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Economic Appeasement

  • Gustav Schmidt
Chapter
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Part of the Schriften des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin book series (SZFB)

Zusammenfassung

Die Interpretation der Appeasement-Politik aus dem politischen System, das von der Scharnierfunktion der Rüstungsfrage geprägt war, bildet ein konkurrierendes Erklärungsmodell zu den Deutungen, die Handel und Finanzen in den Mittelpunkt stellen. Diese Deutungen nehmen gleichfalls Bezug auf die strukturellen Bedingungen, die das britische Interesse am Frieden begründeten; das Friedensbedürfnis hänge mit der Stellung Englands als Handelsmacht und als Schnittpunkt finanzieller Transaktionen mit weltweiten Verbindungen zusammen, denn im Falle kriegerischer Konflikte drohe dem Britischen Empire die Gefahr, im internationalen Vergleich Einbußen zu erleiden und langfristig seinen Status als Großmacht zu verlieren1. Eine Vielzahl von Zeugnissen, amtliche Erklärungen ebenso wie private Äußerungen, stützt dieses Erklärungsmodell. Den Interpreten fällt es daher leicht, aus jedem Zeitabschnitt der englischen Außenpolitik Aussagen zu zitieren, die den wirtschaftlichen Aspekt der englischen Friedensbemühungen herausstellen. Sie können ferner voraussetzen, daß wirtschaftliche Faktoren und Gesichtspunkte einerseits sowie restriktive wirtschaftlich-soziale Bedingungen andererseits in der englischen Politik, also auch in den Außenbeziehungen, eine zentrale Funktion innehatten. Zieht man dann die generelle Interpretation hinzu, daß englische Außenpolitik in den dreißiger Jahren Appeasement-Politik gewesen sei, so legt das die Schlußfolgerung nahe, die englische Außenpolitik habe unter dem Vorzeichen des „economic appeasement“ gestanden.

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Literatur

  1. 1.
    Niedhart, B 13/77, S. 26. — Statement Relating to Defence…, 1.3.1935, Cmd. 4827, S. 2 (Hankey-Formulierung, Cab. 21–407); Eden, HofC, 14.3.1934, Bd. 287, Sp. 390; vgl. auch Wendt, in: Forndran, Innen- und Außenpolitik; Wendt, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung. Die im Folgenden vorgetragenen Einwände richten sich in erster Linie gegen Wendt, Economic Appeasement, und MacDonald, Economic Appeasement and the German „Moderates“, in: Past & Present, 56 (1972). Sie zielen jedoch nicht gegen Wendts Aussagen über die Interaktion binnen- und außenwirtschaftlicher Strukturprobleme in ihrer Bedeutung für die von Wendt (S. 631) in einem weiten Sinne definierte „Politik“. Wendt sieht zwar die konstitutiven Bedingungen der englischen Außen-(wirtschafts-) politik (Importrestriktionen, das Beharren auf „Ottaw“), doch die fundamentale Kritik der „economic appeaser“ an diesen Schwerpunkten der Regierungspolitik läßt er in der Bewertung der Vorgänge für das Profil englischer Deutschland-Politik außer Ansatz. Die im Folgenden rekonstruierten „economic appeasement“-Strategien müssen unter dem Aspekt der Realisierungschancen im Kontext der wirtschaftspolitischen Weichenstellungen der dreißiger Jahre gesehen werden. Die „economic appeaser“ bezogen Front gegen die „vested interests“, die den in der Krise auch in England zum Durchbruch kommenden „wirtschaftlichen Nationalismus“ pflegen wollten; vgl. Cowling, The Impact of Hitler, S. 231 ff., 112 ff. (über Sinclair). la DGFP, Ser. C-I, S. 260, Neurath, 7.4.1933, Erklärung in einer Ministerbesprechung in der Reichskanzlei.Google Scholar
  2. 2.
    Siehe Anm. III/116, 125 ff.; Nelson, Land and Power, S. 325 ff.; Gilbert/Gott, The Appeasers, S. 189 ff., 220; Wendt, Economic Appeasement, S. 418 ff.; MacDonald, Economic Appeasement, S. III.Google Scholar
  3. 3.
    Die Urheberschaft dieser Version liegt bei Paul Einzig. Labour-MP und Anhänger Churchills machten von Einzigs Artikeln in „Financial News“ Gebrauch, sie wurden Gegenstand parlamentarischer Anfragen. Einzig, In the Centre of Things; Clay, Norman, S. 448 ff. — Zur Compensation Brokers Ltd. s. Wendt, Economic Appeasement, S. 405 ff.; Korrespondenz Tiarks/Piggott — Norman/Leith-Ross, 6. - 17.11.1936, T 177 - 30. — Die deutsche Regierung verlangte von den Unternehmen, die Rohstoffe nach Deutschland exportierten oder für ihre Zweigunternehmen einführten (Dunlop, ICI, Unilever u.a.), daß sie Rohstoffe auf der Basis langfristiger Kredite lieferten; die englische Regierung wollte von Geschäften abraten, falls eine Kreditfinanzierung auf dem Spiel stehe (FO 371 - 19 933, S. 227 f.). In anderen Fällen sollten die englischen Ministerien die „Geschäft“ weder begünstigen noch stoppen. Richtungweisend ist wohl die Auskunft N. Laws an Sargent, 6.5.1936, C 3524/ 99/18, FO 371 - 19 952, S. 139 f.: „It is highly improbable that any open credits have been granted even by the most pro-German of London firms… so long as loans, as opposed to those short term commercial credits, are prohibited, it cannot be said that the City is providing money with which Germany can finance her rearmament programme. On the other hand, it is not true to say that no credits have been granted“ (betr. Hambros/Schrö-ders-IG Farben); s. im einzelnen T 160–573, F 13 460/011–012; FO 371–17 687, S. 131 ff.; FO 371–17 688, S. 367 ff.; FO 371–16 693, S. 99 ff.Google Scholar
  4. 4.
    Piggott-Tennant-Lehnkering/Ribbentrop-Projekt, März 1935, C 1980/25/18, FO 371–18 822, S. 117 ff.; Leith-Ross (ebd., S. 124) lehnte es als undurchführbar ab, daß England Deutschland bei Kontrakten für „public works“ im British Empire begünstige. Parlament und Öffentlichkeit würden Sturm laufen. Die Regierung müsse in erster Linie an englische Arbeitslose denken. 1922 kam ein Interdepartmental Committee ebenfalls zu dem Schluß, daß die Einfuhr deutscher Güter — im Rahmen der Reparationspflichten — Arbeitslosigkeit bewirken müßte, weil die betreffenden Produkte auch in England erzeugt werden könnten; Report, 13.10.1922, C 14 394/201/18, FO 371–7506. Die Vorschläge waren im März 1921 von Mond und Amery in das Gespräch gebracht und von Churchill im Oktober 1921 aufgegriffen worden. Mond hatte den Bezug von Halbfertig- und Fertigwaren aus Deutschland empfohlen, um die Produktionsausrüstung der englischen Industrie zu verbessern. Die Idee, die Wettbewerbsfähigkeit Englands durch die mit Hilfe deutscher Sachlieferungen vorgenommenen Investitionen zu verbessern, geht auf Sir Henry Strakosch zurück (s. die Habil.-Schrift des Verf.). Diese Vorstellungen begegnen u.a. im Hall-Memorandum, s. unten, Abschn. 8.Google Scholar
  5. 5.
    Die Revision von „Ottawa“ und der protektionistischen Maßnahmen galten als Ansatzpunkt und Betätigungsfeld für Wirtschaftshilfe an Deutschland (s. Pinsent an FO, FO 371 -19 888, S. 75 ff.). Das FO trat für Korrekturen am „imperial preference“-System ein. Es hatte 1931/32 vor den politischen Rückwirkungen des Protektionismus gewarnt (vgl. Wendt, S. 60 f.). Auch Vansittart trat für eine Modifizierung von „Ottawa“ ein, um auf die Stimmung in den USA Einfluß zu nehmen: Vansittart, 31.12.1936, The World Situation and British Rearmament, C 8898/4/18, § 26.Google Scholar
  6. 6.
    Zum Hall-Scheme s. Kap. III/Abschn. 8; C 4758/99/18, FO 371 - 19 933; Jones-MSS., Class E, Bd. 1, Nr. 10; vgl. Wendt, Economic Appeasement, S. 337 ff.; Gilbert, Roots. — In der Korrespondenz, die Eden mit dem BofT und der T 1936/37 führte, spielten das Hall-Scheme und die Vorschläge H. Butlers (ILO) eine Schlüsselrolle, C 5197/99/18, 17.7. 1936, FO 371 - 19 934, S. 1 ff., 5 ff. Die Zielformulierung ist vor dem Hintergrund bestimmter Entwicklungen zu sehen: Der englische Handel mit dem Empire expandierte nach 1931 zwar, doch blieb der Warenaustausch mit Europa ein wichtiger Faktor: Die Importe aus dem Empire hatten 1929 einen Anteil von 25,7% an den Gesamtimporten, 1932: 31,6%, 1936: 36,8%, 1938: 37,9%. Die Exporte ins Empire erhöhten sich von 1929: 39,6% auf 1936: 44,4%, 1938: 45,6% (1932: 38,2%); s. Mowat, S. 437. Der Warenaustausch mit Europa betrug 1929: 38% der Gesamtimporte und 28% der Gesamtexporte; 1933: 35,7% bzw. 31,4%, 1935: 35,1% bzw. 29,3%; s. H.J. Richardson, British Economic Foreign Policy, S. 124. Wendt, Economic Appeasement, S. 32 ff. (zur Entwicklung der deutsch-englischen Handelsbeziehungen); Pollard, Development, S. 198; Butler/Freeman, British Political Facts, S. 310 f.; Meyers, Britische Sicherheitspolitik, S. 346 f.; Arndt, Economic Lessons, S. 105 f.Google Scholar
  7. 7.
    Gilbert/Gott, The Appeasers, Kap. 13: „Czech Gold“, S. 209 ff.; Einzig, In the Centre of Things, S. 186 ff.; Volkmann, S. 108.Google Scholar
  8. 8.
    G.W. Rindeil an Newton, 27.11.1936, C 6731/99/18, FO 371 - 19 949.Google Scholar
  9. 9.
    Newton an G.W. Rindell, 24.9.1936, C 6731/99/18, FO 371 - 19 949.Google Scholar
  10. 10.
    MacDonald, Economic Appeasement, S. 106 ff.; Wendt, <i>Economic Appeasement</i>, S. 87 ff., 449 ff., 21, 27; vgl. unten, Kap. IV/6.Google Scholar
  11. 11.
    MacDonald, Economic Appeasement, S. 106; Wendt, <i>Economic Appeasement</i>, S. 15 u.a.O., bes. S. 377 ff. — MacDonald, ebd., S. 105: „Economic appeasement was not merely a diplomatic gambit on the part of Britain. Chamberlain always believed that a settlement with Germany was essential to British economic interests.“ „Essential to British economic interests“ waren in erster Linie die Verhinderung eines militärischen-wirtschaft-lichen Kräftemessens (economic warfare, Wettrüsten) — so auch MacDonald. Die englische Politik war stets bestrebt, aus binnenwirtschaftlichen Gründen (Außenwirtschaftsanteil am BSP) einen Kompromiß mit anderen Staaten zu suchen und die ökonomischen Bande als Unterpfand der Normalisierung im politischen Bereich zu werten (das gleiche gilt für die US-Außenwirtschaftspolitik als Kern einer „aktiven“ Außenpolitik). Die entscheidende Frage ist aber, ob Chamberlain — ähnlich wie die Exponenten der „economic appeasement“-Strategie — meinte, 1. politische Probleme seien von der wirtschaftlichen Seite her lösbar, 2. daß England des Kompromisses wegen von seinen wirtschaftspolitischen Grundsätzen abrücken müsse! Zur nachfolgenden These betr. Rüstungswirtschaft-Exportinteressen s. Wendt, <i>Economic Appeasement</i>, S. 435; MacDonald, Economic Appeasement, S. 106 ff. sowie unten, Kap. III/B2; siehe auch Anm. IV/457.Google Scholar
  12. 12.
    Viel zitiert wird Chamberlains rückblickende Darlegung im Kabinett am 19.2.1938, s. MacDonald, S. 105;Parker, in: Forstmeier-Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 266 ff.; Meyers, <i>Britische Sicherheitspolitik</i>, S. 419 ff.; s. auch Jones, <i>Diary with Letters</i>, S. 246; vgl. Kap. I betr. Edens Begründung der „working agreement“-Initiative, C.P. 42 (36); 17.2. 1936, Cab. 27–599.Google Scholar
  13. 13.
    Wigram/Sargent/Ashton-Gwatkin-Memo., 21.11.1935, s. oben, Kap. I; (Jebb-) Eden-Memo., The Economic Aspect of Foreign Policy, 28.5.1937, W 11034/5/50, FO 371–20 659; s. auch Wendt, <i>Economic Appeasement</i>, S. 437 ff.; Gilbert, <i>Roots</i>, S. 153 ff. Vgl. oben, Kap. I „Rußland“; Anm. IV/556. Der bedrohliche Aspekt einer Neuauflage von Rapallo lag für die „economic appeaser“ in den weiter unten (Anm. III/73 ff.) erörterten Zusammenhängender „Stufentheorie“: „what is a serious danger is the extent to which [Germany] is moving away from the economic system of Western Europe into an ideo-syncracy of attitude not unlike that of Russia… Russia can supply so many of German needs… a division might establish itself between two economic systems in Western and Eastern Europe. It is therefore of urgent importance to restore Germany to her normal place in the Western European system“ (Eden/Jebb.-Memo., „The Economic Aspect of Foreign Policy“).Google Scholar
  14. 14.
    Lord Riverdale an Hankey, 9.3.1936, FO 371–19 891, bes. S. 238 f. Riverdale übermittelte aus Gesprächen in Berlin den Eindruck (s. Anm. IV/457) —, daß man, wenn man die Hitler-Rede direkt anpacke, ähnlich wie beim Flottenabkommen „etwas“ Definitives erreichen könne. — Hankey, Riverdale, Weir, Runciman und andere Befürworter von Abkommen, die Englands Rüstungspolitik entlasten könnten, nahmen in Kauf, daß Deutschland versuchen würde, englische Offerten „auszuschlachten“; dies gilt erst recht für die „economic appeaser“, die auf ihren „Erfolgen“— zum Beispiel Hoare’s Genfer Rede — weiterbauen wollten.Google Scholar
  15. 15.
    Siehe Anm. I/338; zu Runciman s. Anm. III/60.Google Scholar
  16. 16.
    Wendt, <i>Economic Appeasement</i>, S. 420, 423, 526 u.a.O.; MacDonald, Economic Appeasement, S. 108, 112, 124 u.a.O. — Es wird noch zu zeigen sein, daß de facto mehr das Interesse, der englischen Wirtschaft einen Impuls zu geben, zum Zuge kam, während die Einsätze, die auf Deutschlands Wirtschaft und Politik „entkrampfend“ einwirken sollten, entweder zurückgehalten oder wegen fehlender Voraussetzungen fallen gelassen wurden oder als ungeeignet galten (s. unten, Kap. III, Abschn. 7, 8). „Hilfe für englische Wirtschaftsinteressen“ (z.B. Verbesserung der englischen Absatzchancen in Deutschland) und „Appea-sement-Effekt auf Deutschland“ (z.B. Exportventile für Deutschland in England und im Empire) können zusammenfallen — aber: nur unter Bedingungen einer Weltverkehrswirtschaft, in der „Handel und Finanzen“ Interdependenzen schaffen, aus denen „Machtpolitik“ ein Land nur schwer lösen kann. Economic Appeasement sollte diese Interdependenzen erst wiederherstellen!Google Scholar
  17. 17.
    Cab. 57 (38), 30.11.1938, Cab. 23 – 96. — Nach der München-Krise verstärkte sich im FO (Vansittart, Strang, Sargent, Cadogah) die Tendenz, in Konzessionen eine Schwächung der Stellung der „Moderates“ zu sehen (Minutes zu C 15 084/42/18, FO 271 - 21 659; s. im einzelnen Lammers). Nimmt man die Reaktion auf Schachts Anfragen, außer mit Norman auch mit englischen Ministern direkt ins Gespräch zu kommen, als Gradmesser, dann fiel die Antwort der Chamberlain-Regierung entgegenkommender aus (Wendt, <i>Economic Appeasement</i>, S. 548 ff.). 1935/36 stießen Anfragen Schachts, in London Ministergespräche zu führen, im BofT und im Schatzamt sowie im FO auf wenig Gegenliebe (s. dazu generell Cowling, <i>The Impact of Hitler</i>, S. 299). Die Denkfigur „Moderates-Extremists“ ist in der Appeasementforschung ein stehender Begriff; s. Wendt, S. 73 ff.; Lund-green, passim; Niedhart; Hildebrand; Cowling, S. 145 ff., 299 f.Google Scholar
  18. 18.
    Vgl. Hüttenberger, in: Winkler, <i>NS-Herrschaftssystem</i>, S. 432 ff.; Petzina, in: Forstmeier/ Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 66 ff., 72 ff.; Volkmann, in: ebd., S. 104 f.; Robertson, <i>Hitler’s Pre-War Policy</i>, S. 85 ff. Eine Realanalyse der „economic appeasement“-Politik müßte die Entwicklung auf deutscher und auf englischer Seite genauer koordinieren als dies bislang der Fall ist. Der Informationsstand auf englischer Seite über die Gewichtsverlagerung innerhalb der deutschen Herrschaftssynthese müßte u.a. mit den Hoffnungen, Zweckoptimismen usw. sowie mit den Triebkräften des Beharrungsvermögens von „economic appeasement“-Interessen verglichen und der Realitätsgehalt der Vorstös-se und Vorfälle herausgearbeitet werden.Google Scholar
  19. 19.
    Den Ausführungen liegt die Unterscheidung zwischen „economic appeasement“ als Deutungsmuster („Idealtyp“) und verschiedenen Ereignissen bzw. Aktionen zugrunde, die man als „economic appeasement“ bezeichnen kann. In der Kritik des Verf. an Wendt geht es primär um die Schlüssigkeit seines analytischen Konstrukts, weniger um die — weitgehend übereinstimmende — Interpretation der Einzelfälle.Google Scholar
  20. 20.
    Zum generellen Problem, daß Begriffe für viele Verschiedenes und Unterschiedliches meinen, s. E.B. Haas, The Balance of Power: Prescription, Concept, or Propaganda, in: J.N. Rosenau (Hrsg.), <i>International Politics and Foreign Policy</i>, S. 318 ff.; M. Wight, in: <i>Diplomatie Investigations</i>, hrsg. von H. Butterfield/M. Wight, S. 149 ff. Wendt hält die Ebenen nicht genau auseinander (zum Beispiel in: Forndran, S. 26): Die einzelnen Argumente sind jeweils für sich genommen zutreffend, a) daß der Deutschlandhandel für einige der „depressed areas“ einen bestimmten Beschäftigungsgrad garantierte, b) daß Eden im Mai 1937 Deutschland in das westeuropäische „polit-ökonomische“ System re-integrieren wollte usw. Die Schlußfolgerung jedoch, daß diese Faktoren einander ergänzend in der gleichen Richtung wirkten und die englische <i>Politik</i> bestimmten, ist nicht stichhaltig. Eden übernahm zwar eine von den „economic appeaser“ (Jebb/Ashton-Gwatkin) ausgearbeitete Vorlage. Er orientierte die englische Außenpolitik aber nicht, wie die von ihm zirkulierte Denkschrift suggeriert, an den Wirtschaftsfragen, sondern ordnete diese den Sicherheitsfragen (Belgien u.a.) unter. Der von Eden befürwortete Hall-Plan — er bezweckte „a restoration of the old trade channels“, d.h. des Dreieckshandels Deutschland-England-BE — scheiterte am Widerstand des BofT und der T.Google Scholar
  21. 21.
    Besonders MacDonald bringt Äußerungen der „economic appeaser“ (Jebb, Ashton-Gwat-kin) mit Erklärungen Chamberlains und Leith-Ross’ auf eine Reihe, ohne die unterschiedlichen Prämissen sowie die Bedeutung der Kautelen zu beachten (s. unten, Kap. III/C). Er erwähnt die Vorbehalte zwar, berücksichtigt sie in seiner Urteilsbildung über „economic appeasement“ jedoch nicht. Als Einwand gegen Wendt sei nur ein Beispiel herangezogen: Er zitiert (<i>Economic Appeasement</i>, S. 431) den liberalen Oppositionssprecher White, der nach dem Scheitern der politischen Bemühungen zum „economic appeasement“ auffordert; die Aussage enthält aber zugleich massive Kritik an der von den maßgeblichen Kräften in der Regierung durchgesetzten bisherigen Politik und ist damit alles andere als ein Zeugnis für die Kontinuität und Erfolgsserie des „economic appeasement“ in der englischen Außenpolitik! 22 Der Primat des „political approach“, in den zwanziger Jahren ein Indiz für die Anpassung an die Dominante in der französischen Deutschlandpolitik, ist ein Element der Kontinuität englischer Sicherheits- und (Ab-)Rüstungspolitik in der Zeit zwischen den Weltkriegen. Zum Vorrang der „politischen Motive“ in der Kolonialfrage s. Anm. III/460.Google Scholar
  22. 23.
    Zur Kontroverse mit Wendt s. <i>Internat. Jb</i>., XVII (1976), bes. S. 265; s. ferner die Darlegungen in Anm. III/173, 420, 451. — Der Verf. schließt sich Hausers Kritik an Wendt (<i>England</i>, S. 78, Anm. 16) an.Google Scholar
  23. 24.
    Ein Beispiel mag dies verdeutlichen: Handelsminister Runciman vertrat in allgemeinpolitischer Hinsicht deutlicher als aus Gesichtspunkten ökonomischen Interesses appeasement-begünstigende Ansichten: 1. Es repräsentiert das kollektive „schlechte Gewissen“ wegen der englischen Mitverantwortung an „Versailles“ (Runciman selbst gehörte seit 1916 zu den Gegnern eines K.O.-Sieges und eines „Straffriedens“); 2. da niemand die deutsche Aufrüstung stoppen wolle und könne, wäre es besser, wenn man sich offen damit abfinde; 3. durch Arrangements in Sicherheits- und Rüstungsfragen könne man versuchen, Einfluß auf die Entwicklung in Deutschland zu nehmen oder zumindest zuverlässige Informationen über die deutsche Aufrüstung erhalten. Er unterstützte die Initiativen 1934/35 und 1935/ 36. Als wirtschaftliche Gesichtspunkte machte er die Sorge um den Fortgang der „recovery“ in England und vor der „Verzerrung“ der Wirtschaftsstruktur im Fall einer beschleunigten Rüstungsexpansion geltend (s. unten, Kap. III/B 2). Er erklärte sich hingegen gegen die von Lehnkering/Piggott/Tennant im Frühjahr 1935 und von Tiarks/Piggott im Spätherbst 1936 unterbreiteten Rohstoff-Projekte (Compensation Brokers Ltd.) und hielt die von Eden zirkulierten Vorschläge der „economic appeaser“ im FO auf (diesen Widerstand registriert auch Wendt, <i>Economic Appeasement</i>, S. 340 f.). Er trat für den Schutz „berechtigter“ englischer Handels- und Finanzinteressen in China, Skandinavien, Südost-Europa ein, ließ aber in anderen Gebieten Platz für deutschen und japanischen — ebenso wie für englischen und amerikanischen — „Dollarimperialismus“. Konsortiumpläne (China) fanden sein Interesse. Im Fall Runciman sprechen also politische Erwägungen für eine Appease-mentpolitik, während die ökonomischen Interesseneinschätzungen ambivalent sind und sich in Einzelheiten verlieren. Nur wenn man das Interesse an der Sicherung des „recovery “-Prozesses mit economic appeasement gleichsetzt, wäre er zu den e. a. zu zählen. Wer gehörte aber nicht zu ihnen? In der Weltwirtschaftskrise verfocht England deutsche Interessen insofern mit, als es englische Investitionen in Deutschland zu schützen galt oder man gegenüber französischem Drängen betonte, daß nicht einzusehen wäre, warum Deutschland weiterhin mit englischem Geld Reparationszahlungen leisten solle, also mit englischem Geld französische Kassen füllen helfe. Außerdem fragte man, warum man Frankreichs politische Ziele in Mittel-und Südost-Europa begünstigen solle; Annex zu Simon an Botschafter Tyrrell, 16/12/ 1931, <i>DBFP</i>, 2. Ser., II, Nr. 314, S. 367 ff. Auf der anderen Seite betonte die Londoner Regierung aber unmißverständlich, daß ihr Anliegen die Verteidigung britischer Interessen sei. Sie werde daher Maßnahmen, die — wie die Abwertung oder die Schutzzölle — einen negativen Einfluß u. a. auf die deutsche (Reparations-) Zahlungsfähigkeit haben könnten, ergreifen, falls sie notwendig erschienen; s. Chappius, S. 238 f.Google Scholar
  24. 25.
    Beispiele sind die Handels- und Zahlungsabkommen. Wendt betont, daß die englische Regierung in harten geschäftsmäßigen Auseinandersetzungen ihre Ansichten durchbrachte (S. 286 f., 627, 273 ff., 190 ff.); an anderer Stelle (S. 330 ff.) führt er auf dieses Unterpfand der Appeasementpolitik die passive Reaktion in der Märzkrise 1936 zurück. Während Wendt im ökonomischen Bereich Appeasement mit Interessenwahrnehmung identifiziert, weist sein Appeasementbegriff im politischen Feld den Einschlag der „Verzicht“-Version im Sinne von Einzig und Churchill auf. Wendts Analyse bevorzugt die Wirtschaftszweige, die von der englischen Regierung Maßnahmen zur Sicherung ihres Anteils an den Importen Deutschlands verlangten (Kohle, Baumwoll- und Textilindustrie, Heringsfang) oder — wie die Gläubigerinteressen — guten Willen bezeugt wissen wollten, um von deutscher Seite Überweisungen zu erhalten. Will man den Einfluß von Interessengruppen und -bindungen auf die Außenpolitik abschätzen, muß man die konkurrierenden Einflüsse ins Bild setzen. Einige unter ihnen, wie die von deutschen Währungsmanipulationen betroffenen „shipping interests“, gehören traditionell zu den einflußreichsten „Lobbyisten“; sie standen in vorderster Front der Branchen, die die Regierung aufforderten, den Wettstreit mit Deutschland auf dem Gebiet langfristiger Exportkredite aufzunehmen, Schutz gegen deutschen Verdrängungswettbewerb (in Südamerika) zu gewähren usw. Diese „interests“ machten zur Voraussetzung für e. a., daß die von englischer Seite entwickelten Bedingungen der Außenwirtschaftspolitik, d. h. „Ottawa“, „Tariff Reform“ etc., und die Wahrung englischer Marktanteile das Richtmaß eines „Kompromisses“ bilden müßten. Diese Interessen fanden im DOT, Export Credits Guarantee Department, im BofT und in der T, vor allem in Parlamentarierkreisen, Gehör; s. z. B. Nixon, 16.1.1935, C 794/635/18, FO 371–18 869, S. 102 ff.; dagegen Ashton-Gwatkin, 15.2.1935, ebd. — Die economic appeaser bestritten, daß England auf dem Gebiet langfristiger Kredite zur Sicherung der persischen, russischen Märkte den Wettbewerb mit Deutschland erfolgreich bestehen könne, ferner, daß die deutschen „barter trade“-Methoden, Kompensations- und Clearing-Regelungen den englischen Außenhandel insgesamt ernsthaft gefährdeten. Denn auf anderen Märkten blieben englische Anbieter von deutscher Konkurrenz verschont. Aus der Sicht der economic appeaser war Deutschland als Abnehmer von BE-Produkten und englischen Erzeugnissen ein wichtiger Partner. Aber gilt das auch für den Maschinenbau, den Schiffsbau, für die von deutscher Konkurrenz bedrohten Industriellen in den Midlands? Damit soll nur angedeutet werden, daß man erst das Panorama wirtschaftlicher Interessen abschreiten muß, die Querverbindungen zwischen den Interessengruppen, Parlamentariergruppen, Ressorts usw. kennen muß, bevor man den Stellenwert von „economic appeasement“ in der englischen Aus-senpolitik bestimmen kann.Google Scholar
  25. 26.
    Zur Zeit der Vorbereitung der „working agreement“-Offerte (November 1935 bis Februar 1936) verlangte die FBI den Widerruf des Zahlungsabkommens. Das BofT lehnte dies unter Hinweis auf Vorteile („benefits“) für den englischen Außenhandel ab; FBI/Ramsden -BofT/Runciman, 16.12.1935 - 5.2.1936, FO 371–19 917, S. 117–119. — b) Da die Revision von Ottawa zum Kern der „economic appeasement“-Strategien gehört, die FBI und die Empire Industries Association (ca. 150 MP’s) aber strikt gegen eine Lockerung des „Protektionismus“ auftraten, ist keine Kooperation zu erwarten (s. Anm. III/221). c) Während der Verhandlungen über das Zahlungsabkommen bedauerte der Vorsitzende des Außenhandelsausschusses der FBI, daß die Regierung nicht auf den Vollmachten beharrte, die sie zur Errichtung des Clearing Office erhalten hatte; 21.9.1934 (in den FBI-Fachorganen publizierter Brief an Runciman). Wendt (S. 270 f., 250 ff.) spricht im Hinblick auf dieselbe Situation von „abgrundtiefem Mißtrauen gegen die deutschen Absichten“ und zitiert aus einem Brief Glendays die Vorbehalte der FBI gegen Schachts schlaue, amoralische patriotische Wirtschaftspolitik, d) Die FBI, die um die relativ rückständige Durchorganisiertheit der englischen Industrie wußte und die Widerstände in einer Reihe von Mitgliedsorganisationen gegen Verhandlungen mit Deutschland kannte, scheute eher vor den Risiken einer eigenständigen Wirtschaftsdiplomatie zurück. Die „economic appeaser“ (vor allem Lothian) hingegen hatten ein ausgeprägtes Missionsbewußtsein; als Anhänger einer anglo-ame-rikanischen „free trade“-Bewegung unterschieden sie sich von der FBI, der Wendt — zu Recht — eine anti-amerikanische Spitze unterstellt. Die vom Zahlungsabkommen begünstigten Branchen traten als „pro“-deutsche Gruppe auf; zum Beispiel erlebte die Wollindustrie Bradfords 1935 einen Aufschwung (<i>Times</i>, 8.1.1936, H. Pickles, Präsident der British Wool Federation). Die Abgeordneten dieser Region — Hep worth, E. Ramsden (Kons.), Holdsworth (Lib.), Leach (Lab.) — hatten (mit Ausnahme von Spears) in den Krisen 1935/ 36 Verständnis für den deutschen Verstoß gegen den Versailler Vertrag; ihre anti-französische Haltung könnte man — als Hypothese (!) — damit in Zusammenhang bringen, daß die Wollindustrie Bradfords unter der Konkurrenz französischer Fabrikate auf dem englischen Markt zu leiden hatte. Die Gründung der Anglo-German Fellowship ist eine Art „Dankesakt“ für das Zustandekommen des Zahlungsabkommens; auf die hier vereinten Interessen treffen die „economic appeasement“-Argumente zu; s. Tennant, <i>True Account</i>, S. 178 ff., 193 ff.; Wendt, in: Forndran, <i>Innen- und Außenpolitik</i>, S. 15, Anm. 20; ders., <i>Appeasement 1938</i>, passim.Google Scholar
  26. 27.
    Ashton-Gwatkin, 20.2.1935, zu C 1266/635/18, FO 371–18 869, S. 150: „full economic recovery is therefore impossible with Germany in her present state“; „for a lean Germany we have ourselves to pay by loss of trade.“— Leith-Ross’ Argumentation entstand im Zusammenhang mit der Debatte über die „Endregelung“ der Reparationsfrage. Er suchte die von Cunliffe-Lister sowie von der FBI geäußerte Befürchtung zu entkräften, daß die deutsche Konkurrenzfähigkeit durch eine Streichung der Reparationslast verbessert werden könnte. 1936/37 kam er auf die Forderungs-Struktur der Arbeitskräfte zurück (Masons Dokumentation bestätigt gleichsam im nachhinein Leith-Ross’ Gedankengang); freilich erreichte dieser „Faktor“ auf die deutsche Politik nicht die gleiche restringierende Wirkung wie im englischen Fall; Leith-Ross, Aufzeichnung über Gespräche mit Flandin, Rueff u. a. Dezember 1931/Januar 1932, 10.1.1932, C 273/29/62; im Zusammenhang s. Helbich, <i>Reparationen</i>, S. 84 ff.Google Scholar
  27. 28.
    Die „economic appeaser“ sowie Leith-Ross sahen in Industriellen-Gesprächen eines der Instrumente zur Durchführung ihrer Strategie. Von deutscher Seite lagen Anfragen vor, ob die englische Regierung Einwände gegen Marktteilungsabsprachen habe (Waley/T an Wigram/FO, 26.4.1935, C 3485/25/18; 4.5.1935, C 3722/25/18, FO 371–18 822). Beispielhaft für die Brückenbaufunktion ist ein der Wilhelmstraße zur Kenntnis gelangtes Memorandum englischer Privatbanken vom Juli 1936 zur Frage, welche Haltung England gegenüber Deutschland einnehmen solle: Kampf oder Verständigung? Sie plädierten für die Politik der kleinen Schritte („to start with nothing but piece-meal work“), auch im Fall der Kooperation „(no one can) relax in his efforts to maintain his strength and efficiency“. Sie gingen davon aus, daß die „Nazi moderates“ „Freihandel“ und Abrüstung (d. h. Rüstungsbegrenzung) gleichfalls als Leitbilder achteten; German Foreign Ministry Archives, 5841 H.Google Scholar
  28. 29.
    Vgl. MacDonald, <i>Economic Appeasement</i>, S. 106, 108 u. a. O.; Wendt, <i>Economic Appeasement</i>, S. 561 f., 305 ff.; ders., <i>Appeasement 1938</i>, S. 14, 90 f. — Unbestritten ist, daß die Kohleexport-, Baumwoll-, Textil-, zum Teil die Chemieinteressen und Citybanken, die von der Unterbrechung des Handels mit Deutschland empfindlich getroffen werden konnten bzw. wurden (1934), zu den Trägergruppen der Anglo-German Fellowship und des in der Märzkrise 1936 gegründeten German Trade Development Board gehörten (<i>Times</i>, 1.4. 1936, S. 11). Das Interesse der City ist von Wendt ausführlich beschrieben und geklärt worden. Ebenso steht aber auch fest, daß BofT, T, DOT, Mof A die protektionistischen Interessen als ihre „constituency“ behandeln und berücksichtigen mußten. Wendt kennt und schildert diese Widerstände — S. 250 ff., 270 ff. u. a. O., ders., <i>Appeasement 1938</i>, S. 57 ff. Wo liegt dann der Spielraum für economic appeasement?Google Scholar
  29. 30.
    Gemeint sind die Politiker, Journalisten und Geschäftsleute, die sich wirtschaftlicher Daten und Kontakte bedienen, um politische Ziele zu erreichen; s. generell Klaus Hildebrand, „British Interests“ als Staatsräson, <i>Mitteilungen der Gesellschaft der Freunde der Universität Mannheim</i>, XII, 1973; ders., in: <i>HZ</i>, 221, S. 623–639. Tennant und andere Gründer der Anglo-German Fellowship erwarteten von wirtschaftlichen Beziehungen eine „Mäßigung“ des Systems. In den politischen Fragen wollten sie Deutschland weiter entgegenkommen als die economic appeaser im FO. Die Bedeutung dieser wirtschaftlichen Interessenverknüpfungen soll nicht unterschätzt werden, zumal Mitglieder der Anglo-German Fellowship wie Beharreil (FBI), Leverhulme, D’Arcy Cooper und Courtauld von Chamberlain nach „München“ in den 6er Ausschuß „to receive representations as to any delays, defects or difficulties in supply or production under the rearmament programme“ berufen wurden. Sie gehörten zur Führungsschicht des wirtschaftlich-politischen Establishment. Die Frage ist, ob sie ihre Deutschlandpolitik unter den Gesichtspunkten der economic appeaser (FO-Gruppe) betrieben.Google Scholar
  30. 31.
    Siehe die Kritik von Wendt (in: <i>MGM</i>, 1977/1) und Niedhart (<i>Großbritannien und die Sowjetunion</i>, S. 15 ff.) an den Arbeiten von M. George, Rothstein und an sowjetischen Deutungen der Appeasementpolitik.Google Scholar
  31. 32.
    Diese Auffassung ist auch der Ansatzpunkt der Arbeiten von Wendt und Shay, zum Teil auch von Niedhart, s. Anm. III/254, 282, 60–62, 74.Google Scholar
  32. 33.
    Siehe unten Kap. IV/1 und IV/6 (zu Weir, Chamberlain).Google Scholar
  33. 34.
    Der Verf. plädiert dafür, „economic appeasement“ — als Strategie — auf Handlungen und Aktionsprogramme zu beschränken, für die das zutrifft. Außer für die im Folgenden ausführlicher behandelten Gruppen gilt das für N. Chamberlain, Inskip, Weir, Brown, K. Wood, Simon; für sie sind gesellschaftspolitische und wirtschaftsordnungspolitische Aspekte gleichfalls zentral. Aber anders als die economic appeaser, deren Strategie sogleich behandelt wird, stellen sie wirtschaftliche Entspannungsaktionen („economic disarmament“) zurück. Für die e. a. gilt: „the real programme of recovery must cover international peace and the restoration of international trade as well as industrial reconstruction at home.“ Lothian an Lloyd George, 20.12.1934 (über das Conquering Prosperity-Programm Lloyd Georges), <i>GD</i> 40–17, Bd. 283, S. 360. Diese Zielformulierung ist verbindlich für die „centre left“-Bewegungen, weniger für die „Achse“der Regierungskoalition.Google Scholar
  34. 35.
    Zu den Beziehungen Schacht/Norman s. Wendt, passim; Clay, S. 452 f.; betr. FBI/RdI: Wendt, S. 522 ff., 540 f., 561 ff.; s. auch Anm. III/28, 106. Als Beispiel für das Interesse eines City-Bankiers an der Gewährung von Krediten an Deutschland („genuine short term finance of trade“) s. Holland-Martins Kommentar zum Warburg-Plan, 10.4.1933, C 3553/ 62/18, FO 371–16 694, S. 405. Zum Warburg-Plan s. Kindleberger, S. 216 f. Als Anhänger einer „frei(er)en“ Weltwirtschaft verfolgten die e. a. Wirtschaftsinteressen. Davon ausgehend, daß England und die USA 1) als führende Industrienationen auf den Export ihrer Produkte ebenso wie auf Rohstoffimporte angewiesen waren, 2) als kapitalistische Wirtschaftsgesellschaften Anlage- und Reproduktionsmöglichkeiten suchen mußten — zum Teil in Zusammenhang mit 1) — traten sie dafür ein, daß andere Staaten a) den Handels- und Kapitalverkehr möglichst wenig „künstlich“(„politisch“) behinderten, b) der Lebensstandard gehalten wurde oder mit dem Kapital- und Warenverkehr anstieg. Die Vorstellungen ähneln dem „open door“-Imperialismus C. Hull’s. Lothian wünschte wegen der gemeinsamen Interessen und Ideologien die englisch-amerikanische Zusammenarbeit zu fördern; Lothian an Jones, 15.2.1928, <i>GD</i> 40–17, Bd. 228, S. 288; Hull/Lindsay, 21.7.1936, BT 11–589.Google Scholar
  35. 36.
    Leith-Ross und die economic appeaser im FO sahen den Aufschwung seit dem Sommer 1936 als Anknüpfungspunkt. Die von ihnen gemeinsam ausgearbeiteten und durch ein Interdepartmental Committee on Trade Policy geschleusten Vorstellungen wurden im Juni 1937 zwar im Kabinettsausschuß beraten, doch die einbrechende Roosevelt-Depression seit dem Herbst 1937 beeinträchtigte die Ausführung des „Programms“ (s. unten, Kap. III/ 7u. 8). Neben der Aufschwungphase des Welthandels, die den Vorstoß begünstigte, stand das gesellschaftspolitische Thema „Lebensstandard“ im Zentrum. In EngJand stand die Entscheidung über die Autorisierung der ersten Verteidigungsanleihe zur Debatte (s. unten, Kap. IV/6); s. Anm. III/254, 282. Im Kabinett und in den interdepartmentalen Gesprächen dominierte die Ansicht (Eden, Vansittart, zum Teil Chamberlain), daß Deutschland in wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecke. Man könne und müsse von Deutschland politische Vorleistungen verlangen; s. Kap. III/C.Google Scholar
  36. 37.
    Ashton-Gwatkin hatte — schon als Unterhändler bei den regelmäßigen Treffen im Rahmen des Zahlungsabkommens — Verbindung zu Interessengruppen. In Interviews (November 1965) berief sich Ashton-Gwatkin auf seine Presselektüre, auf generelle Kenntnis der englischen Wirtschaftsstruktur und auf den Informationsaustausch mit dem BofT. Zwischen Ashton-Gwatkin/Jebb und den Spitzenkräften der FBI-Bürokratie bestand ein Informationsaustausch. Glenday wurde hinzugezogen zur Ausarbeitung der Richtlinien für die Berichterstattung dir Botschaften an die Economic Section des FO (s. Anm. III/46). A. G. Glenday, Chief Economic Adviser der FBI, teilte die Annahme von Ashton-Gwatkin, daß sich der Rahmen für englisch-deutsche Interessen-Arrangements erweitern lasse und daß Deutschlands wirtschaftliche Schwierigkeiten — schon wegen der Rückwirkungen auf die nicht-europäischen „primary producers“ — für England von Nachteil wären; s. auch Anm. I/183 betr. Japan; Holland, <i>Capitalism</i>, S. 8.Google Scholar
  37. 38.
    Zum Versuch der economic appeaser, aus Hoares Genfer Rede Kapital zu schlagen, s. unten, Kap. III/C. Der Morton-Plan (Jones, <i>Diary with Letters</i>, S. 220 f.) und Lothians Vorschläge (s. Anm. III/41) wären weitere Beispiele. Wendt hat gezeigt, daß die zeitlich begrenzten Bestimmungen des Versailler Vertrages, die den Siegermächten einseitige Vorgaben zu Lasten des deutschen Wiederaufstiegs als Wirtschaftsmacht auferlegten, das wirtschaftliche Beziehungsgeflecht nachhaltiger änderten als die wirtschaftspolitischen Maßnahmen (Safeguarding of Industries Acts, Key-Industries Acts).Google Scholar
  38. 39.
    Lothian an Lord Meston, 11.3.1936, <i>GD</i> 40–17, Bd. 310; Lothian an Lloyd George, 11.1. 1935, ebd., Bd. 293; Lothian, Socialism and Peace (gegen 1934 Labour Manifest, Bd. 439 (Parteitagsrede National Liberal Federation); Lothian, Liberal Policy, 7.9.1933 (veröffentlicht März 1934, Parteiprogramm), <i>GD</i> 40–17, Bd. 147; Lothian an Hirst, Juli 1937, Bd. 347. Zur Kritik an diesen Anschauungen s. H. D. Henderson, Anm. III/75.Google Scholar
  39. 40.
    Lothian, 19.2.1933, <i>Observer</i>. Hierbei handelt es sich um die Kurzfassung eines Memorandums, das er — gestützt auf Gespräche in den USA — an Chamberlain, Runciman, Baldwin, Simon, Hankey, W. Fisher, Vansittart, H. D. Henderson verschickte. Unter dem Titel „American Debt Negotiation“ setzte es die Kritik an „Ottawa“ und an den Schutzmaßnahmen für nationale wirtschaftliche Überkapazitäten fort; 16./17.2.1933, Bd. 200; zur Rücktrittsrede wegen des Ottawa-Abkommens s. Anm. III/55. — Lothian an Hirst, Juli 1937, Bd. 347: Die Ära des einseitigen (englischen) Freihandels sei vorüber. — Lothian und Ashton-Gwatkin verschrieben sich zwar gleichfalls der „4–5 Welten “-Doktrin (Lothian an Buell/Fo-reign Policy Association, The Empire and Free Trade, 28.5.1930, Bd. 431, S. 147–150), verlangten aber eine wirkliche Freihandelszone und nicht — wie „Ottawa“ — Pakte zwischen protektionistischen Regierungen, die sich gegeneinander ebenso wie gegen Dritte abschlössen. „Imperial preference“ sei nicht durch Zollabbau, sondern durch Anhebung gegenüber Drittländern und geringfügige Präferenzen an die Ottawa-Partner erfolgt; das System bewahre alte Strukturen und räume der „Politik“ das Sagen in der Wirtschaft ein.Google Scholar
  40. 41.
    Die von Garvin (<i>The Economic Foundations of Peace</i>, London 1919, veröffentlicht am Vorabend des Fontainebleau-Memorandum!, s. die Habil.-Schrift des Verf.) entwickelten Vorstellungen erlebten in den dreißiger Jahren eine „Renaissance“. Das Buch empfahl die Grundzüge einer „gerechten“ Friedensordnung. Falls sich hingegen die französische Sicherheitspolitik durchsetze, sagte Garvin für die dreißiger Jahre eine Entwicklung voraus, wie sie dann eintrat. — Zum „Rapallo-Komplex“ als Element der „economic appeasement“-Poli-tik s. Anm. III/13. — Lothian, März 1936, <i>Round Table</i>, S. 229–238, „The Roots of Our Present Discontent.“ Die e. a. hielten an der Position fest, die N. Chamberlain am 14. März 1933 im Unterhaus in Anknüpfung an die Dawes-Locarno-Ära formuliert hatte: Britische Hilfe an Deutschland würde nicht nur der deutschen Wirtschaft helfen, sondern dazu beitragen, die Probleme in der übrigen Welt zu vermindern. Reduziere man die Rückwirkungen der deutschen Zahlungsunfähigkeit, dann würde der wirtschaftliche Druck, der auf anderen Ländern laste, entsprechend nachlassen. Dies Zeugnis gehört in den Zusammenhang der Bemühungen, im Vorfeld der Weltwirtschaftskonferenz die Schuldenfrage aus der Welt zu schaffen, d. h. die USA aufzufordern, die Lausanner Regelung durch einen Beitrag zum Schulden-Problem zu ergänzen. Vgl. auch Anm. III/437, 439.Google Scholar
  41. 42.
    Siehe unten, Kap. III, Abschn. 7, 8 und Anm. III/ 54 ff. — Diese Funktion stempelt economic appeasement auf den ersten Blick zu einer gegen die Sowjetunion gerichteten, liberalkapitalistischen Strategie; vgl. Levin, <i>Woodrow Wilson and World Politics</i>, Oxford 1968 (Garvins Vorschläge knüpften an Wilsons wirtschaftliche Friedenszielproklamationen an). Antibolschewistische Untertöne sind unüberhörbar. Entscheidender ist jedoch, daß die Einschätzung der „roten Gefahr“ sich mit dem Urteil über die Chancen eines deutschen Zugriffs auf das russische Potential veränderte; s. dazu die Analyse der Politik Lloyd Georges durch den Verf., in: „<i>Wozu noch politische Geschichte1“ ?</i> — Die Rohstoff-Frage hatte — aufgrund unterschiedlicher Strukturen des Welthandels — nach dem Ersten Weltkrieg einen anderen Stellenwert als in der Diskussion der letzten Jahre. Die wichtigsten Orientierungsdaten enthält Joachim Hütter, <i>Einführung in die internationale Politik</i>, Stuttgart usw. 1976, S. 84 ff., 100, 117.Google Scholar
  42. 43.
    Leeper, 26.6.1936, zum Hall-Scheme, FO 371–19 931, S. 323; Eden-Marginale: „I agree“.Google Scholar
  43. 44.
    Der Terminus Generalstab bringt zum Ausdruck, daß dieses Amt die Ausarbeitung der außenpolitischen Strategie der Regierung beanspruchte; „Sargent-Chain“ (s. u.) und Eden-Memo., „Economics and Foreign Policy“ (17.3.1937 an N. Chamberlain, W 6363/5/50, FO 371–21 215) sind die Hauptzeugnisse dieser „Generalstabsarbeit.“ Der im 2. Kapitel vorgestellte Strategiebegriff entspricht den Vorstellungen des „Generalstabs“. Die faktische Zuständigkeit der Economic Section wurde freilich von Beginn an durch den Einspruch der T, des BofT und des Premierministers, aber auch der Amtsleitung des FO eingeengt. Das BofT zeigte sich kooperationswilliger (hinsichtlich des Informationsflusses, nicht: der inhaltlichen Konzeptionen), während die Bank von England und die T den „Laien“ im FO die Kompetenz bestritt, über die großen Linien der Außenwirtschaftspolitik mitzubefinden; s. Anm. III/542. Zur Genesis s. W 2128/441/50, FO 371–15671; Henderson an MacDonald, 13. und 20.3.1931, ebd. — Wellesley, der im Ersten Weltkrieg ähnliche Vorschläge unterbreitet hatte, lehnte die Übernahme des Postens ab, nachdem seine Bedingungen — Unterstellung der wirtschaftlichen Seite der Völkerbundsabteilung und des Dominion Department unter seine Oberaufsicht — abgelehnt worden waren; er blieb Deputy Under-Secretary im FO (1925—36) und war zuständig für Fernostfragen. Wellesley, A Proposal for the Establishment of a Politico-Economic Intelligence Department in the FO, 1. 12.1930, W 2306/441/50, FO 371–15671, bes. S. 29 f. Wellesley erblickte in der Tätigkeit Ritters im AA eine relativ gelungene Synthese von „Economics and Foreign Policy“. Das nach 1917 geschaffene Department of Overseas Trade wertete Wellesley als Mißgebilde. Der Generalstab sollte mehr sein als das DOT. Statt auf „commercial intelligence “ -Service-Leistungen eingeengt zu sein, sollte der Generalstab alle für die Wahrnehmung nationaler Interessen relevanten Informationen koordinieren und den Außenminister so beraten, daß er zum effizienten Sachwalter Englands in einer von Wirtschaftsfragen bestimmten Weltpolitik werden könne.Google Scholar
  44. 45.
    Wellesley, 8.5.1931, FO 800–283, S. 329. Wellesley sieht in der Unvorbereitetheit der englischen Politik auf die Nachricht vom deutsch-österreichischen Zollunionsprojekt ein Beispiel für die Notwendigkeit, das Politico-Economic Intelligence Department einzurichten; ähnliche Überraschungen würden England dann erspart bleiben.Google Scholar
  45. 46.
    Die Ausarbeitung der Instruktionen, an die sich die Botschaften in ihrer Berichterstattung halten sollten, erfolgte erst 1934. Den Botschaften fehlte das Personal, um die Anforderungen zu erfüllen. Die Economic Section wurde vom Tagesbetrieb so stark beansprucht, daß nur das Kompendium „Economic Survey“ (1934) erstellt werden konnte. An der Ausarbeitung der Richtlinien waren beteiligt: King-Hall und Toynbee (Royal Institute of International Affairs), Glenday (FBI), Clay (Bank of England), H. D. Henderson (von Mac-Donald bestellter Leiter des Economic Advisory Council); FO 371–17 318, S. 96. — Standing Inter-Departmental Committee on Economic Information, 18.-23.5.1934, W 4907/ 293/50, FO 371–15 487. Zu Ashton-Gwatkins Klagen, nicht zur eigentlichen „Stabs“-ar-beit zu kommen, s. 5.1.1933, W 278/278/50, FO 371–17 318, S. 94 ff.Google Scholar
  46. 47.
