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Englands Beziehungen zu den großen Mächten — Grundzüge der britischen Appeasement-Politik

  • Gustav Schmidt
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Part of the Schriften des Zentralinstituts für sozialwissenschaftliche Forschung der Freien Universität Berlin book series (SZFB)

Zusammenfassung

Die englische Außenpolitik in den dreißiger Jahren war im wesentlichen von zwei Tatsachen geprägt: Zum einen war Großbritannien in der Phase der Weltwirtschaftskrise zu einflußlos, um sowohl gegenüber Frankreich als auch gegenüber den USA eine Lösung ins Gespräch zu bringen, die nach englischer Auffassung geeignet gewesen wäre, die politischen Folgen der Weltwirtschaftskrise vor allem in Deutschland zu mildern. Zum zweiten unternahm die englische Regierung in der Phase der Erholung von der Wirtschaftskrise, d.h. ab 1933, besonders aber seit Ende 1934, in immer neuen Anläufen den Versuch, die während der Krise erfolgten außenpolitischen Weichenstellungen zu korrigieren.

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Literatur

  1. 1.
    Sargent, 12.10.1931, C 7563/172/62, FO 371–15 196, S. 152.Google Scholar
  2. 2.
    Um Frankreich nicht zu verprellen, wollte man jedoch den deutschen Revisionismus nicht ermutigen: Rumbold an FO und FO-Minutes, 10.10.1930, C 7653/140/18, FO 371–14 364, S. 131 ff.; vgl. 16.1.1931, C 402/11/18, FO 371–15 213, S. 45 ff.; 19.2.1931, C 945/11/ 18, FO 371–15 213, S.45 ff.; 19.2.1931,C 945/11/18, FO 371–15 213, S. 115 ff. Vgl. Carlton, MacDonald versus Henderson, S. 70 ff;Chappius, Anglo-German Relations 1929–1933, bes. S. 86 ff., 112 ff., 130 f., 141;Google Scholar
  3. 2a.
    Bennett, Germany and the Diplomacy of the Financial Crisis 1931, S. 132 ff.; Helbich, Die Reparationen in der Ära Brüning, S. 81 ff.; Marks, The Illusion of Peace, S. 131 ff.; Conze, in: HZ/199, S. 529; BDFP/Ul (Juni 1932), S. 160. Die Diskrepanz zwischen der deutschen Unnachgiebigkeit auf der Abrüstungskonferenz bzw. dem Verlangen nach Aufrüstung und der These, nur eine Einstellung der Reparationszahlungen könne Deutschland vor dem Abgleiten ins,,Chaos“retten, erschwerte die Position der Befürworter eines „Endes der Reparationen“auf englischer Seite. Henderson an Graham, 27.5.1931, FO 800–283, S. 350 ff.; Henderson an Briand, 23.6.1931, FO 800–284, S. 239 ff. Die Labour-Regierung erhoffte vom Economic Expert Committee — nach dem Vorbild des Dawes Committee — Auswege aus der Krise. In den Vorverhandlungen für Lausanne drängte England auf eine „fiscal solution“der Reparationsfrage; Rueff gestand gegenüber Leith-Ross ein, daß Frankreich ein deutsches „default“einer „fiscal solution“vorziehe, und zwar solange, wie die USA nicht gleichzeitig Frankreich aus den Schuldenzahlungsverpflichtungen entlassen wollten (Leith-Ross-Aufzeichnung, 27.1.1932, T 175–55). N. Chamberlain äußerte die Ansicht, Frankreich und die USA hätten durch ihre das Unglück anderer nützende Politik Europa in den Abgrund manövriert (s. Feiling, N. Chamberlain, S. 201). Auch Leith-Ross — gegenüber Rueff, 1.12.1931 und 27.1.1932, T 175–55 — gab der französischen Goldhortungs- und Währungspolitik die Schuld an den Schwierigkeiten, denen England und Frankreich in der europäischen Politik und gegenüber Deutschland begegneten.Google Scholar
  4. 3.
    Im Mittelpunkt der innerenglischen Diskussion stand ein Memorandum von Noel-Baker vom 13.7.1931; Henderson an Briand, 23.6.1931, FO 800–284, S. 241 ff. — Die Idee, politisches Stillhalteabkommen und wirtschaftliche Zusammenarbeit zu koppeln, geht auf deutsche finanzielle Angebote an Belgien und Frankreich 1925/26 im Gegenzug zu politischen Zugeständnissen an die Reichsregierung zurück; die Diskussion begleitet die Vorgeschichte des Young-Plans (Frage der vorzeitigen Rheinlandräumung) und ist seit Ende 1930 durch die gleichzeitige Intensivierung der Vorbereitungen auf eine Rüstungsbegrenzung und eine Wirtschaftskonferenz ein Fixpunkt der Beratungen. Das Junktim wurde von Laval und Comert auf französische Zwecke umgestellt und unter Ausnutzung der französischen Finanzstabilität auch gegen England als Pressionsmittel eingesetzt; C 3816/29/62, Rumbold betr. Vorstoß von François-Ponçet, 4.—18.5.1932, FO 371–15903, S. 236 ff. Die englische Seite versuchte die Formel in ihrem Sinne einzusetzen. In der innerenglischen Diskussion wurde davor gewarnt, ähnlich wie Frankreich für finanzielle Stabilisierungshilfe von Deutschland politische Zusagen zu fordern. Andere Zweifel betrafen die Frage, ob England die finanzielle Hilfe aus eigener Substanz bestreiten könne; wenn nicht, müsse man dann nicht amerikanischem oder französischem Druck — etwa in der Abrüstungsfrage? — nachgeben? Es sei zweifelhaft, „[if] political pills can cure economic earthquakes“. Soll England selbst die Initiative nehmen oder sie den USA überlassen, da doch das zum 1. Juli 1932 auslaufende Hoover-Moratorium die „deadline“setze? Vgl. Marks, Illusion, S. 112 ff.; Chappius, Anglo-German Relations 1929–1933, S. 298 ff.Google Scholar
  5. 4.
    Sargent/Nichols-Minutes, 12.10.1931, C 7563/172/62, FO 371–15 196, S. 151. — London suchte — unter Einschaltung der USA — der deutschen Regierung klarzumachen, daß sie ihre politisch ‚unerwünschten‘Aktivitäten (Aufrüstung/Militäretatexpansion) einstellen sollte. In englischer Sicht ging es darum, auf deutscher Seite die Auffassung zu vertiefen, daß sie Wirtschaftshilfe nur erwarten könne, wenn Deutschland aufhöre, Frankreich auf politischem Feld zu verunsichern. Die englische Diplomatie suchte diesen Druck auf Deutschland dadurch zu kompensieren, daß sie die USA aufforderte, in den Wirtschafts- und Finanz-(Reparations-)fragen den Standpunkt zu beziehen, den England als gemeinsames deutschenglisches Interesse (gegenüber Frankreich und den USA) auffaßte. Die Regierung Brüning sah sich nicht in der Lage, die von Frankreich verlangten politischen Zusicherungen zuzusagen; das trug mit dazu bei, daß die „Hilfsaktionen“verzögert wurden. Inwieweit Brünings Politik in der Krise auf das Ziel ausgerichtet war, „Deutschland an die Spitze zu bringen“, und inwieweit er daher die Verflechtungen zu lockern statt neu anzuknüpfen suchte, scheint eine offene Frage zu sein (s. H. Mommsen, Anm. III/437). Zu den innerenglischen und innerdeutschen Auseinandersetzungen 1930/32 s. Tyrrell an Henderson, 30.6.1931, FO 800–283, S. 417 f.; zum Komplex s. Link, Amerikanische Stabilisierungspolitik, S. 499 ff.; Jacobson, Locarno-Diplomacy, 346 ff.; Brüning, Memoiren, 475 ff., 498 f.Google Scholar
  6. 5.
    Das Zeugnis ist so ausführlich zitiert, weil es die für die dreißiger Jahre durchgehende argumentative Linie wiedergibt; FO-Memo.,C 5610/172/62, 22.7.1931, FO 371–15 189, S. 175 f.; vgl. Anm. III/99.Google Scholar
  7. 6.
    Vansittart, 31.8.1931, C 6784/172/62, FO 371–15 195, S. 119 f. Den Hintergrund bildeten Differenzen zwischen FO und Schatzamt über die Frage, wie die Reparationsfrage zu behandeln sei. Während Leith-Ross nicht zugestand, daß die englische Politik durch die kurzfristige Verschuldung gegenüber Frankreich beeinträchtigt werde, meinte Vansittart, daß die englische Finanzschwäche doch ein Handicap sei (W 10560/9970/50, FO 371–15 679, S. 90 f.; Waley (T) an O’Malley (FO), 15.9.1931; Vansittart-Minute, 17.9.1931). Die Bedeutung des Stärkegefälles französischer und englischer Finanzkraft (Währungsreserven) wurde natürlich unterschiedlich beurteilt; s. dazu Rass, Britische Außenpolitik 1929–31, S. 124 f., 250 f.; Skidelsky, Politicians and the Slump, S. 315 ff.;Google Scholar
  8. 6a.
    Bennett, Germany and the Diplomacy of the Financial Crisis 1931, S. 83 ff.; Clay, „Norman“, S. 207. — In der Finanzkrise suchte England den Kaufkraftverlust des £ durch Importrestriktionen und Zölle — auch und gerade auf französische (Luxus-)Waren — zu kompensieren. Vgl. Chappius, Anglo-German Relations 1929–1933, S. 147 ff., 164 ff.; s. ferner Bennett, Diplomacy, S. 140 ff.Google Scholar
  9. 7.
    Batterbee (DO)-Memo. an Jones, 24.10.1932, Jones-MMS., Class E, Bd. 4, 87/88. — Die Initiatoren der sog. Sargent-Chain (s. Gilbert, Roots, S. 130 ff.) sahen die wirtschaftliche Erholung in Deutschland und in der Welt in Abhängigkeit vom Entgegenkommen der USA in Finanzfragen. Die USA machten Fortschritte in der Abrüstungsfrage zur Bedingung für finanzielles Entgegenkommen (s. dazu Link, Amerikanische Stabilisierungspolitik, bes. S. 505; vgl. Anm. III/458). In dem Maße, in dem die Brüning-Regierung die Einstellung der Reparationszahlungen anstrebte, reduzierte sich ihr Interesse an (US-)Auslandsanleihen; damit veränderte sich auch der Stellenwert der USA im,,penetrierten System“.Google Scholar
  10. 8.
    Melvyn P. Leffler, American Policy Making, in: Pacific Historical Review, XLVI (1977), S. 223: „Unfortunately this policy-making approach [der Hoover-Regie rung; d. Verf.] was inadequate to deal both with the intensifying monetary problems of Britain and Germany and the growing strategic apprehensions of France.“Google Scholar
  11. 8a.
    Chappius, Anglo-German Relations 1929–1933, S. 65 ff.Google Scholar
  12. 9.
    A. Chamberlain an Lindsay, 8.4.1929, in: T 175–4, Brief, § 3. — Eine gute Zusammenfassung der englischen Politik gegenüber Frankreich sowie der von englischer Seite geäußerten Kritik an Frankreich gibt Wigrams Vortrag,,,Review of Franco-British Differences“, 8.1. 1932, FO 800–292, S. 1–8. Außer den bekannten polit-strategischen Gegensätzen skizziert Wigram auch die wirtschaftlichen Divergenzen; s. Anm. I/74.Google Scholar
  13. 10.
    Die Treasury (nicht unbedingt die Schatzkanzler) unterstützte das deutsche Begehren, die Reparationslasten zu senken oder zu beseitigen, um von da aus die Frage der Streichung der Schulden aufrollen zu können. Die USA, Frankreich und die „politischen“Instanzen in England (Foreign Office) identifizierten sich lieber mit dem Status quo. J. D. Heyl, Economic Policy and Political Leadership in the German Depression, 1930–1936, Ph. D., Washington Univ. 1971, S.48,46, ferner S. 52 ff., 208 f.Google Scholar
  14. 10a.
    vgl. Chappius, Anglo-German Relations 1929–1933, S. 65 ff., 235 ff. Auf die Problematik wird in Anm. III/413 ff. erneut eingegangen.Google Scholar
  15. 11.
    Zum Streit zwischen FO und Treasury über,,industry and high finance“sowie zwischen Bank von England und Foreign Office über die englische Reaktion auf französische Vor-stösse gegen internationale Finanzaktionen im Rahmen des Völkerbundes s. Anm. II/17; T 175–34; T 175–4. Die Bank von England hob hervor, daß Frankreich weniger mit eigenem als mit US-Bankenkapital seinen Einflußbereich zu erweitern trachte. Zur Zusammenarbeit zwischen den Zentralbanken und dem englischen Einfluß auf die Politik der Völkerbund-Stabilisierungsanleihen an die Staaten in,,Zwischeneuropa“s. Richard H. Meyer, Bankers’ Diplomacy. Monetary Stabilization in the Twenties, Columbia U. P. 1970, Kap. V: „Rumänien“; Chandler, Strong, S. 381 ff.; Costigliola, The Politics of Financial Stabilization.Google Scholar
  16. 12.
    Norman plädierte im Zuge der Interessenkonflikte dafür, auch der City freie Hand zu geben, entsprechend „nationalen“Interessen zu verfahren, d.h. Geschäfte zu sichern; auf der anderen Seite war Norman bemüht, das englische Interesse an internationalen Kredittransaktionen hochzuhalten und die „Politisierung“der internationalen Wirtschaftsbeziehungen möglichst vom Finanzsektor fernzuhalten. Norman, Vortrag im Foreign Office, Aufzeichnung von Leith-Ross, 24.4.1929, T 175–34; vgl. Clay, Norman, S. 258 ff., 369 f.Google Scholar
  17. 13.
    Sargent an Greg, 27.3.1928, FO 800–278, S. 50 ff. Diese Einstellung hinderte das Central Department des FO nicht, der City und der Bank von England vorzuwerfen, durch ihre „foreign loan “-Politik alle anderen Interessen zu fördern, nur nicht die der englischen Industrie und Exportinteressen. Das FO bezog sich auf Feststellungen des Balfour-Committee on Industry and Trade. Die Klage, daß englisches Kapital durch die City eher anderen Ländern als der Entwicklung der englischen Industrie zugute komme, ist nicht neu (s. dazu D. C. M. Platt, Finance, Trade, and Politics in British Foreign Policy, 1815–1914, Oxford 1968). Im Ersten Weltkrieg versuchte Wellesley, im Foreign Office eine Wirtschaftsabteilung zu schaffen, die u. a. auch Kapital- und Warenexporte koordinieren helfen sollte; die sogenannten Schülerschen Reformen suchten in Deutschland einem ähnlichen Problem zu begegnen-, s. K. Voss, Das Auswärtige Amt im Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik. Die Schüler sehe Reform, 1977.Google Scholar
  18. 13a.
    R. Skidelsky, Retreat from Leadership: The Evolution of British Economic Foreign Policy, 1870–1939, in: B. J. Rowland et alli, Balance of Power or Hegemony: The Interwar Monetary System, New York U. P., 1976, S. 184.Google Scholar
  19. 14.
    R. MacDonald an Simon, 31.1.1933, FO 800–291, S. 196 ff.; vgl. MacDonald/Simon-Brief-wechsel, 2.–3.6.1932, FO 800–287, S. 22–29, 33–36. — Die Regelung von Lausanne beruhte laut Link (Amerikanische Stabilisierungspolitik, S. 525 ff.) auf amerikanischen Vorschlägen. Falls,,Lausanne“scheiterte, befürchtete England, daß Deutschland sein,,Recht“auf Aufrüstung noch stärker beanspruchen werde; dem stand die vom FO geteilte französische Auffassung gegenüber, daß die Streichung der Reparationen gerade ein militärisches Erstarken Deutschlands begünstigen und die deutsche Regierung ermutigen würde, in anderen Fragen aufs Ganze zu gehen.Google Scholar
  20. 15.
    MacDonald an Simon, 31.1.1933; im Falle MacDonalds bezieht sich der Führungsanspruch ebenso wie bei Simon (Initiative 1934, Anm. I/27) auf die „politische Stärke“Englands, d. h. die geringe Anfälligkeit für Regierungskrisen und -wechsel; die Anfälligkeit der amerikanischen Regierung gegen innenpolitische Strömungen und die Lähmung der Exekutive war England 1932 demonstriert worden. Der Führungsanspruch implizierte, daß England — anders als vor 1914 — der Tendenz zur Blockbildung entgegenwirken müsse. Die Einberufung der Weltwirtschaftskonferenz nach London (die andere Gründe hatte) unterstrich diesen Führungsanspruch. Der Führungsanspruch wurde auch in Teilsektoren erhoben; zum Beispiel machte ihn Runciman Ende Juni auf der Weltwirtschaftskonferenz geltend, doch stellte sich bald heraus, daß die in den Ressortgesprächen und Interdepartmental Committees abgesteckten Verhandlungsmargen so eng begrenzt wurden, daß man den eigenen Initiativen kaum Erfolgschancen einräumte: Runciman/BofTanT, 30.6.1933, und 28.7.1933 betr. Multilateral Tariff Reduction Scheme; Sitzungen des Officials‘Committee, 10/17.8.1933; Report, 1.12.1933, W 13 977/9642/50, in: BT 11–213;T 160–498, F 14 558. — Zur Weltwirtschaftskonferenz und den dort von England verfolgten Zielen s. Kindleberger, Die Weltwirtschaftskrise, S. 215; Kottmann, Reciprocity, S. 40 ff., 47, 51 f.; Offner, American Appeasement, S. 37 ff.; Survey of International Aff airs, 1933, S. 35–81; L. C. Gardner, Economic Aspects of New Deal Diplomacy, S. 26 ff.; T 160–487/490, F 13017/.Google Scholar
  21. 16.
    E. K. Lindley, The Roosevelt Revolution: First Phase, 1933, S. 211; Kindleberger, Die Weltwirtschaftskrise, S. 214 ff.; Kottmann, Reciprocity, S. 40 ff.; zu den Problemen der £: $-Parität s. Sayers, II, S. 452 f. Laut H. Feis, dem amerikanischen Unterhändler, machte England die Zusammenarbeit abhängig von der amerikanischen Kapitulation in der Schuldenfrage, von der Stabilisierung (Einfrieren) der Zolltarifpositionen und der Bereitschaft, den Dollar zu stabilisieren. England argumentierte, die Zoll- und Währungsfragen könnten erst nach Regelung der Schuldenfrage in Angriff genommen werden. Die britische Präferenz lag bei der Anhebung des Großhandelspreisniveaus, die USA legten Wert auf die Stabilisierung des £-Kurses. Die USA lehnten den von England unterstützten Warburg-Plan ebenso ab wie ein,,scaling down the capital debt“. Sie sahen auf englischer Seite mehr politische als wirtschaftliche Schwierigkeiten und verlangten daher von London dreimal so hohe Abschlagszahlungen als das in englischer Sicht möglich war; C. P. 28 (33), Memo., Instructions to HMG’s Ambassador at Washington, Februar 1933, § 5, Cab. 23–75, S. 125 ff. — Nach der Weltwirtschaftskrise hatte sich die englische Regierung um Zwischenlösungen bemüht, auf die die Roosevelt-Administration nicht einging; Chamberlain, Instruktionen für Leith-Ross, C. P. 222 (33); Cab. 23–77, Cab. 58 (33) 1, S. 148 ff.; Leith-Ross-Bericht über Verhandlungen in Washington, Cab. 66 (33) 1, 29.11.1933, Cab. 23–77, S. 286, 307 ff.Google Scholar
  22. 17.
    Vor allem das Schatzamt, die Bank von England und die City sahen in den Reparations- und Schuldenverpflichtungen, in denen „politische“Gesichtspunkte und Interessen dominierten, die Ursachen für weltwirtschaftliche und politische Krisensituationen. Georg Schwar-zenbergers Feststellung, in den zwanziger/dreißiger Jahren hätte ein Primat der Politik im Verhältnis zur Wirtschaft in den internationalen Beziehungen bestanden, umschreibt die vorherrschende zeitgenössische Auffassung; s. Schwarzenberger, Machtpolitik, Tübingen 1955, S. 328 f. Zum Henderson/Bewley-Plan s. Kindleberger, Die Weltwirtschaftskrise, S. 216 ff., 221 ff.; Kottmann, Reciprocity, S. 44 ff.; Skidelsky, Politicians and the Slump, S. 317 ff. — Der von Kindersley ausgearbeitete Norman-Plan sah die Gründung einer Tochtergesellschaft der BIZ vor, die in den USA und in Frankreich ca. £ 25 Mill, aufnehmen sollte. Damit sollten gerade jene Schuldnerstaaten unterstützt werden, die für England als Handelspartner und Kapitalanlage-Länder bedeutsam waren: Deutschland, Australien, Argentinien; s. Sayers, Bank of England, I, S. 352 ff.; Oliver, International Economic Co-operation, S. 57 ff.; Kindleberger, Die Weltwirtschaftskrise, S. 154 f., 221 ff., 226 ff.Google Scholar
  23. 18.
    Vgl. Kindleberger, Die Weltwirtschaftskrise, S. 215 ff., 221 ff.; Sayers, Bank of England, II, S. 453 ff.; Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 58 ff., bes. S. 60–63; Herbert Feis, 1933. Characters in Crisis, Boston 1966, S. 116 ff., 124–152; Kottmann, Reciprocity, S. 42 ff.; Leith-Ross, Money Talks, S. 164 ff. Kindleberger (Die Weltwirtschaftskrise, S. 225) weist darauf hin, daß N. Davis in London den Eindruck gewann, daß England eine Lösung im Rahmen des Empire vorziehe; dies habe den „Nationalisten“in Washington Auftrieb gegeben. Das amerikanische Verhalten in der Schuldenfrage — englische Abstandszahlungen sollten zur Finanzierung öffentlicher Auftragsprogramme beisteuern — und die Diskussion im Kongreß über Hull’s Außenhandelsgesetzinitiative weckten vergleichbare Eindrücke auf englischer Seite.Google Scholar
  24. 19.
    22.3.1933, Cab. 23–75, S. 328. Zur englischen Haltung in der Abrüstungsfrage 1929/31 s. Rass, Britische Außenpolitik 1929–31; zur Abrüstungskonferenz sind die älteren Darstellungen von Wheeler-Bennett und im Survey of International Affairs immer noch von hohem Informationsgehalt.; s. jetzt E. W. Bennet, German Rearmament, 1979.Google Scholar
  25. 20.
    22.3.1933, Cab. 23–75, S. 328. Zum Viererpakt s. Weinberg, Foreign Policy of Hitler’s Germany; Wollstein, Vom Weimarer Revisionismus zu Hitler-, Carmi, La Grande Bretagne, S. 202–256; Marquand, Ramsay MacDonald, S. 752 ff.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 736 ff.; Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 82 ff.; Northedge, Troubled Giant, S. 298 ff.; Robertson, Hitler’s Pre-War Policy, S. 18 f.Google Scholar
  26. 21.
    Gemeint sind die Initiativen vom November 1934/Februar 1935, November 1935/März 1936, Dezember 1936/April–Mai 1937. Zur,,working-agreement“-Konzeption vgl. Anm. IV/259.Google Scholar
  27. 22.
    Cab. 23–75, 22.3.1933, S. 328: „It was realised that, although a new set of problems now presented themselves, this was an advantage compared with the old problems, which had proved well-nigh impossible“. Man beabsichtigte, „rechtzeitig“vor Hitlers Reichstagsrede (17.5.1933) die englische Vermittlungsposition zu erkennen zu geben. — Vgl. Eden, 27.7. 1936, HofC (s. Anm. I/119).Google Scholar
  28. 23.
    Dies gilt besonders für die Protektionisten/Imperialisten, die — mit Amery — in „Ottawa“zugleich auch eine politische „Unabhängigkeitserklärung“von den USA erblickten; s. Amery, My Political Life, III, S. 203 ff. — Roosevelts „Torpedierung“der Weltwirtschaftskonferenz und die isolationistischen Strömungen in den USA sowie ausdrückliche Erklärungen von C. Hull, daß Europa mit seinen politischen Problemen selbst fertig werden müsse, bilden den Hintergrund. Vor der Weltwirtschaftskonferenz hatte England sich bemüht, die USA an diplomatischen Demarchen in Berlin zu beteiligen. Hitler sollte vor einseitigen Vertragsbrüchen gewarnt und darauf hingewiesen werden, daß eine erfolgreich verlaufende Abrüstungskonferenz die Vorbedingung für vernünftige Lösungen auf der Weltwirtschaftskonferenz bilde; Simon-Memo., 16.5.1933, C. P. 129 (33), S. 5, Cab. 21–382. Inwieweit die Koinzidenz der (verbalen) Positionen der deutschen und der amerikanischen Regierung: in der Abrüstungsfrage — als Basis für den wirtschaftlichen Wiederaufstieg — die englische Verhandlungsstrategie beeinflußte, soll hier nur als Frage aufgeworfen werden; s. Schröder, in: Manfred Knapp et alii, Die USA und Deutschland 1918–1975, Düsseldorf 1978, S. 112 ff.Google Scholar
  29. 24.
