S. 263 ff., 291 f.Google Scholar
  213. 201.
    Vgl. Gibbs, S. 314.Google Scholar
  214. 202.
    Zum Krisenjahr 1936 s. Anm. 1/170; COS 364 = CID 1161-B, § 16, 8.2.1935; Gibbs, S. 178.Google Scholar
  215. 203.
    CID 1151-B, Annex; CID 1181-B, Annex I; s. ferner Emmerson, S. 139; Gibbs, S. 167 ff., 124 ff., 156.Google Scholar
  216. 204.
    COS 364 = CID 1161-B, 8.2.1935, § 16, Cab. 21–413; CID, 22.11.1934, Cab. 2–6/1, S. 155 ff.Google Scholar
  217. 205.
    Siehe Anm. IV/190. In der Vorphase der Rheinzonen-Krise sollte Frankreich im Vertrauen auf die bevorstehende Verabschiedung des Ideal Scheme veranlaßt werden, einer Revision des Rheinzonen-Status, des Unterpfands französischer Sicherheits- und Bündnispolitik nach 1919, zuzustimmen; 26.2.1936, Cab. 23–83, S. 179 ff.Google Scholar
  218. 206.
    Hankey, Disarmament and Rearmament, S. 8, Cab. 21–434; D.C.M. (32), 50. Sitzung, Cab. 16–110.Google Scholar
  219. 207.
    D.C.M. (32), 52. Sitzung; ähnlich Simon, 55. Sitzung. Hankey-Note, Cab. 21–434, S. 10: „political point of view regarding development in Air must be satisfied“; s. ebd., S. 13; vgl. Gibbs, Rearmament Policy, S. 106; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 787 ff.; 796 ff.Google Scholar
  220. 208.
    D.C.M. (32), 51. Sitzung; s. auch Hankey-Note, S. 9, Cab. 21–434. Zur Reaktion der Kabinettsminister auf den 3. DPR-Report — C.P. 26 (36), Cab. 24–259 (21.11.1935) — s. Pownall-Diaries, S. 99 (27.1.1936), betr. Armee/Territorial Army.Google Scholar
  221. 209.
    Vgl. Webster/Frankland, S. 88, Anm. 2 (Juni/Juli 1934); s. auch Gibbs, S. 646 ff. — Durch den Beschluß rückte die „Planung“für einen ernsthaften Zwischenfall in Mittel- und Südost-Europa aus dem Blickfeld. Es fehlte an der politischen Bereitschaft, sich auf Hitlers Blitzkriegsstrategie einzustellen; man vernachlässigte aber auch die Vorsorge zur Erfüllung der Locarno-Pflichten. Der allmähliche Rückzug von der Position „Rheinzone als vital interest“entsprach den Entscheidungen über die Schwerpunkte im Aufrüstungs-Sicher-heitsprogramm.Google Scholar
  222. 210.
    Hankey-Entwurf des Defence White Paper 1935, Cab. 21–434; Cab. 21–407. Zur Position Chamberlains s. Barnett, S. 444 ff.; Middlemas, S. 47 ff., 116 ff.; Gibbs, S. 444 f.; Dennis, S. 96 f., 108 ff.Google Scholar
  223. 211.
    Vgl. Gibbs, Rearmament Policy, S. 120 ff., 122 ff., 256 ff., 84 ff., 96 ff.; Shay, British Rearmament, S. 33; Niedhart, Deutschlandpolitik, S. 29.Google Scholar
  224. 212.
    Simon, 30.4.1935, P.M. (35), 1. Sitzung, Cab. 32–125, S. 4.Google Scholar
  225. 213.
    Zur Entwicklung der englisch-französischen Beziehungen vom Frühjahr 1934 bis zum 3.2. 1935 s. oben, Kap. I.Google Scholar
  226. 214.
    Zur Position Hankeys s. oben, Kap. II.Google Scholar
  227. 215.
    1.2.1935, Protokoll A.F. (35) B, S. 17, Cab. 21–413, ferner Cab. 23–76, S. 126 ff. — Im Kabinett wuchs die Zahl derer, die nicht einsehen wollten, warum England an Frankreich Zugeständnisse in Grundsatzfragen machen sollte, wenn Frankreich nicht den englischen Vorschlägen entsprechend den „Realitäten“Rechnung tragen wolle; Eden an Baldwin, 3.6.1934, Baldwin-MSS., Bd. 122, S. 101 f.Google Scholar
  228. 216.
    Vgl. Anm. 1/283; C.P. 19 (35), § 3, Cab. 21–413 (Simon-Bericht über Gespräch mit Laval, 22.12.1934), R 318/1/67, Simon/Laval, 12.1.1935 (Genf), Cab. 21–413; Simon-Diary, 13./14.1.1935; Simon an Georg V., 14.1. 1935; s. ferner C.P. 302 (34); C.P. 302 (34); C.P. 6 (35) und C.P. 19 (35).Google Scholar
  229. 217.
    Siehe Anm. IV/52, 61, 63. Vgl. K. Hildebrand, „British Interests“; Niedhart, Deutschlandpolitik; ders., Friede als nationales Interesse, S. 451 ff.Google Scholar
  230. 218.
    Chamberlain — C.P. 334 (36) — in der Kritik an Coopers Denkschrift „The Role of the Army“, Cab. 24–265; Cooper, 3.12.1936, Cab. 24–265, S. 223; ders., C.P. 337 (36), Cab. 24–265. — Die „limited liability“-Doktrin vertrat vor allem Liddell Hart als Leitartikler/ Militärkorrespondent der Times; s. Liddell Hart, Memoirs, Bd. II, S. 196 ff. Zur „limited liability“-Doktrin sowie zum Streit um die Rolle der Armee s. Gibbs, Rearmament Policy, Kap. 12, S. 635 ff.; Watt, Too Serious, S. 70 ff.; Dennis, Decision by Default, S. 88 ff.; Pownall-Diaries, Bd. I, S. 99 f. (27.1.1936). Zu den „politischen“Rücksichtnahmen und dem Protest der Militärs, daß die „window dressing“-Effekte gefährliche Selbsttäuschung wären, s. Pownall-Diaries, Bd. I, S. 44 ff., 100; Postan, British War Production, S. 12.Google Scholar
  231. 219.
    Siehe oben, Kap. I/Abschnitt „Kollektive Sicherheit“; zu den Stabsgesprächen, Anm. IV/ 52 ff.; Simon, 30.4.1935, Cab. 32–125. — Im Nachhinein rechtfertigte Simon die abweichende Haltung im Abessinien-Konflikt damit, daß England gelegentlich „hart“auftreten müsse, um die These zu „erweichen“, daß es dekadent und ein Spielball in den Händen der „dynamischen Mächte“sei; Simon an Chamberlain, 23.9.1936; s. auch Simon, 28.11. 1934, HofC: „disarming ourselves in advance, by ourselves, by way of an example has not increased our negotiating power in the Disarmament discussions at Geneva.“Diese Passage begegnet auch in Cmd. 4827, Statement relating to Defence, 1935, § 6, S. 4. Vgl. auch Anm. IV/97 und IV/200.Google Scholar
  232. 220.
    Simon-Diary, 30.6.1935: „we really cannot have a repitition in the naval field of the French opposition of April 1934, when Barthou’s,No’ ruined the chance of limitation of Germany’s army and air force to figures which France would now give her best to get.“Vgl. Eden, S. 230 ff. Zum Flottenabkommen s. Gibbs (156 ff., 169, 261): Haraszti; Ingram; Wiggershaus; Barnes/Middlemas (S. 827 ff.). Die Service Ministers und das FO legten in ihrem Bericht über die Starke der deutschen Streitkräfte — als Grundlage für das englisch-französische Ministertreffen — die Gesichtspunkte offen; C.P. 23 (35), Summary of Conclusions, § 40a, 25.1.1935.Google Scholar
  233. 221.
    Zur Luftpakt-Frage s. Roskill, Hankey, Bd. III, S. 156 ff.; Pownall-Diaries, 16.12.1935, S. 94; Baldwin, 4.3.1936, HofC, Bd. 309, Sp. 1376/1377: Die Regierung bleibe bemüht, in allen Waffengattungen Konventionen anzustreben. Sie wolle und könne aber nicht zusagen, „to make their agreement to a reduction or limitation of one branch of armaments dependent upon agreements as regards the limitation or reduction of another.“Man habe der Sache der Abrüstung einen schlechten Dienst erwiesen, indem man Abrüstung nicht schrittweise, sondern in allen Bereichen auf einmal haben wollte.Google Scholar
  234. 222.
    England wollte Kenntnis über die deutschen Flotten- und Luftwaffen-Rüstungspläne erhalten und auf dieser Basis zu einem „geregelten“Aufrüsten kommen. Für die RAF bestand ein Interesse an einer umfassenden Lösung, um das Risiko eines Bündnisfalles unter Kontrolle zu halten. Im Unterschied zur Flottenfrage, die durch Stärkerelationen überschaubar zu halten war, ließ sich die Stärke der Luftwaffe weniger exakt bestimmen: Das zeigten gerade die „politisch“motivierten, hinter der Paritätsformel verborgenen Manipulationen, die auf dem Papier einen Vergleich der Luftwaffen ermöglichen sollten; die „window dressing“-Funktion der Expansionsprogramme ließ die Kampfstärke der RAF nicht erkennen. Der Streit zwischen dem Air Ministry und Churchill über die richtige Einschätzung der Kampfstärke der deutschen und der englischen Luftwaffe beruhte nicht nur auf der unterschiedlichen Beurteilung der Produktionskapazitäten, sondern auch auf den verschiedenen Maßstäben, die beide bei der Umrechnung der Kampfflugzeuge und Reserven auf Operationseinheiten anlegten. Die Verhandlungen über die Luftpaktfrage sind von Hauser und Emmerson nachgezeichnet worden.Google Scholar
  235. 223.
    Zum Isolationismus-Begriff vgl. Anm. IV/170, zur Funktion der „backbencher“Kap. IV/ „öffentliche Meinung“. Die Öffentlichkeitsarbeit der Regierung war äußerst schwierig. Es gab (einander widersprechende) Gründe, Aufklärungsarbeit zu leisten, und andere, in den Meinungsbildungsprozeß nicht einzugreifen. 1. Im Herbst 1934 wurde klar, daß die Regierung nicht umhin kam, ihre Erkenntnisse über die „geheime“deutsche Aufrüstung bekanntzugeben (zu den Hintergründen s. Gibbs, S. 134 ff., 170 ff.). 2. Würde sie aber die „Enthüllung” zum Anlaß nehmen, um ihre gegenüber dem im Juli 1934 bekanntgegebenen Programm erweiterten Pläne für die RAF zu rechtfertigen, dann mußte sie damit rechnen, daß ihr nicht mehr das Argument abgenommen wurde, es handle sich lediglich um die Erreichung der in den zwanziger Jahren festgesetzten Sollstärken. Die Anklage würde lauten, die Regierung nehme den ersten Vorwand wahr, um das Wettrüsten zu beginnen. Nach dem Scheitern der Abrüstungskonferenz, der Kritik an der Untätigkeit der Regierung in der Frage der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und dem Beginn der Peace-Ballot-Kampagne waren Rüstungsausgaben nur in begrenztem Umfang zu verteidigen. 3. Um in den angestrebten Rüstungsbegrenzungskonventionen die Optimalbedingungen für England durchzusetzen, mußte England zunächst die Sollstärken erreichen; wenn die „Realitäten“die Basis für die Vereinbarungen bilden sollten, mußte England die Rückstände schnell wettmachen. 4. Andererseits durfte England diesen Aspekt in der Öffentlichkeit nicht zu stark betonen, weil dann Freund und Feind erfahren hätten, wie (schlecht) es um die englischen Streitkräfte bestellt war.Google Scholar
  236. 224.
    In diesem Zusammenhang ist die Personaldebatte über den zu ernennenden Minister of the Coordination of Defence zu sehen. Churchill schied nicht nur aus, weil seine Ernennung als Kampfansage an Deutschland aufgefaßt worden wäre, sondern auch aus dem Grund, weil Churchills Vorstellungen über die Expansion der Rüstungsmaßnahmen Reglementierungsrechte des Staates gegenüber Industrie und Gewerkschaften implizierten. Vor und in der Märzkrise 1936 hütete sich die Regierung, außenpolitische Argumente — außer generellen Referenzen („alle Mächte rüsteten auf“usw.) — zur Begründung ihrer Aufrüstungspro-gramme heranzuziehen. Einmal schreckte die Reaktion auf das Defence White Paper 1935 ab, zum anderen mußte die Regierung — angesichts des Engagements der Labour Party im Abessinien-Konflikt — damit rechnen, daß der allgemein hergestellte Zusammenhang zwischen Aufrüstung und Völkerbundspolitik konkretisiert, d.h. die Rüstungsmaßnahmen als Anlaß gewertet würden, gegenüber Italien entschiedener aufzutreten.Google Scholar
  237. 225.
    1936 wollte das FO alles vermieden wissen, was die „working agreement“-Offerte hätte beeinträchtigen können. Das betraf handelspolitische Maßnahmen (Importrestriktionen), vor allem aber Hinweise auf die deutsche Innenpolitik („Militarismus“). Außenpolitische Kalkulationen wirkten also gleichfalls dahin, der Rüstungsdebatte die antideutsche Spitze zu nehmen. C 998/4/18, 15.2.1936, FO 371–19 885, S. 276; vgl. oben, Kap. I.Google Scholar
  238. 226.
    C.P. 57 (36), Cab. 24–260; Cab. 10 (36), Cab. 23–83; s. ferner unten, Kap. IV/Abschn. 6.Google Scholar
  239. 227.
    4.12.1935, Cab. 51 (35), Cab. 23–82, S. 363 ff.; vgl. Anm. IV/351, 352.Google Scholar
  240. 228.
    Die industriellen Wahlkreise schienen 1934/35 nur zu halten, wenn die Regierung parallel zu Rüstungsprogrammen Friedensinitiativen startete bzw. sich auf den Völkerbundskurs verpflichtete (s. dazu Anm. IV/92). — In Interviews erklärten Baldwins damaliger Privatsekretär, Th. Dugdale, ferner Loder (Lord Wakehurst) und McEwen, wie wichtig derartige Gesichtspunkte für Baldwin waren. Dies bestätigt nur, wie kalkuliert Baldwins Ausführungen in dieser Hinsicht gegenüber der Defence Deputation im Juli 1936 sowie im Kabinett (26.2.1936) waren.Google Scholar
  241. 229.
    Diese Vorbehalte — Mitwirkung der USA; kein Überschreiten der Grenze zwischen militärischen und wirtschaftlichen Sanktionen u.a. — gehörten zum Repertoire derer, die wie Baldwin, Eden, Percy, Th. Jones die Berücksichtigung der von den Gewerkschaften und der Labour Party gesetzten Akzente betonten (zum Teil, um ihre eigenen Vorbehalte zu drapieren).Google Scholar
  242. 230.
    Sargent, 23.11.1935, zu C 7818/55/18 (Phipps an FO, 22.11.1935, über das François-Poncet/Hitler-Gespräch), Fo 371–18 851, S. 143. — Vgl. All Souls Meeting, 19.12.1937, Nicolson-Nachlaß: „It was pointed out that, even if Germany declined the terms offered, the approach would have been worth taking, as putting us right with our own public opinion“. Leeper hatte 1932 gleichfalls ein vom FO empfohlenes, von den Wirtschaftsressorts kritisiertes Lösungspaket damit begründet, daß man den Versuch wagen solle, um die Regierung vor der eigenen öffentlichen Meinung von der Verantwortung für Fehlschläge zu endasten; s. oben, Kap. III.Google Scholar
  243. 231.
    K. Wood an Eden, 22.5.1936, FO 371–19 906; ähnlich im Tenor MacDonald an Eden, 22.5.1936, ebd., S. 66. Über K. Wood (und Simon) in der Märzkrise 1936 s. Eden, S. 360 ff.; Barnes/ Middlemas, S. 923. Über Wood, Simon, Inskip, Brown und Ormsby-Gore als „Symbolfiguren“der Appeasement-Politik s. Lloyd George’s Äußerung: Jones, Diary with Letters, S. 247.Google Scholar
  244. 232.
    Siehe Anm. IV/25, 48, 85 („deutsches Volk als Faktor der Appeasementpolitik“). Die Auffassung, während der Dauer der Wiederaufrüstung so tun zu müssen, als ob Deutschland ähnliche Interessen und Ziel-Prioritäten habe wie die englische Politik und daher an Ausgleichsverhandlungen interessiert sei, ergab sich daraus, daß England über keine Macht-und Einflußmittel verfügte, mit denen es gleichwertig den Wettbewerb mit den deutschen Droh- und Lockmethoden im Einsatzfeld Mittel- und Südost-Europa aufnehmen könnte. Hinzu kam, daß Deutschland sich trotz der Niederlage im Ersten Weltkrieg zur wirtschaftlichen Großmacht entwickelte, während England mit den Folgen der veränderten Welthandelsstruktur und der Überkapazitäten in bestimmten Wirtschaftszweigen nicht zurechtkam. Im Falle eines weiteren deutsch-englischen Konflikts würden sich die unterschiedlichen Folgewirkungen — Regenerierungschancen für Deutschland, Zerfall der imperialen Machtposition, Aufzehrung der „Auslandsguthaben“und Kreditwürdigkeit — erneut bemerkbar machen.Google Scholar
  245. 233.
    Hankey an Phipps, 8.3.1935, Phipps-MSS., 3/4, S. 42 ff. Hankey versuchte vergebens, den § 5 aus dem Defence White Paper zu eliminieren, um den Berlin-Besuch von Simon und Eden nicht zu gefährden.Google Scholar
  246. 234.
    Sargent an Phipps, 7.3.1935, Phipps-MSS., 2/10. Zur Baldwin-Rede s. oben, Kap. I; Ros-kill, Hankey, Bd. I, S. 149 ff. Zur Vorgeschichte des Defence White Paper 1935: Cab. 21–406, 407; Gibbs, Rearmament Policy, S. 171 ff.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 791 ff.; 30.1.1935, Cab. 23–81, S. 91; 25.2.1935, ebd., S. 159 f.; Cmd. 4827, 1.3.1935, Statement Relating to Defence in Connection with the House of Commons Debate on March 11, 1935.Google Scholar
  247. 235.
    C 998/4/18, 15.2.1936, FO 371–19 885, S. 276.Google Scholar
  248. 236.
    Pownall-Diaries, 3.3.1936, S. 103: „Van’s memorandum gave up the demilitarized zone as a lost cause and strongly urged the handing back of colonies as well.“Vansittart, 3.2.1936, FO 371 - 19 884: „our first object …[is] to prove to our own people that we have made every effort to secure peace, but not at the expense of other people. That will be highly important, if it comes to a show-down.“Vgl. oben, Kap. II/„Vansittart“. Zur Wahl der Anknüpfungspunkte für Appeasement-Vorstösse s. oben, Kap. III/C.Google Scholar
  249. 237.
    Besonders deutlich N. Chamberlain 1934 anläßlich der Kritik am Report des Hankey-Committee: Chamberlain lehnte eine Verteidigungsanleihe ab und trat für eine Konzentration auf das „Wesentliche“ein — d.h. das, was die öffentliche Meinung „verkrafte“; s. oben, Kap. IV, Abschn. 1; vgl. Gibbs, Rearmament Policy, S. 123–125; Shay, British Rearmament, S. 39 ff. — Die Gewerkschaften setzten sich — gemeinsam mit Keynes — seit den Anhörungen im Macmillan-Committee für „deficit spending“ein, freilich für „produktive“Zwecke und nicht für „defence loan“. Das Interesse einzelner Gewerkschaften, Rüstungsaufträge für die „derelict areas“einzuholen, tritt zwar wiederholt auf, aber die Gewerkschaftsführung wehrte sich — auch aufgrund des internen Meinungsgefalles und massiver Vorbehalte gegen die Nationale Regierung — gegen die Versuchung, Arbeitsbeschaffung und Aufrüstung miteinander zu koppeln.Google Scholar
  250. 238.
    Vgl. Davis, The British Labour Party and British Foreign Policy 1933–1939; Naylor, Labour’s International Policy, S. 150 ff.; Burridge, British Labour and Hitler’s War.Google Scholar
  251. 239.
    Zum Zusammenhang Saarfrage/Appeasement-Initiative 1934/35 s. oben, Kap. I. — Hails-ham, 28.11.1934, Cab. 23–80, S. 251 f.; Simon-Diary, 9.12.1934: Simon habe über Hoesch — der sich ablehnender als Hitler verhielt — und Laval die Zustimmung der Betroffenen eingeholt, bevor er im Kabinett die Entscheidung suchte. Simons Version widerspricht Edens Schilderung der Saaraktion in einigen Punkten (Eden, S. 102 ff.). — 1936 hatte ein französischer Stabsoffizier inoffiziell dem englischen Militärattache die Entsendung einer „international force“in die Rheinzone vorgeschlagen (16.3.1936, Cab. 27— 603). Auch Flandin gab dem Vorschlag eine Chance — falls die internationale Streitmacht nur auf deutscher Seite der Grenze stationiert würde; s. auch Pownall-Diary, 16.3.1936, S. 106.Google Scholar
  252. 240.
    Simon-Diary, 9.12.1934. — Im Interview mit Hitler hatte Ward Price den Vorschlag einer „international force“in Anspielung auf den Erfolg anläßlich der Saarabstimmung unterbreitet und Resonanz gefunden. Ward Price gab den Vorschlag über Hankeys an der Botschaft tätigen Sohn sowie direkt an Halifax, Eden und das FO durch. N. Chamberlain setzte sich im Locarno-Ausschuß dafür ein und betonte die Analogie zur Saarfrage: 16.3. 1936, Cab. 27–603. — Der Einfluß dieser Journalisten ist zu sehen vor dem Hintergrund des Interesses, die deutsche Seite aus erster Hand kennenzulernen. Daraus resultierte auch eine Anfälligkeit für Vorschläge, englische Minister sollten Hitler treffen. Zu diesen „Episoden“(1933, 1935 und 1936) s. Jones, Diary with Letters, S. 214 ff.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 748 f., 948 ff.; Tennant, True Account, S. 164 ff.; Marquand, S. 756 f.Google Scholar
  253. 241.
    16.3.1936, Cab. 27–603; CIGS: Wenn die Wahl bestehe zwischen Truppenentsendung zur Hilfe an Frankreich und Stationierung als Teil einer internationalen Streitmacht in der Zone, dann ziehe er letztes als symbolischen Akt vor; s. auch Pownall-Diaryt 16.3.1936, S. 106; Saar-Committee Cab. 27–573, 3.12.1934; ferner Hailsham, 22.11.1934, Cab. 27–572, 1. Sitzung; Eden, I, S. 102 ff.; Weinberg, S. 198 ff.; Baldwin, 3.12.1934: Das englische Volk verlange von seiner Regierung „to display more decision in international affairs“; England solle Europa den Frieden bringen (s. Jones, Diary with Letters, S. 139). Die Stabschefs kommentierten den Vorschlag in beiden Fällen zurückhaltend (s. Gibbs, Rearmament Policy, S. 245).Google Scholar
  254. 242.
    Eden-Memo., C.P. 42 (36) = G (36) 3, § 5, 14.2.1936; zit. in: Eden, S. 335. Sargent, 10.2. 1936, C 796/4/18, FO 371–19 884, S. 25 ff. — Der strategische Wert der Rheinzone war seit 1918/19 ein ständiger Diskussionspunkt in Regierungskreisen und in der informierten Öffentlichkeit (Chatham House). Zu den Verschiebungen in der Urteilsbildung s. Emmer-son, The Rhineland Crisis, Kap. II; vgl. oben, Kap. 1/2. — J.M. Marsh all-Cornwall (britischer Militärattache in Berlin 1928–32), Geographie Disarmament, London 1935; E.L. Spears, The Problem of the Rhineland, 24.3.1925, in: RUA, IV (1925), bes. S. 128 f.; Spears und Marshall-Cornwalls Vorschläge wurden im FO und in der Regierung beachtet und von der deutschen Botschaft aufgegriffen — s. zum Beispiel GD-C, V, S. 68. Ihre Argumente kehren in der Presse wieder: Spears, 29.1.1935, in: International Affairs. Durch die Entwicklung der Luftwaffe sei die Funktion der Rheinzone entwertet worden; die 1919 getroffenen Regelungen seien moralisch nicht haltbar — oder nur, wenn die Demilitarisierung zumindest symbolisch auch auf der französischen Seite durchgeführt werde (s. Flandin, S. 70). Die Times hatte Frankreich im Dezember 1933 aufgefordert, freiwillig auf den Rheinzonen-Status zu verzichten; Hitler werde sein Ehrenwort halten und Frankreich nicht angreifen, wenn Frankreich in der Prestigefrage Einsicht zeige. — Die Stabschefs wurden im Januar 1936 aufgefordert, den strategischen Wert der Rheinzone zu beurteilen: WO, CID 1211-B, 27.1.1936; AM, CID 1210-B, 24.1.1936, in: FO 371–19 883, S. 221 ff.; CID, 30.1.1936, Cab. 2–6/1, S. 243; 14.1.1935, Cab. 23–81, S. 28;Hankey/Vansittart-Korres-pondenz 8.-18.1.1936, FO 371–19 883.Google Scholar
  255. 243.
    11.12.1935, Cab. 54 (35) 7, Cab. 23–82, S. 428–430. Die Aufrüstung (rearmament) sollte über die Beseitigung der Rückstände („deficiencies“) hinaus England auf einen Kriegsfall in Europa aufrüsten. Es ist jedoch bezeichnend, daß der Aufbau der „shadow factories“als Produktionsreservoir im Kriegsfall zunächst im Hinblick auf den Abessinien-Kon-flikt vorgenommen wurde. Die Stabschefs und Inskip drängten deshalb darauf, die „dislocation“zu beseitigen und den Blick von den Nebenschauplätzen auf die Hauptaufgabe zurückzulenken, nämlich die Streitkräfte per 1.1.1939 in einen „kriegstüchtigen“Zustand zu versetzen; s. die Richtlinie, zit. in: Gibbs, Rearmament Policy, S. 180 (Juli 1935).Google Scholar
  256. 244.
    Ein Beispiel dafür, daß England von seiner inneren Disposition her „bündnisunfähig“war, ist die Reaktion auf die deutsche Aktion vom 16.3.1935: s. Simon-Diary, 21.3.1935; s. auch oben, Anm. 1/233, Anm. IV/57 f. und Anm. IV/328. Im Unterschied zur Zeit vor dem Ersten Weltkrieg lehnte England „moralische“Verpflichtungen im Sinne von Stabsgesprächen ab, obwohl es „would fight to the last French soldier“(Dennis, Decision by Default, Kap. 4); vgl. Gibbs, Rearmament Policy, S. 615 ff.Google Scholar
  257. 245.
    Zum „Mandat für Aufrüstung“„Sense of confidence“s. C.P. 19 (35), § 7, S. 2, Cab. 21–413; 26.2.1936, Cab. 23–83, S. 178 ff.; vgl. Anm. IV/52, 61, 63, 190/191.Google Scholar
  258. 246.
    8.2.1935, COS 364 = CID 1161-B, §§ 16/17, Cab. 21–413; s. auch oben, Kap. 1/4.Google Scholar
  259. 247.
    Diese Auffassung stand im Gegensatz zur Argumentation des FO. Das FO meinte, Deutschland würde nur dann einem „vernünftigen“Abkommen zustimmen, wenn England und Frankreich vorher eine gemeinsame Marschroute abgesteckt hätten. Gegen diese „sign on the dotted line“-Methode (Westblockstrategie) setzte sich seit dem Frühjahr 1935 (Vorgespräche über Stresa-Konferenz) schrittweise die „Normalisierungs“-these Hankeys und der Stabschefs durch; s. oben, Kap. I und II; Simon-Memo., 29.11.1934, G.R. (34) 3, § 6, Cab. 27–572; Hankey-Memo., 14.2.1935, CID 1162-B, §§ 50, 55; Hankey-Memo., 2.2.1935, Cab. 21–413, S. 6; Hankey, Protokoll A.F. (B) (35), S. 7 ff., 16 f., 1.2.1935, Cab. 21–413. Zur Vereinbarung von Höchstgrenzen s. Anm. 1/298 und 1/338 sowie Anm. 1/50.Google Scholar
  260. 248.
    Im Zeitraum November 1935/März 1936 wurde das „Ideal Scheme“beraten und verabschiedet; es markiert den Übergang vom „re-equipment“zum „Rearmament“-Programm. In dieser Phase wurde — mit Blick auf die innenpolitische Konstellation — die „dual policy“getestet, d.h. Aufrüstung als vertrauensbildende Maßnahme gegenüber Frankreich und als Abschreckung gegenüber Deutschland ausgegeben und gleichzeitig die Präventivdiplomatie auf den Begriff „working agreement“gebracht. — Zum „Ideal Scheme“s. bes. Gibbs, S. 180, 170 ff.; Shay, S. 74 ff.; Roskill, Hankey, Bd. III, S. 192 ff.; Dennis, S. 58 ff.; Barnett, S. 414 ff.; Howard, S. 112 ff.; zu den innenpolitischen Begleitumständen s. Anm. IV/287.Google Scholar
  261. 249.
    Daß „Prag“und nicht „München“als Wendepunkt anzusehen ist, hat Gibbs (S. 647 f.) überzeugend begründet; für die Urteilsbildung des Verf. ist die in der Einleitung (Anm. E/28) zitierte Konstellationsfigur maßgeblich.Google Scholar
  262. 250.
    Das Urteil der deutschen Botschaft, eine Regierung, in der Churchill und A. Chamberlain wären, hätte schärfer reagiert, ist enthalten in Hoesch an AA, 21.3.1936, GD, C-V, Nr. 178, S. 236. Zur Verunsicherung in der Umgebung Hitlers und Hitlers durch die Meldung der Militärattaches s. Braubach, Einmarsch; Robertson, Wiederbesetzung, in-. VZG, X (1962), S. 203 ff.; Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 160 ff.Google Scholar
  263. 251.