    Ashton-Gwatkin, Economic Survey, W 6928/1195/20, FO 371–18 497, S. 306–376A; Wellesley-Memo., 1.12.1930, s. Anm. III/44. — Die wirtschaftstheoretischen,-historischen und -politischen Auffassungen — betr. Rationalisierung, Prävenire gegen Gefahren wirtschaftlichen Zusammenbruchs u. a. —, von Wellesley entwickelt, bleiben für Ashton-Gwatkin und Jebb verbindlich; Wellesley selbst ist nicht als „Appeaser“ Deutschlands (wohl aber Japans) einzustufen. — Im Grundriß sind vor allem Lothians Vorstellungen vor 1933 entwickelt (s. Anm. III/55, 62, 74). Je deutlicher Lothian die Gefahren eines gewaltsamen deutschen Vorgehens gegen den territorialen Status quo werden, desto stärker treten in seiner politischen Aktivität die „economic appeasement“-Vorschläge ins zweite Glied (seit Mitte 1936, besonders anläßlich des Berlin-Besuchs im Mai 1937). Die wirtschaftspolitische Ausgangsposition ihrer Strategie ist die Auffassung, daß England mit den Importrestriktionen vom November 1931/Februar 1932, die Deutschland die letzte Tür vor der Nase zuschlugen, und „Ottawa“ die deutsche Lage ausweglos gemacht habe. England habe zwar nicht den deutschen Bankrott verschuldet, aber mit der Abwertung und dem Schutzzoll Verhältnisse geschaffen, unter denen der Aufstieg des Nationalsozialismus Fortschritte machen konnte; Ashton-Gwatkin, Notiz für Leith-Ross, 10.3.1938, FO 371–21 701; s. auch Wendt, S. 60 ff.Google Scholar
  47. 48.
    26.11.1931, W 12 949/12 949/198 (Sargent); 2.12.1931, Cab. 23–69; Gilbert, <i>Roots</i>, S. 130 ff.Google Scholar
  48. 49.
    Siehe Anm. III/48. Ashton-Gwatkin kam auf diese „Niederlage“ im Rückblick — Notiz für Leith-Ross, 10.3.1938, FO 371–21 701 — zusprechen.Google Scholar
  49. 50.
    C. P. 4(32), 1.1.1932 (Vansittart); 1. Fassung, 15.12.1931. — Wellesley fand es grotesk, daß ausgerechnet England, das im Zentrum der Handels- und Finanzbeziehungen der Welt stehe, in dem Moment die Abrüstungsfrage — aus innenpolitischen Gründen — in den Vordergrund rückte, in dem die Finanzordnung in Mitteleuropa und in England zusammenbrach. Der Disput über die Rang- und Reihenfolge „political approach/military disarmament“ oder „economic disarmament/economic appeasement“ blieb für die dreißiger Jahre grundlegend. Zur „economic disarmament“-Konvention 1927/28 und Hen Bemühungen um einen „tariff truce“ s. Arndt, <i>Economic Lessons</i>, S. 230, 235; Rass, <i>Deitische Außenpolitik</i>, S. 175 ff.; Skidelsky, <i>Politicians</i>, S. 172 f., 276, 314 f.; Kottmann, <i>Reciprocity</i>, S. 39ff.;T 160–537, F 13017/017/1–2 (26.4.1933–4.4.1934); Schröder, in: Knapp/Link <i>Deutschland und die USA</i>, S. III ff.; Boyce, <i>Britain’s First,No‘</i>S. 24 ff., 29 ff.; ders., <i>Triumph</i>, S. 63 ff.Google Scholar
  50. 51.
    Betr. Rationalisierung/internationale Kartelle s. Anm. III/92 ff. — Mitte der zwanziger Jahre richtete das Royal Institute of International Affairs — als Nachwirkung des Zusammenhangs Dawes-Abkommen/Locarno — eine „economic study group“ ein, die die wirtschaftlichen Aspekte der internationalen Beziehungen untersuchen und in die Forschungsarbeit des Chatham House integrieren sollte. Zu den treibenden Kräften gehörten — neben L. Curtis, der,grauen Eminenz’ englischer Politik — Lothian and Th. Jones; Briefwechsel, 24. 6.1925, Jones und Lothian, Jones-MSS., Class W, Bd. 13, Nr. 66/67; Class E, Bd. 7, Nr. 48 (Vorschlagsliste für Mitwirkende). Vorbild war das Institute of International Politics in Williamstown unter Leitung von Garfield; L. Curtis an Jones, 20.8.1922, Jones-MSS., W/1, Nr. 118. Im Zusammenhang der Gespräche mit Botschafter Houghton über die englischamerikanischen Dispute über das Kautschuk-Kartell (Stevenson/Rubber-Scheme) wird von Lothian das Thema „international planning“ angesprochen, ohne inhaltlich greifbar zu werden.Google Scholar
  51. 52.
    Sargent, 10.12.1931, C 92/172/62.Google Scholar
  52. 53.
    Ashton-Gwatkin, 24.7.1936, C 5685/99/18, FO 371–19 934, Aufzeichnung über Gespräche mit Direktoren der Reichsbank. Ashton-Gwatkin weilte regelmäßig zu den Standstill-Agreement-Gesprächsrunden in Berlin (s. dazu im einzelnen Wendt). Ashton-Gwatkin fühlte sich in seinen Analysen durch die Beobachtungen „vor Ort“ bestätigt. Er empfahl, Leith-Ross zu Gesprächen nach Deutschland zu entsenden. Er wollte, daß England indirekt in die Auseinandersetzungen zwischen „moderates“ und Autarkisten eingriff. Deutschland wünsche wirtschaftliche Hilfe von außen und sei zu Entgegenkommen in der Rüstungsfrage bereit; s. unten, Kap. III/C. Lothian „timte“ seine Deutschland- und Nordamerikareisen — Herbst 1934; Ende 1935; vor der Imperial Conference 1937 — so, daß sie auf den Verlauf wichtiger Konferenzen oder Initiativen noch einwirken konnten (s. dazu Anm. 1/401, 402 u. Anm. III/217 ff.). Für Lothian gehörten „political truce“ (fünf- bis zehnjährige Stillhalteabkommen in Rüstungsfragen und Fortgeltung der Verträge) und „economic disarmament“ eng zusammen. In seinen Gesprächen in Berlin betonte er stärker die politisch-psychologischen Aspekte, in den Kanada/USA-Gesprächen mehr den Zusammenhang von wirtschaftlicher Kooperation („North Atlantic Triangle“) und Sicherheitsfragen. Die Theorie des e. a. ist von ihm am weitesten auformuliert. Als selbstgekürter Außenminister eines „liberalen“ England und insofern als Partner für Hull und M. King galt sein Engagement dem liberalen Wirtschaftsblock als Basis für economic appeasement.Google Scholar
  53. 54.
    Jones, <i>Diary with Letters</i>, S. 175 ff., 220 ff., 240 ff. Die Forderung lautete: „lay out a new plan of (a kind) that would aim at anticipating what are the obvious future needs and demands of Germany, making them so fair and comprehensive that they would disarm the Germans by their generosity.“ Jones sah als Hebel wirtschaftlicher Kooperation einen Vorstoß in der Rohstoff-Frage im Anschluß an Hoares Genfer Rede vor. Jones stand in Kontakt zu den pro-deutschen Wirtschaftsgruppen (Tennant), zum Hall-Studienkreis; er war als ehemaliger Kabinettssekretär immer noch „in the centre of things“.Google Scholar
  54. 55.
    Siehe Anm. III/53, 62, 74, 39, 40; zu Lothian s. Cowling, S. 133 ff.; Butler, S. 215 f. Die grundsätzlichen Schriften sind: The economic role of Liberalism, in: <i>Spectator</i>, Oktober 1934 (gegen Cripps’ „Socialist League“ und Elliots „Agrarbolschewismus“); Where are we going?, <i>Round Table</i>, März 1930, S. 217–241, GD 40–17, Bd. 429, S. 627–687; Besprechung von H. Dalton, Practical Socialism, in: <i>Politica</i>, Juni 1935; <i>Liberalism in the Modern World</i>, 1933; <i>The Industrial Dilemma</i>, 1926; Liberalism and Labour, in: <i>New Statesman</i>, 1935; Can we learn from America?, in: <i>The Nation</i>, 1926; Artikelserie über die USA in: <i>Observer</i>, 4.-25.3.1928; The Eclipse of democratic civilisation, Oktober 1933, in: <i>Contemporary Review</i>, H. 814. Ins Tagespolitische gewendete Schlußfolgerungen aus der Stufentheorie sind u.a.: Letter to the Editor of the <i>Times</i>, 11.2.1936; HofL, 19.2., 6.2.1936; Artikel im <i>News Chronicle</i>, 16.6.1936; 9.11.1932, HofL, Bd. 85, Sp. 1163–1172 (Rücktrittserklärung aus der Regierung wegen „Ottawa“); 24.5.1933, HofL, Bd. 87, Sp. 1019–1025 (zur Weltwirtschaftskonferenz und „Ottawa“). Seine Vorstellungen brachte er u. a. ein in das Manifest des Council of Action for Peace and Reconstruction vom September 1935 und in die Resolution des Council of Action vom 9.3./11.3.1936. Die Schlußfolgerungen sind: 1) „Ottawa“ stehe der Internationalisierung des Handels ebenso im Wege wie das.Autarkiestreben“ der Kleinstaaten (Polen) oder die deutsche Devisenbewirtschaftung. Er kämpfe besonders gegen Elliots wirtschaftlichen Nationalismus an (Socialism and Liberty, Parteitagsrede 1934). Je mehr das BE zum geschlossenen Handelsstaat werde, desto größer werde die Gefahr des Konflikts mit den anderen Großraumverbänden (C. Hull-These); 2) die engliche Aufrüstung müsse durch „conciliation“-Initiativen ergänzt werden; 3) die Mauern der wirtschaftlichen Isolation müssen abgebrochen werden; 4) Wiederbelebung der „appeasement“-Aspekte in Hoares Rede — internationale Weltwirtsch afts-(Rohstoff-)konferenz; 5) man müsse das gemeinsame Interesse an der Hebung des Lebensstandards ansprechen und Hitler auf diesen Weg bringen (s. Anm. III/282); 6) Die Lösung wirtschaftlicher Fragen, nicht die Bildung eines „international war office“ („System kollektiver Sicherheit“/Reaktivierung des Genfer Protokolls), sichere den Frieden (Garvin-These); 7) der entscheidende Ansatz zur Lösung der Krisen sei „freierer“ internationaler Handel; hier müsse England das von Hull prononcierte Interesse nutzen (s. Anm. III/215).Google Scholar
  55. 56.
    Barrington-Ward, Leitartikler der <i>Times</i>, ist Mitautor des Hall-Scheme, An International Policy for the British Empire, Jones-MSS., E/l, Nr. 10; über ihn s. Liddell Hart, <i>Memoirs</i>, passim, und die Bibliographie von D. Maclachlan, <i>In the Chair</i>.Google Scholar
  56. 57.
    E. H. Carr, 1936, Antrittsvorlesung (Wilson-Chair, University of Wales), 14.10.1936, Public Opinion as a Safeguard to Peace, in: <i>International Affairs</i>, XV, S. 846–862; League of Peace and Freedom, in: <i>International Affairs</i>, XIV, 1935; ders., <i>Conditions of Peace</i>, 1942. Carr war „deputy head“ der Southern Section des FO und wie O’Malley Advokat des Versuchs, Deutschland in Mittel- und Südost-Europa freie Hand zu geben sowie die englische Politik auf Westeuropa/BE zu konzentrieren; dies entsprach der politischen Linie Lothians. Zu Carr’s Tätigkeit im FO als Antipode Vansittarts s. Newman, The Origins of Munich, in: <i>HJ</i>, XXI/2 (1978), S. 378 ff.Google Scholar
  57. 58.
    Harold Butler, Direktor des International Labour Office in Genf, war ais Repräsentant des gut beleumdeten Zweiges des Völkerbundes eine Schlüsselfigur in dem Versuch, über die Frage des „Lebensstandards“ die Brücke zwischen Demokratien und Diktaturen zu schlagen (s. McDougall-Plan). Butler trat in der März-Krise 1936 aufgrund seiner Gespräche mit Schacht an Eden heran. Er kritisierte die französische Politik und regte die Erörterung der Rohstoff-Frage an, 14.3.1936, C 2213/99/18, FO 371–19 932, S. 294 ff., 197 ff.; C 2140/ 99/18, ebd. Jebb und Ashton-Gwatkin (25726.3.1936) griffen die Anregungen sofort auf, Vansittart disqualifizierte sie als „Unsinn“. Eden stützte seinen Vorstoß gegenüber BofT und T (17.7.1936) auf Butler’s und Hall’s Vorschlagspakete; FO 371–19 934, s. unten, Kap. III, Abschn. 8; vgl. Wendt, S. 324 ff.Google Scholar
  58. 59.
    G. Cassell (Cobden-Club-Lecture) „From Protection through Planned Economy to Dictatorship“, 10.5.1934, im Lothian-Nach laß, mit Begleitbrief von Sinclair an Lothian, 18.5. 1934, GD 40–17, Bd. 278, S. 770 f. Lothian fühlte sich vom Titel angesprochen; die Rede selbst konzentriert sich auf währungspolitische Fragen.Google Scholar
  59. 60.
    Einzelne Elemente der Stufentheorie werden auch von anderen Politikern, Publizisten, Wirtschaftsführern vertreten; unter den Kabinettsministern stand Inskip diesen Auffassungen nahe. Vor der Ernennung zum Minister for the Coordination of Defence hatte er in der Unterhausdebatte über einen Antrag der Labour Party, in dem der Konnex zwischen internationaler Kooperation und Sozialisierung im Innern betont wurde — 9.12.1935, Bd. 307, Sp. 589/590 —, auf Widersprüche im Labour-Parteiprogramm hingewiesen; er nahm dabei die Argumentation vorweg, die er in seiner ersten Rede als Koordinationsminister — 29.5.1936 im Unterhaus — gegen Churchills Plädoyer für Notstands-bzw. Ermächtigungsgesetze im Hinblick auf die Beschleunigung der englischen Aufrüstung vorbrachte. Inskip kontrastierte die englischen demokratischen Verfahrensweisen mit planwirtschaftlichen Eingriffen. In polemischer Absicht unterstellte er „Sozialismus“ das Abgleiten in das „russische“ System; dies sei gleichbedeutend mit sinkendem Lebensstandard und Verschlechterung der Aussichten auf internationale Entspannung. Sozialisierung heiße Nationalisierung der Industrien und damit Abkapselung von der Außenwelt. Ginge England zum Sozialismus über, dann gebe es in der Welt nur noch wirtschaftlichen Nationalismus. Die englische Abkehr vom „Weltmarkt“ würde bedeuten, daß die „overlapping interests“ mit anderen Staaten als Operationsbasis englischer Mittler-Strategie entfielen. England dürfe also im Interesse der Erhaltung des Weltfriedens nicht zum Sozialismus greifen. Gegenüber Churchills Plädoyer für ein Ministry of Munitions/Supply argumentierte er, das würde eine Anpassung an die deutsche Wehrwirtschaft bedeuten. Die rohstoffimport- und exportabhängige englische Wirtschaft könne sich Nationalisierungsdekrete — zu welchem Zweck auch immer — nicht leisten. Inskips Argumentation gleicht den „Analysen“ und Schlußfolgerungen Lothians. Zu den Beziehungen zwischen Lothian/Jones und Inskip s. Jones, <i>Diary with Letters</i>; Gilbert/Gott, <i>The Appeasers</i>; Gilbert, <i>Roots</i>.Google Scholar
  60. 61.
    Der Begriff „Stufentheorie“ wird hier gewählt auch in Entsprechung zu den Thesen von Hillgruber, Hildebrand, Henke u. a. über Hitlers Außenpolitik und die Etappen der deutschen Englandpolitik. Trotz der Kritik an Hillgrubers Konzeption hält der Verf. die Rekonstruktion von Strategien als Arbeitsschritt für unverzichtbar. Die Stufentheorie ist freilich nicht mit dem Fernzielprogramm englischer Außenpolitik identisch — schon deshalb nicht, weil in der englischen Politik nicht die Strategie einer Gruppe als Dominante gelten kann.Google Scholar
  61. 62.
    Die „klassischen“ zusammenhängenden Zeugnisse sind: Lothian, The Roots of Our Present Discontent, <i>Round Table</i>, März 1936, S. 229–238; vgl. Europe at the Cross-Roads, Juni 1926, <i>Round Table</i>, XVI, S. 490 ff. — Lothian, The Economic Role of Liberalism, in: <i>Spectator</i>, Oktober 1934; Lothian an Lloyd George, 11.1.1935, <i>GD</i> 40–17, Bd. 293; Lothian an Rathbone, 4.9.1935, Bd. 113; Lothian, 1.10.1935, Columbia Broadcasting, Bd. 300; Lothian an P. Duncan, 9.3.1933, Bd. 263; Lothian an Flexner, 13.2.1933, Bd. 263; Lothian, Dezember 1934, <i>Nationalism, Socialism, and the Liberal Mind</i>, Rede im Eighty Club, <i>GD</i> 40–17, Bd. 440; s. auch Butler, S. 216 (Lothian an Lyttelton, 17.12.1936); vgl. H. V. Hodson (Wirtschafts-Editor des <i>Round Table</i>), Diskussionsbeitrag, in: <i>International Affairs</i>, XV, S. 873. F. Ashton-Gwatkin, 21.12.1936, gedruckt als Annex 3, in: Gilbert, Roots, S. 212–214. — Sie führen Ideen und Aktionsprogramme fort, die in der Vorphase der Weltwirtschaftskonferenz als Diskussionspapiere gedient hatten; s. dazu Anm. III/65.Google Scholar
  62. 63.
    Im Folgenden handelt es sich um eine Zusammenfassung von Deutungsmustern, die im Kontext einer Selbstbesinnung des Liberalismus angesichts der doppelten Herausforderung durch Kommunismus/Staatssozialismus und Faschismus/Nationalsozialismus entstanden. Die Kritik am Staatsinterventionismus beschränkte sich nicht auf die Einengung individueller Handlungsspielräume in der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik, sondern erstreckte sich ebenso auf die krisenhafte Situation der Weltwirtschaft und Weltpolitik. Das Eingreifen des Staates habe aus Anpassungsschwierigkeiten „Handelskriege“ gemacht. Die „liberale Internationale“ im Übergang von den zwanziger zu den dreißiger Jahren und die Verbindungslinien zur Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg können hier nur als Thema angedeutet werden. Für Lothian, Jones und Asthon-Gwatkin sind die Arbeiten von und Kontakte mit M. J. Bonn, L. von Mises, F. Hayek, W. Lippmann (besonders „The Great Society“) bedeutungsvoll. In J. W. Dafoe — <i>Public Opinion and World Politics</i>, 1933; 16.5.1932, Ottawa and World Trade, in: Baldwin-MSS., Bd. 98, S. 93–104 — sowie in der Foreign Policy Association hatten sie „Brückenköpfe“ in Kanada (M. King) und den USA (C. Hull). Die Schriften von J. A. Salter — besonders <i>Recovery, the Second Effort</i>, 1932; <i>The Causes of War</i> (Hrsg.), 1932; <i>The World’s Economic Crisis and the Way of Escape</i>, ed., 1932; <i>Political Aspects of the World Depression</i>, 1932; <i>The Framework of an Ordered Society</i>, 1933 — waren wichtige Orientierungspunkte für Lothian; s. Anm. III/13.Google Scholar
  63. 64.
    Williamstown, Institute of Politics, Lectures Programme „World Economic planning“, 1931, 1932, 1933, „to focus attention upon the great central question of economic organisation and the possibility of planning the economic activities of nations with a view to maintaining an equilibrium and to avoiding fluctuations which are at the present time mainly the result of blind speculation inherent in the present competitive system.“ <i>GD</i> 40/17, Bd. 254, S. 868 ff. Siehe auch (Lothian) Europe at the Cross-Roads, <i>Round Table</i>, Juni 1926, XVI, S. 492 ff. — „International Planning“ meint ein Pendant zu dem Trend, innerhalb der Volkswirtschaft das Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage zu regulieren. Die Überschußsituation in der Zeit der WWK begünstigte die Verhandlungsbereitschaft über internationale Kartelle im Rohstoffbereich, s. League of Nations, 1944-Report (Anm. III/103, 571), S. 51 ff., 61 ff. — Zur Empfehlung einer Konferenz des Internationalen Rationalisierungsinstitutes in Genf (Anfang Juli 1931), „internationale Abkommen zwecks Regelung der nationalen Produktion“ zu schaffen, s. J. Radkau, Renovation des Imperialismus im Zeichen der ‚Rationalisierung‘, in: I. Geiss/J. Radkau (Hrsg.), <i>Imperialismus im 20. Jahrhundert</i>, München 1976, S. 242 f.Google Scholar
  64. 65.
    Roosevelts Botschaft an die Teilnehmer der Weltwirtschaftskonferenz, 16.5.1933, lag auf dieser Linie: „The (World Economic) Conference must establish order in place of the present chaos by a stabilization of currencies, by freeing the flow of world trade, and by international action to raise price levels. It must, in short, supplant individual domestic programs for economic recovery by wise and considered international action.“ <i>FRUS</i>, 1933/ I, S. 144; vgl. E. B. Nixon, Hrsg., <i>F. D. Roosevelt and Foreign Affairs</i>, Cambridge/Mass. 1969, I, S. 126. Zu den von den Expertentreffen ausgearbeiteten Tagesordnungen und den Instruktionen an die US- und an die englische Delegation s. Wendt, S. 120 ff.; Kindleberger, S. 216 ff., 226 ff. Nach dem „Waffenstillstand“ von Lausanne sollte die Weltwirtschaftskonferenz den „Friedensvertrag“ bringen; die restriktiven und protektionistischen Maßnahmen wurden mit „ökonomischer Kriegführung verglichen“. Die von den Expertengruppen empfohlenen, in erster Linie von den USA und GB als führenden Kapitalmächten erwarteten Gegenmaßnahmen dienten den „economic appeasern“ als Anhaltspunkte. Die von Jebb und Ashton-Gwatkin vorbereitete Eden-Denkschrift (für die Imperial Conference), „The Economic Aspect of Foreign Policy“, Mai 1937, knüpfte an die Programmatik von 1933 an. Die Vorschläge reichen zurück bis zur 1927 tagenden Genfer Konferenz und zur „tariff truce“-Diskussion. Siehe dazu Arndt, <i>Economic Lessons</i>, S. 235 ff., 230 f. <i>Round Table</i>, The World Economic Conference, XVII, S. 267–286; A. Salter, The World Economic Conference. Prospects of Practical Results, 18.10.1927, in: <i>Journal of the RIIA</i>, VII; League of Nations Union, <i>World Prosperity and Peace. The Work of the International Economic Conference</i>, London 1928; League of Nations Publications, <i>The World Economic Conference</i>, Genf, Mai 1927, Final Report.Google Scholar
  65. 66.
    Vgl. Werner Link, Die amerikanische Stabilisierungspolitik, Düsseldorf 1970, bes. S. 505.Google Scholar
  66. 67.
    Vgl. Anm. IV/547. — H. Macmillan, <i>The Middle Way</i>, 1937; ders., <i>Winds of Change</i>, London 1966, S. 327 f., 335 ff. — Zu den Mittelgruppen s. die Arbeiten von Marwick, M. Gilbert, Alien-Biographie (Plough My Own Furrow). — Vgl. zu Entwicklungen in den USA Junker, <i>Der unteilbare Weltmarkt</i> S. 45; H. Winkler (Hrsg.), <i>Die große Krise</i>. — Lothian, Nationalism, Social Liberalism and the Liberal Mind, Dezember 1934, Bd. 440, S. 987 ff.: „By <i>Liberal Socialism</i> [we mean] the determination to extend to the economic field the victories already won for individual liberty in the civil and political field. We believe in liberty for private enterprise and in private property as the mainspring of our society and in the price system and the open market as its economic regulator. But we also believe in the resolute use of state action on the one hand to canalise and regulate the gigantive creative power of private enterprise… and on the other to abolish the grosser inequalities in wealth and economic power… “ Sie rechtfertigten die „Organisation des Kapitalismus“ unter lockerer staatlicher Aufsicht mit dem Argument, der ruinöse Wettbewerb des Laissez-faire-Liberalismus müsse durch den „fairen“ Wettbewerb einer kooperativen „Gemeinwirtschaft“ ersetzt werden. Sie verstanden „industrial self-government“ als Selbstschutz vor Staatssozialismus/Verstaatlichung/Planwirtschaft (ohne Beteiligung der Unternehmer). Als eklektizistisches Gedankengebilde ist „Liberal Socialism“ nicht widerspruchsfrei.Google Scholar
  67. 67.
    Vgl. Anm. IV/547. — H. Macmillan, The Middle Way, 1937; ders., Winds of Change, London 1966, S. 327 f., 335 ff. — Zu den Mittelgruppen s. die Arbeiten von Marwick, M. Gilbert, Alien-Biographie (Plough My Own Furrow). — Vgl. zu Entwicklungen in den USA Junker, Der unteilbare Weltmarkt S. 45; H. Winkler (Hrsg.), Die große Krise. — Lothian, Nationalism, Social Liberalism and the Liberal Mind, Dezember 1934, Bd. 440, S. 987 ff.: „By Liberal Socialism [we mean] the determination to extend to the economic field the victories already won for individual liberty in the civil and political field. We believe in liberty for private enterprise and in private property as the mainspring of our society and in the price system and the open market as its economic regulator. But we also believe in the resolute use of state action on the one hand to canalise and regulate the gigantive creative power of private enterprise… and on the other to abolish the grosser inequalities in wealth and economic power… “Sie rechtfertigten die „Organisation des Kapitalismus“unter lockerer staatlicher Aufsicht mit dem Argument, der ruinöse Wettbewerb des Laissez-faire-Liberalismus müsse durch den „fairen“Wettbewerb einer kooperativen „Gemeinwirtschaft“ersetzt werden. Sie verstanden „industrial self-government“als Selbstschutz vor Staatssozialismus/Verstaatlichung/Planwirtschaft (ohne Beteiligung der Unternehmer). Als eklektizistisches Gedankengebilde ist „Liberal Socialism“nicht widerspruchsfrei.Google Scholar
  68. 68.
    Vgl. Anm. HI/64. — Lothian an Crowthers (News Chronicle; Next Five Years Group), 22. 2.1934, GD 40–17, Bd. 272, S. 171 f.; Lothian, 18.2.1926, Rede vor der US-Handelskammer in London über wirtschaftliche Kooperation, Bd. 412, S. 129–135; ders. 25.12.1929, Europe’s Parting of the Ways, Artikel für die Frankfurter Zeitung, GD 40–17, Bd. 428, S. 578 ff. Ähnliche Vorstellungen verbreitete Lay tons Peace and Liberty-Diskussionsgruppe, die in die Next Five Years’ Group überging.Google Scholar
  69. 69.
    Lothian, Januar 1930, Manchester Guardian, GD 40–17, Bd. 412, S. 606: „It has taken a long time and bitter experience to convince [people] that international cooperation to prevent war is better than competitive armaments and national sovereignty. It may take as long and bitter economic suffering to convince them that complete freedom of trade with its correlative international cooperation for dealing with problems of currency and exchange ist better for everybody… than tariffs and national self-interest.“Vgl. Lothian an Grigg, 26.4.1933, Bd. 269; Lothian an MacKenzie King, 9.3.1939, GD 40–17, Bd. 374.Google Scholar
  70. 70.
    Die Vorwürfe gegen die Schutzzoll- und Schuldenpolitik der USA und Englands sowie Frankreichs und zugleich gegen die „Politisierung“der internationalen Wirtschaftsbeziehungen bedingen, daß die economic appeaser in unterschiedlichem Grade skeptisch-kritisch über die anglo-amerikanische Partnerschaft urteilten. Ashton-Gwatkin lastete den USA eine durch Ignoranz oder Unverantwortlichkeit bedingte politische Mitschuld an den „Miseren“der Zwischenkriegszeit an; 11.3.1937, zu A 2847/228/45, Allen-Memo., The United States and British Interests, 15.3.1937, FO 371–20 659, S. 266 ff.; vgl. auch die bereits von Wendt (S. 60, 336 f.) zitierten Zeugnisse. — Zum Folgenden s. bes. Lothian, The Roots of Our Present Discontent, Round Table, März 1936, S. 229–228; Lothian an Lloyd George, 13.1.1932, GD 40–17, Bd. 265 (politische Störfaktoren wie Schutzzölle, Kriegsschulden usw. seien schuld an der Weltwirtschaftskrise, nicht „der Kapitalismus“); Lothian, 10.12.1932, Queen’s Hall-Rede, Bd. 435, S. 554 ff.; s. ferner H. V. Hodson, in: International Affairs, XV, S. 873.Google Scholar
  71. 71.
    Lothian an E. Rathbone, 4.9.1935, Bd. 113: Die Diktaturen seien die Folge politisch-wirtschaftlicher, vor allem seitens der Westmächte verschuldeter Schwierigkeiten seit 1929.Google Scholar
  72. 72.
    In diesen Zusammenhang gehört auch die Auffassung, daß die Siegermächte mit der Konfiskation von Patentrechten und anderen Verstössen gegen das internationale „Privatrecht“(Art. 297, 298, 252, 260 und andere Artikel des Versailler Vertrages) ein Vorspiel politisch motivierter Entrechtung und damit eine Vorstufe zur totalitären Herrschaft geliefert hätten. Dabei wurde suggeriert, daß niemand, der den Versailler Vertrag hinnahm oder gar guthieß, „moralisch“berechtigt sei, gegen die diktatorischen Regime zu protestieren. In diese Richtung tendiert Carrs Antrittsvorlesung; in anderem Bezugssystem s. Seton-Watson, Britain and the Dictators, S. 65.Google Scholar
  73. 73.
    Hitler/Lloyd George-Interview, 6.9.1936, Jones, Diary with Letters, S. 241 ff., 197 ff., 214 ff., 224. Hitler gab Devisenmangel, Rohstoffknappheit und andere Faktoren als Gründe für die Märzaktion an. In ähnliche Richtung gehen die Berichte von Botschafter Phipps, s. zum Beispiel Phipps an Vansittart, 14.11.1936. Das Zeugnis geht in die Diskussion über „The Role of the British Army“, die englischen Interessenschwerpunkte in der Weltpolitik u. a. ein; s. oben Kap. I und unten Kap. IV/E.Google Scholar
  74. 74.
    Ashton-Gwatkin, 21.12.1936, zit. in: Gilbert, Roots, Annex 3. — Lothian, 1.10.1935, GD 40–17, Bd. 300, Columbia Broadcasting: Falls man die Ursachen der Arbeitslosigkeit nicht behebe, werde die Welt faschistisch oder kommunistisch werden; vgl. Lothian an Flexner, 13.2.1935, Bd. 263; Lothian an Duncan, 9.3.1933, Bd. 263; Lothian, Round Table, März 1936, S. 229–238; ders., Socialism and Liberty, 1934, Bd. 439. Zur Frage, ob England sich in einer Welt behaupten könne, in der immer mehr Länder den Weg zur Diktatur einschlügen, s. auch Jones, Diary with Letters, S. 408 f.; Baldwin, Glasgow Herald, 18.11.1936; Baldwin, 29.10.1936, HofC;Central Office, Hints for Speakers, Nr. 3600, November 1936. „Destroy this growth“(Nationale Regierung unter Baldwin als Alternative zu Faschismus und Bolschewismus). Vgl. auch Eden, I, S. 82 f.; zu Inskip s. Anm. III/60. Die „Liberty and Democratic Leadership“-Gruppe und andere Sammelbewegungen entwickelten vergleichbare Konzeptionen. Zu Befürchtungen, Berlin gleite in „russische Bahnen“, s. Anm. III/13, 64, 178.Google Scholar
  75. 75.
    Siehe Anm. III/55, 62; die dortigen Angaben gelten für das Folgende; s. auch die bereits von Wendt (S. 348 ff.) zitierten Dokumente und Zeitschriftenartikel. — H. D. Henderson, Leiter des Economic Advisory Council der Regierung, beurteilte die Gedankengänge, die in der Stufentheorie zusammengefaßt sind, als eine in allen Punkten unzutreffende Lagebeurteilung. Er richtete die Kritik gegen C. Hull und dessen Mitstreiter; die „economic-appease-ment“-Strategie stimmein wichtigen Punkten mit Hull’s Wirtschaftstheorie überein. H. D. Henderson, The Inter-War Years and Other Papers, Oxford (1943), 1955, S. 236–295.Google Scholar
  76. 76.
    Der Niedergang des Welthandels, das Scheitern der Weltwirtschaftskonferenz und andere Vorgänge ließen staatliche Konjunkturpolitik und/oder nationale Wirtschaftspolitik als einzigen Ausweg erscheinen. Der Financial Adviser der englischen Botschaft in Berlin sah zum Beispiel in der Reorganisation des deutschen Bankwesens Gefahren (im Fall einer nationalsozialistischen oder kommunistischen Machtergreifung), Rumbold an FO, 3.3.1932, C 1755/77/18, FO 371–15 936. Die weltweite Arbeitslosigkeit wurde als Produkt des Widerspruchs zwischen den Möglichkeiten, die der technische Fortschritt in beschleunigtem Maß eröffnete, und den Wirtschaftseinheiten, die unter der Ägide des „Nationalismus“„alte“Strukturen zementierten, gedeutet. Wirtschaftliche Hilfe von außen (in erster Linie durch die USA) sollte es den Staaten ermöglichen, ihre Krise nicht auf Kosten anderer zu exportieren, sondern die Strukturprobleme intern zu bewältigen. Als Lösungsmodelle galten die 1933 von den Experten ausgearbeiteten Berichte für die Weltwirtschaftskonferenz; s. Kindleberger, S. 216 ff., 224 ff.; Wendt, S. 120 ff.; Anm. III/62, 88.Google Scholar
  77. 77.
    Vertreter der Ansicht, daß die einseitig freiwillige Abrüstungspolitik Auswirkungen auf die Beschäftigung gehabt habe und daß die Rüstungsprogramme auch als Arbeitsbeschaffungsprogramme dienen und ausgegeben werden sollten, waren Hankey, Pownall, zum Teil Run-ciman und die Marineminister; s. Anm. IV/462. Zum Anhörungsverfahren über die Auswirkungen weiterer Kürzungen im Defence Budget (Marineausgaben) auf die Beschäftigungslage s. T 172–1695, 24.7.1930, Konferenz Snowden/Treasury und Labour/Gewerkschaftsde-putation; s. ferner Rass, S. 378 ff., Anm. 130 (Exkurs), S. 140.Google Scholar
  78. 78.
    Die Gefahrenlage war aus ihrer Sicht groß, da die Reflation in Deutschland in eine Krise münden könne, wenn nicht Exportchancen eröffnet würden; Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1. 1936, FO 371–19 884, S.44ff.; ferner FO 371–19 888, S. 75 ff. Sie wollten zugunsten der „moderates“gegen die Autarkisten/„Kriegstreiber“indirekt in die Machtkämpfe eingreifen; Minutes, 25.6.1936, FO 371–19 933, S. 273 ff.; vgl. im einzelnen Wendt, S. 324 ff., 450 ff., 437 ff. u. a. O. — Berichte Pinsents aus Berlin bestärkten Ashton-Gwatkin und Jebb in der Annahme, daß bald etwas geschehen müsse, wenn man Deutschlands Hineingleiten in den Teufelskreis von Aufrüstung, Autarkie, Instrumentalisierung der Wirtschaft für politische Zwecke aufhalten oder durchbrechen wolle;Minutes zu C 4487/99/18, 15.6. 1936; C 4501/99/18, 25.6.1936, FO 371–19 933, S. 263, 273 ff.Google Scholar
  79. 79.
    Vgl. Petzina, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 71: „Auch ohne die akuten Schwierigkeiten jenes Jahres [1936] wäre es über kurz oder lang zu einer,autarki-stischen‘Revision der Wirtschaftspolitik gekommen, da sich Weltmarktintegration [ein Ziel, dem sich Schacht letztlich verpflichtet fühlte; d. Verf.] und Kriegskalkül auf Dauer nicht miteinander vereinbaren ließen“; s. auch Anm. III/355.Google Scholar
  80. 80.
    Gegen Vansittarts Vorwurf, daß das deutsche Regime sich nicht von Konzessionen in Zollfragen usw. beeindruckt zeigen werde, sondern Konzessionen nur als Zeichen der Schwäche auslegen würde, verteidigten die economic appeaser ihre Vorschläge mit der These, ein „economic deal“biete die einzige Möglichkeit, indirekt auf die deutsche Politik Einfluß zu nehmen: 30.6.1936, C 4758/99/18, FO 371–19 933, S. 332. Das Zahlungsabkommen erfreute sich ihrer Hochschätzung, weil es die „sounder elements“in Deutschland ermutigt habe: Ashton-Gwatkin, zu C 7540/1/18, FO 371–17 689,20.11.1934, S. 225. Zur angegriffenen Position Schachts s. Pinsent, 30.3.1936, FO 371–19 932, S. 21 f., C 2706/99/18. —Gestützt auf Kommentare Ritters, erblickten sie in Görings Ernennung zum Kommissar für den Vierjahresplan zunächst eine Unterstützung Schachts: Phipps an FO, C 3309, 30.4.1936; C 3357, 2.5.1936; C 3431/99/18, 5.5.1936, FO 371–19 932; vgl. Times, 28.4.1936. Zu den Verschiebungen im Urteil über Schacht und Göring als Repräsentanten der „Interessen“auf deutscher Seite, die für eine „Liberalisierung“der Handelsbeziehungen ansprechbar seien, s. Wendt; MacDonald; Lammers (S. 840 ff.).Google Scholar
  81. 81.
    Im Grunde hielten die e. a. Kommunismus und Nationalsozialismus für gleichermaßen gefährlich (s. Anm. III/74). In praktischer Hinsicht sah Wellesley (Memo., S. 10 f.) im Bolschewismus keine Explosionsgefahr. Er befürchtete eher, daß Rußland im Falle der „Normalisierung“der politischen Verhältnisse zum wirtschaftlichen Vasallen Deutschlands werde, und zwar unabhängig davon, ob die deutschen Machthaber den Drang nach Osten politisch hochspielten oder nicht. Die Befürchtung, daß Deutschland Rußland ökonomisch durchdringen und zur unantastbaren „Festung Europa“werden könnte, spielte in den englischen Diskussionen eine zentrale Rolle. Ashton-Gwatkin, Swinton u. a. suchten dem durch „economic appeasement“entgegenzuwirken; Vansittart wollte hingegen das Mißtrauen Rußlands ausräumen. Zum Vierjahresplan, zur deutschen „Wehrwirtschaft und zu den Auseinandersetzungen Hitler/Göring-Schacht im Frühjahr/Sommer 1936 s. Robertson, Hitler’s Pre-War Plans, S. 86 ff.; Petzina, Autarkiepolitik; ders., Vierjahresplan und Rü-stüngspolitik, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 65 ff.; H.-E. Volkmann, Außenhandel und Aufrüstung in Deutschland 1933–1939, ebd., S. 81 ff.Google Scholar
  82. 82.
    „The war and the desperate economic nationalism to which it gave rise have created such economic obstructions that it is impossible for the economic process to function… Every one of these causes of catastrophe is political [Subventionen/Überproduktion; Kriegsschulden/Reparationen]… You have only to move, by political action, the political interferences in the way… (and the economic system is) free working“. Lothian, 10.12.1932, Liberal Meeting, GD 40–17, Bd. 435, S. 554, 556. — „Nationalismus“galt an sich ebenso wie Kapitalismus als „natural“. Sobald jedoch die kapitalistische (internationalistisch ausgerichtete) Wirtschaft unter nationalsozialistisches oder -bolschewistisches „Partei“-diktat geriete, setze die Stufenfolge ein; die „Ökonomie“fiele als Gegengewicht zur „nationalen“Interessenpolitik aus. Daß diese liberale Deutung des Kapitalismus im Gegensatz zu den Kapitalismus-, Imperialismus-, Militarismus-Theorien steht, liegt auf der Hand.Google Scholar
  83. 83.
    Guinness-Bericht, C 5928/99/18, 14.8.1936, FO 371–19934: Man warte auf deutscher Seite auf englische „Führung“; die Auseinandersetzung zwischen Autarkisten und „Mehr Freiheit im Außenhandel“(Schacht) sei noch nicht entschieden. — Jones, Diary with Letters, S. 214 ff. u. a. O.; Ribbentrop, Memoirs, S. 98 ff.; Kordt, Nicht aus den Akten, S. 165. — Conwell-Evans an Jones, 16.6.1937, Jones-MSS., E/1, Nr. 32; Lothian, 5.5.1937, Aufzeichnung über das Gespräch mit Schacht, GD 40–17, Bd. 204; Phipps an FO, 1.9.1936, C 5156 /99/18, FO 371–19 933.Google Scholar
  84. 84.
    In anderer Lesart bedeutet das die Vorstellung, daß die deutsche „Revolution“wie andere zuvor in eine evolutionäre Phase übergehen könnte, s. Lothian an Coupland, 11.7.1935, GD 40–17, Bd. 300. — Schachts Reden über „Internationale Wirtschaftspolitik“(Phipps an FO, 7.6.1935, C 1284/635/18, FO 371–18871), über Jäckh an das FO gelangende Situationsanalysen Schachts, direkte Gespräche mit Schacht oder Reichsbankdirektoren sowie Appelle Schachts, durch Signale von außen auf die Auseinandersetzungen in Deutschland Einfluß zu nehmen, gaben den e. a. Anhaltspunkte, um ihre Strategie als den Verhältnissen angemessen zu verteidigen.Google Scholar
  85. 85.
    Wellesley-Memo., 1.12.1930, S. 19 (Anm. III/44); Ashton-Gwatkin, Economic Survey, FO 371–18 497, S. 311 ff.; Lothian, The Industrial Dilemma, 1926; Lothian, 10.6.1930, The Unemployment Problem, GD 40–17, Bd. 134. — Von der Diskrepanz zwischen Kaufkraft der Volkswirtschaften und überschüssigen Produktionskapazitäten sprach u. a. auch die Resolution des Internationalen Parlamentariertreffens in Prag, 25.–29.5.1931, s. Alien-Report, T 172–1766, 10.6.1931. — Der Denkansatz ist weit verbreitet; s. All Souls Meeting, 11/12.7.1931, Jones-MSS., Class C/4, Nr. 73; Leith-Ross, Aufzeichnung für Van Zeeland-Committee, The Position of Germany, 2.3.1938, s. unten Kap. III B/2. Zum Problem der Unausgeglichenheit des internationalen Gleichgewichts von Angebot und Nachfrage im Zeichen der Industrialisierung der Primärproduzenten und der Strukturschwächen der „alten“Industrieländer, Überkapitalisierung im und nach dem Krieg in den „falschen“Industriezweigen, s. Svennilson, Growth and Stagnation„ Aldcroft, The Inter-War Economy, S. 155 ff.; Kindleberger, S. 108 ff.Google Scholar
  86. 86.
    Arndt, Economic Lessons, S. 232, Anm. 1. — Die deutlichste Anwendung des Rationalisierungskonzepts in der politischen Auseinandersetzung sind das Memorandum von Ashton-Gwatkin/Jebb resp. German Expansionism (C 807/4/18, FO 371–19 884, S. 46 ff.) sowie ihr Vorschlag für die Erörterung der Rohstoff-Frage in Genf (s. Anm. III/102, 103).Google Scholar
  87. 87.
    Zur Amalgamation im Bankensektor (besonders 1917/1919), zu den Fusionen („merger“) in der englischen Industrie, zum Grad der Konzentration in den einzelnen Branchen sowie zur Einstellung der Wirtschaftswissenschaft und der informierten Öffentlichkeit zum Kartell- und Trustwesen: Youngson, British Economy, S. 226 ff; Pollard, Development, Kap. III/2, 3, 7; Beer, Modern British Politics, S. 292 ff.; Mowat, S. 441 ff.; H. Leak/A. Maizels, The Structure of British Industries, in: Journal of the Royal Statistical Society, Bd. 108, S. 142 ff.; Grove, Government and Industry in Britain, S. 46 f.; Aldcroft/Richardson, The British Economy 1870—1939; Alford, Depression and Recovery?, S. 47 ff.; W. A. Lewis, Economic Survey; Lucas, Industrial Reconstruction; Benham, Protection; McKibbin, S. 103.Google Scholar
  88. 88.
    Lothian, in: Round Table, März 1936, S. 229–238; ders., Where are we going?, Ill: The Economic Problem, in: Round Table, März 1930, GD 40–17, Bd. 429, S. 672–687; s. auch Anm. III/39, 40; Lothian, 12.10.1932, Queens Hall Rede, Liberal Meeting, Bd. 435, S. 534 ff.; ders., Europe at the Cross-Roads, Juni 1926, in: Round Table, XVI, S. 489 ff. Die Kritik an der „falsch“verstandenen Industrialisierung (unter dem Vorzeichen des wirtschaftlichen Nationalismus und nicht der internationalen Arbeitsteilung) zielt auch und gerade gegen die Dominions (Australien, Kanada). Er kritisierte „Ottawa“, weil dort die protektionistischen Regierungen sich darauf verständigten, „alte“Strukturen zu konservieren statt in einer „low tariff union“den Anpassungsprozeß behutsam in Angriff zu nehmen. Siehe ebenso Ashton-Gwatkin, Economic Survey, IL The Post-War Period, W 6928/1195/ 20, FO 371–18 497, S. 306–376 A.Google Scholar
  89. 89.
    Jones an Kerr (Lothian), 24.6.1925, Jones-MSS., W/13, Nr. 66; Wellesley-Memo. (Anm. III /44), S. 18 f. u. a. O. — Daraus folgte, daß man die Einfuhr liberalisieren müsse, wenn man die eigenen Exportchancen sichern wolle. Die Frage, wie man dieses Prinzip befolgen und dennoch Rücksicht auf die „Opfer“des Anpassungsprozesses nehmen könne — Restruktu-rierung der Industrie und der Landwirtschaft und deren Relation zueinander —, ist ein Hauptthema der Artikel Lothians im Round Table und seiner Artikelserien über die USA; Lothian an Skelton, 6.1.1926, Some Notes on an Economic Policy for GB, GD 40–17, Bd. 412, S. 100 ff. (Skelton gehörte zu Macmillans Industry and Democracy Group und galt als eine der großen Hoffnungen der Konservativen Partei); Lothian, 28.5.1930, The Empire and Free Trade, Bd. 431, S. 131, 160 ff. — Die Ausführungen im Folgenden beschränken sich auf eine Grobskizze der Denkstruktur der economic appeaser.Google Scholar
  90. 90.
    Ph. Kerr (Lothian), Britain’s Place in the World. A Competitive Age, in: Observer, 22.9. 1929; Round Table, September 1931, XXI, S. 807 ff., The Macmillan Report; Round Table (RT), Herbst 1925, XV, S. 692–716, British Industry and the Future; RT, Frühjahr 1927, XVII, S. 267–286, The World Economic Conference; ebd. S. 748 ff., Reflections on the Industrial Situation; ebd., S. 534 ff., The Economic Future of Great Britain; RT, Frühjahr 1929, XIX, S. 255 ff., Towards Industrial Renaissance; ebd., S. 465 ff., Unemployment; s. auch Anm. III/88 sowie Liberal Yellow Book, We Can Conquer Unemployment, 1929. — Die Themen, die auf der seit 1927 vorbereiteten Weltwirtschaftskonferenz hätten in Angriff genommen werden sollen, bedurften auch nach dem Fehlschlag 1933 der Lösung, d. h. aufeinander abgestimmter Aktionen. Die Themen waren (nach 1932): Lockerung der Devisenbewirtschaftung (Deutschland); Abbau der Quoten- und Kontingentierungssysteme (Frankreich); Stabilisierung des £; effektive Zollsenkung der USA. Auch die Forderungs- und Drohstrukturen blieben bestehen — u. a. die Rohstoff- und Kolonialfrage —, s. Kindleberger, S. 215 ff.; Kottmann, passim.Google Scholar
  91. 91.
    Kindleberger, Weltwirtschaftskrise, S. 78 ff., 137 f., 141; Schröder, in: Knapp, Deutschland, S. III ff.; Arndt, Economic Lessons, S. 230, 235 (betr. „economic disarmament“, „tariff truce“); s. auch Kottmann, Reciprocity, S. 39 ff., 54 ff., 65 ff., 75 ff.Google Scholar
  92. 92.
    Zum Folgenden s. Wellesley-Memo. on Commercial Policy, 1917 (s. die Habil-Schrift des Verf.); Wellesley-Memo., 1.12.1930 (Anm. III/44), bes. S. 21 f., 19 ff.; Ashton-Gwatkin, Economic Survey, S. 311 ff., 335 ff. Die Themen waren im Ersten Weltkrieg vom Balfour of Burleigh-Committee (s. H.-I. Schmidt, Wirtschaftspolitik) und Mitte der Zwanziger Jahre vom Balfour Committee on Industry and Trade untersucht worden. Das Balfour Committee betonte die Dringlichkeit einer Reorganisation der englischen Produktions- und Marktorganisationen sowie der Rationalisierung. Wellesley (S. 21) und Ashton-Gwatkin (S. 371 f.) zitierten die Empfehlungen in der Absicht, den Nachholbedarf Englands zu unterstreichen und auf Abhilfe zu drängen. Das Zutrauen in internationale Produktionsquoten-Kartelle als wichtiger Schritt zur besseren wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Organisation Europas war um 1930 weit verbreitet; s. Wigram. 8.1.1932, Review of Franco-British Differences, FO 800–292, S. 6; Resolutionen der Inter-Parliamentary Commercial Conference, Prag 1931, §§ 6, 7; Sandeman Allen an T, S. 5, T 172–1766; Ashton-Gwatkin, 15.2. 1935, C 794/635/18, FO 371–18 869, S. 102 f. Über Anlaß, Umfang und Methoden der kooperativen Verständigungsversuche („competition through cooperation“) in den Jahren 1925—30, mit dem Ziel, auf dem jeweiligen Gebiet „internationale Verständigung und Rationalisierung zur Ausschaltung unrentabler Konkurrenz“einzuleiten, s. Link, in: Knapp, Deutschland, S. 87 ff., 91; Boyce, Triumph, S. 63 ff.; ders., Britain’s First,No\ S. 26 ff.; P. Berkenkopf, Internationale Industriekartelle und ihre Bedeutung für die Gestaltung der weltwirtschaftlichen Beziehungen, in: Weltwirtschaftliches Archiv, XXVIII (1928/2), S. 300–317. — Auf die unterschiedliche Handhabung der Schlagworte „wirtschaftliche Großräume“, „Kartelle als Ersatz für Abhängigkeit vom Zollschutz“, „Rationalisierung“, europäische Kartelle als Instrumente zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den USA u.a.m. seitens liberaler und konservativer Politiker kann hier nicht eingegangen werden; s. auch Anm. IV/64.Google Scholar
  93. 93.
    Ashton-Gwatkin, Economic Survey, S. 336 ff.; Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807/4 /18, FO 371–19 884, S. 46 f. In den Richtlinien für die Berichterstattung der Botschaften wurden Analysen der deutschen und französischen Wirtschaft, besonders der Organisationsformen und der Beziehungen von Regierung, Banken und Industrie zueinander, angefordert. Anläßlich der Vorbereitung des Vorstoßes, den „Generalstab“im FO einzurichten, trafen umfangreiche Berichte, u. a. auch über die Reformen des Auswärtigen Amtes (Schü-lersche Reformen) ein.Google Scholar
  94. 94.
    Wellesley-Memo., S. 13. Zu den europäischen internationalen Kartellen s. die Arbeiten von Teichova und Link.Google Scholar
  95. 95.
    Wellesley-Memo., S. 4 f., ferner S. 19 ff. Wie vorsichtig das Instrumentarium zu handhaben war, verdeudichte Wellesley (ebd. S. 6) mit der Warnung, daß England durch die Tariff Reform-Kampagne den verhängnisvollen Bündnisschluß zwischen Militaristen und „commercial and industrial classes“in Deutschland mitbewirkt habe.Google Scholar
  96. 96.