    Sargent-Minute, zum Rumbold-Bericht, C 5963/319/18, Juni 1933, FO 371–16 726, S. 280 f. Vansittart wies diesen auf einem Analogieschluß beruhenden „detached view“seines Untergebenen zwar mit dem Bemerken zurück, der „Hitlerism“sei für England gefährlicher, da er in Deutschland die volle Macht in Händen habe, doch das Meinungsbild des Kabinetts lag auf der von Sargent explizierten Linie. Zur Faschismus-Rezeption des FO s. Donald N. Lammers, Fascism, Communism, and the Foreign Office, 1937–1939, in JCH VI/3 (1971), S. 66–86. Die Erwartung, daß die deutsche „Revolution“wie frühere Revolutionen in eine evolutionäre Phase eintreten werde, ist bei den Appeasern stärker ausgeprägt, s. Lothian an Coupland, 11.7.1935, GD 40–17, Bd. 300; Lothian hatte Lloyd George 1919 im Hinblick auf das Lenin/Trotzki-Regime in ähnlicher Richtung beraten.Google Scholar
  30. 25.
    Simon, 22.3.1933, Cab. 23–75; vgl. 20.3.1935, Cab. 23–81, S. 228 (über den Zweck des Berlin-Besuchs trotz des deutschen Coups vom 16.3.1935); s. ferner Eden, HofC, 9.3.1936, und die vorausgehende Kabinettsdebatte über den Tenor der Regierungserklärung, Anm. I/52 ff.Google Scholar
  31. 26.
    In diesem Überblickskapitel wird der Begriff in dem in der englischen Diskussion geläufigen Sinn verwendet; s. McElwee, Britain’s Locust Years, S. 259; Eden, 26.3.1936, HofC; N. Chamberlain 6.10.1938, HofC; Dawson, Times-Leitartikel, 28.10.1937. Das Gründmuster der englischen Verfahrensweise ist enthalten in MacDonalds Formel (6.12.1932): England solle Frankreich drängen, möglichst viel zu gewähren und Deutschland veranlassen, möglichst wenig zu verlangen; England könne dann beide Seiten ehrlich unterstützen! England wollte Frankreich gleichsam mit dem Versprechen in den Strom locken, es schwimme sich dort ganz angenehm — falls die Franzosen später anders fühlten, so müßten sie dennoch mitschwimmen. Diese und ähnliche von Taylor geprägte, auf „amtliche“Zeugnisse zurückgreifende Bonmots treffen die Mentalität der englischen Diplomatie.Google Scholar
  32. 27.
    Simon an MacDonald, 3.10.1934, FO 800–291, S. 388/389 sowie in FO 800–289, S. 271/ 272; Simon-Memo., G. R. (34) 3, 29.11.1934, Cab. 27–572. „Politische Stärke“entspricht in etwa den Gründen, aus denen man in den sechziger Jahren den englischen Beitritt in die EWG wünschte, also politische Tradition, Solidität der Wertmaßstäbe, „politischer Stil“usw. In den dreißiger Jahren bedeutet das Schlagwort, daß Hitler England den Respekt entgegenbringe, der dem formidablen Gegner im Ersten Weltkrieg gebühre (s. Simon, Aufzeichnungen auf dem Rückflug von der Stresa-Konferenz, 17.4.1935, Simon-MSS). Für Sargent und Wigram als Initiatoren des im November 1935 angeregten „working agreement“-Ange-bots hatten der (vermeintliche) englische Prestigegewinn in der Abessinien-Krise (vor dem Hoare-Laval-Debakel) und die Bestätigung der Regierungsmehrheit im Wahlkampf eine ähnliche Funktion. Im Kommentar der englischen Botschaft in Berlin zum Wigram/Sargent-Memo. vom 21.11.1935 bestätigte Kirkpatrick die Richtigkeit der Prämissen; Phipps-MSS., Bd. 5/6, S. 46: Englands Prestige stehe hoch im Kurs; Hitler wünsche (noch) Abkommen mit England; falls England sich zurückhalte, werde Deutschland sich Rußland nähern; Frankreich sei zum Rapprochement mit Deutschland bereit. In anderen Fällen hatte die englische Regierung — zum Beispiel nach dem Fehlschlag des MacDonald-Plans! — den Führungsanspruch wieder fallen gelassen; so beschloß das Kabinett am 31. Mai 1933, in der Krise der Abrüstungskonferenz anderen die Initiative zu überlassen (Cab. 23–76, S. 139 ff.). Seit dem Herbst 1934 kann man jedoch die Tendenz feststellen, „Appeasement“als „early move“zu praktizieren.Google Scholar
  33. 28.
    Simon-Memo., G. R. (34) 3, 29.11.1934, Cab. 27–572, § 4. Zum Folgenden s. auch Cab. 21–417: Wigram-Note, 19.11.1934;Sargent-Memo., 5.12.1934; Hodsoll an R. MacDonald, 4.12.1934; Cabinet Committee on German Rearmament, 12.12.1934, 19.12.1934, Cab. 23–80, S. 318 ff., 353; C. P. 295 (34), Ministerial Committee on German Rearmament, Report. Vgl. auch R. MacDonalds Guildhall-Speech, 9.11.1934: Vom Glauben geleitet, daß andere Länder davon überzeugt werden könnten, daß Blockpolitik/Wettrüsten um jeden Preis vermieden werden müßten, sollte England als Macht, die am allgemeinen Frieden am meisten interessiert sei, eine allgemeine Beschwichtigungspolitik einleiten („eine auf der Grundlage des gesunden Menschenverstands verfolgte Friedenspolitik“).Google Scholar
  34. 29.
    Sargent-Memo., § 9, 5.12.1934, Cab. 21–417; Simon-Memo., GR (34) 4, 8.12.1934, Cab. 27–527.Google Scholar
  35. 30.
    Sargent-Memo., § 17.Google Scholar
  36. 31.
    Hauptbeispiele sind der Disput zwischen FO und WO — Generalstab betr. kollektive Sicherheit, Völkerbundsreform im Sommer 1936 (s. Anm. II/24) — sowie der Dauerstreit zwischen FO und Air Ministry über das Tempo der deutschen Luftwaffenexpansion und die Konsequenzen für die englische Abschreckungspolitik (s. Anm. I/207 ff.). Simon, Baldwin, Swinton, Eyres-Monsell, Inskip tendierten dazu, alles zu unterlassen, was England in die Bahnen des französisch-russischen Paktes und zur Blockbildung treiben könnte; in diesem Sinne wünschten sie gleichfalls, daß Frankreich seine,,over-commitments“abbaue. Sie hielten es freilich für unrichtig, Frankreich in diesem Sinne unter Druck zu setzen und damit Hitler,,freie Hand im Osten“zu signalisieren.Google Scholar
  37. 32.
    In diesem Sinn rechtfertigte Vansittart die Bereitwilligkeit des FO, in der Luftpaktfrage die englische Einwilligung in diesem, in den Vorberatungen des Kabinetts nicht behandelten Punkt als,,Opfer“zu bringen, so daß die französische Delegation erklären könne, sie habe für die „Legalisierung“der deutschen Vorstöße gegen Teil V des Versailler Vertrages eine ‚echte‘Gegenleistung erhalten. Harvey (FO)-Memo., French Desiderata, C 655/55/18, 25.1.1935, Cab. 21–413; Harvey-Minute, 29.1.1935,ebd.;Hankey-Note über Gespräch mit Vansittart (15.2.1935), 16.2.1935; Cab. 21–413; Protokoll der Besprechung der englischen Delegation, 1.2.1935, A. F. (B) (35), Cab. 21–413; Hankey-Aufzeichnung für MacDonald, 26.2.1935; Montgomery an Chatfield, 23.2.1935; Hankey an MacDonald, 4.2. 1935, in: Cab. 21–413.— Vgl. Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 155 ff., Pownall-Diary, S. 61 f. (4.2.1935); Hauser, England, S. 92 ff.Google Scholar
  38. 33.
    In den Kabinetts- und Ausschußberatungen wurde das Prinzip,,comprehensive settlement“als Neuerung gegenüber der „Politik der kleinen Schritte“(Verhandlungen von Fall zu Fall) hingestellt und unterschiedlich bewertet. Die englische „list of desiderata“machte mehrere Veränderungen durch: C. P. 295 (34), C. P. 6 (35), C. P. 19 (35); Cab. 23–80, S. 318 ff., Cab. 23–81, S. 37 f. Für Simon, den Urheber der 1934/35-Initiative, folgte das Streben nach einem,,all-in settlement“aus den Annahmen: 1. Weder Frankreich noch sonstwer sei entschlossen, gegen die deutsche Aufrüstung einzuschreiten. 2. Je mehr Hitler diese „Schwäche“des Westens wahrnehme, desto selbstbewußter werde er auftreten und Isolation (bzw. Einkreisung) riskieren. 3. Hitler respektiere Englands politische Stärke; daher habe er im Westen keine „deliberate designs“. Also könne England, wenn es mit Deutschland über eine Generalregelung verhandle, die berechtigten französischen (mit den englischen identischen) Sicherheitsinteressen Deutschland gegenüber mit Nachdruck verfechten. Simon-Diary, 28. 11.1934, 20.3.1935; Simon-Notes, Rückflug von der Stresa-Konferenz, 17.4.1935, im Simon-Nachlaß.Google Scholar
  39. 34.
    12.12.1934, Cab. 23–80, S. 322 f.; vgl. 22.3.1934, Cab. 23–78, S. 330 ff., 336 ff.; vgl. ferner Cab. 23–77, S. 59. Die Bedenken gegen „inspection“, „supervision“und andere „essentials“in den französischen Sicherheitskatalogen (vor 1934) beruhten auf der Befürchtung der Streitkräfte, dabei könne „shortage of war supplies“usw. enthüllt werden (s. 31. 5.1933, Cab. 23–76, S. 139–146). Simons Marschroute, Italien einzuschalten und die französisch-italienische Annäherung zu begünstigen, bedingte, daß auch die zwischen Frankreich und Italien vereinbarten Interessen Berücksichtigung fanden, d. h. Formulierungen betr. Österreich und Abessinien in das Paket eingebaut wurden; Simon-Diary, 1.1.1935, 8. 1.1935, 13.1.1935.Google Scholar
  40. 35.
    Vgl. Anm. I/298 ff. – 12.12.1934, Cab. 23–80, S. 322; C. P. 303 (34), Simon/Laval-Tref-fen, 22.12.1934; C. P. 302 (34), Committee on German Rearmament, Report; C. P. 295 (34); C. P. 6(35).Google Scholar
  41. 36.
    Sargent-Memo., 5.12.1934, § 4, Cab. 21—417. Die,,gemeinsame Front“als Grundlage, auf der England über die Legalisierung der deutschen Verstöße gegen Teil V des Versailler Vertrages in Verhandlungen eintreten könne/solle, hatte auch Botschafter Phipps empfohlen. Er wurde zur Teilnahme an den Beratungen des Committee on German Rearmament nach London gerufen; 25.11.1934, Cab. 27–572, Protokoll der 3. Sitzung; Simon-Memo., G. R. (34) 3, 29.11.1934; Simon-Memo., G. R. (34) 4, 8.12.1934, in: Cab. 27–572; Simon-Memo., C. P. 303 (34), Cab. 24–251, S. 45; Committee, Protokoll, 11.12.1934, Cab. 23–80.Google Scholar
  42. 37.
    Dabei ist natürlich zu beachten, daß die Aussichten, auf Deutschland einen Abschreckungseffekt zu erzielen, begrenzt waren. Am Vorabend beider englischer Offerten — im Januar 1935 und im Februar 1936 — traf Hitler in den,,kritischen“Punkten Entscheidungen, die darauf angelegt waren, ohne Rücksicht auf (mögliche) „Wünsche“der Westmächte die für Deutschland vorteilhaften Maßnahmen durchzuführen; s. Weinberg, Foreign Policy of Hitler’s Germany, S. 204 f. (für die Initiative 1934/35); Robertson, Hitler’s Pre-War Policy, Kap. 8; Emmerson, The Rhineland Crisis, Kap. 3.Google Scholar
  43. 38.
    Cab. 23–80, 12.12.1934, S. 322 f., Top 6: „she would hesitate before rejecting proposals on which the United Kingdom, France and Italy were agreed. “; s. ferner 19.12.1934, Cab. 23–80, S. 354; Sargent-Memo., 5.12.1934, § 3, Cab.21–417. — Äußerungen Neuraths und von Bulows erweckten auf englischer Seite den Eindruck, als ob sie über englische Enthüllungen betr. deutsche „geheime“Aufrüstung besorgt und daher verhandlungswillig wären; s. bes. Phipps, 24726.11.1934, C 8014/20/18, Annex 4 zu G. R. (34) 4, Cab. 27–572; Phipps an FO, 2.12.1934, Annex zu G. R. (34) 4. Auch Ribbentrops Gespräche mit MacDonald und Eden deutete man in derselben Richtung; Marquand, MacDonald, S. 756; GD, C-III, Nr. 289, Nr. 333.Google Scholar
  44. 39.
    C. P. 295 (34), Punkt 9, Cab. 23–80, S. 345 f.Google Scholar
  45. 40.
    Das zeigte sich anläßlich der Abschwächung der Fo-Vorschläge vor dem 1.2.1935 und dann besonders in der Beratung über die englischen Richtlinien für die Stresa-Konferenz sowie Simons und Edens Berlin-Besuch.Google Scholar
  46. 41.
    Sargent-Memo., 5.12.1934, bes. §§7–8,Cab. 21–417; G.R. (34) 4,8.12.1934, Cab. 27–572.Google Scholar
  47. 42.
    Simon-Memo., 29.11.1934, G. R. (34) 3, Cab. 27–572. Das Argument spielte in der englischen Politik eine bedeutende Rolle; die englische Seite übertrug offenbar die im eigenen Fall maßgeblichen retardierenden Momente auf die deutsche Politik. Der Zusammenhang zwischen deutschen Rüstungsmaßnahmen und Arbeitsbeschaffungsprogrammen wurde im Prinzip erkannt. Die ökonomische Situation in Deutschland war eines der Standardkriterien in den FO-internen und in den Kabinettsberatungen; eine genaue Kenntnis der von Pinsent (Berlin) und dem Committee on Economic Information (s. unten, Kap. III) unterbreiteten Informationen und Analysen ist freilich in den Kabinetts- und FO-internen Beratungen nicht festzustellen. Wigram/Sargent-Memo., 21.11.1935, § 7; Eden, Begleitbrief zu C. P. 42 (36), 11.2.1936, Cab. 27/599; Eden, I, S. 323 ff.; Ashton-Gwatkin/Jebb-Memo., 31.1. 1936, C 807/4/18, FO-371–19 884, S. 46 f. — Die Stellungnahmen der Berliner Botschaft (Kirkpatrick, Breen, Phipps) zum Wigram/Sargent-Memo. sehen in den ökonomischen Schwierigkeiten Deutschlands eine Determinante künftiger deutscher Außenpolitik. Die These haben besonders deutlich die „economic appeaser“ausformuliert — s. Th. Jones an Flexner, 22.2.1936: „the danger point will come when the economic misery of Germany has reached such a point that war will seem a preferable alternative“(Jones-MSS., Class S, Bd. l, Nr. 134).Google Scholar
  48. 43.
    Ministerial Committee on German Rearmament, Sitzungen 24.–26.11.1934,; G. R. (34) 4, Annex 3+4, Cab. 27–572; Simon-Memo., 29.11.1934, § 4, S. 2. Phipps und Simon gingen davon aus, daß Hitler ein Junktim zwischen Saar- und Rüstungsfrage vermeiden wollte. Deutschland würde, um in der Saarfrage,,über die Runden zu kommen“, in der Aufrüstungp-frage keinen Streit suchen. Wenig später hieß die Devise, Eile sei geboten, bevor Hitler wegen des sich abzeichnenden Erfolgs in der Saarfrage,,der Kamm schwelle“. Zur Saar-Frage s.Google Scholar
  49. 43a.
    C. J. Hill, Great Britain and the Saar Plebiscite of 13 January 1935, in. JCH, IX (1974), S. 121–142Google Scholar
  50. 43b.
    E. Segal, Sir John Simon and British Foreign Policy, Ph. D., Berkeley 1969Google Scholar
  51. 43c.
    Weinberg, The Foreign Policy of Hitler’s Germany, Chicago 1970, S. 199 ff.; Eden, S. 101 ff.Google Scholar
  52. 44.
    Simon/Laval/Flandin-Gespräche, 22.12.1934, C. P. 303 (34), Cab. 24–251, S. 45. — Simon setzte sich — in Genf — dafür ein, das Ergebnis der Saar-Abstimmung zu besiegeln; Simon an Georg V., 14.1.1935. Obwohl Phipps meldete, Hitler habe durch den Erfolg Oberwasser erhalten und werde hartnäckiger auftreten, hielt Simon an der Absicht fest, daß, wenn dank England in der Saar-Frage alles,,laufe“, England das Anrecht erwerbe,,,to get on to friendlier terms with Hitler with a view to limitations of armaments and some sort of collective security agreement“; vgl. St. Baldwin, 16.12.1934, Jones, A Diary with Letters, S. 139; Simon-Diary, 15.1.1935; Simon an Georg V., 14.1.1935; Eden, S. 124.Google Scholar
  53. 45.
    Ministerial Committee, 13.12.1934, Cab. 27–572; Simon-Memo., G. R. (34) 5, § 19, 14. 12.1934; Kabinettsvorlage C. P. 295 (34), 11.12.1934, Punkt VIII undC.P. 19 (35), S. 3, Punkt f., 24.1.1935, Cab. 21–413, sind gegenüber den ersten Vorschlägen abgeschwächt. Da England in der Saar-Frage durch den Vorschlag, sich an einer internationalen Streitmacht unter englischer Oberleitung zu beteiligen, gleichfalls von früheren „Gewohnheiten“abwich, fanden die Meinungsunterschiede im Kabinett reichlichen Zündstoff; zum Zusammenhang der Fragenkomplexe s. Cab. 27–573, 3.12.1934, Saar. Question of Sending British Troops; Hailsham, 22.11.1934, Protokoll, 1. Sitzung des Ministerial Committee on German Rearmament, Cab. 27–572.Google Scholar
  54. 46.
    Sargent-Memo., The Problem of German Rearmament, 5.12.1934, von Simon an MacDonald weitergeleitet und in Simons Denkschrift vom 8.12.1934 integriert; G. R. (34) 4, 8.12. 1934, Cab. 27–572; Cab. 23–80, S. 214 f., 21.11.1934; Cab. 23–80, S. 223 ff., 26.11. 1934, C. P. 265 (34); Simon-Diary, 28.11. und 23.12.1934; Wendt, Der blockierte Dialog, in: MGM, XVII (1975), S. 208; ders., Aspekte (Anm. E/4), S. 271 f.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 786 ff.; Gilbert, Churchill. Bd. V, S. 568 ff.Google Scholar
  55. 47.
    21.11.1934, Cab. 23—80, S. 214 f.: „abandon our policy of ignoring Germany’s action in regard to rearmament“; vgl. Simon-Diary, 28.11.1934: „it is now common ground that Germany has disregarded the limitations of the Versailles Treaty.“England hatte schon früher — besonders seit Juli 1933 — in Berlin gegen deutsche Verstöße protestiert, aber nicht, wie es das FO wünschte, als gemeinsame Demarche und begleitet von öffentlicher Bekanntgabe der Erkenntnisse über die „geheime“deutsche Aufrüstung. Die Regierung sah sich im November 1934 zur öffentlichen Stellungnahme gezwungen, weil die Presse eine Unterredung zwischen Eden und Ribbentrop im House of Commons am 13.11.1934 als Zeichen der englischen Absicht deutete, die deutsche Aufrüstung zu legalisieren.Google Scholar
  56. 48.
    Hankey an Simon, 12.12.1933, Cab. 21–383 und FO 800–288. — Ähnlich Air Ministry an Ellington, 13.12.1933, Cab. 21–417, das Kabinett sei gegen ein „public arraignment“Deutschlands. Zum Vorgang insgesamt s. Hauser, England, S. 52 ff.; zum Hintergrund s. Robertson, Hitler’s Pre-War Plans, S. 22 f.; zu den innenpolitischen Aspekten der Ankündigung s. Sargent-Memo., 5.12.1934, § 1; R. MacDonald, 22.11.1934, Cab. 27–572; Cab. 23–80, S. 234 sowie C. P. 265 (34).Google Scholar
  57. 49.
    21.11.1934, Cab. 23–80, S. 215; 12.12.1934, ebd., S. 317; Simon-Memo., 29.11.1934, G. R. (34) 3, § 2, Cab. 27–572. Simon verglich Deutschland mit einer Frau, die ihr Verhältnis legalisiert zu sehen wünscht; G. R. (34) 3, § 11. Simon-Diary, 28.11.1934, 23.12.1934: „No one is going to stop [German rearmament]. Then is it not wisdom to get her [Germany] back to Geneva on the basis that their violation of Part V are condoned?“Simon ging es darum, einen neuen „Friedensvertrag“an die Stelle des Versailler Diktats zu setzen, „a new opportunity based, not on the prescription of the post-war period, but on a new effort to establish more firmly a secure prospect of peace in the world. “Damit folgte Simon der Argumentation von Smuts, Lothian, Garvin. Die Erklärung, daß England sich nicht „outbuild“lasse (Baldwin, 28.11.1934), sollte die anderen Staaten zur Raison rufen und die Atmosphäre für eine Rüstungsbegrenzung auf möglichst niedriger Basis schaffen; das war nur möglich, wenn es,,bald“zum Abschluß einer Konvention käme. Simon äußerte sich in diesem Sinne gegenüber Flandin (12.12.1934) und Georg V. (13.12.1934). Es handelt sich um eine Neuauflage des Anfang 1934 gestarteten Versuchs, „realistische“Richtdaten für eine Rüstungskonvention zu ermitteln; s. Eden, S. 57 ff.Google Scholar
  58. 50.
    C. P. 295 (34), Extract from Report, § VI, in: Cab. 23–80, S. 345; C. P. 6 (35), Cab. 23–81, S. 37; Simon-Memo., 29.11.1934, G. R. (34) 3, § 6, Cab. 27–572. Zu N. Chamberlains Vergleich des Vorgehens gegenüber Japan in der Flottenfrage („Gentleman’s Agreement-Vorschlag“) und gegenüber Deutschland s. unten, Abschn. 4; zum Informationsaustausch England-Deutschland in Flotten- und Luftwaffenfragen s. unten, Abschn. „Frankreich“, Anm. 298, 338.Google Scholar
  59. 51.
    „We must first persuade the French and pay the necessary price for such persuasion, then bring in the Italians, and anticipate Hitler’s move after the Saar trouble is over by getting it first. “Simon-Diary, 21.12.1934. — Simon-Memo., 29.11.1934, G. R. (34) 3, § 10, Cab. 27–572. Den Zusammenhang zwischen englisch-französischen und deutsch-englischen Beziehungen hat besonders Hauser herausgearbeitet (s. S. 92 ff.). Zum englisch-französischen Ministertreffen 1935: Cab. 23–80,19.12.1934, S. 354; C. P. 295 (34), Cab. 23–80, S. 345 f.; Notes of Anglo-French Conversations, 1.-3.2.1935, C.893/53/18;Cab. 29–146, Anglo-French Conversations; Cab. 21–413, Secretary’s File, Anglo-French Air Pact.Google Scholar
  60. 52.
    Vgl. Kap. IV; GD-C, Bd. IV, Nr. 583, S. 1186 (25.2.1936). Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 90. Neurath instruierte Hoesch, Eden um eine Konkretisierung der „working agreement“-Anregung zu ersuchen. Emmerson erkennt darin die Absicht, Hitler an der fait accompli-Methode zu hindern; Neurath und Hoesch hätten die Einkreisung als Reaktion befürchtet.Google Scholar
  61. 53.
    Zu den Gründen für die Wahl des Anknüpfungspunktes vgl. Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 66 f.; s. unten, Kap. III. Zur Wahl standen: Luftpakt; Kolonialfrage; Rohstoff-Frage; „economic outlets“in „Mitteleuropa“: FO-interne Beratung, C 998/4/18, 15.2.1936, FO 371–19 885; Sargent-Aufzeichnung, C 796/4/18, 4.2.1936, FO 371–19 884, S. 21; Sargent/ Wigram-Memo., § 31; Ashton-Gwatkin-Memo., C 400/99/18, 1.1.1936 (21.11.1935, Annex zum Wigram/Sargent-Memo.), FO 371–19 931, S. 38.Google Scholar
  62. 54.
    Der Röhmputsch, Angriffe auf Schacht und andere Vorfälle galten als Indizien; Sargent-Me-mo, 5.12.1934, The Problem of German Rearmament, § 6, Cab. 21–417.Google Scholar
  63. 55.