    Churchill, 12.12.1936, HofC, Bd. 317, Sp. 1107. Vgl. W. Layton, in: Manchester Guardian, 4.8.1936: Baldwins Erklärungen seien ausgezeichnet und repräsentierten die öffentliche Meinung, worauf es jetzt ankomme, sei aber Führungsbereitschaft; für die englische Außenpolitik werde Baldwins Mentalität zum Handicap. — Die These, das Volk habe die Regierung, die es verdiene, s.u.a. Jones, Diary with Letters, S. 103 (Tawney). Andere Deutungen gehen weiter und behaupten, Baldwins „mood“spiegele den unterschwelligen Verlust des englischen Selbstvertrauens wider (s. Vansittart, Mist Procession, S. 444; Barnett, S. 298 u.a.O.). Die Deutung, Baldwin habe den Klassenkampf entschärft, indem er sich gegen Konservative/Industrielle stellte, die einen „clash“mit „labour“wollten, und er habe sich dadurch die Gefolgschaft derer gesichert, die seine Außenpolitik kritisierten (Boothby, O. Stanley, Loder u.a.), ist zwar umstritten, wird aber von Anhängern und Gegnern verfochten; Shinwell, Conflict, S. 52; Interview mit Lord Wakehurst (Loder), 29.6.1964; s. auch Eden, S. 446; Boothby, S. 52.Google Scholar
  264. 252.
    Amery, Political Life, Bd, III, S. 159: „The only thing that could have saved the public from being stampeded by the unholy combination of muddle-headed pacifists and panic-mongers with astute political wire-pullers was a whole — hearted counter — campaign led by the Government itself …“— Die Antwort gab Baldwin der Defence Deputation am 29.7.1936 (Cab. 21–438): „What would you tell them?“Die Antworten offenbarten, daß sie nur in einem Punkte mit einer Zunge sprachen: „Mehr Aufrüstung“, doch in den Begründungen, Zielrichtungen und Zweck-Mittel-Definitionen gingen die Meinungen noch weiter auseinander als im Kabinett. „Baldwin erwiderte, daß man als Plattform nicht wählen könne, die Rüstungspolitik ziele gegen Deutschland. Er sprach daher vom Gegensatz Demokratie gegen Diktatur, „which I think is the one line whereby you can get people to sit up in this country, if they think dictators are likely to attack them…but I have never seen the clear line by which you can approach people to scare them but not scare them into fits“. Die Argumente, die Baldwins Unterhauserklärung vom 12.11.1936 zum Angriffspunkt für Churchill machten, sind in der Antwort an die Defence Deputation enthalten — ohne daß Churchill dagegen Widerrede erhoben hätte. Zur Debatte über die umstrittene „Partei vor Nationalinteresse“-Rede s. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 969 ff.; Basse“, Telling the Truth; Gilbert, Churchill, Bd. V, S. 797 ff. — In Kabinettsdebatten -19.3.1934, Cab. 23–78, S. 292 — betonte Baldwin, daß mit dem Losbrechen einer Protestwelle zu rechnen sei, wenn die Regierung in der Aufrüstungsfrage aktiv werde. Die „centre left“-Sammelbewegungen und die Labour Party argumentierten im Vorfeld des Wahlkampfes 1935 und zum Teil noch im Frühjahr 1936, daß die Regierung in der Abrüstungsfrage initiativ werden solle. Die englische Flotte sei als Beitrag zur „pooled security“ausreichend (Labour); es genüge, wenn die Regierung Aufrüstung beschließe, aber diese nicht ernstlich beginne, sondern eine Verhandlungslösung anstrebe (Sinclair-Liberale; LNU). 253 Ähnliche Ansprüche wurden auf Erfahrungen in Indien begründet bzw. Politikern wie Hoare oder Halifax als Fähigkeitsnachweis für den Außenministerposten zugute gehalten. Ins Negative gewendet, führt der Vergleich dazu, daß Erklärungen Baldwins gegen die von Churchill geführte Indien-Fronde — England könne nicht mehr als „Herr“auftrumpfen usw. — als Verzichtpolitik in eine Reihe gestellt werden mit der Beschwichtigung der Diktatoren und später (Zweiter Weltkrieg) mit der Unterwürfigkeit gegenüber den USA (Barnett, Vansittart). Der von Jones erhobene Anspruch hat Tradition — zum Beispiel begegnet er in Lloyd George’s Memoiren als Anklage gegen Grey, dessen Karriere nur außenpolitische Stationen und keine innenpolitischen Ressorterfahrungen verzeichnete; s. im einzelnen die Habil.-Schrift des Verf.; vgl. Anm. E/24 (Taylor, Ursprünge, S. 160).Google Scholar
  265. 254.
    Th. Jones, Printed Diary, 16.6.1936, S. 196–198; die relevante Passage ist in der veröffentlichen Fassung, Diary with Letters, S. 224, nicht enthalten. Jones markierte die Stelle, die über den von Baldwin ausgefochtenen Streit um das Hitler/Baldwin-Treffen mit Eden berichtet, mit „omit“: Jones-MSS., Series P, Bd. 2, Nr. 137, S. 1–3. — 1938 gab Jones Eden die Schuld, daß England es versäumt habe, Hitler eine faire Chance zu bieten, er begrüßte Edens Rücktritt im Februar 1938; Jones an Flexner, 24.2.1938, Jones-MSS., Class S, Bd. 2, Nr. 33. Zu Jones’ diplomatischen Aktivitäten — Gespräche mit Ribbentrop/Ten-nant und Baldwin über ein Treffen Hider/Baldwin 1936 und Jones’ und Lloyd George’s Deutschlandreise — s. Diary with Letters, S. 197 ff., 206, 214 ff., 224 u.a.O.; Eden, I, S. 374; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 748 ff., 948 ff. Jones bemühte sich darum, daß Botschafter Phipps aus Berlin wegberufen wurde (Diary with Letters, S. 208).Google Scholar
  266. 255.
    E.H. Carr, The Twenty Years’ Crisis 1919–1939, London 1939, S. 272; das Zitat findet sich auch bei N. Thompson, The Anti-Appeasers, Oxford 1971, S. 30 f. — Baldwins Rechtfertigung des Verhaltens der Regierung im Disput mit den Bergarbeitern 1925/26 gleicht im Argumentationsmuster den Rechtfertigungsbemühungen der „Appeaser“, d.h. der Zeitgewinntaktik zwecks Verbesserung der eigenen Abwehrchancen: „I still think we were right in buying off the strike in 1925, though it proved once more the cost of teaching democracy. Democracy has arised at a gallop in England and I feel all the time it is a race for life. Can we educate them [sic!] before the crash comes?“; Baldwin an Halifax (1927), in: Young, Baldwin, S. 103; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 1078. — A.J.P. Taylor bezeichnet friedliche Revision als contradictio in adjecto. Denn sie werde einmal als Weg dargestellt, auf dem „Krieg“verhindert werden könne, zum anderen könne sie nur durch Methoden erreicht werden, die den Krieg näherbrächten (S. 375). Für englische Politiker, die friedlichen Wandel als Existenzbedingung der englischen „Klassengesellschaft“und des Empire-Commonwealth begriffen, war — bis zum Beweis des Gegenteils („Prag“) — nicht einzusehen, warum das Verhaltensmuster nicht auch in der Europapolitik erprobt werden sollte. 256 „Appeaser“meint an dieser Stelle „pro-deutsche“Haltung.Google Scholar
  267. 257.
    Zur Geschichte und Bedeutungsvielfalt des „Balance of Power“-Begriffs s. die Habil.-Schrift des Verf. Die „klassische“Arbeit zu diesem Thema ist der Essay von Wight in: Butterfield, Diplomatie Investigations, S. 149 ff.; ferner E.B. Haas, in: James N. Rosenau, International Politics and Foreign Policy, New York 1961, S. 318–329; Holbread, Concert of Europe; Howard, Britain and the Casus Belli; Meyers, Sicherheit und Gleichgewicht, in: Rh.VjbL, Bd. XXXVIII (1974), interpretiert die englische Außenpolitik zu stark im Spannungsfeld Von Gleichgewicht- und Isolationismus-„Well en“. Aus der umfangreichen Literatur über die Völkerbundsbewegung und den Völkerbundsgedanken sowie die League of Nations Union seien nur folgende Arbeiten hervorgehoben: Walters, History of the League; Cecil, Great Experiment; Zimmern, The League of Nations and the Rule of Law; Most, Großbritannien und der Völkerbund.Google Scholar
  268. 258.
    Zur methodologischen Begründung s. Joli, Unspoken Assumptions; ders. (Hrsg.), Britain and Europe, Einleitung, bes. S. 4, 8 ff. Interaktionsmuster entwickeln: Northedge, Troubled Giant, S. 619 f.; Frankel in: Kaiser/Morgan, Britain, S. 96 ff.; Wolfers, Britain and France, S. 214: Der psychologische Impuls, der von den Erfolgen der „flexible policy“und „temporary agreements“in der Empire — Commonwealth-Politik ausging, habe als Rückhalt für entsprechende Versuche in der Europapolitik gedient. Auf die Kritik an Al-mond/Verba, Civic Culture, und am Begriff „politische Kultur” als analytischem Instrument braucht hier nicht eingegangen zu werden; s. den zusammenfassenden Literaturüberblick von Kavanagh, Political Culture.Google Scholar
  269. 259.
    Als Beispiel: Runciman verlangte von „Politikern“, daß sie sich wie praktisch orientierte Geschäftsmänner verhielten, d.h. die eigene Position nicht überziehen („too clever“); Maßstab des Handelns solle ein „working agreement“sein, das keine Seite übervorteile. Aufgabe politischen Handelns sollte es sein, soviel wie möglich beizutragen, „to the reasonableness by which alone the world can be saved.“Runciman an Simon, 1.8.1938, Simon-MSS. N. Chamberlain wollte innenpolitische Manöver-Erfahrungen in das internationale Krisenmanagement übertragen: „I am glad to see the Germans concentrating on the one sided arrangement…because we have something upon our sleeves there to which the French and Belgians have agreed but about which we have as yet said nothing to Ribbentrop. I have always played this game in the House of Commons trying to get criticism focussed on the points on which I have something to give away and it has often served me in good shed….“, N. Chamberlain an Hilda, 21.3.1936, NC 18/1/952.Google Scholar
  270. 260.
    Beispiele sind: 1. daß die Regierung Forderungen und Beschwerden in beiden „issue areas“„Sachkommissionen“zur Prüfung und Ausarbeitung von Empfehlungen anzuvertrauen bemüht war; 2. die für das politische Verhalten der englischen Konservativen „typische“Vorstellung, daß ein brüchiger Damm besser sei als gar keiner; es wäre von Vorteil, ihn zu reparieren oder auf zurückgezogener Linie neu zu errichten statt sich den Fluten auf vorgeschobener Front entgegenwerfen zu wollen (Eden, 12.1.1937); diese Auffassung vertraten Baldwin im Unterhaus (29.10.1936) und Eden gegenüber der Auslandspresse (12.1.1937); das innenpolitische Pendant ist Baldwins sog. Lincoln-Speech vom 6.3.1925, s. A.W. Baldwin, My Father, S. 302; Young, Baldwin, S. 93; Anspielungen darauf finden sich in: Jones, Diary with Letters, S. 64 (27.9.1932), sowie anläßlich der Gespräche über ein Treffen Hitler/Baldwin, ebd., S. 181, 206. Systematisch entwickelt sind ähnliche Handlungsmaximen von Th. C. Schelling, The Strategy of Conflict, Cambridge /Mass. 1960, S. 3 ff. 3. Das Schlagwort „sense of confidence“spielte in der englischen Innen- und Außenpolitik eine gleichwertig hohe Rolle. Dies setzt voraus, daß die Kontrahenten einander nicht als „Feinde“im Sinne von C. Schmitt begreifen und begegnen; vielmehr gilt es, den Gegner zu überreden, nicht ihn zu besiegen. So wie Baldwin es — gegen den Rat der wichtigsten Minister 1925/26 — ablehnte, durch „Säbelrasseln“die Bergarbeiter abzuschrecken (statt dessen wurden im „Stillen“Vorkehrungen für den Fall eines Generalstreiks getroffen), so wandte er sich in den internationalen Beziehungen gegen demonstrative Blockbildungen; „Säbelrasseln“könne dazu führen, daß man in die Lage manövriert werde, die Waffen zu ziehen. 4. Die Devise, gerade in kritischen Situationen Gesprächsbereitschaft zu signalisieren und gleichzeitig wissen zu lassen, in welchen Punkten man die „operative ideals“nicht zur Verhandlung stellen werde, sollte für Innen- und Außenpolitik gelten. Die „bargaining procedures“sollen als außenpolitische Kehrseite eines innenpolitisch eingeschliffenen Stils gelten.Google Scholar
  271. 261.
    Außer den in Anm. IV/255 und W/260 besprochenen Punkten können als Zeichen „positiver“Haltung von Lab our-Führern gegenüber Baldwin gelten: Laski (Juni 1930), in: Young, Baldwin, S. 151; Shinwell, in: Times, 20.4.1936, S. 11; H. Morrison, 9.12.1935, HofC, Bd. 307, Sp. 679–681; Grenfell, 6.12.1935, HofC, zum Teil zitiert in A.W. Baldwin, My Father, S. 293. Für Attlee, Dalton, Bevin und Greenwood war Baldwin ein „trickster“, ein Geschäftsmann, der die eigentlichen „Sorgen“der Arbeiterschaft nicht verstehe und zur Verbesserung ihres Loses wenig tat, ein „hypocrite“, dessen schönen Worten keine Taten folgten.Google Scholar
  272. 262.
    Das Erklärungsmodell der „deferential attitudes“(Kavanagh) und Cowlings Begriff „high politics“suchen zu erfassen, warum in England trotz ausgeprägter Klassenspannungen „radikale“politische Bewegungen Randerscheinungen geblieben sind. Die ältere verfassungsrechtliche Literatur — zum Beispiel I. Jennings — schreibt der „parlamentarischen Kultur“das Verdienst zu, ein Durchschlagen der sozialen Gegensätze in die politischen Kontroversen des Zwei-Parteien-Systems verhindert zu haben. Eine Inhaltsanalyse der Wahlkämpfe in den zwanziger und dreißiger Jahren könnte zeigen, daß die meisten der aus der deutschen und der französischen Geschichte des späten 19. und des 20. Jahrhunderts bekannten Diffamierungsparolen auch die Wahlreden englischer Politiker (einschließlich der Minister) beherrschten (die Parteiführer in der Regel ausgenommen). Die Entscheidungsfindung in den Kabinetten ließ die „verbalen Kraftakte“vor der Tür, die Wahlreden waren eher Pflichtübungen.Google Scholar
  273. 263.
    Es gehört zu den Verdiensten Cowlings, dies zumindest im Ansatz grundlegend verdeutlicht zu haben.Google Scholar
  274. 264.
    Vgl. Frankel, in: Kaiser/Morgan, Britain, S. 82 ff.; Barnett, S. 91 ff-, 98 ff., 120 ff. u.a.O.; Watt, Personalities, Essay 1 und 2; Cowling, The Impact of Labour-, ders., The Impact of Hitler, passim.Google Scholar
  275. 265.
    Frankel, in: Kaiser/Morgan, Britain, S. 83 ff. — Vgl. K. Rohe, Review Article, in: The Round Table, LXI (1971), S. 131: „political pragmatism as a philosophy has its narrowly defined historical place in being the proper philosophy of those who can afford to be content with a minimum of slow change — the beati possidentis.“Google Scholar
  276. 266.
    Zur „Vertragstreue“s. den Schluß dieses Abschnitts; vgl. Meyers, Locarno, S. 318; GD, C-IV, Nr. 562, S. 1135 ff.; s. auch Gibbs, S. 647 (N. Chamberlain, 26.11.1937).Google Scholar
  277. 267.
    Das gilt nur, soweit nicht „Ordnungsprinzipien“betroffen waren (s. zum Beispiel die Diskussion über das „Ministry of Supply“, in dem man einen Katalysator des Staatsinterventionismus erblickte). Die Forderungen von „labour“und insoweit die latenten Konfliktherde lagen in der Regel unterhalb dieser „Reizschwelle“, sie waren „pragmatisch“angelegt; freilich gab es auf beiden Seiten stets aktive Minderheiten, die auch außerhalb der Wahlkampfzeiten die „verbalen Kraftakte“fortführten.Google Scholar
  278. 268.
    Baldwin, 11.3.1936, Cab. 23–83, S. 295; s. auch Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 918, 814. Eine „bolschewistische“Wendung erwartete man in Italien im Falle verschärfter Sanktionen; zum Teil fand das Argument auch in der „München“-Krise Anwendung; s. oben, Kap. I, Abschnitte „Frankreich“und „Rußland“; zur Stellung des FO im Spannungsfeld Faschismus-Kommunismus s. Lammers.Google Scholar
  279. 269.
    Für „politische“Außenseiter — zum Beispiel Londonderry — folgte daraus, daß England mit dem Dritten Reich Kontakt suchen müsse: Indem beide Länder ihre Gegnerschaft zum Bolschewismus betonten, könnten sie zur Stabilisierung in Europa beitragen. Falls England sich für die deutsche Propaganda offen zeige, könne es umgekehrt einen Einfluß auf die deutsche Politik nehmen; falls England dem französisch-russischen Pakt beitrete, zwinge es das Hitler-Regime, die Fragen in die eigene Hand zu nehmen. Frankreich sei für das Hitler-Regime verantwordich. England dürfe nicht im Sog der Freundschaft mit Frankreich in den Einflußbereich des Bolschewismus geraten (Londonderry an Croft, 3.7.1936, 28.9. 1937, Croft-MSS., 1/15). — Innerhalb der Regierung standen nur wenige (u.a. Ormsby-Gore) anti-bolschewistischen Positionen nahe; er ist jedoch kein Befürworter eines Appeasement. Diese Ausführungen sollen nur zeigen, daß die Regierung keine „anti-sozialistische Innenpolitik“verfolgte und daß deshalb das Schlüsselglied in der Argumentation von M. George, Rothstein u.a. ausfällt.Google Scholar
  280. 270.
    Siehe hierzu G. Schmidt, Wozu nach ‚politische Geschichte‘?, B 17/75, S. 38 f. — Man erwartete, daß die Opposition die Interventionspolitik als Interessenpolitik im Dienst der Rüstungsprofi teure („war-mongers“) bekämpfen, die Parole „Sozialreform statt Kriegspolitik“ausgeben und innere Unruhen auslösen könnte, in denen ein Solidarisierungseffekt eintreten würde. Das Argumentationsmuster begegnet in allen innerenglischen Auseinandersetzungen mit „revolutionären Regimen“rechter (Bonapartismus) und linker Observanz; s. dazu die Habil.-Schrift des Verf.; ferner M. Gilbert, Roots; Grüner, ‚British Interest‘; ders., Die Interaktion von britischer Deutschland- und Europapolitik z.Zt. des Wiener Kongresses, in: O. Kuhn (Hrsg.), Großbritannien und Deutschland, 1974, S. 93–138.Google Scholar
  281. 271.
    Dieses Argument spielte 1935 anläßlich der Beratungen über die von Frankreich aufgeworfene Frage nach der Reaktion im Falle einer Rheinzonen-Krise eine Rolle; s. dazu oben, Kap. I, Anm. 59/60; vgl. Gibbs, Rearmament Policy, S. 152 ff.; zu den Vorentscheidungen in der München-Krise s. Middlemas, Diplomacy of Illusion, Kap. 8.Google Scholar
  282. 272.
    Siehe Anm. IV/270; zur Position Churchills 1919/20 s. Nelson, Land and Power, S. 328 ff-, 337; Boadle, Winston Churchill, S. 20 ff., zeigt die Schwankungen in Churchills Haltung. Zur Debatte 1936 s. auch H. Nicolson, 12.3.1936, zit. bei Thompson, Anti-Appea-sers, S. 108. — Die Problemidentifikation lautete: Sollte England Frankreich zur Wahl zwingen zwischen „agree to revisionism or march on Berlin without us“? (1919); ähnlich lautete die Frage 1936: Revision oder Vorstoß ins Ruhr- und/oder Saargebiet? Bei einigen spielte sowohl 1919 als auch 1936 das Argument mit, England dürfe dem Haß und Ehrgeiz der „Latins“gegen Deutschland nicht zu weit folgen.Google Scholar
  283. 273.
    Die Navy League forderte den Bau einer 70-Kreuzer-Flotte, auch unter Verstoß gegen die mit den USA und Japan ausgehandelten Verträge, sowie eine Reihe von Alleingängen in „technischen Fragen“, gleichfalls unter Hinwegsetzung über qualitative Abrüstungsvereinbarungen. Die Verbandszeitschrift „Navy League Quarterly“zeigt die NL als hemmungslose Pressure Group, die eine auf allen Operationsfeldern — Pazifik, Atlantik, Mittelmeer— ausreichend starke Flotte verlangte und den Dominions gegenüber wie eine Zentralgewalt auftrat.Google Scholar
  284. 274.
    Ein Hauptpunkt der Forderungen der FBI betraf die Konzentration der Handelsvertragspolitik auf Länder mit komplementären Volkswirtschaften (FBI/C/2/1932, Minutes, Tariff and Commercial Treaties Committee, 19.9.1932) bzw. die Aufhebung von Handelsverträen, die nachweislich den englischen Interessen schadeten. Dazu gehörte auch der Widerruf des Zahlungsabkommens mit Deutschland, freilich in erster Linie zu dem Zweck, Neuverhandlungen zu erreichen. Zu den Vorstössen der FBI s. Locock an Runciman, 10.5.1933, G 1389, FBI/S/Walker/91, File Commercial Policy 1932/34, S. 57 f.; British Commercial Policy, D 3805 A, 1934, Locock-Entwurf vom 23.1.1934, FBI/S/Walker/4, File Tariffs and Commercial Treaties 1933/34, S. 385–389; 23.4.1934, FBI-Deputation/Runciman, betr. o.g. Denkschrift/Eingabe, mit der Forderung, die MFN-Klausel preiszugeben, FBI/S/ Walker/91, File Commercial Policy 1933/34, S. 85 ff; 27.4.1934, Rede des Präsidenten der FBI in Liverpool; 11.5.1934, Tariffs and Commercial Treaties Committee, Conclusions G/4849, FBI/S/Walker/88, File Commercial Policy 1934, S. 96 f.;Mai/Juni 1934, D 5276 B, Briefwechsel FBI/Locock-BofT, betr. § 10 des Trade Agreement mit Deutschland; 20.9. 1934, G 5990, Locock an Runciman, FBI/S/Walker/ 88, File Commercial Policy 1934, S. 213–215, 265–266. Ab 1936 artikulierte die FBI in einerneuen Welle ihre Unzufriedenheit mit dem 1934-Abkommen. Völlig hemmungslos agitierte die Agrarlobby (ca. 70–100 MP, mit einem harten Kern von 12–23/25 MP), daß die Regierung allen Verträgen den Rücken kehren solle, falls Argentinien, Dänemark u.a. nicht einer Revision der Handelsverträge im Sinne der Forderungen der englischen Landwirtschaft zustimmten. Die Marketing-Schemes sollten dazu benutzt werden, „agrarische Selbstversorgung“weitestgehend zu ermöglichen; unter dem Titel „Food and Defence“wendete man die Schutzbegehren und Subventionsforderungen ins nationale Interesse schlechthin. Die Außenminister (Simon, Eden) und Handelsminister (Runciman), die an die Industrieexportinteressen denken muß-ten, hatten erhebliche Schwierigkeiten, sich der u.a. von Landwirtschaftsminister Elliot unterstützten Forderungen zu erwehren; zu Elliot s. Drummond, S. 108 ff., 230 ff.Google Scholar
  285. 275.
    Zu den Strategien der Economic Appeaser s. oben, Kap. III. Die Aufteilung der Welt in Großraumwirtschaftsverbände wurde besonders von Amery (mit einer Spitze gegen die USA) verfochten: s. Amery, Political Life, Bd. III, London 1955, S. 202 ff.; ders., The Forward View, London 1936. — Auch Italien wurde von Rechtskreisen eine „Mission“in Abessinien zugebilligt, zum Beispiel von dem Historiker und A. Chamberlain-Biographen Ch. Pétrie. Die Gleichstellung „Mitteleuropas“mit „Ottawa“/„Monroe-Spheres“findet sich in den Auffassungen Amerys, Hankeys, Lothians und Cranbornes, allerdings mit inhaltlich unterschiedlicher Ausrichtung.Google Scholar
  286. 276.
    R. MacDonald, 11.12.1934, Cab. 27–572 (Committee on German Rearmament). — Von der Überzeugung ausgehend, daß ein zweiter deutsch-englischer „Weltkrieg“um fast jeden Preis verhindert werden müsse, verlangte die englische Politik eine größere Flexibilität in den Fragen, die als „lokale“deutsche Forderungen eingestuft wurden. Auf diesen Tenor war R. MacDonalds Guildhall-Speech (9.11.1934) abgestimmt. — Das Flottenabkommen ist der „typische“Fall, in dem diese Einstellung zur Rechtfertigung einer Appeasement-Aktion maßgeblich beitrug; Eden, S. 230 ff.; Feiling, S. 257 t\Pownall-Diaryi 16.12.1935, S. 94; Baldwin, 4.3.1936, HofiC. Die Auffassung, daß man zwischen „Appeasement“(Locarno) und „Diktaturmethoden“(Versailles) unterscheiden müsse, wurde dahin erweitert: Falls England in diesem Sinne handle, werde es frischen Wind in die deutsch-französischenglischen Beziehungen bringen und einen Neubeginn ermöglichen (s. History of „The Times“, Bd. IV, S. 892). Times und Observer sprachen zur Zeit der englisch-französischen Konferenz (1.2.-3.2.1935) von der Notwendigkeit, „neues“Recht, d.h. die Legalisierung der deutschen Aufrüstung, an die Stelle der obsoleten Versailler Bestimmungen zu setzen. Die Reaktion der Presse auf die Aktion vom 16.3.1935 ist dahin zusammenzufassen, daß man froh war, die Illusionen des Versailler Vertrages enthüllt zu sehen. Nun, da die Luft vom Gift falscher Sicherheitsmittel befreit sei, könne man testen, ob Deutschland normale Beziehungen wünsche und fähig sei, mit anderen „normal“zu verkehren. An die Stelle des Waffenstillstands von Versailles könne eine Friedensordnung treten.Google Scholar
  287. 277.
    Die Regierung Grey/Asquith hatte auf Lloyd George und den linken Flügel der Liberalen sowie auf die Labour Party als „Koalitions“-Partner Rücksicht nehmen müssen und zum Teil die gegenüber Frankreich eingegangenen „moralischen“Bindungen vor dem Gesamtkabinett und den Parteigremien geheimgehalten. Die Argumentation von Steed et alii verdeutlicht, daß sie Hitler-Regime und „deutsche Gefahr vor 1914“gleichsetzten, also die Struktur und Dynamik nationalsozialistischer Herrschaft nicht vom Kaiserreich unterschieden; sie urteilten im Bezugsschema einer interventionistischen Auslegung der Gleichgewichtspolitik. Während Steed betonte, daß England traditionell als Schützer der „Schwachen“aufgetreten sei und wiederum gegen Hegemonialbestrebungen eingreifen müsse, argumentierte die Regierung, daß es dazu einer Kontinentalarmee bedürfe; früher hätte die Flotten-Prestigemacht ausgereicht. Vor allem aber wandte sie ein, daß es nicht ratsam sei, den „Schwächeren“den Eindruck zu geben, als könnten sie im Falle der Widerstandsbereitschaft fest auf Englands wirksamen Beistand rechnen; Simon-Diary, 22.5.1938; Midd-lemas, Diplomacy of Illusion, Kap. 8; All Souls Meeting, 18719.12.1937, 3. Sitzung. -Die Regierung betonte, daß man doch wissen müsse, daß der Stärkere (Block) sich im Ernstfall durchsetzen könne. Freilich dürfe England auch nicht seine Passivität zu erkennen geben, um den „Stärkeren“nicht zur Intransigenz zu ermuntern.Google Scholar
  288. 278.
    Die „New Europe“-Gruppe wurde im Ersten Weltkrieg gegründet und warb mit einer Zeitschrift gleichen Namens sowie durch ihre Spitzenkräfte „diplomatisch“für die Selbstbestimmungsrechte der Nationen im deutschen und habsburgischen, zum Teil auch im russischen Herrschaftsbereich; s. die Habil.-Schrift des Verf. sowie vor allem K.E. Calder, Britain and the Origins of the New Europe 1914–1918, Cambridge 1976.Google Scholar
  289. 279.
    Zu den Krisen 1935 und 1936 s. oben, Kap. I sowie Anm. IV/299; Simon-Memo., G.R. (34) 3, 19.11.1934, Cab. 27–572; C.P. 295 (34), Report des Ministerial Committee on German Rearmament, 12.12.1934, Cab. 23–80, S. 318 ff.; Sargent/Wigram-Memo., 21.11. 1935, bes. § 17; Sargent, 17.11.1935, FO 371–18 851, S. 52; Wigram, 20.11.1935, ebd., S. 77; Wigram und Sargent, 16. bzw. 18.12.1935, zu C 8329/55/18, FO 371–18 856, S. 58 ff.; Eden an Phipps, 24.2.1936, C 750/4/18, FO 371–19 884, S. 8 f.; Sargent-Memo., 21.1.1936, C 612/4/18, FO 371–19 884, S. 274 ff.Google Scholar
  290. 280.
    Wigram/Sargent-Memo., § 17; C 157/4/18, FO 371–19 883, S. 114. Zur „working agreement“-Methode s. oben, Kap. I. — Eden, I, S. 335 f.; GD, C-IV, Nr. 562, S. 1135 ff.; Meyers, Locarno, S. 318 f.; Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 63 ff.; Wigram/Bismarck, C 850/4/18, FO 371–19 884; FO-Sitzung, C 995/4/18, 15.2.1936, FO 371–19 885, S. 273 ff. Wigram handelte im offiziellen Auftrag.Google Scholar
  291. 281.