    Wellesley-Memo., S. 4, 22.Google Scholar
  97. 97.
    Wellesley-Memo., S. 7 ff.Google Scholar
  98. 98.
    Wellesley-Memo., S. 5. Diese These klingt sehr „modern“. In der Diskussion der zwanziger und dreißiger Jahre sind einige Problemstellungen der sechziger/siebziger Jahre — Direktinvestitionen, Beschäftigungspolitik u. a. — antizipiert, aber meist nur in groben Zügen, ohne analytisches Instrumentarium zur genaueren Erfassung und präzisen Formulierung der „gemeinten“Thematik. Die Studien von Teichova zeigen, daß die drei Penetrationsmethoden einander nicht ergänzten, sondern die einzelnen Staaten sich auf eine Methode konzentrierten (finanzielle Penetration seitens der Westmächte, „Typ 1“seitens Deutschlands); Teichova, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung; dies., Background, S. 380–382.Google Scholar
  99. 99.
    Wellesley-Memo., S. 19; vgl. das Sargent-Zitat, Anm. 1/5. — Angewendet wurden diese Kategorien auf die Analyse der deutschen Außenhandelspolitik nach 1934/35, besonders in den Denkschriften über die deutsche Penetration des Balkanraumes, s. u. a. FO-Memo., 17. 8.1936, R 4969/1167/67, FO 433–3, Nr. 13 („Memo. resp. German Economic Penetration in Central Europe, the Balkans and Turkey“); s. im einzelnen zu diesem Komplex (FO-Akten und Pressestimmen) Wendt, Economic Appeasement, S. 402 ff., 413 ff. u. a. O.Google Scholar
  100. 100.
    Wellesley-Memo., S. 20.Google Scholar
  101. 101.
    Wellesley-Memo., S. 22. — Das betraf Kautschuk, Nickel, Zinn und andere Rohprodukte. Zu den englischen Investitionen in Teeplantagen, im Zinnbergbau, zum Stevenson-Rubber-Restriction Scheme und anderen Kartell-Fragen der zwanziger Jahre s. Drummond, Economic Policy, S. 116 f; ders., S. 49: „In the Far East… the problem (for rubber) was not further development but a price-raising restriction of output which could restore the prosperity of the plantations and extract more dollars form the United States“. Zum Aspekt, das Kautschuk-Monopol zu nutzen, um den US-Verbrauchern höhere Preise abzuverlangen und das Devisenproblem (im Hinblick auf die Schuldenzahlungen an die USA) zu entschärfen, s. auch Costigliola, Financial Rivalry, S. 912 f. Den USA kam es auf Reservelager in „vernünftigem“Umfang, auf den Erwerb zu mäßigen Preisen sowie auf die Zusage an, daß die englische Regierung ihre Verantwortung für die Produktionskontrolle wahrnehme. Die Kautschuk-Frage diente der US-Diplomatie wiederholt als „Beweis“für mangelnde Verständigungsbereitschaft Englands gegenüber den USA; s. Bingham an Eden, 17.7.1937, W 13991/97/50, FO 433–3, Nr. 39, S. 113; s. auch Feis-Memo., 1.4.1937, zitiert in: Offner, American Appeasement, S. 179 f. Lothian bemühte sich in den zwanziger Jahren in Gesprächen mit Houghton, Howard u. a., das von Hoover geschürte Mißtrauen in den englischen Mißbrauch der Rohstoffmonopole des Empire dadurch zu unterlaufen, daß er dazu aufforderte, über Preise und Produktion im Rahmen internationaler Übereinkommen zwischen „Verbrauchern“und Produzenten zu verhandeln; A 3163/10/45, Howard an A. Chamberlain, 3.6.1926, FO 371–11 168, S. 76 ff.; A 4769/10/45, Howard an Tyrrell über Gespräch Kerr/Houghton, 27.8.1926, ebd., S. 109 ff. Vansittart u. a. im FO lehnten ein Entgegenkommen an die USA ab.Google Scholar
  102. 102.
    Ashton-Gwatkin, Economic Survey, S. 373 f. — Lothian, 18.2.1926, Rede vor der amerikanischen Handelskammer in London über wirtschaftliche Kooperation, GD 40–17, Bd. 412, S. 129, 131, 133 f. Er regte an, US-Kapital zur Entwicklung der Rohstoffe im BE zuzulassen; dies würde Englands Absatzchancen in den dann „entwickelten“Gebieten verbessern und sich in sicherheitspolitischer Hinsicht rentieren. Die USA würden den Vorteil haben, als schnell expandierender Industriestaat die erwünschte sichere Versorgung sowie stabile Rohstoffpreise zu erhalten. Die anglo-amerikanische Kooperation würde einen Zweiten Weltkrieg verhindern helfen. Die englische Regierung ermutigte in den zwanziger Jahren die Dominions und Kolonien, für Entwicklungsprojekte in New York Kapital aufzunehmen. Lothian ging gleichfalls von den begrenzten englischen Kapitalreserven (im Verhältnis zu den Anlage-„Notwendigkeiten“) aus.Google Scholar
  103. 103.
    Wellesley-Memo., S. 22. — Verwendung fand dieser Gedanke in den Vorschlägen der e. a. zur Rohstoff-Frage, s. unten, Kap. III/C. Zum International Rubber Regulation Committee s. den Report des Interdepartmental Committee on Freedom of Access to Colonial Raw Materials, W 195/195/18, §§ 19–22, FO 433–3, Nr. 63, S. 622. — Vereinbarungen über die Lenkung der Produktion und der Verteilung international gehandelter Rohstoffe gehörten zum Zielkatalog der US-Delegation auf der Londoner Weltwirtschaftskonferenz, s. Kindleberger, S. 226; s. auch VB-Report (s. u.), S. 51 ff. Die Frage des Zugangs zu Rohstoffen wurde nach dem Ersten Weltkrieg auf internationalen Konferenzen und im Völkerbund angeschnitten; soweit ich feststellen konnte, gab es zwischen den „Höhepunkten“keine Verlaufsgeschichte. Die Frage wurde von den Regierungen primär unter dem Aspekt der Kriegsvorrat-Reservebildung gesehen und gehandhabt. Die in dieser Studie interessierenden Fragen wurden m. W. erstmals auf einer Tagung der Academy of Political Science, 10.–14.5. 1926, der Columbia University erörtert, Proceedings, PartII: Raw Materials in Relation to International Peace and Economic Prosperity, Bd. XII, 1926, S. 113–224. — Siehe ferner RIIA, Information Department Papers, Nr. 18, 1936, Raw Materials and Colonies; RIIA, Information Paper, Nr. 18, 1941, (1953), World Production of Raw Materials, League of Nations, Economic, Financial and Transit Department, Raw Material Problems and Policies. Part I: Problems, Proposals and Policies; Part II: Lessons from the Past, 1946; (verzeichnet die Etappen der Diskussion über die Rohstoff-Frage seit dem Ersten Weltkrieg, s. bes. S. 50 ff. über Rohstoff-Kartell-Ab kommen).Google Scholar
  104. 104.
    Wellesley-Memo., S. 25; Ashton-Gwatkin, Economic Survey, S. 311 ff. Ashton-Gwatkin nutzte die Anfrage Außenministers Hoare’s, welche konkreten Vorschläge er in der Genfer Rede machen könne, um die Nutzanwendung seiner Strategie zu empfehlen. Er riet von den im Gespräch befindlichen Optionen ab, da 1. die Gewährung eines Kredits („loan“) zur Überwindung der deutschen Devisenschwierigkeiten als Hauptursache deutscher Engpässe in der Rohstoff-Frage nicht in Betracht komme, 2. der Transfer wirtschaftlicher Kontrolle über Kolonialgebiete an Deutschland die Gefahr des Umschlagens in politische Kontrolle berge und gleichfalls keine Lösung bringe. Stattdessen empfahl er „coordination of marketing… international agreements for the control of production and orderly marketing of certain commodities. to raise prices to a moderate degree and eliminate wild speculation movements.“Diesen Weg habe England nach der Weltwirtschaftskonferenz beschritten. Die internationale Maschinerie bestehe noch (Coljin Committee). Außerdem sei Deutschland zum Beispiel schon im Consumers’ Committee des „Rubber Agreement“vertreten; 7.9.1935, FO 800–295, S. 209 ff. Diese und andere Schlüsselbegriffe fanden Eingang in Hoare’s Genfer Rede, s. FO 800–295, S. 192–195, Vansittart an Hoare, 9.9.1935. — Die in dem Zitat geäußerte Wunschvorstellung hat Lenin (gegen Kautsky u. a.) als Sophismus, theoretischen Unsinn, schlimmsten Opportunismus usw. diffamiert. Er verwies auf die Diskrepanz zwischen der Aufteilung der Welt seitens der internationalen Bourgeoisie (Teilung nach dem Kapital) und der Teilung nach der Macht; letztere wechsle mit den ökonomischen und politischen Entwicklungen; die Staaten würden den Kampf um das Wirtschaftsgebiet stets erneuern.Google Scholar
  105. 105.
    Die Verfahrensvorschläge der e. a. sahen die Zusicherung der Regierung vor, daß sie die von den Industrieorganisationen ausgehandelten „trade agreements“sanktionieren würde, sofern diese bestimmte Bedingungen erfüllten. Dies forderte auch die FBI. Die FBI betonte darüber hinaus, daß die Regierung letztlich die Verantwortung behalten müsse, zumal eine Zentralinstanz die Entscheidung zu treffen habe, ob bestimmte Interessen aus übergeordneten Gesichtspunkten vernachlässigt werden dürften. Wellesley-Memo., S. 18;Hall-Me-mo., S. 22 u. a. O. Zu den FBI-Gesprächen mit deutschen Industrieverbänden s. Wendt, Economic Appeasement, S. 492 ff., 522 ff., 540, 553 f., 561 ff.; Holland, Capitalism in Crisis, S. 9 ff.Google Scholar
  106. 106.
    Siehe Anm. III/28; zum Hall-Scheme (S. 14 f.) s. unten, Kap. III/8. Mit Bezug auf das International Raw Steel Cartel (1935) argumentierten die Autoren des Hall-Plans, daß die englische Seite dabei zu einseitig ihren Vorteil gesucht habe; denn die englischen Unterzeichner mußten schon bald nachsuchen, mehr in England einzuführen als die vereinbarte Quote vorsah. Die Chance für die europäischen Partner, britische Märkte zu beliefern, sei also — auf dem Papier — zu gering angesetzt worden; vgl. F. Benham, Great Britain under Protection, London 1940, S. 182 ff., 188 ff.Google Scholar
  107. 107.
    Hall-Memo, S. 16.Google Scholar
  108. 108.
    „Lancashire“kritisierte das Ottawa-Abkommen insofern, als es a) keine Vorsorge traf, daß die Industrialisierung in den Dominions nicht einseitig zu Lasten der englischen Exportindustrie voranschritt, b) England zwar seinen Markt für Agrarprodukte der Dominions öffnete, damit aber die Agrarexporte aus Dänemark und Argentinien beeinträchtigte und so die Absatzchancen der englischen Exportindustrien in jenen Ländern verschlechterte. Der Economist und die British Export Gazette kritisierten die von den Protektionisten verlangten Restriktionsmaßnahmen.Google Scholar
  109. 109.
    Vgl. Anm. III/50; zur Abrüstungsfrage s. unten, Kap.III/C sowie Anm. III/60 (betr. Inskip); zu Leith-Ross und Chamberlain/Runciman s. auch unten, Kap. IV. — Siehe Wellesley-Memo., S. 22; vgl. Anm. III/95.Google Scholar
  110. 110.
    Vgl. Wellesley-Memo., S. 23. — Die Regierung, noch stärker aber die „vested interests“— s. stellvertretend Amery, III, S. 203–207 —, verteidigten den Protektionismus damit, daß 1. England und die Dominions einen weitaus größeren Teil ihres Nationaleinkommens für Importe ausgäben als z. B. die USA (20% gegenüber 6%); daß 2. im Commonwealth 50% der Erwerbstätigen in exportabhängigen Gewerben tätig seien; beides spräche für die Weltoffenheit des Empire-Commonwealth. 3. Die Erweiterung des Intra-Commonwealth-Handels müsse unter den genannten Voraussetzungen als Impuls für die Expansion des Welthandels gelten. Der Anstieg des Empire-Binnenhandels impliziere keinen Rückgang des Welthandels, also verursache er auch keine Arbeitslosigkeit in anderen Ländern. Die Gegner — u. a. Lothian — konterten, daß die Befürworter von „imperial preference“argumentierten, andere Länder würden in erster Linie für sich sorgen, also müsse auch gelten: „British (Empire) interests first“; diesen wirtschaftlichen Nationalismus könne man dann doch nicht als Hebel für internationale Arbeitsteilung usw. ausgeben. Besonderen Anstoß nahm Lothian daran, daß die Protektionisten die Kapitalinvestitionen auf England und das BE beschränkt wissen wollten. Amery rechtfertigte das mit Sicherheitsinteressen: Der Kapitalexport in die weißen Dominions sollte mit dem Arbeitskräfteexport einhergehen; das Empire ließe sich so gegen Aggressoren absichern. Das Exportventil (Export von Kapital und überschüssigen Arbeitskräften), die Sicherung künftiger Nachfrage, die militärisch-strategische Arrondierung — all dies entspricht dem Paradigma „Sozialimperialismus“. Gegen diese Lösung führten die e. a. (Round Table) ins Feld: Eine derartige Investitionspolitik würde sehr viel mehr Planung und Dirigismus erfordern, als ihre Befürworter zulassen wollten. Im Fall einer nicht auszuschließenden Wirtschaftskrise würden die Dominions — wie zum Beispiel Australien in den dreißiger Jahren — erneut keine Zinsen usw. zahlen können, außer aufgrund erhöhter Exporte. Dann würden aber die Importe aus den Dominions noch mehr steigen müssen, zu Lasten der Drittländer — wo bliebe dann der Beitrag des BE zur Expansion des Welthandels? Anstatt den Export Englands zu steigern, würde die Konzentration der Kapitalexporte Englands auf die Dominions letztlich das Gegenteil bewirken: steigende Importe aus den Dominions. Beschränke man die Anleihen auf den £-Block, wäre ferner eine inflationäre Entwicklung nicht auszuschließen. Die Kapitalexporte müßten also sehr sorgfältig geplant werden, um die Flexibilität des Inter-Empirehandels zu sichern. Gerade im Hinblick auf Krisenzeiten müßten „flexibler Empirehandel“und Kooperationsfähigkeit mit „Drittländern“einhergehen.Google Scholar
  111. 111.
    Vgl. Wellesley-Memo., S. 23, 26; Ashton-Gwatkin, W 6928/1195/20, FO 371–18 497, S. 371, 373 ff. Den Hintergrund bildet der Umstand, daß die Abwertung des £ der Wirkung nach einem Schutzzoll gleichkam, die zusätzliche Einführung von Importabgaben also die ausländische Konkurrenz doppelt belastete; s. dazu die Denkschrift der Wirtschaftsberater der Regierung an BofT, 24.9.1931, FO 371–15 671, S. 199; ferner 25.9.1931, ebd., S. 215 ff.; vgl. auch Arndt, Economic Lessons, S. 102, 104; Anm. IV/60 (Inskip); Anm. III/55, 62, 74 (Lothian); Lothian, August 1935, The Peace Aspect of Reconstruction; ders., in: News Chronicle, 16.6.1936.Google Scholar
  112. 112.
    Zu „Ottawa“s. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 684 u. a. O.; Pollard, British Economy, S. 196 ff.; J. H. Richardson, Economic Foreign Policy, S. 138 ff.; H. W. Richardson, Economic Recovery, S. 262 f.; Benham, Great Britain under Protection, S. 90 ff.; Kottmann, Reciprocity, S. 16 ff.; Arndt, Economic Lessons, S. 105 ff.; Drummond, Economic Policy, S. 91 ff. Das FO war in Ottawa durch Ashton-Gwatkin und Chalkley vertreten; zum Teil unterstützt vom BofT, verfochten sie die Prinzipien des „international trading“; s. Ashton-Gwatkin, 5.1.1933, W 238/238/50, FO 371–17 318, S. 98 ff. — Die Liberalen (Samuel, Sinclair, Lothian) traten aus der Nationalen Regierung mit der Begründung zurück, daß „Ottawa“die Erfolgschancen der Weltwirtschaftskonferenz gefährde; Samuel an MacDo-nald, 16.9.1932; Lothian an Samuel, 25.9.1932, in: GD 40–17, Bd. 145 bzw. 269; Lothian, 12.10.1932, Queens Hall Liberal Meeting, Bd. 435; s. auch Anm. III/55. Zur deutschen Kritik an „Ottawa“und an englischen und französischen Behinderungen deutscher Exporte s. Leith-Ross-Memo., 14.3.1932, The Financial and Economic Situation in Germany, C 2234/77/18, Waley an Sargent, 18.3.1932, FO 371–15 936; Berliner Botschaft an FO, 30.8.1932, C 7486/7486/18, FO 371–15 954; Times, 14.11.1932; RdI, Geschäftliche Mitteilungen, XIV, 1932, Nr. 24; Berliner Botschaft an Simon/FO, 28.11.1932, FO 371–15 954, S. 12f. — Vgl. im einzelnen Wendt, S. 62ff.Google Scholar
  113. 113.
    Vorschläge, das BE als Währungseinheit gegen andere abzuschließen — so Sir Wardlaw-Milne — galten im FO als wenig aussichtsreich (in wirtschaftlicher Hinsicht) und als katastrophal (in politischer Hinsicht): Ashton-Gwatkin/Selby-Memo., Januar 1933, W 890/278/50, FO 371–17 318, S. 116 ff. Denn in Finanzfragen wären GB, die USA und Frankreich internationale Partner; England wäre und bliebe importabhängig, der £-Kurs bliebe also auf den internationalen Märkten von maßgeblicher Bedeutung. In Ottawa hatte man Pläne ä la Wardlaw-Milne noch abgelehnt. Der £-Block wurde nach dem Scheitern der Weltwirtschaftskonferenz gebildet; Drummond, Economic Policy, S. 119 ff.; Kindleberger, S. 231; Clay, Norman, S. 409 ff.; Strang, Sterling and British Policy. A Political Study of an International Currency in Decline, London 1971, S. 44 ff., 48 ff., bes. S. 55 ff.; Sir Albert Feavearyear, The Pound Sterling. A History of English Money, Oxford 1963, S. 376 ff.Google Scholar
  114. 114.
    Ashton-Gwatkin-Minute, 23.12.1935, zu C 8070/635/18, FO 371–18 873, S. 129. — Die Idee einer „lower tariff“-Bewegung implizierte Kritik an „Ottawa“. Dafoe (Winnipeg Free Press) und MacKenzie King favorisierten die Idee; sie fand in den USA (C. Hull) Unterstützung; s. Dafoe an Halifax, 16.5.1932, Baldwin-MSS., Bd. 98, S. 93 ff. Die englische Regierung war mit ähnlichen Vorstellungen nach Ottawa gereist, fand aber keine Resonanz; s. Barnes/Middlemas, S. 675 ff.; Kottmann, S. 16 ff., 20/21; Drummond, S. 91 ff. — Später hielt die Regierung die Idee einer „low tariff group“für nicht praktikabel; s. die Antwort des Premierministers an die Deputation „Peace and European Co-operation“, 21.3.1937, Prem. 1–212, S. 2. Die Idee figuriert auch im Hall-Scheme, s. unten, Kap. III, Abschn. 8.Google Scholar
  115. 115.
    Ashton-Gwatkin, Economic Survey, S. 311 ff., 373 ff.; Lothian and Buell, 30.4.1935, GD 40–17, Bd. 289 (die Frage sei, ob die Ausbildung der vier bis fünf Blöcke friedlich erfolge oder nicht). Da Lothian zu diesem Zeitpunkt an die Möglichkeit glaubte, die deutsche Revolution würde in ihre evolutionäre Phase treten können — an Coupland, 11.7.1935, Bd. 300 —, tendierte er zu der Annahme, daß Deutschland den wirtschaftlich abhängigen Staaten politische Unabhängigkeit gewähren werde (s. Anm. III/116). Die Einstellung ist beeinflußt von der seit Thoiry und Briands Europaplänen ausgelösten Diskussion über wirtschaftliche Zusammenarbeit und Englands Beteiligung; Europe at the Cross-Roads, Round Table, Juni 1926, XVI, bes. S. 494 f.; Lothian, The Empire and Free Trade, 28.3.1930, GD 40–17, Bd. 431, S. 147 ff.Google Scholar
  116. 116.
    Lothian an Smuts, 16.3.1937, GD 40–17, Bd. 333, S. 880–886. Ähnlich Milner im Ersten Weltkrieg — s. die Habil.-Schrift des Verf. — vertritt Lothian die Auffassung, daß Deutschland, falls man ihm „Mitteleuropa“zugestehe, sich ähnlich dem BE zu einem „liberalen“Zentrum eines Commonwealth entwickeln könnte. Dies entspricht den „Hoffnungen“der deutschen Liberal-Konservativen (Meinecke, Troeltsch) und Naumanns; s. Lothian, in: International Affairs, XVI, 1937, S. 870ff. (Chatham-House-Rede, 29.6.1937); Lothian an N. Henderson, 13.9.1937, Bd. 347: Falls Deutschland die englische Grundbedingung erfülle, nämlich die politische Unabhängigkeit der ökonomisch abhängigen Staaten anzuerkennen, ziehe er die deutsche Hegemonie dem französisch-russischen Pakt als Herrn über Europa vor. — Vgl. Halifax, 1.11.1938, an Phipps, DBFP, 3. Ser., Bd. III, Nr. 285. Nach Auskunft von Lord Harvey — Interview, 18.11.1964 — vertrat Eden die Auffassung, daß der deutsche Einfluß in Südost-Europa dem amerikanischen in Latein-/Südamerika vergleichbar sei. Er wäre bereit gewesen, diese „Doktrin“anzuerkennen, solange es sich um eine Wirtschaftsunion handelte, die ohne äußere Gewalt zustandekam. Es gäbe ja kaum kommerzielle englische Interessen in Südost-Europa (anders als im Baltikum/Polen). Eden habe bedauert, daß die Kleine Entente auf Paris so großen Einfluß nehmen konnte.Google Scholar
  117. 117.
    Zur Rationalisierung s. Anm. III/92, 98 ff. — Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807/4/ 18, FO 371–19 884, S. 46 ff., ist die deutlichste Anwendung der Stufentheorie in der „Ta gespolitik“; zu Lothian s. Anm. III/55, 62, 74, 75. — Butler, 14.3.1936 an Eden, C 2104/ 99/18, FO 371–19 932; Jebb-Minute, 25.3.1936, ebd., S. 294. — Sinclair an Lothian, 18.5. 1934, GD 40–17, Bd. 278, S. 770 f. (zu G. Cassell s. Anm. III/59). Memorandum der Peace and Economic Cooperation Delegation (Bischof von Bristol, Sir Andrew McFadyean, Sir Daniel Stevenson u. a.), Bailey an Baldwin, 8.2.1937, Prem. 1–212. Die Regierung vertrat demgegenüber die Ansicht, daß England „tariffs“, Devisenbewirtschaftsmaßnahmen, Quo-taregelungen usw. nicht oder nur in begrenztem Maße anwende und daher die anderen Staaten die verlangten Maßnahmen zuerst ergreifen müßten. In der Kolonialfrage zog sie sich auf die „trusteeship“-Ideologie zurück.Google Scholar
  118. 118.
    Ashton-Gwatkin-Minute, 15.10.1934, zu C 6844/1/18, FO 371–17 688, S. 79 (zu F. Fried, „Die Zukunft des deutschen Außenhandels“, das als Kritik am Liberalismus zugleich auch Positionen Ashton-Gwatkins herausforderte).Google Scholar
  119. 119.
    Wellesley-Memo., S. 6, 4.Google Scholar
  120. 120.
    Vgl. Anm. III/363. — Ashton-Gwatkin sah Deutschland und England vor vergleichbare Probleme und Aufgaben gestellt: Die hohe Arbeitslosigkeit sei auf den Verlust von Exportmärkten zurückzuführen; keine Autarkiepolitik könne diese Lücke schließen und die Arbeitskräfte absorbieren: C 400/99/18, FO 371–19 931, S. 37. Ashton-Gwatkins Auffassung, England müsse seine Verantwortung für die Wiederherstellung des Welthandels erkennen und daher die Initiative gegenüber Deutschland nehmen, kam den Erwartungen bzw. der Kritik Schachts entgegen; C 7493/635/18, FO 371–18 873, S. 25 ff. (November 1935). —„Ottawa“, „Import Duties Act“und andere 1931/32 getroffene Maßnahmen verursachten eine Umlenkung der Warenströme zum Vorteil des „inter-imperial trade“und damit — vor dem Hintergrund eines schrumpfenden Welthandelsvolumens — zu Lasten der ähnlich den Dominions strukturierten, von der Krise betroffenen „primary producers“in Mittel- und Südost-Europa. Zur Wirkung von „Ottawa“s. Arndt, Economic Lessons, S. 105 ff.; H. W. Richardson, Economic Recovery, S. 262 f.; PEP, International Trade, 1937; Teichova, Background, S. 30 ff.; Wendt.Google Scholar
  121. 121.
    Beide Strategien enthalten die Überantwortung „Mitteleuropas“an den deutschen Einfluß; sie sind in anderer Hinsicht auseinanderzuhalten. Das schließt aber nicht aus, daß die Vertreter der erstgenannten Strategie in das Lager der zweiten überwechseln konnten, d. h. die wirtschaftlichen Lösungsmöglichkeiten hintanstellten, sobald sie entdeckten, daß erstens Hitler (und nicht Schacht oder Göring) die deutsche Ostpolitik bestimmte und auf „Kriegsrisikokurs“lenkte, daß zweitens die Frage des territorialen Status quo in „Zwischeneuropa“akut wurde und zwar allein als Machtfrage. Das betrifft in erster Linie Lothian. Er hielt zwar an der e. a.-Strategie fest, aber da (laut Lothian) die Gefahr einer politischen Blockbildung unmittelbar bevorstand, mußte englische Politik auf die Machtfrage reagieren. Für Lothian hieß das, die amerikanische Unterstützung zu gewinnen, auch dadurch, daß England sich dem US- und dem kanadischen „Isolationismus“anpaßte. Zur zweiten Gruppe gehören Amery (Empire Economic Union), Dawson (Times), Simon, Hankey, Swinton, Eyres-Monsell. Generell ist festzustellen, daß auch Kreise, die sich nach „München“zu den Anti-Appeasers rechneten, im Zeitraum Mitte 1937/Mitte 1938 dafür eintraten, daß England sich von der Verantwortung für den Status quo lossagte (wegen des Stands der Aufrüstung) und versuchte, die Beziehungen zu allen Mächten zu verbessern; All Souls Meeting, 18./19.12.1937; s. ferner: Nicolson-Diary, 22.12.1937 u. 22.3.1938. Zu Chatfield und Hankey s. oben, Kap. II. Die Gemeinsamkeiten der zweiten Gruppe betreffen: sozialimperialistische Motive; Großraum wirtschafts- und; Anerkennung Deutschlands als zweite große europäische Nation; geopolitische Auffassungen. Die zweite Strategie ist nur insofern eine „economic appeasement“-Strategie, als sie „appeasement“-Effekte vom Zugeständnis einer wirtschaftlichen Mitteleuropa-„Lösung“an das Dritte Reich erwartet.Google Scholar
  122. 122.
    Siehe Kap. I/Abschn. 4. — F. Whyte, 8.1.1936, Royal United Services Institute, Vortrag über Japan. Betr. Milner-Amery und die „Mitteleuropa“-Diskussion auf englischer Seite im Ersten Weltkrieg s. die Habil.-Schrift des Verf.; Lothian, 29.6.1937, Germany and the Peace of Europe, in: International Affairs, XVI, S. 870–893.Google Scholar
  123. 123.
    Der Anteil des Chinahandels am englischen Gesamtexport (1933) betrug 2,5%, der Anteil der englischen Investitionen in China an den englischen Gesamtinvestitionen ca. 5%/6%; s. C. F. Remer, Foreign Investments in China, New York 1933, S. 99, 138;W. R. Louis, British Strategy in the Far East 1919–1939, Oxford 1971, S. 6 ff.; Endicott, Diplomacy and Enterprise, Manchester 1975, S. 19 ff., 22 f.Google Scholar
  124. 124.
    Siehe oben, Kap. II, „Hankey“, „Chatfield“; Anm. 1/208, 209.Google Scholar
  125. 125.
    Simon, 11.8.1936, Diary; 17.4.1935, Stresa-Notizen; „No ring is going to keep Germany in, as she is going now [i. e. Aufrüstung!. If she acts, it is surely better that she should act to the East… that will at worst occupy the energies for a long time and may well prove a lesson and not a stimulus.“; s. Anm. I/208 ff., 223 ff.Google Scholar
  126. 126.
    Cadogan-Minute, 28.5.1937, zu C 3621/270/18 (Lothian-Bericht über Hitler-Interview), FO 371–20 735, S. 239: Die Kleinstaaten würden wirtschaftlich profitieren, wenn sie in den deutschen Einflußbereich gelangten.Google Scholar
  127. 127.
    Das FO (Sargent, Vansittart) bezweifelte die Richtigkeit der Argumentation Lothians und unterstellte ihm Defätismus (FO 371–20735, S. 235 ff.). Lothian wolle die deutsche Gefahr auf Kosten Dritter bannen; s. Colvin, Vansittart, S. 144 ff. — Lothian nutzte die Einladung, vor der Deutsch-Englischen Gesellschaft zu sprechen, um davor zu warnen, England zu unterschätzen (3.6.1936, C 4184, FO 371–19 906; ebenso Lothian an Baldwin, Halifax, Smuts, King). Lothian bemühte sich 1936/37 darum, das Klima in den USA zugunsten Englands zu verbessern und nach Wegen zu suchen, wie Rüstungskäufe trotz der Neutralitätsgesetze und Johnson-Act ermöglicht werden könnten.Google Scholar
  128. 128.
    Vgl. Wendt, Economic Appeasement, S. 348 ff. — Andere Formen des „economic appeasement“sind die verschiedenen Konsortienpläne betr. China; s. H. Nicolson-Diary, 16.6.1937, S. 295 f. Der Plan hatte die Funktion, Deutschland von der Expansion nach O-SO-Europa abzulenken. Aufgrund der Gespräche in Berlin im Mai 1937 sah Lothian die Hauptgefahr in der Blockbildung. Mit der Begründung, daß keiner der europäischen Verbündeten England helfen würde, wenn Deutschland im Gegenzug zum englischen Beitritt in den Status quo-Block mit Japan kollaboriere und Japan das BE angriffe, stempelte er die „Balkan troubles“zu einer lokalen Angelegenheit, die England, die USA und die Dominions unmittelbar wenig angehe: GD 40–17, Bd. 203, S. 264 ff., 11.5.1937.Google Scholar
  129. 129.
    Für die englische Regierung schieden Kreditaktionen aus, ebenso die grundlegende Korrektur der 1931/32 getroffenen Weichenstellung. Seit 1937/38 kam hinzu, daß das £ durch ungünstige Zahlungsbilanzen, durch den Abzug kurzfristiger Geldanlagen aus London mehrmals unter Druck geriet. Da England die Kreditfinanzierung wichtiger Aufgaben abgelehnt und die Emission von Verteidigungsanleihen hinausgeschoben hatte, waren Stützungsaktionen größeren Umfangs an Deutschland (anders als an Frankreich) ausgeschlossen; die Frage von Akzeptkrediten steht auf einem anderen Blatt — s. Anm. III/3; Phipps an Eden, 21.10. 1936, Simon-Nachlaß.Google Scholar
  130. 130.
    Die Fragestellung entspricht dem Streit in der deutschen Geschichtswissenschaft über die Beurteilung der Kriegsziele im Ersten Weltkrieg: Kann man zwischen einer Ludendorff-Po-litik und einer flexiblen Hegernonialpolitik (Bethmann Hollweg) als gleichermaßen „realen“Politiken unterscheiden?Google Scholar
  131. 131.
    Siehe unten, Kap. III/C. Zu den „vested interests“(Agrar-Lobby, Empire Industries Association/Empire Economic Union) s. unten, Kap. IV/6. Lothian sah in Elliot den Hauptvertreter des wirtschaftlichen Nationalismus im Kabinett. In politischer Hinsicht gehörte Elliot zu den pro-französischen Mitgliedern im Kabinett. Er spielte die „nationalen“Agrarin-teressen auch gegen die Dominions hoch, s. Drummond, Economic Policy, bes. S. 232 ff., 108 ff., 104.Google Scholar
  132. 132.
    Zum Halifax/Göring-Treffen, November 1937, s. Schwoerer, Lord Halifax’s Visit to Germany, in: The Historian, Bd. 32 (1970), S. 353 ff.; Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 133 ff.; Colvin, Chamberlain Cabinet, S. 51 ff.; Gilbert/Gott, The Appeasers, S. 94 f.; Cowling, The Impact of Hitler, S. 273 ff.; Wendt, Economic Appeasement, S. 439 ff.; Eden, S. 508 ff.; Harvey-Diaries, S. 59 ff.; All Souls Meeting, 18./19.12.1937 (Nicolson, Liddell Hart, L. Curtis, A. Toynbee, H. V. Hodson u. a.).Google Scholar
  133. 133.
    Teichova, Economic Background to Munich, S. 380 ff.; Feiling, N. Chamberlain, S. 376; BDFG, 3. Ser., Bd. II, Nr. 1228, S. 639 ff; die Entsprechung zu dieser Einstellung findet sich in Chamberlains Japan-Politik, s. Chamberlain-Diary, 9.10.1934, NC 2/23A.Google Scholar
  134. 134.
    BT 11–1006, Financial Pressure on Germany, Hawtrey/T an Wills/BofT, 27.5.1938; Wills an Hawtrey, 31.5.1938; T-Report; Wills an Ryan (CID). — T 160–769, F 15456, Means of financial pressure in the event of war, with special reference to Germany and Japan (12.3.-27.5.1938); Medlicott, Economic Blockade, Einleitung; Teichova, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 295; FP 54 und FP 74 (36), Cab. 27–627. — Dietrich Aigner, Das Ringen um England, München/Esslingen 1969, S. 344 ff.Google Scholar
  135. 135.
    Der Anstoß ging im Herbst 1938 von Regierungsseite gegenüber der FBI — nach Anregung von deutscher Seite in London — aus; „Origin of Anglo-German Industrial Conversation“, FBI/S/WALKER/110; s. auch Holland, Capitalism in Crisis, S. 11. Die Empfehlung, Gespräche zwischen Industriegruppen zu ermutigen (Deutschland, Japan), gehörte zum Repertoire der Appeasement-Gruppen: so zum Beispiel Runciman betr. Japan, 1934 (s. Drummond, Economic Policy, S. 134 ff.). Leith-Ross und Ashton-Gwatkin traten gleichfalls dafür ein. Die FBI hielt sich eher zurück, in Kenntnis ihrer strukturellen Benachteiligung gegenüber der Reichsgruppe Industrie und des unterschiedlichen Verhältnisses FBI/Whitehall und Berlin/Reichsgruppe Industrie. Außerdem herrschte im Grand Council Mißtrauen gegen die vom Direktorium geführten Sondierungen; einige Verbände wollten die Gespräche in ihrer Hand behalten, d. h. den Dachverband aus den „Branchen“-Gesprächen heraushalten. Zur Geschichte der Industrieellengespräche s. Wendt, Economic Appeasement, S. 413 ff.; Holland, Capitalism in Crisis, S. 7 ff. Die „politischen“Beamten des FO waren eher gegen bilaterale Kontakte — aus Furcht vor einer Wiederholung der Begleitumstände des Flotten-und Zahlungsabkommens. Die englische Regierung entschied 1936 auf Vorschlag von Interdepartmental Committees, entsprechende Kontakte zwischen ausgewählten Branchen zu fördern; s. im einzelnen BT 11–735; 433; 442; 1045. Siehe auch (Jebb-) Eden-Memo., an N. Chamberlain, 17.3.1937„ W 6363/5/50, FO 371–21 215, S. 183 (Deutschland), S. 189 (Japan). Zu den Verhandlungen der USA mit Japan über freiwillige Exportbeschränkungen s. Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 153 ff.; zu englischen Verhandlungen mit Japan s. Drummond, Economic Policy, S. 134 ff.Google Scholar
  136. 136.
    Zu den Industriellengesprächen und Ausgleichsbemühungen 1938/39 s. Gilbert/Gott, The Appeasers; Kettenacker/Lenz, Lord Kemsleys Gespräch mit Hitler, in: VZG, 19 (1971), S. 305 ff.; Wendt, Economic Appeasement, S. 561 ff., 491, 493 ff.; Metzmacher, Deutschenglische Ausgleichsbemühungen im Sommer 1939, in: VZG, 14 (1966), S. 369 ff.; Martin, Machtpolitik. — Cowling (Impact of Hitler, S. 205, 154) warnt zu Recht vor einer Überschätzung des Effekts der Gespräche. — Das Rezept „meetings of business men… might perhaps be a suitable means of bringing about a return to common sense“, wurde von Lord Riverdale wie von Schacht empfohlen — Berlin an FO, 7.6.1935, C 4653/653/18, FO 371–18 871, S. 41, 43. — BofT und T hatten die von Lehnkering/Tennant angeregten Marktteilungsprojekte oder die Teilung von Kontrakten zu für beide Länder „remunerativen“Preisen zurückhaltend bis ablehnend kommentiert: s. C 1980/25/18,6.3.1935, FO 371–18 822, S. 117 ff., 125 f.; C 3485/25/18, 26.4.1935, ebd., S. 169 ff.; C 3722/25/18, 30.4.1935, ebd., S. 182 f.Google Scholar
  137. 137.
    Glenday, 23.3.1937, Tariff and Trade Treaties Committee, FBI/C/2/1937; Holland, Capitalism in Crisis, S. 10.Google Scholar
  138. 138.
    Ashton-Gwatkin, 11.3.1936, C 1651/4/18, FO 371–19 889, S. 18 f.; Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807/4/18, FO 371–19 884, S. 46 f.Google Scholar
  139. 139.
    Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807, S. 2,6. — Das strikte Votum der Defence Services gegen eine Präzisierung der englischen Obligationen ließ ihres Erachtens nur auf wirtschaftlichem Feld Betätigungsmöglichkeiten; hier böte sich auch die Chance, auf die Richtungskämpfe in Deutschland einzuwirken. Ähnlich argumentierten Dawson (Times) und Oppositionsliberale — s. Cowling, Impact of Hitler, S. 132 f.Google Scholar
  140. 140.
    Der Begriff „economic appeasement“bezieht sich im Folgenden auf die Economic Section im FO und auf Lothian und Jones.Google Scholar
  141. 141.
    Ashton-Gwatkin, Germany’s Economic Position, Annex zum Wigram/Sargent-Memo., in: Phipps-MSS., 5/5, S. 120–123; s. auch Wendt, Economic Appeasement, S. 321 ff.; Wigram /Sargent(-Memo., § 31; Sargent-Minute, 30.11.1935, FO 371–18 851, S. 175) wendeten das Schlagwort „Danegeld“auf „colonial appeasement“an. Auch Ashton-Gwatkin deutete koloniale Konzessionen als Zeichen der Schwäche (s. Anm. III/104). Zur Diskussion standen auf deutscher! und auf englischer Seite die Rückgabe der Kolonien/Mandatsgebiete (Togo, Kamerun, Tanganyika), was Tauschgeschäfte bzw. Entschädigungen an Frankreich und Portugal mit sich brachte, und die Rohstoff-Frage. Da das Problem auf deutscher Seite Devisenknappheit, hieß und dieses Problem als Folge „falscher“Prioritäten ausgegeben werden konnte, hatten die Gegner des Vorschlages gute Argumente zur Hand. Hinzu kam, daß die Rohstofferzeuger Abnehmer suchten; die „Besitzfrage“konnte deshalb als Macht-Prestige-Frage ausgegeben werden. Die Labour Party diskutierte die Rohstoff-Frage im Kontext eines Völkerbunds-Systems, das den Zugang zu Rohstoffen als Köder und gegenüber den Nicht-Mitgliedern eventuell als Sanktionsinstrument einsetzen konnte. Zur Frage eines „colonial appeasement“s. Gilbert/Gott, Kap. 4; Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 111 ff. u. a. O.; Colvin, Chamberlain Cabinet, S. 37, 39 ff.; Wendt, Economic Appeasement, III. Teil, Kap. 1; MacDonald, Economic Appeasement, S. 106 ff.; Cowling, Impact of Hitler, S. 82 f., 89, 116 f., 132 f., 156, 162, 299.Google Scholar
  142. 142.
    Zu den Verhandlungen mit Frankreich und einzelnen Dominions über das Tauschprojekt betr. Togo/Kamerun s. Tamchina, Commonwealth and Appeasement, S. 88 f.; Ovendale, „Appeasement“, S. 34 f., 47 ff.; Hildebrand, Vom Reich zum Weltreich, S. 493 ff. — Ashton-Gwatkin und Jebb sahen in der Kolonial- als Territorialfrage auch die Schwierigkeit, daß ein Entgegenkommen an Deutschland angesichts der deutschen Aufrüstung und der italienischen Aggression innenpolitisch nicht tragbar wäre: Ashton-Gwatkin, 1.1.1936, C 400 /99/18, FO 371–19 931, S. 35 ff. (Annex zum Wigram/Sargent-Memo.); Jebb, 24.6.1936, FO 371–19 933, S. 319 ff.; Hall-Scheme, S. 2 f. (Jones-MSS., Nr. 10).Google Scholar
  143. 143.
    Ashton-Gwatkin/Jebb-Memo, 31.1.1936, C 807/4/18, FO 371–19 884, S. 44 ff.; s. ferner FO 371–19 888, S. 75 ff.; Ashton-Gwatkin, 4.3.1936, FO 371–19 889, S. 18 f.; Hall-Sche-me, 16.7.1936, Jones-MSS., E/l, Nr. 10; s. ferner FO 371–19 933, S. 322 ff.Google Scholar
  144. 144.
    Siehe Anm. III/104, 157. In den FO-internen Vorberatungen über die Kabinettsvorlage zum „working agreement“stand die Alternative Luftpakt oder Rohstoff-Frage zur Debatte. Unter dem Vorsitz von Eden entschied man am 14.2.1936, daß es an Deutschland sei, in der Kolonialfrage initiativ zu werden, Deutschland müsse dann Gegenleistungen offerieren; C 998/4/18, 15.2.1936, FO 371–19 885, S. 275. Die Rohstoff-Frage sollte getrennt von der Deutschlandinitiative im Völkerbund auf die Tagesordnung gesetzt werden; s. auch C 796/4/18, 3.2.1936, FO 371–19 884, S. 21. Siehe ferner Lothian, The Peace Aspect of Reconstruction, August 1935: „We shall be able to escape the redevelopment of the 1914 alliance system… only if we can prove that through the League there is a reasonable chance of finding a reasonable place in the sun for all nations. And that place in the sun includes territorial and economic aspects. The pressure for that most difficult thing — the transfer of territory — will lessen in proportion as security for raw material and markets can be obtained for all nations in other ways.“Vgl. Cowling, Impact of Hitler, S. 89 f., 110 ff. Da Schacht — für die e. a. die Schlüsselfigur unter den „moderates“in Deutschland — sein Prestige an einen Erfolg in der Kolonialfrage knüpfte, war die Verständigungsbasis schmal. Schacht erwartete ein Entgegenkommen in der Togo-Kamerun-Frage, die e. a. setzten auf die in Hoare’s Genfer Rede angedeutete Linie (s. Anm. III/104; FO 800–295, S. 191–195). Die Treasury lehnte ein Entgegenkommen in der Rohstoff-Frage ab; C 2847/99/18, FO 371–19 932 (April 1936); zur Haltung Chamberlains vgl. Cowling, Impact of Hitler, S. 154.Google Scholar
  145. 145.
    Ashton-Gwatkin, 21.11.1935, C 400/99/18, FO 371–19 931, S. 35 ff.; Minute, 23.12.1935, FO 371–18 873, S. 129. Nach seiner Ansicht nahmen die Clearing- und Handelsabkommen die „preferential area“vorweg:C 397/8/18, FO 371–19 917, S. 147 f. Das „Tauschgeschäft“begründete Ashton-Gwatkin damit, daß eine wesentliche Ausweitung des deutschen Handels mit Südost-Europa nicht mehr zu erwarten sei; einen Zollverein sah er nicht kommen; seine deutschen Gesprächspartner bestärkten ihn in seiner Deutung (C 5685/99/18, 24.7. 1936, FO 371–19 934, S. 88). Er hielt sich daran, daß der Anteil des UK-Handels mit den acht Staaten Mittel- und Südost-Europas (inkl. der Türkei) 1935 am Gesamthandel wenig mehr als 2% ausmachte (£ 26,4 Mill.), während der Handel mit dem Baltikum, Polen, Finnland und Skandinavien 10,6% erreichte. Auf dem nordeuropäischen Markt hatte England einen Vorsprung: Solange es diesen halten konnte, könne es Mittel- und Südost-Europa Deutschland überlassen: 17.8.1936, § 11, R 4969/1167/67, FO 433–3, S. 82, 85 ff., „German Economic Penetration in Central Europe, the Balkans and Turkey“; s. auch Wendt, Economic Appeasement, S. 402 ff. sowie ders., in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung. Zu den Strukturproblemen Ost- und Mittel-Europas und den Voraussetzungen der Abhängigkeit von Deutschland s. Raupach, in: VZG, XXIV (1976), bes. S. 41, 52; Treue, in: VZG, I (1953), S. 62–64. Zur Entwicklung des deutschen Osthandels in den dreißiger Jahren s. Volkmann, S. 101 ff.; Schröder, in: Knapp, S. 132 ff.Google Scholar
  146. 146.
    Ashton-Gwatkin, C 400/99/18, FO 371–19 931, S. 36 (21.11.1935, Annex zum Wigram/ Sargent-Memo.). Die Protektionisten — Amery — nutzten das Vergleichsbild, um die Teilung der Welt in Großraumwirtschaftsverbände zu rechtfertigen; das BE und Deutschland müßten den Vorsprung der USA (geschlossener Markt) aufholen. Ähnlich der amerikanischen Politik (auch der gegenwärtigen) sah Lothian in der Pentarchie geschlossener Handelsstaaten eine Kriegsgefahr.Google Scholar
  147. 147.
    Die Standardkritik lautete, als Ergebnis würde man nur die wirtschaftliche Unterwerfung der Nachbarstaaten unter Deutschland bzw. unter die nationalsozialistischen Doktrinen feststellen können. Einige Kritiker empfahlen, die Nationalstaaten durch Gewährung von Warenkrediten aus der Abhängigkeit von Deutschland zu „befreien“. — Collier, 22.11. 1935, FO 371–18 856, S. 147 f. (Kommentar zum Wigram/Sargent/Ashton-Gwatkin-Me-mo.); Vansittart, 1.12.1935, VNST 2/24; BofT-Steilungnahme, G(36)7, 26.2.1936, Cab. 27–599; betr. Magowan (1938) s. Lammers, From Whitehall after Munich, in: HJ, XVI/4 (1973), S. 840; MacDonald, Economic Appeasement, S. 121, 126. Zur vergleichbaren Diskussion in den USA über Maßnahmen gegen deutsche Penetration in Südamerika s. Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 208, 260 ff.; Schröder, Deutschland, Kap. V. 3 und VI.; Varg, Good Neighborhood Policy. — Hier — wie im englischen Fall — standen Schuldenrückstände und die Struktur der Handelsbeziehungen einer reibungslosen, schnellen Anwendung der Gegenmaßnahmen im Wege.Google Scholar
  148. 148.
    Ashton-Gwatkin, C 400/99/18, FO 371–19 931, S. 37; zu dieser Dauerdebatte s. Gilbert, Roots\ Wendt, Economic Appeasement, Kap. 2 u. a. O.; MacDonald, Economic Appeasement.Google Scholar
  149. 149.
    Ashton-Gwatkin, C 400/99/18, FO 371–19 931, S. 36 f.; vgl. Wendt, Economic Appeasement, S. 290 ff., 60 f. u. a. O. — Die Bereitschaft, die „Normativität des Faktischen“als Grundlage der Beziehungen zu nehmen — die englische Einflußzone in Nord-, die deutsche in Mittel-Südost-Europa betreffend — erklärt sich zum Teil daraus, daß die mittel- und südosteuropäischen Staaten die nach englischer Auffassung „vernünftigen“Sanierungsversuche (Zollunionsprojekt) „hintertrieben“und auf die französische Deutschlandpolitik verschärft Einfluß zu nehmen versucht hatten. Zur Problematik generell s. E. H. Carr, International Relations between the Two World Wars 1918–1939, S. 136 ff.; Albrecht-Carrié, Diplomatic History, S. 453 f.; Newman, Origins of Munich, in: HJ, XXI/2 (1978), S. 371 ff.Google Scholar
  150. 150.
    Cranborne, 17.3.1936, FO 800–296, S. 139–142 = FO 371–19 894, S. 234 ff.; Stanhope, 26.11.1935, FO 371–18 860, S. 137; zu Lothian und zu Ashton-Gwatkin s. Anm. III/115, 126.Google Scholar
  151. 151.
    In dieser Einschätzung trafen sie sich mit ihren Kontrahenten (Einzig; Financial News; Dalton), die von der Erholung der Weltmarktpreise (1936/37) erwarteten, daß die „Balkan“-staaten sich dem Zugriff des deutschen Nachbarn wieder würden entziehen können. Ihrer Ansicht nach mußte die englische Politik freilich aktiv eingreifen, um die Situation zu nutzen, d. h. Marktverflechtungen zwischen den Westmächten und den Staaten in „Zwischeneuropa“schaffen. Die economic appeaser wollten die Konjunktur nutzen, um Deutschland Exporte nach England zu ermöglichen (s. unten, Kap. III, Abschn. 7, 8). Die auf diese Weise erneuerte Interdependenz sollte ein Gegengewicht zu der als „natürlich“verstandenen Verflechtung zwischen Deutschland und den Ländern „Mitteleuropas“bilden. — Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807/4/18, S. 3 u. 6, FO 371–19 884, S. 46 ff.; Ashton-Gwat-kin, 27.10.1938, C 14 471/42/18, Annex E, FO 371–21 659; vgl. Lammers, Whitehall, in: HJ, XVI/4 (1973), S. 840; zu Cadogan s. ders., ebd. S. 837. Zu den Handels- und Kapitalbeziehungen und -strukturen in Mittel-Südost-Europa s. Teichova, Background to Munich; S. 62 ff., 189 ff., 277 ff., 336 ff.; dies., in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung; dies., in: Tradition, XVII (1972), S. 143 ff.; s. ferner Bandera, Foreign Capital as an Instrument; Schmölders, Frankreichs Aufstieg zur Weltkapitalmacht, in: Wirtschaftsprobleme der Gegenwart, H. 22/23 (1933).Google Scholar
  152. 152.
    Ashton-Gwatkin, 16.3.1936, 25.3.1936, in: FO 371–19 932, S. 294; FO 371–19 892, S. 202 f.; Jebb/Ashton-Gwatkin, 31.1.1936-Memo., S. 3, 6, FO 371–19 884, S. 46 ff.; Ashton-Gwatkin, 27.10.1938, FO 371–21 659.Google Scholar
  153. 153.
    Lammers, Whitehall, S.837; MacDonald, Economic Appeasement, S. 121, 126; s. auch Gilbert/Gott, The Appeasers, S. 196, zur Kritik Hudsons und Stanleys; s. ferner Wendt, Appeasement 1938, S. 124 ff.Google Scholar
  154. 154.
    Siehe Anm. III/54, 55, 149, 151, 164 ff.Google Scholar
  155. 155.