    Bei jeweils unterschiedlicher taktischer Wendung gehört die Formel zu den Standardargumenten von Wigram, Vansittart, Ashton-Gwatkin, Jebb, Leith-Ross und Hankey.Google Scholar
  64. 56.
    Wigram/Bismarck-Unterredung, 13.2.1936, GD, C-IV, Nr. 562, S. 1136 ff.; vgl. Robertson, Hitler’s Pre-War Policy, Kap. 8; ders., Zur Wiederbesetzung des Rheinlandes 1936, in: VZG, X (1962), S. 204; Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 90; Meyers, Sicherheit und Gleichgewicht, in: Rh. Vjbl., XXXVIII (1974), S. 431 ff.; C. 850/4/18, FO 371–19 884; C 995/4 /18, 15.2.1936, FO 371–19 885, S. 273 ff. Wigram handelte in offiziellem Auftrag. Eden beauftragte Phipps (24.2.1936, FO 371–19 884, S. 7 ff.) herauszufinden, 1. ob Hitler verhandlungswillig sei in der Frage: Rheinzone an Deutschland/deutsche Einwilligung in ein Luftlocarno-Abkommen (incl.,,mutual assistance“-Abkommen zwischen den Partnern, die derartige Beistandsabkommen schließen wollten), oder 2., ob die anderen im FO besprochenen Möglichkeiten in Betracht kämen; FO-Meeting, 14.2.1936, C 998/4/18, 15.2.1936, FO 371–19 885, S. 276.Google Scholar
  65. 57.
    Flandin und Leger glaubten, die deutschen Generale würden gegen den Befehl rebellieren, im Fall französischer Truppenbewegungen zu kämpfen, und Hitlers Sturz einem „Selbstmord der Armee“vorziehen; sie zitierten Berichte, wonach „Kräfte“in Deutschland darauf warteten, daß den NS-Radikalen eine Lektion erteilt werde. Vansittart, Boothby u. a. brachten diese französische Argumentation in die innerenglische Debatte ein. Flandin traf nicht nur mit Baldwin und Chamberlain zusammen, sondern auch im Kreis von Lord Camrose und W. Steeds,.Monday Club“mit Churchill, Boothby u. a. Bei einem Treffen — im Spears-Kreis — war auch Brüning anwesend (7. März 1936). Der Daily Telegraph-Korrespondent in Berlin, Green, gab vordem 7. März entsprechende Hinweise durch, die auch veröffentlicht wurden. Green verdankte die Einblicke seinen Beziehungen zu „Widerstandskreisen“. — Emmerson, S. 126 f.; Eden, S. 347 ff.; Boothby, S. 136; H. Nicolson-Diary, S. 251; DDF, I,S. 464, 468, 482, 503, 512 u.a.O.; DDB, IV, S. 126, 150; Flandin, S. 202 ff.; 11.3.1936, Cab. 18(36) 1, Cab. 23–83.Google Scholar
  66. 58.
    Vansittart an Eden, 10.3.1936, C 1619/4/18, FO 371–19 889; 11.3.1936, 18-Uhr-Sitzung, Cab. 23–83, S. 285 ff. (Eden-Halifax-Bericht über Gespräche in Paris); C 1017/4/18, Phipps an FO, 13.3.1936, FO 371–19 891, S. 194f. Halifax und Cooper teilten die von Frankreich vertretene Ansicht, daß Deutschland in drei Jahren stärker und England trotz, „reconditioning“nicht in einer viel besseren Position als zum jetzigen Zeitpunkt sein werde. Die Mehrheit im Kabinett bezweifelte die französische These, daß Deutschland sich bei Anzeichen einer Gegenaktion kampflos zurückziehen werde. Eden an Ovey (Brüssel), 10.3.1936, C 1672/4/18, FO 371–19 889, S. 56.Google Scholar
  67. 59.
    Phipps an Sargent, 15.4.1936, Phipps-MSS., 2/10, S. 86; Phipps stützte seine Analyse auf Berichte Breens über Gespräche mit Jäckh; Schacht appellierte über Jäckh an Eden. In einem Bericht vom 1. April 1936 an Vansittart teilte Phipps mit, daß Schacht den Vorschlag ins Lächerliche gezogen habe, Arm in Arm mit Neurath die Armeekommandeure aufzusuchen und um Hilfe zu bitten,,in this abominable state of affairs“. Schacht wünsche nicht, daß die (West-)Mächte verhandelten, bevor nicht,,law and order“dem Anschein nach wiederhergestellt seien. Solange Blomberg an der Spitze stehe, würden andere Generale nicht handeln; Phipps-MSS., 2/10.Google Scholar
  68. 60.
    Phipps, 11.3.1936, C 1670/4/18, FO 371–19 889.Google Scholar
  69. 61.
    Newton an Baxter, 28.6.1936, C 6150/4/18, FO 371–19 912 (zu Steeds Ausführungen über die deutsche Gefahr und wie man ihr begegnen könne).Google Scholar
  70. 62.
    N. Chamberlain erklärte Flandin stellvertretend für die englische Regierung, daß London die französische Einschätzung der deutschen Reaktion nicht als zuverlässige Beurteilung eines,,mad dictator’s reactions“ansehen könne (s. Feiling, Neville Chamberlain, S. 279; Emmerson, S. 134; Hauser, S. 225 ff.). Vergleichbare Argumente hatte Laval gegen das englische Vorgehen in der Abessinien-Krise vorgebracht. Zur englischen Reaktion auf die Krise und die französischen Pressionen s. C 1682/4/18, Phipps an FO, 11.3.1936, FO 371–19 889 (FO-Minutes); Boothby an Baldwin/Eden, 14.3.1936, C 2214/4/18, FO 371–19 896; WO an FO, 8.3.1936, FO 371–19 888, S. 38. Nach Aufzeichnungen von Emrys-Evans, Chairman des Foreign Affairs Committee der Regierungsparteien, erklärten sich in der ersten Sitzung 14–15 Parlamentsmitglieder definitiv für einen französischen Einmarsch in die Rheinzone bzw. für einen Gegenschlag, darunter Churchill, A. Chamberlain, Loder, McEwen, H. Nicolson, Cartland, Wakehurst; Interview 11.11.1967. — Die von Chamberlains Privatsekretär, Lord Dunglass (Earl of Home), übermittelte Benachrichtigung über die erste Sitzung — Premier 1/194 — läßt diese Entschiedenheit ebensowenig erkennen wieH. Nicolsons Tagebuch. Nicolson verzeichnet unter dem 7. März 1936 ein Dinner bei Spears, an dem neben Churchill auch Brüning teilnahm. Die Stimmung lautete: Englisch-französischer Widerstand würde Deutschland zum Rückzug veranlassen; dies sei die Position des deutschen Generalstabs.Google Scholar
  71. 63.
    WO, 8.3.1936, FO 371–19 888, S. 38; 13.3.1936, Cab. 27–603, Annex zum Sitzungsprotokoll; s. auch Anm. I/233. — Die von Hitler und den Generälen veranlaßten Vorbereitungen sprechen gegen die These, daß die deutschen Truppen sich zurückgezogen hätten, falls die französische Regierung den Marschbefehl erteilt hätte; s. Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 98 ff.; vor allem D. C. Watt, German Plans;N. Chamberlain, Bericht an das Kabinett über Gespräch mit Flandin, 15.3.1936, Cab. 23–83, S. 303 ff., 16.3.1936; Baldwin, 12.3.1936, Cab. 23–83, S. 298 ff. — Die französische Regierung, die sich als Platzhalter fühlte — nach dem „Sturz“Lavais und vor den Wahlen im April 1936 —, war mit der Entscheidung, ein Kriegsrisiko einzugehen oder nicht, überfordert.Google Scholar
  72. 64.
    Baldwin, 11.3.1936, Cab. 23–83, S. 292.Google Scholar
  73. 65.
    Im Falle wirtschaftlich-finanzieller Sanktionen gegen Deutschland wären in erster Linie betroffen: City (als Gläubiger im Rahmen der Stillstandsabkommen), Kohlebergbau, ölfir-men; s. Waley, C 2228/99/18, FO 371–19 932, S. 312 f.; vgl. Emmerson, S. 173. Frankreich stützte die Forderung, finanzielle Sanktionen zu verhängen, auf Berichte über die,,verzweifelte“deutsche Lage, und auf Schachts Vorbehalte gegen die Aktion vom 7. März 1936; als Indiz galt der Besuch von Reichsbankdirektor Staus in Paris am 13. März 1936 (im einzelnen s. Emmerson, S. 181 f. — Das Kabinett beriet — ohne einen Beschluß zu fassen — über die Sanktionsfrage am 11. März 1936. Elliott als Vorsitzender des Unterausschusses des CID griff auf die fortgeschriebenen Berichte sowie einen Zwischenbericht vom 9. März 1936 zurück. Der CID-Bericht — A. T. B. (E. P.) 31 — lag am 12. März 1936 vor, s. bes. §§ 37, 38; FO 371–19 949; er wurde am 18.3.1936 im Kabinett beraten. Die englische Regierung konnte aus deutschen Erklärungen (Göring), daß Deutschland Vorsorge für den Fall von Sanktionsmaßnahmen getroffen habe und derartigen Maßnahmen ruhig entgegensehe sowie aus dem Verhalten der deutschen Nachbarstaaten, deren ökonomische Abhängigkeit vom deutschen Markt in der Zeit der Sanktionen gegenüber Italien gestiegen war, ersehen, daß die Vorschläge wenig Wirkung versprachen;Phipps an FO, 9.3.1936 (betr. Göring, 4.3.1936), C 1604/4/18, FO 371–19 889. — Den Sanktionsvorschlag unterbreitete Flandin Chamberlain in der Unterredung am 15. März 1936, Chamberlain dem Kabinett am 16. März 1936, Cab. 23–83, S. 303 f.; ferner Clerk (Paris) an FO, 17.3.1936, über Leger, C 1989/4/18, FO 371–19 893; Ashton-Gwatkin-Minute — 18.3.1936, zu Leger, ebd., S. 189 f. — hebt u. a. hervor, daß ca. £ 33 Mill, „standstill debts“, insgesamt £ 40 Mill, „short term credits“im Fall finanzieller Sanktionen betroffen wären. Die französische Regierung spielte darauf an, daß Deutschland ca. 50% seiner freien Devisen aufgrund des Handels- und Zahlungsabkommens mit England vom 1. November 1934 bezog.Google Scholar
  74. 66.
    13.3.1936, Cab. 27–603, Annex; vgl. unten, Kap. 1/6 u. Kap. IV. Das FO kommentierte französische Hinweise (Gamelin, Mandel, französische Presse), nach denen Frankreich seine Bündnispflichten in Osteuropa nicht erfüllen könnte, würde man Deutschland Befestigungsbauten in der Rheinzone gestatten, als Erschwerung der Aufgabe der englischen Regierung, Verständnis in der englischen öffentlichen Meinung für die Zusage von Stabsgesprächen und die Präzisierung des Locarno-Vertrages zu erwecken; Sargent-Minute zu C 1912/4/18, FO 371–19 892, S. 229.Google Scholar
  75. 67.
    13.3.1936, Cab. 27–603.Google Scholar
  76. 68.
    26.11.1934, Cab. 23–80, S. 233; C. P. 265 (34).Google Scholar
  77. 69.
    Simon setzte darauf, daß Deutschland sich im Zuge der Legalisierung vollzogener Vertragsbrüche an Verhandlungen über eine Rüstungsbegrenzung (auf der Basis des aktuellen Standes?) beteiligen würde; G. R. (34) 3, § 11, 29.11.1934, Cab. 27–572.Google Scholar
  78. 70.
    Simon, 19.12.1934, Cab. 23–80, S. 354 f. Edens Unterhauserklärung vom 12.2.1936 — gleichzeitig mit Flandins Erklärung vor der Kammer — war zu allgemein gehalten, um Deutschland von Aktionen abzuschrecken; außerdem steckte das FO zu diesem Zeitpunkt mitten in den Vorbereitungen für die Unterbreitung der „working agreement“-Offerte an das Kabinett. Eden meinte ferner, daß Frankreich als Hauptbetroffener zuerst zu sagen habe, was es zu tun gedenke. Er empfand es als unfair, England zur Stellungnahme zu einem „hypothetischen“Fall aufzufordern; Eden an Clerk (Paris), 13.2.1936, C 763/4/18, FO 371–19 884; s. ferner Eden, I, S. 334 ff.; G (36) 3, § 3–4, 14.2.1936, Cab. 27–599; Sargent-Memo., 10.2.1936, C 796/4/18, FO 371–19 884, S. 25. — Das Kabinett hatte im Februar/März 1935 die vom FO (Vansittart, Wigram) geforderte Demarche abgelehnt; das FO (anders als Simon) meinte, daß englisches Schweigen in Deutschland den Eindruck begünstigen würde, es könne (auch) „Locarno“als toten Buchstaben betrachten. Das Kabinett zog es vor, die Verhandlungen über die Punkte des Londoner Kommuniques vom 3.2.1935 nicht zu stören. Mit Deutschlands wachsender Stärke war das Kabinett geneigt, auch Hitlers „mischief making“-Potential in Rechnung zu stellen;13/14.2.1935, C 1149/516/4; Cab. 16 (35) 1, 20.3.1935; Cab. 3 (35)2, 14.1.1935; C 1657/55/18, 28.2.1935; C 2413/55/18, 22. 3.1935; C 1905/55/18, 13.3.1935 (Sargent).Google Scholar
  79. 71.
    12.12.1934, Cab. 23–80, S. 317. — In der Situation 1935/36 drängten Eden und das FO darauf, alles zu vermeiden — z. B. auch neue Importrestriktionen —, was Deutschland „stören“könnte; insbesondere sollte das Statement Relating to Defense keine bestimmten Hinweise auf die deutsche Gefahr enthalten; s. hierzu unten, Kap. IV/4–5; C 998/4/18, 15.2. 1936, FO 371–19 885, S. 276 (FO-interne Sitzung zur Vorbereitung der Arbeit des Cabinet Committee on Germany, am 14.2.1936). — In der Rheinzonenfrage brachte Vansittarts Vorschlag — an Eden, 20.1.1936, C 418/4/18, FO 371–19 883, S. 168, 170 ff. —, zunächst einmal zu klären, ob Frankreich (tatsächlich) einer Aufhebung des Demilitarisierungsstatus im Tausch gegen einen Luftpakt u. a. zustimme, die Schwierigkeit mit sich, daß Frankreich dies als Einladung auffassen konnte, Bedingungen für das Tauschgeschäft zu stellen. Laval ließ Eden keine Chance, die Diskussion in der von England gewünschten Richtung zu führen, sondern lenkte über zur Frage nach dem englischen Verhalten im Falle eines deutschen Vertragsbruchs — 21.1.1936, C 435/4/18, FO 371–19 883, S. 175 f.; zur Annahme, Frankreich wäre für ein Tauschgeschäft Zugewinnen, s. Sargent, 30.11.1935, C 7931/55/18, FO 371–18 851, S. 175 f.Google Scholar
  80. 72.
    26.11.1934, Cab. 23–80, S. 236; Simon, 1.2.1935, Protokoll der englischen Delegation-Sondersitzung, A. F. (B) 35, S. 18, Cab. 21–413. — Anläßlich der 1935/36-Initiative empfahlen nicht nur Hankey, Th. Jones u. a. eine bilaterale „Vorsondierung“in Berlin, sondern auch Eden und das FO (außer Vansittart). Man brachte in Erinnerung, daß Laval Hoare in Genf im September 1935 bevollmächtigt hatte, in der Luftpaktfrage die beiderseitigen Interessen in Berlin zur Sprache zu bringen; C 6516/55/18, 13.9.1935, Record of Conversation… 11.9.1935, Cab. 21–417, Protokoll S. 2. Falls England den Luftpakt als Aufhänger für die „working agreement“-Aktion wählte, könne es sich auf ein französisches Mandat berufen. 29.1.1936, Cab. 23–83, S. 39 ff.; Wigram, 9.1.1936, C 151/4/18, FO 371–19 883; Hankey an Phipps, 2.1.1936, Phipps-MSS., Bd. 3/4; O’Malley, 24.2.1936, C 1028/ 4/18, FO 371–19 885, S. 318 ff. Im Deutschlandausschuß des Kabinetts — Cab. 27–599, 17. 2.1936 — befürworteten Eden und Halifax einen Alleingang (Vorsondierung). Eden begründete das damit, Frankreich werde sich erleichtert fühlen, wenn es sich gezwungen sähe, „to face facts“; Eden an Phipps, 24.2.1936, C 750/4/18, Fo 371–19 884, S. 8 ff.; FO-Sit-zung 14.2.1936, C 998/4/ 18, Fo 371–19 885, S. 273 f.; Sargent-Memo., 21.1.1936, C 612/4/18, FO 371–19 884, S. 274 ff.; ders., 10.2.1936, C 796/4/18, ebd. S. 22–30; FO/ AM/WO-Memo, 2.3.1936, G (36) 4, The Air Pact, §§ 4, 5, 9, Cab. 27–599.Google Scholar
  81. 73.
    19.12.1934, Cab. 23–80, S. 354; C. P. 295 (34), Cab. 23–80, S. 345 f.; C. P. 303 (34), 22.12.1934, Cab. 24–251, S. 45; betr. 1935/36 „early move“: C 157/4/18, FO 371–19 883, S. 114; Sargent, 10.2.1936, C 796/4/18, FO 371–19 884, S. 21 ff.; Wigram/Sargent-Memo., 21.11.1935, Britain, France and Germany, §§ 6, 32 u. a. O.Google Scholar
  82. 74.
    Simon, 19.12.1934, Cab. 23–80, S. 354 f.; vgl. Anm. I/280 zur Einschätzung der Motive Barthous hinsichtlich der deutschen Aufrüstung, des Ostlocarno-Projekts und des französisch-russischen Pakts; Simon, 6.6.1934, Cab. 23–79, S. 154 f.; Wigram, 16.1.1936, zu C 291/4/18, FO 371–19 883, S. 123.Google Scholar
  83. 75.
    19.12.1934, Cab. 23–80, S. 353 f. — Das Kabinett hatte (nach internen Vorberatungen im Ministerial Committee on German Rearmament vom 22.11.1934 bis 13.12.1934) am 12. Dezember 1934 die Aufnahme von Verhandlungen mit Frankreich noch vor Weihnachten beschlossen; Frankreich zog die Gespräche mit Italien vor. Simon nutzte eine Einladung nach Paris für Gespräche mit Laval/Flandin am 22. Dezember 1934. Der von englischer Seite vorgesehene nächste Termin — 7. Januar 1935 — mußte wegen des Treffens Laval/Mussolini verschoben werden; Simon traf Laval anläßlich der Völkerbundsratstagung in Genf (Saarfrage) und man verabredete sich auf den 20. Januar 1935, doch wurde dieser Termin auf französisches Ersuchen verschoben. Die Konferenz fand dann vom 1. bis 3. Februar 1935 statt.Google Scholar
  84. 76.
    Siehe zu diesem Komplex Cab. 21–417; Sargent-Memo., 5.12.1934; 12.12.1934, Cab. 23–80, S. 322 ff. — Im Hinblick auf die Informationen über die Expansion der deutschen Luftwaffe und auf kritische Anfragen im Unterhaus (Churchill) beschloß das Kabinett ein Ex-pansionsprogramm für die RAF, das am 28. November 1934 verkündet wurde; die Beratung über den Verteidigungshaushalt stand noch ebenso aus wie die Handhabung des Problems Saarregelung — Verhandlungsinitiative. — Die Initiative des FO setzte im November 1935 ein; die Beratungen über das Ideal Scheme wurden erst im Januar/Februar 1936 intensiviert. In beiden Fällen liefen Beratungen über Rüstungsprogramme und Bemühen um eine,,Detente“, also die „dual strategy“, parallel, doch ist die Koordination beider Aspekte in der Gremienarbeit nicht ersichtlich, jedenfalls nicht in der Anfangsphase.Google Scholar
  85. 77.
    Die Diskussion wurde durch Wigram eröffnet (15.11.1935, C 7698/55/18, FO 371–18 851, S. 51–53). Sargent spitzte (in einer Minute vom 18.11.1935) die Erörterung auf die Fragen zu, warum England Verhandlungen über,,Locarno“suchen solle und ob mit einem deutsch-französischen Rapprochement (aufgrund der Sondierungen des französischen Botschafters in Berlin und Lavais Gesprächen mit dem deutschen Botschafter in Paris) zu rechnen sei. — Die englische Regierung hatte es vermieden, im Vorfeld der Stresa-Konferenz zu französischen Anfragen Stellung zu beziehen, wie die englische Garantiemacht der Verletzung des Rheinzonen-Status begegnen wolle. Das FO wünschte eine Frankreich beruhigende Treuebekundung. Das Kabinett hatte am 14. Januar 1935 die Rheinzone nicht mehr als „vital interest“eingestuft. Freilich wurde erst Anfang Januar 1936 auf Betreiben Vansit-tarts — über Hankey — das CID um eine Beurteilung des strategischen Werts der Rheinzone ersucht, s. FO-Minutes, 26.3.1935, zu C 2459/55/18, FO 371–18 832, S. 19 ff. (Clerk/Pa-ris an FO, 23.3.1935); 4./5.2.1935, zu C 921/55/18, FO 371–18 824, S. 250 f.; 8.4.1935, Cab. 23–81, S. 296 ff.; Vansittart-Minute, 28.2.1935, VNST 2/28; Sargent-Memo., 10.2. 1936, C 796/4/18, FO 371–19 884, S 27 (zur Chronologie der Antizipation einer Rheinzonen-Krise auf englischer Seite seit Anfang 1935). Churchill (Artikel im Strand-Magazine, April 1935) sowie A. Chamberlain (7.2.1934 Times) hatten gemahnt, daß „Locarno“stets als deutscher Beitrag zur europäischen Sicherheit und zum Frieden gegolten hatte und in jedem Fall von der Phraseologie über deutsche Gleichberechtigung ausgenommen bleiben müsse. Andererseits gab es seit 1921 in „Fachkreisen“Diskussionen und Vorschläge über demilitarisierte Zonen beiderseits der Grenzen (Spears); sie wurden von Marshall-Cornwall in einer Anfang 1935 veröffentlichten Studie zusammengetragen und positiv gewürdigt. Die öffentliche Reaktion auf die Locarno-Verträge 1925/26 und die innerenglischen sowie die englischfranzösischen Diskussionen über „Garantien“für den Rheinzonen-Status seit 1919 lassen die Vorbehalte erkennen, die nach 1932/33 aktiviert wurden; s. hierzu die Arbeiten von Nelson; Jacobson; Jordan; Wolfers; Johnson; Barnes/Middlemas.Google Scholar
  86. 78.
    Kirkpatrick bestätigte aus Berliner Sicht die „Richtigkeit“der Prämissen des Wigram/Sar-gent-Memo., s. Anm. I/27 (Phipps-MSS., 5/6, S. 46). — Auch die Presse — zum Beispiel die Times, 22.3.1935 — forderte dazu auf, die Frage zu stellen, in welchen Punkten Deutschland mit den gegenwärtigen Zuständen zufrieden sei und in welchen „readjustment“bevorstehe; es wäre besser, „to work for adjustment by agreement than merely to wait until the desired change may be attempted by some other means for lack of dealing with it betimes“. Noch unter dem Eindruck des Coups vom 16. März 1935 stehend, sollte England einer weiteren Überraschungsaktion durch die Einleitung von Verhandlungen über deutschen „Revisionismus“zuvorkommen. Hitlers Äußerung, er hätte im März 1935 auch den Rheinzonen-Status aufheben sollen, blieb den „opinion leaders“in England nicht unbekannt.Google Scholar
  87. 79.
    Wigram/Sargent-Memo., Britain, France and Germany, 21.11.1935, §§ 12, 17; Wigram, 11. 2.1936, zu C 750/4/18 (Phipps an Eden, 5.2.1936), FO 371–19 884; Wigram, C 157/4/18, FO 371–19 883, S. 114 f. — Kritik am Wigram/Sargent-Memo. äußerten vor allem Vansit-tart und Collier (Northern Department): Collier, 22.11.1935, C 8523/55/18, FO 371–18 852, S. 144–152; Vansittart, 1.12.1935, VNST 2/24. Zum „early move“-Konzept vgl. Meyers, in: Colloques, Nr. 563, S. 317; Medlicott, Britain and Germany; Crozier, Prelude to Munich, in: European Studies Review, VI (1976), S. 357 ff.Google Scholar
  88. 80.
    Wigram/Sargent-Memo., § 13.Google Scholar
  89. 81.
    Wigram-Minute, zu C 2113/4/18, FO 371–19 895; Sargent, 19.3.1936, C 2048/4/18, FO 371–19 894, S. 151. Sargent sprach davon, daß Herriot und die extreme Linke „pro-bolshevik“seien und daß sie versuchen würden, mit russischer Geldunterstützung das russische Spiel in der Weltpolitik zu betreiben. Gerade im Hinblick auf die Wahlen wünschten weder Laval noch Flandin die Aufnahme von Verhandlungen über eine Beendigung des Rheinzonen-Status. Die Taktik der Appeaser stieß auf entgegengesetzte Prioritäten auf französischer Seite, s. DDF, I, S. 151, 278, 294 u. a. O.Google Scholar
  90. 82.