    Auf englischer Seite erwartete man eine graduelle Aushöhlung des Rheinzonen-Status; Sargent-Aufzeichnung über FO-interne Sitzung am 3.2.1936, C 796/4/18, 10.2.1936, FO 371–19 884, S. 22–30; Vansittart, 29.3.1935, FO 371–18 832, S. 203; Simon (Oktober 1933), Cab. 23–77, S. 50, 57, 62 f.; Cabinet, 5.3.1936, Cab. 23–83, S. 227 ff., 231. Zur Weigerung, „Locarno“zu bekräftigen bzw. zu präzisieren („put teeth into Locarno“), s. Anm. IV/283; Cab. 23–81, 14.1.1935, S. 28 (Rheinzone „no vital interest“); C.P. 79 (35), §§ 14 ff., Cab. 23–81, 8.4.1935; CID, 14.10.1935, Cab. 2–6/1, S. 218; 16.10.1935, Cab. 47 (35) 1, Cab. 23–82, bes. S. 271.Google Scholar
  292. 282.
    England hätte Frankreich direkt fragen müssen, welche Bedeutung die demilitarisierte Zone für Frankreichs Sicherheitspolitik und Strategie unter den veränderten Umständen habe — dies verlangte Vansittart (an Eden, 20.1.1936, C 418/4/18, FO 371–19 883, S. 168 ff.); vgl. Vansittarts Kritik am Wigram/Sargent-Memo., 1.12.1935, VNST 2/24. — In diesem Fall mußte England einkalkulieren, a) daß Frankreich nach der englischen Vertragstreue (im Hinblick auf ein Scheitern der Verhandlungslösung) fragte, b) daß Frankreich englische Kompensationen als Ersatz für den Sicherheitswert der Rheinzone verlangte; FO 371–19 883, S. 168, 170 ff.; Sargent — 10.2.1936, C 796/4/18, FO 371–19 884, S. 23, 27 — empfahl, Frankreich zu konsultieren; ebenso MacDonald im Cabinet Committee on Germany, 17.2.1936, Cab. 27–599. Unter Hinweis auf die Gefahr, daß Paris nichts geheimhalten könne (Hankey, O’Malley, Eden) und daß Frankreich eher erleichtert wäre, wenn London die Vorsondierungen in eigener Verantwortung führe (Eden), beeilte die englische Diplomatie sich nicht, die „working agreement“-Frage mit Frankreich zu beraten; C 1028/4/18, 24.2.1936, FO 371–19 885, S. 318 ff. (O’Malley, Hankey).Google Scholar
  293. 283.
    Im Kabinett — 5.3.1936, Cab. 23–83, S. 235 — wurde der Fall konstruiert: Bei einem „non-flagrant“-Verstoß seien alle Partner bedroht, nicht Frankreich allein. Daher seien Konsultationen zwischen England und Frankreich/Belgien angemessen, nicht aber eine französische Voranfrage, welche Hilfe England leisten wolle, oder ein Alleingang Frankreichs, der die englische Haltung präjudizieren müßte; Eden, 17.2.1936, Cab. 27–599; FO/AM/WO-Memo., G (36) 6, The Air Pact, §§ 4–5, 2.3.1936, Cab. 27–599. Die Denkschrift erinnerte daran, daß Frankreich England — unter dem Vorbehalt, die Frage von „mutual assistance“im Rahmen eines Luft-Locarno-Paktes anzuschneiden — das Mandat erteilt habe, die Gespräche mit Berlin wiederaufzunehmen; Hoare/Laval, 11.9.1935, C 6516/55/18, Cab. 21–417. — Die Luftpaktfrage diente als Anknüpfungspunkt für die „working agreement“-Initiative. 1935 hatte England auf französische Anfragen, eine Rheinzonen-Krise durch die Verabredung von Abwehrmaßnahmen zu verhindern, ausweichend bzw. ablehnend reagiert (s. oben, Kap. I).Google Scholar
  294. 284.
    15.2.1936, C 998/4/18, FO 371–19 885, S. 273 ff.; C.P. 42 (36), 11.2.1936, Cab. 27–599; G. (36) 4, § 8, 14.2.1936, Cab. 27–599.Google Scholar
  295. 285.
    Siehe oben, Kap. I.Google Scholar
  296. 286.
    Vgl. zum Folgenden Gibbs, Rearmament Policy, S. 227 ff.; Meyers, Locarno, S. 316 ff.; Wigram/Sargent-Memo., § 17; Baldwin/MacDonald, 5.3.1936, Cab. 23–83, S. 232 ff.: Sie wollten Frankreich dazu überreden, die Anfrage zurückzunehmen, die Flandin als Antwort auf den englischen Vorstoß in der Sanktionsfrage aufgeworfen hatte; vgl. die Äußerungen vom 11.3.1936, Cab. 23–83, S. 285 ff. (18 Uhr-Sitzung).Google Scholar
  297. 287.
    9.3.1936, Cab. 23–83, S. 244 ff. Eden empfahl, Frankreich militärische Aktionen auszureden: Eden/FO-Denkschrift, 8.3.1936, Germany and the New Locarno Treaty, §§ 27 ff., Cab. 24–261. — Vgl. Cowling, S. 106; Gibbs, S. 239 ff.; Meyers, Locarno, S. 321; Jones, Diary with Letters, S. 177 ff. — Die Voraussetzung für die diplomatische Taktik, eine Krise in „a comprehensive settlement“zu verwandeln, war, daß die deutschen Vorstösse nicht die Form einer Bedrohung Belgiens bzw. Frankreichs annahmen. England bemühte sich, durch entsprechende Einflußversuche auf die Reichsregierung diese „Chance to Rebuild“zu wahren und die Fäden nach Berlin fortzuknüpfen. Siehe im einzelnen Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 159 ff.; Eden, S. 354 ff.; Meyers, Locarno, S. 320 f.; GD-C, V, Nr. 74, 81, 85, 91 u.a.O.; Sargent, 10.2.1936, C 796/4/18, FO 371–19 884, S. 22 ff.; FO, 15.2.1936, C 998/4/18, FO 371–19 885, S. 273 ff.Google Scholar
  298. 288.
    9.3.1936, Cab. 23–83, S. 244 ff. Zur Haltung Simons s. Eden, S. 360 ff.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 920 f. Auch das WO äußerte sich im Sinne der „backyard“-These: 8.3. 1936, FO 371–19 888, S. 37 ff.; Pownall-Diary, 9.3.1936. — Die englische Regierung weigerte sich, die Feststellung zu treffen, daß die Verhandlungen wegen der deutschen Haltung gescheitert seien und daher die Frankreich zugesagten Maßnahmen in Kraft treten müßten, s. 8.4.1936, Cab. 23–83, S 442; N. Chamberlain/Flandin, 15.3.1936, Cab. 23–83, 16.3.1936, S. 303 ff.;Flandin, S. 202 ff. Zur ablehnenden deutschen Reaktion auf die englischen Ersuchen, durch Gesten die Situation entspannen zu helfen, s. Robertson (in: VZG, X/1962, S. 183); Emmerson, S. 159 ff., 179 ff.; Eden, S. 354 ff.Google Scholar
  299. 289.
    Das Kabinett rechnete mit „non-flagrant“-Vorstoß und stellte sich auf die Völkerbunds-rats-Prozedur ein (s. Anm. IV/282, 283). — Eden hatte den Eindruck gewonnen, daß Frankreich eine Situation hinnehmen würde, in der es Tatsachen zu akzeptieren gelte; eine französische Gegenaktion, wie sie nach ersten Meldungen aus Paris am 778. März angedeutet wurde, hatte man in London vor dem 7. März nicht erwartet. Die französischen Anfragen vor dem 7. März deutete man als Zeichen der Unsicherheit und Entschlußlosigkeit und wollte Frankreich auf die Völkerbundsrats-Prozedur einschwören; Committee on Germany, 17.2.1936, Cab. 27–599; G (36) 3, § 4. Zu den englisch-französischen Kontakten vor dem 7. März s. Eden, S. 337, 341 u.a.O.; und DDF, 2. Serie, I, Nr. 163, 184.Google Scholar
  300. 290.
    11.3.1936, Cab. 23–83, S. 285 ff.; 17./18.3.1936, Cab. 23–83, S. 343 ff.Google Scholar
  301. 291.
    5.3.1936, Cab. 23–83, S. 227 ff.; s. auch Anm. IV/283. — Sargent und Wigram hatten vor dem 7. März 1936 französische Aussagen zusammengestellt, die im Resumée ergaben, daß „immediate action“nur im Falle eines deutschen Angriffs auf Frankreich/Belgien erforderlich sei: C 1405/4/18, FO 371–19 887.Google Scholar
  302. 292.
    Der Bündnisfall wurde definiert als „crossing of the frontiers“s. Anm. IV/291. Die Unterscheidung zwischen Kriegszustand und Kriegshandlung gehörte — wie andere abschwächende Interpretationen — zur Geschichte der „Aushöhlung“der Völkerbundsakte. — Vgl. Meyers, Locarno, S. 321; Gibbs, S. 608 ff., 227 ff., bes. S. 234 f.; Cranborne/Cecil, 8.3. 1936, C 1618 und C 1631/4/18, FO 371–19 889. Die Gutachten der Rechtsberater, Bennett und Malkin — sie stimmten nicht in allem überein — betonten, daß die Völkerbunds-rats-Prozedur zwingend sei, falls „flagrant“nicht vorliege; C 1994/4/18, 14.3.1936, FO 371–19 893, S. 199 ff.; 5.3.1936, Cab. 23–83, S. 235, 227 ff. Malkin — 30.1.1936, C 1064/4/18, FO 371–19 885, S. 347 ff. — hatte für den Fall, daß die VB-Ratsprozedur erfolglos endete, Frankreich für berechtigt gehalten, den Völkerbund zu Maßnahmen gegen Deutschland aufzufordern; England müsse sich dann anschließen. Gegenüber Maisky faßte Cranborne die englische Argumentation nach Krisenausbruch zusammen, C 1716/ 4/18, 9./10.3.1936, FO an Chilston (Moskau), FO 371–19 890.Google Scholar
  303. 293.
    Zu Phasen und „Krisen“s. Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 177 ff.; s. ferner „Diary of Events, March to November 4936“, Cab. 21–545. Mit dem Vorschlag, eine internationale Streitmacht zu stationieren, versuchte England, die Diskussion von der Sanktionsfrage abzulenken (Cab. 23–83, 11.3.1936, S. 285 ff.). England wollte Berlin dazu überreden, zumindest die Truppenstärke in der Zone nicht zu erhöhen, falls Deutschland sich nicht dazu verstehen könne, einen symbolischen Truppenabzug vorzunehmen. Ferner sollte Berlin für die Dauer der Verhandlungen auf Befestigungsbauten verzichten. Für den Fall eines deutschen Angriffs auf Belgien /Frankreich bekräftigte England seine Locarno-Obligationen und sagte Stabsgespräche zu.Google Scholar
  304. 294.
    13.3.1936, Cab. 27–603, 1. und 2. Sitzung; Pownall-Diary, 9.3.1936, S. 105 f. — Man sollte zwischen dem Zustand, in dem sich die englischen Streitkräfte befanden, und der Lage, d.h. der Kollektivmentalität ihrer Einsatzleitung sowie der öffentlichen Meinung, besonders der Stimmung in den Streitkräften, unterscheiden. Zur Einsatzfähigkeit der englischen Streitkräfte s. bes. Gibbs, Rearmament Policy, S. 69 f., Ill, 227 ff., 246 ff.; ferner Meyers, Sicherheit und Gleichgewicht, in: Rh, VjbL, XXXVIII (1974), S. 440 ff.; Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 184 ff., 237 ff.; Robertson, Wiederbesetzung, in: VZG, X (1962); Cowling, S. 106; Watt, German Plans, in: JCH, Bd. 1 (1966).Google Scholar
  305. 295.
    Zum Gespräch Chamberlain/Flandin s. Flandin, S. 207 f.; BD, 2. Ser. XVI, Nr. 115; 13.3. 1936, Cab. 27–603; CID 1224-B, 1.4.1936 = C 2608/4/18, FO 371–19 889. Die Stabschefs betonten seit 1930, daß England weniger als 1913/14 zur Erfüllung seiner Obligationen in der Lage sei (s. Gibbs, Rearmament Policy, S. 69 f., Ill, 227 ff.). Zur Stärke der englischen Streitkräfte in der Märzkrise 1936: C.P. 81 (36), 12.3.1936, s. dazu Gibbs, S. 246 ff., zur Einschätzung der „relativen“Stärke der Streitkräfte s. ebd., S. 250 ff. Liddell Hart beschrieb die englische Armee aufgrund ihres Ausrüstungsstandes und der Mängel in der strategischen Konzeption als „Selbstmörderclub“, falls sie gegen kontinentale Truppen zum Einsatz gelangen sollte. In diesem Rahmen ist auch die von Pownall mit Empörung zitierte Aussage MacDonalds vom 29. Juli 1935 zu sehen, daß es nicht das erste Mal wäre, wenn englische Soldaten schlecht ausgestattet in den Krieg ziehen müßten (Diary, S. 77). — Die Berichte aus Deutschland legten zwar nahe, daß die deutschen Armee-Einheiten „far below the standard“, aber — besonders im Falle eines Einfrontenkrieges — stark genug seien, um eine Invasionsarmee aufzuhalten (Phipps, 11.3.1936, C 1687/4/18/, FO 371–19 889).Google Scholar
  306. 296.
    WO, 8.3.1936, FO 371–19 888, S. 38; vgl. Coopers Gespräch mit Hoesch, 8.3.1936, GD, C-V, Nr. 33, S. 57;COS 442, 12.3.1936, beraten im Kabinett am 18.3.1936; C.P. (81) 36; vgl. Gibbs, S. 242. Im Zusammenhang dieser Diskussionen brachte das FO die Befürchtungen vor einem deutsch-japanischen Pakt in Erinnerung — als Reaktion auf Einkreisungsmaßnahmen; s. oben, Kap. 1/„Grundmuster“; s. auch 29.4.1936, Cab. 23–84.Google Scholar
  307. 297.
    Zur „Bolschewisierung“als Folge einer Gegenaktion s. Anm. IV/268.Google Scholar
  308. 298.
    Chamberlain/Flandin, 15.3.1936, in: Cab. 23–83, S. 303 ff.; Cab. 27–603, 13.3.1936. —Vgl. Gibbs, S. 610, 616: Falls England Frankreich bindende Zusagen gebe, wären französische „Präventivaktionen“zu befürchten; das Bündnis mit Japan habe England hingegen gerade dadurch gerechtfertigt, daß es auf Japan mäßigend einwirken könne. Gibbs wäre dahin zu ergänzen, daß A. Chamberlain den Sicherheitspakt und Locarno ähnlich gerechtfertigt hatte. — Cab. 23–83, S. 236, 298 ff.; CID 1224-B, 1.4.1936, FO 371–19 889, S. 46.Google Scholar
  309. 299.
    Der Eindruck, Frankreich würde nicht (erfolgreich) intervenieren, stützte sich auf die Stabsgespräche im Dezember 1935 und auf die Kontakte im Januar/Februar 1936; Eden, I, S. 337 ff.; Pownall-Diary, S. 85; Cab. 47 (35) 1, 16.10.1935, Cab. 23–82; Wigram, 16.1. 1936, C 291/4/18, FO 371–19 883, S. 123 f. Hinzu kam, daß man bezweifelte, ob die französische Regierung angesichts der defensiven Einstellung der öffentlichen Meinung von den „offensiven“ Möglichkeiten, die der Status der demilitarisierten Rheinzone der französischen Strategie bieten sollte, Gebrauch machen wollte; das betraf u.a. die Verteidigung der Unabhängigkeit Österreichs. — Sargent-Memo., C 796/4/18, 10.2.1936, FO 371–19 884, S. 25; O’Malley, G (36) 6, 24.2.1936, Cab. 27–599; Vansittart, C.P. 42 (36), 11.2. 1936, § 22, Cab. 27–599; Eden-Memo., 14.2.1936, G (36) 3, §§ 3, 4, Cab. 27–599. Auch Vansittart argumentierte — im Sinn der Ergebnisse einer FO-internen Arbeitsbesprechung —, daß kein Staat im Donauraum (von der Tschechoslowakei abgesehen) ein ernsthafter Widersacher der deutschen Expansionspolitik sein könne; daher müßten England und Frankreich — wegen der „pazifistischen“ Grundströmung der öffentlichen Meinung, aber auch wegen des Friedenswillens im deutschen Volk — danach trachten, „to come to terms with Germany“, und zwar, bevor das Hitler-Regime das Heft des Handelns in die Hände nehme.Google Scholar
  310. 300.
    Vgl. Anm. 1/320. — Die französische Regierung galt als gespalten, unschlüssig, schroff in Worten, aber tatenscheu. Den pro-französischen Kräften — zum Beispiel Churchill — wurde entgegengehalten, daß sie die französische Armee überschätzten, daß französische Außenpolitik und Militärstrategie nicht zusammenpaßten. Für die „Stabsgespräche“ im Dezember 1935 (betr. Abessinien-Krise) hatten die französischen Gastgeber nicht einmal Kartenmaterial bereitgehalten. Sie beriefen sich auf die Stimmung in der öffentlichen Meinung und auf den desolaten Zustand der Streitkräfte in ähnlicher Weise wie die englischen Delegierten in der Märzkrise 1936.Google Scholar
  311. 301.
    16.10.1935, Cab. 47 (35) 1, Cab. 23–82, S. 271. Laval bezeichnete die englische Politik in der Abessinien-Krise als ‚provokativ‘ und begründete damit die französische Weigerung, den englischen Unterstützungsbegehren stattzugeben; die englische Seite erwog als Antwort, England würde sich im Falle defensiver deutscher Befestigungsbauten in der Rheinzone ebenso zurückweisend verhalten. Baldwin bog die Diskussion mit der Erklärung ab, daß man sich nicht auch noch Frankreich zum Feinde machen könne. Zur Stimmung in englischen Militär- und Regierungskreisen s. auch Pownall-Diary, S. 85 (14.10.1935); Eden, I, S. 274 f., 280 ff.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 861 ff.; Roskill, Hankey, Bd. III, S. 182 ff.; Marder, Royal Navy, in. AHR, Bd. XXV (1970).Google Scholar
  312. 302.
    Zum (schlechten) Zustand der französischen Luftwaffe s. auch Emmerson, S. 109; s. jetzt auch R. Young. In Command of France, S. 110 ff.; ferner Pownall-Diary, S. 85; Slessor, S. 157, 230 ff.; zur Flottenkooperation s. Pownall-Diary, S. 87 (4.11.1935); Marder, Royal Navy. Besonders drastisch über die Schwächen der französischen Luftwaffe äußerten sich in Interviews (18.11.1964) Sir Christopher Bullock (Permanent Under-Secretary, AM) und Lord Swinton (11.7.1964) (nebst Aufzeichnungen): Die französischen Minister hätten die gutaussehenden, aber untauglichen Flugzeuge nicht reklamieren können, da sie „Privatschuldner“ der Industriellen gewesen seien; dies soll nur die Einstellung zu Frankreich als Partner im Einsatzfall dokumentieren.Google Scholar
  313. 303.
    MacDonald, 5.3.1936, Cab. 23–83, S. 236 ff., 227 f.; s. auch oben, Kap. I.Google Scholar
  314. 304.
    G (36) 3, § 4, Cab. 27–599; Sargent, 18.3.1936, zu C 1912/4/18, FO 371–19 892, S. 229 f. Vgl. Graml , Europa zwischen den Kriegen, S. 363; Meyers, Locarno, S. 317.Google Scholar
  315. 305.
    Baldwin, MacDonald, 5.3.1936, Cab. 23–83, S. 227 ff., 231 ff.Google Scholar
  316. 306.
    Pownall-Diary, 3.3.1936, S. 103; Cab. 23–83, S. 39 ff., 58 f., 78 f.; 23.1.1936,C 612/4/ 18, FO 371–19 884, S. 270 ff.; C 998/4/18, 15.2.1936, FO 371–19 885; Vansittart, C.P. 42 (36), 11.2.1936, Cab. 27–599; Wigram, 16.1.1936, zu C 291/4/18, FO 371–19 883, S. 123 ff.; Wigram, zu C 157/4/18, FO 371–19 883, S. 114.Google Scholar
  317. 307.
    Zur Beurteilung der Stimmung in England s. die FO-interne Sitzung am Abend des 7. März 1936; Colvin, Vansittart in Office, S. 79; Pownall-Diary, S. 104 ff.; Jones, Diary with Letters, S. 179 ü.;Nicolson-Diary, I, S. 242 f.Google Scholar
  318. 308.
    Percy, Some Memories, S. 184. Die Auffassung, daß die Rheinzonenfrage eine französische Angelegenheit sei und für viele Engländer einen „nuisance issue“ darstelle, der irgendwie und irgendwann „verschwinden“ sollte, war nicht nur in der Öffentlichkeit anzutreffen — dies zeigt eine Analyse der Wahlkreisreden der „backbencher“ (nach dem 7. März) und der Leitartikel der Lokalpresse —, sondern auch in Regierungskreisen (Interviews mit Lord Swinton; Lord Butler am 16.6.1964; Colin Coote u.a.).Google Scholar
  319. 309.
    Hankey-Bericht über die Sitzung des COS vom 12.3.1936, im Locarno-Ausschuß, 13.3. 1936, Cab. 27–603; COS 442, als Annex zum CID-Entwurf der Richtlinien für die Stabsgespräche mit Frankreich, 1.4.1936, in: FO 371–19 899, S. 46.Google Scholar
  320. 310.
    N. Chamberlain, 13.3.1936, Cab. 27–603; Bericht über die erste Sitzung des Foreign Affairs-Committee konservativer MP (und interessierter „backbencher“ aus den Koalitionsparteien National Labour und Liberal National), s. Premier 1–194; s. unten, Kap. IV, Abschnitt „öffentliche Meinung“.Google Scholar
  321. 311.
    Meeting of Ministers, 13.3.1936, Cab. 27–603; vgl. zu Lothians „backyard“-These die Stellungnahme des WO (8.3.1936) und von Cooper (gegenüber Hoesch)Anm. IV/296, 312. Laut Interview mit Lord Harvey (18.11.1965), Edens beamtetem Privatsekretär im Foreign Office, sah Eden die Rheinzone nicht als „breaking point“; die Frage rangierte unter den Punkten, die „das schlechte Gewissen wegen Versailles“ ausmachten. In diesem Sinne nahmen die „backbencher“ zur Krise Stellung, s. zum Beispiel Ramsbotham, 21.3.1936, in: Lancaster Guardian, 27.3.1936.Google Scholar
  322. 312.
    WO, 8.3.1936, FO 371–19 888, S. 37 ff. Die Rheinzone habe man Deutschland im Tauschverfahren überschreiben wollen (so auch Kriegsminister Cooper gegenüber Botschafter Hoesch) GD, C-V, Nr. 33, 9.3.1936; vgl. Pownall-Diary, 9.3.1936, S. 105; Jones, Diary with Letters, S. 179 ff.; Law an Sargent, 9.3.1936, C 1643/4/18 (über die Stimmung in der City), FO 371–19 889; zur vergleichbaren Haltung in der „München“-Krise s. Gibbs, Rearmament Policy, S. 645–648. Zu den Gründen für die „verständnisvolle“ englische Haltung zur deutschen Aktion vgl. Anm. 1/360.Google Scholar
  323. 313.
    Chamberlain/Flandin, 15.3.1936, in: Cab. 27–603, 16.3.1936; Cab. 23–83, S. 303 ff.; Baldwin, 12.3.1936, Cab. 23–83, S. 298 ff.; Flandin, S. 207 ff., DDF, I, Nr. 316/317, 301,345, 363, 409 f.Google Scholar
  324. 314.
    8.4.1936, Cab. 23–83, S. 442. Zum Stand der deutschen Befestigungsbauten in der Rheinzone s. Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 234 f.Google Scholar
  325. 315.
    Die Deutungen können sich auf das „Selbstbewußtsein“ der Regierungskreise berufen, s. Runciman an Simon, 13.7.1934: „I wonder if we could have kept out of the German War had a Government such as this been in power. I think definitely at any rate that much of the loathsome slaughter and material waste would have been saved.“ Ähnliche „Stimmungen“ tauschten Simon und N. Chamberlain im August/September 1938 aus (s. Simon-MSS.). Die „pro-deutschen“ Gruppen lobten in den Märzkrisen 1935/38 die Regierungschefs und Außenminister, weil sie England auf dem Verhandlungsweg hielten („keep cool“). Zur These, England sei 1939 geschlossen in den Krieg eingetreten und „Appease-mentpolitik“ könne dies als „Erfolg“ buchen, s. Herzfeld; Amery, III, S. 223; Kilmuir, S. 48 f.; s. auch Wendts Skizze des Ganges der deutschen Appeasementforschung, in: Internat. Jb., XVII (1976).Google Scholar
  326. 316.
    Simon an MacDonald, 27.7.1934 — d.h. nach der Ermordung Dollfuß’ -, Simon-MSS.; FO 800–291. Zur ideologischen Fundierung der Aversion gegen „Blockbildung“ ebenso wie gegen „Klassenkampf“ s. Anm. E/26 und Anm. 111/60, 74. In diesen Zusammenhang gehört auch die Auffassung von der durch den Ersten Weltkrieg „verlorenen Generation“. Simon war 1916 als Innenminister aus Protest gegen die Einführung der Wehrpflicht zurückgetreten; MacDonald gehörte im Ersten Weltkrieg zu den „gemäßigten“ Gegnern der Kriegspolitik der Asquith- und Lloyd George-Regierungen. Zu den Bezugspunkten der Regierungspolitik s. Anm. IV/48 ff. sowie Anm. 1/226.Google Scholar
  327. 317.
    In der Rheinzonen-Krise versuchten A. Chamberlain, Boothby, W. Churchill, zum Teil auch Cecil (LNU), die Regierung dahin zu beeinflussen, daß sie dem französischen Kurs folge und die Informationen über die „Opposition“ der deutschen Militärs gegen Hitlers Aktion in ihre Überlegungen einbeziehe. Sie forderten praktisch, Hitlers Bluff aufzudekken, s. oben, Kap. I. und Kap. IV/4. Die Labour Party artikulierte in der Rheinzonen-Krise ihren Standpunkt zurückhaltend; sie „flüchtete“ praktisch in die Abessinien-Krise und postulierte, daß England und Frankreich den Völkerbund in der Abessinien-Frage „retten müßten“. Die französischen Bemühungen, Italien als Garanten des Locarnovertra-ges zu gewinnen und die Stresa-Front zu restaurieren, provozierten gleichsam eine antifranzösische Stimmungswelle, als deren Sprecher die Labour-Party auftrat.Google Scholar
  328. 318.
    Vgl. Watt, Too Serious, bes. S. 28 f., 116 ff. — Die „Service Ministers“ der dreißiger Jahre — mit Ausnahme D. Coopers und zu/n Teil Hailshams — standen in vorderster Reihe der Befürworter von Ausgleichsabkommen mit Deutschland (als Alternative zur „policy of despair“). Das gilt erst recht für die Mehrzahl der militärischen Fachzeitschriften. Der langjährige Flottenminister Eyres-Monsell, als Ex-Chief Whip in der Konservativen Partei fest etabliert, gehörte zu den Exponenten des Mißtrauens gegenüber Frankreich. Er war anfällig für anti-bolschewistische Argumente. Ferner war er bereit, Deutschland eine wirtschaftliche „Monroe“-Doktrin („Ottawa-like zone“) zuzubilligen (Mitteleuropa). In den Krisen plädierte er dafür, die „benefit of the doubt“-Faustregel auch gegenüber Deutschland anzuwenden. Er betonte die Notwendigkeit, auf Deutschland/Japan zu achten; Monsell, 21.6. und 25.6.1935, HofC, Bd. 303, Sp. 715, 948 ff.; zum Flottenabkommen s. auch 22.7.1935, HofC; GD, C-IV, S. 1065; Jones, Diary with Letters, S. 186, 189; Kordt, S. 105 f.; s. auch oben, Kap. I. Swinton, einer der erfahrensten und effizientesten Minister der Regierungen in den zwanziger und dreißiger Jahren und als Handels-und Kolonialminister sowie als Gründungsmitglied der British Commonwealth Union von Anbeginn seiner Karriere mit Verbindungen zur „Wirtschaft“, war in politischer Hinsicht ein Appeaser. Hier spielte auch die lebenslange Freundschaft mit Smuts eine Rolle. Er war mißtrauisch gegenüber Frankreich — gegen die Wortmachtpolitiker der dreißiger Jahre ebenso wie gegenüber Poincaré —, schätzte die Leistungsfähigkeit der französischen Rüstungsindustrie gering ein. In der Rheinzonen-Frage ging er davon aus, daß Deutschland die Zone ohnehin erhalten sollte. Vor allem war er überzeugt davon, daß es nach einem weiteren deutschenglischen Krieg keinen Sieger geben würde. Die englische Wendung zum Schutzzoll und zum „imperial preference“-System bezeichnete er als notwendige Reaktion auf den Ersten Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise. Zu Inskip s. Anm. 111/60.Google Scholar
  329. 319.
    Swinton, / remember, S. 124; History of the Times, IV, S. 484; Gibbs, Rearmament Policy, S. 806. — Auch Churchill führte auf dem Parteitag in Bournemouth (3.10.1935, bezogen auf den Abessinien-Konflikt) aus: „In Mr. Baldwin, our leader, we have a statesman who has gathered to himself a greater volume of confidence and good will then any public man I recollect in my long service…Everyone knows, wherever he belongs to, that Mr. Baldwin is not the kind of man to risk his country into an unnecessary war.“Google Scholar
  330. 320.
    Zum Begriff Herrschaftssynthese s. Anm. E/63. Zum Zusammenhang innen- und außenpolitischer Schwächen s. Anm. E/25. — Hankey verglich zum Beispiel das Debakel der Regierung Anfang 1935 in der Debatte über den Unemployment Assistance Board mit dem (von Hankey angegriffenen) Luftpaktprojekt — Diary, 10.2.1935, in: Roskill, Hankey, Bd. III, S. 159.Google Scholar
  331. 321.
    Siehe bes. Q. Hogg, The Left was Never Right; das Buch ist die polemische Antwort auf S. Haxey, Tory MP., und „Cato“, Guilty Men. Beide Publikationen des Left Book Club spielten die Anklage hoch, daß die Konservativen und die Rüstungsinteressenten Sozialreformen verhindern wollten; hier handelt es sich um einen Topos innerenglischer Kontroversen, der Anklagen der „radicals“ (Cobden, Hobson, Dickinson, Buxton) gegen „Mili-tarismus“ Imperialismus. Regierung und Industrie wollten aus gesellschaftspolitischen Gründen bzw. Befürchtungen nur eine „limited rearmament“; s. unten, Kap. IV/6.Google Scholar
  332. 322.