    Ashton-Gwatkin, German Economic Penetration in the Danube Valley, 27.10.1938, S. 11–18, FO 371–21 659. Vgl. auch Lord Gladwyn, The Memoirs, S. 53 ff.Google Scholar
  156. 156.
    Siehe Anm. III/147, 153; betr. „pre-emptive purchase “-Methoden s. Swinton, S. 164 ff.; zur Aktivierung der englischen Südost-Europa-Politik 1937/38 s. Einzig, S. 91 ff.; Gilbert/ Gott, S. 196; BT 11–1077 (Jugoslawien); BT 11–903 (Rumänien). Auch auf französischer Seite scheiterten Vorstöße, zum Beispiel rumänisches Getreide aufzukaufen oder die Investitionstätigkeit auf dem Balkan zu erneuern, am Widerstand des Landwirtschaftsministeriums oder an der Zurückhaltung französischer ‚Kapitalisten‛.Google Scholar
  157. 157.
    Zum Folgenden: Ashton-Gwatkin/Jebb, C 807/4/18, 31.1.1936, FO 371–19 884, S. 46 ff.; ferner FO 371–19 888, S. 75 ff.; Ashton-Gwatkin, 4.3.1936, FO 371–19 889, S. 18 ff.; Hall-Memo., 16.7.1936, Barrington-Ward an Jones, Jones-MSS., E/l Nr. 10 = FO 371–19 933, S. 322 ff. Zum Hall-Memo. und der Studiengruppe s. Lord Gladwyn, The Memoirs, S. 63 ff. — Die Rohstoff-Frage und die Liberalisierung des Welthandels, zwei Kernpunkte des Programms der e. a., stießen auf den Widerstand der „vested interests“(s. unten, Kap. III/ C). Auch Wendt sieht das (Appeasement 1938, S. 62 u. a. O.), ohne daraus die Konsequenzen für seine Interpretation der englischen Handels- und Finanzpolitik als „economic appeasement“zu ziehen (s. Wendt, S. 88).Google Scholar
  158. 158.
    Ashton-Gwatkin/Jebb C. 807, S. 6.Google Scholar
  159. 159.
    Den Vorwurf erhob zum Beispiel Pinsent im Kommentar zum Ashton-Gwatkin/Jebb-Me-mo. vom 31.1.1936, s. Pinsent, 7.3.1936, in: Phipps an FO, FO 371–19 888, S. 77.Google Scholar
  160. 160.
    Die Unterstellung war plausibel, da die e. a. sich mit Äußerungen von „Außenseitern“identifizierten, die — wie H. Butler — die französische Nachkriegspolitik verurteilten und dazu aufforderten, endlich auf deutsche Angebote ernsthaft einzugehen. Sie selbst werteten die deutschen „Doppel“-aktionen als Beitrag zur „economic recovery“. Minutes, 16.3.1936, FO 371–19 892, S. 202 f.; 25.3.1936, FO 371–19 932, S. 294 f. Durch die regierungsinternen „terms of debate“mitbedingt, betonten auch die e. a. im FO und Lothian, daß auf politischem Gebiet gleichfalls Fortschritte erzielt werden müßten.Google Scholar
  161. 161.
    Die e. a. betonten daher, daß economic appeasement nur im Rahmen einer umfassenderen Lösung — zum Beispiel „customs union“— angestrebt werden solle; s. unten, Kap. III/7. — Jebb, 16.3.1936, zu C 1558/4/18, FO 371–19 888, S. 76. Lothian beanspruchte, daß er nicht ökonomische Vorleistungen (Danegeld) befürworte, sondern eine Politik der „security [i. e. Aufrüstung, Bindung an die USA, Dominions und Frankreich], revision and economic relaxation“verfolge. Darauf könne dann eine Politik der Abrüstung folgen; Lothian an C. Hull, 12.10.1937, Bd. 347;s. Butler 221 ff.; Round Table, Dezember 1935, S. 103–105: Es sei eine gefährliche Illusion, die Interessen der Kleinstaaten in der Meinung zu opfern, das rette den Frieden; dies würde nur das Lager der Friedensmächte schwächen. Die Diskussion in den USA verlief ähnlich: Die Handelsvertragsabteilung im State Department wollte — im Oktober 1937 — ein deutsches „Angebot“aufgreifen (die Verbesserung der Handelsbeziehungen werde auf die Gemäßigten positiv wirken). Feis/Moffat betonten hingegen, daß Deutschland seine Ziele und Methoden nicht wandeln werde; s. Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 197; Schröder, Deutschland, S. 180 ff.; Gardner, Sterling-Dollar-Diplomacy, S. 10.Google Scholar
  162. 162.
    Wigram, 20.5.1936, C 3746/4/18, FO 371–19 906. Ähnliches galt für andere Vorschläge -Flankenschutz für die Abwertung der Reichsmark und Verzicht auf Gegenmaßnahmen;s. Pinsent an Waley, 15.6.1936, C 4487/99/18, FO 371–19 933, S. 266; vgl. Anm. III/176, 367. Derartige Aktionen hätten Symptome kuriert; sie böten Deutschland zu wenig, um politisches Wohlverhalten oder graduelle Beseitigung der Auswirkungen der Rüstungswirtschaft auf die Wirtschaftsstruktur zu erreichen.Google Scholar
  163. 163.
    Jebb, 16.6.1936, zu C 4074/99/18, FO 371–19 933, S. 197 ff.; BofT-Memo. — G(36)7, 26. 2.1936, Cab. 27–599 — spricht sich gegen englische Zollsenkung, Anerkennung deutschen Einflußvorrangs in „Mitteleuropa“aus u. a. m. In informellen Vorgesprächen mit Waley (T) und Q. Hill (BofT) hatten Ashton-Gwatkin und Jebb die zu erwartenden Einwände der Wirtschaftsressorts zu hören bekommen; 17.1.1936, Ashton-Gwatkin, C 397/8/18, FO 371–19 917, S. 147 ff.; ferner FO 371–19 932, S. 202 ff. Siehe auch Lord Gladwyn, The Memoirs, S. 54 ff.Google Scholar
  164. 164.
    Vgl. Anm. III/3 und 129. — An die Treffen Schacht/Norman knüpften sich regelmäßig Gerüchte und Meldungen über die Bereitschaft der City, Deutschland bei der Finanzierung seiner Rohstoffimporte zu helfen, oder über Schachts „Wünsche“, einen Kredit von der Bank von England zu erhalten: N. Law an Sargent, 4.9.1934, C 6019/1/18, FO 371–17 687 (die City sei nach Schachts Rede dagegen); 14.9.1934, Leith-Ross an Waley, C 6370/1/18, FO 371–17 688; Phipps an FO, 7.11.1935, C 7493/635/18, FO 371–18 873; Phipps an FO, 26. 9.1935, FO 800–295, S. 251; Waley an FO, 18.11.1935, C 7748/635/18, FO 371–18 873; N. Law an Sargent, 10.12.1935, C 8213/635/18, FO 371–18 873; Morrison, N. Chamberlain betonten in den Fragestunden des Unterhauses, daß in den letzten Jahren nur der £ 750 000-Kredit der Bank von England (Dezember 1934) zur Begleichung ausstehender Handelsschulden an englische Gläubiger vergeben worden sei (23,3.1936, HofC); s. im einzelnen Wendt, S. 344 ff. Zu den Arrangements internationaler Konzerne mit Deutschland (Japan) und der Rechtfertigung, daß Geschäftsinteressen gegenüber Regime wechseln anpassungsfähig bleiben müßten, s. Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 103 ff., 144; Martin, in: GG, H. 1,2. Jg., S. 66 f.Google Scholar
  165. 165.
    Die deutschen Exporte waren 1935 gegenüber 1934 um 11% gestiegen, die Finanzierung des Rohstoff import-„bedarf s“aber nicht verbessert worden (FO-Minutes, 16.6.1936, FO 371–19 932, S. 196). Zur Entwicklung des bilateralen deutsch-englischen Handels nach dem Abkommen vom 1.11.1934, s. Wendt, S. 294 ff.; zum deutschen Außenhandel s. Volkmann, S. 85 ff., 101 ff.Google Scholar
  166. 166.
    Gegen eine Anleihe sprachen sich die „politischen“Beamten im FO und Eden aus: C 8205 /635/18, 23.-30.12.1935, FO 371–18 873, S. 191 (betr. „Government guaranteed loans“). Ashton-Gwatkin (16.3.1936, FO 371–19 892, S. 203) erwog Kredithilfe zur Finanzierung von Rohstoffimporten in der kritischen Übergangsphase; sie würde sich ergeben, wenn der von H. Butler vorgelegte Plan zur Umstellung der deutschen Rüstungswirtschaft auf „Friedens“-produktion zum Zuge käme. Auch Jebb-Replik auf Pinsents Kommentar zum Memo, vom 31.1.1936, FO 371–19 888, S. 76 — schloß „Government guaranteed loans“nicht völlig aus; Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807/4/18, S. 4/Punkt E, FO 371–18 884.Google Scholar
  167. 167.
    Zur Haltung der Treasury s. unten, Kap. III/C, 1; s. auch Anm. HI/171. — Ashton-Gwatkin, Aufzeichnung über die Gespräche in Berlin, 21.–23.7.1936, 24.7.1936, C 5685/99/18, FO 371–19 934, S. 88 f. Gesprächspartner waren u. a. Puhl, Treue, Wienke.Google Scholar
  168. 168.
    Ashton-Gwatkin gewann diesen Eindruck in Berlin, s. 24.7.1936, C 5685, FO 371–19 934, S. 88. Phipps kritisierte Ashton-Gwatkins Auffassung; die Reichsbankvertreter sähen die Fragen zu „technisch“, es handle sich jedoch nicht um Fragen, in denen technokratische Erfolge zählen würden; FO 371–19 934, S. 145, C 5928/99/18.Google Scholar
  169. 169.
    Jebb-Minute, 28.4.1936, zu C 3110/99/18, FO 371–19932, S. 80; ferner Ashton-Gwatkin an Kirkpatrick, 23.3.1936, C 1558/4/18.Google Scholar
  170. 170.
    FO-Minutes zu den Artikeln Einzigs in Financial News, Anfang November 1936, C 7986/ 97/18, FO 371–19 930. — Phipps hatte im September 1936 prophezeit, daß Ribbentrop seine Botschaftertätigkeit in London mit einem Paukenschlag ähnlich dem Flottenabkommen vom 18. Juni 1935 eröffnen wolle; er fügte hinzu, daß diese Stimmungsmache ihm in der City eher schaden werde.Google Scholar
  171. 171.
    Schacht wünsche keine „large new credits“(für Stabilisierungsmaßnahmen), wohl aber „some additional reimbursement credits… to come from the market“. Schacht versprach, die langfristigen Schulden nicht zu kündigen, vorausgesetzt, durch Konversionsoperationen werde eine Zinssenkung ermöglicht. Er erklärte seine Bereitschaft, die Währung zu adjustieren — dies würde den Abbau der Exportsubventionen erlauben — vorausgesetzt, die anderen Länder ergriffen keine Gegenmaßnahmen zur deutschen „Abwertung“. Die Quoten und andere Handelsschranken sollten gleichfalls schrittweise reduziert werden; s. bes. den Bericht von Leith-Ross, 4.2.1937, über das Gespräch mit Schacht in Badenweiler, 2.2.1937, Phipps-MSS., 3/4, S. 45–68. Diese Punkte bilden den im engeren Sinn wirtschaftlichen Kern der von Schacht initiierten Dreiergespräche; s. dazu Anm. III/511; Eden-Memo., Mai 1937, The Colonial Question, FO 371–20 735, S. 194 ff.; vgl. MacDonald, S. 107; Wendt, S. 449 ff.; Middlemas, S. 111 ff.; Cowling, S. 299; Eden, S. 502.Google Scholar
  172. 172.
    Vansittart an Eden, 5.11.1936, FO 371–19 930. Vgl. Vansittart-Minute, zu Leith-Ross an Waley über das Gespräch mit Norman, 19.9.1934, C 6370/1/18, FO 371–17 688; s. auch Anm. III/164.Google Scholar
  173. 173.
    P. Einzig, Foreign Editor der Financial News und des Banker, ist Urheber der „economic appeasement“(Anklage-)Literatur. Er übte auf die Geschichtsschreibung einen ähnlichen Einfluß aus wie Churchills Gathering Storm. Besonders M. Gilbert/R. Gott sind Einzig streckenweise aufs Wort gefolgt. Wendt folgt vielerorts Einzigs Interpretation, obwohl er in der Hauptlinie „economic appeasement“als „Antwort auf ein ganzes Knäuel innerbritischer Probleme“, „Antwort auf ein Symptom… des tiefgreifenden Umbruches vom 19. zum 20. Jahrhundert“sieht (Appeasement 1938, S. 139). Man kann jedoch nicht Einzigs Begriff und den strukturell-funktional-analytischen Ansatz unter „economic appeasement“subsumieren!Google Scholar
  174. 174.
    Leith-Ross an FO, 3.11.1936, C 7986/97/18, FO 371–19930. Zur Anweisung der Treasury vom Frühjahr 1937, daß die Banken fortan keine neuen Kredite an Deutschland gewähren sollten, s. Einzig, S. 72 ff. Zu den „embargo on foreign loan “-Bestimmungen der Regierung s. Howson, Domestic Monetary Management, S. 143; Howson/Winch, Economic Advisory Council, S. 109, 111 ff.Google Scholar
  175. 175.
    Jebb-Minute, 3.11.1936, FO 371–19 930; s. auch T 177–30; Wendt (S. 405 ff., 408 ff.) zum Komplex Compensation Brokers Ltd. und Rohstoffimporte — deutsche Aufrüstung. Die These, Deutschland habe die Rüstung mit Hilfe der freien Devisenspitzen — genutzt für Rohstoffimporte — mitfinanziert, geht auf Einzig, Economic Appeasement, S. 96 ff., zurück. Zur Rohstoffabhängigkeit Deutschlands und den Hauptproduzenten bzw. -lieferan-ten s. Volkmann, S. 96 ff., 113 ff.Google Scholar
  176. 176.
    Ashton-Gwatkin-Bericht über informelle Beratung mit Waley, Q. Hill, Wigram und Jebb über „positive“Möglichkeiten einer Wirtschaftspolitik gegenüber Deutschland (17.1.1936, C 397/8/18, FO 371–19 917, S. 147 ff.). — Waley gab der Abwertung den Vorzug, da von dieser Maßnahme eine Normalisierung des Handels zu erwarten sei. Die Besprechung insgesamt ergab, daß die Zeit für positive wirtschafdiche Initiativen noch nicht reif sei. Dennoch legten Ashton-Gwatkin/Jebb — 31.1.1936 — ihren Vorschlag vor; Eden hatte aus anderen Gründen das Tempo der „working agreement“-Diskussion forciert. — Schacht hatte im November 1935 gegenüber Norman die Absicht erkennen lassen, die Reichsmark abzuwerten; die T zeigte sich an den „technischen“Beratungen darüber interessiert. Da diese Sondierungen ohne Frankreich stattfinden sollten (aus Furcht vor Publizität und „leakage“), wandte Vansittart die Verzögerungstaktik an;Phipps an FO, 6.11.1935, C 7493/635 /18, FO 371–18 873; Phipps, 10.12.1935, C 8205/635/18, FO 371.18873; 6.1.1936, C 100/99/18, FO 371–19931, S. 5f.; Eden/Norman, 10.1.1936, C 208/99/18, ebd.; 1.4. 1936, C 2619/99/18, Pinsent/Phipps an FO, FO 3710–19 932; Ashton-Gwatkin, 17.1.1936, C 411/99/18, FO 371–19931; Pinsent an Ashton-Gwatkin, 3.4.1936, C 3110/99/18, FO 371–19 932; Waley an FO, über Gespräche Pinsents mit deutschem Bankier (gegen Abwertung zum jetzigen Zeitpunkt), 27.6.1936, C 4679/99/18, FO 371–19 933. Schacht machte die deutsche Abwertung von einer Reihe von Bedingungen abhängig: „readjustment“der Weltwährungen; Ausgleich der deutschen Bilanzen, d. h. verbesserte Exportchancen; Reduktion der Schuldendienste u. a. C 1824/635/18, Februar/März 1935, FO 371–18 870, S. 235 ff.; ferner FO 371–18 873, S. 291 ff. — MacDonald, S. 106 ff. (zur Diskussion Februar /März 1937). Die politische Reichsleitung war entschieden gegen eine Abwertung, und zwar, weil dies die Kosten für die Einfuhr hochwertiger Rohstoffe stärker erhöhen würde als ein wachsendes Exportvolumen wettmachen konnte. Seit 1934 verbesserten sich die terms of trade für Rohstoffe; s. Volkmann, S. 92; W. Fischer, in: Forstmeier/Volkmann, S. 133.Google Scholar
  177. 177.
    Leith-Ross trat im Winter 1936/37 für eine Abwertung („depreciation“) des £ als Antwort auf das Zahlungsbilanzdefizit ein, fand aber keine Unterstützung bei Clay (BofE) und den Spitzenbeamten der Treasury sowie bei N. Chamberlain (s. Sayers, II, S. 474 f.); er „empfahl“der deutschen Politik gleichfalls die Abwertung (s. Anm. III/396).Google Scholar
  178. 178.
    Pinsent an Waley, 15.6.1936, C 4487/99/18, FO 371–19 933, S. 266. Pinsent hatte wiederholt — z. B. C 2872/99/18, FO 371–19 932 — dargelegt, daß die deutsche Wirtschaftsstruktur unter dem Einfluß der „managed currency“so verzerrt („warped“) worden sei, daß eine Rückkehr zur Normalität nur graduell erfolgen könne. — In der Weltwirtschaftskrise hatten Brüning und die Reichsbank — u. a. aufgrund währungspolitischer Zwänge und völkerrechtlicher Auflagen (Young-Plan) — die Abwertung abgelehnt und statt dessen für Devisenbewirtschaftungsmaßnahmen optiert. Im Januar 1933 äußerte Leith-Ross gegenüber Vocke (Reichsbank) die Befürchtung, daß Devisenbewirtschaftung den Weg ins „russische System“öffne; das Ziel müsse aber die Wiederaufrichtung des Kapitalismus sein; implizit empfahl er Deutschland daher Abwertungsschritte; s. Jürgen Schieman, Die deutsche Währung in der Weltwirtschaftskrise 1929–1933, Bern/Stuttgart 1980, S. 185 ff. Zur Sorge vor dem Abgleiten Deutschlands in „russische Bahnen“s. auch Anm. III/13 und 74.Google Scholar
  179. 179.
    Lord Riverdale an Hankey, 9.3.1936, FO 371–19 891, S. 237. Riverdale warnte davor „to take any more of one’s money into Germany than one can possibly help“.Google Scholar
  180. 180.
    Jebb, 16.3.1936, zu C 1558/4/18, FO 371–19 888, S. 76: „I myself believe, however, that this nearly mortal complaint [i. e. Phipps’ über „Hitlerismus“, „cancerous nature of Nazism“] will yield to the radio-active treatment of increased world trade“(„instead of cutting out Hitlerism with a knife“). Daß dabei auch Überlegungen über einen Systemwechsel in Deutschland hineinspielten, schildert Gladwyn offen und — aus seiner Sicht — intelligent in seinen Memoiren (Memoirs, S. 55). — Jebb, 16.6.1936, FO 371–19 933, S. 197 f., zu C 4074/99/18, 24.6.1936, FO 371–19 933, S. 319 f.; Ashton-Gwatkin, 24.7.1936, C 5685/99/18, FO 371–19 934, S. 88 ff.; Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807/4/18, FO 371–19 884, S. 46 f. — Hierbei handelt es sich um die Anwendung der „Stufentheorie“in der praktischen Tagesarbeit. — Deutschlands Anteil am Weltexport ging in der Aufschwungphase 1936/37 von 9,4% auf 8,9% zurück. Laut Deutscher Volkswirt, Leitartikel vom 4.3. 1938, machte sich die englische und amerikanische Konkurrenz auch auf den Märkten bemerkbar, auf denen Deutschland mit barter trade-, Clearing-Methoden bislang Erfolge erzielt hatte. Die deutschen Exporterlöse stiegen nicht ausreichend an, um die Rohstofflager durch Importe aufzustocken; s. auch C 1822/541/18, 11.3.1938, FO 371–21 701, S. 455 ff.; Volkmann, Außenhandel, S. 102; Schröder, Deutschland, S. 236 ff., 255 ff.Google Scholar
  181. 181.
    Hull gegenüber Lindsay, in: Lindsay an Eden, 23.1.1936, BT 11–589, S. 282–288; vgl. Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807/4/18, S. 6,2, FO 371–19 884; Jebb, 16.3.1936, C 1558/4/18, FO 371–19 888, S. 76.Google Scholar
  182. 182.
    FO (Ashton-Gwatkin) Memo., „German Economic Penetration in Central Europe, the Balkans and Turkey“, 17.8.1936, R 4969/1167/67, FO 433–3, S. 83 f.Google Scholar
  183. 183.
    „The only hope of moderating the German drive to the East (which is going on now and which she holds to be inevitable) and reducing it to something which would not take the form of actual military aggression lies in the British Empire taking more German goods“, Bruce gegenüber Stanhope, Aufzeichnung Jebb, 10.6.1936 = Anlage zu C 5197/99/18, Eden an Runciman, FO 371–19 933, S. 325. — Angeregt durch McDougall, vertrat Bruce im Völkerbund die These, man müsse für die deutsche Rüstungsproduktion eine Alternative schaffen und die Frage sofort angehen; s. M. MacDonald an Eden, 10.10.1936, FO 411–19, S. 108; Jebb, 2.7.1936: „If we do nothing, we are in for a war“, FO 371–19 933, S. 334; Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807/4/18, S. 2, FO 371–19 884, S. 46.Google Scholar
  184. 184.
    Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807, S. 2, 6.Google Scholar
  185. 185.
    Kirkpatrick (Berlin) an Wigram, 2.3.1936, C 1590/99/18, FO 371–19 931, S. 218; Kirkpat-rick fügte hinzu — auf Anfrage eines englischen Firmen chefs —, daß in diesem Prozeß Auslandsinvestitionen in Deutschland „might be sacrificed“. — Ashton-Gwatkin gewann im Juli 1936 in Berlin den Eindruck, daß die finanziellen Schwierigkeiten noch handhabbar seien und alles von einer Belebung des Welthandels und hier von ersten englischen Schritten abhinge (24.7.1936, C 5685/99/18, FO 371–19 934, S. 89 f.). Die Spekulation auf den Anpassungsdruck ging nicht auf: Deutschland reagierte auf das Tripartite Agreement mit der These, für Deutschland komme eine Lockerung der Devisenkontrollen usw. erst dann in Betracht, wenn hinsichtlich der Auslandsschulden Entlastung („alleviation“) und Abhilfe in den Rohstoffschwierigkeiten geschaffen wäre: Phipps, 30.9.1936, C 6852/99/18; s. bes. Economic Relations Office, Review of Events, C 7953/7746/62, 6.11.1936, FO 433–3, Nr. 22, S. 148 f. — Im Rahmen der Besprechungen im Konsultativausschuß (Zahlungsabkommen) gewannen Pinsent, BofT (Hill), T. sowie des CEI und darauf gestützt die e. a. den Eindruck, daß Deutschland mit den Barter-Abkommen nicht zufrieden sei. Darin und in den Lichtblicken am Konjunkturhimmel (Rohst off Preisniveau, Welthandel) erblickten sie die Chance, daß auch Deutschland am Wiederaufleben des internationalen Handels Interesse finden könnte; s. Briefwechsel Pinsent/Hill, Oktober 1935, C 7093/25/18, FO 371–18 822; s. Anm. III/188. Zur faktischen Entwicklung, nämlich der Konzentration der deutschen Außenhandelspolitik auf eine bestimmte Gruppe von Partnern, s. Volkmann, S. 101 ff.Google Scholar
  186. 186.
    Vgl. Volkmann, Außenhandel, S. 89 ff., 103 f.; Carr, Arms, Autarky, S. 52 ff.; Schweitzer , Wirtschaftliche Wiederaufrüstung, in: Zs. f. ges. Staatswiss., Bd. CXIV (1958), S. 608; Petzina, Autarkiepolitik, S. 46 ff.; Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 96 ff.Google Scholar
  187. 187.
    Zur Verschlechterung der terms of trade für Deutschland (seit 1934) s. Petzina, Autarkiepolitik, S. 31 ff.; zur Schere zwischen Rohstoffbedarf und Devisenertrag, Eigenproduktion und Einfuhrquote s. Volkmann, Außenhandel, S. 84 ff., bes. S. 97. Ein Teil der englischen Presse (Financial News, Economist) knüpfte an den Preisanstieg die Hoffnung, daß die Donauraumstaaten auf den Weltmärkten Partner finden würden und sich aus der Abhängigkeit vom deutschen Absatzmarkt („barter trade“) „befreien“könnten.Google Scholar
  188. 188.
    Hall-Memo., S. 1, 10, 15. Zur Erholung des Weltmarktpreisniveaus für „primary products“s. Kindleberger, S. 254 ff., 274 ff. — Ashton-Gwatkin vertrat die Ansicht, daß das Angebot des „equal access“/„open door“zu kolonialen Rohstoffen allein Deutschland nicht beeindrucken könne. Das Hindernis heiße: Engpässe in der Devisenfrage; 7.9.1935, FO 800–295, S. 213; s. Anm. III/104.Google Scholar
  189. 189.
    Vgl. unten, Kap. III/B 1 betr. CEI; Hall-Memo., S. 1, 10, 15: Die englische Politik solle wahrnehmen, daß die Krise von 1931 in England vorbei und England stark genug geworden sei, um zugunsten der Wiederbelebung des Welthandels initiativ zu werden. — Der englische Einfuhrüberschuß aus den zehn wichtigsten europäischen Handelsländern war von 1929: £ 117 Mill, auf 1934: £ 31 Mill. (= 26,5%) gesunken. Entscheident für ihre Überlegungen waren die folgenden Beobachtungen: „…the contraction in the British adverse balance with industrial Europe has been accompanied by a proportionate contraction in Europe’s adverse balance with the rest of the world… Primary producers need £ if they are to meet their obligations, and unless their trade with industrial Europe provides them with £ which is only possible if the European countries have acquired sterling balance by trade with the United Kingdom, they cannot sell to Europe and Europe cannot buy from them.“(Hall-Memo., S. 10.)Google Scholar
  190. 190.
    Barrington-Ward an Jones, 16.7.1936, Jones-MSS., E/l, Nr. 10 = C4759/99/18, Hall-Memo., An International Policy for the British Empire. Zur Genesis der Denkschrift s. FO 371–19 933, S. 322 f.; Lord Gladwyn, The Memoirs, S. 63 f.; ferner Jebb, 16.6.1936, FO 371–19 933, S. 197 f.; Ashton-Gwatkin, 25.6.1936, ebd., S. 273 f. — Die Treasury lehnte die Kerngedanken der von Ashton-Gwatkin/Jebb und der Hall-Studiengruppe erarbeiteten Vorschläge ab, s. Wigram-Bericht über Beratungsphasen 22.6.1936, FO 371–19 933, S. 198; Jebb, 25.6.1936, ebd., S. 322. Eden beantragte jedoch eine Prüfung der Praktikabilität des Hall-Scheme (an Runciman, 17.7.1936, C 5197/99/18, FO 371–19 933, S. 329 ff.; FO 371 19 934, S. 1 ff.). Bruce sprach in Genf mit Eden über das Hall-Scheme (3.7.1936, FO 371–19 934, S. 1 ff.; 19 933, S. 318, 322 ff., 324 ff.). Bruce schätzte die Erfolgsaussichten zwar nicht hoch ein, setzte aber auf den Propagandawert einer britischen Initiative in der Weltöffentlichkeit. Bruce sprach im Sinne des Hall-Memo. auf der VB-Tagung im Oktober 1936 (FO 411–19, S. 108). Auf der Imperial Conference 1937 warb M. King für vergleichbare Vorschläge (s. Ovendale, „Appeasement“, S. 27, 40 ff.).Google Scholar
  191. 191.
    Zur „Umkehrschluß“-These: Jebb, 17.3.1937, FO 371–21 215, S. 179-, Eden-Memo., ebd., S. 182, 192 (unter Bezugnahme auf das Hall-Scheme); 24.2.1936, A 1784/890/45, FO 371 -19 834, S. 132 ff. (Atherton-Interview im FO). — Jebb, 24.6.1936, FO 371–19 933, S. 320; ders., zu C 1558/4/18, FO 371–19 888, S. 76. — Die FO-internen Vorstösse und die Resonanz für den Hall-Plan sind auf dem Hintergrund der Berichte Pinsents zu sehen, zum Beispiel 15.6.1936, C 4487/99/18, FO 371–19 933, S. 263 ff.: Falls jetzt nichts geschehe, um den Teufelskreis zu durchbrechen, dann werde das später nicht mehr möglich sein; wolle man Deutschland vernünftiger stimmen, dann müsse man ihm aus den wirtschaftlichen Schwierigkeiten heraushelfen. Innerhalb des FO gab es Zweifel, ob Deutschland eine Steigerung des Welthandels wünsche, denn offenbar genüge der „planned foreign trade“den deutschen Belangen: Torr, C 4679/99/18, FO 371–19 933, S. 302; ders., 23.6.1936, zu C 4501/99/18, FO 371–19 933, S. 270.Google Scholar
  192. 192.
    Ashton-Gwatkin/Selby, Januar 1933, W 890/278/50, FO 371–17 318, S. 120. Lothian an Grigg, 26.4.1933, GD 40–17, Bd. 269; Lothian, Chatham-House-Vortrag, 26.7.1937, s. Anm. III/62. Die Absage an militärische Allianzen — kollektive Sicherheit = „international war office“— (s. Anm. III/55) bedingte, daß man den Völkerbund für konstruktive Aufgaben einsetzte. Dahin zielende Reformen (Aktivierung des Art. 19; Nutzung des Economic Committee und des ILO) würden auch die USA interessieren und sie an gemeinsame Tätigkeiten heranführen. Ähnliche Auffassungen vertraten die Oppositionsliberalen (Sinclair, White), s. Cowling, Impact of Hitler, S. 231 ff.Google Scholar
  193. 193.
    Genau wie Garvin — Economic Foundations of Peace, London 1919 — machten auch die economic appeaser - Hall-Memo., S. 4 — zur Bedingung: „economic readjustments aimed at an increasing volume of trade must be to some extent revocable in character so that they will provide their own sanctions’… if there is not in the political sphere a substantial betterment of relations as a result of economic easement.“— Die,customs union“-Idee war eine der Möglichkeiten, ein solches System einzurichten. Die e. a. waren sich einig „that encouragement of a,fat‘Germany only made sense if it was part and parcel of some much wider scheme“(s. Gladwyn, Memoirs, S. 63). Über die Gestalt der umfassenderen Organisation bestanden verschiedene Auffassungen. Wendt erkennt diesen Bezugsrahmen nicht; statt dessen fixiert er die britische Deutschlandpolitik auf das Ziel, Deutschland als Gegengewicht zu den USA zu erhalten (S. 331, 529 f., 575 ff. u. a. O.) Dies trifft auf Ame-ry und andere Protektionisten zu, eventuell auch auf N. Chamberlain und Hankey, aber nicht auf Ashton-Gwatkin und Jebb, die auch Wendt als Kern der e. a. schildert, oder gar auf Lothian, Jones und Inskip mit ihren Querverbindungen zu King und dessen „North Atlantic Triangle“-Politik.Google Scholar
  194. 194.
    Gemeint waren Behebung der Preisflaute usw. durch internationale Aktionen sowie die Überwindung „struktureller“Arbeitslosigkeit (in exportorientierten Industriezweigen und Regionen) durch einen expandierenden Welthandel, der dann Anpassungen erleichtern würde; hier liegt die bereits erwähnte Anknüpfung an die Expertenvorschläge zur Weltwirtschaftskonferenz vor: Hall-Memo., S. 3. — Ashton-Gwatkin, gegenüber Vansittart, C 4758/ 99/18, FO 371–19 933, S. 331 (Vorbesprechung des FO-Vorstoßes gegenüber dem BofT, Eden an Runciman, 17.7.1936); Ashton-Gwatkin sprach von der Möglichkeit, Deutschland in eine Zollunion mit dem BE/UK aufzunehmen, 23.12.1935, FO 371–18 873, S. 130. -Die japanische Konkurrenz hofften die Autoren des Hall-Memo. im Zuge der Ausweitung des Welthandels in Länder mit niedrigerem Lebensstandard und Aufnahmebereitschaft für industrielle Billigprodukte ablenken zu können! (Hall-Memo., S. 8; vgl. Jebb, 24.6.1936, FO 371–19 933, S. 319 ff.). Ähnliche Intentionen scheinen C. Hull’s Handelsvertragspolitik bestimmt zu haben.Google Scholar
  195. 195.
    Jebb/Ashton-Gwatkin, 31.1.1936, C 807/4/18, S. 6, FO 371–19 884.Google Scholar
  196. 196.
    Siehe Anm. Ill/193, 194, betr.,.customs union“. Das Hall-Memo, bezieht sich nicht explizit auf die „deutsche Gefahr“, wurde aber von Jebb und Leeper, die in der Studiengruppe mitwirkten, in diesem Sinne ausgelegt; auch Barrington-Ward’s Leitartikel in der Times lassen die Beteiligung an dem Hall-Plan durchblicken.Google Scholar
  197. 197.
    Deutliche Anklänge an Garvins Buch finden sich in Lothians Artikel im News Chronicle, 16.6.1936; Ashton-Gwatkin, Note für Leith-Ross, 10.3.1938, FO 371–21 701, S. 4. — Dieses Axiom findet sich auch in der Atlantik-Charta, Punkt 4: Beide Mächte (GB/USA) würden sich mit gebührender Rücksicht auf die bestehenden Verpflichtungen bemühen, allen Staaten, großen und kleinen, zu gleichen Bedingungen den Zugang zum Welthandel und zu den Weltrohstoffen zu ermöglichen, die für ihr wirtschaftliches Gedeihen nötig sind. Die Formulierung spiegelt die „open door“-Ideologie der USA und amerikanische Kritik am „imperial preference“-System („Ottawa“) wider.Google Scholar
  198. 198.
    Hall-Memo., S. 4 f. Zur Rohstoff-Frage s. Anm. III/55, 56 und Anm. III/217 ff. Die Autoren des Hall-Memo. behielten sich im einzelnen vor, das „open door“-Prinzip anderen Kolonialmächten in den nicht-selbständigen Gebieten des BE vorzuenthalten, falls diese den englischen Kurs nicht mitmachten; das richtete sich gegen Frankreich. „Open door“sollte jenen gewährt werden, die dem Völkerbund angehörten oder Abrüstungskonventionen beitreten wollten. Das „open door“-Prinzip sollte zuerst, aber nicht nur, auf Kolonien angewendet werden.Google Scholar
  199. 199.
    Aufzeichnung F. Philipps (T), 7.6.1937, T 188–175. Diese Kalkulation spiegelt wohl die Wunschvorstellung wider, die Erfahrungen im Rahmen der Dawes-Plan- und Locarno-Re-gelungen wiederholen zu können.Google Scholar
  200. 200.
    Zu den ökonomischen Querverbindungen und den Eigeninteressen der Dominions am Deutschlandgeschäft s. Wendt, S. 191, 337–402; das Hall-Memo. betont die Interessenlage gleichfalls.Google Scholar
  201. 201.
    Zu Schachts Andeutungen, er sei zur Abwertung der Reichsmark bereit, sowie zu den Marktteilungs- und Rohstoff-Plänen von Lehnkering, Brinkmann u. a. s. Anm.III/3, 168, 176. Zum Interesse in Bankkreisen, den Emissionsstop auf Auslandsanleihen aufzuheben, s. Wendt, S. 348 ff., 435.Google Scholar
  202. 202.
    Vgl. R. Girault, S. 106.Google Scholar
  203. 203.
    Betr. „customs union“s. Anm. III/193 f. — Lothian an C. Hull, 12.10.1937, Bd. 347, S. 353/354: Die einzige Antwort auf die Politik Deutschlands und Japans, die im Vertrauen auf die „ no more war“-Stimmung in den westlichen Demokratien die Karte diplomatischer Drohpolitik ausreizten, sei die Rückkehr zu W. Wilsons Überzeugungen: „security, revision and economic relaxation must go hand in hand and when they do go hand in hand disarmament will follow.“„No nation to-day will,fatten the Tiger‘with colonial or territorial revisions or with trade or financial agreement unless they feel that there is also some security that such action will not be used for their own violent undoing.“Zur vergleichbaren Politik Roosevelts gegenüber Japan s. Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 180 ff., 194 f.Google Scholar
  204. 204.
    Pinsent/Ribbentrop-Gespräch, 29.3.1935, Pinsent an FO, 2.4.1935, C 2824/25/18, FO 371–18 822, S. 160 f. — Die Vorbehalte des BofT/der Trichten sich implizit auch gegen das Hall-Scheme, s. Anm. III/261 f. — Lothians Position ist nicht widerspruchsfrei: Besonders in den Zwanziger Jahren teilte er die Auffassung, daß Staatsinterventionismus — als Zeichen der „Politisierung“— „Fremdbestimmung der Wirtschaft“bedeute und besonders im Außenhandel konfliktverschärfend wirke (dies ist die traditionelle Auffassung des FO/ BofT im 19. Jh.); auf der anderen Seite weiß er, daß übergeordnete politische Gesichtspunkte unentbehrlich sein können, um wirtschaftliche Interessenabsprachen zu erzielen.Google Scholar
  205. 205.
    Vgl. Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 197 ff.; Schröder, in: Knapp, Deutschland, S. 126 ff. — Auf englischer Seite akzentuierten Vansittart, Leith-Ross, Runciman und N. Chamberlain die politischen Vorbehalte; s. unten, Kap. III/C.Google Scholar
  206. 206.
    Einen kurzen Abriß der auf amerikanische Initiative vom Frühjahr 1935 zurückgehenden Gespräche gibt: FO-Memo., A 1968/228/45, 13.3.1937, FO 371–20 659, S. 105 ff.; Allen-Memo., United States and British Imperial Interests, 15.3.1937, A 2847/228/45, FO 371–20 659, S. 264 ff. Mit der Reise Runcimans nach Washington im Januar 1937 traten die Gespräche in ihr offizielles Stadium. Zum Druck amerikanischer Interessengruppen auf die US-Außenhandelspolitik s. Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 57, 112, 150 ff. Beide Seiten — Hull und das englische Kabinett — betonten, daß das Handelsabkommen unter politischen Aspekten bedeutsamer sei als unter Gesichtspunkten des Handels. Dennoch wäre es falsch, die außenpolitische Tragweite des Handelsvertrages als „deterrent“gegenüber dem Dritten Reich zu hoch zu veranschlagen (wie es Schröder tut: S. 190 ff.; ders., in: Knapp, S. 130 ff.; s. dazu Anm. III/233). Für die USA ging es darum, in den Verhandlungen mit England den Farmern Exportchancen zu eröffnen (in den vorausgegangenen Handelsverträgen hatten die amerikanischen Industrien mehr Vorteile erhalten). Den Farmern Vorteile zu verschaffen, hatte für Roosevelt innenpolitische Gründe (s. dazu die einschlägigen Zeugnisse, Kottmann, Reciprocity, S. 118 f. [Anm.], 196, 218). Das wußte auch die englische Seite. Die USA traten damit als Wettbewerber zu den Dominions und den englischen Farmern auf; England müßte die vereinbarten Quoten ändern oder die Warenklassen stärker differenzieren (wie es die USA taten). Während die USA in Kanada einen Partner fanden, der im amerikanischen Sinne auf London einzuwirken bereit war, erwarteten die USA, daß London auf Australien und Neuseeland einwirkte. Ging England darauf ein, dann mußte es mit der Gegenforderung rechnen, den Dominions ersatzweise Angebote zu machen. Zu den englisch-amerikanischen Handelsvertragsgesprächen im einzelnen s. die Studien von Kottmann, Reciprocity; Kreider, Anglo-American Trade Agreement; Ovendale, „Appeasement“; TDrummond, British Economic Policy, S. 89 ff.; Tamchina, In Search of Common Cause, S. 90 ff.; Schröder, Deutschland, S. 142 ff., 190 ff.; RIIA, Anglo American Trade Relations, 1938; P. W. Bidwell, Prospects of a Trade Agreement with England, in: Foreign Affairs, XVI (1937/38), S. 103 ff.; als Aktenmaterial vor allem: BT 11–589, BT 11–755; T 177–35; T 160–750, F 14 239; T 160–755/756, F 14 239/1–19; zum Komplex USA-Han-delsvertrag/Imperial Conference s. BT 11–623; 694; 757; 777; 779/780; 783–787; 788–792; A. W. Schatz, The Anglo-American Trade Agreement andC. Hull’s Search for Peace, in: JAH, Bd. 57, S. 85 ff.Google Scholar
  207. 207.
    (Jebb-)Eden-Memo., Economics and Foreign Policy, 17.3.1937, FO 371–21 215, S. 194(a); s. ebd., S. 185 ff., 188 f., 194 f. Im Sinne des Zitats ist wohl auch Chamberlains Erklärung auf der Imperial Conference und sein Eintreten für den Abschluß der Handelsvertragsverhandlungen zu sehen; s. Tamchina, In Search of Common Cause, S. 90 f.; Kottmann, Reciprocity, S. 173 f., 205 ff., 214; vgl. ferner Jebb, 11.6.1937, W 11 812/393/18, FO 371–21 247, S. 66 ff. Jebb stellt ein Junktim her zwischen anglo-amerikanischen Handelsvertragsverhandlungen und Möglichkeiten eines e.a. Denn die Bereitschaft Kanadas und anderer Dominions, im Rahmen einer globalen wirtschaftlichen Friedensstrategie der Revision von „Ottawa“zuzustimmen, bildete die Voraussetzung, sowohl mit den USA als auch mit Deutschland Verhandlungsfortschritte zu erzielen. Erste Bereitschaftserklärungen von kanadischer Seite und von Bruce und McDougall wertete Jebb als Hoffnungsschimmer, die die englische Politik auswerten müsse. Auf der Imperial Conference stimmten die Dominions im Prinzip zu, einige der „imperial preferences“zu modifizieren, um den Abschluß des Handelsvertrages mit den USA zu erleichtern (s. Toynbee, Survey, 1937/1, S. 63; Man-sergh, I, S. 88 ff.). Lothian ließ sich im Herbst 1936 im Hinblick auf eine bevorstehende Amerikareise von Jones über das Hitler/Lloyd George-Treffen unterrichten und wollte in den USA die Gefahr des Wettrüstens unterstreichen. Mit King wollte er die seit 1934 besprochene Linie der Verklammerung von Liberalisierung der Handelsbeziehungen und „Einheit“der westlichen Demokratien (als Warnung an Hitler und an Japan) weiter besprechen — Lothian an Jones, 14.9.1936. Jones-MSS., W/13, Nr. 83. Zu Lothians Grundidee der Kooperation der „Liberalen“(als Gegenmacht zu den „konservativen“Urhebern von „Ottawa“) s. Anm. III/40, 55; vgl. Butler, S. 214 ff.Google Scholar
  208. 208.
    N. Davis/Eden, 7.2.1936, C 889/4/18, FO 371–19 933; das Interview löste Anfragen des FO an das BofT, 2.3.1936, aus. Unterredungen Hull’s mit Lindsay standen im Hintergrund der erneuten Anfrage Edens beim BofT (17.7.1936) sowie des Vorstoßes im Winter 1936/ 37, ein Interdepartmental Committee on Trade Policy zu berufen.Google Scholar
  209. 209.
    Vgl. Anm. HI/250 zum Vorfeld der Imperial Conference. — Zum Einflußnetz Lothians gehörte Governor-General Lord Tweedsmuir. Vor der Imperial Conference appellierte Tweeds-muir an Baldwin — im Sinne Lothians —, die englische Politik auf die von King/Roosevelt besprochene, wenn auch noch nicht detailliert projektierte Konferenz über die fundamentalen wirtschaftlichen Probleme, die den gegenwärtigen Unruhen in der Welt zugrundelägen, festzulegen. Baldwin solle der anglo-amerikanischen Kooperation zum Durchbruch verhelfen und zwar über den Abschluß des Handelsvertrages; dabei müßte England den Farmern im Westen der USA, Roosevelts Wählern, Konzessionen machen — Tweedsmuir an Baldwin, („private“), 8.4.1937, Baldwin-MSS., Bd. 97, S. 184–187. Zum Treffen Roose-velt/King und zu Lothians Gesprächen in Kanada und Washington in diesem Zeitraum s. Kottmann, Reciprocity, S. 162 ff. (Stichwort ist die im Economic Appeasement-Memo. McDougall’s/Hall-Gruppe lancierte Lebensstandardfrage, s. u.); Ovendale, „Appeasement“, S. 16 ff., 26 ff. — Im Februar 1936 drängte Lothian M. King, im Empire für den Gedanken zu werben, die „pressures“in den Diktaturen erleichtern zu helfen, um die weltpolitische Lage zu entspannen. Ziel waren eine Reform des Völkerbundes und wirtschaftliche Kooperation, ausgehend von der Rohstoff-Frage; Lothian anM. King, 18.2.1936; Lothian an Hull, 16.2.1936; vgl. Anm. 1/401; s. auch Anm. III/250.Google Scholar
  210. 210.
    Ashton-Gwatkin, Lothian u.a. erkannten außerdem, daß „Ottawa is not enough“(Titel eines P. E. P. Pamphlet). Denn Kanada wolle die engen Wechselbeziehungen mit den USA behaupten, Australien erkenne in Japan und Deutschland wichtige Märkte; Südafrika intensivierte den Handel mit Deutschland. Es kam also darauf an, diese Tendenzen aufeinanderabzustimmen (sonst Hefe die Entwicklung an England vorbei, könnte man hinzufügen) — 6.7.1936, C 4760/99/18, FO 371–19 933, S. 355 f. — Auf der Imperial Conference appellierte Chamberlain an die Dominions, beim Abschluß eines Handelsvertrages mit den USA zu kooperieren. Die Gespräche am Rande der Konferenz ergaben, daß Kanada und Südafrika mit den USA direkt verhandeln wollten; Australien und Neuseeland wollten Wahlen abwarten. Nach der Konferenz drängte Chamberlain auf „direct bargaining“zwischen den Dominions und den USA; s. im einzelnen Ovendale, „Appeasement“, S. 16 ff.; Kott-mann, Reciprocity, S. 138 ff., 143, 147, 157 ff., 161, 166 ff., 173, 180 ff., 187, 190, 196, 243. — Die amerikanische Kritik an „Ottawa“wurde von Hull anläßlich der Beratungen über einen „tariff truce“auf der Weltwirtschaftskonferenz artikuliert und seit Anfang 1936 zu einem Dauerthema in den diplomatischen und öffentlichen Erklärungen; FRUS, 1933/Bd. I, S. 743 f.; vgl. Wendt, S. 331 ff. (1936-Kampagne).Google Scholar
  211. 211.
    Auf den zweiten Aspekt, daß England, Deutschland und die USA in Mittel-Südost-Europa und in Lateinamerika einander nicht nur Märkte streitig machten, sondern auch Prinzipien gegeneinander aufboten, kann hier nicht eingegangen werden; s. dazu besonders Varg; Schröder; Wendt; s. auch Leith-Ross, 2.4.1937, T 188–175: „At the most, in this field (Revision von Ottawa; d. Verf.) the immediate question seems to be whether we can persuade the Dominions to allow some relaxation of Ottawa in favour of the U.S.A. and whether we ourselves would modify our silk duties in favour of France.“Vgl. ferner Leith-Ross an Ashton-Gwatkin, 25.2.1937, T 188–175: „I agree that (Ottawa question) ought to be taken up at the Imperial Economic Conference and that the best line of approach is.. bringing in the U.S.A. But I fear that the Dominions will be much more ready to reduce British preferences in their markets than to accept reductions of their preferences in our market... and I expect that, notwithstanding the importance they attach to good relations with the U.S.A., Ministers will be extremely reluctant to make any substantial modification in the Ottawa policy.“Google Scholar
  212. 212.
    Ein Entgegenkommen an den US-Standpunkt auf wirtschaftlichem Gebiet zwecks Verbesserung der anglo-amerikanischen Beziehungen empfahl Zetland gegenüber N. Chamberlain, 6.5.1937, betr. Committee on Trade Policy, T 188–175. — Das BofT lehnte die Anregung ab, die deutsche und die amerikanische Frage im Zusammenhang zu sehen und anzugehen (s. auch Anm. III/229, 231, 241; zur Kompetenzfrage s. Anm. III/542). Die Parallelität in den Beratungen ist dadurch gegeben, daß 1. das FO-Memo., Anglo-American Trade Discussions, A 1968/228/45,13.3.1937, FO 371–20 659, S. 105 ff., und das Jebb-(Eden-)Memo., Economics and Foreign Policy, 17.3.1937, im gleichen Zeitraum entstanden; daß 2. das Committee on Trade Policy die Kritik an Ottawa usw. überprüfen und gegebenenfalls Änderungen im Sinne der Empfehlungen von Leith-Ross, des CEI u. a. erarbeiten könnte. Ashton-Gwatkin suchte die Behandlung beider Themen in einem Zusammenhang zu halten. Die detaillierten amerikanischen „Wunschlisten“; die Notwendigkeit, englische Gegenlisten aufzustellen; die kritische Einstellung in der Regierung und erst recht in den Regierungsfraktionen zu Hull’s „Kreuzzug“; die Tatsache, daß Runciman’s Besuch in Washington im Januar 1937 das BofT offiziell eingeschaltet hatte und schließlich der Umstand, daß England (Chamberlain) den US-Beitrag zum Frieden nicht im Handelsvertrag — wie Hull und die e. a. —, sondern in der Revision der Neutralitätsgesetze erblickte — alle diese Umstände begünstigten die Trennung der Fragenkomplexe entsprechend dem Verlangen des BofT.Google Scholar
  213. 213.
    Zum Folgenden s. Troutbeck-Memo., 5.3.1937 (zu den Beratungen über eine der Forderungslisten der USA), A 1704/228/45, FO 371–20 659, S. 28. Man erwartete, daß die weiteren, von den USA angekündigten Forderungslisten eher von den englischen als von den Agrarinteressen der Dominions „Opfer“verlangen würden. Zur Verhandlungslage s. auch Committee on Trade Policy, Report, C. T. P. (37) 11, 7.6.1937, §§ 12 ff., FO 371–21 247. — Die englische Regierung änderte — auch im Hinblick auf die Handelsvertragsgespräche mit den USA — gegen den Protest der National Farmers Union das „levy-subsidy system“und gingzudembis 1978 geltenden „deficiency payments“-System über (November 1937). Zu den komplizierten Einzelheiten mit ihren Rückwirkungen auf die englischen Farmer und die Agrarinteressen in Australien/Neuseeland und Kanada s. Drummond, S. 109 ff.Google Scholar
  214. 214.
    Zum Verlauf und zu den Vorberatungen der Imperial Conference s. T 160–681/682, F 14 601/1–5; T 160–750, 755/756, F 14 239/01–03, F 14 239/1–19; s. ferner Tamchina, S. 80 ff., 90 ff.; Kottmann, Reciprocity, S. 162 ff., 171 ff.; Ovendale, „Appeasement“, S. 38 ff., 15 ff.; Mansergh, Survey. — Die Revision von „Ottawa“stand 1937 nach Ablauf der 5-Jah res-Vertragsdauer an. Besonders das BofT befürchtete, die Dominions könnten die IC zu einer „collective demarche“nutzen. Die Fragen wurden separat/bilateral verhandelt. Das wichtige englisch-kanadische Abkommen war bereits im Februar 1937 abgeschlossen worden. Die Aussichten, daß die USA den Dominions entgegenkommen könnten, waren minimal (s. Tamchina, S. 91; Drummond, S. 89 ff.).Google Scholar
  215. 215.