    Wigram, 21.12.1935, zu C 8373/55/18 (Phipps an FO, 19.12.1935), FO 371–18 856, S. 109 f.; Sargent, 30.12.1935,ebd., S. 110; 16.-18.12.1935, ebd., S. 58 ff. Vor den Unterredungen des französischen und des englischen Botschafters mit Hitler hatten Wigram und Sargent nicht die Notwendigkeit hervorgehoben, sich der französischen Unterstützung zu versichern und weitere Beschlüsse der Regierung über Aufrüstungsprogramme abzuwarten. Vansittart kommentierte diese „Schwächen“entsprechend; 1.12.1935, VNST 2/24; Van-sittart, 21.11.1935, FO 371–18 851, S. 76; Sargent/Wigram-Minutes, 18.11.1935, zu C 7698/55/18, FO 371–18 851, S. 51 ff.Google Scholar
  91. 83.
    Sargent/Wigram-Memo., §§ 6, 28, 29, Phipps-MSS., 5/5; Sargent-Minutev 18.11.35, FO 371–18 851, S. 52; Wigram, 20.11.1935, ebd., S. 77 (a); Sargent-Minute, 23.11.1935, ebd., S. 143; Ashton-Gwatkin, Germany’s Economic Position, 1.1.1936; Annex zum Wigram/Sargent-Memo.,C400/99/18, FO 371–19 931, S. 38 (betr. Verhandlungen im Comite d’Etude, über das Projekt eines französisch-deutschen Zollvereins); Vansittart-Memo., C. P. 42 (36), Kabinettsvorlage, 11.2.1936, Cab. 27–599. — Laval argumentierte auf der gleichen Linie wie die englischen Appeaser: Tolerierung einer wirtschaftlichen Durchdringung des Donauraumes durch Deutschland, in der Hoffnung, dadurch eine militärisch-gewaltsame Expansion ausschließen zu können; s. Höhne, in: Colloques, 1933—1939, S. 224.Google Scholar
  92. 84.
    Wigram (Vortrag 1934) und Sargent (5.12.1934-Memo., § 16b, Cab. 21–417) hatten 1934 /Anfang 1935 die Rheinzone noch als „vital interest“qualifiziert. Wigram deutete aber schon Zweifel an, ob der Status bei fortschreitender deutscher Aufrüstung zu halten sein werde (FO 800–292, S. 82). — 1935/36 ging es für sie in erster Linie darum, einen Gegenwert für das Tauschobjekt Rheinzone zu erhalten; Minutes zu C 151/4/18, 9.1.1936, FO 371–19 883 (FO-Revue deutscher Äußerungen zum Locarno-Vertrag); Wigram/Sargent-Memo., § 17; Neuauflage der,,S argen t-Chain“: Wigram und Sargent-Minutes, 18.—20.11.1935, zu C 7698/55/18, FO 371–18 851, S. 52, 77 (a). — Den Hintergrund bilden die in den englischfranzösischen Konsultationen über Völkerbundsaktionen gegen Italien angeschnittenen französischen Anfragen zur englischen „Vertragstreue“im Fall einer Rheinzonen-Krise (September/Oktober 1935). — Wigram, 12.12.1935, zu C 8193/134/18, FO 371–18 860, S. 159 (a). — Daß die Rheinzone kein „vital interest“(mehr) sei, wurde im Kabinett am 14. Januar 1935 (Cab. 23–81, S. 28) angesprochen. Im „Stresa-Briefing“(C. P. 79 [35], §§ 14 ff., Cab. 23–81, 8.4.1935) wurde festgelegt, daß die englische Delegation einer „reaffirmation“ausweichen solle; vgl. auch Cab. 23–80, S. 331; Cab. 23–81, S. 37, zu C.P. 6 (35); s. auch Hauser, England, S. 120 ff. — Auf die Agitation der Beaverbrook/Rothermere-Presse, Lothians u. a. nach dem deutschen Rückzug von der Abrüstungskonferenz/Austritt aus dem Völkerbund und auf die regierungsinternen Beratungen über die Frage, ob mit dem Austritt aus dem Völkerbund auch die Einschaltung des Völkerbundes im Falle eines Verstoßes gegen den Locarno-Vertrag hinfällig werde, kann hier nicht eingegangen werden. Sowohl das Kabinett als auch die Labour Party (Advisory Committee on International Affairs) griffen diese Frage nach dem Oktober 1933 mehrfach auf. Simon, Cab. 23–77, S. 50, 57, 63 (Oktober 1933); 19.3.1934, Cab. 23–78, S. 286; 9.5.1934, Cab. 23–79, S. 84; 30.5.1934, C. P. 205 (34), S. 8, Cab. 24–250, und Cab. 23–79, S. 330 f. — Vgl. Meyers, in: Colloques, 1933–1939, S. 316 f.Google Scholar
  93. 85.
    Wigram, 16.1.1936, zu C 291/4/18, FO 371–19 883, S. 123(a); ders, zu C 157/4/18, ebd., S. 114 ff. — Zu den französisch-deutschen Sondierungen — François-Ponçet/Hitler, Jouvenel/Hitler, Laval/Köster — sowie den französischen Vorstößen, England solle seine Haltung im Krisenfall vorab erklären, s. Emmerson, The Rhineland Crisis, S.44 ff..; Meyers, Sicherheit und Gleichgewicht, S. 443 ff. Gamelin scheint den Fortfall der Rheinzone nicht ungern gesehen zu haben, da dies Frankreich von den Implikationen des französisch-russischen Paktes,,befreit“hätte: s. Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 51; Renouvin, in: Les Relations Franco-Britanniques 1935/39, S.28. Zur mangelhaften französischen Vorbereitung auf eine Gegenaktion und deren Ursachen sowie generell zur französischen Verteidigungspolitik nach 1925/26 s. die Studien von Challener; Tournoux; Bankwitz; Gorce; Reynaud (S. 109, 119 ff.)Google Scholar
  94. 85a.
    Parker; Höhne; Adamthwaite; Knapp; Baumont, in: Neville Waites (Hrsg.), Troubled Neighbours, London 1971; Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 49 ff., 104 ff.; DDF, I, S. 246 ff., 290 ff., 299 ff., 322 ff., 444, 698 ff.; DDF, II, S. 184 ff., 569 ff.Google Scholar
  95. 86.
    Vgl. Ph. Masson, Les Conversations militaires franco-britanniques, 1935 — 1939, in: Les Relations Franco-Britanniques 1935–39, S. 119 ff.; Renouvin, ebd., S. 28 f.;Google Scholar
  96. 86a.
    Meyers, (Hang) in: Colloques, 1933–1939, S. 317; Graml, Europa zwischen den Kriegen, S. 363; DDF, I, S. 299 f., 302. — Die französischen Militärs steuerten auf eine Umwandlung des Locarno-Vertrages in eine Allianz zu; C 1405/4/18, 4.3.1936; Sargent, 10.2.1936, C 796/4/18, FO 371–19 884; Sargent, 18.3.1936, zu C 1912/4/18, FO 371–19 892, S. 229 f.; Eden, 17.2.1936, Cab. 27–599; Eden/FO-Memo., G (36) 3, 14.2.1936, Cab. 27–599; Eden, Memoirs, I, S. 332 ff. — Eden erklärte, daß es momentan keine Aussprache mit Frankreich über einen hypothetischen Fall geben solle. Frankreich müsse erst mit sich über die eigenen Absichten ins Reine kommen, bevor England Stellung beziehen könne; Eden an Clerk, 13.2.1936, C 763/4/18, FO 371–19 884; damit war auch die Erklärung Edens im Unterhaus vom 12. Februar 1936 keine,,Treubekundung“zu Locarno in dem von Frankreich unterstellten Sinn.Google Scholar
  97. 87.
    Eden gab am 12. Februar 1936 die Locarno-Erklärung im Unterhaus ab, ließ aber die Vorbereitungen für das „working agreement“zum Abschluß bringen. Mit ihm befreundete Abgeordnete warben für seine Verständigungsabsichten; s. Nicolson-Diary, 13.2.1936; Eden an Laval, 20.1.1936, C 435/4/18, 21.1.1936, FO 371–19 883.Google Scholar
  98. 88.
    Den Ausdruck „Sargent-Chain“hat Martin Gilbert, Roots, London 1967, S. 130 ff., in die Forschungsdiskussion eingeführt. Wigram/Sargent-Memo., 21.11.1935; Wigram/Sargent-Minutes, 18.-20.11.1935, FO 371–18 851, S. 52, 77 (a); Ashton-Gwatkin, 1.1.1936, C 400/ 99/18, FO-371–19 931, S. 38.Google Scholar
  99. 89.
    Die „Appeaser“erkannten, daß sie auf dem Höhepunkt der Abessinien-Krise ihren erneuten deutschlandpolitischen Vorstoß rechtfertigen mußten. Zwischen England und Frankreich sowie England und Deutschland bestand die Absprache, während der Abessinien-Krise die Sondierungen über die Punkte des Londoner Communiques vom 3. Februar 1935 — einschließlich des Luftpakts — ruhen zu lassen.Google Scholar
  100. 90.
    Wigram/Sargent-Memo., § 28; Wigram/Sargent-Minutes, 18.11.1935, FO 371–18 851, S. 51 ff. In die Kabinettsvorlage — C. P. 42 (36) — nahm Vansittart diesen Punkt auf (§ 13), betonte aber, daß nur einige Kreise in Frankreich hinter solchen Ideen ständen und daß Laval selbst keine festumrissenen, konkreten Vorstellungen (gehabt) habe. Zuvor hatte Vansittart darauf gedrängt, Verhandlungen nur à trois zu führen; dies sei das beste Mittel, ein französisch-deutsches Arrangement zu verhindern: Vansittart an Lord Wigram/GeorgV., 7.11.1935; VNST 2/27; Wigram/Sargent-Memo, § 28; Wigram und Sargent wollten sichergehen, daß England nicht Objekt eines deutsch-französischen Ausgleichs werde. Sie nahmen Laval’s diplomatische Aktionen ernster als dies bei realistischer Einschätzung der französischen Situation und der deutschen Frankreich-Politik nahelag.Google Scholar
  101. 91.
    Es gibt Anzeichen dafür, daß Laval eine deutsch-französische Verständigung unter Ausschluß Englands für möglich hielt (s. Höhne, in: Colloques, Nr. 563, S. 220). Auch Weinberg (The Foreign Policy of Hitler’s Germany, S. 199) spricht von einer eher ,,pro-deut-schen“ Haltung Laval’s. Wigram und Sargent stellten ihren Vorschlag auf eine ähnliche Einschätzung der Politik Lavals ab (s. Memo., § 28); s. auch Ashton-Gwatkin, 1.1.1936, C 400/ 99/18, FO 371–19 931, S. 38.Google Scholar
  102. 92.
    Sargent-Minute, 18.11.1935, FO 371–18 851, S. 52 (a).Google Scholar
  103. 93a.
    Asthon-Gwatkin, C 400/99/18, 21.11.1935/1.1.1936; er bezog sich auf Verhandlungen im Comité d’Études über einen deutsch-französischen Zollverein. Diese Beobachtungen haben eine weit zurückreichende Tradition. Zur Entwicklung der deutsch-französischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit und der Herausbildung der Gegensätze s. Jacques Bariety, Les Relations Franco-Allemandes, Paris 1977;Google Scholar
  104. 93b.
    Raimond Poidevin, Les Relations Economiques, Paris 1969. — Die Aufmerksamkeit des FO richtete sich besonders auf Verhandlungen über eine vorzeitige „Lösung“ der Saar-Frage (1930) und die Aktivitäten des deutschfranzösischen Wirtschaftsausschusses (1932);Leith-Ross an Phillips, 23.12.1932, T 177–12; ferner FO 371–14 365, S. 116 ff.; 203 ff. — Botschafter Tyrrell warnte (1930) vor der antienglischen Spitze der Loucheur zugeschriebenen Pläne; Cahill (1928) betonte das Übergewicht der sicherheitspolitischen Zielkonflikte über die gemeinsamen deutsch-französischen Wirtschaftsinteressen (23. März 1928). Die Beamten im FO — Carr, 7.2.1930, zu C 1032/ 230/18, FO 371–14 365, S. 36 ff.;zu C 1002/230/18, 28.1.1930, S. 18 ff. — urteilten, daß Deutschland sich nicht für eine „Allianz“ mit Frankreich gegen England werben ließe. Diese Fragen wurden dann anläßlich des Briand-Europaplans auf höchster Ebene in England weiterdiskutiert; C 1510/230/18,17.2.1930;C 2645/230/18, 14.3.1930; Tyrrell und Rum-bolds Gegenstellungnahme leiteten die Diskussion ein, FO 371–14 365, S. 116 ff., 203 ff.; Cab. 27–424.Google Scholar
  105. 94.
    Wigram/Sargent-Memo., §§6, 28,29; Vansittart-Memo, C. P. 42 (36), 11.2.1936, Cab. 27–599; Eden, 17.2.1936, Meeting, Cab. 27–599; FO-interne Beratungen, Sitzungsprotokolle vom 3.2. und 10.2.1936, FO 371–19 885, S. 273 f., 22 ff. Anders als Wigram/Sargent sahen Vansittart/Collier die Gefahr eines deutsch-französischen Arrangements nicht gegeben: Deutschland weise Laval’s Offerten zurück; der Linksruck in Frankreich bilde eine Barriere gegen derartige Versuchungen. Wenn England Frankreich nicht ,,hintergehe“, werde auch Frankreich keinen Alleingang nach Berlin antreten; Vansittart-Kommentar, 1.12.1935, VN ST2/24;Collier, 22.11.1935, C 8523, FO 371–18 852, S. 144 ff.; Vansittart an Eden, 20.1. 1936, C 418/4/18, FO 371–19 883, S. 168 ff.Google Scholar
  106. 95.
    Wigram/Sargent-Memo., §§ 26, 27; Cranborne, 17.3.1936, FO 800–296, S. 140. — Ähnlich lautet eine der Standardthesen Lothians, s. unten, Kap. III. Die These, England könne durch die Erklärung seiner „Neutralität“ den Anstoß zur Bildung eines „realistischen“ Kräftearrangements in „Zwischeneuropa“ geben, hatte E. H. Carr in seiner Amtszeit im FO verfochten: Memo, zur Stresa-Konferenz, 30.3.1935; s. Newman, The Origins of Munich, in: HJ, XXI/2 (1978), S. 380.Google Scholar
  107. 96.
    Wigram/Sargent-Memo., § 25. Sie antizipierten die Kritik von Vansittart und Collier, doch war für sie entscheidend, daß Frankreich und England den deutschen Durchdringungsmethoden wenig entgegenzusetzen hatten bzw. wollten.Google Scholar
  108. 97.
    Wigram/Sargent-Memo., §§ 25 ff.; Cranbome, 17.3.1936, FO 800–296, S. 139 f.Google Scholar
  109. 98.
    Wigram/Sargent-Memo., § 27; Cranborne, FO 800–296, S. 139.Google Scholar
  110. 99.
    In früheren Stellungnahmen hatten Wigram und Sargent noch die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Frankreich auf der Basis des Londoner Kommuniques vorgesehen (18.11. 1935, FO 371–18 851, S. 52, 77).Google Scholar
  111. 100.
    Wigram/Sargent-Memo., § 30.Google Scholar
  112. 101.
    Cranborne, 17.3.1936, FO 800–296, S. 140. — Die Regierung schreckte davor zurück, das Desinteresse öffentlich zuerkennen zu geben, richtete aber ihr Verhalten entsprechend ein. Hankey, Cranborne u. a. gingen davon aus, daß Frankreich seine Klientele nicht wirksam schützen könne oder wolle. Vansittart und Collier sahen keinen Grund für diese Skepsis; Minutes, 26.11.1935, FO 371–18 860, S. 137; Cranborne, 17.3.1936, FO 800–296, S. 142; Wigram/Sargent-Memo., §§ 25–27; Collier, 22.11.1935, FO 371–18 852, S. 148 f.; Vansittart, 1.12.1935, VNST 2/24, S. 5 ff.Google Scholar
  113. 102a.
    Vgl. Lothian, 29.6.1937, in: International Affairs, XVI, S. 870 ff.Google Scholar
  114. 102.
    - Ähnliche Passagen enthalten auch die Reden von Halifax, Speeches on Foreign Policy, darin: 8.4.1936, 19.11. 1936, 3.3.1937; dort findet sich auch die Gedankenverbindung: England ist primär Commonwealth-Macht; auch Deutschland würde als Zentrum eines Commonwealth (Mitteleuropa) „tolerant“ werden (,,calm down“).Google Scholar
  115. 103.
    Wigram/Sargent-Minute, §§6, 32.Google Scholar
  116. 104.
    Vansittart, der die ersten Fassungen kritisiert hatte, faßte als Amtsleiter die Ergebnisse der FO-internen Beratungen in der Kabinettsvorlage C. P. 42 (36), 11.2.1936, Cab. 27–599, zusammen; Wigram/Sargent-Memo., § 17: ,,an early attempt to come to terms with Germany can only work towards rendering it less likely that this dangerous question... will be raised in an aggressive and threatening manner. “Google Scholar
  117. 105.
    Wigram, 12.12.1935, C 8193/134/18, FO 371–18 860, S. 159 (a); vgl. Sargent, 10.2.1936, C 796/4/18, FO 371–19884, S. 22 f.;C 157/4/18, FO 371–19883, S. 114. -Nach Hitlers Drohungen — gegenüber François-Ponçet und Phipps — schien Eile geboten. Hitler hatte Luftpaktverhandlungen unter Hinweis auf die russisch-französischen Bindungen, auf wiederholte Erklärungen gegen ,,mutual assistance“ u. a. m. abgelehnt und unverhüllt die Remilitarisierung der Rheinzone angedroht; GD, C-IV, Nr. 460, 462. — Die Initiatoren glaubten, den drohenden Verlust in einen Vorteil wenden zu können, indem man das Objekt (Rheinzonen-Status) gegen eine verbesserte Auffangposition (Luft-Locarno einschl. „mutual assistance“) eintauschte.Google Scholar
  118. 106.
    Phipps’ Kommentar zum Wigram/Sargent-Memo. — 27.11.1935, C 7931/55/18, § 3c, FO 371–18 851, S. 175 ff., bes. S. 178 — stützt Sargents Formulierung (ebd., S. 175 [a]) nicht ab, denn Phipps sieht vorerst die Rapallo-Gefahr nicht. Vielmehr betont er, daß Hitler und die Generäle eine Verständigung mit England wünschten; erst wenn diese nicht zustandekomme, werde die Rapallo-Gefahr akut. Im Sinne der Sargent-Aufzeichnung hatte sich Botschaftsrat Kirkpatrick geäußert! Toynbee, dessen Berlineindrücke Th. Jones Baldwin und Eden übermittelte, gewann Ende Februar 1936 den Eindruck, daß Hitler die aus seiner Rußland-Politik folgenden Gefahren erkenne und eine Verbindung mit England einer deutschjapanischen gegen Rußland vorziehe. Hitler wolle seine Rolle als guter Europäer spielen; da Hitler England auffordere, seine Bedingungen/Interessen hinsichtlich Osteuropa zu formulieren, sahen Toynbee und Jones gute Chancen für eine englische Deutschland-Initiative; Toynbee-Aufzeichnung, 28.2.1936, an Jones, 8.3.1936, Jones MSS., Class E, Bd. 1; Jones leitete den Bericht u. a. an Dawson (Times) und integrierte dessen Inhalt in die Empfehlungen, die die Wochenendparty Lothians, an der Eden teilnahm, am 778.3.1936 Baldwin zustellte (s. Diary with Letters, S. 179 ff.).Google Scholar
  119. 107.
    England sah hinter der Umwandlung des Ostlocarno-Projekts in das französisch-russische Bündnis das Motiv, einer deutsch-russischen Annäherung zuvorzukommen. In diesem Sinne rechtfertigten auch Laval/Flandin den Pakt gegenüber London; gegenüber Berlin erweckte Laval den Anschein, als würde er den Pakt fallenlassen, falls Hitler zu einem Rapprochement bereit sei. Auf englischer Seite betonte Vansittart immer wieder, daß eine Situation eintreten könne, wie sie 1939 tatsächlich eintrat (s. unten, Kap. II). Vansittarts Position ist logisch nicht widerspruchsfrei: Auf der einen Seite betont er, daß Hitler, falls die Einkreisungsgefahr akut werde, alle anderen Dinge vergessen und sich mit Rußland arrangieren werde; auf der anderen Seite agiert er für „kollektive Sicherheit“ unter Einschluß der Sowjetunion im Sinne der Labour Party und Churchills Grand Alliance. Das Vertrauen, daß Rußland (Stalin) Hitlers , „approach“ abblitzen würde, vermochte auch Vansittart nicht aufzubringen. Minutes zu François-Ponçet/Hitler-Interview, C 7823/55/18, 21.11.1935, FO 371–18 851, S. 162 ff.; C. P. 42 (36), § 24, Cab. 27–599; Vansittart-Memo., 21.12.1936, s. Kap. II. Zu den Phasen und den Funktionen der englischen Rußland-Politik 1934—39 s. die breit angelegte Studie von Gottfried Niedhart, Großbritannien und die Sowjetunion 1934–1939, München 1972.Google Scholar
  120. 108.
    Vansittart und Collier urteilten genau umgekehrt: Falls England in den Wettlauf um die Gunst Berlins eintrete, würde Rußland diesen vor England gewinnen; Kommentar Vansittarts zu § 13 des Wigram/Sargent-Memo., VNST 2/24, S. 3; s. ferner Vansittart an Georg V., 7.11.1935.Google Scholar
  121. 109.
    Wigram, 25.11.1935, FO 371–18 851, S. 162 (a); Sargent, ebd.; Sargent, 30.11.1935, ebd., S. 175 (a); Sargent, 17.12.1935, FO 371–18 860, S. 161: „It will then [d. h. nachdem England aus der Abessinien-Krise ohne Verlust an Material und an Verbündeten herausgekommen sein würde] be a question whether in order to prevent a German-Russian rapprochement — quite apart from other reasons — we ought not to make a supreme effort to come to terms with Germany while there is still time.“ Collier erhob Einspruch gegen diese seine Abteilung empfindlich betreffenden Implikationen der vom Central Department erwogenen Deutschiand-/Rußlandpolitik (s. ebd., S. 159 [a]).Google Scholar
  122. 110.
    Sargent und Wigram halfen sich über die Klippen hinweg, indem sie den „appeasement“-Vorstoß von der Verkündung eines weiteren englischen Rüstungsprogramms abhängig machen wollten! Englische Rüstungsanstrengungen sollten Hitler ,,motivieren“, den Ausgleich mit England zu suchen. In Hitlers Drohungen sah man den Versuch, eine Maximalposition abzustecken und nicht ein Anzeichen dafür, daß Hitler keine Verhandlungslösung wünsche; Sargent, 17.12.1935, C 8198/134/18, FO 371–18 860, S. 160 f. - Im Falle von Verhandlungen — so muß man ihre Argumentation auslegen — würden keine einseitigen Änderungen des Status quo herauskommen, sondern ein ,,general European appeasement“ (im Sinne der begrenzten englischen Europa-Interessen).Google Scholar
  123. 111.
    Hankey, 1.2.1935, Protokoll S. 7, A. F. (B) (35);Simon, ebd., S. 2 f.; Vansittart,ebd.,S. 14 f., in: Cab. 21–413; FO-Memo., The Proposed Aerial Convention, CID 1166-B;Harvey-(F0) Memo., 25.1.1935, C 655/55/18, Cab. 21–413; Hankey-Note, 16.2.1935, Cab. 21–413.Google Scholar
  124. 112.
    Zu den Mühen, die Eden hatte, um die Stabsgespräche als Entschädigung für die französischen „Verluste“ in der Rheinzonen-Krise durchzusetzen, s. Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 194 ff.; Eden, S. 360 ff. — Zur Kontroverse um den Luftpakt im Februar 1935 s. COS 364=CID 1161-B, 8.2.1935, § 21, S. 14 f. Für Hankey und die Stabschefs spielte dabei eine Rolle, daß die Konzentration auf Europa (Frankreichs Ententen) das Gleichgewicht der englischen Rüstungsprogramme gefährdet hätte; Hankey-Memo., 2.2.1935, Cab. 21–413; C. P. 19(35), § 8e/f, 24.1.1935; Hankey, 1.2.1935, Protokoll, S. 11.Google Scholar
  125. 113.
    Protokoll, 1.2.1935, A. F. (B) (35), S. 11; Hankey, 2.2.35, S. 5;CID 1162-B, 14.2.1935,§§ 50, 55, in: Cab. 21–413.Google Scholar
  126. 114.