    Das „Harmonisierungsmodell“, das der älteren englischen verfassungsgeschichtlichen Literatur zugrundeliegt (I. Jennings, S. Low, Dicey, Keir u.a.), hat diese Anpassungsvorgänge zusammengefaßt; zum „Baldwin-MacDonaldism“ s. auch Anm. E/27, 58. S. Neumann, Der demokratische Dekalog, in: R. Löwenthal (Hrsg.), Die Demokratie im Wandel der Gesellschaft, Berlin 1963, S. 11 ff.; A.W. Baldwin, My Father, S. 120, 350 u.a.O.; Feiling, N. Chamberlain, S. 269 (1935); Young, S. 77 ff.; Jones, Diary with Letters, S. 149, 381 f.; Amery, My Po Heal Life, Bd. Ill, S. 223 ff.Google Scholar
  333. 323.
    Die bekanntesten Beispiele sind die „Missionen“ Lothians, Aliens und Lansburys: Sie suchten Hitler ebenso wie Roosevelt vor wichtigen diplomatischen Aktionen Englands auf (Imperial Conferences 1935 und 1937; Flottengespräche im Herbst 1934; vor der englischfranzösischen Ministerkonferenz 1.2.-3.2.1935), publizierten ihre Eindrücke und Schluß-folgerungen in der Times und erreichten, daß ihre Berichte zum Anknüpfungspunkt parlamentarischer Anfragen und regierungsinterner Beratungen über die bestmögliche Reaktion auf diese Kampagnen wurden; s. unten, Kap. I/„USA“ und Kap. III. Über mehrere „prodeutsche“ Vereine liegt daher eine Reihe von Forschungen vor, s. als besten Einstieg: Watt, Personalities, Essay 6.Google Scholar
  334. 324.
    Vgl. Stevenson, Myth and Reality, in: Sked/Cook (Hrsg.), Crisis and Controversy, S. 105. D.A. Kavanagh, S. 220: „Similar timidity and deferrence to an assumed state of public and elite opinion were demonstrated in the defence and foreign policy of the 1930’s and have been prevalent since.“ Die Parteiführungen hätten bestimmte „Notwendigkeiten“ zwar eingesehen, doch hätte keiner für deren Befolgung allein die Verantwortung übernehmen wollen. Aus dieser Konstellation ergibt sich der hohe Stellenwert politischer Manöver in der englischen Politik (s. hierzu Cowling, Impact of Labour, Einleitung.) — Ein Beispiel für die „half-way measures“ sind die Debatten im General Purposes Committee; man lehnte „public work schemes“ und andere Vorschläge Lloyd George’s und der „centre left“-Gruppen ab, suchte aber diese prinzipielle Position aufzulockern, indem man einmal auf die „Trade Facilities Acts“ als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen hinwies und zum anderen unter den Aufrüstungsmaßnahmen Projekte kleineren Umfangs auswählte, die man als „public works“ ausgeben konnte (Cab. 27–583/584).Google Scholar
  335. 325.
    Im innenpolitischen Bereich bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den dreißiger Jahren und der Situation vor 1914. Sie betreffen die Parteiverhältnisse, den Finanzspielraum, die Währungs- und Zahlungsreserven, die Auslastung der Industrie, die „Kontinuität“ der Rüstungsproduktion und die Zielstrebigkeit in der militärischen Planung sowie in den Rüstungsprogrammen. Die englischen Beziehungen zu den übrigen „großen Mächten“ vor 1914 entlasteten eher den innenpolitischen Problemhaushalt, während sie in den dreißiger Jahren die Optionen erschwerten.Google Scholar
  336. 326.
    Der französische Botschafter Corbin stellte zurecht fest, daß die Debatte über das 1936-Defence White Paper so verlief, als ob der „7. März 1936“ nicht eingetreten wäre (Corbin, 12.3.1936, DDF, I, Nr. 409, S. 529). — Baldwin — 29.7.1936, 3.10.1935 -, Churchill — 8.10.1935 (Central Office, Notes for Speakers) — sowie die Opposition sprachen in gleicher Weise von Diktatoren, die dem Völkerbund nicht angehörten. Die Regierung wies in der öffendichkeit nicht darauf hin, daß sie die deutsch-japanische Kombination für stärker hielt als die Achse Frankreich-England-Sowjetunion im Völkerbund. Auch die „Doppelstrategie“ der Regierung — „deterrent/confidence“-Funktion der Aufrüstung — hob die Diskussion auf eine abstrakte Ebene; s. dazu vor allem Baldwin, 29.7.1936, Defence Deputation, Cab. 21–438. Vor der Märzkrise 1936 suchte Eden den Ton der englisch-deutschen Auseinandersetzungen zu dämpfen — Deutschland sollte nicht als Gefahr (Militarismus usw.) hingestellt werden: C 998/4/18, FO 371–19 885, S. 276. Vgl. Thompson, The Anti-Appeasers, S. 107; Naylor, Labour’s International Policy, S. 112. — Die Debatte über die Rheinzonen-Krise fand erst am 26. März 1936 im Unterhaus statt; in der Rüstungsdebatte am 9-/10.3.1936 gingen die Redner nur am Rande auf die Krise ein. Die Labour Party — Advisory Committee on International Questions — bezeichnete zwar Deutschland als einziges militantes und starkes Nicht-Mitglied des Völkerbundes und gründete die Vorstellungen über „pooled security“ auf dieses Feindbild (Memo., Nr. 441 A, Januar 1934), doch in der Öffentlichkeitsarbeit trug die Partei den Konflikt mit der Regierung auf der Ebene abstrakter Prinzipien aus. Die Frage, ob die Regierung die , „richtige“ Außenpolitik führe, war für sie identisch mit der Frage, ob eine von den Konservativen geführte Regierung das Vertrauen verdiene, für den Völkerbund zu wirken. Da die Regierung den Völkerbund 1932/33 und — nach dem Hoare/Laval-Debakel — 1935/36 „verraten“ habe, fiel es den Befürwortern von Rüstungsmaßnahmen schwer, vor dem Herbst 1936 für Rüstungsausgaben in der Partei Resonanz zu finden. Indem die Regierung gegen Labour als „irregeleitete Idealisten“ polemisierte, ersparte sie sich ihrerseits die Einstellung auf unliebsame Entwicklungen. Das für die Regierungsmitglieder zentrale Motiv für die Distanzierung von Blockbildung in jedweder Gestalt, nämlich der „Alptraum“, in einem Weltkrieg von Frankreich und Rußland wieder wie 1917/18 im Stich gelassen zu werden, konnte man nicht öffendich erklären; das Spiel mit verdeckten Karten schien notwendig zu sein.Google Scholar
  337. 327.
    Zur Peace-Ballot-Kampagne s. A. Livingstone, The Peace Ballot. The Official History, 1935; Mowat, S. 550 ff.; Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 175; Cecil, Great Experiment; Bar-nes/Middlemas, Baldwin, S. 791, 835 f.; Brand, British Labour Party, S. 180; Naylor, Labour’s International Policy, S. 65 ff. Zur Labour Party vgl. Anm. IV/22. Dennis — Decision by Default, S. 35 — bringt zu Recht die Entscheidung des CID, den Begriff „Expeditionary Force“ zu vermeiden und statt dessen von „Field Force“ zu sprechen, in einen Zusammenhang mit den Stimmungen, auf die die Peace Ballot-Kampagne einging; 22.11. 1934, CID, 226. Sitzung, Cab. 2–6/1. Eine Umfrage des Ilford Recorder veranlaßt die Initiatoren des Peace Ballot zur Formulierung abstrakter Fragen und die Regierung zu ihrer Zurückhaltung; s. auch Gibbs, S. 126.Google Scholar
  338. 328.
    Die Ausweichmanöver beruhten auf konkreten Erfahrungen. Die Umfrage des Editor des Ilford Recorder hatte ergeben, daß 18 498 (: 5898) die Frage verneinten, ob England Frankreich laut Locarno gegen Deutschland helfen solle. Die Nachwahl in Putney im November 1934 wurde im Lichte der Umfrage gedeutet. Die LNU schwenkte auf vage Fragestellungen statt konkrete Fragen (für welche Interessen solle England notfalls kämpfen?) um; s. hierzu Cecil, Great Experiment; Naylor, Labour’s International Policy, S. 65 ff.; Livingstone, The Peace Ballot; Gibbs, Rearmament Policy, S. 126. Auf Meldungen, daß die Stimmung gegen den von Frankreich gewünschten Luftpakt ginge, reagierte Cecil gleichfalls damit, daß er in allgemeine Formulierungen auswich. Er wollte den Luftpakt als Teil eines „general peace scheme“ und damit als Wegbereiter zu Abrüstungsvereinbarungen hinstellen (s. Cecil an Mrs. B. Williams, Edinburgh LNU-Branch, 14.2.1935, Cecil-MSS.). Zu Simons Reaktion auf die Krise vom 16.3.1935 und die Rechtfertigung des englischen Alleingangs s. Anm. IV/87.Google Scholar
  339. 329.
    Das International Sub-Committee of the National Executive Council of the Labour Party behandelte am 3. März 1936 auch die Frage: „what should GB do if the demilitarised zone is flagrantly violated by Germany?“ Die Opposition stellte sich immerhin der eigentlichen Frage — die Regierung tat so, als man mit „non-flagrant action“ rechnen könne —, gelangte aber weder vor dem 7. März noch nach dem „Ereignis“ zu einer Sprachregelung. Die Anfang Mai 1936 (5.5.) veröffentlichte Erklärung konzentrierte sich auf die Italien-Abessinien-Krise und zählte die Rheinzonen-Krise eher als weiteres Symptom der gespannten internationalen Beziehungen und der Krise des Völkerbundssystems auf. Zur Haltung der Labour Party 1936 s. Naylor, Labour’s International Policy, S. 131 ff.; Brand, British Labour Party, S. 197 f.Google Scholar
  340. 330.
    Die Untersuchungen über die Nachwahl in East Fulham haben zwar ergeben, daß innen-(sozial-)politische Fragen und lokale Vorbedingungen das Ergebnis bestimmten: R. Heller, East Fulham Revisited, in: JCH, VI (1971); bestimmend für die Beurteilung bleibt jedoch, daß Regierung und Opposition die Rüstungsfrage als wahlentscheidend deuteten und in Zukunft die Rüstungsfrage nicht in Verbindung mit konkreten außenpolitischen Entscheidungen thematisierten. Für die Wahl 1935 stellt J.C. Robertson (British General Election of 1935, in: JCH, HJ, IX (1974/1), S. 162) fest: „Discussion of this dangerous topic [i.e. rearmament and the League] was avoided by all ministers during the entire campaign.“ Die Wahlkampfunterlagen deuten auf eine abstrakt geführte Polemik hin (ob man die Wirksamkeit von Sanktionen gegen den „kleineren“ Diktator testen und den größeren abschrecken könne).Google Scholar
  341. 331.
    Die Vorstudien über die interne Organisation und die Arbeitsweise der Ministerien (FO, Treasury, War Office) sowie über die Inter-departmental Committees und das CI D-System entfallen hier. Die Fragestellungen berühren sich mit dem von G. Allison, M. Halperin, R. E. Neustadt, C.E. Lindblom u.a. entwickelten „Bureaucratie Politics Model“ und mit H. A. Kissingers ‚klassischer‘ Studie: Domestic Structure and Foreign Policy, in: J.N. Rosenau (Hrsg.), International Politics and Foreign Policy, 1969, S. 261–275.Google Scholar
  342. 332.
    Zum Aufbau des CID und zur Organisation der Service Ministries s. Johnson; Ehrmann; Gibbs (S. 767 ff.); Meyers (Kap. 4). — Mit dem Hinweis auf die Konsensbildungsfunktion wurden Vorschläge zur Straffung der Regierungsarbeit und zur Reorganisation des Kabinetts als Führungsinstanz abgeblockt. Besonders Amery und L. George empfahlen die Nachahmung des „War Cabinet“-Modells: vgl. Amery, The Forward View, S. 443 f.; s. dagegen Baldwin, in: Jones, Diary with Letters, S. 228.Google Scholar
  343. 333.
    Zu Schachts „Appell“ an Eden s. oben, Kap. I und Kap. IV, Abschn. 4. Zur „München“-Krise und zur Reaktion Chamberlains und des FO auf die Vorstellungen der Abgesandten deutscher Widerstandsgruppen s. H. Deutsch; O’Neill (S. 158 ff.); Barnett (S. 518 ff.); Middlemas (S. 275 ff., 305 ff.); Watt, Too Serious (S. 126 f.); G. Ritter, Carl Goedeler und der deutsche Widerstand, S. 177 ff.;Google Scholar
  344. 334.
    Die Ministerial Committees und die vom Kabinett eingesetzten Ausschüsse sind hier unter der Bezeichnung Kabinettsausschüsse zusammengefaßt. Die wichtigsten unter ihnen sind: Ministerial Committee on Disarmament (1932–34), das die Beratung der ersten Rüstungsprogramme übernahm; Ministerial Committee on German Rearmament (21.11.-14.12. 1934); Foreign Policy Committee 1936–1939; Locarno-Committee (März 1936); Committee on Germany (17.2.1936) sowie — formal als C ID-Sub committee — das Defence Plans and Requirements Committee (1935–1939). Wichtige Entscheidungen wurden seit Ende 1936 in den von Inskip geleiteten Ministerbesprechungen (unter Hinzuziehung Hankeys, der Stabschefs und Weirs) vorbereitet.Google Scholar
  345. 335.
    Hitler und Mussolini, als „mad dogs“ tituliert, galten als nicht berechenbar. Für Baldwin, Simon, Halifax und N. Chamberlain folgte daraus, daß England keine Risiken eingehen — also nicht „Bluffs“ — versuchen könne.Google Scholar
  346. 336.
    Die Initiatoren des „working agreement“ ließen sich von ihrem Vorschlag weder durch die Dokumentensammlung „The German Peril“ noch durch die Berichte über die Unterredungen François-Ponçets und Phipps’ mit Hitler zurückhalten; C 151/4/18, 9.1.1936, FO 371- 19 883.Google Scholar
  347. 337.
    Die „Politiker“ betonten gegenüber den „Experten“ die innenpolitischen Aspekte und änderten die Vorschläge betr. Territorial Army, Verteidigungsanleihe, Prioritäten innerhalb der Streitkräfte-Planung und Rangfolge unter den drei Streitkräften ab. Es gab „Koalitionen“ zwischen Ministern und Experten (z.B. Hankey und Baldwin 1934), aber das Ergebnis interministerieller Debatten kam in der Sicht der Experten einer Zerstörung der Ausgewogenheit der Programme und sachlich-kontinuierlicher Aufbauarbeit gleich; Pownall-Diary, I, S. 70 ff., 98 ff. Zu Baldwins „Sensorium“ für die Tendenzen in der öffentlichen Meinung und der Bedeutung dieses Faktors im Willensbildungsprozeß s. Eden, S. 446; Kil-muir, S. 48 f.; Swinton, S. 266. — Simon und K. Wood machten sich 1936 zu „Sprechern“ der öffentlichen Meinung im Kabinett, stießen auf die Gegenwehr Edens, erreichten aber die Abschwächung „pro“-französischer Erklärungen. Die beamteten Ratgeber akzeptierten die Vorrangstellung der Politiker in der Einschätzung der öffentlichen Meinung, d.h. betr. Tempo und Ausmaß der Rüstungspolitik; s. W. Fisher an Chatfield, 11.7.1934, Baldwin-MSS., 131/94, zit. in Peden, W. Fisher (Anm. IV/159), S. 38.Google Scholar
  348. 338.
    Ward Price, Star-Interviewer des Daily Mail und Editor des Sunday Dispatch, unterbreitete seinen mit Hitler erörterten Vorschlag einer internationalen Streitmacht an Halifax, Hankey, Eden und Baldwin; s. Phipps an FO, C 1827/4/18, FO 371–19 891, S. 211 f.; Robin Hankey an FO, 13.3.1936, C 1892/4/18, ebd.; N. Chamberlain, 16.3.1936, Cab. 23–83, S. 303 ff.; erörtert im Locarno-Ausschuß am 13.-16.3.1936, 2.-4. Sitzung, Cab. 27–603; Flandin, S. 209; Ward Price, S. 128 ff.; Eden, S. 362 f.; Emmerson, S. 187.Google Scholar
  349. 339.
    Die Kritik am FO sowie am pro-französischen Kurs des FO war in den dreißiger Jahren nicht auf „Linkskreise“ beschränkt, sondern in Regierungskreisen vertreten (Eyres-Monsell, Swinton, Hankey, Th. Jones). Im einzelnen ist die Frage, was die Minister stärker be-einflußte — die Teilnahme an (politischen) Wochenendpartys oder Trendanalysen der öffentlichen Meinung — schwer zu entscheiden. In Edens Entwurf der Regierungserklärung vom 8. März 1936 finden sich zum Beispiel Elemente der FO-internen Besprechung (s. Colvin, Vansittart, S. 79) ebenso wieder wie Argumente der Blickling-Party Lothians, auf der Eden zeitweilig anwesend war (s. Jones, Diary with Letters, S. 179 ff.).Google Scholar
  350. 340.
    Hankey unterhielt eine Korrespondenz mit den Botschaftern in Berlin, mit Politikern der Dominions usw. Ausschlaggebend war, daß sich die Premierminister — besonders MacDonald — in Sicherheitsfragen auf die Führungsbereitschaft Hankeys verließen (was nicht gleichbedeutend damit ist, daß sie seinem bereitwillig gegebenen Rat immer folgten) und daß Hankey als „Nerv“ des Regierungssystems (Doppelfunktion als Secretary des Kabinetts und des Committee of Imperial Defence seit 1916) die Anlaufstelle für hohe Beamte der Ressorts, Ex-Minister, Industrielle u.a. war, die ihre Vorschläge zu Gehör bringen wollten; vgl. Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 294 ff.Google Scholar
  351. 341.
    Zur Rolle W. Fishers und zugleich zur Auseinandersetzung mit der Kritik an der „Treasury Control“ auch im außenpolitischen Bereich s. Watt, Personalities, Essay 5: „Sir Warren Fisher and British Rearmament against Germany“; Sir H. Hamilton, Sir W. Fisher and the Public Service, in: Public Administration, Bd. 29 (1951). Fishers Einfluß ist seit dem Herbst 1935 eher rückläufig. Vgl. jetzt: Peden, Treasury, S. 52 ff.Google Scholar
  352. 342.
    Zu Diskrepanzen innerhalb des FO und im Kabinett sowie zwischen FO und den Botschaftern in Japan und/oder China s. Louis; Trotter; Thorne. Zum Kommunikationsdefizit innerhalb des FO und zwischen dem FO und anderen Ressorts (T, War Office oder Bank of England) s. Anm. 1/393 sowie Kap. II/„Vansittart“. Für die Differenzen innerhalb des FO nur ein Beispiel: O’Malley, Leiter der Südost-Europa-Abteilung, bezweifelte, ob den „Nachfolgestaaten“ überhaupt zu helfen wäre; deren wirtschaftliche Schwächen und politischen Schwierigkeiten würden ihre Orientierung nach Berlin unumgänglich machen (G (36) 6, 24.2.1936, Cab. 27–599). Collier, Leiter des Northern Department, gab sich hingegen überzeugt, daß die Nachfolgestaaten sich ihrer Haut wehren würden und wirtschaftlich lebensfähig seien (C 8523/55/18, 22.11.1935, FO 371–18 856, S. 151 f.). Zu Collier s. auch Lammers’ Aufsätze. Ähnliche Unterschiede gab es in der Frage, ob man Frankreich auffordern solle, seine Ostbindurfgen zu liquidieren (Cranborne, 17.3.1936) oder nicht (Vansittart), oder ob man Italien statt Deutschland beschwichtigen solle.Google Scholar
  353. 343.
    Siehe oben, Kap. I; die Skizze beruht auf dem anhand der Akten und Nachlässe gewonnenen Eindruck, daß die Einstellungsmuster relativ festumrissen sind. Die Sachbearbeiter waren in der Regel kompromißbereiter und konzessionswilliger als die Ressortminister, die selten über Gesten und Teilzugeständnisse hinausgehen wollten; s. oben, Kap. III. Vgl. M. Gilberts Analyse — Roots, S. 130 ff. — über das „Schicksal“ der „Sargent-Chain“.Google Scholar
  354. 344.
    Vorschläge, Frankreich durch Garantien in der Sicherheitsfrage zu „beruhigen“, um es auf diese Weise für die „peaceful change“-Diplomatie zu gewinnen, fanden 1932–34 mehr Unterstützung als seit dem Frühjahr 1935 (s. oben, Kap. I). Statt „substantielle“ Konzessionen zu machen, operierte England mit psychologischen Gesten; zur Funktion der Aufrüstung s. die Einleitung zu diesem Kapitel.Google Scholar
  355. 345.
    Zu französischen Ersuchen an England 1934 und der englischen Reaktion s. Eden, S. 87 ff. — Das Grundmuster läßt sich wie folgt beschreiben: Vor den englisch-französischen Ministertreffen wird auf diplomatischem Wege die „basis of discussion“ zusammengestellt. In den Verhandlungen versucht die französische Delegation die von England gewünschten Formeln abzuschwächen; umgekehrt sperrt sich die englische Delegation gegen Vorschläge, die in Aussicht gestellten Zusagen zu konkretisieren. Jede Seite wirft der anderen vor, sie habe ihre „Hausarbeit“ nicht gemacht, d.h. versäumt, vor der Abreise die Öffentlichkeit im eigenen Land auf mögliche Kompromiße vorzubereiten. Vielmehr treten die Delegierten in den Konferenzen „härter“ als in den Vorsondierungen mit der Forderung auf, daß es an England bzw. an Frankreich sei, weitergehende Angebote zu machen; denn nur dann könne zum Beispiel die französische Regierung beginnen (!), in ihrem Land die Notwendigkeit eines Entgegenkommens an die englischen Verfahrensvorschläge für eine gemeinsame Deutschlandpolitik darzulegen. Die Einigung erfolgte auf der Basis, daß jeder dem anderen zugestand, es wäre für ihn leichter, den von England bzw. Frankreich gewünschten Formulierungen im Kommunique zuzustimmen, wenn man der eigenen Öffentlichkeit anhand des Textes demonstrieren könne, daß man einen diplomatischen Erfolg errungen habe. Jede Seite setzte ein oder zwei Punkte im Kommunique durch, also konnten sich beide auf den Erfolg berufen. Nach dem Treffen zählten primär die Punkte, die man selbst im Kommunique untergebracht hatte und weniger die Zugeständnisse an den Partner. Konkret „erkaufte“ zum Beispiel England die französische Einwilligung in die Legalisierung der deutschen Verstösse gegen Teil V des VV mit der Formel über Luftpaktgespräche im Londoner Communiqué, C 893/53/18, Protokoll der 2. Sitzung am 1.2.1935, 15 Uhr. Zur innenpolitischen Meinungsbildung und dem Beharren auf den hier erreichten Kompromissen in den englisch-französischen Verhandlungen s. Rass (betr. 1930/31-Abrüstungsfrage) sowie Midd-lemas; Parker; Adamthwaite zu den englisch-französischen Treffen vom April 1938 bis zur Münchner Konferenz.Google Scholar
  356. 346.
    Zum Londoner Ministertreffen 1.-3.2.1935 s. oben, Kap. I; Cab. 21–413; Cab. 29–146. Zur Rohstoff-Frage s. oben, Kap. III/C.Google Scholar
  357. 347.
    Siehe näher J.N. Rosenau, Foreign Policy as an Issue-Area, in: ders. (Hrsg.), Domestic Sources of Foreign Policy, 1967, S. 39.Google Scholar
  358. 348.
    Dieser Befund bildet — von pragmatischen Überlegungen abgesehen — den Hauptgrund für den weitgehenden Verzicht auf eine diplomatie- und ereignisgeschichtliche Darstellung.Google Scholar
  359. 349.
    Hodsoll an Hankey, 3.12.1934, Cab. 21–389; Cab. 51 (35), 4.12.1935, Cab. 23–82, S. 363 ff.; s. auch Anm. IV/92. Seit Mitte 1934 dominierte die Lageeinschätzung, daß die Zustimmung zur Aufrüstung „nur“ zu erreichen wäre, wenn die Regierung gleichzeitig ihre Friedensbemühungen intensivierte; die einen wünschten eine Aktivierung des Art. 19 der Völkerbundsakte, die anderen Initiativen in der Rohstoff-, der Kolonial- oder in „Wirtschaftsfragen“ (s. oben, Kap. III). In diesem Sinne meldeten sich die Next Five Years’ Group; Council of Action for Peace and Reconstruction; die Labour Party, die LNU zu Wort; zu Stimmen aus dem Regierungslager s. Anm. IV/3 51 ff.Google Scholar
  360. 350.
    Die Regierung gewann im November 1935 431 Mandate — Konservative 387, Liberal National 33, National Labour 8, Independent 3 — und erhielt insgesamt 11,5 Mill. Stimmen (Konservative 10,5 Mill.); die Opposition erhielt insgesamt 175 (176) Mandate (Labour 154, Liberale 21, ein Kommunist) und 9,95 Mill. Stimmen (Labour 8,3 Mill.); s. Annual Register, S. 86 ff.; Mowat, S. 553 ff.; Jones, Diary with Letters, S. 155. Zu beachten ist in diesem Zusammenhang, daß die Simon-Liberalen gegenüber den Konservativen — Simon an Wood, 18.10.1935 — geltend machen konnten, sie würden der Regierung helfen, 5–6 Millionen Stimmen zu gewinnen, d.h. in marginalen Wahlkreisen „centre left“-Kandidaten besser entgegenwirken können; Simon berief sich auf die Nachwahlen, besonders vom 7.2.1935 (Diary), um die Unentbehrlichkeit seiner Partei zu unterstreichen (Simon wollte damit eine bessere Berücksichtigung bei der Kandidatenaufstellung in bestimmten Wahlkreisen und einen höheren Anteil an den Wahlkampffinanzen erreichen). Daß Baldwin die Völkerbundsfrage und nicht — wie Chamberlain vorschlug — die Aufrüstungsfrage in den Mittelpunkt des Wahlkampfes rückte, geht auf die hohe Einschätzung der Bedeutung der „Liberalen“-Wählerschaft zurück; s. Cowling, S. 93 f. Die Forderung implizierte auch, daß die von Simon/Runciman/Brown repräsentierten Ansichten zum Junktim flexible Aufrüstung — diplomatische Entspannungsaktionen berücksichtigt wurden. Simon erreichte, daß die Liberalen mit 33 MP vier Minister im Kabinettsrang stellten, die Konservativen mit 387 MP 13–15 (hinzu kamen zwei National Labour-Vertreter bei 8–9 MP). In derCham-berlain-Regierung wurde Simon eine der wichtigsten Stützen für Chamberlains Festhalten am Junktim „limited rearmament“/flexible Außenpolitik, d.h. Bemühen um Ausgleich mit Deutschland und/oder Italien.Google Scholar
  361. 351.
    Baldwin, 26.2.1936, Cab. 23–83, S. 179, 181 ff.; Vgl. Anm. E/27, Anm. IV/113, 227. Mit Eden befreundete MP — H. Kerr, Law, Morrison, Emrys-Evans, Thomas, H. Nicolson — wollten im Sinne seiner „working agreement“-Konzeption im Lande agitieren für „Aufrüstung und Friedensbemühungen“: Nicolson-Diary, I, 13.2.1936, S. 236; Interview mit Lord Harvey, 18.11.1965; Eden an Phipps, 24.2.1936, s. Anm. IV/353.Google Scholar
  362. 352.
    Simon und MacDonald stimmten Edens Ausführungen im Cabinet Committee on Germany am 17.2.1936, Cab. 27–599, zu. Zum Stellenwert innenpolitischer Rücksichtnahmen in MacDonalds Außenpolitik s. Marquand, Ramsay MacDonald, S. 760; kritisch: Pownall-Diary, S. 77 (29.5.1935).Google Scholar
  363. 353.
    Eden, 5.2.1936, Cab. 23–83, S. 58; vgl. MacDonald an Baldwin, 14.2.1936, Prem. 1–192: „ready to accept a programme … so long as it is convinced that we mean peace.“ Vgl. Anm. IV/89, 90; Jones, Diary with Letters, S. 177 (25.2.1936); C.P. 42 (36), 11.2.1936, Cab. 27–599; Lothian, Letter, in: Times, 11.2.1936; Wigram/Sargent-Memo., 21.11.1935 (s. Kap. I); Eden an Phipps, 24.2.1936, C 750/4/18, S. 2, FO 371–19 884: „The feeling of the Committee (on Germany) at its first meeting seemed rather to be that some diplomatic approach to Germany would greatly assist in the preparation of the Defence Programme next month.“ Eden schloß einen diplomatischen Alleingang nach Berlin nicht aus; das bedeutete, daß die Vorsondierung über das Tauschpaket „Luftpakt“/Revision des Rheinzonenstatus zugunsten Deutschlands ggf. doch nicht erst nach den französischen Wahlen oder nach Beendigung des Abessinien-Konflikts (dazu hatte Phipps geraten) erfolgen sollte.Google Scholar
  364. 354.
    Siehe besonders Vansittarts Korrekturen an Hankeys Entwurf des 1935 White Paper on Defence, S. 3 f., Cab. 21–407; Vansittart betonte mit Blick auf ,,Labour Party’VTUC den Zusammenhang zwischen Aufrüstung und englischer Völkerbundspolitik. Vansittart an Lord Wigram (Georg V.), 7.11.1935, VNST 2/27; Collier, C 14 471/42/18, FO 371–21 659 (Oktober 1938), s. Lammers, Whitehall, in: HJ, XVI/4 (1973), S. 843; betr. Strangs. Lammers, in: ebd., S. 832.Google Scholar
  365. 355.