    Im bilateralen Handel verzeichneten die USA gegenüber England einen Exportüberschuß in Höhe von £ 83 Mill. (1937: £ 114 Mill, an GB, £ 31 Mill, aus GB). Da die Verhandlungen in die Phase der Depression (bes. in den USA) fielen, konnte England das „trade deficit“nicht zum Anlaß nehmen, um auf einen annähernden Ausgleich der Bilanz zu drängen. Die Befürchtung bestand vor allem darin, daß die USA in England Agrarüberschüsse absetzen wollten; dies würde zu Lasten der Dominions gehen und den £-Block, d. h. das stabilisierende Element der Marktbeziehungen, aufbrechen. Amery und die Imperial Economic Union, die FBI und die NUM protesierten gegen den Handelsvertrag und die Lockerung der imperialen Handelsbande (vgl. Times, 22.11.1937); FBI-Memo an PM/BofT, „Proposed Anglo-American Trade Agreement“, 11.12.1937, FBI/C/2/1937B;s. Anm. III/221). Unter Anspielung auf die schlechte bilaterale Handelsbilanz opponierten konservative MP (Han-non) gegen die Handels Vertragsverhandlungen, denn jede Konzession an US-Exporteure müsse zu Lasten englischer Produzenten gehen; s. Hannon, 18.1.1938, Manchester Guardian. Siehe insgesamt Allen-Memo. und FO-Minutes, 15.3.1937, The US and British Imperial Interests, A 2847/228/45, FO 371–20 659, S. 264–309. — Im Ergebnis erreichte England Zollherabsetzungen für englische Textil- und Metallwaren. England reduzierte oder beseitigte Abgaben („duties“) auf Weizen, Baumwolle, Reis, Äpfel, Traktoren, Werkzeugmaschinen u. a.; s. dazu Kottmann, Reciprocity, S. 266.Google Scholar
  216. 216.
    Empire Committee, Minutes, 3.3.1938, FBI/C/2/1938.Google Scholar
  217. 217.
    Die economic appeasers hofften, die McDougall-Denkschrift würde an Roosevelt gelangen, und Roosevelt würde sie in den Washingtoner Gesprächen mit Runciman im Januar 1937 zur Sprache bringen: Jebb, 9.1.1937, zu W 373/5/50, FO 371–21 215, S. 6. Roosevelt und M. King sprachen über die Lebensstandardfrage, das Kernstück des McDougall-Memo.; King warf das Thema auf der Imperial Conference und in Berlin auf. Lothian wollte Eden vor seiner Nordamerikareise sprechen — an Eden, 24.12.1935 — (Eden war gerade im Amt und mit der Flottenkonferenz u. a. überlastet). Nach der Rückkehr bot Lothian Berichte über seine Gespräche mit Hull und M. King an (13.2.1936). Der Termin kam am 6./7.3. 1936 zustande; zur Bückling-Party und ihrer Einflußnahme auf die Märzkrise s. Jones, Diary with Letters, S. 179 ff. Lothian trat Mitte Februar 1936 brieflich an Hull und King heran und unterbreitete seine Vorschläge für eine Rohstoff-Konferenz und die Wahl der Lebensstandardfrage als „Aufhänger“für eine konstruktive Friedenspolitik. Er warb auch in der Times (11.2.1936) und im Oberhaus (19.2.1936) für die Reaktivierung der Genfer RedeHoare’s: Lothian an King, 18.2.1936; King an Lothian, 5.3.1936, GD 40–17, Bd. 310, S. 474. — Lothian an Murray, 13.2.1936. — N. Davis verkehrte im Astor-Kreis („Cliveden-Set“). Er war Roosevelt und Hull verbunden; er befürwortete Zollsenkungen und wirtschaftliche Kooperation; als Bankier kannte er Europa „gut“. Über ihn s. Offner, S. 20 f.; Kindleberger, S. 209. Zur eigenmächtigen Initiative Davis’ — Projekt eines Treffens Chamberlain/Roosevelt im Sommer 1937 — s. Ovendale, S. 17 ff.; Kottmann S. 176 ff.; Offner, S. 181 f.; Borg, S. 375 ff.; Eden, S. 530, 535 ff. — Die Dominions-Politiker wandten sich ihrerseits an die USA: King trat auf der IC gleichsam als Sprecher gemeinsamer „nordamerikanischer“Vorschläge auf (s. Ovendale, S. 16 ff., 38 ff.; Kottmann, S. 162 ff.). Bruce übermittelte die McDougall-Denkschrift „Economic Appeasement“direkt an den US-Botschafter in London; das löste den Verdacht aus, die Dominions wollten die Forderungen der USA an das BE auf England allein ablenken: Allen-Memo., A 2847/228/45, § 38, S. 21, FO 371–20 659, S. 296; Jebb-Minute zu W 373/5/50, 9.1.1937, FO 371–21 215, S. 5 f.Google Scholar
  218. 218.
    Lothian an Smuts, 8.7.1936: „We are so tied up with Geneva and with personal contacts with European statesmen that, without Dominion pressure, it will be extraordinarily difficult to limit our commitments. And if anybody can awaken the US to the fact that liberty — including its own — may be at stake it will be the Dominions and not Great Britain. It is therefore the Dominions who hold the key of the position. Once they face the fact that the League is dead, they alone can call a new League into being which, because it will have a core of invincible strength and practise in freedom, may accomplish incomparably more than the old.“— Lothian lancierte im Dezember 1935/Februar 1936 die Rohstoff-Frage, ähnlich wie Jones und H. Butler. In Anknüpfung an Hoare’s Genfer Rede sollte auf dieser Basis ein „comprehensive settlement“errichtet werden; zu deutschen Anfragen (Blessing, 2.3.1936) s. Anm. III/550. Eden hielt (29.1.1936, Cab. 23–83, S. 45) die Rohstoff-Frage wegen der politischen Situation und der im Report geäußerten Bedenken hinsichdich der Durchführbarkeit für nicht opportun. Mitte Februar 1936 jedoch — nach dem Davis-Interview und den Anfragen im Unterhaus — wollte er die Frage in Genf auf die Tagesordnung bringen. Lothian diskutierte die Rohstoff- und Lebensstandard-Frage im März 1937 mit M. King und Roosevelt.Google Scholar
  219. 219.
    Die Diskussionen im Foreign Policy Committee im Sommer 1936 griffen die in der Öffentlichkeit diskutierten Standpunkte zur Reform des Völkerbundes auf. Im politischen Bereich blieb es beim Status quo, s. oben, Kap. I: Keine Abschwächung der Obligationen (FO), aber auch keine Präzisierung oder Erweiterung (Militärs); im wirtschaftlichen Bereich wurde Eden beauftragt, die englische Bereitschaft zu erklären, an der Prüfung der von Van Zeeland am 4. Juli 1936 im Völkerbund angeschnittenen Themen mitzuwirken.Google Scholar
  220. 220.
    Die economic appeaser und Hull sahen in „Ottawa“eine Barriere gegen die Wiederbelebung des Welthandels. Hull kritisierte außerdem die bilateralen englischen Handelsverträge. Das BofT verteidigte die Handelsvertragspolitik damit, daß der enge Zusammenhang zwischen Schuldendiensten und wirtschaftlicher Erholung England keine andere Wahl ließe als Zahlungs- und Clearingabkommen mit Handelsabkommen zu koppeln. Die „vested interests“ließen der englischen Regierung nicht viel Spielraum! Vgl. FRUS, 1936/1, S. 656–666, 11.4.-26.5.1936; ferner FO an Lindsay, 22.1.1937, BT 11–755; zu Hulls Kritik an England s. Kottmann, Reciprocity, S. 50 f., 63, 126 ff.; Hull, Memoirs, Bd. I, S. 633 ff. Hull argumentierte England gegenüber gelegentlich, daß Kanada seine Linie unterstütze; umgekehrt deutete M. King an, daß er in engem Kontakt mit Washington stünde. Lothian versuchte, diese Einflüsse zu koordinieren und als Druck auf die englische Regierung weiterzuleiten. Botschafter Lindsay warnte die englische Regierung davor, Hull die kalte Schulter zu zeigen, doch bezweifelte er, daß Hull seine Politik gegen den Kongreß werde durchsetzen können: 5.2.1936, A 1302/1293/45, FO 371–19 834, S. 9 ff. (Anspielung auf Wahlen im November 1936).Google Scholar
  221. 221.
    BofT-Minutes, 21.1.1937, BT 11–755. Das BofT verlangte „plain speaking“gegenüber Hull. Die FO-Instruktionen an Lindsay (22.1.1937) gaben die BofT-Einwände nach Washington weiter. Als die Regierung den offiziellen Beginn der Handelsvertragsgespräche bekanntgab, protestierten 150 MP (Empire Industries Association) gegen jeden Ansatz, das System des Schutzes der nationalen Arbeit und der inter-imperialen Bindungen zu lockern, „for the sake of some illusory project for the revival of economic internationalism“(Times, 9.6.1937). Die FBI forderte gegenüber den USA „retaliation“-Maßnahmen, um den Ausgleich der Handelsbilanz zu erzwingen; s. dazu Wendt, Appeasement 1938, S. 58.Google Scholar
  222. 222.
    N. Chamberlain, Times, 10.12.1937, S. 18: „United Empire Family. Prime Minister on Preference. The Proved Success of Ottawa.“Die Rede ist eine Antwort auf Hull’s Erklärung der Ziele amerikanischer Außenwirtschaftspolitik (mit ihrer Kritik an „Ottawa“), 20. 9.1937. Vgl. auch 26.10.1935: „A Call to the Nation. The Joint Manifesto of the Leaders of the National Government.“Sie bezeichnen „imperial preference“als Instrument, das den Partnern Prosperität bringe. Die erhöhte Kaufkraft komme automatisch den anderen Mitgliedern zugute. Das Netzwerk nutze aber nicht nur GB und den Dominions, sondern der Welt „as a whole“!Google Scholar
  223. 223.
    Roosevelt, 16.5.1933, s. Nixon, F. D. Roosevelt and Foreign Policy, I, S. 126; s. auch die Expertenberichte zur Weltwirtschaftskonferenz, Wendt, S. 121 ff.; Kindleberger, S. 216 ff., 224 ff.; vgl. Anm. III/208. — Die Konvergenz zeigt sich besonders deutlich im Wirken von N. Davis. Davis vermittelte Lothians Appeasement-Thesen nach Washington und umgekehrt Hulls Auffassungen an Lothian und Jones; s. bes. Jones, Diary with Letters, S. 337 ff., 7.5.1937; Schröder, Deutschland, S. 177 ff.Google Scholar
  224. 224.
    Hall-Memo., S. 5. — Leith-Ross, 9.7.1937, C 5139/71/62, FO 433–4, Nr. 38; Bericht über die Sitzung des Economic Committee des Völkerbundes und die Tagung der Internationalen Handelskammer in Berlin, Juni 1937. Zu den Gesprächen Lothians in den zwanziger Jahren s. Anm. III/101.Google Scholar
  225. 225.
    Die Formeln finden sich im Hall-Memo., ferner im McDougall-Memo., Economic Appeasement, W 373/5/50, von Bruce an Eden geleitet, 21.12.1936, FO 371–21 215, s. Anm. III/ 217. Das Memo, wurde vom Völkerbund veröffentlicht: als Annex zum Bericht über die Durchführung des Tripartite Agreement; League of Nations, Economic Committee, 46. Session, Report to the Council, Remarks on the present phase of International Economic Relations (September 1937), C.358.M.242, 1937; s. Anm. III/279, ferner Anm. III/54 ff.Google Scholar
  226. 226.
    Troutbeck-Minute, 14.1.1937, zu W 373/5/50, FO 371–21 215, S. 9f. Ausgerechnet Australien, das von „Ottawa“profitiere, versuche, die amerikanische Kritik an,.Ottawa“auf London zu lenken! (s. Anm. III/217.) — Jebb hatte zum Bruce-Stanhope-Gespräch — 10.6. 1936, FO 371–19 933, S. 324 ff. — angemerkt, hinter den e. a.-Vorschlägen verberge sich Australiens Interesse an der Öffnung des europäisch-deutschen Marktes; s. auch FO 371–19 949, S. 187. — M. King, dessen Regierung 1935 mit den USA einen Handelsvertrag vereinbart hatte (von dem Kottmann zu Recht meint, er habe die erste Bresche in das Ottawa-System geschlagen, vgl. S. 80, 108 f., 149 ff.), wollte im Sinn Lothians zwischen den USA und England ein ähnliches Abkommen vermitteln; davon erhoffte er sich günstige Auswirkungen für ein weltweites „appeasement“. Mit den von den USA an England gerichteten Detailforderungen konfrontiert und in innenpolitische Auseinandersetzungen mit den „Protektionisten“in seinem Kabinett und seiner Partei verstrickt, brachte er dann mehr Verständnis für die englische Zurückhaltung in den Handelsvertragsgesprächen mit den USA auf (vgl. Kottmann, bes. S. 194 ff.; Tamchina, S. 90 ff.). — Kanada (Massey, King, Dafoe) machte die Mitwirkung bei der Verwirklichung des englischen Rüstungsprogramms von der englischen Zusage abhängig, die Bemühungen um eine wirtschaftliche Entspannung in Europa zu intensivieren; eine entsprechende Formulierung ging auch in das Schlußkommuniqué der Imperial Conference 1937 ein. Nach den Gesprächen in Berlin übte King größere Zurückhaltung in der Frage der ökonomischen Sondierungen, auch, weil die innenpolitischen Widerstände in Kanada unübersehbar geworden waren.Google Scholar
  227. 227.
    Vgl. oben, Kap. I/USA. — In den Rüstungsfragen — s. Hall, North American Supply; Eden, S. 480 ff.; Tamchina, S. 93 f. — fand England aus vielen Gründen weder in Kanada noch in den USA die gewünschte Entlastung bzw. Unterstützung. In den Gesprächen mit Morgen-thau und Davis machte N. Chamberlain deutlich, daß er in Sicherheitsfragen von den USA eine Initiative wünschte (im Fernen Osten oder durch Lockerung der Neutralitätsgesetze); s. Kottmann, Reciprocity, S. 144 f., 204 ff.; Offner, American Appeasement, S. 181 f.; Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 144 ff.; Crozier, Interview mit Chamberlain, 17.12. 1937, in: A. J. P. Taylor (Hrsg.), Off the Record, London 1973, S. 67 ff.Google Scholar
  228. 228.
    Zu Hull’s Politik s. Schröder, Deutschland, S. 135 ff.; Schatz, Anglo-American Trade Agreement, in: JAH, 57 (1970/71), S. 85–103; Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 63 f., 76 f., 87ff.;Kottmann, Reciprocity,S.63f., 162 ff.; Hull, Memoirs, Bd. I, S. 359 ff.; Gardner, Sterling-Dollar-Diplomacy, S. 9 ff. — Die economic appeaser standen natürlich der Politik Hull’s nicht vorbehaltlos gegenüber. Ashton-Gwatkin beurteilte dabei — wegen des Gewichts der „pressure groups“in Außenhandels fragen und in Erinnerung an die Verantwortung der USA für die Weltwirtschaftskrise — die Kooperationsmöglichkeiten skeptischer als Lothian.Google Scholar
  229. 229.
    Hull, 10.2.1937: „In the years that lie ahead, an adequate revival of international trade will be the most powerful single force for easing political tension and averting the danger of war“, zit. in: A. G. B. Fisher, Economic Appeasement as a Means to Political Unterstan-ding and Peace, in: Survey of International Affairs, 1 (1937), S. 56; Hull-Note, über Bingham an Eden, 6.4.1936; Hull/Lindsay, 28.3.1936; Lindsay an Eden, 21.7.1936, in BT 11–589; s. auch die Zeugnisse bei Wendt, S. 331 ff.; Schatz; Schröder, in: Knapp, S. 126 ff. — Deutliche Anklänge an Hull: Lothian, 16.6.1936, News Chronicle; Lothian, in: Times, 11.2.1936; s. ferner Anm. III/55, 62, 73 f., 215 ff. — Die Anregung, die Deutschland-Überlegungen („working agreement“) mit dem Atherton-Interview über eine Verbesserung der englisch-amerikanischen Wirtschaftsbeziehungen zu verbinden, findet sich in den Minutes der FO-Beamten (19. u. 27.2.36) zu Eden/Davis, C 883/4/18, 778.2.1936, FO 371–19 884; das FO sandte dem BofT den Text des Interviews mit der Bitte um Stellungnahme am 2.3. 1936 zu. Das BofT lehnte ein Junktim ab — s. Anm. III/207, 210, 231. Anklänge an die Auffassungen der e. a. auf amerikanischer Seite finden sich bei: Foreign Policy Association; Stimson; N. Davis; s. Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 68 ff., 72 f. Die deutlichste Entsprechung zu den e. a.-Thesen Lothians auf amerikanischer Seite ist eine Denkschrift der Westeuropa-Abteilung des State Department für Davis, Contribution to a Peace Settlement, 16.2.1937, s. Schröder, Deutschland, S. 177 f.Google Scholar
  230. 230.
    Hall-Memo., S. 8; zu Lothian s. Anm. III/55, 62, 74; vgl. auch All Souls Meeting, 18./19. 12.1937; Nicolson-Diary, 22.12.1937 (Nicolson unterrichtete Eden über den Tenor der Tagung): „In the immediate future, we should aim at reducing our own vulnerability, military and moral: military by strengthening our air defences, moral by at least offering a colonial settlement. We should bear in mind, whatever line of policy was contemplated, its effect on American opinion.“Google Scholar
  231. 231.
    Vgl. Anm. III/181. — Die RTA-Politik war u. a. ein Gegenzug zum erfolgreichen Vordringen europäischer Konkurrenten — mit Hilfe bilateraler Handels- und Zahlungsabkommen — auf dem südamerikanischen Markt; s. Varg, Good Neighbour Policy, S. 50 ff. (1933 betrug der Anteil der US-Produkte an den Importen der südamerikanischen Länder nur noch 12,6% im Vergleich zu 1926: 24,7%.) — Eden/Davis, 7.2.1936, C 883/4/18, 8.2.1936, FO 371–19 884; Lindsay an Eden, 21.7.1936, über Gespräch mit Hull, BT 11–589. Hull bezeichnete die deutsche Hegemonialpolitik in Mittel- und Südost-Europa als Gefahr. Schröder (in: Knapp, S. 126 ff.) sieht hierin eines der Indizien für die von ihm behaupteten Unterschiede zwischen der englischen „e. a.“-Konzeption und der RTA-Politik in ihrer „promotion of peace“-Funktion. Eine Entsprechung zu den Mitteleuropa-Auffassungen der e. a. („outlets“) findet sich in dem in Anm. III/229 (Schröder, Deutschland, S. 177 f.) erwähnten Zeugnis, ferner in einem Memorandum Darlingtons, 31.12.1937, in: Gardner, Sterling-Dollar-Diplomacy, S. 10; Foreign Policy Association, 26.2.1934, The Importance of Foreign Trade to the United States.Google Scholar
  232. 232.
    Hull argumentierte, daß Deutschland und Italien sich einem liberalisierten Handels Vertragssystem würden einfügen müssen, falls diese Bewegung erst einmal gewisse Ausmaße angenommen habe; das Schlüsselglied in dem RTA-Vertragssystem war GB. Die Voraussetzung lag für Hull in der Aufhebung der diskriminierenden Maßnahmen von „Ottawa“. Hull ließ durchblicken, daß England sich der RTA-Methode angleichen müsse. Sein allgemeiner Vorwurf, in bilateralen Verhandlungen versuche jeder Staat, die eigene Stärke (Importüberschüsse als Mittel, „retaliation“anzudrohen und Exporterhöhungen zu „erpressen“) auszuspielen, richtete sich auch und gerade gegen die englischen Verträge mit Spanien, Argentinien, Dänemark u. a.; für Hull war die bilaterale englische Methode „wirtschaftlicher Nationalismus“. Die englische Regierung mußte zugeben, daß sie unter dem Druck der „vested interests“der MFN-Klausel den Rücken gekehrt hatte (vgl. Kottmann, Reciprocity, S. 133 f.). Hull suchte England zu „ködern“, indem er das gemeinsame Interesse ansprach, zu verhindern, daß die Industrialisierung der „kleinen“Länder zu Lasten Großbritanniens und der USA ginge: Lindsay an FO, 28.3.1936, US-Note und 317.1936, in: BT 11–589, S. 14, 160 ff. Zu Runcimans Gesprächen in Washington im Januar 1937 s. Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 199; Kottmann, Reciprocity, S. 159 ff.; Hull, Memoirs, Bd. I, S. 525.Google Scholar
  233. 233.
    Zur Kritik Hulls und Roosevelts an Hoover und den Republikanern (Smoot-Hawley-Tariff als Urheber der protektionistischen Welle) s. Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 55 ff., 82 ff.; Schröder, Deutschland, passim. — Gardner, Sterling-Dollar-Diplomacy, S. 19 f.Google Scholar
  234. 234.
    Vgl. Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 12 f. u. a. O.Google Scholar
  235. 235.
    Davis, der als Sonderbotschafter für Flottenfragen der englischen Seite theoretisch die Chance offerierte, Sicherheits- und Außenwirtschaftsfragen zu koppeln, galt in englischen Augen als „busy-body“(Baldwin, in: Jones, Diary with Letters, S. 129, 28.4.1934). Davis hatte sich mehrfach weiter vorgewagt, als die US-Regierung im Verhältnis zu England gehen wollte: vor der Weltwirtschaftskonferenz; im Herbst 1934 in den Flottenverhandlungen; 1937 hinsichtlich des Roosevelt-Chamberlain-Treffens. Besonders in der Kontroverse 1934 um eine Appeasement-Initiative gegenüber Japan erregte seine „Kollaboration“Anstoß (s. Watt, Personalities, S. 94 ff.). Zur Bedeutung der Vorstösse der US-Vertreter für die e. a. im FO vgl. Anm. III/229.Google Scholar
  236. 236.
    Lindsay an FO, 18.1.1937, Tel.Nr. 10, BT 11–755.Google Scholar
  237. 237.
    Davis/Eden-Gespräch, 20.4.1937, C 3148/71/62, BT 11–755. Davis leitete mit diesen Worten seine Erklärungen über das US-Interesse am Handelsvertrag mit Großbritannien ein. Zum Umfeld — Roosevelt/M. King-Abspräche, auf der Imperial Conference die Idee einer Weltwirtschaftskonferenz aufzuwerfen u. a. — s. Kottmann, Reciprocity, S. 162 ff.;Oven-dale, „Appeasement“, S. 38 ff., 16 ff.;Tamchina.Google Scholar
  238. 238.
    Siehe Anm. III/207, 217, 229. — Atherton/Eden-Interview, 24.2.1936, A 1784/890/ 45, FO 371 - 19 834, S. 132 ff. — Für Lothian und Ashton-Gwatkin/Jebb ging es darum, über die Dominions auf die USA Einfluß zu nehmen und von dort den Druck auf die englische Regierung zu leiten. Dies ist in Ansätzen ein „Fall“eines „penetrated system“(s. oben, Kap. I/Dominions).Google Scholar
  239. 239.
    Erklärung Edens auf der Imperial Conference, A 4808/228/45,FO 371 - 20 661; vgl. Tamchina, S. 103; Ovendale, S. 13 f.Google Scholar
  240. 240.
    Davis wertete im Gespräch mit Eden/Cranborne, 20.4.1937 (C 3148/71/62,BT 11/755) das Lansbury-Hitler-Interview als Indiz für die „Mäßigung“Deutschlands und des Interesses an einem „general settlement“. Die von Spinasse bekundete französische Bereitschaft, Deutschland Kredite zu gewähren, deutete er gleichfalls als Zeichen der Verständigungsbereitschaft. Eden betonte demgegenüber den Standpunkt der englischen Regierung, daß ein politisches „Settlement“einer Kredittransaktion vorausgehen müsse und Deutschland den ersten Schritt zu tun habe.Google Scholar
  241. 241.
    Troutbeck-Minute (16.3.1936, A 1302/1293/45, FO 371–19834, S. 8) konstatiert, daß die Antwort desBofTauf die FO-Anfrage vom 2.3.1936 (Eden/Davis-Gespräch) noch nicht vorliege. — Troutbeck-Minute (27.4.1936, A 3607/890/45, FO 371–19834, S. 195 ff.) stellt die Chronologie der US-Anfragen und die englische regierungsinterne Reaktion sowie die Korrespondenz zwischen FO und BofT/T zusammen; s. auch BT 11–589 u. BT 11–755. — Auf Drängen des BofT ließ die englische Regierung Anfang April 1937 Washington wissen, daß die amerikanischen Vorschläge betreffs des Handelsvertrages für London weder wirtschaftlich noch politisch akzeptabel seien. Das bedeutete, daß die englische Regierung das Handelsvertragsthema nicht auf die Tagesordnung der Imperial Conference zu setzen brauchte. Mit der Entscheidung war auch die von Lothian angestrebte, zwischen King und Roosevelt abgesprochene Marschroute für die Imperial Conference blockiert; s. dazu im einzelnen FRUS, 1937/II, S. 23 ff.; Kottmann, Reciprocity, S. 160 ff.; Jones, Diary with Letters, 7.5.1937, S. 337 ff.; Hull, Memoirs, Bd. I, S. 526 ff.Google Scholar
  242. 242.
    Diesen Eindruck gewann Runciman zu Recht in den Gesprächen in Washington. Er verteidigte die englische Politik gegen die „Unterstellungen“, indem er die öffentlich von ihm und Chamberlain abgegebenen Erklärungen wiederholte; FRUS, 1937/1, S. If., 8ff.; s. Kottmann, Reciprocity, S. 159 ff.; Hull, Memoirs, Bd. I, S. 520 ff.; BT 11–755.Google Scholar
  243. 243.
    Die Formeln umfassen,,lowering of trade barriers“, equality of trading opportunities, Aktivierung des Vökerbundes im Dienst der Einhaltung bestimmter Prinzipien des Welthandels. In den diplomatischen Vorstössen hatte Hull von England verlangt: 1. Erklärungen, die erkennen ließen, daß England und die USA eines Sinnes seien, mit anderen Worten, daß England die RTA-Politik als Fortsetzung der englischen Freihandelstradition sehe und begrüße; 2. Abkehr vom wirtschaftlichen Nationalismus (bilaterale Handelsverträge in Verbindung mit „Clearing“ Zahlungsabkommen); 3. Engagement Großbritanniens für „economic disarmament“/„multilateral tariff reduction“; 4. gemeinsamer Vorstoß für Internationale Konferenzen über das Thema „Welthandel“; 5. England solle die Dominions, besonders Australien, drängen, den Protektionismus abzubauen; Hull-Note vom 28.3.1936; Lindsay an Eden, 21.7.1936; Mallet an Eden über Gespräch Hull’s mit dem Premierminister von New South Wales, 29.8.1936, in: BT 11–589; Lindsay an FO, 18.1.1937; BofT-Notizen, 21.1.1937; FO-Minutes betr. Eden/Davis, 20.4.1937; FO an Stirling, 30.8.1937, in: BT 11–755. Vgl. Wendt, Economic Appeasement, S. 331 ff.; Kottmann, Reciprocity, S. 126 ff. — In der Times wurde eine Rede Hull’s zum Thema Weltfrieden/Liberalisierung des Welthandels zum Zeitpunkt der englischen Antwortnote veröffentlicht (22–23.5.1936). Hull empfand die englischen Erklärungen als wenig befriedigend — er berief sich auf US-Pressestimmen; Lindsay an Eden, 21.7.1936. In zwei Denkschriften ließ Hull Eden die Enttäuschung über die geringen Fortschritte in den englisch-amerikanischen Gesprächen übermitteln — FO-Memo., 19.9.1936, A 7548/890/45, FO 371–19 834.Google Scholar
  244. 244.
    Vgl. Anm. III/241, 246. — Der amerikanischen Anklage, England behindere durch seinen „wirtschaftlichen Nationalismus“„economic disarmament“, setzte London entgegen, daß England und das BE immer noch der größte Importmarkt der Welt seien, daß die US-Schutzzollmauern höher lägen und die USA offenbar die Handelsverträge, die sie kritisierten, nicht studiert hätten; s. FO-Washington Botschaft-Korrespondenz, Januar — April 1937, in: BT 11–755; Kabinettssitzung vom 20.1.1937, Top 7, Cab. 23–87, S. 70 f.Google Scholar
  245. 245.
    Edens Erklärung vom 25.9.1936 vor dem Völkerbund knüpfte an Hoare’s Genfer Rede vom Vorjahr an und initiierte das „Committee for the Study of the Problem of Raw Materials“ (Report, 8.9.1937, League of Nations Publications, II. B: Economic and Financial, A.27.1937). Im Kontext der Beratungen mit Frankreich über Schachts Vorstoß vom August 1936 und zur Beschwichtigung der innenpolitischen Strömungen, die auf Roosevelt/ Kings Idee einer Weltwirtschaftskonferenz Bezug nahmen (s. Anm. III/250), setzte sich London Ende April 1937 für die Berufung der Van-Zeeland-Kommission ein; sie sollte die Frage der Liberalisierung des Welthandels prüfen. T 160–761, F 14 735/1—5, Proposed International Action for Reduction of Trade Barriers (22.5.1936 - 2.12.1938); ferner T 160–762, F 14 735/03/1–4; T 160–770, F 15 853. — Die Kommission berichtete im Januar 1938; die Hoffnungen richteten sich darauf, das Hull-Programm realisieren zu können. Die sog. Roosevelt-Depression schwächte die Resonanz für die Arbeit der Kommission erheblich. Über die Van-Zeeland-Kommission s. Survey, 1937, Bd. I, S. 67 ff., 86ff., 95 ff.; Arndt, S. 248; Hull, S. 529 f.; Leith-Ross, S. 236 ff.; Gibbs, S. 778; Eden, 20.9.1937, LofN, Official Journal, Special Supplement, Nr. 169 (1937), S. 65 u. a. O.Google Scholar
  246. 247.
    Faktisch sprach dafür, daß die USA ihre Einfuhren — zum Teil aufgrund der RTA-Verträ-ge — erhöhten (1934: 976 Mill. Golddollar, 1935: 1 210 Mill.), während Englands Einfuhren zwar absolut höher lagen, jedoch in der Tendenz stagnierten (1934/35:2 044 Mill.): Troutbeck-Memo., 29.9.1936, A 7857/293/45, FO 371–19 835, S. 83 ff.Google Scholar
  247. 248.
    Vgl. Anm. III/215. Zum Vorhergehenden s. Eden/Bingham, 19.9.1936, A 7548/890/45, FO 371–19 834, S. 258 ff.; s. ferner A 4455, 25.5.1936; Troutbeck, 29.9.1936, A 7857/ 293/45, Mr. Hull’s Economic Policy, FO 371–19 835, S. 83 ff. Die Denkschrift vermittelt einen Überblick über die US-Außenhandelspolitik seit dem RTA-Gesetz 1934. Im Hinblick auf das Argentinien-Ab kommen gab Jebb einen Verstoß gegen englische Erklärungen zu: 28.9.1936, FO 371–19 834, S. 259, zu A 7548. Jebb plädierte für ein Entgegenkommen an den US-Standpunkt, da England von der Beseitigung der Handelsschranken mehr profitieren würde als von besonderen Regelungen (zum Beispiel Art. 2 des Roca/Run-ciman-Abkommens). Vansittart lehnte in diesem wie in anderen Fällen die Politik der gutgemeinten Gesten als unergiebig ab (ebd., S. 261 [a]). Zum Zusammenhang zwischen dem Roca/Runciman-Abkommen und USA/Argentinien/RTA-Gesprächen s. Varg, S. 58; Drum-mond, S. 109 f.Google Scholar
  248. 249.
    Detaillierte Angaben zu den Handelsbeziehungen zwischen GB, den USA und den Dominions: RUA, Information Department Papers, Nr. 22, Anglo-American Trade Relations, März 1938, 48 Seiten. Aus englischer Sicht hatten die Handelsvertragsbeziehungen primär unter politischen Aspekten einen Reiz. Hull betonte demgegenüber,,,that an agreement with Britain on trade comported no agreement whatever in the nature of a mutual political or defense policy“ (Hull, S. 529). Es fiel N. Chamberlain schwer, den Abschluß der Handelsvertragsgespräche im Kabinett durchzusetzen; s. Kottmann, S. 173 f., 205 ff., 214, 260 ff.jDrummond, S. 114.Google Scholar
  249. 250.
    Zum beabsichtigten Vorstoß Kings — nach Absprache mit Roosevelt und wohl unter dem Einfluß von Lothian — s. Ovendale, S. 16 ff.; Kottmann, S. 162 ff.; Hull, S. 526 ff. —Vgl. Anm, I/401.Google Scholar
  250. 251.
    Lansbury (5.2.1936), Lloyd George (5.2.1936), Sinclair (13.2.1936) im Unterhaus sowie Lothian (19.2.1936) im Oberhaus fragten die Regierung nach ihrer Absicht, im Sinne der Genfer Rede Hoare’s tätig zu werden; zur Reaktion der Regierung, Edens s. Anm. III/217. Für die e. a. waren Hoare’s Genfer Rede und dann das Tripartite Agreement die Plattform, von der aus sie weiter operieren wollten. Toynbee schnitt die Rohstoff-Frage in einem Vortrag in Berlin am 27.2.1936 an. Davis’ Vorstoß bei Eden im Auftrag Hull’s galt demselben Fragenkreis (7.2.1936). Im Gegenzug — unter dem Eindruck, die Regierung könnte nachgeben — formierte sich die Imperial Group unter Amery und Duncan Sandys.Google Scholar
  251. 252.
    Vg. Anm. IV/351 ff. — LNU-Resolution, 23.4.1937, s. Anm. I/401, 402. Ähnlich argumentierten die Premiers der Dominions (King, Hertzog) auf der Imperial Conference 1937 (s. Anm. I/370; zu Lothian/King s. Anm. III/218). Der kanadische Vertreter in London, V. Massey, kooperierte mit Jones und Lothian, Pearson war Mitglied der Hall-Studiengruppe. Zu Kings Haltung in der Frage Aufrüstung/Appeasement s. die Arbeiten von Eayrs.Google Scholar
  252. 253.
    Jones, Diary with Letters, 21.2.1936, S. 175 f. Jones verweist darauf, daß Baldwin für den Protektionismus in England die Hauptverantwortung trage, doch habe Baldwin den Widerspruch zwischen Imperial Preference-Politik der Regierung und den Erfolgschancen seiner Bemühungen um internationale Entspannung erkannt. Vgl. auch Anm. III/260, Jones, Diary with Letters, 25.2.1936, S. 177. — Lothian, Letter to the Editor of the Times, 11.2.1936. Zur Rohstoff-Frage s. Anm. III/54, 55, 104, 144; Anm. IV/90.Google Scholar
  253. 254.
    Die Reden enthalten folgende Thesen: Deutschland werde auf englische Gegenwehr stos-sen, falls es den falschen Weg in die Autarkie (Wettrüsten) wähle; Betonung der Fortschritte in der englischen Aufrüstung; Kritik am extremen deutschen Nationalismus, aber Versprechen, auf Beweise guten Willens großherzig zu reagieren; es liege an Deutschland, welche Tendenz in England die Oberhand behalte: Einkreisung /Blockbildung oder„full and equal cooperation, recovery and peace“. Die Reden enthielten das Angebot, Aktionen einzuleiten, um Deutschland aus den Schwierigkeiten herauszuhelfen und in die internationale Handelswelt zurückzuführen, falls bzw. sobald Deutschland ernsthaft auf Rüstungsbegrenzungsvorschläge eingehe. Im Hintergrund steht a) die englische Debatte über,,continental Commitment’VRolle der Armee und „Defence loan“ (s. unten, Kap. IV); b) Schacht/ Blum Vorstoß (s. dazu unten, Anm. III/283 und Kap. III/C). Die Reden Hitlers und Blums vom 30. bzw. 24. Januar 1937 galten als Ansatzpunkte für die englische Anknüpfung des Fadens nach Berlin(Leith-Ross,S. 236 ff.).Baldwin: 18.4.1936 (Wahlkreis-Rede); 9.11.1936 (Guildhall-Speech); 28.11.1936 (Glasgow Herold); Eden: 25.9.1936 (Regierungserklärung im Völkerbund); 12.1.1937 (Foreign Press Association); 19.1.1937 (HofC); 20.11.1936 (Wahlkreis-Rede, Leamington); 5.11.1936 (HofC [Deutschland solle Tripartite Agreement beitreten]); Halifax: 19.11.1936 (HofL); Chamberlain: 29.1.1937 (Birmingham). Zum Zusammenhang der Themenkomplexe s. bes. T 172–1801.Google Scholar
  254. 255.
    Die Rohstoff-Frage und die Diskussion über die Reform des Völkerbundes bildeten für die e. a. einen Zusammenhang; vgl. Jones, Diary with Letters, S. 220 f.; s. Anm. III/54, 55, 279. Auch Eden — 25.9.1936 — ging zum Teil auf die von den e. a. — mit Unterstützung von Bruce — unterbreiteten Vorschläge ein. Das BofT gab auf die Anfrage des FO vom 2. März 1936 keine Antwort, die Anfrage vom 17. Juli 1936 tat es mit dem Vermerk „Danegeld“ ab. Zur Verzögerungstaktik der Stabschefs gegenüber dem FO s. oben, Kap. Iu. II.Google Scholar
  255. 256.
    Eden, 26.3.1936, HofC: „It is the appeasement of Europe as a whole that we have constantly before us… We pursue (3 objectives): to avert the danger of war; to create conditions, in which negotiations can take place, to bring about the success of those negotiations so that they may strengthen collective security, further Germany’s return to the League and, in the happier atmosphere, allow those larger negotiations on economic matters and on matters of armaments.. to take place.“Google Scholar
  256. 257.
    Beispiele sind Edens Reden im Völkerbund vom 25.9.1936 und 20.9.1937; ferner Edens Vorstöße gegenüber dem BofT (2.3.1936 u. 17.7.1936) und N. Chamberlain (17.3.1937); s. Anm. III/254 (zur Kampagne 1936/37).Google Scholar
  257. 258.
    Eden, 12.1.1937, vor der Foreign Press Association; s. auch A.W. Baldwin, S. 265; Eden, 19.1.1937, HofC. — Die Sprachregelung zeigt, daß es sich um die Antwort auf die „Kanonen statt Butter“-Kampagne Goebbels’ handelt. Im Hintergrund steht die im McDougall-Memo. entwickelte, Eden durch Bruce einerseits und Ashton-Gwatkin und Jebb andererseits übermittelte Strategie, durch das Aufwerfen der „Lebensstandard“-?rage das deutsche Volk in die „große Politik“ einzubeziehen, d. h. den „Friedenswillen“ zu mobilisieren.Google Scholar
  258. 259.
    s. unten, Kap. IV zu den Kabinettsbeschlüssen vom 25.272.3.1936. Die Leitlinien für den Wahlkampf 1935 und die „Literatur“ des Central Office enthielten die These, daß die Rüstungsausgaben weder zu Lasten des Sozialhaushalts noch der „Zukunftschancen“ der Nation (u. a. Export) gehen sollten; s. unten, Kap. III/B2.Google Scholar
  259. 260.
    Jones, 25.2.1936, Diary with Letters, S. 177 f.; vgl. Eden, I, S. 323 ff.; s. Anm. III/253.Google Scholar
  260. 261.
    Hall-Scheme (Memorandum der Studiengruppe um Prof. Noel Hall: Sir G. Schuster, Bar-rington-Ward [Times], Pearson [Canada House], F. McDougall [Australia House], Enfield [Ministry of Agriculture], Jebb und Leeper [FO], C4759/99/18, FO 371–19 933, S.322ff.); An International Policy for the British Empire, Juli 1936; Barrington-Ward an Jones, 16.7. 1936, Jones MSS., Class E/ Bd. 1., Nr. 10. — Lord Gladwyn, The Memoirs, S. 63 ff.; Wendt, S. 339 ff.,Jebb/Ashton-Gwatkin,-C 4757/99/18, FO 371–19 933, S.320, S. 197 ff.; Jebb, 24.6.1936, ebd., S. 320; Jebb, 16.3.1936, zu C 1558/4/18, FO 371–19 888, S. 76.— Zusammengefaßt sind die Vorstösse/Anregungen der e. a. in: Eden an Runciman, 17.7.1936, C 5197/99/18, FO 371–19 934, S. 1 ff., 5 ff.; FO 371–19 933, S. 318, 322 ff. Beide Lösungen — Hall-Scheme, US-Kooperation— werden hier getrennt behandelt, gehören aber in einen Zusammenhang (s. Anm. III/206). Am Hall-Scheme hatten Jebb und Ashton-Gwat-kin mitgewirkt. Die,,imperial economic policy“ trat auch für Lothian aus taktisch-strategischen Erwägungen 1936/37 in den Vordergrund. Zur konkreten Entwicklung der bilateralen Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den einzelnen Dominions sowie Indien s. die ausgezeichnete Analyse von Wendt, S. 353–402.Google Scholar
  261. 262.
    Eine der’objektiven’ Voraussetzungen für die Wiederbelebung dieses Austauschnetzes war in den dreißiger Jahren nur begrenzt gegeben: Während England vor 1914 und zum Teil wieder in den zwanziger Jahren seine passive Handelsbilanz durch Aktiva in der Kapitalverkehrs- und Dienstleistungsbilanz mehr als ausgleichen konnte, mußte es in den dreißiger Jahren zum Ausgleich des Handelsbilanzdefizits Kapital repatriieren; das Schlagwort: „Are we living on Capital“, zeichnete Zeitungs- und Zeitschriftenartikel.Google Scholar
  262. 263.
    Hall-Scheme, S. 9 f.: „Tariff adjustments by ourselves designed to admit more semi-finished goods from industrial Europe into this country in exchange for the admission of increased quantities of Dominion primary products into European industrial countries and increased purchases of finished products by the Dominions from us.“; s. auch Anm. III/189. — Vgl. (Jebb) Eden-Memo., Economics and Foreign Policy, 17.3.1937, W 6363/5/ 50, FO 371–21 215, S. 182, 192. Eden griff den Vorschlag des Hall-Memo, wieder auf, nachdem der erste Vorstoß im Sommer 1936, ein Interdepartmental Committe einzuberufen, am Widerstand des BofT und am Desinteresse der T festgelaufen war. Nach Jebb — 24.6.1936, FO 371–19 933, S. 319 ff. — ging es den Autoren um die Wiederherstellung der „old trade channels“.Google Scholar
  263. 264.
    Hall-Memo., S. 19. Zur kritischen Haltung des Schatzamtes gegenüber derartigen Vorschlägen s. Anm. III/204, 212.Google Scholar
  264. 265.
    Vgl. Anm. III/4 zu ähnlichen Vorschlägen im Rahmen der Diskussion über die Anwendbarkeit des Wiesbadener Abkommens im englischen Interesse. — Hall-Memo., S. 12 f. — Das Tauschgeschäft sah zum Beispiel vor, daß England in die Dominions Automobile exportieren sollte; die Dominions würden diese Importe dadurch finanzieren, daß die europäischen Industrieländer dank der erhöhten Kaufkraft — aufgrund der Exporte von Halbfertigwaren und Fertigwaren nach England — verstärkt aus dem BE importieren könnten. Es kam darauf an, die europäischen Länder zu verpflichten, die Mehrerlöse aus dem Export nach England für Käufe in den Dominions zu verwenden. Von England erwarteten die Autoren entsprechende Modifikationen des Zolltarifs. Die europäischen Länder sollten daher zum Beispiel Bleche nach England ausführen, England diese in der Automobilfertigung weiterverarbeiten. Die englische Stahlindustrie brauche keine großen Einbußen zu erleiden, daman Kartell-Quotaregelungen vorsehen könne (s. dazu Anm. III/106, 272, 273).Google Scholar
  265. 266.
    Siehe auch Anm. III/194. Zum Folgenden s. Hall-Memo., S. 1, 10, 15; EAC (S.C.) Nr. 25 = C.P. 341 (36) = W 2380/5/50, 18.12.1936, Survey of the Economic Situation, § 53 (der Aufschwung beruhe künftig auf der Wiederherstellung der „old trade channels“; EAC (S.C.) Nr. 26 = C.P. 77 (37), 1.3.1937 = W 5821/5/50, 19.2.1937, Economic Policy and the Maintenance of Trade Activity, § 17: Die Reduktion der UK-„tariffs“ und erhöhte Einfuhren seien — trotz der Gefahren für die Entwicklung der Zahlungsbilanz — angemessene Maßnahmen; vgl. Anm. III/363; T 160–771, F 19 429; Kindleberger, S. 254 ff., 274 (Erholung der Dominions von der Preisflaute; Rohstoffländer steigern ihre Importe).Google Scholar
  266. 267.
    Die Empfehlung machte den wohl aussichtslosen Versuch, den im Spätsommer 1936 erkennbaren Aufschwung im Welthandel zu nutzen, um die Verlagerung der Import-Export-Beziehungen seit 1931/32 wieder rückgängig zu machen. Denn so wie der Anteil der englischen Importe aus den „Ottawa“-Ländern an den Gesamtimporten von 28,6% (1931) auf 39,1% (1937) und der Anteil der Exporte in die Dominions und Kolonien an den englischen Gesamtexporten von 43,5% (1931) auf 48% (1937) anstieg (s. Richardson, Economic Recovery, S. 262 f.), änderte sich auch die Zusammensetzung und die Richtung des deutschen Aussenhandels; s. dazu Volkmann, S. 81 ff.; Kindleberger, S. 292 ff.; Junker, S. 97, 100.Google Scholar
  267. 268.
    Den Vorschlag, die englischen Importe aus Europa zu erhöhen, machten das CEI, Leith-Ross und die e. a., verbunden mit der These „Ottawa is not enough“. Das Committee on Trade Policy empfahl in seinem Bericht (CTP (37) 11, §§ 34–35), die Einfuhr von Haibund Fertigwaren zumindest nicht zu erschweren und Lockerungen zu erwägen. Die e. a. und Leith-Ross argumentierten, daß, wenn die deutschen Exporte einen Markt in England fänden, die Konkurrenz auf Drittmärkten weniger scharf ausfiele und Deutschland Devisen für Käufe im BE erwerben könnte; (Jebb) Eden-Memo., W 6363/5/50, FO 371–21 215, S. 182 f., 192 f.; CTP (37) 11, §§ 34–35, 7.6.1937, FO 371–21 247.Google Scholar
  268. 269.
    Hall-Memo., S. 5; die Autoren erkannten zwar an, daß „Ottawa“ den Aufschwung mitbewirkt habe, doch könne das allein keine Dauerregelung sein. Da „Ottawa“ weitere Wachstumsmöglichkeiten kaum bot (s. Hall-Memo., S. 13, 17; s. Anm. III/305), mußte die Belebung des Welthandels das Ziel sein. Ähnlich Ashton-Gwatkin und Jebb schlugen die Autoren des Hall-Plans eine Erweiterung „Ottawas“ durch den Beitritt Frankreichs, Deutschland und anderer westeuropäischer Industrieländer vor. Der Vorschlag einer „customs union“ berücksichtigte, daß die Dominions Handelsverbindungen mit anderen Ländern suchten. Der Plan einer „new imperial economic foreign policy“ sollte den Zusammenhalt des Empire-Commonwealth gewährleisten. — Ashton-Gwatkin, 30.6.1936, FO 371–19 933, S. 355 ff. (zuP.E.P. „Ottawa is not enough“, PEP Nr. 36).Google Scholar
  269. 270.
    Ashton-Gwatkin besprach mit Vansittart seine Idee, mit Deutschland über ein Zollabkommen zu sprechen, 2.7.1936, C 4758/99/18, FO 371–19 933. — Hall-Memo., S. 5; Ashton-Gwatkin/Jebb, C 397/8/18, 17.1.1936, FO 371–19 917; Q. Hill (BofT) schloß sich dem „privat“ an, ohne das BofT festlegen zu wollen. Das BofT disqualifizierte den Vorschlag als „Danegeld“. Waley (T) erklärte das Vorhaben wegen der Stärke der protektionistischen Strömungen in England für nicht praktikabel. Ashton-Gwatkin brachte mehrfach die Erweiterung Ottawas zur „customs union“ ins Gespräch (23.12.1935, FO 371–18 873, S. 129 f.; Ashton-Gwatkin/Jebb, 16.6.1936, FO 371–19 933, S. 197 f.). Für die Hall-Gruppe war die „customs union“ eine der Möglichkeiten, ein „Sanktionssystem“ zu schaffen (s. Anm. 111/193). Davon zu unterscheiden sind die Vorschläge der Tennant/Piggott/Tiarks-Gruppe. Zwar wollten auch sie „Ottawa“ durch die Aufnahme Deutschlands erweitern. Deutschland sollte aus dem BE die Rohstoffe beziehen, die es aus den USA importierte; statt dessen sollten GB/BE aus Deutschland statt aus den USA Fahrzeuge und Autos einführen. Leith-Ross lehnte diese Vorschläge auch wegen ihrer Spitze gegen die USA ab; ausserdem verlangten diese Pläne eine stärkere Gängelung der Dominions, als aus englischer Sicht zumutbar erschien. Protokoll einer Besprechung im BofT, 6.3.1935, C 1980/25/18, FO 371–18 822, bes. S. 122 ff.; s. auch Pinsent an FO, 2.4.1935, C 2824/25/18 (über ein Gespräch mit Ribbentrop anläßlich eines Dinners der Deutschen Weltwirtschaftlichen Gesellschaft, 29.3.1935), FO 371–18 822, S. 160 ff.Google Scholar
  270. 271.
    Zur Handelsvertragspolitik und dem englischen Warenaustausch mit diesen Ländern s. unten, Kap. III/Abschn. B. — Leith-Ross, Balance of Payments-Memo, 7.12.1936; Arndt, S. 112 ff., 132; Drummond, S. 105 ff.; Richardson, Economic Recovery, S. 260 ff.Google Scholar
  271. 272.
    Hall-Memo., S. 17.Google Scholar
  272. 274.
    Siehe Anm. III/261. Zum Folgenden s. neben dem Hall-Memo. die Aufzeichnung von Jebb, „Scheme for Economic Solution of the German Problem“ und die Aufzeichnung über ein Gespräch Vansittart/Ashton-Gwatkin zur Vorbereitung des Schreibens von Eden an Runci-man sowie die Jebb-Notizen zur Genesis der Hall-Memo., in: C 4757/4759/99/18, FO 371–19 933.Google Scholar
  273. 275.
    Jebb-Minute zur Genesis des McDougall-Memo. (Anm. IH/279), 9.1.1937, W 373/5/50, FO 371–21 215, S. 5. — Eden (5.11.1936) forderte in seiner Unterhausrede Deutschland zum Beitritt zum Tripartite Agreement auf. Zu diesem Abkommen s. Arndt, S. 143 f.; Kindleberger, S. 267 ff.; Sayers, II, S. 475 ff.; Oliver, S. 86 ff. Bericht der Economic Relations Section des FO, C 7953/7746/62, Recent Moves in the Direction of International Economic Relation, 6.11.1936, FO 433–3.Google Scholar
  274. 276.
    (Jebb) Eden-Memo., Economics and Foreign Policy, 17.3.1937, W 6363/5/50, FO 371–21 215, S. 182 ff.; vgl. Wendt, S. 437 ff., über die „Nachfolgen-Denkschrift „The Economic Aspect of Foreign Policy“. Zum Komplex Aufrüstung/Protektionismus, der von Eden angesprochen wird, s. unten, Kap. III/B 2.Google Scholar
  275. 277.
    Dies betont Strang zu Recht in seiner Kritik am McDougall-Memo., 13.1.1937, FO 371–21 215, S. 70 f.Google Scholar
  276. 278.