    Hankey, 1.2.35, Protokoll, S. 7; Simon, ebd., S. 2 f.;Hankey-Note, 2.2. und 16.2.1935. Die Gegendenkschrift des FO zum Hankey-Memo. betonte zu Recht, daß Hankey ebensogut gegen die bereits bestehenden Locarno-Pflichten zu Felde ziehen müßte wie gegen die Luft-locarno-Idee. Zur Verbindlichkeit der Locarno-Abmachungen für die englische Politik s. Baldwin, 1.2.1935, Protokoll, S. 10. — Für A. Chamberlain, der seit 1931 nicht mehr im Amt war, wurde Locarno nach 1933/34 — anders als für die Kabinettsmehrheit — zum verkappten englisch-französischen Bündnis; dies gilt auch für Vansittart und seine Mitstreiter, die in diesem Sinne die Luftpaktidee lancierten und verfochten. Die Forderung, Deutschland solle den übrigen Mitgliedern des Locarno-Paktes „freie“ Hand lassen, ergänzende bilaterale Beistandsabkommen zu schließen, ließ sich mit technischen Argumenten untermauern: Luftwaffenhilfe war nur möglich, wenn die Partner ihre Operationsbasen usw. kannten und vor allem schnellen Beistand zu leisten in der Lage waren. A. Chamberlain, in: Times, 7.2.1934.Google Scholar
  127. 115.
    C. P. 19 (35), § 8e, 24.1.1935. — 1936 ging es der englischen Seite nicht um die Verteidigung des Rheinzonen-Status — trotz des Wissens um den Symbolwert dieser Artikel des Versailler Vertrages und des Locarno-Vertrages —, sondern darum, „means of securing its peaceful disappearance“ ausfindig zu machen; Wigram, 9.1.1936, C 157/4/18, FO 371–19 883, S. 114; s. ferner 15.2.36, Sitzungsprotokoll, FO 371–19 885, S. 273 ff.; vgl. unten, Kap. IV, Abschn.4.Google Scholar
  128. 116.
    C. P. 19 (35), § 8e/f; Londonderry, Protokoll, 1.2.1935, S. 17; zu Belgien s. unten, Kap. IV/E und IV, Abschn. 2.Google Scholar
  129. 117.
    Simon, 1.2.1935, Protokoll, S. 19; CID 1161-B, 8.2.1935; Hankey-Memo., 2.2.1935; CID 1162-B, Hankey-Memo., 14.2.1935. — Die vom FO vorgeschlagenen Kompensationen an Frankreich — für dessen Zustimmung zur Aufhebung von Teil V des Versailler Vertrages —, nämlich Garantie des Rheinzonen-Status, Stabsgespräche betr. Implementierung des Locarno-Vertrages, blieben in den Kabinettsberatungen auf der Strecke oder wurden abgeschwächt in das Verhandlungsmandat für die englische Delegation übergeführt; Cab. 27–572, 13.12. 1934; G. R. (34) 5, §19, 14.12.1934, Cab. 27–572; C. P. 19(35), S. 3, Punkt f., 1935, Cab. 21–413.Google Scholar
  130. 118.
    A. F. (B)(35), 1.2.1935, S. 19.Google Scholar
  131. 119.
    Simon an Clerk, 19.2.1935, C 1386/55/18, § 5, Cab. 21–413; vgl. Anm. I/45. — 25.1.1935, C. P. 23 (35), Summary of Conclusions, § 40a; zum Flottenabkommen s. Hauser, England, S. 120 ff.; Haraszti, Treaty-Breakers, S. 126 ff., 181 ff. — C. P. 19 (35), § 7, § 8c: „The British negotiators should not allow themselves to be persuaded that this [d. h. Ostlocarno] was an essential part of the negotiations with Germany.“ England wollte die von Deutschland angebotene Option, Nichtangriffspakte (bilaterale-!) abzuschließen, offenhalten bzw. zwischen diesem deutschen Prinzip und dem französischen Prinzip bilateraler Beistandspakte eine Kombinationsmöglichkeit eruieren. C. P. 6 (35), 9.1.1935;C. P. 19 (35), § 3, 24.1.1935, in: Cab. 21–413; Cab. 3 (35), 10.1.1935; Cab. 4(35), 14.1.1935, in: Cab. 23–81; 12.1.1935, R 318/1/67, Cab. 21–413; (Bericht über das Genfer Treffen Simon/Laval zum Komplex „Ostlocarno/Revision des Teils V des Versailler Vertrages“). Zum englischen Lösungsmodell vgl. auch Edens Formel (27.7.1936, HofC): „to attempt to create out of the era of difficulty an era of opportunity.“Google Scholar
  132. 120.
    Hankey, 2.2.1935, Memo., S. 6; Hankey, 14.2.1935, CID 1162-B, §§ 50, 55; A. F. (B) (35), 1.2.1935, S. 7 ff., in: Cab. 21–413; Simon-Memo., 29.11.1934, G. R. (34) 3, § 6.Google Scholar
  133. 121.
    Hankey, Protokoll, 1.2.1935, S. 16; Hankey-Memo., 2.2.1935, S. 6, Cab. 21–413.Google Scholar
  134. 122.
    Hankey, Protokoll, 1.2.1935, S. 18; Simon, ebd., S. 19.Google Scholar
  135. 123.
    Die „Missionen“ von Jones, Lothian, Lloyd George, Allen, Lansbury u. a. waren keine Sondierungen im Auftrag der Regierung; freilich kamen Lothians Berlin-Besuch Ende Januar 1935, auf den er sich durch Aussprachen mit Baldwin, Simon, Botschafter Clerk (Paris) u. a. vorbereitete (und anschließend berichtete), und das Treffen Jones/Lloyd George mit Hitler im September 1936 als „Ersatz“ für das Hitler/Baldwin-Treffen einer offiziösen Mission sehr nahe. — Die Kontakte zwischen den Militärattaches und die Milch-Missionen weckten den Argwohn des FO. Die Gespräche, die Ashton-Gwatkin 1935–38 in Berlin führte (s. unten Kap. IV), hatten nicht viel Gewicht, da die Wirtschaftsministerien vorher ihren Widerstand gegen die Ideen der Economic Section des FO artikuliert hatten. In der Kolonialfrage gingen die Sondierungen am weitesten, doch war die Entscheidung des Kabinetts vom Sommer 1936 bis Anfang 1938 „offen“; s. Parker, in: Hauser (Hrsg.), Weltpolitik, S. 73 ff.Google Scholar
  136. 124.
    A. Chamberlain an Tyrrell, 8.2.1929, FO 800–263, S. 328 f. Zu den englisch-amerikanischen Beziehungen 1917—20 s. die Hab iL-Schrift des Verf.; s. ferner Parrini, Heir to Empire; Abrahams, The Foreign Expansion of American Finance; Artaud, La Question des Dettes Inter-allies; zur Washington-Konferenz s. besonders Fry, Illusions of Security; zur Dawes-Plan-Phase s. generell Link, Amerikanische Stabilisierungspolitik; Leffler, American Policy Making; Jacobson, Locarno Diplomacy; Costigliola, Anglo-American Financial Rivalry. — In den folgenden Punkten geht es nur darum, Themen der englischen Europapolitik anzuschlagen, nicht aber um eine erschöpfende oder zusammmenfassende Behandlung der Fragenkomplexe. Die Darlegungen sollen einen Einblick in die Problemlage und den innerenglischen Diskussionsstand über bestimmte, für die dreißiger Jahre wichtige Themen geben; deshalb sind die Zeugnisse eher Illustration als Ausführung. Einen guten und knappen Überblick liefert Sally Marks, The Illusion of Peace. International Relations in Europe 1918–1933, London 1976.Google Scholar
  137. 125.
    Vgl. P. Roskill, Naval Policy, Bd. 1, S. 21 ff.; Dayer, British War Debts; Costigliola, Anglo-American Financial Rivalry.Google Scholar
  138. 126.
    Neben der amerikanischen Konkurrenz faßte der Vorschlag auch die in Deutschland und in Frankreich praktizierte Kooperation zwischen Außenministerium, Zentralbank, Bankenkonsortien und Industrie(-kombinate)n ins Visier: FO-Notes on British Industry and the Fiscal and Banking Policy of this Country (Central Department), 20.2.1929, von A. Chamberlain als Kabinettspapier zirkuliert, C. P. 64 (29) = W 1846/1846/50, FO 800–263, S. 436 ff.; s. bes. Memo., S. 2, 7. In diesem Zusammenhang spielte auch eine Rolle, daß amerikanische Banken die Einflußzonenpolitik Poincares und der Bancque de France finanzieren halfen, s. Norman-Memo., 4.2.1928, §§ 6–10, T 1754. Zu Hoover als Widersacher der internationalistisch-pro-englischen Kräfte (Lamont, Strong) s. Dayer, British War Debts, S. 586 ff.; Boyce, Britain’s First „No“, S. 28 ff.Google Scholar
  139. 127.
    Sargent, 13.2.1930, C 1258/230/18, FO 371–14 365, S. 74 f. Vansittart schloß sich dem Urteil Sargents an, ebd., S. 75; ähnlich äußerte sich Sargent gegenüber Botschafter Rumbold, 24.2.1930, C 1358/230/18, FO 371–14 365, S. 113.Google Scholar
  140. 128.
    Vgl. Brüning, Memoiren, S. 199; Link, Stabilisierungspolitik, S. 491 ff.; Bennett, Financial Crisis, S. 22, 26; Rumbold an A. Henderson, 31.10.1930, FO 800–282, S. 131 ff., Bericht über das Gespräch mit Curtius: Die deutsche Regierung werde die der NS-Bewegung unterliegenden Triebkräfte (Verbesserung der deutschen Position nach innen und außen) übernehmen müssen. Spekulationen über eine eventuelle Spaltung der NSDAP dämpften die Befürchtungen; s. DBFP, I, S. 520 ff.; FO-Minutes zu: Rumbold an FO, 24.10.1930, C 7997/ 140/18, FO 371–14 364, S. 218; C 8128/140/18, ebd., S. 234 (31.10.1930).Google Scholar
  141. 129.
    23.11.1928, Selby-Memo. (betr. englisch-amerikanische Beziehungen, deutscher Nationalismus, englischen Handlungsspielraum in Europa und Erinnerung an Grey’s Außenpolitik vor 1914), in: FO 800–263, S. 67–72.Google Scholar
  142. 130.
    Sie unten, Kap. „Economic Appeasement“. — Diese Linie entsprach auch dem französischen Standpunkt in den bilateralen deutsch-französischen Verhandlungen 1929/30 (Briand-Plan) und in den dreißiger Jahren unter Laval/François-Ponçet/Flandin.Google Scholar
  143. 131.
    FO-Minutes, Mitte August 1930, C 6393/230/18, 13.8.1930; FO 371–14 366; ferner FO 371–14 365, S. 117 ff., 74 ff. Die Frage stand im Zusammenhang mit Thoiry sowie in der Vorgeschichte des Young-Plans zur Diskussion, aber für die englische Außenpolitik war sie, solange die Außenpolitik in Stresemanns Händen lag, ein ,,bargaining weapon“ in deutscher Hand.Google Scholar
  144. 132a.
    Zur abweichenden Auffassungs. Rass, Britische Außenpolitik, S. 124 f. Zur deutschen Aufrüstungspolitik (besonders unter Schleicher) s. Michael Geyer, Aufrüstung oder Sicherheit? Die Reichswehr und die Krise der Machtpolitik, Diss., Freiburg 1976;Google Scholar
  145. 132b.
    Berenice A. Carroll, Design for Total War, Den Haag 1968; s. ferner die Studien von Vogelsang, Reichswehr; Castellan, La réarmament clandestine; Benoist-Mechin, Histoire de l’armée allemande.Google Scholar
  146. 133.
    Korrespondenz A. Chamberlain/Tyrrell/Rumbold, 30.1.–20.2.1929, in: FO 800–263, S. 261 ff., 328 ff., 334 ff., 345 ff., 380 ff.Google Scholar
  147. 134.
    A. Chamberlains politisches Konzept bestand darin, ,,to keep in step with France, while conducting an orderly retreat from the Treaty of Paris“ (Percy, S. 133 f.). Zum Komplex Rheinland-Räumung/Reparationen/Anwendung bzw. Ausbau des Art. 213 des Versailler Vertrages sowie zur innerenglischen Kritik an A. Chamberlains Außenpolitik s. Jacobson, Locarno Diplomacy, S. 241 ff.Google Scholar
  148. 135.
    A. Chamberlain an Crewe, 8.5.1928, FO 800–262, S. 383; vgl. Jacobsen, Locarno Diplomacy, S. 187 ff.Google Scholar
  149. 135.
    a Vgl. Anm. IV/16.Google Scholar
  150. 136.
    Zur Ten Years’ Rule s. unten, Kap. IV; Hankey, 2.7.1928, Imperial Defence Preparations: The Basis of Service Estimates, C. P. 232 (28), Cab. 24–196; Hankey, 24.7.1936, Aufzeichnung für Baldwin über die Geschichte der Ten Years’ Rule, Cab. 21–437 (Vorbereitung auf die Defence Deputation); Dennis, Decision by Default, S. 18 f.; Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 3 ff., 44 ff., 69 ff.Google Scholar
  151. 137.
    Zu Inskip s. Shay, British Rearmament in the Thirties, S. 215 f.; Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 471 ff.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 916 ff.; R. F. V. Heuston, Lives of the Lord Chancellors, 1885–1940, Oxford 1964, Kap. VI. Eine deutliche Aufwertung erfährt Inskip vor allem durch die von Gilbert zitierten Zeugnisse aus dem Churchill-Nachlaß, Winston Churchill, Bd. V.Google Scholar
  152. 138.
    29.4.1936, Cab. 23–84. — Eden hatte eine Debatte über die Verbindlichkeit des Prinzips kollektiver Sicherheit (Völkerbundspflichten und Völkerbundsreform) initiiert. — Zum Folgenden s. insbes. die regierungsinternen Vorbereitungen auf die Defence Deputations vom 28729.7.1936 und 23.11.1936; Cab. 21–437/438; Protokoll, 23.11.1936, S. 32 ff. (Inskip); WO-Memo., Oktober 1936, Cab. 21–437; die Zeugnisse und die Anlässe sind ausführlich zitiert bei Gilbert, Churchill, Bd. V, S. 768 ff., 761 f. — Inskip griff die von Eden angeregte Debatte mit dem Ziel auf, die militärischen Dispositionen betreffs des Abessinien-Konflikts aufzuheben. Er wertete sie als Störfaktor für die Durchführung der Aufrüstungs-programme. Seiner Meinung nach war die Situation nach den Erfolgen der Diktatoren in der Rheinzonen- bzw. Abessinien-Krise ein zwingender Grund, die Grundlagen der englischen Sicherheits- und Außenpolitik zu überprüfen. Da Inskip nicht mit schnellen Erfolgen bei der Realisierung der Aufrüstungsprogramme rechnete — wegen der Engpässe und der Priorität gesellschafts- und wirtschaftsordnungspolitischer Gesichtspunkte —, konnte sein Vorstoß nur heißen, die außenpolitischen „commitments“ an den verteidigungspolitischen Möglichkeiten zu orientieren; hier liegt die Basis für sein Zusammenwirken mit dem Schatzamt 1936/37.Google Scholar
  153. 139.
    Zur Geltungsdauer der einzelnen Rüstungsprogramme, zur Umkehrung der Prioritäten und zur Abhängigkeit der Rüstungsplanung von der Entwicklung der internationalen Beziehungen sowie der innenpolitischen Konstellation s. unten, Kap.,,Politisches System“. — Einen informativen Überblick geben die Beiträge von Gibbs und Parker in: Forstmeier/Volkmann (Hrsg.), Wirtschaft und Rüstung am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, sowie im Detail Gibbs; Dennis; Meyers; Higham; Shay; Collier; Hancock-Gowing.Google Scholar
  154. 140.
    Inskip, 29.5.1936, Cab. 23–84, S. 243 f.;s. auch Pownall-Diary, S. 96. — Eden (Cab. 23–84, S. 252) machte den Vorschlag, Frankreich mitzuteilen, daß England in keinem Falle seine „commitments“ anläßlich der Völkerbundsreform erweitern könne; Inskip empfahl, die englischen Verpflichtungen auf Westeuropa zu beschränken. Die englische Regierung ging nicht auf französische Forderungen ein, das englische Bekenntnis zur Unabhängigkeit Belgiens durch definitive Abmachungen zu unterstreichen; Frankreich erklärte, es könne Belgien erst wirkungsvoll beistehen, wenn es die englischen Engagements kenne (s. Petibon/ Beaumont-Nesbitt, 20.3.1936, Clerk an FO, 21.3.1936, FO 2203/4/18, FO 371–19 896, 197 ff.). Den Hintergrund bildet die Kündigung des französisch-belgischen Militärvertrages Anfang März 1936 durch Belgien und der sich ankündigende Rückzug Belgiens vom Locarno-Vertrag zum Neutralitätsstatus. Zur belgischen Außenpolitik der dreißiger Jahre s. Kieft, Belgium’s Return to Neutrality; de Launay, Histoire contemporaine.Google Scholar
  155. 141.
    Siehe unten, Kap. IV.Google Scholar
  156. 142.
    Zu Hankeys Haltung gegenüber Frankreich und Fishers Einstellung zu den USA s. unten, Kap. II. — Die nachfolgenden Ausführungen weichen von anderen Interpretationen dadurch ab, daß sie erstens Appeasement nicht als bloße Reaktion auf Hitlers ,,Coups“ deuten, zweitens Appeasement Deutschlands als eine Option darstellen, die ihr Gegenstück in der Beschwichtigungspolitik gegenüber einem anderen Herausforderer (Italien, Japan) findet. So sehr sich der Verf. gegen eine uferlose Ausweitung des Appeasement-Begriffs — unter Gesichtspunkten der Forschungsstrategie — wendet, so sehr ist er der Ansicht, daß die Problematik der Appeasement-Politik nur aus den Zielkonflikten zu verstehen ist, a) gegen wen und mit welchen Mitteln England auf einen Konflikt vorbereitet sein müsse (Abschrek-kungsfunktion der Aufrüstungsprogramme), b) wen es auf diplomatischem Weg mit besseren Aussichten auf Erfolg beschwichtigen, d. h. zum Stillhalten, veranlassen könne, c) gegen wen andere Mächte einen Schutzwall errichten. Je geringer die Gruppen das englische Interesse in der von Deutschland bzw. Japan ,,zuerst“ bedrohten Region einschätzten (Mittel-, Südost-Europa bzw. China), desto eher konnte die Beschwichtigungspolitik zu „Appeasement“ im pejorativen Sinn abgleiten — falls die am meisten betroffenen Größmächte (Frankreich bzw. USA) nicht Flagge zeigten.Google Scholar
  157. 143.
    CID, 261. Sitzung, 9.11.1933; Cab. 62 (33) 5,15.11.1933,Cab. 23–77, C. P. 64 (34), Most Secret Report of the DRC; 14.3.1934, Cab. 23–78, S. 267 ff.: „no intention to incur expenditure on measures of defence required to provide exclusively against attack by the United States, France or Italy“; s. ferner 31.7.1934, Cab. 23–79, S. 357 ff. sowie S. 372 ff., den Zusatz „that defences are not allowed to fall so far behind that it will be impossible to bring them up to date to a suitable standard in time to meet changes in the political situation.“ Report des Ministerial Committee, C. P. 205 (34), §§4, 6, Cab. 24–250. — Siehe im einzelnen Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 86 f.; Dennis, Decision by Default, S. 34–45; Meyers, Britische Sicherheitspolitik, S. 90 ff.Google Scholar
  158. 144.
    a Zu den Änderungen in den Richtlinien Italien betreffend s. Eden, S. 479 ff.; Hancock/Gowing, British War Economy, S. 64; Meyers, Britische Sicherheitspolitik, S. 102 ff.; Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 386 ff.; D. Watt, Britain, France and the Italian Problem; Pratt, East of Malta. Zur englischen Politik im Abessinien-Konflikt s. besonders Marder, The Royal Navy, in: AHR, Bd. LXXV/5 (1970);Google Scholar
  159. 144.
    b Parker, Ethiopian Crisis 1935/36, in: EHR, Bd. 89 (1974); Funke, Sanktionen und Kanonen.Google Scholar
  160. 145.
    N. Chamberlain, 11.2.1937, Cab. 2–6/2, S. 430 f.; Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 386 (betr. ,,up to date“-Bringen).Google Scholar
  161. 146.
    N. Chamberlain, 11.2.1937, CID, Cab. 2–6/2, S. 430 f. Ähnlich hatte N. Chamberlain 1934 argumentiert, als er die Chancen eines Ausgleichs mit Japan testen wollte (s. Anm. I/188 ff.). — In der Phase vor der Rheinzonen-Krise verlangte das FO gleichfalls „Dämpfungsmaßnahmen“ — Einwirken auf die Presse, keine Importrestritkionen usw. —, kam aber in den Wirtschaftsfragen nicht durch; s. C. 998/4/18, 15.2.1936, FO 371–19 885, S. 276.Google Scholar
  162. 147.
    Zur englischen Rußland-Politik s. besonders die Arbeiten von Niedhart; vgl. unten, Kap I, Abschn. 9. Ein Pendant dazu ist Roosevelts Einstellung (vor 1941) zur Sowjetunion; s. dazu Hillgruber, Der Zenith des Zweiten Weltkriegs Juli 1941, S. 26.Google Scholar
  163. 148.
    C. P. 64 (34), Hankey-Committee-Report; Cab. 23–78, 14.3.1934, S. 268. Zum Folgenden s. ausführlicher Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 120 ff., 124 ff., 256 ff., 86 f., 94 ff.; für die Periode 1937—39 s. B. A. Lee, Britain and the Sino-Japanese War 1937–39, Stanford 1973; Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 144 ff.; Thorne, The Limits of Foreign Policy; Leutze, Bargaining for Supremacy.Google Scholar
  164. 149.
    In seinen Literaturberichten — MGM 1971 und 1973 — hat der Verf. das Problem in historischer Perspektive anzudeuten versucht. Meyers hat diese Fragestellung aufgegriffen und ausgebaut. Der Verf. hat daher die umfangreichen Vorstudien auf die nachfolgend ausgewählten Aspekte reduziert. Die Schlüsselzeugnisse sind zitiert von: Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 86 f., 94 ff., 287 f., 293 u. a. O.; Watt, Personalities; Thorne, Approach of War; ders., The Limits of Foreign Policy; ders., Allies of a Kind; Meyers, Britische Sicherheitspolitik; Barnett, Collapse of Power.Google Scholar
  165. 150.
    Zur 1931/33-Krise s. die auch vom methodischen Ansatz her interessante Studie von Thorne, die gute Einblicke in die englische und die amerikanische Politik sowie die daraus resultierenden anglo-amerikanischen Beziehungen gewährt. Die Atmosphäre, um Beistandsabkommen zu diskutieren, bestand erst im Winter 1937/38. Die Fühlungnahmen im Frühjahr 1937 (Chamberlain, Morgenthau, Davis) scheiterten an den unterschiedlichen Ausgangspositionen. Zu den Flottenverhandlungen 1937/38 s. Roskill, Hankey, S. 309 f.; Pratt, The Anglo-American Conversations on the Far East of January 1938, in: International Affairs, Bd. 47/4 (1971); Leutze, Bargaining for Supremacy, Kap. 1–3; Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 144 ff.; Offner, American Appeasement, S. 195 ff. Die Annahme, daß England auf US-Unterstützung nicht rechnen dürfe, so entscheidend sie auch sein würde, teilten Liddell Hart, H. Nicolson und andere Teilnehmer einer Konferenz im All Souls College (18.12. 1937, Protokoll, Nicolson-Nachlaß); das veröffentlichte Tagebuch geht auf die wichtige „private“ Konferenz nicht ein.Google Scholar
  166. 151a.
    Zur Position Baldwins s. die Zeugnisse bei Middlemas/Barnes, Baldwin, S. 762 ff., 767 ff., 876; N. Chamberlain-Simon-Korrespondenz Februar/Oktober 1934, Simon-Nachlaß; vgl. E. Segal, Sir John Simon, Berkeley 1969. Für die Stabschefs war die Beschwichtigung Japans oder Deutschlands ein leitender Gesichtspunkt. — Die Dominions stellten in strategischer und verteidigungspolitfscher Hinsicht eher ,,liabilities“ als „assets“ dar; das gilt auch für den Rüstungssektor (s. bes. Hall, North American Supply, S. 2 f., 10 ff.; Barnett, Collapse of Power, S. 204 ff., 218 ff., 504 ff.) — Die Dominions waren von der Weltwirtschaftskrise (und der Agrarabsatzkrise in den zwanziger Jahren) stärker als England betroffen. Die Auslandsverschuldung — besonders Australiens — war so groß, daß die Frage zu einem Hauptfeld der außenpolitischen Aktivität der australischen Regierung wurde. Industrielle Kapazitäten, die sich auf Rüstungszwecke umstellen ließen, waren nur begrenzt Vorhanden. Die Vorbehalte gegenüber der englischen Außenpolitik waren ebenso ausgeprägt wie die Aversion gegen eine von London inspirierte imperiale Strategie. Zu diesem Problemkreis s. als Überblick Meyers, Britain, Europe and the Dominions in the 1930’s, in: Australian Journal of Politics and History, XXII (1976), S. 36–50;Google Scholar
  167. 151b.