    Vansittart bemühte sich daher konsequent, die Unterstützung der Labour Party (Dalton als außenpolitischer Sprecher) für Aufrüstungsmaßnahmen zu erreichen; Vansittart pflegte auch demonstrativ Kontakte mit Maisky. Zur „Rechten“ zählten Collier (s. Lammers, Whitehall, S. 843), die Presselords (Rothermere, Beaverbrook), City Bankiers, Midland-Industrielle. Ihnen stellte er die „Durchschnittsbürger“ (Arbeiter, „average liberal“, „average idealistic conservative“) gegenüber, deren Meinungen und Gefühle die Regierungspolitik hintansetze. Vansittarts Option für „colonial appeasement“ brachte ihn in Gegensatz zur Imperial Group; deren Führer — Amery, Page-Croft, Winterton, Duncan Sandys — waren andererseits Wortführer einer forcierten Aufrüstung. Die Imperial Group bildete sich Ende April 1936 im Anschluß an eine vage Erklärung Baldwins zur Frage, ob die Regierung eine Rückgabe der Kolonien an Deutschland erwäge. Zum Plymouth-Committe, das im März/ Juni 1936 die Kolonialfrage beriet, s. Parker, in: Hauser, Weltpolitik, S. 12 ff. Zu den Gegnern einer Koloniallösung gehörten u.a. A. Chamberlain, Churchill, H. Nicolson, Wise, Brendan Bracken, R. Keyes, Locker-Lampson, Guest, V. Adams, A.A. Somerville, Cart-land, Sueter, Raikes, Craddock, Winterton, Vice-Admiral Taylor, W. Davison, Hanbury, Carver, Assheton, Liddall, Duggan, C. Taylor, A. Graham. Einige von ihnen — u.a. Raikes, Liddall, D. Sandys, Craddock, Duggan — befürworteten Appeasement im politischen Bereich oder hinsichtlich eines deutschen wirtschaftlichen „Mitteleuropa“.Google Scholar
  366. 356.
    Dies sollte Labour ein Zeichen setzen, wo die Regierung stehe; Vansittart und Collier setzten „Rechte“ und (Mosleys) Faschisten nicht gleich; Vansittart, 17.10.1936, C 7296/576/ 18,VNST2/27.Google Scholar
  367. 357.
    Baldwin hielt den Mitgliedern der Defence Deputation vor, daß sie sichere Wahlkreise verträten; diese lagen meist im Südosten und Südwesten Englands sowie in den südlichen/ westlichen Vororten Londons, also im Einzugsfeld deutscher Luftangriffe. Das war ein Grund mehr, neben der Expansion der RAF auch die Flugabwehr und die Ausrüstung der Armee — zumindest der Reserveeinheiten — für diese Aufgabe zu fordern. Zur Armee-Rekrutierungskampagne s. Amery, My Political Life, Bd. III. Die Rekrutierungsfrage beschäftigte 1936 durchgehend das WO und bildet den Hintergrund der Kontroversen zwischen Cooper und N. Chamberlain sowie Cooper und Arbeitsminister Brown; s. dazu Dennis, Decision by Default, S. 75 ff.Google Scholar
  368. 358.
    Zum Melchett-Plan, den Vorstössen der Macmillan-Gruppe und der Diskussion über „planning“ in den dreißiger Jahren s. Alford, S. 68 ff.; Youngson, S. 269 ff.; Beer, Modern British Politics, Kap. X, Abschnitt „Industrial Reorganisation“, S. 292 ff.; Macmillan, I, S. 222 ff., 357 f., 371 ff.; Blank, S. 28 f.; Pollard, S. 169 ff. — Die FBI startete eine Fragebogenaktion über Melchetts Reorganisationsplan. Die Antworten zeigten die besondere Lage der Industriezweige und das Interesse, die Diskussion innerhalb der Einzel verbände zu führen.Google Scholar
  369. 359.
    Hoare, 19.3.1934, Cab. 23–78, S. 282 ff. — Hoare sprach von einer Hypothese: Falls sich die Nachrichten über die deutsche Aufrüstung als richtig herausstellten, müßte man die Situation für schlimmer halten als 1906–1914, also müsse man die Opposition ins Vertrauen ziehen; als In dien-Minister hatte Hoare Kontakte zur Opposition. Hoare bestritt dann aber, daß die Lage so akut sei. Ähnlich verlief die Debatte am 6.7.1936, Cab. 23–84. — Baldwin nahm Stellung zu der Frage, die von der Defence Deputation aufgeworfen wurde (29.7. 1936, Cab. 21–438). Er betonte, daß diesen Konsultationen ein gemeinsames, öffentlich anerkanntes Gefahrenbewußtsein vorausgehen müsse. Dieses Bewußtsein sei aber nur bei wenigen Labour-Führern (Citrine, Generalsekretär des TUC, oder bei Hicks, Führer der Bauarbeitergewerkschaft) anzutreffen, s. Anm. IV/113, 114.Google Scholar
  370. 360.
    14.1.1935, Cab. 23–81, S. 34; der Vorschlag MacDonalds wurde nicht befolgt. Hinzu kam die Befürchtung, die Führer der disparaten Opposition (Labour Party, Lloyd George, Churchill) könnten auf diese Weise zusammengeführt und zur Gefahr für die Stabilität der Nationalen Regierung werden. Zu den Gerüchten und Bemühungen, Lloyd George oder Churchill bei der Umbildung der Regierung zu berücksichtigen, s. Jones, Diary with Letters, S. 138 f., 142 u.a.O.; Wrench, Dawson, S. 321 ff.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 806 ff.; Feiling, N. Chamberlain, S. 240 ff.; Gilbert, Churchill, Bd. V, Kap. 34.Google Scholar
  371. 361.
    8.5.1935, Cab. 23–81, S. 370; 6.7.1936, Cab. 23–84. — Anläßlich der Flottenverhandlungen hatte Hoare die Opposition über den Fortgang der Verhandlungen vertraulich unterrichtet; s. Hoare, Troubled Years, S. 128 ff.Google Scholar
  372. 362.
    Cab. 23–79, S. 51 f.; s. Anm. IV/360. — Die Ausnahme war Churchills Berufung in das Air Defence Research Sub-committee of the CID 1935, s. Gilbert, Churchill, Bd. V, S. 654 ff.; Gibbs, Rearmament Policy, S. 594; Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 260, 325, 395 ff.Google Scholar
  373. 363.
    Roskill, Hankey, Bd. III, S. 110; Vansittart, 17.7.1935, VNST 2/28, S. 3; Pownall-Diary, I, S. 73 (27.5.1935), S. 74 (6.6.1935); Jones, Diary with Letters, 21.2.1936, S. 176: „this crop of committees is only proof of feebleness in reaching decisions in Cabinet“.Google Scholar
  374. 364.
    Vgl. Meyers, S. 90 ff.; Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 87 ff., 103 ff.; Dennis, 35 ff.; Gibbs, S. 99 f.; Pownall-Diaries, I, S. 33 ff.; Barnett, S. 345 ff.Google Scholar
  375. 365.
    Zur Expansion und den Veränderungen in den RAF-Programmen s. Gibbs’ Übersicht in Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung; Gibbs, Rearmament Policy, Kap. IV. 3a, XIV/XV; Webster/Frankland, S. 65 ff.; Higham, S. 170 ff.; Meyers, Kap. 4.3.Google Scholar
  376. 366.
    Der Flottenbau mußte aufgrund der Krisenfolgen in den dreißiger Jahren „eigentlich“ gegen Japan, Italien und Deutschland auf einen Minimalstandard ausgerichtet sein. Die Luftwaffe wurde — aufgrund der Reichweite, Bombenwurflast usw. — auf den stärksten „Feind“ in Reichweite konzipiert (Frankreich in den zwanziger Jahren, Deutschland nach 1934) sowie für „Imperial policing functions“. Die Armee hatte die größte Einsatzpalette — „imperial policing“, „anti-air craft defence“, Field Force u.a. — und die geringsten Ressourcen. Die rüstungsindustrielle Kapazität machte „rationing“, unabhängig vom Finanzierungsrahmen, erforderlich; die Ausrüstung der Armee beanspruchte die industriellen Kapazitäten stärker als die Expansion der RAF. Die Einsatzfähigkeit der Luftwaffe und der Armee im Fernen Osten wurde teils vernachlässigt, teils im Disput über die Kontrolle über „Fleet Air Arm“ unter falschen Vorzeichen diskutiert. Englische Interessen waren an allen Knotenpunkten der Weltpolitik — Suez, Gibraltar, Singapur, Kap der Guten Hoffnung, Kontrolle über die Ostsee, Dardanellen — tangiert.Google Scholar
  377. 367.
    Gibbs, S. 287 f., 293; Postan, S. 12 ff. Zur Diskussion um die „Neutralisierung“ Japans s. Gibbs, S. 120 ff., 124 ff., 256 f. Zur Frage der rüstungsindustriellen Kapazitäten s. Postan, S. 3 ff., 7 ff., 69 ff., sowie die vergleichende Analyse von H. Hillsman, Comparative Strength of the Great Powers, in: Survey of International Affairs 1939–46, hrsg. von Toynbee/Ashton-Gwatkin.Google Scholar
  378. 368.
    Vgl. Anm. E/34, Anm. IV/7 zum „Syndrom“ „labour“/Risikoformel. Die Befürchtungen stützten sich auf konkrete Erfahrungen im Ersten Weltkrieg und seit 1936 sowie auf Informationen über die Probleme in der deutschen Aufrüstung. Bei dem Mangel an Facharbeitern drohte nicht nur eine Abwerbeaktion der Rüstungsfirmen gegenüber den „civil & export industries“, sondern auch ein Wetdauf zwischen den Rüstungsfirmen. Wegen der zu geringen Produktionskapazitäten, der Sorge um Folgeaufträge usw. wehrten sich die Unternehmen gegen sog. „break clauses“: Sie bestanden auf langfristigen Aufträgen, „Subventionen“ für Anlageerweiterungen oder auf hohen Profitmargen. Die Preise für Stahl/Eisen zogen bereits 1936, vor den großen Rüstungsaufträgen, an. Die Anleihefinanzierung würde über kurz oder lang die umlaufende Geldmenge aufblähen; die Handelsbilanz würde passiviert und die £-Währung in Mitleidenschaft gezogen usw. Zu diesen Vorstellungen s. unten, Abschn. 6; vgl. Shay, British Rearmament, S. 244 ff.; Peden, S. 85 ff.Google Scholar
  379. 369.
    Baldwin, 1.4.1936, HofC, Bd. 310, Sp. 1992; Brown-Memo., Defence Programme: Labour Issues involved, C.P. 96 (36), 26.3.1936; Brown, C.P. 36 (36), 21.2.1936, Cab. 24–260, zu ersten Anzeichen des Wettlaufs um Arbeitskräfte; C.P. 297 (36), 30.10.1936, Cab. 24–265, zur Frage „dilution” (Warnung, daß dies zu sozialen Unruhen führen würde). Zur Haltung von „labour“ s. Bullock, Bevin, Bd. I, S. 635 ff.; Brand, S. 211 ff.; Naylor, Kap. 6; Barnes/Middlemas, S. 901 ff.; Cowling, S. 219 f.Google Scholar
  380. 370.
    H. Wolfe-Memo., 9.3.1936, Mof Lab. 25–79; s. Shay, British Rearmament, S. 126 f. N. Chamberlain — als Minister of National Service 1917 — und Weir — als „director of munitions for Scotland“ (1915/17) — hatten einschlägige Erfahrungen mit den „Gewerkschaftspraktiken“, dem Widerstand der Facharbeiter gegen „dilution“ u.a.m.Google Scholar
  381. 371.
    Zur Politik N. Chamberlains gegenüber den Vorschlägen, auch die Armee für den Kriegsfall in Europa zu rüsten, s. Gibbs, Rearmament Policy, S. 110 ff., 261 ff., 441 ff., 444 ff.; Dennis, Decision by Default, S. 88 ff.; C.P. 326 und 337 (36), Cooper-Memoranden: C.P. 334 (36), N. Chamberlain, The Role of the Army, in: Cab. 24–265. Zum Streit in der Beratungsphase über das „Ideal Scheme“ s. Pownall-Diary, I, S. 99 (27.1.1936); vgl. Shay, British Rearmament, S. 80 f.; Peden, S. 124 ff., 171 ff.Google Scholar
  382. 372.
    Feiling, N. Chamberlain, S. 313 f. (9.2.1936); Dennis, Decision by Default, S. 62 ff.; Howard, S. 125 ff.; DJP.R.-Report, 12.2.1936, C.P. 26 (36), Cab. 24–259; 25.2.1936, Cab. 23–83, Cab. 10 (36). — Erst im September 1938 wurde die kontinentale Rolle der Armee vom Kabinett im Prinzip anerkannt, was aber noch nicht bedeutete, daß das Kabinett sein Plazet tür entsprechende Prioritäten in der Rüstungsproduktion gab; s. Shay, British Rearmament, S. 235; Watt, Too Serious, S. 130 ff.Google Scholar
  383. 373.
    Zum Stichwort „billige-populäre“ Streitmacht s. Anm. IV/208; C.P. 205 (34), Cab. 23–79, S. 357 ff. — Die Vorstellung war für Chamberlain gleichbedeutend mit „limited liability“; kritisch dazu Pownall-Diary, S. 42, 99. Zur Aufteilung der Zusatzmittel unter die Streitkräfte s. Gibbs, S. 102 ff.; Meyers, S. 90 ff. R. MacDonald und N. Chamberlain teilten — bei unterschiedlichen außenpolitischen und rüstungspolitischen Präferenzen — das Interesse an einer Koordinierung und Ausgab en kon trolle für Zwecke der Streitkräfte; s. Marquand, R. MacDonald, S. 760; Peden, S. 38 ff., 86 ff.Google Scholar
  384. 374.
    Einige der Militärzeitschriften — Army, Navy and Air Force Gazette; Fighting Forces — gehörten zu den stärksten Verfechtern eines Ministry of Defence. Zu den Anträgen (Sueter u.a.) im Unterhaus und Hankeys Verteidigung des CID-Systems s.Pownall-Diary, S. 98 ff., 101 ff.; Roskill, Hankey, III, S. 52 ff., 67 ff., 98 f., 103 ff., 202 ff., 213 u.a.O.; Johnson, Defence by Committee, S. 228 ff.Google Scholar
  385. 375.
    Siehe hierzu besonders die von Hankey vorbereiteten Regierungserklärungen zu Anfragen im Unterhaus betr. Coordination of Defence, Ministry of Defence, zum Beispiel April 1934, Cab. 21–384; Hankey an R. MacDonald, 16.1.1933, Cab. 21–384. Zur Abstützung seiner Position zitierte Hankey die zu einem großen Teil auf seinen eigenen Einfluß zurückgehenden Passagen in den Berichten der Untersuchungsausschüsse, die sich mit der Frage beschäftigt hatten, oder positive Stellungnahmen; zum CID-System s.u.a. May-Committee Report, § 200; Baldwin-Erklärung, HofC, 2.3.1932.Google Scholar
  386. 376.
    Cab. 23–83, S. 146. — Das war einer der Leitgedanken für die Ernennung des Ministers for the Co-ordination of Defence: s. N. Chamberlain, 11.2.1936, C.P. 28 (36), Cab. 24–260; vgl. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 908 ff.Google Scholar
  387. 377.
    Hodsoll an R. MacDonald, 5.10.1934, Cab. 21–434. Für die mangelnde Koordination ist u.a. bezeichnend, daß der für die Heeres-Seite im Joint Planning Staff verantwortliche General wegen der Auskunft der Admiralty, daß nicht genügend Kriegsschiffe zur Verfügung gestellt werden könnten, einen entlegeneren Landeplatz für die Field Force wählen mußte. Die Navy fand dagegen nichts einzuwenden. Die RAF gab die Auskunft, sie könne im Kriegsfall in Erwartung deutscher Angriffe keinen Schutz für den englischen Truppeneinsatz jenseits des Kanals garantieren (Privatinformationen).Google Scholar
  388. 378.
    Die Lösung hatte den Vorteil, daß sie die Arbeit des Joint Planning Staff und des Chiefs of Staff-Subcommittee des CID gegen politische Pressionen abschirmte und eine Koordination des Stabsdenkens in den drei Streitkräften fördern konnte. Die Arbeiten von Shay (S. 190, 215 f. u.a.O.) und Gilbert (Churchül, Bd. V, S. 761 ff.) korrigieren das in den älteren Arbeiten überwiegend negative Bild Inskips; s. auch Pownall-Diary, S. 73 ff., 98 ff.Google Scholar
  389. 379.
    Der Minister sollte auch die Kontrolle über die Verteilung der Rohstoffe an die für die Rüstungsaufgaben wichtigen Industrien übernehmen. Über die Koordinationsfrage hatte das Kabinett am 12.2., 17.2., 24.2. und 26.2.1936 beraten; die Sachdebatte wurde überschattet von der Personal débatte, da gegebenenfalls die Nachfolge Baldwins auf dem Spiel stand. Inskip wurde mit den Forderungen der „Food and Defence“-Lobby konfrontiert, fand keine strategischen Grundentscheidungen vor, konnte nicht wagen, die Bestell Vorgänge der Ministerien unter seine Kontrolle zu nehmen usw. Obwohl von vornherein feststand, daß der neue Minister kein „over-lord” sein sollte, mußte er doch gegen Vorurteile und Ressorteifersüchteleien der drei Service Departments erst einmal Statur gewinnen. In den ersten Monaten war er für ,,Stabshilfe” auf die Unterstützung Hankeys angewiesen.Google Scholar
  390. 380.
    Inskip, 29.4.1936, Cab. 23–84; 23.11.1936, Cab. 21–438 (2. Treffen mit Defence Deputation). Aus taktischen Gründen hatte Baldwin nicht die Service Ministers, sondern Inskip als Gegenüber der Defence Deputation gewählt. Inskip nahm den Disput zwischen FO und WO — ausgelöst durch die FO-Denkschrift zur Frage, innerhalb welchen Zeitraums die Gefahr einer Verwicklung in einen Krieg akut werden könnte und wie die Stärkerelation zwischen Deutschland und dessen Opponenten aussehe — zum Anlaß, um im Kabinett eine Debatte über die Strategie in Gang zu bringen; s. Anm. 1/231 ff., Anm. 11/24; FO an Army Council, 25.4.1936, Cab. 21–441.Google Scholar
  391. 381.
    Der Ausschuß trat an die Stelle der informellen Parteiführertreffen (Baldwin, Chamberlain, Simon, Runciman, R. MacDonald, Thomas); 30.1.1935, Cab. 23–81, S. 83–85. Ihm gehörte der gleiche Personenkreis an, ergänzt durch Halifax als Führer des House of Lords.Google Scholar
  392. 382.
    Zu den Streitigkeiten zwischen FO und WO s. oben, Kap. II; s. ferner Gibbs, S. 628; Dennis, S. 115 ff.; Howard, S. 94, 117 ff.; Vansittart, 17.11.1936, C 7904/G, VNST 2/29.Google Scholar
  393. 383.
    Chamberlain, 11.2.1936, C.P. 28 (36), Cab. 24–260. Demgegenüber argumentierte Mont-gomery-Massingberd (an Hankey, 17.2.1936, Cab. 21–424), daß die Armee stärker ausgebaut werden müsse. Statt die RAF weiter aufzustocken, müsse dafür gesorgt werden, daß Frankreich nicht zerschlagen werde; daher sei der Aufbau einer Kontinentalarmee notwendig. Auch Hankey (an Fisher, 13.2.1936: an die Stabschefs, 14.2.1936, Cab. 21–424) wandte sich gegen den Führungsanspruch der Treasury und die Ansicht, sie müsse für Koordination sorgen. Die von der Treasury geforderten Prioritäten hielten Hankey und die Stabschefs für unausgewogen. Chamberlains eigentliches Argument betraf die wirtschaftlichen Möglichkeiten und Folgewirkungen der Aufrüstung.Google Scholar
  394. 384.
    Hankey an R. MacDonald, 3.5.1935, Cab. 21–406. Hankey opponierte nicht nur gegen die Bildung eines Ministry of Defence, sondern auch gegen Ministry of Economic Coordination. Er wurde im zweiten Weltkrieg verantwortlich gemacht für die Mängel des Verteidigungssystems, für Rückstände in der Rüstungsproduktion, u.a.m.; s. dazu bes. Salisbury an Swinton, 18.1.1940, Swinton-Papers. Zur Hankey-Kontroverse s. Swinton-MSS., Bd. 174/ 3/1.Google Scholar
  395. 385.
    Zur Kritik an der Treasury Rule und ihrer Handhabung s. D.C. Watt, Personalities, Essay 5; Percy, S. 146 ff.; D. Cooper, S. 219 ff.; Meyers, S. 211 ff., 400 ff.; Johnson, S. 257 ff.; Ashton-Gwatkin, The British Foreign Service, Syracuse/New York 1950, S. 26 f. — An das Treasury Emergency Expenditure Committee wurde die Aufgabe delegiert, die Etablierung der „shadow factories“ im Hinblick auf die im Abessinien-Konflikt auftauchenden Prioritätenfragen (anti-aircraft munition usw.) zu kontrollieren und generell die Entwicklung des „shadow factory“-Systems zu überwachen (11.12.1935, Cab. 54 (35) 7, Cab. 23–82, S. 428–430). Zur Rolle der Treasury anläßlich der Etatberatungen und der „Abstimmung“ der Ressortpläne auf den Haushaltsrahmen s. Gibbs; Peden.Google Scholar
  396. 386.
    Zum Problem der Coordination of Defence — auch in historischer Perspektive — s. Ehr-man; Meyers; Johnson; 10.2.1936, COS-Memo., C.P. 36 (36), Cab. 24–260. Die Stabschefs legten dar, daß der Premierminister durch die COS-Berichte laufend informiert werde. Jede andere Koordinationsstelle würde die Stabschefs von der Aufgabe entbinden, einen Konsens zu finden und entsprechend die Tendenz verstärken, die Ressortinteressen zu artikulieren.Google Scholar
  397. 387.
    Hankey an Chatfield, Ellington, Montgomery-Massingberd, 11.4.1934, Cab. 21–382; Monsell an Hankey, 28.2.1934, Cab. 21–384. MacDonald forderte im Februar 1934 zur besseren Koordination auf. Ihm ging es primär um die Koordinierung des Rüstungsausgaben (Defence Estimates), weniger um die Koordination der strategischen Prioritäten (vgl. Meyers, S. 211 ff.). Gegen die von der Treasury aufgegriffene Chance, ihre Mitspracherechte zu fixieren bzw. den Streitkräften insgesamt einen „Kuchen“ zuzuteilen, über dessen Zerlegung sich die drei Streitkräfte dann streiten könnten, machten die drei Verteidigungsressorts und die Stabschefs gemeinsam Front. Die Stabschefs bestanden darauf, daß das Kabinett und nicht das Schatzamt das letzte Wort in der Zuweisung der Etatmittel behielt; Hankey an R. MacDonald, 6.3.1934, Cab. 21–382.Google Scholar
  398. 388.
    16.12.1935, Subcommittee on Defence Policy and Requirements: Es beschloß, die Detailberatung am 13.1.1936 aufzunehmen und Weir zu kooptieren: Cab. 21–422 A (30.10. 1935–13.1.1936). Das Kabinett hatte den Report am 15.11.1935 zur Kenntnis genommen. Die Beratung wurde durch die Beanspruchung Hankeys, Vansittarts, Fishers und der Stabschefs in den Tagesfragen der Abessinien-Krise aufgehalten. Zu den Begleitumständen und den Streitpunkten in der Phase der Ausarbeitung s. Cab. 21–434, Hankey an Fisher, 22.7.1935; Hankey an Fisher, 6.9.1935; Hankey an Baldwin, 24.10.1935; Hankey an R. MacDonald, 11.12.1935. — Ein ähnlicher Fall: Das Ministerial Committe on Disarmament, an das das Kabinett die Beratung über den Report des Hankey Committee delegiert hatte, kam nicht zügig voran, weil MacDonald und Baldwin vom HofC-Ausschuß beansprucht wurden, der die Vorwürfe Churchills gegen das India Office zu prüfen hatte. Es ist denkbar, daß die „günstige” Zeit, in der die Meinung im Kabinett zum Entgegenkommen an Frankreich in der Garantiefrage tendierte, durch den erwähnten Umstand vertan wurde; Cab. 23–79, S. 51.Google Scholar
  399. 389.
    Pownall-Diary, I, S. 77, 29.7.1935; das Urteil fällt in die Endphase der Beratungen über das Rüstungsprogramm, in der der 1.1.1939 als Zieljahr der Rüstungsanstrengungen festgelegt wurde.Google Scholar
  400. 390.
    Zum Hoare/Laval-Pakt bzw. zur innerenglischen Reaktion s. Cross, Hoare, Kap. 5/6, bes. S. 228 ff.; Cooper, Old Men Forget, S. 238 f.; Barnes/Middlemas, S. 882 ff.; Jones, Diary with Letters, S. 161; Nicolson-Diary, I, S. 224 ff.; Simon-Diary, 18./19.12.1935 (auf-schlußreich über Halifax, er sei die treibende Kraft zum Sturz Hoare’s gewesen); Coote, Companion of Honour, S. 157, 182; Feiling, N. Chamberlain, S. 273 ff.; Birkenhead, Halifax, S. 348 ff.Google Scholar
  401. 391.
    Die bevorstehenden Wahlen in Frankreich (April 1936) und die Frage, wieweit die Anhänger Herriots die Regierung unterstützen würden, gaben Anhaltspunkte für die Erklärung der Schwankungen und Unsicherheiten in der französischen Außenpolitik; dies betraf vor allem die Ratifizierung des französisch-russischen Paktes. Die schroffe Haltung Lavais im Oktober 1935 gegenüber englischen Anfragen zur Sanktionspolitik wurde ebenso mit der Rücksichtnahme auf parlamentarische Konstellationen erklärt wie die französischen Sondierungen in Berlin seit dem Spätherbst 1934. Da die Manöver eine anti-englische Spitze zu haben schienen, sah sich u.a, A. Chamberlain veranlaßt, die französische Öffentlichkeit an die „permanenten“ französischen Interessen (Entente) zu erinnern. Zur französischen Politik s. Höhne; Néré; M. Soulie, La vie politique d’Edouard Herriot, Paris, 1962; H. Cole, Laval. A Biography, London 1963; vor allem Marder, Royal Navy, in: AHR, Bd. LXXV, 5 (1970); Parker, Great Britain, France and the Ethiopian Crisis, in: EHR, Bd. 89 (1974), S. 293 ff.; Young, Guerre, in: Preston (Hrsg.), General Staffs.Google Scholar
  402. 392.
    Jones, Diary with Letters, S. 175; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 896 f. Baldwin begründete den Vorstoß in der Sanktionsfrage - 26.2.1936, Cab. 23–83, S. 181 — u.a. damit, daß seine Integrität auf dem Spiel stehe.Google Scholar
  403. 393.
    Chamberlain sprach im Kabinettsausschuß — 13.3.1936, Cab. 27–603 — die Sitzung des Foreign Affairs Committee an; Prem. 1–194 (Bericht von Lord Dungiass über die Sitzung vom 12.3.1936, an der ca. 50 MP teilnahmen; an der zweiten Sitzung am 17.3. nahmen über 200 MP teil). In der ersten Sitzung traten Boothby, A. Chamberlain, Churchill und Winterton für die Unterstützung der französischen Politik ein; Hoare, Gretton, Lady Astor forderten zu einer zurückhaltenden Reaktion auf. Einige der Sprecher der „backbencher“ — Rickards, Craven Herald, 20.3.1936, S. 7 — rühmten sich nach der Krise in ihren Wahlkreisen, sie hätten den am 11.-13.3. drohenden Umschwung zugunsten einer Strafaktion verhindern und den Frieden retten helfen: „we humble folk of little experience“, hätten ständigen Kontakt mit ihrem Wahlkreis und würden die Stimmung im Volk besser beurteilen können als Churchill, Hörne und andere Ex-Minister. In Rickards’ Wahlkreis (wie in anderen Wahlkreisen „pro-deutscher“ MP) spielte die British Legion eine Schlüsselrolle. Rickards verglich die englische Haltung in der Märzkrise 1936 mit der Passivität Englands in der Ruhrkrise 1922/23. Besonders aktiv in der Gruppe waren V. Raikes, Vice-Chairman der Imperial Policy Group of the Junior Imperial League („Imp“), ein Antibolschewist/Antisozialist, ein Imperialist, der in der Indienfrage in Konflikt mit den Whips und seinen Wahlkreisverband gekommen war; Sandeman Allen, Wahlkreis Birkenhead (Unilever), Sprecher der Handelskammer, Mitglied der Anglo-German Fellowship; A.R. Wise und Lord Mansfield standen in Kontakt mit französischen Politikern, die gleichfalls beanspruchten, die Meinung der „Basis” besser zu kennen als die Pariser Presse und die Gruppe Flandin/Mandel.Google Scholar
  404. 394.
    Simon an MacDonald, 27.7.1934; Runciman an Simon, 13.7.1934, Simon-MSS. — Vgl. die Aussagen Baldwins vom 13.3.1935, 29.6.1936, 5.3., 11.3. und 12.3.1936, zit. in: A.W. Baldwin, My Father, S. 88; Baldwin/Flandin-Gespräch, 14.3.1936, Flandin, S. 207 ff. — Ähnlich beurteilte Hoesch die Situation in England: 10.3.1936, E 506 547 ff.; 21.3.1936, E 508 053 ff.; GD-C, V, Nr. 178.Google Scholar
  405. 395.
    Besonders deutlich Simon (an J.A. Spender, 10.10.1938, Simon-MSS.); er kontrastiert die englische „patience“ mit der von Furcht diktierten kopflosen französischen Einkreisungspolitik; „München“ sei die Quittung für die verfehlte französische Nachkriegspolitik. N. Chamberlain, Baldwin und Halifax kontrastierten gleichfalls die englische Politik des gesunden Menschenverstandes mit dem unkontrollierbaren Handeln der Diktatoren und den aus unkontrollierten Befürchtungen resultierenden Überreaktionen französischer Politiker. Konkrete Anhaltspunkte waren Meldungen über Gegensätze zwischen Mandel u.a. — die Hitlers Bluff aufdecken wollten, Gamelin, der eine Allianz mit England „erpressen“ wollte, — und denjenigen, die mit der Begründung, eine Übergangsregierung könne kein Kriegsrisiko verantworten, für eine Abwartetaktik plädierten.Google Scholar
  406. 396.