    Das Interdepartmental Committee wurde von Chamberlain am 4.5.1937 auf Antrag Edens vom 17.3.1937 berufen, der Report lag am 7.6.1937 vor. Das Foreign Policy Committee beriet darüber Mitte Juni 1937 und leitete daraus Instruktionen für die englische Delegation auf der Genfer „Rohstoff-Konferenz ab; T 160–770, F 15 583, Economic policy in the light of changes in the economic situation and the international political position since 1932: Interdepartmental Committee; ferner T 160–762, F 14 735/03/1–4. Zur Vorgeschichte und zu den „terms of reference“ des Committee on Trade Policy s. im einzelnen Leith-Ross-Papers, T 188–175. Dem Committee unter Leitung von Leith-Ross gehörten an: Sir F. Philips (T), Sargent (FO), Ashton-Gwatkin, C.W. Dixon (DO), Clauson (CO), Kisch (India Office), Sir W. Brown (BofT), Sir D. Fergusson (MofA), Enfield (MofA) und als Sekretäre Jebb und Debenham (EAC). Der Bericht lag auf der Linie der vom EAC/CEI, Leith-Ross, Hodson (Round Table), Schuster, Salter u. a. verfochtenen Revision von „Ottawa“ und einer Lockerung der restriktiven Maßnahmen; s. Report, CTP (37), bes. § 35, FO 371–21 247.Google Scholar
  277. 279.
    P.E.P., Nr. 36, 30.6.1936, „Ottawa is not enough“; Ashton-Gwatkin-Minute, 6.7.1936, C4760/99/18, FO 317–19 933, S. 355/356. Zum Folgenden s. McDougall/Bruce-Memo, Economic Appeasement, W 373/5/50, FO 371–21 215, S. 14–39; s. Anm. HI/217, 225. Das Memo, ist die Fortführung des Hall-Memo.; es wurde von derselben Studiengruppe erarbeitet. Zur Genesis s. Jebb-Minute, 9.1.1937, ebd., S. 5 ff. Bruce trug die Kerngedanken vor der Birmingham Chamber of Commerce vor, „Trade and Industry“, s. Times, 25.2.1937. Ein Times-Leitartikel, „The End and the Means“, 25.2.1937, griff die Anregungen beifällig auf — der Verfasser, Barrington-Ward, gehörte zum Hall-Studienkreis! Bruce leitete das Memo, dem amerikanischen Botschafter zu (s. Anm. III/217). Die wichtigsten Gedanken, nämlich der Plan einer wirtschaftlich-sozialen Gipfelkonferenz, wurden von Roosevelt und M. King diskutiert und in die Öffentlichkeit getragen; s. dazu im einzelnen Kottmann, Reciprocity, S. 162 ff.Google Scholar
  278. 280.
    N. Chamberlain, 4.2.1934, HofC; N. Chamberlain, in: Times, 10.12.1937, S. 18 (s. Anm. III/222).Google Scholar
  279. 281.
    Zu den EAC-Berichten Nr. 25 (Dezember 1936) und Nr. 26 (Februar 1937) s. Anm. III/266.Google Scholar
  280. 282.
    Zum Aspekt „Anhebung des Lebensstandards“s. Anm. II1/217, 279. — Lothian hatte die Idee in seinem Brief an die Times, 11.2.1936, vorgetragen. Er trug sie in seinem Beitrag zur Artikelserie des News Chronicle am 16.6.1936 erneut vor; s. auch Anm. III/254 zur „Kampagne“ der Spitzenpolitiker. McKenzie King besprach den Vorschlag mit Roosevelt und versuchte bei seinem Berlin-Besuch 1937, das Thema anzusprechen. Hitler und Göring erklärten ihm, daß die Verbesserung der Lebensbedingungen in Deutschland ihr Ziel wäre: M. King an N.Chamberlain, 6.7.1937, C 5187/5187/18, FO 371–20 750, S. 325 ff. Die Formel, „healthy growth of international trade, accompanied by an improvement in the general standard of living, is an essential step to political appeasement“, findet sich im Schlußbericht der Imperial Conference, Cmd. 5482, § 22. — Für N. Chamberlain, Simon, L. George und die e. a. kam es darauf an, Hitler den Weg zur Hebung des Lebensstandards zu zeigen, bevor sie sich Alternativen fügen müßten, durch Steueranhebungen und schließlich durch Verteidigungsanleihen dem deutschen Beispiel zu folgen. Das englische Schatzamt und das FO verfolgten aufmerksam — anhand der sehr guten Berichterstattung aus Berlin — die Effekte des deutschen Rüstungswirtschaftssystems auf den Lebensstandard: s. u. a. Simon an Tweedsmuir, 24.11.1936; s. ferner die Simon-Marginalien zu Hendersons Bericht über das Gespräch mit Neurath, 22.5.1937, Berlin Nr. 320, Simon-MSS.Google Scholar
  281. 283.
    Ashton-Gwatkin und Jebb wollten erreichen, daß Leith-Ross den Auftrag erhielt, im Sinne des McDougall-Memo. Schachts Interesse an Verhandlungen auf der Basis der Lebensstandardfrage zu wecken und Schacht darüber hinaus zu veranlassen, mindestens während der Dauer dieser Gespräche die Kolonialfrage auf Eis zu legen (s. Jebb-Minute zu W 373/5/50, 9.1.1937, FO 371–21 215, S. 6 [a]). Das Junktim, die Kolonialfrage ruhen zu lassen, während man über Wirtschaftsfragen sprach, war in den Gesprächen Schacht/Blum und Delbos (28.8.1936) hergestellt worden. In seinen Memoiren erwähnt Leith-Ross das Thema in Bezug auf ein Memorandum von Ende Januar 1938, S. 253; Leith-Ross an Chamberlain, 4.2.1937, Phipps-MSS., 3/4, S. 56–68 (C 958/78/18, FO 371–20 725); Leith-Ross-Bericht, 6.7.1937, C 4897/78/18, FO 371–20 728, S. 299 ff.; Leith-Ross-Bericht, 9.7.1937, C 5139/71/62, FO 433–4, S. 109–112 (Berlin, Handelskammertagung). Zu den Gesprächen Leith-Ross mit Schacht s. Wendt, S. 449 ff.;MacDonald; Middlemas, S. 111 ff.Google Scholar
  282. 284.
    Jebb-Minute, 9.1.1937, FO 371–21 215, S. 6.Google Scholar
  283. 285.
    Zum MacDougall-Memo. s. Anm. HI/217, 225, 282. Wichtige Denkanstöße hatten die economic appeaser von H. Butler, dem Direktor des ILO, erhalten. Zu den vom ILO in Zusammenarbeit mit dem Economic Committee durchgeführten Untersuchungen s. Arndt, Economic Lessons, S. 247. Sir G. Schuster, Mitglied des Hall-Studienkreises, äußerte gegenüber Nicolson die Ansicht, es käme darauf an, eine anglo-amerikanische Allianz gegen den niedrigen Lebensstandard zu schaffen; ohne steigenden Verbrauch werde es wieder zum Zusammenbruch kommen („crash“). Er wollte Deutschland freie Hand geben, im Osten bis nach Rußland/Irak zu „kolonisieren“. Es komme nur auf individuelles Glück an, die Tschechen könnten auch unter deutscher Herrschaft individuell glücklich sein. Deutschland werde wieder ein,,gentle“ Volk werden! (Nicolson-Diary, 10.6.1937.)Google Scholar
  284. 286.
    Troutbeck-Minute, 14.1.1937, zu W 373/5/50, FO 371–21 215, S. 9 f. — Das gilt eindeutig für Lothian und Jebb sowie Ashton-Gwatkin, Schuster und All Souls Meeting, 18./19. 12.1937.Google Scholar
  285. 287.
    Jebb-Minute, 9.1.1937, FO 371–21 215, S. 7. — Die Gegenspieler der e. a. — zum Beispiel Waley (T) — wandten sich dagegen, den deutschen Lebensstandard auf Kosten des englischen Außenhandels zu heben. Sie betonten, daß das deutsche Autarkiestreben und die Propagandaparolen Goebbels’ (Kanonen statt Butter) symptomatisch für das Hitler-Regime seien; Waley an Pinsent, 19.6.1936, C 4501/99/18, FO 371–19 933; s. unten, Kap. IH/C.Google Scholar
  286. 288.
    Ashton-Gwatkin-Notiz für Leith-Ross, 10.3.1938, FO 371–21 701. — Ferner ist zu beachten, daß nach Auffassung der e. a. die Revision der von den Kolonien gewährten Präferenzen eher Japan als Deutschland begünstigen würde; Jebb-Minute, 17.3.1937, FO 371–21 215, S. 179; Eden-Memo., 17.3.1937, ebd., S. 182 f., 192 f.; India Office-Memo., G (36), Cab. 27–599, legte das im einzelnen in der Antwort auf die,»working agreement“-Vorschläge des FO dar.Google Scholar
  287. 289.
    Strang-Minute, 13.1.1937, zum McDougall-Memo., FO 371–21 215, S. 7 f.Google Scholar
  288. 290.
    (Jebb) Eden-Memo, 17.3.1937, W 6363/5/50, FO 371–21 215, S. 192 (a). - Von Frankreich erhofften sich die e. a. — aus sicherheitspolitischen Gründen — eine Stabilisierung sowie eine Modifizierung des Quotensystems (zumindest für Industrieerzeugnisse). Entsprechende Verhandlungen setzten unmittelbar nach Unterzeichnung des Tripartite Agreement ein (s. Anm. 1/346, 347).Google Scholar
  289. 291.
    Die e. a. wünschten, daß die englische Regierung auf den Abbau der Quotensysteme drängte, sie sahen hier das Hauptarbeitsfeld für die Van-Zeeland-Kommission; W 6363/5/50, FO 371–21 215, S. 193. — Die Opposition gegen die Protektionisten, insbesondere gegen die „Food and Defence“-Lobby und gegen eine Agrarschutzpolitik, die sich auch gegen die Dominions und erst recht gegen die USA richtete, ist besonders ausgeprägt bei Lothian (s. Anm. III/55, 62, 74, 75). Auf Lothian’s und Lloyd George’s agrarpolitische Vorschläge, ihre Haltung in Steuerfragen usw. kann hier nicht eingegangen werden. Zum Zusammenhang Protektionismus/Militarismus s. unten, Kap. III/B2; zur Thematik vgl. Drummond, S. 37–39, 230 ff.Google Scholar
  290. 292.
    Economic Section, Note, 8.2.1937, zum Leith-Ross/Schacht-Gespräch vom 2.2.1937, C 958/78/18, FO 371–20 725, S. 226, S. 224 ff.Google Scholar
  291. 293.
    Rohe, Liberalismus; Czempiel, in: Krippendorff (Hrsg.), Internationale Beziehungen, S. 27; Kocka, in: Winkler (Hrsg.), Organisierter Kapitalismus, S. 26 f.; Link, Transnationale Beziehungen, S. 16 ff.Google Scholar
  292. 295.
    N. Chamberlain, 4.2.1932, HofC, Bd. 261, Sp. 279 ff.; EAC (S.C.) 21,18. Report, 29.7.1935, S. 4 f., Cab. 24–256. — Auf die Regierungserklärungen, für die Chamberlain stellvertretend zitiert ist, beziehen sich die Denkschriften der e. a. (Hall-Memo., Ashton-Gwatkin/ Jebb-Berichte und -Minutes); vgl. W. Koren, Britain’s Economic Recovery. Policies of the National Government, in: Foreign Policy Reports, 31.7.1935, Bd. XI, S. 130 ff.Google Scholar
  293. 296a.
    Foreign Policy Reports, 14.8.1935, S. 142 f.; Phillips/Maddock, Growth of the British Economy, S. 114 f.; Pollard, Development of the British Economy, S. 226 ff. Zur Rolle Englands in der Weltwirtschaft des 19./20. Jahrhunderts s. Ch. Kindleberger, International Economics, 41968;Google Scholar
  294. 296b.
    W. A shworth, A Short History of the International Economy, 1850–1950, 31975;Google Scholar
  295. 296c.
    W.Y. Elliott (Hrsg.), Weltwirtschaft und Weltpolitik, 1957;Google Scholar
  296. 296d.
    H. Feis, Europe — The World’s Banker 1870–1914, 1930;Google Scholar
  297. 296e.
    RIIA, The Problem of International Investment, 1937;Google Scholar
  298. 296f.
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  299. 296g.
    A. Imlah, Economic Elements in the Pax Britannica, 1958; S.B. Saul, Studies in British Overseas Trade 1870–1914;Google Scholar
  300. 296h.
    W.A.P. Manser, Britain in Balance, 1971;Google Scholar
  301. 296i.
    L.J. Williams, Britain and the World Economy 1919–1970, London 1974;Google Scholar
  302. 296j.
    W. Schlote, Entwicklung und Strukturwandlungen des englischen Außenhandels von 1700 bis zur Gegenwart, 1938;Google Scholar
  303. 296k.
    A.E. Kahn, Great Britain in the World Economy, New York 1946.Google Scholar
  304. 297.
    Zur Wahl standen Abwertung und Importabgabe (10%). Die Regierung nahm in der Krise (September 1931) die erste Maßnahme vor und ergriff im November 1931 bzw. Februar 1932 — zum Teil unter dem Druck der „Protectionists“ — auch die zweite; s. Arndt, Economic Lessons, S. 102, 104. Zur Haltung der Verbände und Gewerkschaften s. unten, IV/6; Skidelsky, Politicians, S. 406 ff. u.a. O.; McKibbin, Economic Policy; Kindleberger, S. 168, 140 f.; Bullock, Bevin, Bd. I, S. 425 ff.; Rass, Britische Außenpolitik 1929–1931, S. 191 ff.Google Scholar
  305. 298.
    Die Finanzkrise vom August/September 1931 war in erster Linie zurückzuführen auf das Einfrieren kurzfristiger englischer Geldeinlagen in Mitteleuropa (Österreich, Deutschland) sowie auf ein höheres Budgetdefizit als erwartet. Die Veröffentlichung des Berichts des May-Committee Ende Juli 1931, das Haushaltskürzungen im Umfang von £ 97 Mill, empfahl, und des Macmillan-Committee-Reports, der Einblick in den Umfang der englischen kurzfristigen Schulden gab, unterhöhlte die Wirkung der von den USA und Frankreich gewährten Stützungskredite. Zur Diskrepanz zwischen begrenzten Währungs- und Goldreserven, Zahlungsverpflichtungen und Geldeinlagen s. die Arbeiten von Williams und Ashworth (S. 395 ff.). — Die Wirtschaftsstruktur — Überkapitalisierung in den alten Industrien, hohe Arbeitslosigkeit, hohe Steuerbelastung, Handelsbilanzdefizit u. a. — erwies sich als ungeeignet, um ein Gegengewicht zum temporären Vertrauensverlust in die englische Währungsund Finanzstabilität zu bilden. Das enorme Wachstum der kurzfristigen Verschuldungen war eine weltweite Erscheinung, die mit Veränderungen in der Struktur internationaler Verschuldungen nach dem Ersten Weltkrieg ebenso zusammenhing wie mit politisch-wirtschaftlichen Verhältnissen (Präferenz für leicht liquidierbare Anlagen); s. J.L. de Wilde, Currency Stabilization and World Recovery, in: Foreign Policy Reports, XI/13 (28.8.1935), S. 156. Zur Finanzkrise 1931 s. Howson, Domestic Monetary Management, S. 75 ff.; Sayers, History, Bd. I, Kap. 17; Pollard, S. 212 f., 224 ff.; Hicks, S. 345 ff.; Skidelsky, Kap. 12, 13; Ashworth, S. 395 ff.Google Scholar
  306. 299.
    Howson/Winch, Economic Advisory Council, S. 122 ff.; Howson, Domestic Monetary Management, S. 70, 92 ff.; betr. „Treasury View“/„capital fund theory“ s. Alford, Depression and Recovery, S. 73; Howson, S. 140 f.; Skidelsky, S. 39 f. u. a. O.; Youngson, S. 254 ff.; Pollard, S. 209;s. ferner Sidney Pollard (Hrsg.), The Gold Standard and Employment Policies between the Wars, London 1970 (darin: Hancock, Brown, Hume).Google Scholar
  307. 300.
    Auf den Abnormal Importations (Customs Duties) Act vom November 1931 folgte im Februar 1932 die Einführung eines „general tariff“: Import Duties Act („10% ad valorem customs duty on all retained foreign imports“, mit Ausnahme der bereits zollpflichtigen Waren oder der in den „free lists“ verzeichneten Warengruppen). Die Regierung entsprach der Empfehlung des Import Duties Advisory Committee (IDAC), für Fertigwaren einen Grundtarif („base tariff rate“) von 20% anzusetzen. Zu den politischen Aspekten s. unten Kap. IV, Abschn. 6.Google Scholar
  308. 301.
    Die £: $-Relation sank von 4.86 1/2 auf 3.84 (28.9.1931) bis 3.48 (Ende Februar 1932), 3.82 (1.4.1932), 3.67 (Anfang Mai 1932). Die Abwertung betrug ca. 30% gegenüber dem Goldstandard; s. im einzelnen Sayers, History, Bd. II, S. 419–430; Howson, Domestic Monetary Management, S. 84 ff.Google Scholar
  309. 302.
    Sayers, Bd. II, S. 425 ff.; Kindleberger, S. 254; Howson, S. 143; Howson/Winch, S. 109, 111 f., 113; R.B. Stewart, Great Britain’s Foreign Loan Policy, in: Economica, 1938; Arndt, Economic Lessons, S. 110 f., 122; J.H. Richardson, Economic Foreign Policy, S. 69 ff. Der Emissionsstop (Juni 1932) sollte in erster Linie die Schuldenkonversionsoperation abdecken. Auch die Dominions und £-Blockländer waren davon betroffen. Im Juli 1934 gab die Regierung Anleihen an £-Blockländer „frei“, versuchte aber, die Länder zur Abnahme britischer Exporte zu verpflichten („tied loans“); Chamberlain, 11.7.1934, HofC, Bd. 292, Sp. 1260 f.Google Scholar
  310. 303.
    Howson (Domestic Monetary Management, S. 111) kommt zu dem Schluß, daß dieser Erfolg mehr der Abwertung als den Zöllen zu verdanken sei: „the big post-tariff increases came in 1934 when the tariff was made permanent“; vgl. Arndt, Economic Lessons, S. 102–104; Aldcroft, The Impact of British Monetary Policy, 1919–39, in: Revue Internationale d’Histoire de la Bancque, 1970, S. 37—65.Google Scholar
  311. 304.
    Die Bank Rate wurde im Februar 1932 von 6% auf 5% herabgesetzt, seit dem 30. Juni 1932 lag sie bei 2%. Zum Zusammenhang der Entwicklung von Bank Rate und £-Kurs s. Sayers, History, Bd. II, S. 430 ff.; Howson, Domestic Monetary Management, S. 87. Zur „cheap money“-Politik s. ebd., S. 66 ff., 89 ff., 86 ff., 118; Nevin, in: Pollard, Gold Standard-, s. den knappen Überblick über die Forschungskontroversen, in: Alford, Depression and Recovery?, S. 17 ff, 38.; ferner Arndt, Economic Lessons, S. 122; Aldcroft, Impact of British Monetary Policy (Anm. III/303).Google Scholar
  312. 305.
    „Imperial Preference“ galt als realistisch und praktikabel, da sie es ermöglichte, den Industrien in den sich industrialisierenden Dominions Schutzzölle zu gewähren und die Exporte der Vertragspartner des Ottawa-Abkommens gegenüber Drittländern zu bevorzugen. Im Resultat war das Ottawa-Abkommen für die englischen Exportinteressen enttäuschend: Gegenüber dem leichten Exportüberschuß im Jahre 1929 verzeichnete England 1936 einen Importüberschuß im Handel mit den Empiregebieten von £ 126 Mill.; s. Arndt, Economic Lessons, S. 132 ff., H.W. Richardson, Economic Recovery, S. 262 ff.; Mowat, S. 437; Howson/Winch, 132ff.; Drummond, S. 91 ff.; Kottmann, S. 16ff.; Feiling, 205; Barnes/ Middlemas, S. 674ff.; Hancock, Problems of Economic Policy, 1918/1939, S. 198–230; G.P. (35) 58, § 97, S. 22, Cab. 27–584.Google Scholar
  313. 306.
    Handels Vertragsländer sind: die skandinavischen Staaten, Estland, Litauen, Lettland, Argentinien, später: Holland, Türkei, Polen, Uruguay, Spanien. Für die englische,,Garantie“, bestimmte Kontingente an Agrarprodukten zu importieren, verpflichteten sich diese Länder, einen bestimmten Prozentsatz ihrer Kohle-, Textil- und anderer Importe aus England zu beziehen bzw. den englischen Anbietern günstigere Marktchancen zu gewähren als den Erzeugern aus anderen Ländern. England war diesen Ländern gegenüber in einer guten Verhandlungsposition: Sie hatten sich auf den englischen Markt spezialisiert; England konnte durch das Angebot, die Abgaben nicht zu erhöhen und/oder Quoten nicht zu senken, für die englischen Exportartikel Konzessionen erhandeln. Siehe im einzelnen Arndt, S. 112 ff., 117,132 f.; Drummond, S. 104 ff.; BofT-Memo., C.P. 187 (33), 26.7.33, Cab. 23–75, S. 359 ff.; J.H. Richardson, Economic Foreign Policy, S. 101 ff.; H.W. Richardson, Economic Recovery, S. 260 f. — England steigerte seine Exporte in die Handelsvertragsländer von 1932 bis 1934 um 33% (gegenüber dem BE um 12%, gegenüber „foreign countries“ insgesamt um 5%); G.P (35) 10, S.8, März 1935, Cab. 27–584; E.A.C. (S.C.) 21, 18. Report, §§ 25 ff., Cab. 24–256.Google Scholar
  314. 307.
    Der großen Konversion, am 30. Juni 1932 verkündet, folgten 1933/34 kleinere Operationen; vgl. Sayers, History, Bd. II, S. 430 ff.; Foreign Policy Report, 31.7.1935, S. 132; Howson, Domestic Monetary Management, S. 69 ff., 87 ff.; Hicks, Finance of British Government, S. 380 f.; Pollard, S. 202 f. u.a.O.Google Scholar
  315. 308.
    Vgl. Kindleberger, S. 172 f., 188 f., 231; Ashworth, S. 400 f.; Ellsworth, International Economy, S. 383 ff.; Clay, S. 412 ff.; Francis, Britain’s Economic Strategy, S. 151 ff.; S. Strange, Sterling and British Policy, bes. S. 55 ff.; Drummond, S. 119 f.; Arndt, S. 100; Pollard, S. 332 f.; HJ. Richardson, Economic Foreign Policy, S. 50 ff., 125 ff. — Der £-Block „entstand“ während der Weltwirtschaftskonferenz, nachdem Roosevelt den Vorschlag zur Währungsstabilisierung abgelehnt hatte. Etwa 60% aller englischen „net liabilities“ wurden von/in £-Blockländern gehalten; das minderte den Druck auf die englische Währung und schirmte sie gegen äußere Wechselfälle relativ gut ab.Google Scholar
  316. 309.
    Zu den „Vorbildern“ 1917–1921 s. die Habil.-Schrift des Verf. Zur englischen Haltung auf der Stresa-Konferenz im September 1932 s. Arndt, Economic Lessons, und die oben in Anm. 1/262 zitierte Aussage von Leith-Ross; s. T 177–10; BT 11–223.Google Scholar
  317. 310.
    Howson, Domestic Monetary Management, S. 118; Richardson, Economic Recovery, S. 49. Zum Stand der englischen Recovery 1934 s. Kindleberger, S. 254; Howson, S. 93; Ald-croft, The Inter-War Economy, S. 245 f. — Die Regierung — BofT — verzeichnete, daß die englischen Exporte 1934 gegenüber 1933 um 7% zugenommen hatten (GP [35] 58, § 95, S. 23). Sie stützte u.a. darauf die These, daß der Fortgang der „recovery“ an den Aufschwung des Exports gebunden sei. Die economic appeaser nutzten die Konjunkturbelebung und den Aufschwung im Welthandel 1936/37, um die Regierung an die Parole zu erinnern, daß auf die Abschirmmaßnahmen gegen Störfaktoren die zweite Phase folgen müsse, die Belebung des Welt- und Außenhandels; zum Verhältnis Außen- und Welthandel s. Anm. HI/313:Google Scholar
  318. 311.
    Zur Zusammensetzung der englischen Fertigwarenexporte s. Lewis, Economic Survey, S. 78, Tab. VII.Google Scholar
  319. 312.
    Vgl. Howson/Winch, Economic Advisory Council, Kap. 5; Howson, Domestic Monetary Management, S. 93 ff., 118 f., 129 f., 143; McKibbin, Economic Policy, S. 96 ff. Die Regierung war der Ansicht, daß sie öffendiche Arbeiten, soweit,,vernünftige“ Projekte vorlagen, stets gefördert habe (im Rahmen der,,Trade Facilities Acts“). Mit niedrigen Zinsen, Steuersenkungen, Budgetausgleich (,,sense of confidence“) biete sie der Wirtschaft Entfaltungsmöglichkeiten.,»Deficit spending“ lehnte sie hingegen als „inflationär“ ab; s. im einzelnen McKibbin, Economic Policy; s. ferner: GP (35) 58, § 162, Cab. 27–584 (Regierungsantwort auf Lloyd George’s Programm „Conquering Prosperity“).Google Scholar
  320. 313.
    Howson/Winch, Economic Advisory Council, S. 127, ferner S. 133; betr. „sheltered industries“s. H. Clay, The Post-War Unemployment-Problem, 1929, S. 93; Pollard, S. 109, 240 f. u.a.O. Der Exportanteil am Nationaleinkommen ging von 17% (1929) auf 10% (1938) zurück; s. Phillips/Maddock, Growth of the British Economy, S. 116; EAC, 18. Report, Tab. 9; Pollard, S. 188 f.; Lewis, S. 78 ff.; Kahn, S. 126 f.; Mowat, S. 432 ff.Google Scholar
  321. 314.
    Zur Bedeutung des Außenhandels für die englische Wirtschaft s. besonders die Untersuchungen von Ashworth und Kahn. Economist, 24.12.1938, „Home Markets vs. Export“, S. 647 f., betont die steigende Bedeutung des Binnenmarktes für das industrielle Wachstum. Der Anteil der Importe am englischen Nationaleinkommen ging von 23% (1929) auf 17% (1937) zurück; der englische Anteil an den Weltimporten erhöhte sich von 15,5% (1929) auf 17,5% (1938); der Anteil der englischen Exporte an den Weltexporten reduzierte sich hingegen von 10,9% (1929) auf 9,8% (1937); Pollard, S. 188 f.; Mowat, S. 434 f.; Lewis, Economic Survey, S. 79. — Wegen des hohen Grades der Konzentration der „alten“ Exportindustrien in bestimmten Regionen und der ähnlich hohen Konzentration der „neuen“, zum Teil stark binnenmarktorientierten Wirtschaftszweige in den Regionen um London kam es für die Regierung unter politischen Gesichtspunkten darauf an, für die „klassischen“ Exportindustrien Märkte zu erhalten; die Zahl der Beschäftigten stieg zwar, aber die Arbeitslosen quote konnte nicht merklich gesenkt werden.Google Scholar
  322. 315.
    McKibbin, Economic Policy, S. 102 ff.Google Scholar
  323. 316.
    Baldwin, 10.7.1935, HofC; N. Chamberlain, 14.2.1935, HofC, Bd. 297, Sp. 2205 ff. — N. Chamberlain nannte in seiner Prioritätenliste für die Wahlkampfplattform im Government Policy Committee als vierten Punkt den Außenhandel: Die größeren Hoffnungen auf Expansion und Beschäftigung lägen im „overseas trade“(Cab. 27–591).Google Scholar
  324. 317.
    Zur Entwicklung der Zahlungsbilanz s. Alford, Depression and Recovery?, Tab. 6; Richardson, Economic Recovery, S. 56 ff.; Phillips/Maddock, Growth of the British Economy, S. 133 ff.; Kahn, Great Britain, S. 146. Die „invisible incomes“, die vor 1913 rund 30%, in den zwanziger Jahren ca. 25% der Importe finanziert hatten, kehrten sich um: England repatriierte Kapital. Vgl. Richardson, Economic Recovery, S. 58 f.; Phillips/Maddock, ebd., S. 130 ff.; Pollard, S. 191 f.Google Scholar
  325. 318.
    Schatzamt und Bank von England hielten am Emissionsstop auf Außenanleihen fest; „foreign lending“ wurde gegenüber den Ottawa-Ländern — in Form gebundener Lieferkredite („tied loans“) — wiederaufgenommen. In der Krise hatte England die USA gedrängt, die internationale Kreditmaschinerie wieder in Gang zu bringen. Zum Kindersley-Plan s. Oliver, S. 56 ff.; Kindleberger, S. 216 ff., 224 ff.; Wendt, S. 125 ff.; Howson/Winch, S. 109, 111/113; Winch, S. 143.Google Scholar
  326. 319.
    Die englischen Währungsreserven und Finanzen, als vierter Schlagarm geltend, durften keine zu starken Einbußen erleiden, da England im Kriegsfall nicht nur Nahrungsmittel und Rohstoffe, sondern auch Rüstungsgüter aus den Dollarblock-Ländern USA und Kanada importieren mußte. Die Kreditwürdigkeit ist kein vorgeschobenes Argument — die Kapitalflucht 1931 und Anfang 1938 sowie die im CID-System und im Schatzamt aufbewahrten und fortgeschriebenen Erfahrungsberichte und Bilanzen über den Ersten Weltkrieg hielten das Problem bewußt. Sayers, II, S. 567 ff.; Simon, 5.7.1939, Cab. (39) 36, Cab. 23–100; Hopkins-Memo., Note on the Financial Position, ebd. — Das Defizit in der Handelsbilanz — 1935: £ 185 Mill., 1937: £ 339 Mill., 1938: £ 284 Mill. - war zwar nicht höher als 1929/ 31, doch während 1929 noch ein Überschuß in der Leistungsbilanz („current account“) von £ 103 Mill, verzeichnet werden konnte, bestanden 1937 und 1938 Negativsalden von £ 56 bzw. £ 54 Mill.; vgl. Richardson, Economic Recovery, S. 58; Phillips/Maddock, Growth of the British Economy, S. 114 f., 134 ff. Zur Gesamtproblematik s. Hancock/ Gowing, British War Economy; Sayers, Financial Policy 1939/45; N.D. Hall, North Atlantic Supply; Collier, The Defence of Britain, Meyers, Kap. 5; Howson, Domestic Monetary Management, S. 120 ff., 137 f.Google Scholar
  327. 320.
    Der Wunschkatalog barg insofern Zielkonflikte, als nicht nur unterschiedliche Vorstellungen über die „richtige“ Kurs-Relation ausgeglichen, sondern auch handelspolitische Maßnahmen berücksichtigt werden mußten: England meinte zum Beispiel, der Dollar sei unter-, das £ überbewertet. Fortschritte auf anderen Gebieten (Hebung des Weltpreisniveaus, Zollsenkungen, Wiederaufnahme der Kreditgewährung) müßten vorausgehen, bevor England einer Konvention über stabile Währungsrelationen beitreten könne; s. generell Clay, Norman, S. 421 ff. Zu diesen englisch-amerikanischen Zielkonflikten 1935–38 und im Vorfeld der Bretton Woods-Konferenz s. Oliver, Economic Co-Operation, S. 85 ff. Zum Tripartite Agreement und den englisch-französisch-amerikanischen Verhandlungen 1935/ 36 s. BT 11–735-, Clay, Norman, S. 417 ff.; de Wilde, Currency Stabilization and World Recovery, 28.8.1935, in: Foreign Policy Reports, S. 154 ff.; Sayers, Bd. II, S. 474 ff. Zur französischen Politik s. J. Bouvier, Contröle des changes et politique economique exte-rieure de la SFIO en 1936, in: Relations Internationales, XIII (1978), S. 111–115; R. Gi-rault, ebd., S. 91–109. Zur englischen Beurteilung der deutschen Finanz- und Währungspolitik s. u.a. Pinsent, Juni 1936, C 5020/99/18, FO 371–19 333, S. 410 ff. Zum Problemkreis der deutschen Exportmethoden und der Reaktion englischer Interessenten s. Wendt, S. 353 ff.; Volkmann, S. 84 ff.Google Scholar
  328. 321.
    Vgl. Anm. HI/298; s. besonders die Analyse von Svennilson, Growth and Stagnation; Meyers, S. 350 ff.; Kindleberger, S. 156 ff.; LN-Publications, Economic... Dpt., Industrialization and Foreign Trade, 1945; EAC (S.C.) 21, 18. Report, 27.9.1935, S. 4; All Souls Conference, 11./12.7.1931, Jones-MSS., Class C/4, Nr. 73, Bericht Loveday; Love-day, Britain and World Trade, Aldcroft/Richardson, The British Economy 1870–1939, Essay 8; Kahn, Great Britain in the World Economy; Balfour Committee on Industry and Trade, Survey of Overseas Markets, 1925.Google Scholar
  329. 322.
    Vgl. Hobsbawm, Industry and Empire; Pollard, S. 99 ff., 188 f.; Alford, S. 57 ff. Der Anteil der englischen Fertigwarenexporte an den Weltexporten ging zurück von 37% (1885), 25,4% (1913) auf 22% (1938); vgl. Mowat, S. 271 ff.; Lewis, S. 78 f. — Hobsbawms These (ebd., S. 191 ff.), daß Englands Wirtschaft das Empire als Absatzmarkt benötigte, weil es auf anderen Märkten weniger konkurrenzfähig war, ist überspitzt, in der Tendenz aber zutreffend. Im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts machten Rohstoffe und Nahrungsmittel ca. 75% der Importe aus. 90% der Exporte waren Fertigwaren, daran waren Textilprodukte zu 53% beteiligt; mehr als 70% der Fertigwarenexporte gingen in die „primary producer countries“. Als die Fertigwarenimporte nach England seit den 1880er Jahren anstiegen, erhielt die imperialistische Politik einen gesellschaftspolitischen Einschlag in Gestalt der „Tariff Reform“/„Empire-Kampagne“. Zur Wettbewerbssituation nach dem Ersten Weltkrieg s. Phillips/Maddock, Growth of the British Economy, S. 108 ff., 121; F. Blackaby, British Share of World Trade in Manufactures, 1965; A. Maizels, Industrial Growth and World Trade, Cambridge U.P. 1963; H. Tyszynski, World Trade in Manufactured Commodities, 1899–1950, in: Manchester School, XIX (1951); F. Ben-ham, Great Britain under Protection, London 1940; Lewis, World Production, Prices and Trade, 1870–1960, in: Manchester School, XX (1952); LN-Publications, Industrialization (Anm. HI/321), Kap. VI.Google Scholar
  330. 323.
    Loveday, All Souls Conference (s. Anm. III/321), Protokoll, S. 3. Zum Diskussionsstand s. Alford, Depression and Recovery, S. 45 f. Der Anteil der elektrotechnischen und chemischen Erzeugnisse sowie der Kraftfahrzeuge an den englischen Gesamtexporten stieg von 13,6% (1929) auf 17,6% (1937); s. dazu Kahn, S. 109, Tab. 8; Kindleberger, S. 254; R.S. Sayers, The Springs of Technical Progress in Britain, 1919–1939, in: Economic Journal, LX(1950).Google Scholar
  331. 324a.
    Vgl. S.R. Dennison, The Location of Industry and the Depressed Areas, 1939; Richardson, Economic Recovery, S. 273;Google Scholar
  332. 324b.
    C.H. Feinstein, Domestic Capital Formation in the United Kingdom, 1920–1938, 1965; Aldcroft/Richardson, The British Economy 1870–1939, Kap. 8: „The New Industries between the Wars“; s. auch Meyers, S. 352 ff.; Pollard, S. 98 ff., 280 ff.Google Scholar
  333. 325.
    Leith-Ross, C.P. 339 (36), 7.12.1936, § 13, S. 12 f.; s. auch ders., Money Talks, S. 228 f.; Howson, Domestic Monetary Management, S. 123 ff.; Sayers, II, S. 474. Leith-Ross meinte, das £ sei 1936 (wiederum!) überbewertet und empfahl Maßnahmen des Exchange Equalisation Fund, um den Kurs nach unten zu drücken. Clay warf Leith-Ross vor, aus dem Defizit von £ 10 Mill, im „current account“zu weitgehende Schlüsse zu ziehen. Aus der Sicht der Industrie (FBI, NUM) bildete die Instabilität der Währungsparitäten (exchange rates) in den Jahren 1919—1925 und nach 1932 einen wichtigen Erklärungsgrund für die schwache „performance“ der englischen Exportindustrien; EAC (S.C.) 21, 18. Report, 29.7. 1935, S. 4; s. auch de Wilde, in: Foreign Policy Reports, 28.8.1935. Zur kontroversen Diskussion s. Alford, Depression and Recovery?, S. 16 ff., 34 ff.; Pollard, The Gold Standard, Einleitung; s. ferner D. Aldcroft, The Impact of British Monetary Policy, 1919–1939, in: Revue Internationale d’Histoire de la Bancque, 1970; ders., British Monetary Policy and Economic Activity in the 1920’s, in: ebd., 1972, S. 277–304.Google Scholar
  334. 326.
    Indikatoren sind u.a. die Steuereinnahmen (Einkommenssteuer, „surtax“), die trotz einer Reduzierung des Hebesatzes um 2,5% annähernd gleichblieben, die Gewinne der binnenmarktorientierten Branchen (Baugewerbe, Brauereien, Auto- und Motorenfabrikation, Dienstleistungsgewerbe, Elektrizitätswirtschaft u.a.), deren Dividendenzahlungen u.a.m. Siehe dazu Foreign Policy Reports, 14.8.1935, S. 142 ff.; British Association, Britain in Recovery; Richardson, Economic Recovery, Kap. 2 u. 4; Howson, Domestic Monetary Management, S. 90 f., 108, 116; Alford, Depression and Recovery?, S. 15 ff.Google Scholar
  335. 327.
    Die Zahl der Beschäftigten im Baugewerbe betrug im ersten Quartal 1935 1 425 000 gegenüber 1 290 000 im Jahre 1929 und 1 181 000 im Jahre 1931; in der Stahl-Eisen-Industrie 1929: 1 019 000, 1932: 762 000, 1934/35: 915 000; im Tertiärbereich waren 1934 gegenüber 1929 350 000 Arbeitskräfte mehr beschäftigt; EAC (S.C.) 21, 18. Report, Juli 1935, S. 6, Cab. 24–256. Zur Entwicklung der Bauwirtschaft s. D. Aldcroft/H.W. Richardson, Building in the British Economy; Howson, Domestic Monetary Management, S. Ill ff.Google Scholar
  336. 328a.
    Vgl. D.C. Burn, The Economic History of Steelmaking, 1867–1939, 1943;Google Scholar
  337. 328b.
    J.D. Scott, Vickers. A History, London 1962; Howson, Domestic Monetary Management, S. 138; Richardson, Economic Recovery, S. 251 ff.; EAC (S.C.) 21, 18. Report, S. 6; Economist, 1.12.1934 und 15.6.1935; Foreign Policy Reports, 14.8.1935, S. 144 f.;Mowat, S. 442 ff.;Google Scholar
  338. 328c.
    A.F. Lucas, Industrial Reconstruction and the Control of Competition, 1937.Google Scholar
  339. 329.
    Zur Einschätzung des Beitrags der Schutzzölle und der „imperial preference “-Ab kommen für den Aufschwung („recovery“) s. Howson, Domestic Monetary Management, S. 108 ff.; Richardson, Economic Recovery, Kap. 10, bes. Tab. 20, S. 247; zu „Ottawa“s. ebd., S. 262 ff.; Arndt, Economic Lessons, S. 132 ff. Für die FBI, die Empire Industries Association, die Regierung (Chamberlain) bildeten „protection and imperial preference“ die Stützen und Garanten der „recovery“; die Wirtschaftshistorie (Howson, Richardson, Aldcroft) mißt dem Faktor „general tariff“ und dem Ottawa-Vertragswerk keine Leitfunktion zu. Die Regierung betonte jedoch stets, daß das Arbeitslosenproblem nur im Zuge einer Erholung des Welthandels gelöst werden könne.Google Scholar
  340. 330.
    Die Treasury schätzte die Zahl der Arbeitslosen in ihrer Prognose (Mitte 1934) auf mindestens 1,5 Mill., falls es im Welthandel und damit für den Export keinen Aufschwung gebe — Howson, Domestic Monetary Management, S. 108; betr. CEI-Prognosen s. Howson/ Winch, Economic Advisory Council, S. 111. — Eine entsprechende Erklärung Chamberlains im HofC über die „Unvermeidlichkeit“ der Arbeitslosigkeit bestätigte die Vorwürfe der Labour Party gegen die „unsoziale“ Nationale Regierung und trug dazu bei, die 1931 vertiefte Kluft zu erweitern und später die Vorbehalte gegen die Rüstungspolitik zu verstärken.Google Scholar
  341. 331.
    Leith-Ross-Memo., C.P. 339 (36), 7.12.1936; PEP, Report on International Trade, 1937, S. 90; PEP, Britain and World Trade, 1937, S. 25; Sir G. Schuster, Empire Trade before and after Ottawa, Economist Supplement, November 1934; s. ferner BofT-Memo., GP (35) 10, S. 7 f., und GP (35) 58, S. 22 f. (Antworten auf Lloyd George’s Plan), Cab. 27–584.Google Scholar
  342. 332.
    Siehe Anm. III/320. — Die Auffassung, daß ein Land, das seine Exporte steigern wolle, sich auch seinerseits Einfuhren öffnen müsse, ist Kernbestandteil der RTA-Politik C. Hulls, freilich unter weitgehender Berücksichtigung der,,Schutzbegehren“ landwirtschaftlicher und industrieller Interessenten in der Praxis (s. Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 57, 68 ff., 72 ff.). Auf englischer Seite ging die Regierung in ihren Erklärungen gleichfalls weiter als in den konkreten Verhandlungen. Sie mußte sich der Vorwürfe erwehren, ihre Handelspolitik sei schuld an,,Handelskriegen mit Irland, der Sowjetunion (1932/ 33), Frankreich (1932 und 1933/34). Gegenüber der RTA-Politik und der Aufforderung, mit den USA auf dieser Basis zu kooperieren, machte die englische Seite Vorbehalte geltend: 1933/36 betraf das die Stabilisierung und Korrektur des Dollar-Kurses sowie die Kriegsschuldenfrage, 1936/38 die Auffassung, daß das £ gegenüber dem $ überbewertet sei. Angesichts eines amerikanischen Exportüberschusses im Handelsverkehr mit England, der dreimal so hoch lag wie die englischen Exporte in die USA (1935/37), hatte England kein ökonomisches (!) Interesse an einem Vertrag, der die US-Farmer beschwichtigen und der US-Regierung die Fortführung der Verhandlungen mit anderen Agrarländern (Argentinien, Uruguay u.a.) ermöglichen sollte; s. auch Anm. III/344.Google Scholar
  343. 333.
    EAC, Committee on International Economic Policy, First Report, 11.10.1932, S. (32) 2. — Die englische Regierung erwartete, daß auf die Stabilisierung der Leitwährungen (Tripartite Agreement) eine schrittweise Zurücknahme der Quota-, Devisen- und anderer Beschränkungen folgen würde; s. Anm. 1/371. Die Länder, die unter Berücksichtigung des Weltmarktpreisniveaus ihre Paritäten aufeinander abgestimmt hätten, sollten den ersten Schritt zur Lockerung der Handelsrestriktionen tun, zumindest im Handel mit den,,free exchange countries“. Die Nicht-Mitglieder würden dann ihr Interesse entdecken, dem September-Abkommen beizutreten, um an den Vorteilen der „freien“ Weltwirtschaft zu partizipieren (das zielte auf Deutschland); Morrison, VB-Tagung, Oktober 1936, M. Mac-Donald an Eden, 10.10.1936, W 13 551/2/98, FO 411–19, Nr. 46, S. 107.Google Scholar
  344. 334.
    Die Dominions lehnten 1931/32 Ausnahmeregelungen zugunsten einer Zollpräferenzzone in Mittel-Südost-Europa ab. England torpedierte die Ouchy-Konvention der Oslo-Staaten durch die Weigerung, MFN-Rechte preiszugeben; s. dazu Arndt, Economic Lessons, S. 236 f.; zur englischen Haltung gegenüber dem Hodza-Plan 1937 s. Grüner, „British Interest“, S. 139 ff.; J.H. Richardson, S. 114 ff.; BT 11–234; BT 11–375; BT 11–715. Die englische Haltung ist dadurch beeinflußt, daß Deutschland versuchte, mit Hilfe von Präferenzabkommen die Nachbarstaaten dem französischen Einfluß zu entziehen und ein „informal Empire“ (Schröder) zu etablieren; daß Frankreich mit den Donauraumplänen ähnliche Absichten verfolgte; daß die USA vor allem prinzipiell auf ihren MFN-Rechten beharrten.Google Scholar
  345. 335.
    Zum „international lending“ (1931–33) s. Macmillan-Report, Cmd. 3897 (1931), §§ 316–319; zum Kindersley-/Norman-/Bewley-Plan s. Kindleberger, S. 154 ff., 222 ff.; Skidels-ky, S. 318 ff.; EAC (S.C.) 21, 18. Report, 29.7.1935, § 3, S. 4, Cab. 24–256.Google Scholar
  346. 336.
    Zur Entwicklung der £: $-Relation s. Sayers, Bd. II, S. 419 ff.; Foreign Policy Reports, 31.7.1935, S. 132 und 18.8.1935, S. 149. Die englische Regierung mißtraute den USA insofern, als man nicht ausschloß, daß Roosevelt die Vollmacht, den $ um bis zu 16 2/3% abzuwerten, nutzen könnte; von der Goldpolitik Washingtons befürchtete man in London, in den Zugzwang zu kommen, den £-Kurs durch Zinsanhebungen zu verteidigen und eine Triebkraft der „recovery“ abzuschwächen.Google Scholar
  347. 337.
    Vgl. Howson, Domestic Monetary Management, S. 143; Howson/Winch, Economic Advisory Council, S. 109 ff; Sayers, Bd. II, S. 491 f. Exportförderung mit Hilfe gebundener Anleihen („tied loans“) im Ottawa-£-Block ist hiervon ausgenommen; s. Arndt, Economic Lessons, S. 113 ff.; J.H. Richardson, S. 63 f.Google Scholar
  348. 338.
    Zum Verlauf, den Triebkräften der „recovery“s. Howson/Winch, Economic Advisory Council, Kap. 5; Howson, Domestic Monetary Management, S. 118 ff., 90 ff., Alford, Depression and Recovery?, S. 16 ff.; Aldcroft, Inter-War Economy, Richardson, Economic Recovery, Kap. 2, 4; Foreign Policy Reports, 1935, Bd. XI, S. 131 ff., 142 ff.; British Association, Britain in Recovery, 1938; Mowat, S. 432 ff.; F.C. Benham, Great Britain under Protection, London 1940.Google Scholar
  349. 339.
    EAC (S.C.) 21, 18. Report, § 27, Tab. 8, §§ 28, 29, Tab. 10. — Der Anteil der „capital goods“-Exporte an den englischen Gesamtexporten stieg von 24,0% (1934) auf 26,9% (1935) an; s. auch Richardson, Economic Recovery, S. 263; Lewis, Economic Survey, S. 78.Google Scholar
  350. 340.
    Das Lohnniveau war in den Dominions in der Krise stärker gesunken als in England. Der Abwertungssatz lag (besonders im Fall Australiens) höher als die englische £-Abwertung; s. EAC (S.C.) 21, 18. Report, § 37. Zur Lage in den Dominions s. Kindleberger, S. 254 f. Zur Industrialisierungspolitik in den Dominions und den Schutzmaßnahmen auch gegenüber England s. Drummond; Kottmann; Wendt (S. 374 ff.); Arndt (S. 20 f.). Die FBI klagte seit ihrer Gründung (1916/17) über die Importrestriktionen der Dominions auch gegenüber England; sie forderte die Regierung in den dreißiger Jahren auf, „hart“ zu verhandeln, d.h. die Abhängigkeit bestimmter Agrarprodukte der Dominions vom englischen Markt zu nutzen, um für die englischen Industrieexporte „sichere“ Marktanteile auszuhandeln.Google Scholar
  351. 341.
    Forderungen, das „imperial preference“-System vom Waren-Handelsverkehr auf die Bereiche Schiffahrt, Auslandsemissionen u.a. auszudehnen, gehören zu den Programmpunkten der Empire Industries Association/Empire Economic Union; sie waren Gegenstand von parlamentarischen Anfragen sowie der Resolutionen von Parteigremien (Central Council of the National Union of Conservative and Unionist Associations).Google Scholar
  352. 342.
    Über das Committee on Economic Information (CEI) s. die Studie von Howson/Winch (mit Dokumentenanhang), bes. S. 119, 127 ff., 135, 137, 139. Zum nachfolgenden Zeugnis s. auch Meyers, S. 369 ff. Leith-Ross beteiligte sich an den Arbeiten des CEI. Dem Ausschuß gehörten Wirtschaftswissenschaftler mit unterschiedlichen Auffassungen an, so daß die Akzente von Bericht zu Bericht verschoben sein können.Google Scholar
  353. 343.
    Howson/Winch, Economic Advisory Council, S. 108.Google Scholar
  354. 344.
    Vgl. Kindleberger, S. 283 f.; Howson, S. 135 ff.; Howson/Winch, S. 148 ff. Die Krise setzte im Frühsommer 1937 ein und erreichte England im Spätherbst des Jahres; sie wurde durch den im April 1938 einsetzenden „Rüstungsboom“in England aufgefangen. Im Winter 1937/38 führte sie zum Abzug ausländischer Guthaben aus London, zur Reduktion der Gold- und Devisenreserven; s. Sayers, Bd. II, S. 561 ff.; L.J. Williams, Britain and the World Economy1919–1970, London 1974, S. 78 ff.;Parker, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 270. Die Rezession hatte Auswirkungen auf die Handelsvertragsgespräche, sie verringerte die Aussichten, für englische Industrieprodukte in den USA einen Absatzmarkt zu finden (als Kompensation für US-Agrarexporte nach England), beschleunigte jedoch nach dem Urteil Kottmanns (Reciprocity, S. 205) den Gang der Verhandlungen.Google Scholar
  355. 345.
    EAC (S.C.) 21, 18. Report, § 44, S. 20.Google Scholar
  356. 346.
    Vgl. Howson/Winch, Economic Advisory Council, S. 113; die Treasury hielt die Vorschläge 1935 für verfrüht, s. Oliver, International Economic Cooperation, S. 87 f.Google Scholar
  357. 347.
    EAC, 18. Report, §§ 41–43, S. 20; vgl. N. Chamberlain, 25.2.1935, HofC, Bd. 297, Sp. 2205–2216; Howson/Winch, Economic Advisory Council, S. 109 ff., Ill ff, 116 ff. — Die Gelegenheit, die Devisenkontrollen usw. schrittweise zu lockern, sah Leith-Ross im Frühjahr 1937 gekommen, als die Nachfrage weltweit nach oben anzog und die Erholung der Großhandelspreise (seit dem Sommer 1936) anhielt: Leith-Ross, 9.7.1937, C 5139/71/62, FO 433–4, Nr. 38, S. 109 ff.Google Scholar
  358. 348.
    Phillips, 4.6.1935, T 175–88, „Relations with USA“; s. auch Howson, Domestic Monetary Management, S. 119.Google Scholar
  359. 349.
    Vgl. Kindleberger, S. 292 f.; Howson, S. 138 f.Google Scholar
  360. 350.
    EAC, 18. Report, bes. S. 1, 12, 14 f.; Treasury-Kommentar zu EAC, 12. Report, 3.8.1934, FO 800–289, S. 254; G.P. (35), 2. Sitzung, 4.2.1935, Cab. 27–583. Zur Bauwirtschaft als Leitsektor und zu den Berechnungen s. EAC, 18. Report, §§ 45 f., S. 21; vgl. Howson, S. 127 ff; Howson/Winch, S. 134 ff.Google Scholar
  361. 351.