    R. Tamchina, In Search of Common Causes. The Imperial Conference 1937, in: The Journal of Imperial and Commonwealth History, I (1972/73), S. 79–105; s. ferner Ovendale, „Appeasement“; Louis.Google Scholar
  168. 152.
    Lothian-Bericht über Interview mit Roosevelt, 10.10.1934, in: Lindsay an FO, 12.10.1934, F 6784/591/23, FO 371–18 184, S. 383 (Roosevelts Haltung gegenüber England sei ähnlich der Englands gegenüber Frankreich).Google Scholar
  169. 153.
    Zum Folgenden s. Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 94 ff., 126 ff.; CID, Defence Requirements Sub-Committee, Report, 28.2.1934, C. P. 64 (34); Cab. 21–434; Ministerial Committee on Defence Requirements, Report C. P. 205 (34), 31.7.1934, Cab. 24–250; D. C. M. (32), 50.–55. Sitzung, Cab. 16–110; Barnes-Middlemas, Baldwin, S. 760 ff.Google Scholar
  170. 154.
    Vgl. Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 96. Die Argumentationsstruktur ist daher in vielen Punkten ähnlich. Die Doppelstrategie „rearmament and removal of causes which are delaying the return of confidence“, gilt in beiden Fällen; zu den „vertrauensbildenden Maßnahmen“ gehört die englische Bereitschaft, „peaceful change“ zu vermitteln, s. unten, Anm. 184,185.Google Scholar
  171. 155.
    W. Fisher und N. Chamberlain vertraten diese Linie; s. dazu Watt, Personalities, S. 96 ff., 100 ff.; Shay, S. 32 f.; Gibbs, S. 120 ff.; s. Anm. II/31 (betr. CIGS); Feiling, S. 253 f.Google Scholar
  172. 156.
    Hauptvertreter dieser Ansicht war die Admiralität, s. unten, Kap. II. Zum Two-Power-Standard s. Gibbs, S. 117 ff., 286 f., 318 ff.; Shay, S. 82 f., 142; Barnett, S. 414, 519; Postan, S. 26 ff.; Roskill, Naval Policy, Bd. II, S. 194 ff.; DRC, 3. Report, DRC 37, Nov. 1935.Google Scholar
  173. 157.
    N. Chamberlain, 9.11.1933, CID, 261. Sitzung, Cab. 2–6; s. ferner Gibbs, S. 120 ff., 256 f., 86 f., 94 ff. Zur Frage der englischen Japan-Politik s. Hankey an N. Chamberlain, 30.10. 1933, Cab. 21–369; Hodsoll an Hankey, 3.12.1934, Cab. 21–398; Louis, S. 207 ff. Die Wechselwirkung zwischen Fernost- und Europapolitik als Erklärungsfaktor der Appeasement-Strategie wird besonders deutlich hervorgehoben von David Dilks, Unneccessary War, in: Preston (Hrsg.), General Staffs, S. 102, und R. John Pritchard, The Far East, in: Millennium, II (1973), S. 21. Pritchard zeigt, daß für N. Chamberlain vor 1937 Japan als verhandlungswilliger galt. Um die japanische Gefahr zu bannen, habe man nach 1937 ein ,,settlement“ mit Deutschland in Europa angestrebt.Google Scholar
  174. 158.
    Der amerikanische Kapitalmarkt spielte für Australien in den zwanziger Jahren eine größere Rolle als London; die Bank von England ermunterte die Dominions, in New York Anleihen aufzulegen. Zur englischen Politik in diesen Fragen s. Moggeridge, Return, S. 206 ff.; Sayers, Bank of England, I; zu den australisch-amerikanischen Beziehungen s. Esthus, From Emnity to Alliance.Google Scholar
  175. 159.
    Hankey an Chamberlain, 30.10.1933, Cab. 21–369. — Zu den kontroversen Positionen in der englischen Japan-Politik s. bes. die Studien von Thorne und Trotter.Google Scholar
  176. 160.
    Monsell vertrat die von N. Davis geäußerte These, stieß aber auf N. Chamberlains Gegenwehr; s. Hodsoll an Hankey, 3.12.1934, Cab. 21–398. Zum Folgenden s. Hankey an R. MacDonald, 3.8.1934; Hankey an Chamberlain, 30.10.1933; Watt, Personalities, Essay 4; Simon/Chamberlain-Memo., C. P. 223 (34) vom 16.10.1934, Cab. 27–597.Google Scholar
  177. 161.
    N. Chamberlain, 19.3.1934, Cab. 23–78, S. 295; CID, 22.11.1934, Cab. 2–6/1, S. 157.Google Scholar
  178. 162a.
    W. Runciman/N. Chamberlain-Memo., P. E. J. (35) 2 vom 3.3.1935, Cab. 27–596 (Committee on Political and Economic Relations with Japan, 18.2.–4.6.1935). Vgl. Weinberg, S. 204; S. Olen Agbi, British Imperial Defence and Foreign Policy in Asia and the Pacific, and the Impact of Anglo-Japanese Relations 1937–41, Ph. D., Birmingham 1975;Google Scholar
  179. 162b.
    ders., in: HJ, XXXI/1 (1978), S. 176.Google Scholar
  180. 163.
    Betr., early move“-Inititativen gegenüber Deutschland, s. Anm. I/79.Google Scholar
  181. 164.
    Diese Diskussionen spielten sich im englischen Kabinett 1934 ähnlich ab wie 1934–37 über Deutschland. Zum Ringen zwischen Smuts/Lothian/Simon und N. Chamberlain s. Watt, Personalities, Essay 4; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 775 ff.; Trotter, Britain and East Asia.Google Scholar
  182. 165.
    Das betrifft auch den Disput, ob die Ursachen des ,,Militarismus“/Expansionismus in wirtschaftlichen Schwierigkeiten lägen oder politischen Faktoren (Rassenideologien, Machtansprüchen) zugeschrieben werden müßten; s. Louis, British Strategy, S. 219.Google Scholar
  183. 166.
    Runciman-Chamberlain-Memo., P. E. J. (35) 2, 3.3.1935, Cab. 27–596. — Im Unterschied zu den disparaten und schwachen englischen Interessen an den mittel-südost-europäischen Märkten (Griechenland ausgenommen) war die China-Lobby lange Zeit „vor Ort“ sowie in London eine wirksame Einflußgruppe. In diesem Punkt hinkt der Vergleich. Zum englischen Chinahandel, Englands Finanzinteressen in China und zum Einfluß der China-Lobby auf die britische Fernostpolitik s. Louis, British Strategy, S. 214 ff.; Endicott, Diplomacy and Enterprise; Gull, British Economic Interests in the Far East; C. F. Remer, Foreign Investments in China, New York 1933; Leith-Ross, Kap. 15. Das Board of Trade — P. E. J. (35) 3, 13.5.1935, Cab. 27–596 — setzte sich dafür ein, daß die englische Regierung durch eine klare Chinapolitik mithelfe, daß die geschlossene Front der englischen Firmen in China wiederentstehen könne; China sollte nicht den japanischen Ratgebern ausgeliefert werden. Zur amerikanischen Chinapolitik, in der die Kontroversen ähnlich verliefen, s. L. C. Gardner, Economic Aspects of New Deal Diplomacy, Madison 1964.Google Scholar
  184. 167a.
    Zur China-Lobby s. Endicott, Diplomacy and Enterprise, S. 86 ff.Google Scholar
  185. 167b.
    Agbi (in: HJ, XXXI/1 (1978), S. 173–179) hat, gestützt auf FO 371–20 277/20 279 und FO 371–21 029, die Gründe zusammengefaßt, warum das FO/Eden 1936/37 auf japanische Rapprochementge-suche (Botschafter Joshida) zurückhaltend reagierten.Google Scholar
  186. 168.
    Cab. 23–79, 31.8.1934, S. 354 ff. (Monsell); Cab. 23–78, 19.3.1934, S. 295 (N. Chamberlain).Google Scholar
  187. 169.
    Daß die englischen Flugzeugtypen ungeeignet waren, die von der Trenchard-Doktrin vorgesehene Offensiv-Aufgabe zu erfüllen, ergab eine Untersuchung im Spätsommer 1937; s. dazu Slessor, The Central Blue, S. 204 ff. Zu den Prioritäten im Flugzeugbau s. Frankland/ Webster (S. 65 ff., 91 ff.); Higham; Gibbs; Dempsey-Wood; D. C. Watt, Too Serious a Business. Zur Frage der Aufmarschbasis im Fernen Osten s. CID, 22.11.1934, Cab. 2–6/1, S. 157; s. ausführlich Gibbs, Kap. IX. Zur Frage der Operationsbasis in Belgien und Frankreich für die RAF s. Cab. 23–79, S. 217 ff. Das Problem, durch die Neutralität Hollands kompliziert, war ein Dauerthema in den CID-Beratungen.Google Scholar
  188. 170.
    Hinsichtlich des „Krisenjahrs“ 1936 s. COS 364, 8.2.1935 = CID 1161-B, § 16, S. 3 f.; CID 1187-B, 29.4.1935; DCM (32), Sitzung vom 7.6.1935. Auch für die Luftwaffe war 1936 wegen der Vorverlegung des Zieljahres von 1939 auf 1937 und der dadurch bedingten Umstellungen ein kritisches Jahr: Swinton, 20.5.1935, Cab. 27–508; 22.11.1934, Cab. 2–6/1, S. 155 f. (Marine); vgl. besonders D. C. Watt, Too Serious a Business, S. 128 ff.Google Scholar
  189. 171.
    22.11.1934, CID, Cab. 2–6/1, S. 157, 266. Meeting.Google Scholar
  190. 172.
    Eden-Bericht, 29.1.1936, Cab. 23–83; Monsell/Pietri-Gespräch, Cab. 23–83; S. 47 f.; den Hintergrund bilden deutsch-japanische Militärkontakte und entsprechende Berichte aus Tokio an das FO, s. im einzelnen Hauser, England und das Dritte Reich, S. 172. — Swinton, 20.5.1935, Cab. 27–508; WO, 8.3.1936, FO 371–19 888, S. 38; COS-Report über Sitzung vom 12.3.1936, im Kabinett beraten am 18.3.1936; Ministersitzung, 13.3.1936 (Locarno-Krisenausschuß) Cab. 27–603; 22.11.1934, Cab. 2–6/1, S. 155 ff.; Stresa-Briefing, 8.4. 1935, Cab. 23–81, S. 290 f.; CID 1187-B, 29.4.1935; D. P. R., 19. Sitzung, 3.3.1936. — Daß die japanische Gefahr momentan größer einzuschätzen sei, äußerten Hankey/Baldwin in der 50. Sitzung des Ministerial Committee on Disarmament anläßlich der Beratung über den Bericht des Hankey-DR-Committee, 24.6.1935, D. C. M. (32), Cab. 16–110; Bruce — 9.11.1933, CID, 261. Sitzung, Cab. 2–6/1 — war der gleichen Ansicht. Den Blick auf Japan zu lenken, geschah meist in Verbindung mit Beratungen über eine Beteiligung an französischen Ost-Initiativen. England müsse mit einem deutsch-japanischen Pakt als Reaktion auf ,,Einkreisungs“-manöver rechnen; im Fernen Osten würde England auf keine Unterstützung seitens Frankreichs und seiner Klientel zählen dürfen. Dieser Punkt wurde vor ,,Stresa“ und in der Rheinzonen-Krise sowie 1937/38 herausgestrichen; vgl. Gibbs, S. 124 ff.; Shay, S. 41; Emmerson, S. 139; Cowling, S. 168 ff. (betreffs der Debatte im Herbst 1937). — Deutschland wurde zwar ab Mitte 1934 als Hauptfeind identifiziert, gegen den sich die Rüstungsmaßnahmen in erster Linie richten müßten, doch die Erwartung, daß Japan ab 1936 seinen Vorsprung auf einige Zeit würde ausbauen können, während mit Deutschlands Herausforderung (im Westen) erst 1938/39 zu rechnen wäre, hielt die Situationseinschätzung offen. Dabei spielte auch eine Rolle, daß man eine deutsche Aktion für wahrscheinlicher hielt, wenn Italien oder Japan anderswo eine Krise ausgelöst hätten; mit dem Ausbruch des chinesisch-japanischen Krieges im Sommer 1937 wurde die Debatte in England wiederbelebt.Google Scholar
  191. 173.
    Eden-Bericht, 29.1.1936, Cab. 23–83;Monsell über seine Gespräche mit dem französischen Marineminister Pietri, ebd., S. 47 f.Google Scholar
  192. 174.
    14.3.1934, Cab. 23–78, S. 270 f. (N. Chamberlain).Google Scholar
  193. 175.
    Der von Simon und N. Chamberlain stellvertretend ausgefochtene Richtungsstreit, der sich in mehreren Etappen über das Jahr 1934 erstreckte, wurde begleitet von „appeasement“-trächtigen Ausführungen des Privatsekretärs des Außenministers, Granville, gegenüber Rosenberg/Hitler, während Chamberlain seine Präferenz durch Kontakte mit dem japanischen (Sonder-)Botschafter in London zum Erfolg zu bringen suchte — s. Granville an Simon, zit. auch bei Weinberg, S. 202, Simon-Nachlaß; über Chamberlains Aktivitäten s. Watt, Essay 4. Ein deutsch-japanisches Rapprochement als Folge einer „harten“ Reaktion Englands in der Krise befürchtete auch das FO, Memo., 12.3.1936, Cab. 27–603.Google Scholar
  194. 176.
    Im Winter 1937/38 betonte N. Chamberlain in den Auseinandersetzungen zwischen den Stabschefs und dem FO, daß England die japanische Gefahr nicht ignorieren dürfe; für ihn folgte daraus die Berechtigung, mit Deutschland oder Italien einen Ausgleich anzustreben. Die Fernostpolitik wurde - vor Juli 1937 (Ausbruch des Krieges in China) — viel stärker dem FO überlassen als die Deutschlandpolitik; das FO lehnte es ab, chinesische Interessen zu verletzen, um Englands Position im Fernen Osten von Japans Gnaden zu behaupten; s. Agbi, in: HJ, S. 173. — Die wirtschaftlichen Fragebereiche standen im Zeichen der Interessenwahrnehmung — dies ist das Ergebnis der Studien von Lee, Sino-Japanese War; Trotter, Britain and East Asia; Endicott, British China Policy; Louis, British Strategy. Zu den Gründen zählt, daß England im Fernen Osten gegen den japanischen Expansionismus stärkere Gegenkräfte (USA, UdSSR) wirken sah; daß die japanische Politik zwischen anti-russischer, anti-amerikanischer und anti-britischer Orientierung schwankte; daß die pro-japanischen Appeaser in der Regierung und in der Konservativen Partei keine tragfähige Koalition schmieden konnten. N. Chamberlain war nach der „Niederlage“ im Herbst 1934 nicht mehr als Exponent aufgetreten, wenn er auch von japanischer Seite als Anlaufstelle für Rapprochement-Angebote (1936/37) betrachtet wurde.Google Scholar
  195. 177a.
    Lothian an House, 20.11.1934, GD 40–17, Bd. 200;Google Scholar
  196. 171b.
    Lothian an Garvin, 16.11.1934, ebd.***GD, Bd. 282; Lothian an L. Curtis, 8.11.1934, Bd. 281; Lothian an Dafoe, 27.11.1934, Bd. 281; s. auch Barnes-Middlemas, Baldwin, S. 784 ff. Lothian sah zu diesem Zeitpunkt (bis etwa Mitte 1937) Frankreich und dessen Klientel durch Deutschland nicht ernsthaft bedroht; daher sollte die englische Regierung die Chance nutzen, im Fernen Osten mit den USA eine Solidargemeinschaft aufzubauen, die sich später auch bei der Erhaltung des Friedens in Europa bewähren könne. Freilich dürfe die Annäherung an die USA nicht soweit gehen, daß Japan offen auf Deutschlands Seite trete. In den Diskussionen spielte die Überlegung mit, daß Deutschland bzw. Japan ein Stillhalteabkommen nutzen könnten, um einen Rüstungsvorsprung zu erzielen; denn während Deutschland bzw. Japan die ausgehandelten „Rechte“ konzentriert „ausschlachten“ könnten, würde England auch weiterhin für beide Fälle — wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß — rüsten müssen, um im Falle des Bruchs des „Waffenstillstands“ in der jeweiligen Region nicht ganz „entblößt“ dazustehen. Diese Diskussion ist bereits 1920/1922 in ähnlicher Form geführt worden; s. Fry, Illusions of Security, sowie Roskill, Naval Policy.Google Scholar
  197. 178a.
    Zur Außenpolitik Salisbury’s s. J. A. S. Grenville, Lord Salisbury and Foreign Policy, 1964;Google Scholar
  198. 178b.
    L. M. Penson, The Principles and Methodes of Salisbury’s Foreign Policy, in: Cambridge Historical Journal, V (1935/37), S. 87–106;Google Scholar
  199. 177c.
    W. Palmer, Lord Salisbury’s Approach to Russia, 1898, in: Oxford Slavonic Papers, IV (1955), S. 112–114; G. Schmidt, Politische Tradition (Habil.-Schrift), Teil I.Google Scholar
  200. 179.
    Deutschland bzw. Japan legten die von England an die jeweils andere Macht unterbreiteten Offerten als Zeichen der Schwäche aus. Sie zogen aus ihren Verhandlungen mit England, besonders in Flottenfragen, den Schluß, daß man „hart“ auftreten müsse, denn England würde im Hinblick auf die ,,Doppelfront“-Gefahr nachgeben; das wird — wenn auch überzogen — deutlich in der Arbeit von Robert Ingram, Hitlers glücklichster Tag. London, am 18. Juni 1935, Stuttgart 1962.Google Scholar
  201. 180.
    Diese Konzeption artikulierte Smuts besonders klar, s. Smuts an Lothian, 14.12.1934, zit. bei: Butler, S. 202; s. auch Smuts an Lothian, 20.2.1935, Smuts-Papers, Bd. VI, hrsg. von J. van der Poel, S. 7–9; vgl. auch die Aufzeichnungen über die All Souls Conference 187 19.12.1937, Nicolson-Papers.Google Scholar
  202. 181.
    Lothian (Jan. 1935), s. Bames/Middlemas, Baldwin, S. 793; diese Vorstellung hatte Lothian 1919 Lloyd George im Hinblick auf den Bolschewismus in Rußland und die deutsche Revolution unterbreitet. Siehe ferner Lothian, Chatham House-Vortrag, 29.6.1937, in: International Affairs, XVI, S. 886; die Auffassung findet sich auch in den Aufzeichnungen über das All Souls Meeting, Nicolson-Nachlaß, 2. Teil der Besprechung, 18.12.1937; ferner Lothian an Coupland, 11.7.1935, Bd. 300; Baldwin, Simon, Lothian betrachteten Aufrüstung und Defensiv-,,bündnis“ mit Frankreich als Gegenstück zu den Bemühungen um einen Ausgleich mit Deutschland; zu Simon s. Anm. I/202. — Diesen Überlegungen lag die Ansicht zugrunde, daß Hitler Englands Stehvermögen, d. h. politische Stabilität und Stärke respektiere; Hitler verfolge im Osten zwar expansive Ziele, werde aber die Zeit für sich arbeiten lassen, d. h. die Ereignisse nicht überstürzen. Die ,,Pause“ zwischen den Coups vom März 1936 und März 1938 schien solche Annahmen zu rechtfertigen.Google Scholar
  203. 182.
    Chief of Imperial General Staff, 17.1.1936, C. P. 12 (36), Cab. 24–259, „The Importance of Anglo-Japanese Friendship“; zu Monsell vgl. Anm. I/172 u. I/173. Die Admiralität/ Kriegsmarine befürwortete Informationsaustausch mit Deutschland und Japan ebenso wie das Air Ministry (und noch deutlicher die inoffiziellen RAF-Zeitschriften) den Informationsaustausch mit der deutschen Luftwaffe: s. C 209/4/18, 14.–16.1.1936; C 248/4/18, 14./15.1.1936; C 384/4/18, 17.1.36; C 213/4/18, 30.1.1936; C 502/4/18, 23.1.1936; C 389/4/18, 17.1.1936 u. a. O. Zu den Milch-„Missionen“ s. Middlemas, S. 91 f., 305 ff.; Gilbert, Churchill, Bd. V, S. 841, 871 ff.; Eden, S. 484 f.; Gibbs, S. 302, 568; Barnes/Middle-mas, S. 945, 1027 ff.; Roskill, Hankey, III, S. 259 ff.; Colvin, Vansittart, S. 133 ff.; Gibbs, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 258; Overy, German Plans, S. 795.Google Scholar
  204. 183.
    R. G. Glenday, Chief Economic Adviser der FBI, erhoffte zum Beispiel von dem aus anderen Gründen befürworteten Interessenausgleich zwischen der deutschen und englischen Industrie, daß die Vereinbarung als Plattform für die Abwehr der japanischen Handelsexpansion fungieren könne (FBI/C/2/1936, Tariff & Commercial Treaties Committee, Minutes, 13.12.1936; s. Holland, Ms., S. 8).Google Scholar
  205. 184.
    Zum Vorstoß von Smuts und Lothian gegen die „pro-japanischen“ Kräfte in der Phase der Flottengespräche Oktober/November 1934 s. Anm. I/177. Auch Handelsminister Runciman sprach sich dafür aus, die Flotte im Hinblick auf Japan auszubauen und England aus europäischen Verwicklungen herauszuhalten, s. Anm. IV/411 u. Anm. III/26. Zu „Ottawa“ s. unten, Kap. III. Über den Zusammenhang dieser wirtschaftspolitischen mit den sicherheitspolitischen Fragen — anglo-amerikanische Beziehungen und englischer Handlungsspielraum ip Europa und im Fernen Osten — s. auch All Souls Meeting, 18719.12.1937. 185 A. Chamberlain, Kommentar zum Grigg-Vortrag im Chatham House über Defekte des Lo-carno-Systems, Ende Januar 1935. Bezogen auf die Mandchurei-Krise formulierte A. Chamberlain Prinzipien, die die „Appeaser“ gegenüber Deutschland gelten lassen wollten: Man diene dem Frieden viel besser, wenn man nicht auf jedem Rechtstitel beharre, sondern „allow a measure of compromise to enter into your decisions“; der Völkerbund täte gut daran, in einzelnen Fällen zu vermeiden „being put into the position that, having given definite decision, it meets with resistance and is impotent to take any effective action to secure compliance.“ Je nach Einschätzung der momentanen Machtverhältnisse und der „legitimate grievances“ müsse Politik sich distanzieren können vom Befolgen der „rule of law“ als Handlungsmaxime. — In polemischer Absicht hat Bassett (Democracy and Foreign Policy, S. 564 ff.) besonders über Churchill Zeugnisse aus den Jahren 1932/33 zusammengetragen, die Verständnis gegenüber Japans Mandchurei-Politik bekunden, anti-bolschewistische Töne (Bollwerkfunktion) anklingen lassen usw. Über N. Chamberlains Appeasement-Absichten gegenüber Japan s. Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 124 ff., 86 f., 94 ff. A. Chamberlain, Churchill u. a. wollten Frankreich moralisch den Rücken stärken, damit es dem deutschen „Bluff“ Paroli bieten könne; da Englands Sicherheit vorläufig vom Vorsprung der französischen Militärmacht gegenüber Deutschland abhänge, sollte England sich in der Aufrüstungsphase eher zurückhalten statt Frankreich diplomatisch in den Arm zu greifen. Die englisch-französische Einheitsfront sollte Hitler abschrecken; Lothians Bemühen um eine Allianz zwischen den atlantischen Partnern bezweckte, die Abschreckungsstrategie im Fernen Osten zu erproben.Google Scholar
  206. 186a.
    G. B. Sansom-Memo., 29.10.1934, im Kabinett behandelt am 11.1.1935, C. P. 8 (35), Cab. 27–596. Vgl. Louis, S. 224 ff.; Sansom, in: Clive an FO, 6.11.1936, FO 371–20 279. Sansom verwies auf den neuen japanischen Stil, den er auf die Formel brachte: Ihr (England) gebt alles, wir (Japan) nehmen alles. Japan verkündete im April 1934 — erneut — seinen Hegemonieanspruch und sprach von der „Neuen Ordnung im Fernen Osten“; die Kampfansage gegen die „open door“-Politik der USA erfolgte im November 1938 (s. Junker, 130 ff., 217 ff.). Zur Entwicklung Japans in den dreißiger Jahren s. Junker, S. 120 ff.; J. W. Hall, Das japanische Kaiserreich, Frankfurt a. M. 1968;Google Scholar
  207. 186b.
    R. Storry, The Double Patriots, 1957;Google Scholar
  208. 186c.