    Siehe Anm. IV/281, 282, 289 (betr. „Verzögerungsprozedur“ Einschalten des Völkerbundsrats in das „Krisenmanagement“). Die in der Verfassungsliteratur gängige These, wonach die englische Regierung in der Phase der Ausarbeitung ihrer Außenpolitik unabhängig von der öffentlichen Meinung bzw. der Partei-Meinung handeln könne, erscheint dem Verf. zweifelhaft. Der Zusammenhang der Willensbildung am Vorabend außenpolitischer Krisen mit der Rüstungsdebatte und mit den nicht unwichtigen „Werbeaktionen“ der „backbencher“ in ihren Wahlkreisen für das Junktim „Friedenspolitik/Aufrüstung“ spricht gegen die uneingeschränkte Gültigkeit der These. Auf der anderen Seite darf der Einfluß der „backbencher“ und der Parteiorganisation natürlich nicht überschätzt werden. Die Ausführungen Watts (in: Les Relations Franco-Britanniques, S. 243, 254) setzen die Akzente etwas zu einseitig auf die Unbeugsamkeit des „Willens“ Chamberlains und andere Faktoren, sind in anderer Hinsicht aber umfassend und ausgewogen. — Besonders Lloyd George agitierte gegen Stabsgespräche und verwickelte sich — auch anläßlich der Veröffentlichung seiner War Memoirs — in einen Disput mit D. Cooper, Kriegsminister 1935/37 und Autor der Biographie Haigs, des militärischen Gegenspielers Lloyd Georges 1916/18.Google Scholar
  407. 397.
    Percy, Some Memories, S. 184. — Eden un d ihm nahestehende MP suchten die öffentliche Meinung im Sinne der „working agreement“-Vorhaben zu präparieren; Nicolson-Diary, 13.2.1936, S. 236. Zur Eden-Gruppe (1938) gehören (laut Aufzeichnungen von Emrys-Evans): Cranborne, R. Cartland, Bower, A. Crossley, H. Duggan, D. Cooper, D. Gunston, S. Herbert, H. Nicolson, CG. Lancaster, M. Patrick, R. Tree, L. Spears, H. Macmillan, Amery, Wolmer, R. Law, J.P.L. Thomas, Emrys-Evans; laut Nicolson-Diary (24. u. 27.2. 1936) kommen hinzu: Lumley, McEwen, P. Evans. — Vgl. Cowling, S. 249 ff.; Thompson, Anti-Appeasers, S. 168.Google Scholar
  408. 398.
    Halifax, Fullness of Days, S. 197. — Vgl. Pownall-Diary, 9.3.1936 (S. 105); Nicolson-Diary, 11.3.1936, S. 242: „AU this is indisputable but what is also indisputable is that the country will not allow us to take drastic action in what they regard as a pure French interest.“ Siehe auch WO-Memo, 8.3.1936, FO 371–19 888, S. 37 ff. — Heeresminister Cooper hielt die deutsche Aktion für überflüssig, denn England habe auf diplomatischem Wege die Aufhebung des Rheinzonen-Status herbeiführen wollen: Dieckhoff-Aufzeichnung, 12.3.1936, Akten der Reichskanzlei 47, Bd. II; s. auch GD-C, V, Nr. 33, S. 57 (8.3. 1936). — Die sog. Lothian-These, Deutschland sei doch nur in seinen „backyard“ einmarschiert, ist vor dem Hintergrund zu sehen, daß er 1924/26 eine englische Verpflichtung, Frankreich beizustehen, nur für den Fall einer „flagrant action“ gegen Frankreichs Gebiet gelten lassen wollte; seit spätestens Ende 1932 verlangte er, England solle sich aus der Verpflichtung für die Rheinzone lösen (16.11.1932 „Liberalism in 1933“, GD 40–17, Bd. 145). Seit dem deutschen Austritt aus dem Völkerbund interpretierte Lothian den Locarno-Vertrag so, daß Simon sich genötigt sah, dem Parteiführer der Oppositions-Liberalen, H. Samuel, eine Völkerrechtsbelehrung zuzustellen.Google Scholar
  409. 399.
    Meeting of Ministers (Locarno-Ausschuß), 13.3.1936, Cab. 27–603.Google Scholar
  410. 400.
    14.1.1935, Cab. 23–81, S. 21 f., 30. — 1936 hielt man sich an die deutsche Offerte, in den Völkerbund zurückzukehren; die englische Regierung führte im Foreign Policy Committee eine monatelange Diskussion über die Reform des Völkerbundes, die Aufhebung der Verbindung zwischen Völkerbund und Versailler Vertrag, die Aktivierung des Art. 19 und über andere von deutscher oder „pro-deutscher“Seite gestellte Bedingungen. — Die Stabsgespräche, die Frankreich für den Fall einer Ausweitung der Rheinzonen-Aktion in einen Angriff auf Belgien/Frankreich zugesagt wurden, waren mehr als Geste denn als Auftakt zur Bildung einer Allianz gedacht; s. Anm. IV/57 ff.Google Scholar
  411. 401.
    Beispiele: Stresa-Briefing, C.P. 79 (35), Cab. 24–254, S. 45 ff.; Simon-Diary, 21.3.1935. -Dawson, A Chance to Rebuild, Tiws-Leitartikel 9.3.1936; Edens Entwurf der Regierungserklärung im Unterhaus, 8.3.1936; Jones, Diary with Letters, S. 179 ff. (Entwurf/Eingabe der Bückling Party an Baldwin/Eden), s. dazu oben, Abschn. 4.Google Scholar
  412. 402.
    Round Table, The Locarno-Treaties, Dez. 1925, Bd. XVI, S. 1, 12; s. auch ebd., Juni 1926, Great Britain and Locarno, S. 464 ff.; ähnliche Zeugnisse: Anm. IV/230.Google Scholar
  413. 403.
    Vor diesem Hintergrund sind auch die Vorschläge zu sehen, Baldwin zum Außenminister zu machen (zum Beispiel Manchester Guardian anläßlich der Regierungsumbildung im Mai/Juni 1935). K. Wood — Nonconformist; Mitarbeiter Chamberlains in der Sozialpolitik; Wahlkampfleiter 1935; einflußreich im Executive Committee der National Union; als kompetent geltender Ressortchef — ist ein Beispiel für „appeasement [as] conservative blend of pacifism“. Über Wood s. Jones, Diary with Letters, S. 247, 267, 406, 409; Cooper, Old Men Forget, S. 276; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 892, 923, 928. Zu Halifax s. Cowling, S. 257 ff.; Birkenhead, Life of Lord Halifax. Unter Berufung auf die Stimmung in den Wahlkreisen und im Parlament forderte Halifax Hoare’s Rücktritt; s. Simon-Diary, 18719.12.1935; zu Baldwins Einfühlungsvermögen in die „Stimmung im Lande“s. Barnes/Middlemas, S. 1078 ff.; Kilmuir, S. 47 ff.; Swinton, S. 266.Google Scholar
  414. 404.
    Die Einflußnahme erfolgte in der Regel durch Briefe aus den Wahlkreisen an die MP oder Berichte der lokalen „agents“; anläßlich der Jahresversammlungen im Frühjahr wurden die Meinungstendenzen in den Wahlkreisen direkt vermittelt. — Die Pressepolitik der Regierung bezweckte in der Regel, daß weder zu euphorisch über deutsche Vorschläge berichtet noch Frankreich zur Ablehnung deutscher Angebote ermuntert werden sollte (1.4.1936, Cab. 23–83, S. 417 ff., 421). Die Regierung wurde besonders in den Fällen aktiv, in denen „garbled versions“(Nachrichten aus französischen Quellen) die englische Politik in Zugzwang zu bringen drohten (19.3.1936, Cab. 23–83, S. 358 ff.) oder der Eindruck zu korrigieren war, daß die immer noch als offiziös geltende Times die Haltung der Regierung widerspiegele (8.4.1935, Cab. 23–81, S. 206). Im FO sah man Manchester Guardian (Voigt), Daily Telegraph und Yorkshire Post in ihrer Berichterstattung und Kommentierung als hilfreicher an als die Times: C 4186/4/18, 11.6.1936, FO 371–19 906; Leeper, 16.3.1936, C 1710/4/18, FO 371–19 890; ders., 25.3.1936, C 2207/4/18, FO 371–19 896: „on the whole the press are much better than their readers and would be much better still with a strong lead from the Government“.Google Scholar
  415. 405.
    Nicolson-Diary, 13.2., 24. u. 26.2.1936, S. 236 ff. — Besonders N. Chamberlain und Eden betonten die Bedeutung der Aufklärungsarbeit in den Wahlkreisen; Chamberlain-Note (Entwurf Fisher, 19.11.1934, Cab. 21–407 (Vorbereitung des Defence White Paper 1935). — Im Sinne der These, daß England wegen der Entwicklung in den anderen Ländern und der internationalen Situation aufrüsten müsse, aber auch dämpfend auf die Regierungen anderer Länder einwirken und für Verhandlungslösungen eintreten solle, reiste L. Caplin als Vertreter des Central Office zu lokalen Parteitreffen: s. zum Beispiel Southern Daily Echo, 11.3.1936.Google Scholar
  416. 406.
    Besprechung im FO — Eden, Vansittart, Sargent, Wigram, Leeper — am 7.3.1936 s. Colvin, Vansittart, S. 79. Im Kabinett bzw. Locarno-Ministerausschuß verfestigte sich unter dem Eindruck der Lagebeurteilung durch die Stabschefs (COS 442, 12.3.1936, Bericht Hankeys) und der Stimmung in den Wahlkreisen (Bericht Chamberlains) die Ansicht, daß man Deutschland nicht mit Gewalt aus der Zone vertreiben könne, in die es „eventually be allowed to return“(13.3.1936, 1. Sitzung, Cab. 27–603). Auch Flandin stimmte zu, daß Deutschland die Zone unter seine „Wehrhoheit“zurückerhalten solle, vorausgesetzt, es erfülle die französische Bedingungen (symbolischer Truppenabzug, keine Befestigungsbauten — zumindest während der Dauer der Verhandlungen über „New Locarno“). — Die FO-Minutes vor dem 7. März waren auf den Tenor abgestimmt, daß die Rheinzone deutsches Gebiet sei. Da man den Status nicht mehr lange werde halten können, wäre es besser, den Tauschwert zu realisieren (Luftiocarno); C 157/4/18, FO 371–19 883, S. 114, 123 ff.; FO 371–19 884, S. 26, 226 f.; FO 371–19 885, S. 273 ff.Google Scholar
  417. 407.
    Hoffnungen auf einen Fortgang bzw. endgültigen Durchbruch der „economic recovery“und das Bestreben, außenpolitische Krisen zu vermeiden, sprach Eden in seiner ersten Rede als Außenminister in seinem Wahlkreis Leamington an (17.1.1936; Times). Vgl. bes. EAC, Committee on Economic Information, 19. Report, 10.2.1936, Survey of the economic situation, Cab. 24–260; Observer, 5.1.1936, S. 19: „The return to prosperity. Survey of the country. Reports from the provinces.“Es ist sicher kein Zufall, daß die Times am 9.3.1936 auf der Hauptnachrichtenseite — gegenüber dem Leitartikel „A Chance to Rebuild“— Erfolgsmeldungen über den Stand der „recovery“veröffentlichte. — Die These, daß die Regierung den Frieden bewahren wolle, da nur dann die Rückkehr zur „prosperity“gewährleistet werden könne, ist ein Standardargument der Regierungsanhänger in den Wahlkreisreden, s.u.a. Hanley Evening Sentinel, 23.3.1936; s. auch Central Office, Notes for Speakers.Google Scholar
  418. 408.
    Im Hinblick auf die Abessinien-Krise hatte Runciman die „Kostenfrage“aufgeworfen (an Wigram, 28.8.1935, Runciman-Papers, R 2/47/1): Falls England den Völkerbund zu Aktionen im Dienst der kollektiven Sicherheit führen sollte, „rapid(ly) recovery…cannot afford a setback in finance“. Der Zusammenhang von Appeasement und „recovery“hat seine eigene „Logik“: Ging man davon aus, daß der Krieg lange dauern würde, dann mußte man dafür sorgen, daß die Wirtschaft in Ordnung kam; die Rüstungsindustrie mußte für „armaments in depth“gewappnet sein. Die Annahme, daß Deutschland vor 1939 nicht „fertig“sein werde, schirmte den Vorrang der „recovery“vor einer zu früh angesetzten „Kriegsproduktion“ab; s. Chamberlain, zit. in Feiling, N. Chamberlain, S. 314 f.; zur Debatte 1935/36 s. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 902 ff. Ferner wollte England die Erfolge der Wirtschaftspolitik nicht nur als Basis für die Aufrüstung begreifen, sondern auch für „social service“-Programme nutzen (s. Macleod, S. 47, 192, 208; Anm. IV/12, 99). Angesichts der von den Konservativen bestimmten Herrschaft der finanziellen Orthodoxie kann MacElwee, Britain’s Locust Years, S. 228, Appeasement als „conservative blend of pacifism“bezeichnen. Vgl. auch History of the Times, S. 484: „The appeal of pacifism and revisionism was closely connected in the minds of not a few public men with the need for economic recovery“. Vgl. auch Anm. IV/503.Google Scholar
  419. 409.
    Inskip an A. Parker, 18.6.1937, Cab. 21–541 (Antwortbrief auf dessen Übermittlung eines Aufsatzes: „The Economic Outlook of Germany“, Lloyds Bank Review).Google Scholar
  420. 410.
    Dies geschah in der Rheinzonen-Krise durch Baldwin und Chamberlain (Unterredungen mit Flandin am 13.3. und 14.3.1936; Flandin, S. 208 f.) und vor der „München“-Krise, bes. in den Stabsgesprächen im April 1938 und in den vorausgehenden Kabinettsberatungen; s. Middlemas, Diplomacy of Illusion, Kap. 6.Google Scholar
  421. 411.
    Runciman — an Hoare, 2.3.1936, R 2/50/1 — lehnte jegliche Rückkehr zu Gleichgewichts-theorien ab; er identifizierte „Balance of power“-Politik mit Interventionismus. England müsse sich darauf konzentrieren, als Seemacht führend zu bleiben. Bis es diesen Standard ùwieder errreicht habe, müsse es — mit Blick auf Japan — kontinentale Verwicklungen von sich weisen; s. auch Runciman an Wigram, 28.8.1935, R 2/47/1; ferner Runciman 1935, zit. in: History of the Times, IV, S. 892. Runcimans Position entsprach aufweite Strecken den Ansichten von Chatfield und Hankey, s. oben, Kap. II.Google Scholar
  422. 412.
    Der sog. „political approach“, d.h. Anknüpfungsversuche in „politischen Fragen“, behielt in den innerenglischen Auseinandersetzungen die Oberhand gegenüber „economic appeasement“-Vorstössen, s. oben, Kap. III/C.Google Scholar
  423. 413.
    Sargent an Phipps, 28.3.1933, C 9489/319/18, FO 371–16 728, S. 295; ähnliche Aussagen und Zeugnisse sind „Legion“— s. u.a. Wendt, München 1938.Google Scholar
  424. 413a.
    „Generally speaking Europe seems a little less uneasy and I can’t help thinking that the precarious internal situation of Germany is impressing a certain restraining influence on Hitler. I have got a little scheme on hand for reestablishing a contact with Schacht which may — or may not — lead further in the same direction“, N. Chamberlain an Ida, 18.1. 1937, NC 18/1/991.Google Scholar
  425. 414.
    Siehe oben, Kap. III, Abschn. 1, und III B, Abschn. 1 u. 2. — Erhebungen über die englische Außenhandelsabhängigkeit in den zwanziger Jahren führte vor allem das Balfour-Committee durch; die Analysen des Economic Advisory Committee (Committee on Economic Information) sind eine Fundgrube für die dreißiger Jahre, ebenso die regelmäßigen Berichte des Economist. Zur Perzeption der Strukturveränderungen im Welthandel und in der englischen Wirtschaft s. die Studien von Youngson, British Economy; Skidelsky, Politicians; Postan, Economic History of Western Europe; Lewis, Economic Survey-, Kahn, Great Britain in the World Economy; Holland, Capitalism in Crisis; Wendt, Economic Appeasement; Meyers, Britische Sicherheitspolitik.Google Scholar
  426. 415.
    Hier ist zwischen den Kapital- und den Handelsinteressen zu unterscheiden; s. dazu die Studien von Teichova und Wendt, ferner die von M.-L. Recker für die zwanziger Jahre und von Barker zur englischen Südost-Europa-Politik im Zweiten Weltkrieg; noch immer wichtig ist Treues Aufsatz aus dem Jahre 1953. ökonomische Konstellationen erschwerten eine Reorientierung der englischen Außenwirtschaftspolitik im Dienst von Abschirmmanövern gegen deutsche Penetrationsmethoden: 1. England importierte aus den Staaten Mittel- und Südost-Europas (Tschechoslowakei, Jugoslawien, Bulgarien, Griechenland, Türkei, Rumänien, Ungarn, Österreich) in der Regel weniger, als es dorthin ausführte; Die Angaben stützen sich auf: FO-Memo. resp. German Economic Penetration of Central Europe …, 17.8.1936, R 4969/1167/67, S. 85 ff., FO 433–3. 2. Die englischen Importe aus dieser Region waren weniger stark diversifiziert. 3. Diese wenigen, meist agrarischen Importprodukte konkurrierten mit Lieferungen aus dem Empire bzw. den £-Ländern. Um den Ländern einen Ausgleich der Handelsbilanz zu ermöglichen — auch zu dem Zweck, ihnen zu Devisen für die Rückzahlung der verschiedenen Verschuldungen zu verhelfen —, hätte England die Quoten der Handelsvertrags- und Ottawa-Länder reduzieren und die Schutzzoll-Lobby der englischen Farmer ignorieren müssen! Das Problem wurde bereits vor der NS-Machtergreifung anläßlich deutscher Kompensationsverträge mit Bulgarien und anderen Ländern erörtert. Zu den deutschen Verhandlungen mit Bulgarien und ihrer Schlüsselstellung s. Broszat; zur innerenglischen Diskussion s. BT 11–176, Waterlow (Sofia) an Simon, 2.3.1932; Haie (BofT) an Waley (T), 18.3.1932; Fountain an FO, 21.3. 1932; Hopkins (T) an FO, 26.3.1932; F 12 559/01/1, T 164; Sargent (FO), C 1665/28/7; C 1805/28/7; Waterlow an FO, 28.6.1932; Newton (Berlin) an FO, 1.11.1932. Bulgarien ersuchte um die Aufnahme von Verhandlungen mit England, um die drohende Abhängigkeit von Deutschland zu umgehen. Zur Diskussion 1938/39 s. BT 11–1072, 1074, 1077.Google Scholar
  427. 416.
    Vgl. Arndt, Economic Lessons, S. 106, 112 ff.; Treue; H.W. Richardson, Economic Recovery, S. 260 ff.; H.J. Richardson, Foreign Economic Policy, S. 94 ff.; Drummond, British Economic Policy, S. 104 ff., 112 ff.Google Scholar
  428. 417.
    Dem FO gelang es gelegendich, die vom BofT und T vorgeschlagenen „retaliation“-Maß-nahmen (1932, 1934) abzuschwächen, ihre Aussetzung konnte es aber nicht erreichen; zur Abschirmung der politischen Appeasement-Vorstösse (1936) beantragte das FO gleichfalls die Vertagung restriktiver Handelsmaßnahmen, kam damit aber nicht durch (s. oben, Kap. III und Anm. IV/421). Simon an MacDonald, 9.2.1934, FO 800–289, S. 35: „The new [Doumergue] Government may be expected to take a broader view and I cannot help wondering if we ought not to give them the chance. Otherwise, can they retreat? and what chance has Edens [Abrüstungs-JMission?“MacDonald hatte ähnlich (29.11.1933, Cab. 66 (33) 3, Cab. 23–77, S. 293) gegen „retaliation“-(Vergeltungs-)maßnahmen argumentiert; das Kabinett stimmte dem Vorschlag des BofT zu, da das BofT darlegte, die Maßnahmen wären danach berechnet, zunächst Frankreich den begrenzten Charakter der Vergeltung klar zu machen und Verhandlungen über eine Zurücknahme der französischen „surcharges“zu erzwingen (2.11.1933, Cab. 59 (33), Cab. 23–77, S. 173). Die Regierung verkündete Ende Februar 1934 die „retaliatory duties“, weil Frankreich das Versprechen nicht erfüllte, die englischen Ansprüche angemessen zu berücksichtigen; die Maßnahmen sollten aber verschoben werden, bis in Frankreich eine stabile Regierung im Amt sei. Die Maßnahmen sollten französische Exporte nach England im gleichen Umfang treffen wie die französischen Maßnahmen die englischen Exporte (ca. £ 500 000); Runciman, HofC, 16.2.1934; s. dazu HJ. Richardson, Economic Foreign Policy, S. 110 ff. — Die Opposition (Atdee) warf der Regierung vor, die Krise in Frankreich nicht zu beachten und nach dem Handel mit Rußland und Irland nun auch den Handel mit Frankreich zu stoppen. A. Chamberlain verteidigte die Regierung und beklagte die Inkongruenz der französischen Finanzpolitik mit der französischen Außenpolitik. In Briefen bedauerte A. Chamberlain, daß der Vorfall sich in dieser politischen Krisensituation (Stavisky-Skandal in Frankreich; Attentat auf Blum; Regierungskrise; blutige Unruhen in Österreich) abspielte.Google Scholar
  429. 418.
    Informal Report, Interdepartmental Committee on Multilateral Tariff Reduction Scheme, W 13 977/9642/50, 1.12.1933, § 8, BT 11–213; s. dazu Sitzungsprotokoll vom 10.8. 1933, S. 5 (Bedenken des Ministry of Agriculture gegen „quota truce“). — Ähnlich äusserte sich Eden zum Bericht des Rohstoffausschusses, 29.1.1936, Cab. 23–83, S. 45: „both the existing political situation and the conclusions of the Report itself made it undesirable to take any action at Geneva at the present time“. Der Ausschuß sollte — im Nachhinein(!) — die Möglichkeiten prüfen, die Hoare in seiner Genfer Rede angedeutet hatte (s. oben, Kap. III/C). 1933 hatte Runciman einen englischen Gegenvorstoß angeregt, um nicht immer auf die von anderen vorgebrachten Forderungen reagieren zu müssen; er begleitete die vom BofT erarbeitete Diskussionsgrundlage mit dem Eingeständnis: „I do not think, in view of our agricultural policy, that we can afford to go further“(30.6. 1933). Das MofA nutzte dieses „Entgegenkommen“, um seine Einwände gegen Zugeständnisse massiv geltend zu machen. Runciman/BofT an T/MofA, 30.6.1933 und 28.7.1933; Interdepartmental Committee, Sitzungen vom 10.8. und 17.8.1933; CRT 4494/33, BT H-213; s. auch T 160–498, F 14 558. Zur Erörterung und den mageren Ergebnissen der Beratungen über einen „Tariff Truce“auf der Weltwirtschaftskonferenz s. Kottmann, S. 40 ff.; Hull, Kap. 18/19; Offner, S. 37 ff.; Schröder, in: Knapp/Link et alii, S. 110 ff.Google Scholar
  430. 419.
    Vansittart-Memo., 21.12.1936, „World Situation and Rearmament“, § 26; ähnlich wie die economic appeaser hatte Vansittart dabei mehr die Wirkung des Vorschlags auf die USA im Sinn als den Beschwichtigungseffekt auf Deutschland.Google Scholar
  431. 420.
    Vansittart-Minute, 26.2.1933, VNST 1/14; er meinte, die Entwicklung steuere auf eine Rückkehr zur Gleichgewichtspolitik wie vor 1914 zu und fragte: „How would that square with a £ Bloc? Ill, I should say.“Google Scholar
  432. 421.
    Eden-Begleitbrief zu C.P. 42 (36), s. Anm. IV/580; zu Frankreich s. Anm. IV/417. C 998/ 4/18, 15.2.1936, FO 371–19 885, S. 273, 276; s. ferner C 979/4/18, ebd., und Jebb/ Ashton-Gwatkin-Memo., 31.1.1936, FO 371–19 884, S. 46; Cab. 23–83, S. 183–185, 26.2.1936 lehnte Edens Gesuch ab, da die Regierung bereits im Oktober 1935 die Empfehlung des Import Duties Advisory Committee zurückgestellt hatte; s. auch Anm. III/387.Google Scholar
  433. 422.
    Siehe oben, Kap. III, Abschn. 7 und 8. —.Unter „vested interests“verstehe ich die Empire Industries Association (Amery, Lord Melchett), die Agrar-Lobby (Food and Defence; National Farmer’s Union), die mit der FBI liierten Parlamentarier (u.a. Ramsden, Colville) und Interessenvertreter: Sir Hugo Hirst (General Electric), McGowan (ICI), Sir Herbert Austin (Morris), Sir William Larke (Iron & Steel Fed.).Google Scholar
  434. 423.
    (Jebb-)Eden-Memo., an N. Chamberlain, 17.3.1937, W 6363/5/50, Economics and Foreign Policy, FO 371–21 215, S 182 ff. Der Bericht des Interdepartmental Committee on Trade Policy (7.6.1937) sah zwar in allen Punkten, in denen englische Zugeständnisse in Frage kamen, einigen Spielraum, und empfahl, durch „Opfer” den Trend zur Ausweitung des Welthandels zu unterstützen. Die Empfehlungen wurden in der Ressortpolitik nicht wirksam, zum Teil deshalb, weil die ersten Anzeichen der von den USA ausgehenden Rezession das Diskussionsklima veränderten.Google Scholar
  435. 424.
    Leith-Ross an Jebb, 17.7.1937, W 14 270/5/50, FO 371–21 216, S. 485 f. — (Jebb-)Eden-Memo, W 6363/5/50, FO 371–21 215, S. 184 (a) hatte argumentiert: Wenn es zuträfe, daß eine Anhebung der Schutzzölle und andere Import-Restriktionen die Schwierigkeiten in den anderen Ländern erhöhten und den Weltfrieden störten, dann müsse auch die Umkehrung des Satzes gelten, daß nämlich „a modification of our protectionism would be a contribution to peace“. Die gleiche Argumentation begegnet bei C. Hull und seinen Mitstreitern (Foreign Policy Association; Stimson; Sayre; Grady), s. Junker, S. 68 ff., 72 f.Google Scholar
  436. 425.
    Vgl. Howson, S. 92; s. auch T 172–1775. Zur Entwicklung des £ nach der Abwertung -besonders gegenüber dem Dollar — und zur Stabilisierungsfrage s. Sayers, Bank of England, II, S. 452 ff., 463 ff.; Oliver, S. 86 ff.; Kottmann, S. 75 ff.Google Scholar
  437. 426.
    Eine Zwangsaktion mit dem Ziel, die deutsche Aufrüstung im Ansatz zu zerschlagen, brachte Bruce ins Gespräch: Hankey an MacDonald, 21.10.1933, Bericht über Vorschläge Bruce, Cab. 21–382. Bruce bestätigte die Ernsthaftigkeit seines Vorschlags im Interview (November 1964). Er erklärte seine Haltung in den Märzkrisen 1935–38 damit, daß nach dem Verpassen der Chance 1933 nur die Option geblieben wäre, Zeit für „rearmament“zu gewinnen. — In Londoner Regierungskreisen sah man für Präventivaktionen keinen Grund. Die Überlegenheit des französischen Sicherheitssystems und die Rückständigkeit des deutschen Ausbildungsstandes ließen 1933/34 keine Bedrohung erwarten. Vorerst käme es mehr darauf an, Deutschland vor den Folgen einer einseitigen Aufrüstung zu warnen (Hankey an Leeper, 31.10.1933, Cab. 21–382; Robertson, Hitler‘s Pre-War Plans, Kap. 3 u. 5). Hankey gesteht ein, daß Polen — anders als Frankreich — von Deutschland bedroht werden könnte, doch enthob das deutsch-polnische Abkommen von diesen „Sorgen“.Google Scholar
  438. 427.
    Zum Stand und zu den Phasen der „economic recovery“s. Howson, Domestic Monetary Management, S. 90 f., 108, 116; Aldcroft/Richardson, British Economy, S. 239 ff.; H.W. Richardson, Economic Recovery, S. 49 ff.; s. auch Anm. IV/407, 408.Google Scholar
  439. 428.
    Die Aufrüstungspolitik — im Unterschied zum „re-equipment“der ersten Phase 1933–35 — setzte im Juli 1935 mit dem Kabinettsbeschluß ein, bis zum 1.1.1939 die drei Streitkräfte „kriegsbereit“auszustatten (s. Gibbs, Rearmament Policy, S. 180). Im Anschluß an die Richtlinien wurde das Ideal Scheme ausgearbeitet und vom November 1935 bis März 1936 beraten; s. oben, Kap. IV/1; Dennis, S. 62 ff.; Gibbs, S. 254 ff.; Shay, S. 74 ff.Google Scholar
  440. 429.
    Vgl. Gibbs, S. 287 f., 291 ff.Google Scholar
  441. 430.
    R. MacDonald an Baldwin, 14.2.1936, Cab. 21–422 A. — Vgl. Anm. III/282. Zum Zusammenhang zwischen der Debatte über die Ausweitung der Verteidigungsausgaben (Aufhebung der „business as usual“-Devise) mit dem Halifax-Besuch in Deutschland; s. Gibbs, S. 287 ff.; Middlemas, S. 133 ff.; Dennis, S. 107 ff.; Roskill, Hankey, III, S. 265, 273 ff.; Colvin, Chamberlain Cabinet, S. 57 ff. Die Außenpolitik sollte die Zahl möglicher Feinde reduzieren (Medlicott, Britain and Germany, S. 27 ff.; Howard, S. 119). Dann ließe sich der Etatzuwachs in Grenzen halten. Eine Rüstungsvereinbarung mit Deutschland wurde aus dem gleichen Grunde weiterhin angestrebt. — Die Militärs — Interview mit General Adam, 2.7.1964 — wendeten die Formel ins Kritische: Die „Politiker“hätten zu stark an „Frieden“geglaubt, um aus dem Argument Kapital zu schlagen, daß Aufrüstung helfen könne, Arbeitslosigkeit zu beseitigen; die „Politiker“wollten die Defence Services knapp bei Kasse halten, um nicht die Eigendynamik der Aufrüstung in Gang zu bringen, d.h. auf eine Rüstungswirtschaft festgelegt zu werden.Google Scholar
  442. 431.