    EAC, 18. Report, § 24, S. 14.Google Scholar
  362. 352.
    „Public works other than on rearmament should be postponed now and speeded up later to secure the double purpose of assisting rearmament and… of alleviating a possible depression“. EAC, 18. Report, § 45, S. 21; Howson/Winch, S. 141; Howson, S. 128 ff., 135, 139. Die Expansion der RAF und der Aufschwung in der StahWEisen-Industrie waren Träger der Expansion 1935/37. Zum Phillips-Committee, das entsprechende Vorschläge zur Streckung der öffentlichen Aufträge und für die Phase nach Ablauf des Rüstungsprogramms ausarbeitete, s. Howson, S. 128 f.; „… what we can do to prevent excesses during the boom period into which we are entering and what precautions we can take in advance with a view to mitigating the slump which we must in reason anticipate will follow the boom“(13.3.1937, Howson, S. 128); Peden, S. 89 ff.Google Scholar
  363. 353.
    „So far as is practicable additional money should be raised for armaments by taxation… damping down all capital expenditure by public authorities except for urgent current needs or for depressed areas development.“Howson, S. 129 f.;s. ferner ebd., S. 119, 127 ff., 135, 137, 139; Howson/Winch, S. 130 f.Google Scholar
  364. 354.
    Howson, S. 124; zu Inskip s. IV/6; zu Leith-Ross s. unten, Kap. III/B2.Google Scholar
  365. 355.
    Die Annahme, daß die Richtungsentscheidung über die deutsche Wirtschaftspolitik zugunsten der Autarkisten und gegen die „Moderates“noch (1936/37) nicht gefallen sei, bildete für die economic appeaser die Basis ihrer Argumentation.Google Scholar
  366. 356.
    Nach der Deutung Petzinas zog „das sprunghafte Anwachsen der Rüstungsaufwendungen zumindest in den ersten drei Jahren keine vergleichbaren kontrollierenden Eingriffe zur ‚Militarisierung‘der Wirtschaft nach sich… Eine umfassende Kontrolle der Wirtschaft… begann erst 1936, als vielfältige Engpässe wirtschaftspolitische Prioritäten erzwangen, die die weitere Expansion der Rüstung absichern sollten.“Petzina, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 66. Zur Entwicklung des Außenhandels, dem Stellenwert der Exportexpansion und des Waffenexports als Devisenbringer sowie den Zielkonflikten zwischen Außenhandel und Aufrüstung seit 1936/37 s. Volkmann, ebd. Zur Weichenstellung in Deutschland 1936/37 s. Anm. III/19.Google Scholar
  367. 357.
    EAC (S.C.) 21, 19. Report, §§ 91, 93, CAB. 24–260, 10.2.1936.Google Scholar
  368. 358.
    EAC, 19. Report, §§ 78, 79, S. 38 u. § 85, S. 40. — Die Economic Section des FO stützte sich auf die Berichte des CEI. Einige Mitglieder des EAC waren — zum großen Teil aus politischen Gründen — Gegner des NS-Regimes und keineswegs „Appeaser“. Die Berichte entwickelten keine Handlungsanweisungen oder Entscheidungsalternativen. Im Folgenden ist also nur eine Tendenz zu beschreiben.Google Scholar
  369. 359.
    Das „triangular system“meint hier folgendes Dreiecksgeschäft: Deutschland erzielt gegenüber England und den skandinavischen Ländern einen Exportüberschuß; Deutschland verzeichnet im Außenhandel mit Süd-Amerika und den Dominions/BE ein Defizit; die skandinavischen Länder erzielen gegenüber England einen Exportüberschuß, Deutschland finanziert die Rohstoffimporte aus Südamerika/Be mit den im Skandinavienhandel verdienten £-Devisen; EAC, 19. Report, § 79. Zu den veränderten Handelsbeziehungen Großbritanniens mit dem Empire und den europäischen Ländern sowie Deutschlands mit „Mitteleuropa“bzw. den „westlichen“Ländern s. Anm. III/268.Google Scholar
  370. 360.
    Zur Annahme bzw. Beobachtung, daß Deutschland mit den Ergebnissen der Barter Trade-Abkommen nicht „zufrieden“sei und daher eine latente Bereitschaft zur Teilnahme und Mitwirkung an der Liberalisierung des Welthandels bestehe und genützt werden sollte, s. Anm. III/185.Google Scholar
  371. 361.
    EAC, 19. Report, §§ 84 ff., S. 40.Google Scholar
  372. 362.
    Das Committee on Trade Policy sah die Chancen für eine englische Initiative zur Belebung des Welthandels als günstig an, denn man könne verzeichnen: 1. steigende Kaufkraft in Europa; 2. „internal revival“in GB. Der Report betonte aber auch, daß der englischen Politik nur wenige Einsatzmittel („Opfer“) zur Verfügung ständen. Die Fragenkomplexe wollte Chamberlain zunächst einem Ausschuß überweisen: Chamberlain an Eden, 7.4. 1937 u. 30.4.1937, FO 21 215, S. 203 f., 280 — T 188–175/176. — Vgl. Howson, Domestic Monetary Management, S. 123,125, 128; Howson/Winch, Economic Advisory Council, S. 140 ff. Schachts Vorstoß gegenüber Blum, die Expertisen des CEI, die Aktivitäten der Dominions-Vertreter in London (Bruce) McDougall, Massey/Pearson) — dies waren die Ansatzpunkte für die Economic Section des FO, Eden zu einem erneuten Vorstoß zu drängen: Jebb, 7.1.1937, FO 371 - 21 215, S. 6 ff.; Ashton-Gwatkin, ebd., 12.1.1937; Jebb/Eden-Memo., Economics and Foreign Policy, 17.3.1937; zur Genesis des Memo. s. Jebb-Minute, 17.3.1937, FO 371- 21 215, S. 178 ff.Google Scholar
  373. 363.
    Siehe Anm. 111/89, 266. — Howson, Domestic Monetary Management, S. 135; Howson/ Winch, Economic Advisory Council, S. 137; Kindleberger, S. 254 ff., 274 f.; EAC, Reports Nr. 25, 26;s. dazu Jebb-Minute, 9.1.1937, FO 371–21 215, S. 5 f.;C.T.P. (37) 11, 7.6.1937, §§ 4,34, schloß sich im wesentlichen den Analysen des CEI und den Empfehlungen von Leith-Ross an. — Die Regierung hatte seit 1932 wiederholt öffentlich erklärt, daß sie die Anhebung des Weltpreisniveaus als Zeichen für eine Initiative zur Belebung des Welthandels bewerten wolle.Google Scholar
  374. 364.
    Howson/Winch, Economic Advisory Council, S. 139; vgl. auch Anm. III/266; Oliver, International Economic Co-Operation, S. 85 ff.Google Scholar
  375. 365.
    Leith-Ross, Balance of Payments, 7.12.1936, C.P. 339 (36), Cab. 24–265, S. 276–284; T 160–686, F 14 884, Leith-Ross Memorandum on Export Trade (1.12.1936–23.1. 1937); T 188–167. — Die Denkschrift wurde dem Kabinett vom BofT zugeleitet. Die betroffenen Minister — Inskip, Runciman, Chamberlain, M. MacDonald — nahmen die essentiellen Punkte beifällig auf: 20.1.1937, Cab. 2 (37) 6, Cab. 23–87, S. 69 f.; Leith-Ross, Money Talks, S. 228 ff.; Howson, Domestic Monetary Management, S. 123 ff.; Howson/ Winch, Economic Adivsory Council, S. 143 ff.; vgl. Anm. III/362, ferner Anm. 111/69.Google Scholar
  376. 366.
    Vgl. Howson/Winch, Economic Advisory Council, S. 132 ff.Google Scholar
  377. 367.
    Vgl. ebd., S. 144. — Die Erklärung, daß die Abwertung der Reichsmark eine akademische Frage sei (CTP-Report), hängt damit zusammen, daß die mit Mitgliedern der Reichsbank 1935/36 besprochene Frage nicht im deutschen Beitritt zum Tripartite Agreement kulminierte; Eden hatte Berlin dazu in einer Unterhausrede vom 5.11.1936 aufgefordert. Siehe auch Anm. 176, 528, 553. — Schacht hatte zum Beispiel (s. Phipps an FO, 6.11.1935, C 7493/635/18, FO 371–18 873, S. 29 f.) eine englische Initiative zur Belebung des Welthandels durch Vorstöße an der Währungsfront angeregt und Vorstellungen unterbreitet, wo er — im Falle einer £-Stabilisierung und RM-Abwertung — technische Hilfe von englicher Seite erwartete (s. 10.12.1935, C 8205/635/18, FO 371–18 873, S. 291 ff.). Ashton-Gwatkin und Jebb wollten die ausstehende Antwort Norman’s als „Aufhänger“für ihre Sondierungsabsichten in Berlin nutzen.Google Scholar
  378. 368.
    Schachts Vorstoß gegenüber Blum Ende August 1936 begriff auch Leith-Ross als Anknüpfungspunkt; vgl. dazu Money Talks, S. 232 ff.; s. auch T 172–1801; ferner 14.10.1936, Cab. 21–545 (Ministerberatungen über den Inhalt der Eden/Blum-Unterredung). Die Dominions widersetzten sich „colonial appeasement“und Gesprächen mit Schacht (s. Oven-dale, „Appeasement“, S. 11, 35). Zum Verhängnis der e.a. und Schachts Engagement für die Kolonialfrage s. Anm. III/283, 506.Google Scholar
  379. 369.
    Man könnte folgern: Wenn das Zahlungsabkommen — neben dem Flottenabkommen — als Markstein der Appeasementpolitik gilt, dann wäre Leith-Ross ein „economic appeaser“. (Vgl. zum Zahlungsabkommen Leith-Ross, S. 182 ff. (Kap. XIV); Wendt, S. 290.) Leith-Ross lehnte ebenso wie die e.a. wirtschaftlich-finanzielle Sanktionen mit Rücksicht auf englische Gläubigerinteressen ab; derartige Aktionen würden englischen „Bürgern“schaden, ohne Deutschland in die Knie zu zwingen. Solange der Völkerbund ein Torso sei, wären wirtschaftliche Boykottmaßnahmen gegen eine Großmacht kein geeignetes Instrument der Interessenpolitik. Zum Umfang der englischen Kapital- und Konto-Einlagen in Deutschland s. Wendt, S. 250 ff.; CID, Advisory Committee on Trade Questions in Time of War, Committee on Economic Pressure, CID - 1118-B; 1128-B; 1175-B; 1177-B (6.3.1935); CID, 11.7.1935, Cab. 2–6/l,S. 20 7 ff.; Reports: 16.5.1933, Cab. 47–8.Google Scholar
  380. 370.
    C.P. 218 (210) 34, S. 1, Cab. 24–250. — Die Bank von England (Norman an W. Fisher, 18.7.1935, C 5574/635/18, FO 371–18 871, S. 173) und die Treasury (Fisher an Vansit-tart, Ende Juli 1935, Begleitschreiben zum Norman-Brief) suchten die Einwände und Befürchtungen des FO über Anleihen an Deutschland mit der Begründung zu zerstreuen, daß die informellen Embargo-Regelungen ausreichende Handhaben zum Schutz englischer Interessen und zur Kontrolle über die Auslandstätigkeit der City-Banken gäben. „As regards banking or acceptance credits, the position is more difficult to watch as this market is already over-burdened with a mass of frozen German debts (Standstill or other). Anyway, there is not likely to be any disposition there to provide funds for war purposes either of Germany or, for that matter, of Italy“; s. auch Anm. III/3. Zur Kreditgewährung der Hambros, Schröders Bank u.a. an IG-Farben s. Wendt, S. 342 ff.Google Scholar
  381. 371.
    C.P. 339 (36), §§ 9–10, S. 11 f. Leith-Ross bezeichnete die restriktiven handeis- und währungspolitischen Maßnahmen Deutschlands und Italiens als Anwendung des Gedankens, daß man nur importieren könne, wofür man die Zahlungsmittel besitze. Dasselbe Prinzip gelte auch für die englische Handelsvertragspolitik der dreißiger Jahre in ihrer Verbindung mit Abkommen zur Begleichung von Handelsschulden, Transferierung von Dividenden u. a. (besonders in den Abkommen mit Argentinien); s. im einzelnen Richardson, British Economic Foreign Policy, S. 101 ff.; Kottmann, Reciprocity, S. 125 ff., 133 ff.; Arndt, Economic Lessons, S. 112 ff. — Leith-Ross lehnte englische Staatshilfe an die Industrien ab, die mit der deutschen Konkurrenz zu ringen hatten. Er erkannte den Zusammenhang zwischen Überbewertung der RM und deutschen Exportsubventionsmethoden (s. § 13, S. 13); s. dazu Wendt, S. 353 ff.Google Scholar
  382. 372.
    C.P. 339 (36), §§ 20–21, S. 15. - Vgl. FBI-Memo., Januar 1939, Abschnitt 8: „International Industrial Agreements“; s. Wendt, S. 493, 522 ff.; Holland, S. 4 f. Leith-Ross meinte, daß die Verhandlungen in der Aufschwungsphase leichter fallen sollten als 1930/35 in der Phase des „fallen market“. Vorschläge, deutsche und englische Industrien sollten auf Drittmärkten zusammenarbeiten, gehören zum Repertoire der Zwischenkriegszeit; s. z.B. Thelwall-Report (zum Wiesbadener Abkommen), 13.10.1921, C 19948/416/18, FO 371–5976; dazu gehören auch die Erörterungen über Rußland-, China-Konsortien. Das Gegenstück betr. Japan sind die Versuche Runcimans, mit Japan Marktteilungsabkommen (Indien) zu arrangieren, s. Drummond, S. 134 ff. Zur Beurteilung der Aufschwungsphase in ihrer Bedeutung für die Anregungen der economic appeaser s. Anm. III/363.Google Scholar
  383. 373.
    C.P. 339(36), §23, S. 15.Google Scholar
  384. 374.
    C.P. 339 (36), § 3, S. 3; Leith-Ross legte dar, daß Englands Export zwar dort geringfügig expandiere, wo die deutsche Konkurrenz zweitrangig sei; doch relativ gesehen, befinde sich der deutsche Export in einer größeren Misere: Dem Volumen nach sank der deutsche Export 1929/35 um 46%, der englische um 25%; Deutschland mache jedoch Boden wett, den es nach 1929 verloren habe. Die Prognose, daß Deutschland im Wettbewerb um einen erhöhten Anteil am Weltexport gegenüber der englischen und amerikanischen KonkurrenzGoogle Scholar
  385. benachteiligt sei, wird durch einige Daten bestätigt, die Der Deutsche Volkswirt (Leitartikel vom 4.3.1938) in diesem Sinne interpretiert. Zur Verschiebung des Anteils Deutschlands, Großbritanniens, der USA — aufgegliedert nach Warengruppen — am Außenhandel der Dominions, Südamerikas usw. s. Wendt, S. 374 ff.; Richardson, Economic Recovery, S. 262 ff., bes. S. 51 ff., Tab. S. 49.Google Scholar
  386. 375.
    Den Hintergrund des Wandels in der Disposition der englischen Industrie (FBI) zugunsten internationaler Kartell absprachen bildet das Bestreben, mit anderen ‚alt‘-industrialisierten Ländern eine Abwehrfront gegen,,low-cost“-Anbieter (u.a. Dominions, Japan) zu bilden. Da Zölle usw. gegen die Handelsexpansion Japans und anderer Länder versagten, versuchte die englische Seite, Deutschland zu überreden, den Vorteil über höhere Exportpreise zu suchen. Höhere Exportpreise hätten nicht nur Deutschland mehr Devisen eingebracht, ohne neue Märkte erkämpfen zu müssen, sondern auch England vor Anpassungszwängen bewahren helfen. Die FBI sah den Königsweg in Offerten, Marktteilungsabsprachen mit Deutschland (aber auch mit Japan) auf der Basis höherer Exportpreise zu erzielen. „Remunerative“, kostendeckende Preise und andere Formeln wurden zum Ritual der FBI-internen Debatten und der Wirtschaftsdiplomatie der Spitzenbeamten des Dachverbands! Glenday-Memo., Germany’s Foreign Trade Policy, FBI/C/2/1936, s. Holland, CapitalisminCrisis, S. 8.Google Scholar
  387. 376.
    Vgl. Howson, Domestic Monetary Management, S. 78.Google Scholar
  388. 377.
    Leith-Ross und das CEI registrierten: Deutschland habe durch den Friedensschluß seine Auslandstitel verloren; Deutschland mußte mehr exportieren, da es nur auf diesem Wege — anders als England — die Bilanzen ausgleichen konnte; die meisten Länder ergriffen gegen Deutschlands Exportoffensiven Abwehrmaßnahmen; England ging zuletzt, aber drastisch dazu über; während Deutschland 1929—31 im Handel mit England durchschnittlich einen Überschuß von £ 20 Mill, erwirtschaftete, wurde dieser Überschuß 1932—34 auf durchschnittlich £ 6 Mill, reduziert; aufgrund der Ottawa-Ab kommen sanken zunächst auch die deutschen Exporte in die Dominions: 1929: 497 Mill. RM., 1933: 179 Mill. RM, 1937: ca. 300 Mill. RM; die deutschen Rohstoff-Importe aus den Dominions gingen von 1 432 Mill. RM im Jahre 1929 auf 368 Mill. RM im Jahre 1937 zurück: Leith-Ross, The Position of Germany, 25.2.1938, C 1828/541/18, FO 371–21 701. Zu den Gründen für die Rückschläge im deutsch-australischen und deutsch-kanadischen Handelsverkehr s. Wendt, S. 394 ff., 354 ff.Google Scholar
  389. 378.
    Leith-Ross, 25.2.1938, C 1828/541/18, FO 371–21 701. Die Prämissen — die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in Europa resultierten aus bestimmten Strukturveränderungen der Weltwirtschaft — ebenso wie die Schlußfolgerungen Leith-Ross’ entsprechen der Argumentation der economic appeaser.Google Scholar
  390. 379.
    Zu den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auf die Staaten in Ost-Mitteleuropa s. H. Raupach, in: VZG, XXIV/1976, bes. S. 52.Google Scholar
  391. 380.
    Lothian sprach in einem Brief an Smuts von,,a sort of Ottawa economic Mitteleuropa“: Lothian an Smuts, 16.3.1937, GD 40–17, Bd. 333, S. 880 ff.Google Scholar
  392. 381.
    Siehe Anm. III/55, 62, 73, 74. Für Lothian erhielten die Bemühungen um die Zusammenarbeit zwischen dem Commonwealth und den USA spätestens seit dem Herbst 1937 den Vorrang vor economic appeasement.Google Scholar
  393. 382.
    C.P. 339 (36), §§ 9 ff., S. 3 ff. Leith-Ross kannte die deutschen Klagen über englische und französische Importbehinderungen seit 1930/31 (s. auch Anm. III/112). — Leith-Ross fürchtete, daß neue, den vorübergehenden (speziellen) Nachfragen entsprechend geschaffene Kapazitäten sich bald als überschüssig („redundant“) erweisen könnten; temporäre Importüberschüsse seien eher zu korrigieren (ebd., § 13, S. 4). Statt die Importe wettbewerbsfähiger Güter zu erschweren, sollte England die eigene Exportexpansion fördern (ebd., § 10, S. 4); am Beginn einer Boomphase wertete er die Importe als Korrektiv zu übersteigerten Industriepreisen und -profiten (ebd., § 12, S. 4). Die betreffenden Industriezweige waren ausgelastet.Google Scholar
  394. 383.
    C.P. 339 (36), § 11, S. 12; S. 1 ff.; § 2, S. 6. — Leith-Ross machte den Vorbehalt, daß England nicht zu den Verhältnissen vor 1931, d.h. der einseitigen Freihandelspolitik, zurückkehren könne. Die Dominions, die in Europa Absatzmärkte suchten, würden, so hoffte er, ihr Begehren nach weiteren englischen Präferenzen mildern, falls sie andere Märkte finden könnten. Die Konsolidierung der „recovery“stand in der Sicht Leith-Ross’ im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme des Handels mit dem,,Rest der Welt“; s. auch C.T.P. (37) 11, § 5; EAC, Nr. 25, § 53; EAC, Nr. 26, § 17.Google Scholar
  395. 384.
    Vgl. Anm. III/362. — C.P. 339 (36), S. 12, § 11; EAC (S.C.) 21, = C.P. 341 (36), 18.12. 1936 = W 2380/5/50, Survey of Economic Situation, FO 371–21 215; EAC, Nr. 26, 19. 2.1937 = W 5821/5/50 = C.P. 77 (37), 1.3.37, Economic Policy and the Maintenance of Trade Activity, § 17; C.T.P. (37) 11, § 5, 7.6.1937.Google Scholar
  396. 385.
    C.P. 339 (36), S. 3 ff. — Die Übereinstimmung in diesen Punkten veranlaßte Ashton-Gwat-kin und Jebb, den Vorschlag zu unterbreiten, Leith-Ross dafür zu gewinnen, in Berlin über die Vorschläge der e.a. zu „verhandeln“(s. Anm. III/283).Google Scholar
  397. 386.
    C.T.P. (37) 11, §§ 6–7; vgl. Anm. III/230.Google Scholar
  398. 387.
    Zur Rolle und zu den Empfehlungen des IDAC s. den Überblick bei Richardson, British Economic Foreign Policy, S. 94 ff.; Mowat, S. 416 f., 441 f.; Richardson, Economic Recovery, S. 254 ff.; IDAC-Report 1937, BT 13–154, E 49705. — Eden- (Jebb-)Memo., Economics and Foreign Policy, 17.3.1937, W 6363/5/50, FO 371–21 215, S. 187; Leith-Ross, C.P. 339 (36), §§ 10 ff., S. 3 ff.; zum Working Agreement-Vorstoß 1936 s. FO 371–19 884, S. 46 (Ashton-Gwatkin/Jebb); s. ferner FO 371–19 885, S. 273, 297, C 979/4/18 u. C 998/4/18. Die IDAC-Empfehlungen betrafen auch weitere Handelsrestriktionen gegenüber Deutschland; Leith-Ross’ Einstellung findet ihren Niederschlag auch im C.T.P.-Report (37) 11, bes. §§4 u. 34.Google Scholar
  399. 388.
    Jebb knüpfte entsprechende Befürchtungen (Autarkiegedanken, Reagrarisierung Englands unter „kriegswirtschaftlichen“Gesichtspunkten u.a.) an die Aktivitäten der Empire Industries Association (Amery, Home, Page Croft), deren Ideologie er als „closed system“(geschlossener Handelsstaat) bezeichnete. Demgegenüber betonte er, daß Englands Existenz an die Bedingungen eines „freer trade“gebunden sei und bliebe: W 11812/393/18, 11.6. 1937, FO 371–21 247, S. 69/70; vgl. Leith-Ross, C.P. 339 (36), S. 9 f.; zur Ideologie der Agrarlobby („food and defence“) s. Anm. IV/521.Google Scholar
  400. 389.
    C.P. 339 (36), S. 9 ff. — Besonders deutlich wird dieser Aspekt im (Jebb-)Eden-Memo., Economics and Foreign Policy, W 6363/5/50, 17.3.1937, FO 371–21 215, S. 190. - Zu den,,over-commitments“/Überkapitalisierung in den,,alten“Industrien und den,,Fehlinvestitionen“nach 1919 s. Richardson/Aldcroft, The British Economy; Pollard, Kap. 3; Ashworth, S. 344 f., 425 f.Google Scholar
  401. 390.
    C.P. 339 (36), § 7 f., S. 10. — Jebb-Minute, 9.1.1937, zu W 363/5/50, S. 7; Eden-Memo., 17.3.1937, S. 190;C.T.P. (37) 11, §§4, 34; s. auch FO 371–21 216, S. 444 ff.Google Scholar
  402. 391.
    C.P. 339(36), §6, S.2;§9,S. 3;§ 1, S. 6.Google Scholar
  403. 392.
    C.P. 339 (36), § 4, S. 8; er warf der englischen Industrie vor, angesichts der Quotaregelun-gen, Devisenrestriktionen usw. zu resignieren bzw. den leichten Ausweg zu wählen und auf den Absatz auf dem geschützten Binnenmarkt zu setzen. Die Political and Economic Plan-ning-Gruppe (PEP) setzte sich in ihrem Entwurf einer „Self-Government of Industry Bill“gleichfalls dafür ein, den Export von Investitionsgütern („capital goods“) und hochqualifizierter Fertigwaren zu ermutigen (sowie die Produktions- und Verteilungsstufen der englischen Landwirtschaft zu reorganisieren); s. Foreign Policy Reports, 14.8.1935, Bd. XI, S. 151.Google Scholar
  404. 393.
    Leith-Ross betonte, daß die Automobil-, Radio- und Schreibmaschinenhersteller, die vor 1931 wegen der Überbewertung des £ und fehlender Schutzmaßnahmen in ihrer Entwicklung aufgehalten worden waren, nach der Eroberung des Binnenmarktes nach 1931/32 nunmehr ihre Expansion auf den Auslandsmärkten fortzusetzen versuchen müßten; sie sollten die Lücken schließen, die durch den Rückgang der „alten“Exportindustrien im Beschäftigungsstand auftraten (s. S. 13, § 12). Der englischen Industrie warf er indirekt vor, zu wenig gegen den Trend zur Ausnutzung der Binnenkonjunktur zu tun. Er kontrastiert die deutsche Außenwirtschaftspolitik, die den Export zu steigern bemüht sei, mit dem Zögern der englischen Regierung, eindeutig Prioritäten zu setzen (s. S. 15, § 21). Zum Zusammenhang zwischen Aufrüstung und Außenhandel in Deutschland s. Volkmann, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 81 ff, 87 ff. (zur,,a-typischen“Exportmüdigkeit der deutschen Industrie nach 1933).Google Scholar
  405. 394.
    C.P. 339 (36), S. 13, § 12 sowie S. 10, § 7. Leith-Ross erwähnt als konkretes Beispiel und Vorbild die Absprache zwischen Inskip und den englischen Werkzeugmaschinenherstellern. Sie hatten vereinbart, Aufträge im Umfang von £ 2 500 000 aus einem Volumen von £ 8 Mill, herauszunehmen und den Bedarf in dieser Höhe durch Importe zu decken, Cab. 21–429; 431/32. Zum Komplex der „machine tools “-Imp orte s. unten, Kap. IV/6; Hillmann, in: Survey of International Affairs, 1939/1945, S. 451 ff.; Postan, S. 12 ff., 17 ff.Google Scholar
  406. 395.
    Zu den Phasen in der Entwicklung der deutschen Wirtschaftspolitik und besonders zum Stellenwert der Exportförderung s. die Beiträge von Petzina und Volkmann, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 66 ff., 84 ff.Google Scholar
  407. 396.
    Zu den sozialpolitischen Implikationen der Empfehlungen des Cunliffe-Committee s. die Habil.-Schrift des Verf.; s. ferner Brown, in: Pollard (Hrsg.), The Gold Standard, S. 64. —C.P. 339 (36), S. 15, § 21, S. 10, § 5. — In seiner Denkschrift vom 19.3.1937, die Chamberlain und Eden vorlag, hob Leith-Ross hervor, daß die deutsche Industrie es profitabler fände, für den Binnenmarkt zu arbeiten; die deutsche Regierung versuche aber, den Export anzukurbeln. Falls Deutschland einen Teil seiner Energien auf den Außenhandel lenke, könne es die Exportsituation verbessern und mehr importieren; die Voraussetzung wäre aber die Abwertung der RM. Ende 1936 empfahl er auch der englischen Regierung, das leicht überbewertete £ abzuwerten; s. Sayers, Bd. II, S. 474 f.; Leith-Ross, 19.3.1937, C 2304/270/18, FO 371–20 735, S. 81 ff. Zur Abwertungsfrage s. Anm. III/177. Der Deutsche Volkswirt, als Organ Schachts und der „Moderates“betrachtet, betonte, daß die Exportaufträge eine Priorität bleiben müßten. Die Artikel polemisierten gleichfalls gegen die bequeme Konzentration auf die Nutzung der Binnenmarktchancen.,,Fremd au ft rage“sollten vorrangig behandelt werden (vgl. ebd., 4.3.1938, Leitartikel).Google Scholar
  408. 397.
    C.P. 339 (36), S. 11, § 8; Leith-Ross zitiert beifällig eine von Runciman bei einem Dinner der London Iron & Steel Exchange gehaltene Rede. Runciman bringt die Übereinstimmung seinerseits im Begleitbrief zum Leith-Ross-Memo. an das Kabinett zum Ausdruck, mit dem Zusatz, daß die Ausführungen im Moment keine „specific decisions“erforderlich machten.Google Scholar
  409. 398.
    N. Chamberlain, 14.2.1935, HofC, Bd. 297, Sp. 2205 ff; Baldwin, 10.7.1935, HofC. -Chamberlains Erläuterungen zur Themenliste für das Wahlkampfmanifest 1935, Punkt 4, Government Policy Committee, 21./22.10.1935, Cab. 27–591; s. ferner C.P. 26 (36), 12.2.1936; Cab. 23–83, S. 158 ff; 25.2.1936; 2.3.1936, Cab. 23–83, Cab. 13 (36) 2;N. Chamberlain, 19.2.1938, Cab. 23–92. Siehe zu diesem Komplex unten, Kap. IV.Google Scholar
  410. 399.
    Leith-Ross, Money Talks, S. 235; vgl. auch unten, Kap. III/C. Leith-Ross wollte aus politischen Gründen den Draht nach Berlin nicht abreißen lassen. Er wollte die Situation in Europa „halten“, um die wirtschaftliche Entwicklung in England vor Zuspitzungen zu bewahren. Die Wirtschaftsstrategie der e.a. war für ihn nicht der einzige Weg, um die Zuspitzung der Ereignisse zu verhindern; Leith-Ross an Phipps, 4.2.1937, Phipps-MSS., 3/ 4, S. 65.Google Scholar
  411. 400.
    Siehe Anm. III/362, 402, 403. Jebb und Ashton-Gwatkin meinten, sie müßten bei der Lancierung der FO-Vorschläge durch Eden an den Schatzkanzler darauf achten, daß Chamberlain nichts davon merke, daß Edens Anregungen vom Chief Economic Adviser entworfen worden waren (Jebb-Minute, 17.3.1937, FO 371–21 215, S. 179). Die Spitzenkräfte der Treasury hatten Chamberlain unabhängig von Edens Anfrage die Einberufung des Committee on Trade Policy empfohlen; s. dazu im einzelnen Howson/Winch, Economic Advisory Council, S. 144.Google Scholar
  412. 401.
    (Jebb-) Eden-Memo., 17.3.1937, FO 271–21 215, S. 187 f. — Die deutschen Exportoffensiven galten als Zeichen, daß das deutsche Regime die Beziehungen zur Außenwelt nicht abbrechen wollte.Google Scholar
  413. 402.
    Eden-(Jebb-)Memo., W 6363/5/50, 17.3.1937, FO 371–21 215, S. 183 f., S. 187 f.; vgl. Jebb, 9.1.1937, W 373/5/50, FO 371–21 215, S. 5 f.; Jebb, 11.7.1937, W 13 982/ 393/98, FO 371–21 247, S. 179; s. auch Jones, Diary with Letters, S. 221 (Sir James Morton, 14.6.1936).Google Scholar
  414. 403.
    Jebb-Minute zu Leith-Ross-Memorandum, 11.7.1937, FO 371–21 247, S. 179; Leith-Ross an Stoppani (Economic Relations Section, League of Nations, Genf), 19.5.1937, W 9680/393/80; Leith-Ross an Vansittart, 29.7.1937, FO 371–21 247, S. 199–201. Jebb schlug vor, den Brief an Stoppani aufzuhalten. Leith-Ross hatte vorgeschlagen, im Bericht des Committee for the Study of the Problem of Raw Materials — 24.2.1937, League of Nations, E.M.P.1, General Aspects of the Problem as brought out by the Principal Statements made and publications issued since September 1935 — die Fakten deutlich zu bezeichnen, d.h. die Aufrüstung, insbesondere des Dritten Reiches, als Ursache der Miseren zu markieren und die Agitation in der Rohstoff-Frage als unbegründet zurückzuweisen. Der sowjetische Delegierte Rosenblum bestand darauf, dem Bericht eine persönliche Erklärung, die in diese Richtung ging, anzufügen (S. 30). Die von Leith-Ross gewünschten Erklärungen fanden in allgemeiner Form, d.h. ohne spezifische Nennung Deutschlands, Eingang in den Ausschußbericht: Report of the Committee for the Study of the Problem of Raw Material, LN, II. B. Economic & Financial, 1937, A. 27, II. B. 8.9.1937, S. 7, 23 (§4).Google Scholar
  415. 404.
    Jebb, 11.6.1937, W 11 812/393/98, FO 371–21 247, S. 66 ff., zum Folgenden. — Vgl. den Bericht von Lothian über das Gespräch mit Schacht, 5.5.1937, GD 40–17, Bd. 204; Conwell-Evans an Jones, 10.6.1937, Jones-MSS., Class E, Bd. 1, Nr. 32.Google Scholar
  416. 405.
    F.P. (36) 12, 11.6.1937; F.P. (36) 13, 16.6.1937, Cab. 27–627. — Die Regierung folgte den Empfehlungen des Leith-Ross-Committee nur bedingt. Jebb und Ashton-Gwatkin beklagten die Abschwächung der Instruktionen an Leith-Ross im Raw Materials Committee des Völkerbundes und für Edens Rede auf der Jahreshauptversammlung im September 1937; s. Ashton-Gwatkin-Minute zum,,Redraft“der Instruktionen, 12.6.1937, W 11 815/393/98, FO 371–21 247, S. 78 ff.; Eden, 20.9.1937, LN, Official Journal, Special Supplement, Nr. 169 (1937); ferner: T 160–692, F 15 225.Google Scholar
  417. 406.
    Leith-Ross an Vansittart, 29.7.1937, FO 371–21 247, S. 199 ff.; Leith-Ross, „The Position of Germany“, 25.2.1938, C 1828/541/18, FO 371–21 701.Google Scholar
  418. 407.
    Während Leith-Ross Ende Januar 1937 in Hitlers Erklärung Ansatzpunkte für eine Initiative erblickte (Gespräche mit Schacht in Badenweiler am 2. Februar 1937), kam er Mitte 1937 anläßlich eines Aufenthalts in Berlin (Tagung der Internationalen Handelskammer) zu negativen Eindrücken (s. auch T 188–170 und 171). Im Februar 1938 urteilte er, daß Hitler keine Konferenzen wünsche, auf denen deutsche,,natural claims shall be coupled with political business“. Da Hitler Junktims ablehnte, entfiel für Leith-Ross (vorerst) die Basis für Sondierungen; für ihn mußte das „Geschäft“heißen: 1. deutsche politische Konzessionen/Beweise guten Willens, 2. englischer Flankenschutz beim Rückzug zu einer,,vernünftigen“Ökonomie. Leith-Ross, Money Talks, S. 235 ff.; ders., „The Position of Germany“, 25.2.1938, C 1828/541/18, FO 371–21 701; Leith-Ross an Stoppani, 19.5.1937, FO 371–21 247, S. 46 f.; W 13 982/393/98, FO 371–21 247, S. 177 ff.; s. auch Gilbert, Roots, S. 157f. — Die Aufforderung, Deutschland solle seine Rüstungspolitik ändern, dann könne über wirtschaftliche Hilfsangebote konkret gesprochen werden, richtete Guinness als Sprecher der britischen Delegation auf der Handelskammertagung in Berlin an die Adresse der Gastgeber; s. auch Wendt, S. 347.Google Scholar
  419. 408.
    Leith-Ross, Money Talks, S. 244 ff.; s. bereits Leith-Ross-Report, 9.7.1937, C 5139/71/ 62, FO 433–4, Nr. 38, S. 112. Das in den Memoiren aufgezeichnete Gespräch zwischen Leith-Ross und Goerdeler vom 2.4.1938 findet sich in den Akten: C 3448/541/18, FO 371–21 702; s. dazu auch Wendt, Economic Appeasement, S. 468 f. „Opposition“bezieht sich demnach auf den Goerdeler-Kreis. Auch Brüning gab zu verstehen, daß in Deutschland Menschen bereit stünden, um politische Veränderungen herbeizuführen, wenn das Regime durch wirtschaftlichen Druck von außen gezwungen würde, sein Wirtschaftssystem umzuwandeln; s. dazu Schröder, Das Dritte Reich und die USA, in: Knapp, Die USA und Deutschland, S. 129.Google Scholar
  420. 409.
    Diese Aussage Chamberlains ist zitiert in Leith-Ross, Money Talks, S. 247; vgl. Chamberlain gegenüber Morgenthau (März 1937), FRUS, 1937/1, S. 101. Die Übereinstimmung seiner Ansichten mit der „offiziellen“Position des FO bekundet Leith-Ross in seinen Memoiren (S. 235 ff.); s. auch unten, Abschn. C.Google Scholar
  421. 410.
    Vgl. zur Japan-Politik (Runciman) Drummond, S. 132, 134 ff.Google Scholar
  422. 411.
    Siehe für die frühen zwanziger Jahre die Studie von Fry, für die dreißiger Jahre Kottmann, passim. — Das klarste Beispiel sind die bereits erwähnten Gespräche zwischen Chamberlain und Morgenthau bzw. Chamberlain/Eden und N. Davis; Offner, American Appeasement, S. 178 ff.; Kottmann, Reciprocity, S. 143 ff.; vgl. oben, Kap. I/„USA“.Google Scholar
  423. 412.
    Zur „Melkkuh“-Rolle und den englischen Abwehrmanövern im und nach dem Ersten Weltkrieg s. die Habil.-Schrift des Verf.Google Scholar
  424. 413.
    Das klassische Zeugnis ist das FOMemo. „on the Foreign Policy of HMG…“, undatiert (A. Chamberlain am 10.4.1926 übermittelt), AC 38/4/2; gedruckt in: DBFP, Ser. Ia, Bd. I, S. 846 ff. Vgl. Anm. III/441. — Dieses Junktim begegnet in den Variationen des Themas „economic disarmament/political truce“in den Denkschriften der e.a.; s. bes. Lothian, The Peace Aspect of Reconstruction, August 1935, GD 40–17, Bd. 113, S. 128 ff.Google Scholar
  425. 414.
    Siehe stellvertretend Wigram, Review of British-French Differences, 8.1.1932, FO 800–292; ders., Vortrag, France (1933), ebd. — Am deutlichsten vertrat A. Chamberlain 1925 diesen Standpunkt in den Auseinandersetzungen mit Churchill über den Sicherheitspakt-Vorschlag des FO; s. J. Jacobson, Locarno Diplomacy, S. 18 ff.; Gilbert, Churchill, Bd. V, S. 124 ff.; auf den Chamberiain-Nachlaß und französische Akten stützt sich CA. Wurm, Französische Sicherheitspolitik, Frankfurt a.M. 1979.Google Scholar
  426. 415.
    Vgl. Anm. 1/4 sowie Anm. 111/48, 49. Die Parallele findet sich in der englischen Japanpolitik, s. die ausführlichen Zitate: Louis, British Strategy, S. 214 ff. Auch in diesem Meinungsstreit (zwischen Wellesley und Botschafter Lindley) ging es darum, ob ökonomisch-strukturelle Faktoren oder die,,Ideologie“der japanischen Machteliten die Konfliktsituation verursachten. Das Konfliktmuster hat seine Entsprechung auch in dem Meinungsstreit in der US-Außenpolitik zwischen den Befürwortern eines „appeasement“Japans und den Anhängern einer pro-chinesischen Linie; vgl. dazu Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 161 ff. Junker stellt die These auf (ebd., S. 117 ff., 200), daß eine US-Politik, die den Hull’ sehen Prinzipien gefolgt wäre, die Chance gehabt hätte (bis 1937), Japan für eine,,freie“Weltverkehrswirtschaft zu gewinnen.Google Scholar
  427. 415a.
    Gustav Schmidt, Political Truce and political appeasement: Continuity in British Foreign Policy?, Vortrag Oxford, St. Antony’s College, Western European Studies Center, 7.12. 1979.Google Scholar
  428. 416.
    Leeper, 31.1.1933, FO 371–17 318, S. 115 f.; ebd., S. 128 ff. (Kommentar zum Selby-Memo., W 894/278/50); ähnlich H. Smith, Sargent, 1.2.1933, und Vansittart 26.2.1933, ebd., S. 133 f.; zur Sargent-Chain s. Anm. 111/48 f.; vgl. dazu Gilbert, Roots, S. 130ff. —Für die Regierung und das FO spielte offenbar die Überlegung eine Rolle, daß England im Falle des Fehlschlags einer wirtschaftlichen Konferenz die Möglichkeit bliebe, die eigene Position aus eigener Kraft zu verbessern. Die Besorgnis vor den Folgen einer anhaltenden Depression des Welthandels für die Stabilität der politisch-territorialen Ordnung war anscheinend Anfang 1933 schwächer ausgeprägt als in den von der Economic Section seit 1935/36 vorgelegten Analysen; s. etwa Selby-Memo., W 894/278/50. FO 371–17 318, S. 137.Google Scholar
  429. 417.
    Siehe unten, Kap. IV/Einleitung u. IV/Abschn. 1. Die Durchsetzung der deutschen Bedingungen in den Handelsabkommen mit den östlichen Nachbarstaaten führte man insbesondere im FO auf die Machtdemonstrationen des aufrüstenden Dritten Reiches zurück.Google Scholar
  430. 418.
    Siehe oben, Kap. I/Abschn. 4. — Die Devise, ohne „economic appeasement“sei keine Abrüstung zu erwarten, stand nach Schröders Deutung (in: Knapp, Die USA und Deutschland, S. 126 ff.) im Mittelpunkt der amerikanischen Außenpolitik (1937/38). Schröders These, die amerikanische Konzeption einer wirtschaftlichen Friedensstrategie unterscheide sich grundsätzlich von der englischen Vorstellung des economic appeasement, ist m.E. nicht zutreffend; denn auch N. Chamberlain und Leith-Ross sahen als Voraussetzung für „economic appeasement“die Rückkehr Deutschlands zu einem für England selbstverständlichen Normensystem an.Google Scholar
  431. 419.
    Vgl. Anm. 111/50. — Ashton-Gwatkin, 23.12.1935, Minute zu C 8070/635/18, FO 371–18 873, S. 130 f.; Wellesley-Minute zu Selby-Memo., W 894/278/50, 20.2.1933, FO 371–17 318, S. 132 f. In ähnlichem Sinn plädierte Van Zeeland in seiner Rede vom 4. Juli 1936 im Völkerbund für eine Initiative zur Belebung des Welthandels — nach der Behebung der „Flaute“im Binnenbereich der einzelnen Länder — und warnte vor der Gefahr, sich nur auf politische Methoden oder auf das politische Gebiet zu beschränken (s. FO 371–19 933, S. 328). In der Regierungszeit der Labour-Minderheitsregierung hatte Wellesley (8.5. 1931, FO 800–283, S. 329) kritisiert, daß die Regierung für den Vorrang der Abrüstungsfrage optierte statt angesichts des Zusammenbruchs der Finanzordnung in Europa eine Gegensteuerung zu versuchen; s. auch Wellesley-Memo., 1.12.1930, S. 29 f. Der Vorwurf Wel-lesleys ist nicht ganz zutreffend, wie die Vorlage des Kindersley/Norman-Plans u.a. zeigt; s. Clarke, Central Bank Cooperation, S. 177 ff,; Skidelsky, S. 318 f.Google Scholar
  432. 420.
    Ashton-Gwatkin, W 238/238/50, FO 371–17 318, S. 95. — Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich auf die e.a. im FO, die stellvertretend die Auseinandersetzung mit den Befürwortern des „political approach“— darunter den Schatzkanzlern und Handelsministern — führten. Die Darlegungen beanspruchen keineswegs, die e.a.-Politik in toto zu erfassen; vielmehr sollen sie die eingangs angedeutete Kontroverse mit Wendt, MacDonald, M. Gilbert/R. Gott u.a. ins Konkrete wenden. Eine Geschichte der englisch-deutschen Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Weltkriegen („The politics and economics of anglo german relations 1917–1940“), die der Verf. einmal abzuschließen hofft, kann erst durchgeführt werden, wenn economic appeasement in der „richtigen“Perspektive gesehen wird. Wendts Analye baut auf dem von den e.a. erkannten grundlegenden Strukturwandel auf. Seine Beurteilung der Vorgänge ist jedoch widersprüchlich: Er sieht die Widerstände gegen e.a. in jeder der Episoden, identifiziert auf der anderen Seite aber den Einfluß wirtschaftlicher Faktoren auf die englische Außenpolitik mit „e.a.“(s. zum Beispiel S. 62, 251 ff., 270 einerseits, S. 88, 331 andererseits).Google Scholar
  433. 421.
    Wellesley-Memo., 1.12.1930, W 2306/441/50, bes. S. 1, 23; vgl. Anm. III/419; s. auch Vansittart, Juni 1933, Anm. IV/38. Vgl. Rass (S. 124 f.), Gibbs (S. 70 ff.), Barnett (S. 410 f.) zur Diskussion 1930/31.Google Scholar
  434. 422.
    Wellesley-Memo., S. 3, 23; ders., 6.2.1933, FO 371 - 17 318, S. 133 f.; Ashton-Gwatkin/ Jebb, 31.1.1936, C 807/4/18, FO 371 - 19 884, S. 46.Google Scholar
  435. 423.
    Wellesley-Memo., 1.12.1930, S. 32; s. auch BT 11–60; J.H. Richardson, Economic Disarmament. A Study on International Cooperation, London 1931, Nachdruck 1977 (Bericht über die verschiedenen diesem Thema gewidmeten Tagungen und Initiativen in den 1920er Jahren); s. ferner Arndt, Economic Lessons, S. 230, 235.Google Scholar
  436. 424.
    Bei der Vorbereitung der Verhandlungsoffensiven von 1935/36 und 1936/37 (s. oben, Kap. I) ging man auf englischer Seite davon aus, daß in Deutschland eine Verschärfung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu beobachten sei. Strittig war erstens, ob die Aufnahme von Gesprächen über wirtschaftliche Themen ein „Mehr“an politischer Entspannung verspreche oder ob man politische Themen (Luftpakt, Rüstungsbegrenzung) vorausschicken müsse, und zweitens, welche wirtschaftlichen Mittel England überhaupt würde einsetzen können: s. Minutes, zu C 8070/635/18, Dezember 1935, FO 371–18 873, S. 137 ff.; zur Stufentheorie s. Anm. 111/53 ff.Google Scholar
  437. 425.
    Ashton-Gwatkin/Selby-Memo., Januar 1933, FO 371–17 318, S. 120 ff; Sir Arthur Balfour, 7.1.1933, Times Trade and Engineering Supplement; die Zeugnisse für den Zeitraum 1935–1937 s. oben in Kap. III/B 2;s. ferner Anm. 111/54 ff.Google Scholar
  438. 426.
    Siehe unten, Kap. IV/Einleitung, IV/1 u. IV/6.Google Scholar
  439. 427.
    Zu Leith-Ross und Runciman s. Anm. III/397; zu Ashton-Gwatkin, Wigram, Sargents, o. Kap. I; Chamberlain, 19.2.1938, Cab. 23–92; Jebb (7.7.1936, FO 371–19 933, S. 302 f.) verteidigt die Befürwortung des Hall-Scheme und der Anregungen von H. Butler zur Belebung des „triangular trade“mit dem Hinweis, daß es wichtig sei, England über die gefährliche Periode der nächsten zwei bis drei Jahre hinwegz üb ringen, d.h. trotz der Aufrüstung die Export- und Zukunftschancen nicht zu verspielen. Dieses Motiv ist für Chamberlain, Inskip, Simon und Runciman maßgeblich (s. unten, Kap. IV), sie knüpften konkrete Vorstöße aber an deutsche politische Vorleistungen (s. Anm. III/254).Google Scholar
  440. 428.
    Zu den Rüstungsgüterimporten s. Anm. III/394. — Jebb und Ashton-Gwatkin werteten die von ihnen befürworteten wirtschaftlichen Hilfestellungen für Deutschland „as part and parcel of a general settlement which would include an arms agreement“(25.3.1936, FO 371–19 932, S. 294 f.).Google Scholar
  441. 429.
    Edens Brief an Runciman vom 17.7.1936 (C 5197/99/18, FO 371–19 934, S. 3) faßt die Analysen und Argumente der Economic Section, von Leeper, Butler, den Autoren des Hall-Memorandum sowie Kirkpatrick, zum Teil Pinsent (Berliner Botschaft) zusammen; s. Jebb, 16.6.1936, FO 371–19 933, S. 197 f.Google Scholar
  442. 430.
    Waley an Pinsent, 19.6.1936; Wigram-Minute, 25.6.1936, FO 371–19 933, S. 270 f.Google Scholar
  443. 431.
    Jebb/Ashton-Gwatkin-Note, 24.6.1936, FO 371–19 933, S. 427 f.; s. auch Eden an Run-ciman, C 5197/99/18, S. 2, FO 371–19 934; Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807/ 4/18, FO 371–19 884, S. 2.Google Scholar
  444. 432.
    H. Butler-Memo., C 2140/99/18, FO 371–19 932; Cranborne, 17.3.1936, FO 800–296, S. 141; Jebb, zu C 4074/99/18 (Pinsent über das Ausmaß deutscher Rüstungsausgaben), 16.6.1936, FO 371–19 933, S. 197 ff. Eden begründete — der Vorlage der Economic Section folgend! — Chamberlain gegenüber den Vorschlag des FO damit, daß die politischen Verhandlungen mit Deutschland nicht vorankämen. England habe in der Neu-Locarno-Frage gravierende Rückschläge hinnehmen müssen; auf dem Weg über e.a. sei die Herstellung eines modus vivendi vielleicht erfolgversprechender (17.3.1937, W 6363/5/50, FO 371–21 215, S. 183). Das Foreign Policy Committee konnte sich wegen der Abstimmungsprobleme mit Frankreich und des Widerstandes der Dominions gegen „colonial appeasement“sowie der von den englischen Ministerien geäußerten Vorbehalte nicht dazu aufraffen, die von den e.a. und Leith-Ross im CTP-Report empfohlenen Wege uneingeschränkt einzuschlagen. „Zwischenfälle“im spanischen Bürgerkrieg, die zur Verschiebung des Besuchs von Neuraths führten, unterbrachen die innerenglische Debatte.Google Scholar
  445. 433.
    Minutes zu C 865/49/18, Ende Januar/Anfang Februar 1928, FO 371–12 876, S. 6 ff.; C 88/49/18, Anfang Januar 1928, FO 371–12 875, S. 90 ff.; C 478/49/18, 9.1.1928, Interdepartmental Meeting, FO 371–12 875, S. 186 ff.; C 2338/49/18, Interdepartmental Meeting, 22.3.1928, FO 371–12 876, S. 133 ff.; C 7416/49/18, September/Oktober 1928, Minutes zu C.P. 281 (28), Schatzkanzler-Denkschrift (Interpretation der Balfour-Note/Dawes-Revision-Verhandlungen), FO 371–12 878, S. 109 ff. Siehe ferner Sargent, 10.12.1931, betr. C 92/172/62 (Einspruch der Treasury gegen „All-in settlement“-Projekt, Sargent-Memo., Changing Conditions of British Foreign Policy); s. Anm. III/48 ff.Google Scholar
  446. 434.
    „Exchange Equalisation Fund“, Emissionsstop auf Außenanleihen, Schutzzoll-Imperial Preference-Komplex und vor allem Rüstungsfinanzierung erweiterten die Funktionen und die Mitspracherechte des Schatzamtes. Die Treasury gewann auch gegenüber der Bank von England an „Zuständigkeiten“(s. bes. Clay, Norman, S. 402 ff).Google Scholar
  447. 435.