    F. C. Jones, Japans New Order in East Asia 1937–1945, London/New York/Toronto 1954;Google Scholar
  209. 186d.
    J. W. Morley (Hrsg.), Dilemmas of Growth in Pre-War Japan, Princeton N. J. 1971;Google Scholar
  210. 186e.
    G.-K. Kindermann, Der Ferne Osten in der Weltpolitik des industriellen Zeitalters, München 1970;Google Scholar
  211. 186f.
    B. Martin, Aggressionspolitik als Mobilisierungsfaktor. Der militärische und wirtschaftliche Imperialismus Japans 1931–1941, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 222–244.Google Scholar
  212. 187.
    Vansittart-Minute, 10.12.1934, zu F 7162/591/23, FO 371–18 184, S. 388; zur FBI-Mission s. Louis, British Strategy, S. 225 ff.; Endicott, British China Policy, S. 73 ff.; Trotter, Britain and East Asia, S. 115 ff.Google Scholar
  213. 188.
    N. Chamberlain, 9.1.1935, Cab. 23–81, S. 12. Die ins Konkrete gewendeten Vorschläge suchte MacDonald mit dem Hinweis abzublocken, daß in den Ressorts die entsprechenden Vorkehrungen noch nicht weit genug gediehen seien. Die Vorschläge der Ressorts wurden im Japan-Ausschuß —Cab. 27–596, Februar–Juni 1935 — erörtert, ohne besondere Ergebnisse; man wollte die Leith-Ross-Mission abwarten.Google Scholar
  214. 189.
    Wigram, Vortrag „British Foreign Policy“, 1935, FO 800–292, S. 137.;Google Scholar
  215. 190.
    Roskill, Hankey, Bd. III, S. 31 (1932); Chamberlain, 9.1.1935, Cab. 23–81, S. 12; Chamberlain, 14.3.1934, Cab. 23–78, S. 271 (Chamberlain befürwortetem Appeasement Japans, damit England sich um die „nähere“ kontinentale Gefahr kümmern könne); vgl. Feiling, Neville Chamberlain, S. 253 f.;Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 760 ff.; Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 120 ff., 124 ff.Google Scholar
  216. 191.
    14.3.1934, Cab. 23–78, S. 271. N. Chamberlain, 9.1.1935, Cab. 23–81, S. 12.Google Scholar
  217. 192.
    Chamberlain, 9.1.1935, Cab. 23–81, S. 12. Japan bzw. Deutschland sollten „realistische“ Daten als Basis für eine „freiwillige“ Rüstungsbegrenzung vorlegen; die Daten könnten zu einer multilateralen Konvention zusammengestellt werden: 31.10.1934, Cab. 23–80, S. 139 f.; C. P. 223 (34), Cab. 24–250; 7.11.1934, Cab. 23–80, S. 155 f.; 14.11.1934, Cab. 23–80, S. 185.Google Scholar
  218. 193.
    Hoare, 14.3.1934, Cab. 23–78, S. 270; betr. Japan s. Agbi.Google Scholar
  219. 194.
    CP 223 (34), 16.10.1934, Simon/Chamberlain-Memo., Cab. 24–250, in: Cab. 23–80, S. 81 ff.; Feiling, Neville Chamberlain, S. 253 f.; Louis, British Strategy, S. 212 ff. - Simon optierte gegen Japan, weil er eine Trübung der Beziehungen zu den USA und den Dominions vermeiden wollte — das entsprach der Argumentation von Lothian/Smuts. Chamberlain schrieb den USA einen aus Geschäftsinteresse und Isolationismus gemischten Eigennutz-Kurs zu (s. Simon-Nachlaß, Korrespondenz zur Kabinettsvorlage C. P. 223). — Vgl. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 770, 781 u.a.; Watt, Personalities, Essay 4. — Simon setzte sich als Richtpunkt, daß Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund zum Oktober 1935 rechtswirksam wurde; er wollte Hitler veranlassen, die Austrittserklärung zurückzunehmen. Für Chamberlain kam es darauf an, im Fernen Osten eine „Ruhepause“ zu gewinnen, um die englische Aufrüstung auf die RAF konzentrieren zu können (zu den Motiven s. unten, Kap. IV, „Politisches System“). Die Hoffnung, Japan zu einer Verlängerung des Flottenabkommens in irgendeiner Form bewegen zu können, stützte sich auf die von Hirota angekündigten Nichtangriffspakt-Angebote; N. Chamberlain, 25.9.1934, Cab. 23–79, S. 384 ff.Google Scholar
  220. 195.
    Cab. 23–80, S. 220 ff; 5.12.1934, Cab. 23–80, S. 296; 12.12.1934, Cab. 23–80, S. 325; 19.12.1934, Cab. 23–80, S. 357 f.Google Scholar
  221. 196.
    Simon, 31.10.1934, Cab. 23–80, S. 140.Google Scholar
  222. 197.
    14.11.1934, Cab. 23–80, S. 185; vgl. Watt, Personalities, Essay 4; Trotter, Britain and East Asia, S. 92 ff., 107–114.Google Scholar
  223. 198.
    Das Dilemma englischer Sicherheitspolitik wurde darin sichtbar, daß Deutschland im Oktober 1933 und Japan im März 1933 ihre Mitgliedschaft im Völkerbund kündigten, während die Sowjetunion 1934 rechtskräftig Mitglied wurde. Die seit 1921 — besonders auf Drängen Kanadas — abgeschwächten Beistandsverpflichtungen der Völkerbunds-Akte ließen der englischen Politik praktisch mehr Bewegungsspielraum als Bündnisverträge es tun könnten.Google Scholar
  224. 199.
    Zur englischen Einschätzung der wirtschaftlichen Lage Japans und deren Zusammenhang mit Japans Außenpolitik s. Trotter, Britain and East Asia, S. 115 ff., 92 ff.; Endicott, British ChinaPolicy, S. 73 ff.;Martin, Aggressionspolitik, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 222–244.Google Scholar
  225. 200.
    18.4.1934, Cab. 23–79, S. 14 f. Die These, daß die englische Regierung durch politische Aktionen Vorsorge schaffen müsse, damit die Handelsrivalitäten nicht zum Sprengstoff würden, vertrat die Japan-Mission der FBI gegenüber der englischen Regierung; s. Locock an H. Wilson, 10.12.1934, = C. P. (35) 9, 4.1.1935, Cab. 27–596; s. dazu Trotter, Britain and East Asia, S. 115 ff.; Louis, British Strategy, S. 222 f.; Endicott, British ChinaPolicy, S. 73 ff. Die FBI flocht in ihre Argumentation (deutlicher als in anderen Eingaben) politische Argumente ein: Die Mandchukuo-Region wurde nicht nur als Rohstofflager und Fertigwarenabnehmer Japans bezeichnet, sondern als Bollwerk/Pufferzone gegen ein Vordringen bolschewistischer Ideen und Einflüsse. Der Vorgang ist zu sehen vor dem Hintergrund der Einigungsbemühungen und Konflikte zwischen den chinesischen Kommunisten und Tschiang-Kai-Schek sowie den japanischen und deutschen Militärberater-Aktivitäten.Google Scholar
  226. 201.
    Cabinet Committee on Political and Economic Relations with Japan, Cab. 27–596; C. P. 35 (35), 8.2.1935. Zur Einschätzung der Lage in China unter den Wirkungen des ‚Bürgerkrieges‘ s. im einzelnen Louis, British Strategy, S. 222 ff.; Trotter, Britain and East Asia, 107 ff. sowie Kap. 8; Leith-Ross, Kap. 15.Google Scholar
  227. 202.
    Gibbs, S. 115 (N. Chamberlain, Juli 1934); Simon-Notizen, 17.4.1935, Rückflug von der Stresa-Konferenz, Simon-Papers, s. Anm. I/205. — Die Einstellung wurde von den Dominions geteilt und wirkte auf die englische Meinungsbildung zurück; s. Tamchina, S. 86 f.; Weinberg, S. 253; Lammers (für die „München“-Krise), S. 844 ff. (Jebb); zu Hankey s. unten, Kap. II; zu Chamberlain/Inskip s. unten, Kap. IV. Die Gewißheit, die öffentliche Meinung hinter sich zu haben, wenn man so tat, als ob England im Westen nicht bedroht und Verhandlungen (Neu-Locarno, Rüstungsbegrenzung u. a. m.) möglich seien, beschwichtigte die im Kabinett geäußerten Besorgnisse: 30.4.1936, Cab. 23–84, S. 62 f.Google Scholar
  228. 203.
    Besonders N. Chamberlain betonte in den Jahren 1933–35, daß vor Ablauf von fünf Jahren nicht mit deutscher Kriegsbereitschaft im Westen gerechnet werden müsse — 1.7.1934, D. C. M. (32); s. Gibbs, S. 96 f., 115. - Baldwin, 26.2., 5.3. und 9.3.1936, Cab. 23–83. — Exponiert: O’Malley, 24.2.1936, C 1028/4/18, FO 371–19 885, S. 321 f.Google Scholar
  229. 204.
    Hankey, 1.2.1935, A. F. (B) (35), Protokoll S. 7; COS 364 = CID 1161-B, 8.2.1935, Cab. 21–413. Hierbei ist zu beachten, daß Hankey und Baldwin sich für Ausgewogenheit im Rüstungsprogramm einsetzten und anders als Chamberlain — zunächst — nicht die ausschließlich — vorrangige Expansion der RAF forderten.Google Scholar
  230. 205.
    Hankey-Memo., 2.2.1935, S. 1–2, Cab. 21–413; Hankey, 14.2.1935, CID 1162-B, §§ 50, 55; Hankey, 1.2.35, Protokoll S. 9–10, A. F. (B) (35). Hankey ging davon aus, daß Frankreich über das Ostlocarno-Projekt als Garantiemacht der östlichen Nachbarn Deutschlands engagiert wäre. Er unterstellte Frankreich, daß es deutsche Aktionen provozieren könnte oder auf geringfügige Verletzungen — zum Beispiel der Lufthoheit — „überreagieren“ könne; bestände dann ein Luft-Locarno-Abkommen einschließlich der von Frankreich verlangten schnellen („automatischen“) Bündnishilfe, dann sähe England sich „frühzeitig“ in Konflikte mit Deutschland verwickelt; s. Roskill, Hankey, S. 155 ff. — Für Simon ergab sich eine längere „Schonfrist“ für England (Notizen auf dem Rückflug von Stresa, 17.4.1935). „At any rate, I am completely satisfied that Germany regards the East as her preoccupation for many years to come.“ Simon sah Hitlers Furcht vor dem bolschewistischen Rußland als genuin an und akzeptierte, daß die deutsche Aufrüstung in erster Linie dem Zweck diene, Deutschland als Bollwerk gegen den Bolschewismus aufzubauen. Hitler rechne erst in 10— 20 Jahren mit einer Konfrontation mit der SU; der Beschleunigung der deutschen Aufrüstung, besonders der Luftwaffe maß Simon keine Präventivkriegsabsichten bei. Er folgerte, daß die englische Diplomatie die Frist nutzen solle, um die Rückstände der englischen Rüstung gegenüber den in den zwanziger Jahren.festgelegten Sollstärken wettzumachen und gleichzeitig Verhandlungen über Regionalpakte zu führen. Je mehr sich Simon — ähnlich wie Halifax nach dem November 1937-Besuch — der Diskrepanz zwischen den englischen und Hitlers Intentionen und Methoden bewußt wurde, desto stärker plädierte er dafür, weiter an der „Brücke“ nach Deutschland zu bauen (Diary, 27.3.1935). Seine Hoffnungen basierten auf dem bereits erwähnten Kalkül, Englands „politische Stärke“ diplomatisch nutzbringend einzusetzen; s. Anm. I/27.Google Scholar
  231. 206.
    Zum Folgenden: 29./30.4.1936, Cab. 23–84, S. 33 ff.;Phipps, C. 3879/4/18 (über die deutsche Haltung zur Frage eines „european settlement“) und Sargent/Vansittart-Minutes, 28. 5.–1.6.1936, FO 371–19 906, S. 96 ff. Das FO warnte davor, Hitlers Strategie einer Isolierung Frankreichs auf den Leim zu gehen; diese Absicht verberge sich hinter den Manövern, England Aussichten auf einen Ausgleich zu eröffnen. Die Intensivierung der deutschen Bemühungen um einen bilateralen Ausgleich mit England hänge mit der Bildung der Volksfront-Regierung in Frankreich zusammen. Zu Ribbentrops Bemühungen, ein Treffen Hitlers mit Baldwin und Eden zustandezubringen und den Einflußversuchen auf Baldwin s. Jones, Diary with Letters, passim; Tennant, True Account, S. 214 ff.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 955 ff.Google Scholar
  232. 207.
    30.4.1936, Cab. 23–84, S. 62 f.Google Scholar
  233. 208.
    Baldwin, 1.2.1935, A. F. (B) (35), Protokoll S. 10, Cab. 21–413; noch deutlicher Hankey, ebd.; s. unten, Kap. II. Ähnlich Simon zur Zeit der Stresa-Konferenz: C 3258/55/18, 8.4. 1935; C 3779/55/18, 30.4.1935. — Eden — 3.6.1937, Imperial Conference, FO 371–21139 — sprach davon, daß es falsch wäre, die Länder in Mittel- und Südost-Europa zum Widerstand gegen die deutsche Durchdringung zu ermuntern. Dies verdeutlicht bzw. ergänzt die englische Absichtserklärung, die Verpflichtungen im Zuge einer Völkerbundsreform eher zu vermindern als auszuweiten (s. dazu ausführlich Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 954 ff.). Inskip sprach gegenüber der Defence Deputation davon, daß England — wegen der Gefahr, durch einen deutschen Luftangriff mattgesetzt zu werden — das Recht habe, die deutsche Gefahr von sich abzulenken (23.11.1936, Protokoll, S. 32 ff., Cab. 21–438); ähnlich Baldwin, 28729.7.1936 (Antwort an die Deputation); s. die ausführlichen Zitate in Gilbert, Churchill, Bd. V, S. 768 ff. Der volle Sinn dieser Erklärungen wird erkennbar, wenn man sie im Licht einer späteren Erklärung Inskips sieht: ,,In a sentence we were in a weak military position to meet a political situation which we could not avoid“ (27.3.1939, Cabinet Committee on Foreign Policy, zit. von F. W. Deakin, Anglo-French Policy in Relation to South-East Europe, in: Les Relations Franco-Britanniques, S. 84). Vgl. Em-merson, The Rhineland Crisis, S. 60; Tamchina, S. 87 (über die Haltung einiger Dominions, die England zwar im Westen Hilfe in Aussicht stellten, aber unter dem Vorbehalt, daß es Deutschland in Mittel- und Südost-Europa expandieren lasse).Google Scholar
  234. 209.
    Vgl. Anm. I/359 u. I/362. Vgl. ferner Newman, Origins of Munich, in: HJ, XXI/2 (1978), S. 371 ff.; s. auch C 585/4/18, FO-Minutes, 30.1.–4.3.1936. Hierzu gehören Hankey, Swinton, Cranborne, Wigram, Sargent, O’Malley, Ashton-Gwatkin, Jebb. Die Argumentation beruht darauf, daß die Donauraum-Länder ökonomisch ohnehin von Deutschland abhängig seien und keinen ausreichenden Widerstandswillen aufwiesen; ferner, daß Frankreich seiner Klientel keinen wirksamen Schutz angedeihen lassen wolle: Wigram-Sargent-Memo., 21.11. 1935, §§ 25, 27;Cranborne, 17.3.1936, FO 800–296, S. 139 ff.; FO-Minutes, Ende November 1935, FO 371–18 860, S. 137; Sargent, 10.2.1936, FO 371–19 884, S. 25; O’Malley, G (36) 6, 24.2.1936, Cab. 27–599; Andeutungen auch in C. P. 42 (36), 11.2.1936, § 22, Cab. 27–599. Diese Auffassungen wurden von Collier und Vansittart bestritten. Ovey (Botschafter in Brüssel) gehörte zum Kreis der Diplomaten, die im Fall eines deutsch-russischen (= teutonisch-slawischen!) Konfliktes eine Schwächung beider Mächte erwarteten und daher England in der Rolle des lachenden Dritten zu sehen wünschten; Ovey an Vansittart, 18.9.1936, C 6619/4/18, FO 371–19 912, S. 203 ff.Google Scholar
  235. 210.
    Simon, 17.4.1935, Notes written in aeroplane returning from Stresa/Geneva, Simon-MSS.Google Scholar
  236. 211.
    Siehe unten, Kap. IV.Google Scholar
  237. 212.
    29.4.1936, Cab. 31 (36) 5, Cab. 23–84; im einzelnen s. Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 228, 232. Die Regierung Blum kam den englischen Vorstellungen entgegen, indem sie offiziell auf Strafaktionen gegen den deutschen Vertragsbruch vom 7. März 1936 verzichtete und auch zustimmte, die Fragebogenaktion einzustellen.Google Scholar
  238. 213.
    Siehe unten, Kap. IV.Google Scholar
  239. 214.
    Vgl. Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 233.Google Scholar
  240. 215.
    Zu den Schacht/Blum-Gesprächen, zu der Kolonial- und Rohstoff-Frage sowie den Initiativen, die zur Bildung der Völkerbundsausschüsse und der Van-Zeeland-Kommission führten, s. unten, Kap. III/C.Google Scholar
  241. 216.
    Daß nach den englischen Beobachtungen bis zum Oktober 1936 keine Befestigungsbauten in der Rheinzone erfolgt waren, beeinflußte die englische Gelassenheit (Newton [Berlin] an FO, 16.9.1936, C 6251/4/18, FO 371–19 912, S. 143 u. Minutes). Der Bau des Siegfriedwalls war 1936/37 keine Priorität in der deutschen Rüstungspolitik — s. Robertson, Hitlers Pre-War Strategy, Kap. 9; Emmerson The Rhineland Crisis, S. 235. Das Thema der englischfranzösischen Gespräche waren nicht konkrete Befestigungsbauten, sondern die (scheinbare) französische „Entschlossenheit“, eine Offensivstrategie als Option zu behalten. Die Stabsgespräche lagen nach dem Verebben 1936 bis Anfang 1938 still (s. Ph. Masson u. Buckley/Neave-Hill/Haslam, in: Les Relations Franco-Britanniques 1936–1939, S. 91 ff., 119 ff.). — Ende März und Ende Mai/Anfang Juni 1936 hatte Deutschland versucht, die Stabsgespräche zu beeinflussen, indem England bedeutet wurde, die Bauten in der Rheinzone würden sich auf ein Minimum beschränken; falls die Stabsgespräche Folgen zeitigten, müsse Deutschland durch massive Befestigungsbauten für seine Sicherheit sorgen. Zwischen FO und WO (Vansittart/Dill) kam es zum Disput, weil Dill sich beschwerte, daß das FO diese ,,vertraulichen“ Informationen an Frankreich weitergebe; Vansittart konterte, daß es sich um eine politische Frage handele, die das FO nach eigenen Gesichtspunkten handhaben dürfe (s. auch Anm. I/235). — C 3761/4/18, FO 371–19 906, Paget (WO) an FO betr. Gespräch mit Geyr; Sargent an Vansittart, 3.6.36; Sargent-Aufzeichnung, 20.5.1936, C 3762/4/18, 19 906; Vansittart an Dill, 28.5.1936; Dill an Vansittart, 5.6.1936.Google Scholar
  242. 217.
    FO-Memo., Preparations for the Five-Power-Conference (betr. Neu-Locarno), 19.8.1936, FO 371–19 912. Zum Sinn und Zweck der Frage bogen akti on vom April 1936 s. Sargent-Memo., 20.5.1936, „on the Question of the Fortification in the Rhineland“, C 3762/4/18, FO 371–19 906, S. 30.Google Scholar
  243. 218.
    FO-Memo., 19.8.1936, Frage 16. Vgl. Eden-Bericht, 6.7.1936, Cab. 23–85, S. 56. — Die Außenminister Frankreichs, Belgiens und Englands hatten sich am 10. April 1936 auf diese „Perspektive“ geeinigt.Google Scholar
  244. 219.
    Sargent, C 1912/4/18, FO 371–19 982, S. 229; Harris-Memo., „Collective Security. Strategical Review of the Situation in Europe“, Mai 1936, in: COS 491 (Joint Planning Staff), Cab. 21–441; vgl. Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 611 ff.Google Scholar
  245. 90.
    Wigram/Sargent-Memo., § 28; Wigram/Sargent-Minutes, 18.11.1935, FO 371–18 851, S. 51 ff. In die Kabinettsvorlage — C. P. 42 (36) — nahm Vansittart diesen Punkt auf (§ 13), betonte aber, daß nur einige Kreise in Frankreich hinter solchen Ideen ständen und daß Laval selbst keine festumrissenen, konkreten Vorstellungen (gehabt) habe. Zuvor hatte Vansittart darauf gedrängt, Verhandlungen nur à trois zu führen; dies sei das beste Mittel, ein französisch-deutsches Arrangement zu verhindern: Vansittart an Lord Wigram/GeorgV., 7.11.1935; VNST 2/27; Wigram/Sargent-Memo, § 28; Wigram und Sargent wollten sichergehen, daß England nicht Objekt eines deutsch-französischen Ausgleichs werde. Sie nahmen Laval’s diplomatische Aktionen ernster als dies bei realistischer Einschätzung der französischen Situation und der deutschen Frankreich-Politik nahelag.Google Scholar
  246. 91.
    Es gibt Anzeichen dafür, daß Laval eine deutsch-französische Verständigung unter Ausschluß Englands für möglich hielt (s. Höhne, in: Colloques, Nr. 563, S. 220). Auch Weinberg (The Foreign Policy of Hitler’s Germany, S. 199) spricht von einer eher ,,pro-deut-schen“ Haltung Laval’s. Wigram und Sargent stellten ihren Vorschlag auf eine ähnliche Einschätzung der Politik Lavals ab (s. Memo., § 28); s. auch Ashton-Gwatkin, 1.1.1936, C 400/ 99/18, FO 371–19 931, S. 38.Google Scholar
  247. 92.
    Sargent-Minute, 18.11.1935, FO 371–18 851, S. 52 (a).Google Scholar
  248. 93a.
    Asthon-Gwatkin, C 400/99/18, 21.11.1935/1.1.1936; er bezog sich auf Verhandlungen im Comité d’Études über einen deutsch-französischen Zollverein. Diese Beobachtungen haben eine weit zurückreichende Tradition. Zur Entwicklung der deutsch-französischen wirtschaftlichen Zusammenarbeit und der Herausbildung der Gegensätze s. Jacques Bariety, Les Relations Franco-Allemandes, Paris 1977;Google Scholar
  249. 93b.
    Raimond Poidevin, Les Relations Economiques, Paris 1969. — Die Aufmerksamkeit des FO richtete sich besonders auf Verhandlungen über eine vorzeitige „Lösung“ der Saar-Frage (1930) und die Aktivitäten des deutschfranzösischen Wirtschaftsausschusses (1932);Leith-Ross an Phillips, 23.12.1932, T 177–12; ferner FO 371–14 365, S. 116 ff.; 203 ff. — Botschafter Tyrrell warnte (1930) vor der antienglischen Spitze der Loucheur zugeschriebenen Pläne; Cahill (1928) betonte das Übergewicht der sicherheitspolitischen Zielkonflikte über die gemeinsamen deutsch-französischen Wirtschaftsinteressen (23. März 1928). Die Beamten im FO — Carr, 7.2.1930, zu C 1032/ 230/18, FO 371–14 365, S. 36 ff.;zu C 1002/230/18, 28.1.1930, S. 18 ff. — urteilten, daß Deutschland sich nicht für eine „Allianz“ mit Frankreich gegen England werben ließe. Diese Fragen wurden dann anläßlich des Briand-Europaplans auf höchster Ebene in England weiterdiskutiert; C 1510/230/18,17.2.1930;C 2645/230/18, 14.3.1930; Tyrrell und Rum-bolds Gegenstellungnahme leiteten die Diskussion ein, FO 371–14 365, S. 116 ff., 203 ff.; Cab. 27–424.Google Scholar
  250. 94.
    Wigram/Sargent-Memo., §§6, 28,29; Vansittart-Memo, C. P. 42 (36), 11.2.1936, Cab. 27–599; Eden, 17.2.1936, Meeting, Cab. 27–599; FO-interne Beratungen, Sitzungsprotokolle vom 3.2. und 10.2.1936, FO 371–19 885, S. 273 f., 22 ff. Anders als Wigram/Sargent sahen Vansittart/Collier die Gefahr eines deutsch-französischen Arrangements nicht gegeben: Deutschland weise Laval’s Offerten zurück; der Linksruck in Frankreich bilde eine Barriere gegen derartige Versuchungen. Wenn England Frankreich nicht ,,hintergehe“, werde auch Frankreich keinen Alleingang nach Berlin antreten; Vansittart-Kommentar, 1.12.1935, VN ST2/24;Collier, 22.11.1935, C 8523, FO 371–18 852, S. 144 ff.; Vansittart an Eden, 20.1. 1936, C 418/4/18, FO 371–19 883, S. 168 ff.Google Scholar
  251. 95.