    Bridges, 19.7.1937, T 161/783/48431/02/2; vgl. Eden an Chamberlain, 9.9.1937, Premier 1–210. Auf den Begriff „Effektivstärke“wird noch zurückzukommen sein.Google Scholar
  443. 432.
    Vgl. Gibbs, Rearmament Policy, S. 285 ff., 291 ff.; Howson, Domestic Monetary Management, S. 122 ff. Zur schrittweisen Abkehr von der „Treasury Rule“s. Postan; Middlemas, S. 216 ff.; Shay, S. 191 ff., 216 ff. Inskip empfahl im April 1938, die Rüstungsausgaben in den nächsten beiden Jahren stärker aufzustocken, um „appeasement“aus einer Position der Stärke erfolgreicher betreiben zu können. Die Zurücknahme der Finanzvorbehalte zu diesem Zeitpunkt konnte die Aufrüstung nicht beschleunigen helfen, da Engpässe auf dem Industriesektor eine Ausweitung erschwerten. — N. Chamberlain, s. Feiling, N. Chamberlain, S. 314 f.; Gibbs, Rearmament Policy, S. 276, 286 ff.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 901 ff. (zur Diskussion Januar/März 1936); Meyers, S. 407 ff.; Peden, S. 88 f.Google Scholar
  444. 433.
    Howson, Domestic Monetary Management, S. 120; Sayers, Economic History, S. 55.Google Scholar
  445. 434.
    Howson, S. 92 ff.; Gibbs, S. 123 ff. — Die Anwendung des Gebots auf die Rüstungspolitik war das Prinzip der Rationierung, d.h. der Zuteilung bestimmter Ausgabenblöcke für jeden der drei Services; s. Postan, S. 25 ff.; Middlemas, S. 116 ff.Google Scholar
  446. 435.
    Howson — S. 90, 95, 129 f. — zeigt, daß einflußreiche Kräfte im Schatzamt (Phillips) und in der Bank von England (Sprague, Clay) öffentliche Arbeiten und „cheap money“als Instrumente betrachteten, um auch den „derelict areas“zur Teilnahme am Aufschwung zu verhelfen. Die Regierungsmaßnahmen wichen jedoch nicht merklich von den Prinzipien ab, die in den zwanziger Jahren in den Trade Facilities Act ihren Niederschlag gefunden hatten; s. Hicks’ und Sabines Analysen der Haushaltspolitik der dreißiger Jahre. — Hopkins-Memo., 7.10.1935, T 172–1832, z.T. zit. bei Howson, S. 123. — „Of course, such a programme [d.h. Aufrüstung als Wahlkampfschlager 1935] would do more than anything else for the distressed areas … a couple of warships on Tyne or Clyde would make all the difference in the world. On this plan our weak point [unemployment] would recede into the background and we should make all our play with the two ‚bogeys‘Stafford Cripps at home and Hitler abroad.“— N. Chamberlain-Diary, 2.8.1935. Obwohl Hankey, Baldwin u.a. führende Politiker ähnliche Absichten notierten, rückten sie weder Aufrüstung noch Rüstungsaufträge als Arbeitsbeschaffungsmethode in das Zentrum der Wahlkampfliteratur und Werbung.Google Scholar
  447. 436.
    Die Debatte im General Purposes Committee, das Lloyd Georges Memorandum prüfte, nahm die Wahlkampfatmosphäre gleichsam vorweg, obwohl der Termin zum Zeitpunkt der Beratungen noch nicht feststand. Im Vorfeld des Wahlkampfes hatten die Labour Party — For Socialism and Peace, Southport-Parteitag, 1934 —, Lloyd George, Conquering Prosperity (veröffentlicht Juli 1935), Next Five Years’ Group, August 1935 — Programme vorgelegt, in denen „public work schemes“einen hohen Stellenwert hatten; auch „Links“-konservative — Macmillan Group, Molson, Melchett-Plan —, die in den Sammelbewegungen mitwirkten, traten mit Arbeitsbeschaffungsvorschlägen an die Öffentlichkeit. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit mit den Mitteln des „deficit spending“stand im Vordergrund; die Aufrüstung wurde damit nicht verknüpft, sondern eher auf das Nötigste limitiert. Zu Baldwin s. Anm. IV/438.Google Scholar
  448. 437.
    General Purposes Committee, Cab. 27–583/584, GP (35), bes. S. 15 ff.; GP (35) 11, WO/ T-Memo. on loan proposals; GP (35) 58, Regierungsantwort (veröffentlicht), §§ 28 f., 30 ff.; s. besonders die Sitzungsprotokolle vom 4.2.1935 und 26.2.1935. Die Beratungen über Lloyd Georges Pläne bewegten sich zwischen zwei Fixpunkten: 1. alles zu vermeiden, was den „nationalen Kredit“gefährden könnte; 2. aus politischen Gründen schien es geboten, nicht nur die Vorschläge als unpraktisch, unseriös usw. zu verwerfen — eingebettet in detaillierte Kritik —, sondern auch eine „active policy“hinsichtlich der Arbeitsbeschaffung darzulegen. Als Faustregel galt, daß mit £ 1 000 000 ca. 4000 Arbeitskräfte ein Jahr beschäftigt werden könnten. Zu den „vernünftigen“, von der Regierung unterbreiteten Arbeitsbeschaffungsprojekten gehörten auch ausgewählte Aufträge des WO und der Admiralty: GP (35) 58, § 152, S. 32; s. auch Hopkins-Memo., 7.10.1935, T 172–1832, (Hopkins hatte dem Committee zur Prüfung der Lloyd George-Pläne vorgestanden). — Nach Meinung des DPR-Committee, dessen Bericht gleichfalls im Juli 1935 vorgelegt wurde, war eine Beschleunigung der Aufrüstung nur möglich, wenn die „business as usual“-Regel modifiziert und Rüstungsanleihen aufgelegt würden (s. Pownall-Diary, S. 70 ff., 76 ff.;Shay, S. 39 ff.). Chamberlain gab demgegenüber zu verstehen, daß nach der Bewilligung der Nachtragsforderungen keine weiteren Forderungen (z.B. Luftabwehr) am Platze seien. Ismay (Memoirs, S. 80) verzeichnet, daß der Schatzkanzler auch noch 1936 dem Ruf nach Mehrausgaben für Rüstungszwecke entgegenhielt, er sei mit Sparmaßnahmen beschäftigt.Google Scholar
  449. 438.
    Im Mai 1935 äußerte Baldwin gegenüber Dawson (Times), daß er und M. Norman (Gover-neur der Bank von England) die Möglichkeit einer großen Anleihe besprochen hätten; damit sollten außer dem Straßenbau, Siedlungsprojekten u.a. auch Rüstungsausgaben finanziert werden, falls es nicht gelinge, Begrenzungsabkommen im Bereich der Luftwaffe und des Flottenbaus (Zerstörer, Kreuzer) auszuhandeln. „Such expenditure would be highly popular … it would provide a great deal of employment next winter…and it would serve the essential purpose of keeping our skilled articifers in being“(Wrench, Dawson, S. 321). Baldwin unterstützte damit die Vorschläge Hankeys, kam aber gegen den Widerstand des Schatzamtes nicht durch; vgl. Peden, S. 69 (Juni 1934), S. 72 ff. (1935).Google Scholar
  450. 439.
    Die Mehrheitsmeinung auf Seiten der Regierung und Opposition ging von der Annahme aus, daß den Staatsfinanzen eine Obergrenze gesetzt sei („that the pool of public money is rather limited“). Die Erhöhung der Staatsausgaben und die Anhebung der Steuern würden die Depression forcieren; die Expansion der Staatsausgaben in einem Sektor erfordere Kürzungen in anderen. Vor diesem Hintergrund konnte man (Bevan, M. Jones, H. Samuel und andere Sprecher der Labour und Liberalen Opposition) die Erhöhung des Rüstungsetats als direkte Begünstigung der Waffenproduzenten ausgeben und die Regierung anklagen, für Rüstungszwecke Gelder „freizumachen“, während sie den „depressed areas“Zuschüsse vorenthalten hätte; s. zum Beispiel die Unterhausdebatte vom 6.4. und 16.4.1935, HofC, Bd. 300; vgl. Sabine, British Budgets, S. 59 ff.; s. Anm. IV/100. — Die Labour Party — u.a. For Socialism and Peace, Labour Parteitag in Southport 1934 — agierte mit dem Vorwurf, Konservative und „business“hätten 1931 die finanzielle Orthodoxie gegen die Deckungslücke im Arbeitslosenunterstützungsfond ausgespielt und Anleihen für Arbeitsbeschaffung als Weg ins Verderben abgelehnt. Warum sollte nunmehr die Kreditfinanzierung der Rüstungsexpansion gerechtfertigt sein? Nur, weil sie den Unternehmern zu Profiten verhelfe?Google Scholar
  451. 440.
    Das „Ideal Scheme“sah für die Fünf-Jahres-Laufzeit insgesamt Mehrkosten von £ 417 Mill, vor. Im ersten Jahr (1936/37) bedeutete das, daß zum Normaletat (ohne die Nachtragshaushalte für die im Laufe des Jahres 1935 bewilligten Ausgaben) für die drei Streitkräfte in Höhe von £ 124 Mill. ca. £ 60 Mill, hinzukämen (als erste Rate des Expansionsprogramms). Zur technischen Begründung für die Finanzierung über Nachtragshaushalte s. Hopkins, 7.10.1935, T 172–1832; Howson, Domestic Monetary Management, S. 121 f.; Financial Times, 22.4.1936, „Defence Plans make a spartan budget. Chancellor and the loan question“. Vgl. Peden, Treasury, S. 74 ff.Google Scholar
  452. 441.
    W. Fisher, 2.12.1935, T 171–324: T 172–1832. Fisher befürchtete, daß die Aufrüstung behindert würde, wenn man sie mit Steuererhöhungen einleitete; „sound finance“würde die Aufrüstung torpedieren. Chamberlains psychologische Kalkulation lautete umgekehrt: Der Ernst der Lage würde bewußt werden, wenn man alle zu Lasten „ausgewogen“heranziehe; die Finanzierung der Aufrüstung aus Steuermitteln würde also die Abwehrbereitschaft demonstrieren. Die Zeugnisse sind zitiert bei Howson, S. 121; Shay, S. 77; s. ferner Peden (Anm. IV/159), S. 40 f.Google Scholar
  453. 442.
    Zu den Treasury-internen Berechnungen s. Shay, S. 76 ff. Die laufenden Ausgaben würden von £ 170 Mill, auf £ 215 000 000 im Endjahr des Planes steigen und aus Steuermitteln finanzierbar sein. 1936 war ohnehin eine Steuererhöhung fällig, weil der Nachtragshaushalt zur Deckung des RAF-Expansionsprogramms (= 20 Mill.) abgesichert werden mußte.Google Scholar
  454. 443.
    Zur McKenna-Regel s. Hicks, S. 316 ff.; vgl. Meyers, S. 338 f. — N. Chamberlain, D.C.M. (32), 50. Sitzung, Cab. 16–110; Phillips-Memo., 29.11.1935, T 171–324; s. Howson, S. 121 ff.; Shay, S. 75 ff., 146 ff., 162, 245 f.Google Scholar
  455. 444.
    Shay, S. 76.Google Scholar
  456. 445.
    Hopkins-Memo., 7.10.1935, an Chamberlain, T 172–1832; vgl. Howson, S. 121 f.; Shay, S. 75.Google Scholar
  457. 446.
    Hopkins, zit. auch bei Howson, S. 122; Peden, S. 74 ff.Google Scholar
  458. 447.
    Ende 1935 war von insgesamt £ 1038 500 000 für das Ideal Scheme die Rede (normale Defence Budgets und Mehrausgaben), in den Vorberatungen für das Budget 1937 von £ 1 500 000 000. Zum Verlauf der Debatten, Rahmenbedingungen und Daten s. Gibbs, S. 279 ff.; Howson, S. 123 ff.; Shay, S. 75 ff.; Peden, S. 74–81. Zur Deckung der Ausgaben durch Steuern, zu den Rüstungsausgaben in den Haushaltsjahren, den revidierten Vorausschätzungen s. Gibbs, S. 285, 290–292; Howson, S. 122 ff. (mit tabellarischen Übersichten zum Anteil an den Staatsausgaben insgesamt, am BSP und anderen Gradmessern); s. auch H.W. Richardson, Economic Recovery, S. 215. - Das Programm 1934 hatte zum „Normaletat“in Höhe von ca. £ 120 000 000 Mehrausgaben im Umfang von £ 51 Mill, (verteilt auf die Jahre 1934–1938/39) hinzugefügt. Das „Ideal Scheme“sah rund £ 400 Mill, zusätzlich zum Jahresetatansatz für die drei Streitkräfte in Höhe von £ 124 Mill, vor: Dies verdeutlicht den Unterschied zwischen der ersten — „re-equipment“— und der zweiten — „rearmament“-Phase; s. Gibbs, S. 275.Google Scholar
  459. 448.
    Zu den Steuererhöhungen 1936 und 1937 s. Sabine, passim; Howson, S. 120 ff.; Shay, S. 78, 85, 245. Die erste Rüstungsanleihe (Defence Loan Bill) passierte das Parlament im März 1937; s. Roskill, Hankey, Bd. III, S. 289 f.; Howson, S. 124 f.; Gibbs, in: Forstmeier/Volkmann, S. 256 ff.; Meyers, Sicherheitspolitik, S. 409 ff.; Peden, S. 72 ff.Google Scholar
  460. 449.
    Vgl. Shay, S. 162 ff.; Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 289. Zu den Ausgabensteigerungen 1937 gegenüber 1936 und den Haushaltsberatungen s. Shay, S. 142 ff.; Sabine, passim; Howson, S. 124 f.Google Scholar
  461. 450.
    Vgl. Gibbs, S. 291 f.; Howson, S. 125.Google Scholar
  462. 451.
    Inskip, 15.12.1937, C.P. 316 (37), Cab. 24–273; dieses Zeugnis gehört zu den meistzitierten Quellen in der Appeasement-Forschung; Meyers, S. 417 ff.; Gibbs, S. 289 ff., 283 ff.; Shay, S. 166; Barnett, S. 504 f.; Dennis, S. 109 f.; Watt, Sir Warren Fisher, in: ders., Personalities, S. 113; vgl. Anm. IV/461, 467, 468; Peden, S. 64 ff.Google Scholar
  463. 452.
    Bridges, 8.12.1937, T 161/855/F 48 431/01/1; Inskip, 15.12.1937, C.P. 316 (37), § 7, Cab. 24–273; Gibbs, S. 283 ff.; Middlemas, S. 121 ff. Zum Thema „Finance“als Streitkraft („fourth arm of defence“) s. Meyers; Howson; Shay; Gibbs; ferner Post an, S. 12 ff.; Collier, The Defence of Britain; Parker, in: Forstmeier/Volkmann; Feiling, S. 313 f., 292 u.a.O. Das Committee on Economic Information des Economic Advisory Council — 26. Report vom 16.12.1938, § 9, Cab. 58–23 — errechnete, daß ein Sechstel der britischen Gesamtausgaben für die Aufrüstung an das Ausland (für Rohstoffe u.a. essentielle Importe) zu bezahlen wäre (1938); eine die internationale Kaufkraft bzw. Kreditwürdigkeit ausweisende Zahlungsbilanz ist somit ein unverrückbarer Eckposten in jeder Interpretation der britischen Außen- und Rüstungspolitik vor dem zweiten Weltkrieg; Peden, S. 63.Google Scholar
  464. 453.
    Zu den folgenden Punkten s. Cmd. 5107, §§ 51 ff.; Cab. 10 (36), 25.2.1936; Cab. 13 (36), 2.3.1936, in: Cab. 23–83, „Industrial Production and Defence Requirements.“-Das Schatzamt suchte nach Möglichkeit Anschlußaufträge zu vermeiden (s. Postan, S. 43 f.). Zu den Funktionen der „shadow factories“s. Cab. 23–82, S. 428 ff. (11.12.1935); Postan, S. 18 f., 40 f.; Gibbs, S. 265 ff.; Shay, 92 f., 110 ff. Zum Aufbau rüstungsindustrieller Reservekapazitäten (Schattenfabriken) im Dritten Reich s. Volkmann, S. 100. Über die „Erziehungsaufträge“in der Zeit der Ten Years’ Rule, das Verhältnis der Ministerien zu „ihren“Rüstungsfirmen und den Abbau der rüstungsindustriellen Kapazitäten s. Postan, S. 7 ff.; Higham, passim; P. Fearon, Aircraft Manufacturing, in: Buxton/Aldcroft, S. 216, 239.Google Scholar
  465. 454.
    Cmd. 5107, §§ 52–54, 58; Principal Supply Officers Committee-Report, CID 1138-B, 31.5.1934, Cab. 2–6/1, S. 139 ff. (betr. shadow factories). In diesen Zusammenhang gehören auch Bemühungen, in den Dominions — bes. in Kanada — und in den USA zusätzliche Rüstungskapazitäten zu schaffen oder Aufträge zu piazieren; zu den Vorbereitungen zum Treffen Baldwin/MacKenzie King, 1936, s. Cab. 21–440; zu den Gesprächen 1938, s. Shay, S. 218 f. Über die konkreten Projekte, (die Widerstände bzw. die Durchführung) s. Hall, North American Supply, passim. Ungeklärte politische Probleme — Bedingungen eines kanadischen Kriegseintritts, Finanzierungsfragen, „Sicherheit“betr. Kontinuität der Aufträge usw. — erschwerten die Verhandlungen.Google Scholar
  466. 455.
    Vgl. Gibbs, S. 180.Google Scholar
  467. 456.
    Cmd. 5107, § 55; Gibbs, S. 291 ff.; Hancock/Gowing, S. 143 ff.; Shay, S. 125 ff., 207 ff.; Dennis, S. 104 ff., 62 ff.; Barnes/Middlemas, S. 901 ff. Die Überzeugung, mehr erreichen zu können „by relying on willing cooperation than by adopting dictatorial methods, until they are forced upon and become essential“(A.W. Baldwin, S. 268), gehört zur „Philosophie“der englischen Herrschaftssynthese; s. auch Baldwins Unterhauserklärung vom 1.4. 1936, Bd. 310, Sp. 1992. — Besonders eindringlich betonte Inskip — Defence Deputation, 29.7.1936, Cab. 21–438 —, daß durch Kooperation mit den Gewerkschaften und den „Trade Associations“gerade in diesen empfindlichen Fragen mehr zu erreichen sei als wenn man Gesetze verabschiede. Das Bestreben müsse dahin gehen, möglichst viele Arbeitsgänge „to de-skill“.Google Scholar
  468. 457.
    Zum Import von Werkzeugmaschinen aus den USA und Problemen der Zahlungsbilanz s. Postan, S. 401 ff.; zur englischen Werkzeugmaschinenindustrie, Importen aus Deutschland und den USA s. Hornby, Factories and Plants, S. 321 ff.; ferner Beesley, in: Burn (Hrsg.), Structure of British Industry, I, Kap. IX; WO-Progress Reports, DPR 126, 141, 169 u.a., in: Cab. 16–141. Werkzeugmaschinen aus Deutschland wurden in Woolwich installiert -WO-Memo., Unterlagen für Inskips Gespräch mit der Defence Deputation, 23.11.1936, Cab. 21–437; WO-Note, 21.11.1937; s. auch Hillmann, Survey, 1939–1946, S. 451 ff. Zu den Schwierigkeiten im Prozeß der industriellen Ausrüstung („tooling-up“) s. Postan, S. 19; N. Chamberlain, 8.10.1937, Parteitag; Churchill/Horne stimmten Baldwin zu — Defence Deputation, 28729.7.1936 —, daß man unter den gegebenen Umständen die Instrumente von Deutschland erwerben müsse, mit denen Waffen zum eventuellen Einsatz gegen Deutschland geschmiedet werden könnten. — Mit einer Spitze gegen WO/Cooper und deren Pläne für die Expansion der Aufrüstung der Armee betonten Weir und Chamberlain Anfang 1936 die unzureichende Versorgung mit Werkzeugmaschinen — Interdepartmental Committee (Fisher, Weir, H. Wilson), 6.2.1936, S. 3, Cab. 21–422 A; s. auch Shay, S. 80; Barnes/Middlemas, S. 902 ff. Inskip erklärte im Unterhaus (27.1.1937), daß die englische Werkzeugmaschinenindustrie nach Absprache mit ihm bereit sei, der Regierung freie Hand zum Kauf im Ausland zu geben, falls die englischen Kontraktpartner nicht in angemessenen Fristen liefern könnten; s. im Detail Cab. 21–429/432, „Rearmament. Negotiations with the Machine Tool Industry“. Zur Überbrückung der Zeitspannen, bis englische Hersteller „(would be) in full production“, bestellte das Air Ministry 1936 in den USA u.a. 600 Maschinengewehre: AM-Memo., Oktober 1936, Cab. 21–437; zu den englischen Rüstungskäufen in den USA s. Hall, passim; Barnett, S. 482 f. — Die Geschichte eines deutschen Angebots an England, Rüstungsgüter aus Deutschland zu beziehen, hat der Verf. nicht restlos rekonstruieren können. Hier seien daher nur die wichtigsten Zeugnisse genannt: Pownall-Diary, 30.9–1935, S. 82 (Lauber, Hirsch Copper Co.); CID, 26.11.1935, Cab. 2–6/2; C.P. 220 (35), S. 5, Cab. 24–257; Hankey an Baldwin, 15.1.1936, Cab. 21–422A; Amery-Diary, 26.9.1935, Memoirs, III, S. 173; s. die Rezension des Verf. der Pow-nall-Tagebücher, in: MGM, 1975/1, S. 252 f. — Lord Riverdale an Hankey, 9.3.1936; Phipps an Vansittart, 12.3.1936; Hankey an Vansittart, 14.3.1936; Leigh (FO) an Hankey, 12.3.1936, C 1831/4/18; Riverdale an Whitlam (CID), FO 371–19 891, S. 244 ff. Lord Riverdale sollte in Berlin die deutschen Angebote „to sell arms and munitions“prüfen; er sprach darüber mit Trendelenburg, Schacht, Gutt, Lupin, Thyssen. Während Riverdale, wie zuvor das DPR-Committee im November 1935, den Waffenkauf ablehnte — man rechnete mit Lieferschwierigkeiten, Lieferung überholter Typen usw. —, empfahl er den Bezug von Werkzeugmaschinen und Anlagen, da deren Ausstattung besser sei als die in England bestehenden; doch schien ihm dies im gegenwärtigen Zeitpunkt „not practical politics“(an Whitlam, 9.3.1936). Zu den Beweggründen, zur Finanzierung und Organisation des deutschen Rüstungsgüterexports seit dem Sommer 1935 s. Volkmann, S. 93 ff., 98.Google Scholar
  469. 458.
    Air Ministry-Memo. (Oktober) 1936, S. 3, Cab. 21–437, Vorbereitung auf Gespräch mit der Defence Deputation-Stellungnahme zu Churchills Denkschrift, S. 5; vgl. Shay, S. 99 ff., zur Gewinnlage der Flugzeugindustrie im Fall der Eigenproduktion und im Fall der Einschaltung von Zulieferer-Firmen. Die Befolgung der „business as usual“-Devise bedingte, daß Lücken zwischen Programmen und Produktion entstanden; dies führte, besonders im Herbst 1937, zu scharfen Debatten zwischen den Service Ministers und dem Schatzamt; s. Gibbs, S. 302 ff, 306 ff.; Dennis, S. 105 ff.Google Scholar
  470. 459.
    Cmd. 5107, §§ 52–54, 58. Shay hebt die kritisierbaren Aspekte der Finanzierungshilfen heraus (S. 101 f., 204), macht aber nicht genügend deutlich, daß das Schatzamt Anschluß-aufträge nicht zur Regel werden ließ und durch seine Bemühungen, die Profitmargen in Grenzen zu halten, die Verhandlungen der Ressorts mit den Kon traktfirmen oder deren Beauftragten in die Länge zog. Die Service Ministries wünschten, möglichst bald hohe Produktionsziffern vorweisen zu können — u.a. auch, um die Kritik an ihren Fähigkeiten als Ressortchef zu widerlegen —, während das Schatzamt nicht nur die Obergrenze der Rüstungsausgaben im Visier hatte, sondern auch die Auswirkungen erhöhter Profite auf die Arbeiterschaft (s. Anm. IV/7 und Anm. E/34). Wie im ersten Weltkrieg versuchte das Schatzamt, in die Kontrakte „break clauses“einzuführen (s. Pownall-Diary, 4.5.1936, S. 111). Das bedeutete, daß Chamberlain/Simon entsprechend ihrer „Strategie“der „flexiblen“Rüstungs- und Außenpolitik (s. Anm. IV/430; ferner Middlemas, S. 56 ff.) eine Handhabe behalten wollten, um im Falle diplomatischer Entspannungserfolge die Rüstungsprogramme anzuhalten (ohne,,Konventionalstrafen“, Entschädigungen usw. zahlen zu müsen).Google Scholar
  471. 460.
    Siehe oben, Kap. IV/l;Phillips-Memo., 31.12.1936, T 175–94.Google Scholar
  472. 461.
    Cab. 2 (37) 6, Cab. 23–87; vgl. Feiling, S. 292, 313 ff.; Postan, S. 11; vgl. Kap. II1/B 2. Chamberlain, 23.4.1936, HofC: „we would have to substitute for [commercial work] work which would not only be less profitable in itself but which would mean that orders which would have to be cancelled would go elsewhere and in future we might not find it easy to regain the markets we had set aside.“Chamberlain erklärte sich in der Rede gegen Churchills Vorschlag, ein Ministry of Supply zu schaffen. Zu Inskip s. Anm. 111/60. Handelsminister Runciman, mit dem Schiffsbau in Newcastle verbunden (South Shields), setzte sich zwar für Rüstungsaufträge an die „depressed areas“(Tyneside und Clydeside) ein, ohne jedoch die „civil and export production“durch Arbeitsbeschaffungsmethoden und Rüstungsaufträge zu benachteiligen; 2.3.1936, Cab. 23–83, S. 202 f.Google Scholar
  473. 462.
    Besonders Hankey betonte die Abhängigkeit der englischen Rüstungsindustrie von Exportaufträgen (dies war vor 1914 der Fall gewesen). Entsprechend nahm er gegen Embargo-und Waffen-(Rüstungsgüter-)Ausfuhr-Lizenzen Stellung; s. Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 72 ff., 165 ff. In der Abrüstungsphase setzte sich Hankey dafür ein, Rüstungsexporte im Export Credits Guarantee-System einzufügen, z.T. aufgrund des Lobbying von Sir Noel Birch (Vickers Armstrong); Dezember 1929, BT 11–56; s. dazu demnächst CA. Wurm; Rass, S. 170 ff. Während der Abrüstungskonferenz 1932–34 und zur Zeit des „Kreuzzuges“gegen „private manufacture of arms“setzte sich neben den Service Departments und Hankey auch das BofT dafür ein, die Privatfirmen als wichtiges Glied in der Rüstungsindustrie zu „retten“und ihnen Exporte zu ermöglichen; sie akzeptierten, daß Bestechungen zum Rüstungsgeschäft (z.B. Konkurrenz mit Frankreich um Märkte in Südamerika) gehörten: 15.11.1934, Cab. 27–508 (Hailsham, Londonderry, Monsell, Runciman). Um die englischen Wettbewerbschancen gegenüber der Konkurrenz von Ländern zu verbessern, die Waffenexporte in Handelsverträge einbezogen oder in ihren Exportkreditversicherungssystemen berücksichtigten, empfahl das Board of Trade, die Regierung solle in den Abrüstungsberatungen die anderen Staaten zur Nachahmung des rigorosen englischen Lizenzsystems veranlassen (oder England gleiche Bedingungen einräumen); 23.10.1934, DCM (32), Cab. 27–508; ebenso R. MacDonald, 30.10.1934. — In der Phase des „Wettrüstens“mit Deutschland (Paritätsformel) verteidigten Inskip und das Air Ministry den Export von Flugzeugen gegenüber der Defence Deputation mit ähnlichen Argumenten — 23.11.1936, Cab. 21–438. Auch FO und DOT drängten auf die Aufrechterhaltung und Ausweitung des Waffenexports, z.T. unter Prestigegesichtspunkten (als Markenzeichen englischer Leistungsfähigkeit). 1933/34 ließ die Regierung Flugzeugmotorenexporte nach Deutschland zu, zum Teil deshalb, weil die USA die gleichen Geschäfte machten, vor allem aber mit der Begründung, „Polster“im Fall von Absatzflauten und rückläufiger Regierungsaufträge zu schaffen; Hodsoll an Hankey, 28.9.-3.10.1934, Cab. 21–398; ferner 27.5.1936, Cab. 23–84, S. 225 f.; Juli 1933, Cab. 23–75, S. 390 f.; 28.2.1934,Cab. 23–78, S. 198 f.; 16.5.1934, Cab. 23–79, S. 108 f.Google Scholar
  474. 463.
    Vgl. Gibbs, S. 180. — WO-Memo., 21.11.1936, Cab. 21–437: Die „zivile Industrie“sei nicht vor April/Mai 1936 konkret herangezogen worden (neben den Royal Factories); denn die „order to proceed“sei nicht vor dem März 1936 gegeben worden. — Siehe Cmd. 5107, § 54. — Gegenüber der Defence Deputation betonte Inskip — 29.7.1936, Cab. 21–438 —, daß die Aufgabe, die Rüstungsprogramme zu erfüllen, nicht vor Ablauf von drei Jahren zu erfüllen sei; als Gründe nannte er Mangel an Facharbeitern, die Vernachlässigung der Rüstungsindustrie in der Ära der Ten Years’ Rule und andere von den Parteien gemeinsam zu „verantwortende“Weichenstellungen seit 1919/22.Google Scholar
  475. 464.