    Das FO und die Außenminister klagten besonders über die Minister, die sich wie Elliot der „nationalistischen“Forderungen der Protektionisten (Agrarier) annahmen (s. Anm. IV/ 545). Zur Transformation der Außenpolitik und dem diesen Veränderungen angemessenen Erklärungsraster „Transnationale Politik“s. die Arbeiten von K. Kaiser, Morse, Keohane/ Nye und W. Link.Google Scholar
  448. 436.
    Siehe oben, Kap. II/„Vansittart“.Google Scholar
  449. 437.
    Rowe-Dutton an Leith-Ross, 22.5.1930, C 4190/52/18, FO 371–14 357, bes. S. 362 (Bericht über Gespräche mit Reichsbankpräsident Luther und Parker Gilbert). Rowe-Dutton an Leith-Ross, 27.6.1930, S. 374 ff., 376; s. auch T 188–39. — Zu Luthers Ersuchen, kurzfristige amerikanische Forderungen zu fundieren, s. Clarke, Central Bank Cooperation, S. 177 ff. Luther ließ erkennen (FO 371–14 357, S. 380 ff.), daß er als ersten Schritt eine Lohnsenkung wünsche. Er hoffte ferner auf eine Stimulierung der „internal consumption“, ohne die Position der deutschen Exporte zu schwächen: „The German movement to reduce wages and prices is quite largely dictated by theories of internal purchasing power — i.e. the same total wages bill spread over more and cheaper goods. Consequently it would lose a great deal of its force if internal purchasing power were artifically increased — e.g. by the inflow of any considerable volume of foreign loans“. Luther wollte außerdem die Hereinnahme ausländischer Gelder und ausländischen Kapitals hinausschieben, bis die Zinssätze gesunken wären. Die Schwerindustrie wehrte sich dagegen, „der von Brüning verfügten Lohnsenkung die geforderte Preissenkung folgen zu lassen“, s. G.D. Feldman, Aspekte deutscher Industriepolitik, in: Karl Holl (Hrsg.), Wirtschaftskrise und liberale Demokratie, Göttingen 1978, S. 117. Zum Zusammenhang „Sparmaßnahmen — Revision des Young-Plans“s. Link, S. 491 ff., 503 f.; Helbich, S. 45 f., 49; Brüning, Memoiren, S. 478 f., 503 ff. Brüning erklärte sich gegen die (indirekte) Verwendung von Auslandskrediten zur Bezahlung der Reparationspflichten. Zum Zusammenhang dieser Fragen mit der Forderung nach einem endgültigen Finanzausgleich (Reichsfinanzreform), s. R. Morsey, Brünings Kritik an der Reichsfinanzpolitik 1919–1929, in: R. Hassinger (Hrsg.), Geschiebte Wirtschaft Gesellschaft, Festschrift C. Bauer, 1974, S. 360–373. — Nach der Deutung H. Mommsens nahm Brüning eine Verschärfung der Krise in Kauf, weil er gehofft habe, „dadurch die Durststrecke der Rezession rascher überwinden zu können, als dies bei vergleichbaren Industriestaaten der Fall war.“„Das erste Land, das bereit wäre, alle unpopulären Opfer nach innen auf sich zu nehmen, würde an die Spitze kommen.“Das Ziel der Gesundschrumpfung habe die Verringerung der finanz-, währungs- und wirtschaftspolitischen Abhängigkeit beinhaltet. Der Verzicht auf ausländische Kredite sollte die Bewegungsfreiheit in der Reparationsfrage erhöhen; s. H. Mommsen, Heinrich Brünings Politik als Reichskanzler: Das Scheitern eines politischen Alleinganges, in: Holl (Hrsg.), Wirtschaftskrise und liberale Demokratie, S. 23 f., 25 ff.Google Scholar
  450. 438.
    Bezugspunkt des Interessenkonfliktes war die Steigerung der deutschen Exporte, besonders durch Senkung des Preisniveaus (u.a. durch Druck auf die Lohnkosten). Die Frage der Verbesserung der Handelsbilanz hatte einerseits zu tun mit der Frage, ob und wie der Young-Plan zu erfüllen sei, mit den Auslandsschulden und der Atmosphäre, in der die Abrüstungskonferenz stattfinden würde; andererseits war die deutsche Politik der Regierungskontrollen über die Einfuhren und der Devisenbewirtschaftung sowie der Exportankurbelung für England als Handelspartner, Konkurrent und Gläubiger von hohem Stellenwert. Zu diesem Komplex s. Link, Stabilisierungspolitik; Helbich, Reparationen; Bennett, Financial Crisis; die Beiträge von Hardach, Vogt, Spiller, Weisbrod, Link, in: Mommsen/Petzina/ Weisbrod (Hrsg.), Industrielles System.Google Scholar
  451. 439.
    Zur innerenglischen Debatte s. Skidelsky, S. 329 ff. — Sir Arthur Balfour weilte als Mitglied der Internationalen Handelskammer und der Association of Chambers of Commerce wiederholt in Berlin; s. Anm. IV/457. — 9.6.1930, Butler an Selby (FO), C 4615/140/18 (Begleitbrief zu Balfours Bericht an den Premierminister), (MacDonald), 4.6.1930; 15.7. 1931, C 5426/9/18, FO 371–15 210, S. 256 ff. Balfour war im EAC und in anderen Committees 1929/32 Gegenspieler von Keynes, Bevin; s. Skidelsky, S. 163 ff., 330.Google Scholar
  452. 439a.
    Einiges spricht für die These von J.D. Heyl (Economic Policy and Political Leadership in the German Depression 1930–1936, Washington University, Ph. D., 1971, S. 46 ff.): „The British devaluation robbed (Brüning) of the single stimulating feature in his economic programme: the preservation of Germany’s competitive position abroad by means of deflation at home…“(S. 48 f.). „The question was whether Brüning could convince the Young Plan nations that the devaluation of the £ rendered the payment of reparations impossible before the economy of Germany collapsed and Germany exploded in revolution“(S. 46). Zum Komplex englische Abwertung, Deflationsmaßnahmen Brünings, Reparationsinitiativen s. Heyl, S. 52 ff.; vgl. Chappius, S. 235 ff. — Die deutschen Exporte waren ein Jahr nach der £-Abwertung (September 1932 gegenüber September 1931) um 50% gesunken (s. Heyl, S. 208).Google Scholar
  453. 440.
    So zum Beispiel Wendt, S. 331, 290, 525, 497, 483 f., bes. S. 480 ff. Wendts Analyse läßt einige Schlüsselfiguren des politisch-, industriell-, militärischen Bereichs, die in der Aufrüstungsphase bedeutsam wurden, zu stark außer Betracht. Gemeint sind u.a. Weir, Sir Noel Birch (Vickers), Sir Charles Craven (Vickers-Armstrong), Sir A. Duncan, Sir James Lithgow (Schiffsbau), Sir George Beharrell, Lord MacGowan (ICD. — Wirtschaftsführer, die sich für die Aufrechterhaltung der Kontakte zu Deutschland und für bilaterale Gespräche einsetzten, konnten dennoch Projekte, die für die e.a. als Orientierungspunkt dienten — zum Beispiel Hoare’s Genfer Rede — als unpraktisch abtun. Ebenso reagierten Runciman und das BofT; Bericht Phipps’ an Eden, 5.3.1936, C 1556/99/18, FO 371–19 931, S. 210 f.; s. auch Anm. IV/457.Google Scholar
  454. 441.
    Ashton-Gwatkin, 4.3.1936, FO 371–19 889, S. 18 f.; ferner F.P. (36) 5, § 12, 13.7.1936, Cab. 27–626; s. Anm. 111/48 ff. (zur Sargent-Chain); zum Cabinet Committee on Germany s. oben, Kap. I und unten, Kap. III/C 3.Google Scholar
  455. 442.
    Vgl. Anm. III/500; der Weg zum „comprehensive settlement“führte für die e.a. (Economic Section, Lothian/Jones, Hall-Studiengruppe) über die Aktivierung der Genfer Rede Hoare’s.Google Scholar
  456. 443.
    Lothian, The Peace Aspect of Reconstruction, August 1935, GD 40–17, Bd. 113, S. 133. Zu Hoare’s Genfer Rede s. Anm. III/104; s. ferner Hoare, Troubled Years, S. 155 ff.; Eden, I.S. 260 ff.; Cross, Hoare, S. 213 ff.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 855 ff.Google Scholar
  457. 444.
    Ich fasse hiermit die vorausgegangenen Darlegungen und die Hinweise in Kap. I über,,political truce“/„economic disarmament“zusammen; zur Problemstellung s. N. Chamberlain an Ida, 3.11.1934, NC 18/1/894.Google Scholar
  458. 445.
    Perowne-Minute, 6.7.1934, FO 371–17 684, S. 92: „The moral of all is that the Germans… admit no argument but force… it surely behoves us in our dealing with Germany to take a firm line in defence of British interests“(betr. Schuldendienste für Dawes-und Younganleihen, Handelsschulden u.a.). Vansittart sah im konkreten Fall einen Triumph der FO-Linie über T und Bof T sowie ein,,climb down“Deutschlands gegeben.Google Scholar
  459. 446.
    Leith-Ross an Phipps, 23.10.1934, und Leith-Ross-Memo., 20.10.1934, Phipps-MSS., 3/4, S. 48–55. — Dabei spielte eine Rolle, daß Deutschland die Erfahrung machte, daß die Clearing-Abkommen nicht den erwarteten Erfolg brachten. Leith-Ross meinte, die kritischen Punkte — „frozen debts“, Beibehaltung des Handelsvolumens, Regelung der Zinsdienste für die Dawes- und Younganleihen — im englischen Interesse befriedigend geregelt zu haben. Wendt (S. 128 ff.) zeigt im einzelnen, daß die englische Seite eine für die verschiedenen englischen Interessen akzeptable Lösung erreichte. — Dew-Aufzeichnung 6.7. 1934, C 4699/1/18, FO 371–17 684, S. 92 ff., zur Geschichte der Gläubiger-Verhandlungen. Prinzipiell und verfahrensmäßig verhielt sich die englische Regierung in den Verhandlungen über das Zahlungsabkommen nicht anders als bei der Unterstützung der Iron & Steel Federation im Hinblick auf die Internationale Kartell-Bildung: 20.3.1935, Cab. 23–81, S. 237 ff. — Um abzuschätzen, ob und worin „e.a.“besteht, müßte man ausgewählte Fälle vergleichen. Ferner ist die taktische Situation zu bedenken: Der englischen Regierung ging es immer auch darum, zu verdeutlichen, daß die wirtschaftspolitischen,,Dauer“-pro-bleme nicht nur als innerenglische Fragen hingestellt werden könnten, sondern die Lösung (der Probleme der,,alten“Exportindustrien, der Gläubigerinteressen) stets vom guten Willen anderer Regierungen mitabhinge; daher müßten die „Regelungen“im Effekt auch Kompromißcharakter haben. In diesen Fällen abzuschätzen, ob „appeasement“vorliegt oder ein „normaler“Kompromiß, ist vorab eine definitorische Frage, d.h. der Verständigung über die Reichweite operabler Begriffe.Google Scholar
  460. 447.
    Das gilt auch für die englische Japan-Politik (s. Runciman, zit. in: Drummond, S. 134, 136 ff.). — Obwohl sich der Kausalzusammenhang dokumentarisch nicht „beweisen“läßt, tendiert der Verf. dazu, den Ausgang der Zahlungsabkommen-Verhandlungen mit den Verschiebungen in der englischen Deutschland-/Japan-Politik in einen Zusammenhang zu bringen. Im Juni/Juli 1934 bezog das Kabinett — auf Drängen des Schatzkanzlers und des BofT — eine entschlossene Abwehrhaltung (Einleitung legislativer Schritte für ein Zwangs-Clearing). Das Schatzamt trat zu diesem Zeitpunkt, in dem die Entscheidung über die,,re-equipment“-Rüstungsprogramme anstand, für ein Appeasement Japans ein: „We cannot provide simultaneously for hostilities with Japan and Germany, and the latter is the problem to which we must now address ourselves“; s. Feiling, N. Chamberlain, S. 253; Cab. 23–79, S. 216 ff. (27.6.1934) und S. 277–280 (11.7.1934). N. Chamberlain kam -Mitte November 1934 — zu dem Schluß, daß die Japaner blufften und daß ihr Bluff aufgedeckt werden müsse: Davis an Hull, 21.11.1934, FRUS, 1934/1, S. 358 f.; s. Watt, Personalities, S. 98. Chamberlain unterstützte die von Simon ausgehende Initiative zur „Legalisierung“der deutschen Aufrüstung (s. oben, Kap. I).Google Scholar
  461. 448.
    „The reason why I have been prepared (pace Amery and Page Croft) to go a long way to get this (Anglo-American Trade) treaty is… because I reckoned it would help to educate American opinion to act more and more with us, and because I felt sure it would frighten the totalitarians. Coming at this moment, it looks just like an answer to the Berlin-Rome-Tokyo axis.“Feiling, N. Chamberlain, S. 308; s. dazu Kottmann, Reciprocity, S. 204 ff.Google Scholar
  462. 449.
    Dies gilt insbesondere für N. Chamberlain, die englisch-amerikanischen Handelsvertragsgespräche (s. Kottmann, bes. S. 173 ff., 205 ff., 214; Drummond, S. 114). Die englischfranzösisch-deutschen Beziehungen der Jahre 1919—1935 enthalten eine Serie von Fällen — Genua-Konferenz, Ruhrkrise, Youngplan-Rheinlandräumung, Zollunionsprojekt, Lausanne —, in denen wirtschaftlich motivierte Schritte Englands teils an politischen Gegenstößen Frankreichs aufliefen, teils wegen der Bereitschaft (vor allem A. Chamberlains und des FO), auf die von Frankreich geltend gemachten innenpolitischen Gebundenheiten der französischen Deutschlandpolitik Rücksicht zu nehmen, in der innerenglischen Meinungsbildung steckenblieben. In der englischen Haltung zur Schulden- und Reparationsfrage vermischten sich innenpolitische Abhängigkeiten mit Prestigegesichtspunkten. In der Krise 1929/33 (s. oben, Kap. I) erreichte das Mißtrauen gegen „(the) French habit of mixing up politics with finance“einen Höhepunkt. Zu Norman s. Anm. 11/17; s. ferner Rowe-Dutton an FO, 10.2.1930, FO 371–14 365, S. 91; vgl. Anm. Ill/ 136; Clay, S. 375 ff.; F. Williams, Pattern, S. 213, 218 u.a.O. Zum Primat der Politik im Verhältnis zur Wirtschaft in den internationalen Beziehungen als Kennzeichen der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen s. Georg Schwarzenberger, Machtpolitik, Tübingen 1955, S. 328 f. Sichtbarste Zeichen waren die „politische“Zusammensetzung des Young-Ausschusses 1929 und die Politisierung der Expertengremien in den Jahren 1930–32. Die englische Politik gab der französischen und amerikanischen Goldhortungs-, Schutzzoll-, Reparations- und Schuldenpolitik, der blinden deutschen Agitation und anderen „politischen“Phänomenen die „Schuld“, daß die von England erarbeiteten „vernünftigen“, an ökonomischen Interessen „aller“orientierten Pläne nicht zum Zuge gelangten. Daher galt das Bemühen um „political truce“als Vorbedingung für wirtschaftliche Aktivitäten.Google Scholar
  463. 450.
    Leith-Ross-Memo., September 1934, C.P. 218 (34), S. 1; Cab. 24–250; 25.9.1934, Cab. 23–79, S. 392–400, u. 3.10.1934, Cab. 23–80, S. 6 f. — Die Aussagen stützten sich auf fortgeschriebene Untersuchungen des CID-Unterausschusses „on Trade Questions in Time of War“(s. Anm. III/369). Zur Haltung Vansittarts — man müsse abwarten, ob nicht die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Deutschland verhandlungsbereiter stimmen könnten - s. Anm. III/506, 514.Google Scholar
  464. 451.
    Jede Definition von „economic appeasement“muß das Element enthalten, daß politische Wirkungen — Mäßigung/Normalisierung des Regimes — erzielt werden. Man muß dann sehr genau prüfen, welche der geschäftlichen Transaktionen zwischen unterschiedlichen politisch-sozialen Systemen politische Wirkungen zeitigen könnten.Google Scholar
  465. 452.
    Zu Lothian s. Anm. III/121, 203; zu Leith-Ross s. Anm. 403, 407.Google Scholar
  466. 453.
    Gemeint sind: Legalisierung der „geheimen“deutschen Aufrüstung, Flottenabkommen, Luftpakt, Regionalpakt („New Locarno“), „Lokalisierung“des spanischen Bürgerkriegs, Kolonial frage.Google Scholar
  467. 454.
    C.T.P. (37) 11, 7.6.1937, § 58, FO 371–21 247.Google Scholar
  468. 455.
    Ashton-Gwatkin (Kommentar zum Compensation Brokers Ltd.-Projekt), s. Wendt, S. 409; vgl. Lothian, in: Butler, S. 213. — Die Einstellung hängt — bei Lothian — damit zusammen, daß er in der für ihn entscheidenden Frage der ang)o-amerikanischen Zusammenarbeit ein politisches Entgegenkommen der USA als Gegenleistung für englisches Entgegenkommen in Handels- und Währungsfragen erwartete.Google Scholar
  469. 456.
    „The fact is that France and America are both thinking of their forthcoming elections. Hoover knows it, but daren’t say so [Junktim, Schulden- und Reparationsfrage]. Unless he says so, France daren’t move, and so we are all locked in a suicidal embrace which will probably drown in the lot of us“; 6.12.1931, Feiling, N. Chamberlain, S. 201.Google Scholar
  470. 457.
    Der Begriff „restoration of confidence“ist ein Schlüsselbegriff der Innenpolitik der englischen konservativ-liberalen Regierungen. Er ist Symptom dafür, daß die Regierung in der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik den Kurs eines „negative voluntarism“(Garside) steuern und auf Kooperation der Tarifparteien statt auf wirtschaftlenkende, „staatsinterventionistische“Maßnahmen („Planung“) setzte. Diese „Entpolitisierung“galt als Gegenbild zur deutschen, aber auch zur französischen und amerikanischen „politischen Kultur“. Die Entscheidungsträger, die den englischen Stil für unverzichtbar hielten, zum Beispiel M. Norman, reagierten entsprechend auf die „Politisierung“der Finanzbeziehungen seitens Frankreichs u.a.m.Google Scholar
  471. 458.
    Protokoll einer Konferenz im All Souls College, Oxford, 11./12.7.1931; an ihr nahmen einige der von der Regierung konsultierten führenden Wirtschaftswissenschaf tier/,,Experten“sowie Vertreter einzelner Ministerien teil: H.D. Henderson, Loveday, Salter, Blacken, Sir John Brook, John Hilton, W. Eady, R.R. Enfield, T. Jones, E.HJVi. Lloyd, J.J. Mallon, Frank Wise, W.M. Citrine, in: Jones-MSS., Class C, Bd. 4, Nr. 73, bes. S. 9 f. (Salter). — Die einzige Möglichkeit, dieses „Gefahrenbündel“zu entschärfen, erblickte Salter darin, daß die USA — als Auslöser der Weltwirtschaftskrise — die Regelung der Schulden-Reparationsfrage ermöglichten und sich an der Regelung der Sicherheitsfragen durch einen materialen Beitrag (Garantieerklärung) beteiligten; s. auch Anm. 1/4; vgl. ferner Link, Die amerikanische Stabilisierungspolitik, S. 491 ff.Google Scholar
  472. 459.
    Zum Begriff „Politisierung“s.E.L. Morse, Crisis Diplomacy, in: World Politics, XXIV (1972), S. 127 f. — Die Erklärungen Schachts (s. Anm. HI/511, 521), daß er ein Mandat für die wirtschaftlichen Fragen habe, während Hitler sich die Entscheidung über die politischen Aspekte vorbehalte, spielten den Anhängern des „political approach“in die Hände. Zum Begriff des „Politischen“s. K. Rohe, zit. in Anm. II/7.Google Scholar
  473. 460.
    Besonders in der Kolonialfrage sah die englische Regierung auf deutscher Seite politische Motive sowie den territorialen Aspekt im Vordergrund. Die wirtschaftlichen Begründungen — Rohstoffmangel — wurden zwar als berechtigt anerkannt, rückten jedoch unter dem Aspekt: „Devisenknappheit als Folge,,verfehlter Wirtschafts(Rüstungs)politik“unter die Rubrik „politische Frage“; s. dazu Anm. III/407 f.; s. ferner die Debatte über das Compensation Brokers Ltd.-Projekt im interministeriellen Ausschuß am 17.11.1936, T 177–30; und FO 371–19 936; zur Rohstoff-Frage s. unten, Kap. III/C 3. — Die Tatsache, daß Schacht als Sprecher der deutschen Kolonialpartei auftrat, rief Assoziationen zu Schachts Auftritt 1929 im Young-Ausschuß und 1933 auf der Weltwirtschaftskonferenz hervor. Zur Behandlung der Kolonialfrage und zur Einschätzung der deutschen Haltung s. Cab. 23–83, S. 45, 29.1.1936, betr. C.P. 15 (36); Cab. 23–84, 29.5.1936, S. 251; s. im einzelnen Parker, in: Hauser (Hrsg.), Weltpolitik 1933–1939, S. 72 ff.; s. ferner Wendt, S. 449 ff.; Mac Donald;Middlemas, S. 111 ff.;Colvin, Chamberlain Cabinet, S. 37, 39 f.Google Scholar
  474. 461.
    Hoare, 9.3.1934, Cab. 23–78, S. 286; Hoare vertraute dabei auch noch 1934 auf die „Abschreckungsmacht“der aufgerüsteten deutschen Nachbarstaaten; dies gilt für Lothian noch 1936/37. Die Position Hoares begegnet auch 1938, am deutlichsten ausformuliert von Ca-dogan, dem Nachfolger Vansittarts; s. dazu Lammers, Whitehall, in-. HJ, XVI/4 (1973), S. 848. Zur Hoffnung, daß die interne Situation Hitler (ebenso wie die englische Regierung) zu Vorsicht und Zurückhaltung veranlassen könnte, s. Anm. IV/413a, N. Chamberlain an Ida, 18.1.1937, NC 18/1/991.Google Scholar
  475. 462.
    Wigram-Sargent-Memo., 21.11.1935, Britain, France and Germany, §§ 27, 31, s. Kap. I; O’Malley, Southern Section des FO, G (36) 6, 24.2.1936, Cab. 27–599; Strang, 31.1. 1936, zu C 585/4/18, FO 371–19 884, S. 225; Cranborne und Stanhope schlössen sich Strang an, 29.2. u. 4.3.1936, s. ebd., S. 228.Google Scholar
  476. 463.
    Ashton-Gwatkin, C 400/99/18, Germany’s Economic Position, Annex zum Wigram/ Sargent-Memo., FO 371–19 931; Ashton-Gwatkin/Jebb, Economic Aspect of the European Security Problem, 31.1.1936, C 807/4/18, FO 371–19 884.Google Scholar
  477. 464.
    Jebb/Ashton-Gwatkin, 31.1.1936, C 807, S. 6; Jebb, 2.7.1936, FO 371–19 933, S. 334 (s. Anm. III/190); Wigram-Sargent-Memo., §§ 27, 31. — Die Formel,,,to be strong before dealing with Germany“diente vielen Herren. Chamberlain verwendete sie gegenüber Flan-din (s. Cab. 23–83, 29.1.1936, S. 42 f.); Eden setzte sie als „Druckmittel“gegen die Treasury ein (Cab. 23–87, 13.1.1937, 1 (37), Top 2): Eden meinte — wie Vansittart (s. oben, Kap. II) —, daß die englische Aufrüstung einen dämpfenden Einfluß auf Deutschland haben würde, nämlich über die Militärs auf das Regime.Google Scholar
  478. 465.
    In den Gesprächen mit Vansittart (über die Präsentation des Wigram/Sargent/Ashton-Gwatkin-Memorandums an Eden und an das Kabinett); im Juni/Juli 1936 und im Dezember 1936 und März 1937 erreichte die Economic Section, daß Eden — entgegen den Einwänden Vansittarts — ihre Vorschläge in die interministeriellen Beratungen einbrachte: Cabinet Committee on Germany, Cab. 27–599; Cab. 27–626 und Interdepartmental Committee on Trade Policy; in diesen Gremien blieben die Vorschläge freilich meist stecken oder wurden „verwässert“.Google Scholar
  479. 466.
    Leeper, 26.6.1936, zum Hall-Memo., FO 371–19 933, S. 323; Eden stimmte Leeper zu (betr.: „We cannot take political initiative in the shape of further commitments. All the more need therefore for economic initiative. Surely this will go a long way to meet criticisms of HMG at home“). Der Bezug zur Innenpolitik ist ein ständig wiederkehrendes Argument Leepers — als „Pressechef“ des FO dachte er an sein „Publikum“; Leeper hatte außerdem Verbindungen zur Labour Party. Das Hall-Memo. ging von der Annahme aus, daß sich über wirtschaftliche Fragen eher Verhandlungserfolge erwarten ließen: ebd., S. 1; ähnlich Eden an Chamberlain, 17.3.1937, W 6363/5/50. Butler, die Hall-Gruppe, auf die Eden in seinem Brief an Runciman vom 17.7.1936, C 5197/99/18, FO 371–19 934, S. 5, ausführlich Bezug nahm, argumentierten auf der Linie der Formulierung Leepers.Google Scholar
  480. 467.
    C 979/4/18, FO 371–19 885, S. 276, Protokoll einer FO-internen Arbeitssitzung am 10. 2.1936; Ashton-Gwatkin, 16.3.1936, FO 371–19 892, S. 202 ff. (Rückblick auf die amtsinterne Behandlung seiner Anregungen vor dem 7.3.1936); Vansittart-Minute, 1.2.1936, zu C 807/4/18, FO 371–19 884, S. 45 (zum Ashton-Gwatkin/Jebb-Memo. vom 31.1. 1936); Jebb, 25.3.1936, zu C 2140/99/18, FO 371–19 932, S. 294 (a).Google Scholar
  481. 468.
    Zum englischen Urteil über Schacht und/oder Göring als Exponenten der,,Moderates“ in der deutschen Regierung s. MacDonald. — In Wirklichkeit waren Schacht und Göring 1935–38 Antipoden: Göring, als „Overlord“ und als Exekutor des Vierjahresplans bestellt, entschied mehrfach für die an machtpolitischen — statt an ökonomischen — Prinzipien (so Schacht) orientierten Wirtschaftsziele; s. Petzina, S. 74; Volkmann, S. 104 u.a.O. Die Ziele der e.a., die auf Schacht als Gegengewicht zu den,,Autarkisten“ setzten, stehen zum Teil im Kontrast zu Schachts Prioritätenskala (s. Anm. III/104, 171, 283). Schacht tat „open door“, „lowering of tariffs walls“ usw. als Gerede ab und betonte demgegenüber: „possession of raw materials has become a political factor, just as the voluntary change of the money standard has become a political instrument!“ (Schacht, Germany’s Colonial Demands, in: Foreign Affairs, XV/2 (Januar 1937!), S. 230–233).Google Scholar
  482. 469.
    Siehe Anm. III/80.Google Scholar
  483. 470.
    Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807/4/18, FO 371–19 884, S. 44 ff.; dies., FO 371–19 888, S. 75 ff.; Ashton-Gwatkin, 25.6.1936, FO 371–19 933, S. 273 ff.Google Scholar
  484. 471.
    Unterredung Ashton-Gwatkin/Vansittart, 30.6.1936, C 4758/99/18, FO 371–19 933, S. 332 (Vorberatung der FO-Anfrage an BofT/Eden an Runciman, 17.7.1936); Ashton-Gwatkin, 25.6.1936, zu C 4501/99/18, FO 371–19 933, S. 373; s. auch Ashton-Gwatkin, 20.11.1934, zu C 7540/1/18, FO 371–17 689, S. 225 (das Zahlungsabkommen betreffend).Google Scholar
  485. 472.
    Die „Stresafront“-Kalkulation begleitete den ersten der in dieser Studie untersuchten Vor-stösse, s. oben, Kap. I; Sargent-Memo., 5.12.1934, § 3, Cab. 21–417; 12.und 19.12.1934, Cab. 23–80, S. 323, 354; Phipps-Memoranden, 24726.11.1934, C 8014/20/18, Annex 4 zu G.R. (34) 4, Cab. 27–572.Google Scholar
  486. 473.
    Das ergab sich vor allem aus der Annahme, daß weder eine Einkreisungspolitik noch eine „policy of drift“ die Entfaltung des deutschen Machtdranges in Grenzen halten könne (Wigram/Sargent-Memo., §§ 27, 31). Deutschland verstärkte — auf Kosten Italiens — seine ökonomische Position in Südost-Europa; es konnte in der Phase der Sanktionspolitik nicht nur die Marktanteile erhöhen, sondern auch den politisch-diplomatischen „run“ nach Berlin beschleunigen. Einige Chargen im FO erwogen, die Rheinzonen-Krise abzubiegen, indem man Deutschland von englischer Seite auf die sich bietenden Möglichkeiten in Mittel-Südost-Europa lenkte (3.1.1936, Minutes zu C 585/4/18, FO 371–19 884, S. 225). Zur deutschen Politik in der Abessinien-Krise und zur Einflußerweiterung in Südost-Europa s. vor allem die Aufsätze von Schröder, Südosteuropa; ders., Deutsche Südosteuropapolitik 1929–1936, in: GG, II (1976), S. 5–32; Funke, Sanktionen; Weinberg, Foreign Policy.Google Scholar
  487. 474.
    Wigram und Sargent (Memo., 21.11.1935), folgerten daraus, daß das Londoner Kommunique vom 3.2.1935 nicht länger verbindlich sein könne, sondern durch einen anders zusammengestellten „working agreement“-Plan ersetzt werden müsse (s. oben, Kap. I). Zur verfahrenen Situation der Verhandlungen s. Emmerson, Rhineland Crisis, Kap. 2: Anglo-French Anticipation 1935/36.Google Scholar
  488. 475.
    Eden (Februar 1934), Facing the Dictators, S. 60 ff., bes. S. 70; Wigram/Sargent-Memo., § 7; Eden-Begleitbrief zu C.P. 42 (36), 11.2.1936, Cab. 27–599, zit. bei Eden, I, S. 323 ff.; Ashton-Gwatkin, C 400/99/18, FO 371–19 931, S. 35 ff.; Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807, FO 371–19 884, S. 46 f.; Breen/Kirkpatrick-(Berlin) Kommentar zum Wigram/Sargent-Memo., Ende November 1935, Phipps-MSS., 5/6. — Von französischer Seite ebenso wie von den Außenposten in Köln, Bayern und Berlin erhielt das FO Informationen und Anhaltspunkte, daß „bald“ wegen der wirtschaftlichen Schwierigkeiten eine Entscheidung Hitlers für eine Aktion in der Rheinzone fallen werde. „Lokale“ Kräfte drängten Berlin zu einer Entscheidung; s.u.a. Phipps an FO, 20.1.1936, C 470/4/18, FO 371–19 883; C 884, C 940/4/18, in: FO 371–19 885. Die französischen Informationen wurden durch die Botschaft in London und durch Flandin, de Margerie, Comert, Leger in den Gesprächen in London, Paris und Genf übermittelt.Google Scholar
  489. 476.
    In der FO-internen Arbeitssitzung unter der Leitung Edens wurde Vansittarts Argument akzeptiert: „approach to an economic settlement... should be through a preliminary political settlement“ (C 979/4/18, FO 371–19 885, S. 276). Ashton-Gwatkins Resümee der FO-internen Beratungen über das working agreement-Konzept (16.3.1936 - FO 371 -19 892, S. 202 ff.) kritisiert den Vorrang des „political approach“; zugleich versuchter, im Sinne des Leitartikels der Times vom 9.3.1936, „A Chance to Rebuild“, die Diskussion auf das wirtschaftliche Feld zu lenken. Britische Erklärungen — so u.a. vor dem Forum des Völkerbundes —, daß England jede Diskussion, ob „appeasement“ im wirtschaftlichen oder im politischen Bereich vorausgehen müsse, als akademisch („idle“) ansehe, dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, daß regierungsintern die Prioritäten festlagen. Die Erklärungen erfolgten eher im Hinblick auf die englische Öffentlichkeit und auf die USA und zwar mit dem Ziel, den Vorwurf der Passivität abzuwehren! Siehe zum Beispiel die Erklärung W.S. Morrisons, Genf, 2. Sitzung des Committee der VB-Versammlung zur Erörterung der Rohstoff-Frage, in: M. MacDonald an Eden, 10.10.1936, W 13 551/2/98, FO 411–19, Nr. 46, S. 107.Google Scholar
  490. 477.
    Das gilt besonders für Cranborne, 17.3.1936, FO 800–296, S. 140 f., zum Folgenden; vgl. oben, Kap. II/„Hankey“ und „Chatfield“; zur Gruppe Hankey/Swinton/Simon/Cranborne s. Anm. III/121.Google Scholar
  491. 478.
    In der Rheinzonen-Krise stützten Vansittart, Phipps, Waley (T) u. a. entsprechende Ratschläge auf die Reise des Reichsbankdirektors Staus nach Paris. Sie galt als Zeichen deutscher Kreditbedürfnisse. Die französischen Politiker (Flandin, Leger) und die pro- französischen englischen Gruppen (Churchill, Boothby, Steed, Lord Camrose) schlössen daraus, daß Deutschland gegen finanzielle Sanktionen anfällig wäre. — Waley an FO, 13.3.1936, C 1883/99/18, FO 371–19 932, S. 238 ff.; Phipps an Sargent, 1.4.1936, C 2619/99/18, FO 371–19 932-, Ashton-Gwatkin, FO 371–19 892, S. 202; Sargent (FO 371–19 892, S. 205 ff.) zieht aus dem Bericht des A.T.B. andere Schlüsse als Ashton-Gwatkin, wenngleich auch er zugibt, daß England ebenso wie Deutschland Schaden erleiden würde; Ashton-Gwatkin, 17.3.1936, zuC 1883/4/18, FO 371–19 932, S. 239; s. auch Anm. III/369. -Vgl. Wendt,S. 325 ff.Google Scholar
  492. 479.
    Butlers Eingaben und die Vorschläge der Hall-Studiengruppe wurden von den e. a. im FO positiv kommentiert und an Eden weitergeleitet. Die e. a. verwiesen ferner auf die Rede Van Zeelands vom 4. Juli 1936 und auf französische Stimmen, die an Briand’s Europaplan erinnerten (Wiederbelebung des Comite d’Etudes), um zu demonstrieren, daß nicht nur die Economic Section die Zeit für gekommen hielt, die Möglichkeiten eines Vorstosses auf wirtschaftlichem Gebiet zu prüfen. Edens Brief an Runciman enthält die entsprechenden Hinweise: FO 371–19 934, S. 1 ff.;s. auch Anm. 111/58, 548; T 160–761, F 14 735/ 1–5 (22.5.1936–2.12.1938); T 160–770, F 15583; T 160–762, F 14735/03/1–4.Google Scholar
  493. 480.
    Cranborne, 17.3.1936, C 2086/4/18, FO 371–19 891, S. 234 ff. = FO 800–296, S. 139 ff.; ders., 27.3.1936, FO 371–19 892, S. 210 f.; Sargent, 20.3.1936, C 2134/4/18, FO 371–19 895, S. 10 f. (Frankreich solle sich mit den allgemeinen VB-Pflichten zufriedengeben und auf spezielle Obligationen im Osten verzichten); Stanhope, 20.3.1936, FO 371 — 19 892, S. 207. Sargent, Cranborne und Stanhope distanzierten sich von Vorschlägen, die Deutschland stärken und England schwächen könnten. In Ashton-Gwatkins Vorschlag einer,,preferential area“ in „Mitteleuropa“ sahen sie eine Stärkung der deutschen Vorherrschaft. Laut Vansittart würde die Verwirklichung derartiger Vorschläge,,kollektive Sicherheit“ unmöglich machen.Google Scholar
  494. 481.
    Cranborne, 17.3.1936, C 2086/4/18, FO 371–19 891, S. 235; ders., 27.3.1936, FO 371–19 892, S. 210.Google Scholar
  495. 482.
    Cranborne-Memo., S. 3.Google Scholar
  496. 483.
    Phipps, 7.3.1936, C 1558/4/18, FO 371–19 888, S. 75 ff. Weitere Zeugnisse (Leith-Ross, Chamberlain) s. Anm. III/406 ff. Die deutschen,,grievances“ waren nach englischer Auffassung eher „politischer“ Natur; s. Cab. 28–83, 29.1.1936, Beratung über den Bericht Interdepartmental Committee on Freedom of Access to Colonial Raw Materials, 7.1.1936, W 195/195/98 = C.P. 15 (36); fernerPinsent an Waley, 15.6.1936, C 4487/99/18, FO 371–19 933, S. 268 f. Um Deutschland für die Trennung der Verhandlungen in zwei Stufen zu gewinnen und die aus englischer Sicht „logische“ Abfolge einsichtig zu machen, bestanden die Befürworter des „political approach“ darauf, daß die als Entschädigung für die Veränderung des Gleichgewichts im Locarno-Vertrag vorgesehenen englischen Beistandsgarantien lediglich für die Dauer der ersten Verhandlungsphase gelten sollten. Eine längerfristige Militärallianz würde Europa in Blöcke spalten, die Aussichten auf eine Stabilisierung der Verhältnisse an den deutschen Westgrenzen zunichte machen und vor allem Frankreich nicht veranlassen können, seinen politisch-militärischen Einfluß(-Anspruch) in „Zwischeneuropa4’ fallen zu lassen. Gegen diesen Gedankengang Cranbornes, zum Teil Sargents, agierte Van-sittart, Minute zu C 2134/4/18, FO 371–19 895.Google Scholar
  497. 484.
    Vansittart, C.P.42(36), § 34, 11.2.1936, Cab. 27–599.Google Scholar
  498. 485.
    Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807/4/18, FO 371–19 884, S. 46. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten seien nicht nur Folge der Aufrüstungspolitik und deutscher,,Machtgier“, sondern Ursache nationalsozialistischer Politik. Man könne daher zwar meinen, daß Deutschland den sinkenden Lebensstandard hinnehmen werde, doch müsse man die Explosionsgefahr höher einschätzen. Siehe zur „Stufentheorie“ Anm. 111/54 ff. Zur „Dauerdebatte“ s. Wendt, S. 56 ff. u. a. O.Google Scholar
  499. 486.
    FO 371–19 884, S. 44 ff.; FO 371–19 888, S. 75 ff. - Die 1930/3 3 in allgemeinen Formulierungen entwickelte Strategie wurde von Ashton-Gwatkin besonders seit dem Herbst 1934 konkret und konzentriert auf die „deutsche Frage“ bezogen.Google Scholar
  500. 487.
    Jebb, 16.3.1936 (gegen Phipps), C 1558/4/18, FO 371–19 888, S. 76 f.; Ashton-Gwatkin/ Jebb, 31.1.1936, C 807/4/18, FO 371–19 884.Google Scholar
  501. 488.
    Ashton-Gwatkin, 20.2.1935, Minute zu C 1266/635/18, FO 371–18 869, S. 150 (betr. Disput mit Nixon, Export Credits Guarantee Dpt., C 794/635/18, 16.1.1935/20.2.1935, über englisch-deutsche Konkurrenz auf dem Gebiet langfristiger Kreditgeschäfte). Die Diskussion im Frühjahr 1936 zwischen Ashton-Gwatkin, Sargent, Cranborne, Stanhope, Eden ist ausführlich von Wendt (S. 325 ff.) dargelegt.Google Scholar
  502. 489.
    Ashton-Gwatkin, 20.2.1935, Minute zu C 1266/635/18, FO 371–18 869, S. 150.Google Scholar
  503. 490.
    Vansittart, 1.12.1935, VNST 2/24, S. 9–10, Kritik am Wigram/Sargent/Ashton-Gwatkin-Memo. vom 21.11.1935; Phipps, 10.3.1936, Aufzeichnungen für die Anhörung im Cabinet Committee on Germany (die Sitzung fand wegen des Ausbruchs der Krise nicht statt), Phipps-MSS., 5/6, S. 15 f. Vgl. auch die Stellungnahme des BofT zu den Vorschlägen des FO, G (36) 7, 26.2.1936, sowie Runcimans Erklärungen 17.2.1936, Cab. 27–599, 1. Sitzung.Google Scholar
  504. 491.
    Ashton-Gwatkin, 23.12.1935, zuC 8070/635/18, FO 371–18 873, S. 130;ders., 1.1.1936, C 400/99/18, FO 371–19 931, S. 35.Google Scholar
  505. 492.
    Eden, I,S. 323 ff. — Nach dem 7.März 1936 stimmte Eden Sargents Analyse der vier möglichen Optionen für die englische Politik zu. Vorbehaltlich eines „general political settlement“ (in return for and subsequent to, a general political settlement) wollte er Deutschland wirtschaftliche und finanzielle Hilfe anbieten (18.3.1936, FO 371–19 892, S. 206 f.). Auch Wendt (S. 327) konstatiert diese Reihenfolge, ohne daraus die Konsequenzen für seine Gesamtinterpretation zu ziehen. — Ashton-Gwatkin wollte über die Ebene Schacht/Norman die Möglichkeiten einer Annäherung auf wirtschaftlichem Gebiet prüfen lassen (16.3.1936, zu C 2213/4/18, FO 371–19 892, S. 203 f.).Google Scholar
  506. 493.
    Eden, I,S. 323 f. In Regierungskreisen reagierte man auf Berichte über Konjunkturflauten (,,slump“) in Deutschland fast automatisch mit der These, dann sei wohl außenpolitisch „trouble“ zu erwarten; s. zum Beispiel Minutes zu C 8070/635/18, FO 371–18 873, Berlin an FO, 3.12.1935, Memorandum des „Commercial Secretariat“ an DOT, 26.11.1935 „Economic Condition in Germany“. Vgl. u. a. Sargents Anfrage an Phipps, C 9498/319/18, 28.10.1933, FO 371–16 728, S. 295 ff. Phipps sollte Interpretationshilfe hinsichtlich der Einschätzung der wirtschaftlichen deutschen Schwierigkeiten für die deutsche Außenpolitik unter Hitler leisten. 1930 hatte Sargent noch gemeint: „The more the Germans get involved in internal wrangles the less danger there is of their adopting a forward foreign policy“, 20.2.1930, C 1284/140/18, FO 371–14 361, S. 239.Google Scholar
  507. 494.
    Jones an Flexner, 22.2.1936, Jones-MSS., Class. S, Bd. 1, Nr. 134. Vgl. Wigram/Sargent-Memo., § 7; Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807/4/18, FO 371–19 884, S. 46 f.; s. ferner Anm. 111/47 5.Google Scholar
  508. 495.
    Vansittart, 1.12.1935, VNST 2/24, S. 9–10; Phipps, 10.3.1936, s. Anm. III/483, 490, 534 ff.Google Scholar
  509. 496.
    Vansittart an Eden, 5.11.1936, FO 371–19 930; Vansittart, The World Situation and British Rearmament, 31.12.1936, s. Kap. II; s. auch Anm. III/534 ff. - Der Quai d’ Orsay (Massigli) vertrat denselben Standpunkt. Massigli forderte darüber hinaus, daß die Liaison mit Rußland nicht leiden dürfe und daß die politischen Verhandlungen keine Erneuerung der Viererpakt-Idee anstrebten; s. dazu Girault, Leon Blum, S. 106 f. (Winter 1936/37).Google Scholar
  510. 497.
    Jebb, 25.3.1936, zu C 2140/99/18, FO 371–19 932, S. 294 (a). Auch Lothian (s. Butler, S. 213) war der Ansicht, daß ein „political agreement“ die wirtschaftlichen Vorstösse begleiten müsse.Google Scholar
  511. 498.
    Ashton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807/4/18, S. 1, FO 371–19 884, S. 46; vgl. Anm. III/546.Google Scholar
  512. 499.
    Wigram, 25.6.1936, zu C 4501/99/18, FO 371–19 933, S. 270 f., besonders deutlich auch Vansittarts Abqualifizierung der Eingabe Butlers als,,Unsinn“ und,,pro-deutsch“ (Minute zu C 2847/99/18, FO 371–19 932). Für den Vorwurf gab es zahlreiche Anhaltspunkte: einmal die direkten Kontakte, die sie mit Jäckh und Schacht unterhielten, zum anderen die Tatsache, daß die konkreten Stützargumente zur Anwendung der „Stufentheorie“ den aus Berlin gemeldeten Vorstellungen Schachts entsprachen (Notwendigkeit einer englischen Initiative zur Belebung des Welthandels u. a.); s. zum Beispiel C 7493/635/18 (Schacht, 6.11.1935), FO 371–18 873, S. 29 f.; 10.12.1935, C 8205/635/18, ebd., S. 291 ff. (Flankenschutz der Bank von England im Falle einer Abwertung der RM).Google Scholar
  513. 500.
    Eden an Runciman, 17.7.1936, C 5197/99/18, FO 371–19 934, S. 5 ff.; Eden an Chamberlain, 17.3.1937, W 6363/5/50. In beiden Fällen inkorporierte Eden die von der Economic Section unterbreiteten Entwürfe in seine Denkschriften.Google Scholar
  514. 501.
    Vansittart, 27.3.1936, FO 371–19 892, S. 211 (a). Eden äußerte Anfang 1937 im Kabinett ähnliche Ansichten: 13.1.1937, Cab. 23–87, Cab l (37)2.Google Scholar
  515. 502.
    Die Minister (s. Anm. III/254) betonten in ihren öffentlichen Reden ebenso deutlich, daß das Dritte Reich die Wahl treffe. Jebb/Ashton-Gwatkin, 24.6.1936, C 4757/99/18, FO 371–19 933, S. 319 ff.; dies., ebd., S. 427 ff.; dies., FO 371–19 934, S. 5;Pinsent an Wa-ley, 15.6.1936, C 4487/99/18, FO 371–19 933, S. 263; Torr-Minute, 23.6.1936, FO 371–19 933, S. 270.Google Scholar
  516. 503.
    „If we do nothing, we are in for a war“ - Jebb, 2.7.1936, FO 371–19 933, S. 334(a); Ash-ton-Gwatkin/Jebb, 31.1.1936, C 807/4/18, S. 6, FO 371–19 884. - Die e. a. - vor allem Lothian — bestritten weder die Notwendigkeit der Aufrüstung noch ihre Abschreckungsfunktion. Für sie kam es aber — im Unterschied zu Vansittart — darauf an, daß die Aufrü-stung nicht zum Selbstzweck wurde, d. h. Initiativen vertagt wurden, bis England mit dem Stand der Aufrüstung „zufrieden“ sei; s. oben, Kap. I.Google Scholar
  517. 504.
    Vgl. Anm. III/254, 522; Ashton-Gwatkin an Kirkpatrick, 20.3.1936, C 1558/4/18, FO 371–19 888; Ashton-Gwatkin, 16.3.1936, FO 371–19 892, S. 202 ff. - Eden (29.5.1936, Cab. 23—84, S. 251) teilte eine Äußerung Schachts mit, daß Deutschland „explodieren“, d. h. zum Krieg schreiten werde, falls es keinen Zugang zu Rohstoffen erhalte; die Debatte konzentrierte sich auf die Ebene der Sicherheitsverhandlungen (New Locarno). Die Befürchtung, daß die Rohstoffmängel/Devisenknappheit erhebliche Konsequenzen für die deutsche und damit die englische Politik haben könnten, äußerte Eden auch in anderem Zusammenhang (Minute, 24.7.1934, FO 371–17 684, S. 38[a]). Für den Fall, daß sich die deutsche Lage verschlechtere, erwartete Sargent, daß Hitler Mussolinis Abenteuer nutzen werde, „making a diversion in foreign affairs“ (anstelle der Wiederholung eines Blutbades im Innern wie beim „Röhmputsch“), 28.8.1935, FO 371–18 858, S. 392.Google Scholar
  518. 505.
    Vansittart, 27.3.1936, FO 371–19 892, S. 212; Vansittart hielt die Preisgabe Mitteleuropas an deutsche Penetration als Vorstufe zur Gleichschaltung für ein Zugeständnis, das für die westlichen Demokratien nicht in Betracht kommen dürfe. Die These, die „jungen“ Demokratien (Nachfolgestaaten) gegen den deutschen „Militarismus“ schützen und jede Konzession an deutsche Mitteleuropa-Pläne als Verrat an den eigenen demokratischen Idealen ablehnen zu sollen, geht auf die 1916 entwickelte Gegenposition des FO zu den Erwägungen der Milner/Amery-Gruppe zurück. — Vansittarts Urteil richtet sich gegen die Versuche, an Hoare’s Genfer Rede anzuknüpfen und diese als Plattform für ein „comprehensive settlement“ auszugestalten.Google Scholar
  519. 506.
    Während seines Berlin-Aufenthaltes war Ashton-Gwatkin gebeten worden, eine Begegnung zwischen Leith-Ross und Schacht zu vermitteln: C 5685/99/18, 24.7.1936, FO 371–19 934; ferner C 5770/99/18, 5.8.1936, ebd. Ashton-Gwatkin schlug Leith-Ross vor, aufseiner Europa-Informationsreise (nach der Rückkehr von der China-Mission) auch in Berlin Station zu machen; er werde dort als Unterhändler des Zahlungsabkommens willkommen sein. Newton (Berlin) stimmte dem Vorschlag zu, trotz der Bedenken, ob sich der Charakter als Informationsgespräch wahren ließe (C 6145/99/18, 25.8.1936). Das BofT hatte keine Einwände gegen einen Berlin-Besuch Leith-Ross’ (31.8.1936, FO 371–19934, S. 190). Leith Ross nahm auf der Rückfahrt von Genf den Weg über Berlin; s.dazu Lord Gladwyn, Memoirs, S. 64.Google Scholar
  520. 507.
    Vansittart-Minute, 3.9.1936, zu C 6145/99/18, FO 371–19 934, S. 185 f.Google Scholar
  521. 508.
    Diese Argumentation bildet den Kern der Reden von Eden, Baldwin, Chamberlain, Halifax im Winter 1936/37 (s. Anm. III/126, 254); die Diskussion hat Wendt (S. 409 f.) analysiert); Vansittart, 3.2.1936, zu C 585/4/18, FO 371–19 884, S. 227 f.; Collier C 8523/55/ 18, FO 371–18 852, S. 144 ff. - Waley (T) an Eden, 8.3.1936, C 2213/99/18, FO 371–19 932; ders. an H. Wilson, C 2140/99/18, ebd. Die T lehnte es ab, im Sinne der Vorschläge Butlers Deutschland in der Rohstoff-Frage helfend entgegenzukommen. Deutschland habe es selbst in der Hand, durch Umdisponierungen die eigene Situation zu verbessern. Wenn Deutschland die Aufrüstung auf „Normalmaß“ reduziere, könne man über die,,open door“ - und Rohstoff-Frage reden; anderenfalls würde England lediglich einem,,Feind“ Aufbauhilfe leisten. Diese Argumentation wiederholten Wigram (im Disput mit Ashton-Gwatkin, Juni 1936, FO 371–19 933, S. 273 ff.) und Eden, Chamberlain, Leith-Ross in den Debatten 1936/37.Google Scholar
  522. 509.
    Wigram, 3.5.1934, zu C 2726/29/18, FO 371–17 706, S. 350, ähnlich urteilt Vansittart, 5.5.1934, ebd., S. 351.Google Scholar
  523. 510.
    Eden, 18.10.1936, zu C 6681/99/18, FO 371–19 949. Eden vertrat diese Linie nicht durchgehend, sondern griff auch die Argumente der Economic Section auf, daß in Deutschland die Explosionsgefahr größer werde; er schloß daraus aber auf die Notwendigkeit einer diplomatischen Präventivaktion auf politischem Gebiet: 29.5.1936, Cab. 23 — 84, S. 251; Vansittart, 3.9.1936, zu C 6145/99/18, FO 371–19 934, S. 185 f.