    Weir warnte vor der Anpassung an die deutsche „Wehr“-wirtschaft und empfahl den englischen „Kompromißweg“, d.h. Kooperation mit Gewerkschaften und Industrie, für die industrielle Mobilmachung; Weir an Swinton, 22.8.1935, T 172–1830; Cab. 21–422A (6.2. 1936), Interdepartmental-Committee; Barnes/Middlemas, S. 902 ff.; Dennis, S. 60 ff. Zur Auseinandersetzung auf prinzipieller Ebene s. Wendt, in: Forndran; die Debatte setzte zwar 1934 ein, wurde aber erst mit der Entscheidung, auch die Ausrüstung des Heeres verstärkt zu berücksichtigen (Herbst 1938), zur akuten Belastungsprobe.Google Scholar
  476. 465.
    Die von Regierungsseite geäußerten Argumente gegen ein Ministry of Supply sind zusam-mengefaßt in Inskips Denkschrift vom 30.10.1936, C.P. 297 (36), Cab. 24–265; vgl. Gibbs, S. 776 ff., 780 ff. (zum Principal Supply Officers Committee und Ministry of Defence).Google Scholar
  477. 466.
    Das Ministry of Munitions, das Churchill 1917/18 geleitet hatte, galt Churchill als Garant für das Schritthalten der englischen mit der deutschen Produktion. Churchill wollte 20–30% der Industrie für Rüstungszwecke einspannen. Er verlangte „Ermächtigungsgesetze“, um Prioritäten in der Wirtschaft setzen und die industrielle Organisation ändern zu können. Er wollte der Industrie Profite erlauben, um die Unternehmen zu größerer Risikobereitschaft bei der Erweiterung der Kapazitäten anzuspornen. Im Kriegsfall sollte die Regierung hingegen keine Profite zulassen; Churchill, 28729.7.1936, Defence Deputation. Diese Forderungen hatte Churchill auch im Unterhaus erhoben. Die in Anm. IV/461 und 467 zitierten Ausführungen sind die Antwort der Regierung auf Churchills „Planwirtschaft“/ „Staatskapitalismus“.Google Scholar
  478. 467.
    Chamberlain warf Churchill — 23.4.1936, HofC — vor, in Friedenszeiten eine Rüstungspolitik zu befürworten, als ob es keinen Frieden mehr gebe: „arbitrary control“von Arbeitern und Unternehmen sei nicht englischer Stil. Auf diesem Wege könne man zwar die Aufrüstung beschleunigen, aber nur auf Kosten von Handel und Zukunftschancen; s. Anm. IV/461; zu Inskip s. Anm. 111/60. L. Browett-Memo., Deputy to the Chief Industrial Adviser, Sommer 1936, Cab. 21–437 (vor dem 28729.7.1936); Andeutungen auch in Cmd. 5107, §§ 54–62. Vgl. femer Roskill, Hankey, III, S. 259; Gibbs, S. 291; Dennis, S. 100 ff. Zum Disput Swinton/K. Wood/Hore-Belisha mit dem Schatzamt wegen der Forderung nach „interference“s. Shay, S. 246 ff.; Middlemas, S. 116 ff.; Postan, S. 25 ff.Google Scholar
  479. 468.
    Postan, S. 69 f.Google Scholar
  480. 469.
    Postan, S. 11 (N. Chamberlain).Google Scholar
  481. 470.
    Shay (S. 83) stellt zu Recht fest, daß 1936 nicht die Finanzmittel, sondern fehlende Kapazitäten die Beschleunigung des Ausbaus der Luftwaffe behinderten; er hebt aber nicht hervor, daß in Deutschland ähnliche Engpässe bestanden und daß das Air Ministry darüber unterrichtet war (zum Informationsaustausch s. Kap. I). Zum Wettlauf der Rüstungsfirmen in Deutschland um Arbeitskräfte s. die Dokumentation und den einleitenden Kommentar von Tim Mason, Arbeiterklasse und Volksgemeinschaft, Opladen 1975. Die Ansätze dieser Entwicklung in England gibt ein Memorandum des Arbeitsministers Brown, 21.2.1936, C.P. 36 (36), Cab. 24–260, zu erkennen.Google Scholar
  482. 471.
    Siehe oben, Kap. III/B 2. Zur deutschen Rüstungswirtschaft — Engpaßsituationen, Aufrüstung und Außenhandel (Rohstoff imp orte, Devisenmangel) — s. Petzina, in: Forstmeier/Volkmann; s. dazu besonders B.H. Klein, Germany’s Economic Preparations for War, Cambridge/M ass. 1959, S. 78 ff., vor allem aber L. Herbst, Die Krise des NS-Regimes, S. 362 ff.Google Scholar
  483. 472.
    Die ersten Debatten im Grand Council der FBI 1935/36 über die Rüstungsfrage sind eher von Mißtrauen, Vorbehalten, Autonomiestreben, Wahrung industrieller Interessen (gegenüber einer Wiederholung „improvisierter Kriegswirtschaft“und „control“wie 1917/18) bestimmt (s. Holland, Capitalism in Crisis, S. 9). Die Industrie machte ihre Zustimmung zur Umstellung auf eine Rüstungsexpansion abhängig von Zusagen betr. Kontinuität der Aufträge (3–4 Jahre Laufzeit), Subventionen für die Ausweitung der Kapazitäten u.a. Hankey brachte diese Vorbehalte in den Regierungsberatungen ebenso zur Sprache wie Weir; Interdepartmental Committee, 6.2.1936, Cab. 21–422A. Die Regierung gestand die Forderungen im Prinzip zu. Auf der Liste der Gravamina der Industrie gegenüber der Regierung stand u.a., daß die Regierung gegenüber den Dominions nicht nachdrücklich genug auf die Marktöffnung für englische Industrieprodukte (als Gegenleistung für die Aufnahme der Agrarprodukte Australiens usw.) eingetreten sei; daß sie der Industrie nicht die nötige Rückendeckung bei Verhandlungen mit den Industrie verbänden der „Staats“-handelslän-der („politischen“Ökonomien) gewähre; daß sie den englischen Industrien gegenüber subventionierter Konkurrenz zu wenig helfe; vor allem, daß die englische Regierung — im Gegensatz zur amerikanischen, französischen und zu anderen Regierungen — die Interessengruppen nicht als „Experten“zu Handelsvertragsverhandlungen direkt heranziehe (d.h. zu viele „politische“Überlegungen ins Spiel bringe und zu wenig den zwischen den englischen Interessengruppen möglichen Konsens als Startbasis für internationale Verhandlungen wähle; dies wurde zum Konfliktpunkt in den Handelsvertragsverhandlungen mit den USA 1937/38); zum Verhältnis FBI-Regierung (Board of Trade, Schatzamt) vgl. Wendt, S. 491 ff., 522 ff. (Industriellen-Gespräche 1938/39 mit FBI-Forderungskatalog gegenüber.Whitehall’).Google Scholar
  484. 473.
    „[The FBI] wanted to establish industry’s right to be consulted by Government — yet it feared too close an involvement with Government because it meant making choices“(Holland, Capitalism in Crisis, S. 10). Holland hebt zu Recht hervor, daß die Politik der FBI „reflected the deep sense of political insecurity, of a failure to be heard in the political process“. Die Thesen von Ch. Maier (in: Winkler, Organisierter Kapitalismus) treffen auf den englischen Fall nur bedingt zu. Man kann nicht davon sprechen, daß die Regierung von der Wirtschaft als politischem Faktor stärker abhängig geworden sei als vor 1914; dies trifft erst auf die Phase der forcierten Aufrüstung (ab 1938/39) zu. Die Beziehungen zwischen FBI und BofT verbesserten sich im Laufe der dreißiger Jahre, zum Teil dank der gemeinsamen Einwände gegen die Interessenpolitik des MofA (s. Holland, S. 10); aber das politische Unsicherheitsgefühl blieb auf Seiten der FBI bestehen.Google Scholar
  485. 474.
    Siehe hierzu demnächst Heide-Irene Schmidt, Wirtschaftspolitik und „economic reconstruction“1914–1918 (Arbeitstitel). Zu den Vorbehalten der Industrie/FBI gegenüber der Regierungspolitik s. Lococks Erklärung, 26.4.1933, Times, „Disappointment in Industry. Income-tax burden“. Siehe auch Anm. IV/274 und Anm. 111/26.Google Scholar
  486. 475.
    Die Forderung wurde in den Diskussionen des Grand Council anläßlich des Berichts der Präsidenten-Deputation über die Unterredung mit Baldwin/Chamberlain vom Oktober 1935 artikuliert; sie findet sich auch in den Briefen an Locock und Nugent.Google Scholar
  487. 476.
    Die Regierung praktizierte Abkommen mit Einzel in du Strien (Bauwirtschaft, Iron & Steel Federation); s. Inskip, zit. in: Gibbs, S. 291. Die EEA, als Industrie- und Arbeitgeberverband organisiert, nahm seit der Gründung der FBI eine Sonderstellung ein.Google Scholar
  488. 477.
    Die FBI beklagte 1919 die „eigenmächtige“Wahl der Industrie/Wirtschaftsvertreter auf der Friedenskonferenz, ebenso 1932 die Auswahl der Vertreter auf der Ottawa-Konferenz. — Weir war 1932 Sprecher der Wirtschaftsinteressen auf der Ottawa-Konferenz; 1935 beriet er Swinton im Air Ministry-, entsprechend einem Beschluß des Subcommittee on Defence Policy and Requirements — 16.12.1935, Cab. 21–422A — wurde er von Runciman „angeworben“(Runciman an Baldwin, 20.12.1935). Weir und Lord Riverdale sollten die Aufgabe übernehmen, die Kooperation von Gewerkschaften und Industrie im Hinblick auf die Produktion im Kriegsfall zu bewerkstelligen. Weir wurde das Recht eingeräumt, zu anderen im DPRC behandelten Fragen Stellung zu beziehen als nur zu den Fragen der Arbeitnehmer-Industrie (Organisations-)Beziehungen. Das Eingreifen Weirs, dessen Argumente N. Chamberlains Standpunkt zugute kamen, wurde von den Militärs mit Widerwillen registriert (s. Dennis, S. 60). Vgl. Barn es/M iddlemas, S. 901 ff. — Weir nahm gegen „control“und „interference“als Gefährdung der finanziellen und wirtschaftlichen Stabilität Englands Stellung, stützte Chamberlains Zurückweisung der Pläne des War Office, sprach sich gegen ein Ministry of Supply aus u.a. (Weir, 11.6.1936, DPR, 22. Sitzung, Cab. 16–136); weitere Hinweise verdanke ich G. Peden, dessen Dissertation inzwischen gedruckt und erschienen ist.Google Scholar
  489. 478.
    Die Regierung gestand „industrial self-government“zu, auch wenn sie — Baldwin, Anfang Januar 1936, Sitzung des DPR, 13.1.1936, Cab. 16–123; Cab. 21–422A — Interventionismus in gewissem Umfang nicht ausschließen konnte. Das hängt damit zusammen, daß die Regierung 1. noch keine Plandaten und Prioritäten angeben konnte; 2. Präzedenzfälle für eine „Nationalisierung“genau so vermeiden wollte wie die Industrie (was sie nicht hinderte, dies der Industrie anzudrohen); die Drohung wurde in dem Grad glaubwürdiger, wie die auf Erfüllung der Rüstungsprogramme bedachten Minister, voran Swinton und Cooper, „interference“forderten und Unterstützung im Kabinett finden würden; 3. schließlich zögerte sie, die Verantwortung für die Lohn-Preis-Spirale zu übernehmen; sie kannte aus dem Ersten Weltkrieg den „Mechanismus“, daß die Gewährung hoher Profitmargen dazu führte, auch den Arbeitern höhere Löhne zu garantieren et vice versa. Die Regierungsmitglieder, die zum großen Teil an den Auseinandersetzungen mit den Gewerkschaften 1917–1926 beteiligt gewesen waren, hatten keine „Ambitionen“, entweder (im Fall des Übergangs zur Rüstungswirtschaft: Ministry of Supply /Ministry of Munitions) als „Arbeitgeber“direkter Kontrahent und Adressat von Gewerkschaftsforderungen zu werden, oder den „Zwangsschlichter“zwischen den Tarifparteien in den unvermeidlichen Konflikten eines Rüstungsbooms zu spielen.Google Scholar
  490. 479.
    Zum Folgenden s. Note of a Meeting between the Prime Minister and the Chancellor of the Exchequer and Representatives of the FBI, 17.10.1935, DRC 38, Cab. 16–112, S. 370–375; J.B. Webb an Sir Arthur Robinson (PSOC), 27.10.1935, Cab. 21–434; Hinweise auf das Treffen enthält Cmd. 5107, § 57; zum Anschlußtreffen einer FBI-Delegation mit W. Fisher, H. Wilson, Weir, H. Ellis am 31. Januar 1936 s. FBI/S/Walker/113; s. auch Holland, Capitalism in Crisis, S. 9. Die FBI hatte um die Unterredung nachgesucht; sie wünschte Aufklärung über die Relevanz der (weitgehenden) Resolutionen des Konservativen Parteitages in Bournemouth. Dort waren Vorschläge betr. der Organisation der Industrie „for speedy conversion to purposes of defence if need be“verabschiedet worden, die eher den Vorstellungen Churchills als den Ansichten Chamberlains nahekamen. Zur Koordination der Auftragspolitik der Service Departments s. Gibbs, S. 276; Peden, S. 85 ff.Google Scholar
  491. 480.
    Der FBI-Delegation gehörten die Präsidenten der letzten Jahre an: Sir Francis Joseph, Lord H. Scott, Sir George Beharrell, Sir G. MacDonogh und G. Locock als Direktor. Die Zusage ist enthalten in Cmd. 5107, § 58. Zur Behandlung der Preisfragen usw. sollte auf Vorschlag des Interdepartmental Committee (Fisher, Weir, Wilson, Hankey) ein Regie-rungsausschuß gebildet werden, der mit der FBI bzw. den Trade Associations Verbindung halten sollte; 6.2.1936, Cab. 21–422A. Die Kontraktpolitik wird von Shay (S. 99 ff., 110 ff., 204) kritisch beurteilt, doch ist er nicht frei von Widersprüchen (s. S. 124, 254 ff.). In der Beurteilung der „profiteering“-Frage folge ich Reader: „It is fair to look upon all Id’s wartime work as being done for the state, under state control, for rewards determined by the state, and not as normal profit-making enterprise at all“; in: Barry/Supple, S. 238.Google Scholar
  492. 481.
    Das Kabinett beschloß am 25.2.1936 nicht nur, am Prinzip „non-interference with production for civil or export trade“festzuhalten, sondern wollte auch Kooperation mit der Industrie auf der Basis anstreben, Profittreibereien durch „Selbstkontrolle“zu verhindern: Cab. 23–83, S. 157 ff. Zu den vorausgehenden Debatten s. Barnes/Middlemas, S. 902 ff. Treasury und Service Departments, besonders das im Rampenlicht stehende Air Ministry, standen im Dauerkonflikt um die Berechnung einer zulässigen Profitrate (s. hierzu ausführlich Shay, S. 99 ff-, 114 ff., 142). Ein bezeichnendes Zeugnis für die von Chamberlain, Weir, Inskip „gewünschte“Verhaltensweise der Rüstungsindustrie zitiert Shay, S. 119 f. — Die Drohung der Regierung, in jedem (Zweifels-)Fall die Bücher zu inspizieren und ggf. die Profite zu kontrollieren, galt in Industriekreisen als glaubwürdig. Die Agitation gegen „profiteering“hatte Lloyd George 1919 zeitweilig veranlaßt, den Gewerkschaften in der Frage der Sozialisierung (der Bergwerke) entgegenzukommen.Google Scholar
  493. 482.
    N. Chamberlain lehnte zum Teil aus diesen Gründen die FBI-Forderung ab, ihr in Aufrüstungsfragen direkten Zugang zum Premier zu gewähren. Erst nach „München“berief Chamberlain ein Beratergremium — Panel of Industrial Advisors —, dem Ex-Präsidenten der FBI angehörten: Executive Committee, Minutes 18.11.1938, FBI/C/2/1938. Zur Royal Commission on the Private Manufacture of Arms s. Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 246 ff.; Mowat, S. 535 ff. Die Labour Party forderte die Verstaatlichung der Rüstungsindustrie; gleichzeitig lehnten die Gewerkschaften Einschränkungen der Gewerkschaftspraktiken ab. Die Socialist League, der Left Book Club u.a. verbreiteten die „Merchants of Death“-These.Google Scholar
  494. 483.
    Zu den Problemen der „Coordination of Supply“und zur Tendenz, Waffenentwicklung, „inspection“und Herstellung in den Händen der jeweiligen Service Ministries zu halten (vor 1938/39), s. Gibbs, S. 780 ff.; Postan, S. 104 ff., 111, 39 ff.; Peden, Kap. V.Google Scholar
  495. 484.
    Baldwin, 9.3.1936, HofC, Bd. 309, Sp. 1843/44; Baldwin, 1.4.1936, HofC, Bd. 310, Sp. 1992; Cmd. 5107, § 54 ff. — Inskip zeigte sich — in seinen Berichten — zufrieden mit dem Arrangement zwischen den Departments und den „central bodies“einzelner Industriezweige, dazu Gibbs, S. 291.Google Scholar
  496. 485.
    Brown, 26.3.1936, C.P. 96 (36), Cab. 24–261; Cab. 25 (36), 1.4.1936. Cab. 23–83; Feiling, S. 292, 313 f.; Barnes/Middlemas, S. 902 ff.; Gibbs, Kap. VIII, ferner S. 261 ff.; Brown-Memo., 30.10.1936, C.P. 297 (36), Cab. 24–265; Dennis, S. 81 ff.Google Scholar
  497. 486.
    Weir schätzte den Bedarf an Facharbeitern auf ca. 120 000 „additional men“: s. C.P. 57 (36), Cab. 23–83, S. 159; ferner 2.3.1936, Cab. 23–83, S. 206 ff.; 8.4.1936, Cab. 23–83, S. 452. Zum Problem „skilled labour“, besonders ab Herbst 1937, s. Gibbs, S. 289 ff.; ferner Shay, S. 128 ff., 205 ff.; Barnett, S. 486 f., 500 ff., 478 ff.; Peden, S. 81 ff., 171 f.Google Scholar
  498. 487.
    Zum Problem Werkzeugmaschinen/„tooling up“s. Postan; Anm. IV/457; ferner Hornby; Barnett, S. 480 ff.Google Scholar
  499. 488.
    2.3.1936, Cab. 23–83, S. 206–208; 26.3.1936, C.P. 96 (36), Cab. 24–261; 8.4.1936, Cab. 23–83, S. 452; N. Chamberlain, 9.2.1936, in: Feiling, N. Chamberlain, S. 292. Vgl. oben, Kap. III/B 2. Zur Diskussion 1936/37 und 1937/38 s. Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 116 ff., 216 ff.; Postan, S. 25 ff.Google Scholar
  500. 489.
    4.12.1935, Cab. 51 (35) 3, Cab. 23–82, S. 363 ff. Die Gewerkschaften forderten: Bemühungen um eine Abrüstungskonferenz, besonders „air limitation“, die Einbeziehung der Sowjetunion in die Politik der kollektiven Sicherheit, aber auch „conscription of wealth“, Maßnahmen gegen „profiteering“. Die Jahreskongresse des Gewerkschaftsbundes hatten Resolutionen gegen „military and industrial conscription“verabschiedet, d.h. die Regierung gewarnt, nicht die Gewerkschaftspraktiken und die „freie“Wahl des Arbeitsplatzes anzutasten. Arbeitsminister Brown betonte stets, daß die Regierung diese Einstellung respektieren müsse; „Arbeitsfriede“sei eine Voraussetzung für Fortschritte in der Aufrüstung. Zur Unterredung Baldwin/Citriqe vor den Wahlen 1935 s. Anm. IV/113, 114; s. ferner Defence Deputation, 29.7.1936, Cab. 21–438; Cowling, S. 212 f.Google Scholar
  501. 490.
    Betr. „dilution“im Ersten Weltkrieg s. Hurwitz, State Intervention, S. 89 ff. Die FBI lenkte in den Gesprächen mit der Regierung und in ihren internen Diskussionen immer wieder auf den Punkt, daß die Regierung durch Festsetzung der Prioritäten und durch Koordination der Bestellvorgänge die Kostenentwicklung am besten unter Kontrolle halten könne; dann bliebe das Problem der Arbeitskräfte überschaubar. In einem Brief vom 19.2. 1938 (s. Gibbs, S. 311) an Inskip betont Sir Charles Cracken, Chairman von Vickers Armstrong, daß die Gewerkschaften zwar „de-skilling“tolerierten, „but… are opposed to any form of real dilution“.Google Scholar
  502. 491.
    Protokoll der Besprechung Baldwin/Chamberlain — FBI-Deputation (s. Anm. IV/479).-Shay (S. 99, 110 ff., 114 ff. u.a.O.) berücksichtigt in seiner begründet kritischen Analyse zu wenig die Vorbelastungen aller Beteiligten aufgrund der Erfahrungen im und nach dem Ersten Weltkrieg; er macht sich die Erklärung zu einfach, wenn er stärkere „staatliche“Kontrollen als Ausweg postuliert. Die Befürworter einer forcierten Aufrüstung, eines Ministry of Supply, Churchill, Hörne, Boothby u.a. empfahlen der Regierung, in Friedenszeiten höhere Profite zuzugestehen, um den in den Jahren 1922–1934/35 den Rüstungsaufträgen entfremdeten Industrien Mut zum unternehmerischen Risiko zu machen; in Kriegszeiten dürfe der Staat Profite unterbinden.Google Scholar
  503. 492.
    Chamberlain hielt der FBI-Deputation warnend die Alternative vor Augen (vgl. Shay, S. 94 ff.). — Die Regierung beanspruchte das Recht, die Bücher der Kontraktfirmen ggf. zu inspizieren (vgl. Shay, S. 108). Die FBI-interne Diskussion läßt nicht den Schluß zu, daß die Industrie sich als stärkeren Partner im Verhältnis zur Regierung empfand. Shay führt als Beleg für seine These die Niederlage Chamberlains in der Frage der National Defence Contribution an (bes. S. 147 ff., 155). Die Frage, wer unter „constituency“zu verstehen ist, der die Regierung verpflichtet war, ist nur zu klären, wenn man die überlappenden und die divergierenden Interessen der Dachverbände, Einzelverbände, Großunternehmen, City, „Big Five“-Banken usw. klärt. Hier liegen erst wenige Forschungsansätze vor.Google Scholar
  504. 493.
    Protokoll der Besprechung vom 17.10.1935 (s. Anm. IV/479). Die Drohung, zu „compulsion“zu greifen — was auf Seiten „der“Industrie als Weg in den Sozialismus verstanden wurde —, veranlaßte die Industrie wiederholt, ihrerseits Kooperationsbereitschaft zu demonstrieren (so auch Shay, S. 121 ff.). Daß die Industrie die Lage nicht ausnutzen und das Versprechen der Regierung mit dem Angebot von Rat und Hilfe honorieren solle, ist auch der Tenor der Handelskammerdebatten; s. u.a. die Birmingham Chamber of Commerce, Journal, 15.3.1936, „Industry’s Part in Defence“.Google Scholar
  505. 494.
    Einer der Delegierten der FBI, Beharreil, brachte beim Treffen am 17.10.1935 klar zum Ausdruck, daß die diskutierten Fragen besser zwischen Regierung und Einzelverbänden/ Industriezweigen, d.h. ohne den Dachverband als Mittler, verhandelt werden sollten. In den FBI-internen Beratungen vertrat eine gewichtige Minderheit den Standpunkt von Beharrell. Dies gilt besonders fur die Industriezweige, in denen Arbeitgeber- und Industrieorganisation in einem Verband zusammengefaßt waren. Eines der großen Handicaps in der Wirkungsgeschichte der FBI war, daß das Ziel, möglichst alle Branchen zu umfassen, nur durch den Verzicht — in den Gründungsjahren — erreicht werden konnte, „labour“-Fragen auszuklammern. Hierfür war die National Confederation of Employers Organisations zuständig. Auf die Einhaltung der Kompetenz-Grenzen — FBI für „Wirtschaftsfragen“, NCEO für „Labour“-Fragen — drängten besonders die „EngineeringIndustries“. Weir und Beharreil hatten in der NCEO wichtige Ämter inne, weniger in der FBI. Das zweite Handicap, die Zurückhaltung in der Schutzzollfrage, entfiel 1930/32. — Shay übersieht in seiner Interpretation des Zusammenwirkens von Regierung und Industrie diese Aspekte; er überträgt den Erfolg, den die Society of British Aircraft Contractors in den Verhandlungen mit dem Air Ministry über die Kontraktbedingungen erzielen konnte — unter besonderen politischen Umständen! — auf die allgemeine Situation. Zur Kontraktgestaltung s. die detaillierte Studie von W. Ashworth, Contracts and Finance; Shay, S. 98 f., 110 ff., 114 f., 204 ff., 249 ff., 274; Peden, S. 46 ff., 50 ff.Google Scholar
  506. 495.
    Vgl. Gibbs, S. 291.Google Scholar
  507. 496.
    Labour Party, 1934-Programm „For Socialism and Peace“; Brand, S. 171, 189 (1937); Naylor, S. 70 f., 190 f.; Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 165 ff., 246 ff. (Royal Commission on Private Manufacture of Arms). Hankey erklärte sich zur „Zeugenaussage“bereit, bezeichnenderweise, um gegen ein „Ministry of Supply“plädieren zu können.Google Scholar
  508. 497.
    Die Aversion gegen „Blockbildung und Wettrüsten“, wie die Vorkriegsdiplomatie in der Regel etikettiert wurde, ist nicht gruppen- oder „klassenspezifisch“; sie ist die Plattform für die „centre left“-Bewegungen ebenso wie für den Konsens zwischen Baldwin/Chamber-lain-Simon/Runciman-MacDonald in der Nationalen Regierung. Das Interesse der Service Ministers und Hankeys in der Phase der Abrüstungs-Sicherheitskonferenzen (1927–34), „private manufacturing interests“sowohl vor „inspection, supervision“zu bewahren als sie auch gegen die Angriffe auf die „Profitgeier“als Kriegstreiber zu verteidigen, ist kein Plädoyer für einen Rüstungswettlauf. Es ging darum, einen Kern der Rüstungsindustrie zu erhalten. Zum Ausmaß der 1932/33 erreichten „industriellen Abrüstung“s. Postan; Hig-ham; Barnett. Air Ministry an Ellington, 13.12.1933, Cab. 21–417; Ministerial Committee on Disarmament, 23.10.1934–27.5.1935, Cab. 27–508; zum Komplex „private manufacture of arms“/Exporte s. Anm. IV/462.Google Scholar
  509. 498.
    Differenzen zwischen Regierung und Industrie (FBI) bestanden in Fragen der Handelsvertragspolitik, Steuer- und Finanzpolitik; die Übereinstimmungen überwogen im Bereich der Wirtschaftsordnungsvorstellungen.Google Scholar
  510. 499.
    Vgl. W.J. Reader, Architect of Air Power, London 1968, Kap. 9. Weir war Chairman of International Nickel of Canada. In dieser Eigenschaft schalteten Hankey und Vansittart ihn ein, um die Zahlungsmodalitäten der Nickelimporte Deutschlands zu klären; „[the Government] is much opposed to allowing them anything on credit“— FO 371 - 19 933, S. 230 (Juni 1936). — Im Ersten Weltkrieg war Weir Director of Munitions for Scotland (1915—17), „Controller of aeronautical supplies“im Ministry of Munitions und Director-General of aircraft production. 1933 regte er zusammen mit Balfour und Lithgow die Einrichtung der „shadow factories“an; 1935–38 beriet er Swinton im Air Ministry; 1936/37 war er Mitglied des Defence Policy and Requirements Committee. Ferner gehörte er dem Direktorium von ICI, Shell u.a. an. In der Verbandstätigkeit war er in den zwanziger Jahren wiederholt Präsident der NCEO. Der Vorschlag, Weir für das DPR-Committee zu kooptieren, geht auf Hoare zurück (Hoare war in den zwanziger Jahren Minister für die Luftwaffe); 4.12.1935, Cab. 23–82, S. 363 ff. Vor den Wahlen 1935 hatten ihn die „officials“des DRC in Fragen der „industrial mobilisation“konsultiert und als Ratgeber bei der Vorbereitung des Ideal Scheme herangezogen; s. auch Anm. IV/477.Google Scholar
  511. 500.
    Zum Folgenden s. W.A. Lee (Mining Association of Great Britain) an Locock, 1.11.1938, FBI/EA/Glenday 2/File 340/R. 18 (e), Memorandum „International Crisis 1938 — Points to be taken up with the Government where plans for defence…would be strengthened. The Crisis in Retrospect, Industry and Foreign Policy“. Dies ist die klarste (und unverhüllte) Argumentation, die ich finden konnte. Ähnliche, wenn auch vor „München“— wegen der Gerüchte über sog. Khaki-Wahlen — nicht in gleichem Maße „dramatische“Vorstellungen über das Verhältnis von Außenpolitik „and the furtherance of industry and commerce“, finden sich in der Korrespondenz von Locock, Glenday und Walker, doch war mir die systematische Durchsicht der FBI-Papiere und vor allem das Zitierrecht der Zeugnisse nach 1931 nicht eingeräumt worden. Eine Korrektur aufgrund eines unbeschränkten Studiums der FBI-Akten schließe ich nicht aus. Das Studium der Wirtschaftspresse und der Jahresberichte der Vorstände der großen Unternehmen (Times, Economist) rechtfertigen es m.E., das folgende Zeugnis als repräsentative Stellungnahme zu werten, und zwar für die Aufrüstungsphase 1936–38; vgl. Wendt, Economic Appeasement, S. 345 –348.Google Scholar
  512. 501.
    Hankey an Robin Hankey, 22.12.1936, Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 238; Eden, „Antrittsrede“als Außenminister in Leamington (Wahlkreis Edens), Times, 17.1.1936, S. 9. — Wirtschaftlicher Aufschwung sollte die im Gefolge der Aufrüstung zu erwartenden Verteilungskonflikte „dämpfen“bzw. die Möglichkeit gewähren, Sozialleistungen und Rüstungsausgaben zu bestreiten. Es sind ähnliche Themen und Probleme, wie sie Berghahn,