    Wigram/Sargent-Memo., §§ 26, 27; Cranborne, 17.3.1936, FO 800–296, S. 140. — Ähnlich lautet eine der Standardthesen Lothians, s. unten, Kap. III. Die These, England könne durch die Erklärung seiner „Neutralität“ den Anstoß zur Bildung eines „realistischen“ Kräftearrangements in „Zwischeneuropa“ geben, hatte E. H. Carr in seiner Amtszeit im FO verfochten: Memo, zur Stresa-Konferenz, 30.3.1935; s. Newman, The Origins of Munich, in: HJ, XXI/2 (1978), S. 380.Google Scholar
  252. 96.
    Wigram/Sargent-Memo., § 25. Sie antizipierten die Kritik von Vansittart und Collier, doch war für sie entscheidend, daß Frankreich und England den deutschen Durchdringungsmethoden wenig entgegenzusetzen hatten bzw. wollten.Google Scholar
  253. 97.
    Wigram/Sargent-Memo., §§ 25 ff.; Cranbome, 17.3.1936, FO 800–296, S. 139 f.Google Scholar
  254. 98.
    Wigram/Sargent-Memo., § 27; Cranborne, FO 800–296, S. 139.Google Scholar
  255. 99.
    In früheren Stellungnahmen hatten Wigram und Sargent noch die Wiederaufnahme der Verhandlungen mit Frankreich auf der Basis des Londoner Kommuniques vorgesehen (18.11. 1935, FO 371–18 851, S. 52, 77).Google Scholar
  256. 100.
    Wigram/Sargent-Memo., § 30.Google Scholar
  257. 101.
    Cranborne, 17.3.1936, FO 800–296, S. 140. — Die Regierung schreckte davor zurück, das Desinteresse öffentlich zuerkennen zu geben, richtete aber ihr Verhalten entsprechend ein. Hankey, Cranborne u. a. gingen davon aus, daß Frankreich seine Klientele nicht wirksam schützen könne oder wolle. Vansittart und Collier sahen keinen Grund für diese Skepsis; Minutes, 26.11.1935, FO 371–18 860, S. 137; Cranborne, 17.3.1936, FO 800–296, S. 142; Wigram/Sargent-Memo., §§ 25–27; Collier, 22.11.1935, FO 371–18 852, S. 148 f.; Vansittart, 1.12.1935, VNST 2/24, S. 5 ff.Google Scholar
  258. 102a.
    Vgl. Lothian, 29.6.1937, in: International Affairs, XVI, S. 870 ff.Google Scholar
  259. 102.
    - Ähnliche Passagen enthalten auch die Reden von Halifax, Speeches on Foreign Policy, darin: 8.4.1936, 19.11. 1936, 3.3.1937; dort findet sich auch die Gedankenverbindung: England ist primär Commonwealth-Macht; auch Deutschland würde als Zentrum eines Commonwealth (Mitteleuropa) „tolerant“ werden (,,calm down“).Google Scholar
  260. 103.
    Wigram/Sargent-Minute, §§6, 32.Google Scholar
  261. 104.
    Vansittart, der die ersten Fassungen kritisiert hatte, faßte als Amtsleiter die Ergebnisse der FO-internen Beratungen in der Kabinettsvorlage C. P. 42 (36), 11.2.1936, Cab. 27–599, zusammen; Wigram/Sargent-Memo., § 17: ,,an early attempt to come to terms with Germany can only work towards rendering it less likely that this dangerous question... will be raised in an aggressive and threatening manner. “Google Scholar
  262. 105.
    Wigram, 12.12.1935, C 8193/134/18, FO 371–18 860, S. 159 (a); vgl. Sargent, 10.2.1936, C 796/4/18, FO 371–19884, S. 22 f.;C 157/4/18, FO 371–19883, S. 114. -Nach Hitlers Drohungen — gegenüber François-Ponçet und Phipps — schien Eile geboten. Hitler hatte Luftpaktverhandlungen unter Hinweis auf die russisch-französischen Bindungen, auf wiederholte Erklärungen gegen ,,mutual assistance“ u. a. m. abgelehnt und unverhüllt die Remilitarisierung der Rheinzone angedroht; GD, C-IV, Nr. 460, 462. — Die Initiatoren glaubten, den drohenden Verlust in einen Vorteil wenden zu können, indem man das Objekt (Rheinzonen-Status) gegen eine verbesserte Auffangposition (Luft-Locarno einschl. „mutual assistance“) eintauschte.Google Scholar
  263. 106.
    Phipps’ Kommentar zum Wigram/Sargent-Memo. — 27.11.1935, C 7931/55/18, § 3c, FO 371–18 851, S. 175 ff., bes. S. 178 — stützt Sargents Formulierung (ebd., S. 175 [a]) nicht ab, denn Phipps sieht vorerst die Rapallo-Gefahr nicht. Vielmehr betont er, daß Hitler und die Generäle eine Verständigung mit England wünschten; erst wenn diese nicht zustandekomme, werde die Rapallo-Gefahr akut. Im Sinne der Sargent-Aufzeichnung hatte sich Botschaftsrat Kirkpatrick geäußert! Toynbee, dessen Berlineindrücke Th. Jones Baldwin und Eden übermittelte, gewann Ende Februar 1936 den Eindruck, daß Hitler die aus seiner Rußland-Politik folgenden Gefahren erkenne und eine Verbindung mit England einer deutschjapanischen gegen Rußland vorziehe. Hitler wolle seine Rolle als guter Europäer spielen; da Hitler England auffordere, seine Bedingungen/Interessen hinsichtlich Osteuropa zu formulieren, sahen Toynbee und Jones gute Chancen für eine englische Deutschland-Initiative; Toynbee-Aufzeichnung, 28.2.1936, an Jones, 8.3.1936, Jones MSS., Class E, Bd. 1; Jones leitete den Bericht u. a. an Dawson (Times) und integrierte dessen Inhalt in die Empfehlungen, die die Wochenendparty Lothians, an der Eden teilnahm, am 778.3.1936 Baldwin zustellte (s. Diary with Letters, S. 179 ff.).Google Scholar
  264. 107.
    England sah hinter der Umwandlung des Ostlocarno-Projekts in das französisch-russische Bündnis das Motiv, einer deutsch-russischen Annäherung zuvorzukommen. In diesem Sinne rechtfertigten auch Laval/Flandin den Pakt gegenüber London; gegenüber Berlin erweckte Laval den Anschein, als würde er den Pakt fallenlassen, falls Hitler zu einem Rapprochement bereit sei. Auf englischer Seite betonte Vansittart immer wieder, daß eine Situation eintreten könne, wie sie 1939 tatsächlich eintrat (s. unten, Kap. II). Vansittarts Position ist logisch nicht widerspruchsfrei: Auf der einen Seite betont er, daß Hitler, falls die Einkreisungsgefahr akut werde, alle anderen Dinge vergessen und sich mit Rußland arrangieren werde; auf der anderen Seite agiert er für „kollektive Sicherheit“ unter Einschluß der Sowjetunion im Sinne der Labour Party und Churchills Grand Alliance. Das Vertrauen, daß Rußland (Stalin) Hitlers , „approach“ abblitzen würde, vermochte auch Vansittart nicht aufzubringen. Minutes zu François-Ponçet/Hitler-Interview, C 7823/55/18, 21.11.1935, FO 371–18 851, S. 162 ff.; C. P. 42 (36), § 24, Cab. 27–599; Vansittart-Memo., 21.12.1936, s. Kap. II. Zu den Phasen und den Funktionen der englischen Rußland-Politik 1934—39 s. die breit angelegte Studie von Gottfried Niedhart, Großbritannien und die Sowjetunion 1934–1939, München 1972.Google Scholar
  265. 108.
    Vansittart und Collier urteilten genau umgekehrt: Falls England in den Wettlauf um die Gunst Berlins eintrete, würde Rußland diesen vor England gewinnen; Kommentar Vansittarts zu § 13 des Wigram/Sargent-Memo., VNST 2/24, S. 3; s. ferner Vansittart an Georg V., 7.11.1935.Google Scholar
  266. 109.
    Wigram, 25.11.1935, FO 371–18 851, S. 162 (a); Sargent, ebd.; Sargent, 30.11.1935, ebd., S. 175 (a); Sargent, 17.12.1935, FO 371–18 860, S. 161: „It will then [d. h. nachdem England aus der Abessinien-Krise ohne Verlust an Material und an Verbündeten herausgekommen sein würde] be a question whether in order to prevent a German-Russian rapprochement — quite apart from other reasons — we ought not to make a supreme effort to come to terms with Germany while there is still time.“ Collier erhob Einspruch gegen diese seine Abteilung empfindlich betreffenden Implikationen der vom Central Department erwogenen Deutschiand-/Rußlandpolitik (s. ebd., S. 159 [a]).Google Scholar
  267. 110.
    Sargent und Wigram halfen sich über die Klippen hinweg, indem sie den „appeasement“-Vorstoß von der Verkündung eines weiteren englischen Rüstungsprogramms abhängig machen wollten! Englische Rüstungsanstrengungen sollten Hitler ,,motivieren“, den Ausgleich mit England zu suchen. In Hitlers Drohungen sah man den Versuch, eine Maximalposition abzustecken und nicht ein Anzeichen dafür, daß Hitler keine Verhandlungslösung wünsche; Sargent, 17.12.1935, C 8198/134/18, FO 371–18 860, S. 160 f. - Im Falle von Verhandlungen — so muß man ihre Argumentation auslegen — würden keine einseitigen Änderungen des Status quo herauskommen, sondern ein ,,general European appeasement“ (im Sinne der begrenzten englischen Europa-Interessen).Google Scholar
  268. 111.
    Hankey, 1.2.1935, Protokoll S. 7, A. F. (B) (35);Simon, ebd., S. 2 f.; Vansittart,ebd.,S. 14 f., in: Cab. 21–413; FO-Memo., The Proposed Aerial Convention, CID 1166-B;Harvey-(F0) Memo., 25.1.1935, C 655/55/18, Cab. 21–413; Hankey-Note, 16.2.1935, Cab. 21–413.Google Scholar
  269. 112.
    Zu den Mühen, die Eden hatte, um die Stabsgespräche als Entschädigung für die französischen „Verluste“ in der Rheinzonen-Krise durchzusetzen, s. Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 194 ff.; Eden, S. 360 ff. — Zur Kontroverse um den Luftpakt im Februar 1935 s. COS 364=CID 1161-B, 8.2.1935, § 21, S. 14 f. Für Hankey und die Stabschefs spielte dabei eine Rolle, daß die Konzentration auf Europa (Frankreichs Ententen) das Gleichgewicht der englischen Rüstungsprogramme gefährdet hätte; Hankey-Memo., 2.2.1935, Cab. 21–413; C. P. 19(35), § 8e/f, 24.1.1935; Hankey, 1.2.1935, Protokoll, S. 11.Google Scholar
  270. 113.
    Protokoll, 1.2.1935, A. F. (B) (35), S. 11; Hankey, 2.2.35, S. 5;CID 1162-B, 14.2.1935,§§ 50, 55, in: Cab. 21–413.Google Scholar
  271. 114.
    Hankey, 1.2.35, Protokoll, S. 7; Simon, ebd., S. 2 f.;Hankey-Note, 2.2. und 16.2.1935. Die Gegendenkschrift des FO zum Hankey-Memo. betonte zu Recht, daß Hankey ebensogut gegen die bereits bestehenden Locarno-Pflichten zu Felde ziehen müßte wie gegen die Luft-locarno-Idee. Zur Verbindlichkeit der Locarno-Abmachungen für die englische Politik s. Baldwin, 1.2.1935, Protokoll, S. 10. — Für A. Chamberlain, der seit 1931 nicht mehr im Amt war, wurde Locarno nach 1933/34 — anders als für die Kabinettsmehrheit — zum verkappten englisch-französischen Bündnis; dies gilt auch für Vansittart und seine Mitstreiter, die in diesem Sinne die Luftpaktidee lancierten und verfochten. Die Forderung, Deutschland solle den übrigen Mitgliedern des Locarno-Paktes „freie“ Hand lassen, ergänzende bilaterale Beistandsabkommen zu schließen, ließ sich mit technischen Argumenten untermauern: Luftwaffenhilfe war nur möglich, wenn die Partner ihre Operationsbasen usw. kannten und vor allem schnellen Beistand zu leisten in der Lage waren. A. Chamberlain, in: Times, 7.2.1934.Google Scholar
  272. 115.
    C. P. 19 (35), § 8e, 24.1.1935. — 1936 ging es der englischen Seite nicht um die Verteidigung des Rheinzonen-Status — trotz des Wissens um den Symbolwert dieser Artikel des Versailler Vertrages und des Locarno-Vertrages —, sondern darum, „means of securing its peaceful disappearance“ ausfindig zu machen; Wigram, 9.1.1936, C 157/4/18, FO 371–19 883, S. 114; s. ferner 15.2.36, Sitzungsprotokoll, FO 371–19 885, S. 273 ff.; vgl. unten, Kap. IV, Abschn.4.Google Scholar
  273. 116.
    C. P. 19 (35), § 8e/f; Londonderry, Protokoll, 1.2.1935, S. 17; zu Belgien s. unten, Kap. IV/E und IV, Abschn. 2.Google Scholar
  274. 117.
    Simon, 1.2.1935, Protokoll, S. 19; CID 1161-B, 8.2.1935; Hankey-Memo., 2.2.1935; CID 1162-B, Hankey-Memo., 14.2.1935. — Die vom FO vorgeschlagenen Kompensationen an Frankreich — für dessen Zustimmung zur Aufhebung von Teil V des Versailler Vertrages —, nämlich Garantie des Rheinzonen-Status, Stabsgespräche betr. Implementierung des Locarno-Vertrages, blieben in den Kabinettsberatungen auf der Strecke oder wurden abgeschwächt in das Verhandlungsmandat für die englische Delegation übergeführt; Cab. 27–572, 13.12. 1934; G. R. (34) 5, §19, 14.12.1934, Cab. 27–572; C. P. 19(35), S. 3, Punkt f., 1935, Cab. 21–413.Google Scholar
  275. 118.
    A. F. (B)(35), 1.2.1935, S. 19.Google Scholar
  276. 119.
    Simon an Clerk, 19.2.1935, C 1386/55/18, § 5, Cab. 21–413; vgl. Anm. I/45. — 25.1.1935, C. P. 23 (35), Summary of Conclusions, § 40a; zum Flottenabkommen s. Hauser, England, S. 120 ff.; Haraszti, Treaty-Breakers, S. 126 ff., 181 ff. — C. P. 19 (35), § 7, § 8c: „The British negotiators should not allow themselves to be persuaded that this [d. h. Ostlocarno] was an essential part of the negotiations with Germany.“ England wollte die von Deutschland angebotene Option, Nichtangriffspakte (bilaterale-!) abzuschließen, offenhalten bzw. zwischen diesem deutschen Prinzip und dem französischen Prinzip bilateraler Beistandspakte eine Kombinationsmöglichkeit eruieren. C. P. 6 (35), 9.1.1935;C. P. 19 (35), § 3, 24.1.1935, in: Cab. 21–413; Cab. 3 (35), 10.1.1935; Cab. 4(35), 14.1.1935, in: Cab. 23–81; 12.1.1935, R 318/1/67, Cab. 21–413; (Bericht über das Genfer Treffen Simon/Laval zum Komplex „Ostlocarno/Revision des Teils V des Versailler Vertrages“). Zum englischen Lösungsmodell vgl. auch Edens Formel (27.7.1936, HofC): „to attempt to create out of the era of difficulty an era of opportunity.“Google Scholar
  277. 120.
    Hankey, 2.2.1935, Memo., S. 6; Hankey, 14.2.1935, CID 1162-B, §§ 50, 55; A. F. (B) (35), 1.2.1935, S. 7 ff., in: Cab. 21–413; Simon-Memo., 29.11.1934, G. R. (34) 3, § 6.Google Scholar
  278. 121.
    Hankey, Protokoll, 1.2.1935, S. 16; Hankey-Memo., 2.2.1935, S. 6, Cab. 21–413.Google Scholar
  279. 122.
    Hankey, Protokoll, 1.2.1935, S. 18; Simon, ebd., S. 19.Google Scholar
  280. 123.
    Die „Missionen“ von Jones, Lothian, Lloyd George, Allen, Lansbury u. a. waren keine Sondierungen im Auftrag der Regierung; freilich kamen Lothians Berlin-Besuch Ende Januar 1935, auf den er sich durch Aussprachen mit Baldwin, Simon, Botschafter Clerk (Paris) u. a. vorbereitete (und anschließend berichtete), und das Treffen Jones/Lloyd George mit Hitler im September 1936 als „Ersatz“ für das Hitler/Baldwin-Treffen einer offiziösen Mission sehr nahe. — Die Kontakte zwischen den Militärattaches und die Milch-Missionen weckten den Argwohn des FO. Die Gespräche, die Ashton-Gwatkin 1935–38 in Berlin führte (s. unten Kap. IV), hatten nicht viel Gewicht, da die Wirtschaftsministerien vorher ihren Widerstand gegen die Ideen der Economic Section des FO artikuliert hatten. In der Kolonialfrage gingen die Sondierungen am weitesten, doch war die Entscheidung des Kabinetts vom Sommer 1936 bis Anfang 1938 „offen“; s. Parker, in: Hauser (Hrsg.), Weltpolitik, S. 73 ff.Google Scholar
  281. 124.
    A. Chamberlain an Tyrrell, 8.2.1929, FO 800–263, S. 328 f. Zu den englisch-amerikanischen Beziehungen 1917—20 s. die Hab iL-Schrift des Verf.; s. ferner Parrini, Heir to Empire; Abrahams, The Foreign Expansion of American Finance; Artaud, La Question des Dettes Inter-allies; zur Washington-Konferenz s. besonders Fry, Illusions of Security; zur Dawes-Plan-Phase s. generell Link, Amerikanische Stabilisierungspolitik; Leffler, American Policy Making; Jacobson, Locarno Diplomacy; Costigliola, Anglo-American Financial Rivalry. — In den folgenden Punkten geht es nur darum, Themen der englischen Europapolitik anzuschlagen, nicht aber um eine erschöpfende oder zusammmenfassende Behandlung der Fragenkomplexe. Die Darlegungen sollen einen Einblick in die Problemlage und den innerenglischen Diskussionsstand über bestimmte, für die dreißiger Jahre wichtige Themen geben; deshalb sind die Zeugnisse eher Illustration als Ausführung. Einen guten und knappen Überblick liefert Sally Marks, The Illusion of Peace. International Relations in Europe 1918–1933, London 1976.Google Scholar
  282. 125.
    Vgl. P. Roskill, Naval Policy, Bd. 1, S. 21 ff.; Dayer, British War Debts; Costigliola, Anglo-American Financial Rivalry.Google Scholar
  283. 126.
    Neben der amerikanischen Konkurrenz faßte der Vorschlag auch die in Deutschland und in Frankreich praktizierte Kooperation zwischen Außenministerium, Zentralbank, Bankenkonsortien und Industrie(-kombinate)n ins Visier: FO-Notes on British Industry and the Fiscal and Banking Policy of this Country (Central Department), 20.2.1929, von A. Chamberlain als Kabinettspapier zirkuliert, C. P. 64 (29) = W 1846/1846/50, FO 800–263, S. 436 ff.; s. bes. Memo., S. 2, 7. In diesem Zusammenhang spielte auch eine Rolle, daß amerikanische Banken die Einflußzonenpolitik Poincares und der Bancque de France finanzieren halfen, s. Norman-Memo., 4.2.1928, §§ 6–10, T 1754. Zu Hoover als Widersacher der internationalistisch-pro-englischen Kräfte (Lamont, Strong) s. Dayer, British War Debts, S. 586 ff.; Boyce, Britain’s First „No“, S. 28 ff.Google Scholar
  284. 127.
    Sargent, 13.2.1930, C 1258/230/18, FO 371–14 365, S. 74 f. Vansittart schloß sich dem Urteil Sargents an, ebd., S. 75; ähnlich äußerte sich Sargent gegenüber Botschafter Rumbold, 24.2.1930, C 1358/230/18, FO 371–14 365, S. 113.Google Scholar
  285. 128.
    Vgl. Brüning, Memoiren, S. 199; Link, Stabilisierungspolitik, S. 491 ff.; Bennett, Financial Crisis, S. 22, 26; Rumbold an A. Henderson, 31.10.1930, FO 800–282, S. 131 ff., Bericht über das Gespräch mit Curtius: Die deutsche Regierung werde die der NS-Bewegung unterliegenden Triebkräfte (Verbesserung der deutschen Position nach innen und außen) übernehmen müssen. Spekulationen über eine eventuelle Spaltung der NSDAP dämpften die Befürchtungen; s. DBFP, I, S. 520 ff.; FO-Minutes zu: Rumbold an FO, 24.10.1930, C 7997/ 140/18, FO 371–14 364, S. 218; C 8128/140/18, ebd., S. 234 (31.10.1930).Google Scholar
  286. 129.
    23.11.1928, Selby-Memo. (betr. englisch-amerikanische Beziehungen, deutscher Nationalismus, englischen Handlungsspielraum in Europa und Erinnerung an Grey’s Außenpolitik vor 1914), in: FO 800–263, S. 67–72.Google Scholar
  287. 130.
    Sie unten, Kap. „Economic Appeasement“. — Diese Linie entsprach auch dem französischen Standpunkt in den bilateralen deutsch-französischen Verhandlungen 1929/30 (Briand-Plan) und in den dreißiger Jahren unter Laval/François-Ponçet/Flandin.Google Scholar
  288. 131.
    FO-Minutes, Mitte August 1930, C 6393/230/18, 13.8.1930; FO 371–14 366; ferner FO 371–14 365, S. 117 ff., 74 ff. Die Frage stand im Zusammenhang mit Thoiry sowie in der Vorgeschichte des Young-Plans zur Diskussion, aber für die englische Außenpolitik war sie, solange die Außenpolitik in Stresemanns Händen lag, ein ,,bargaining weapon“ in deutscher Hand.Google Scholar
  289. 132a.
    Zur abweichenden Auffassungs. Rass, Britische Außenpolitik, S. 124 f. Zur deutschen Aufrüstungspolitik (besonders unter Schleicher) s. Michael Geyer, Aufrüstung oder Sicherheit? Die Reichswehr und die Krise der Machtpolitik, Diss., Freiburg 1976;Google Scholar
  290. 132b.
    Berenice A. Carroll, Design for Total War, Den Haag 1968; s. ferner die Studien von Vogelsang, Reichswehr; Castellan, La réarmament clandestine; Benoist-Mechin, Histoire de l’armée allemande.Google Scholar
  291. 133.
    Korrespondenz A. Chamberlain/Tyrrell/Rumbold, 30.1.–20.2.1929, in: FO 800–263, S. 261 ff., 328 ff., 334 ff., 345 ff., 380 ff.Google Scholar
  292. 134.
    A. Chamberlains politisches Konzept bestand darin, ,,to keep in step with France, while conducting an orderly retreat from the Treaty of Paris“ (Percy, S. 133 f.). Zum Komplex Rheinland-Räumung/Reparationen/Anwendung bzw. Ausbau des Art. 213 des Versailler Vertrages sowie zur innerenglischen Kritik an A. Chamberlains Außenpolitik s. Jacobson, Locarno Diplomacy, S. 241 ff.Google Scholar
  293. 135.
    A. Chamberlain an Crewe, 8.5.1928, FO 800–262, S. 383; vgl. Jacobsen, Locarno Diplomacy, S. 187 ff.Google Scholar
  294. 135.
    a Vgl. Anm. IV/16.Google Scholar
  295. 136.
    Zur Ten Years’ Rule s. unten, Kap. IV; Hankey, 2.7.1928, Imperial Defence Preparations: The Basis of Service Estimates, C. P. 232 (28), Cab. 24–196; Hankey, 24.7.1936, Aufzeichnung für Baldwin über die Geschichte der Ten Years’ Rule, Cab. 21–437 (Vorbereitung auf die Defence Deputation); Dennis, Decision by Default, S. 18 f.; Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 3 ff., 44 ff., 69 ff.Google Scholar
  296. 137.
    Zu Inskip s. Shay, British Rearmament in the Thirties, S. 215 f.; Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 471 ff.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 916 ff.; R. F. V. Heuston, Lives of the Lord Chancellors, 1885–1940, Oxford 1964, Kap. VI. Eine deutliche Aufwertung erfährt Inskip vor allem durch die von Gilbert zitierten Zeugnisse aus dem Churchill-Nachlaß, Winston Churchill, Bd. V.Google Scholar
  297. 138.
    29.4.1936, Cab. 23–84. — Eden hatte eine Debatte über die Verbindlichkeit des Prinzips kollektiver Sicherheit (Völkerbundspflichten und Völkerbundsreform) initiiert. — Zum Folgenden s. insbes. die regierungsinternen Vorbereitungen auf die Defence Deputations vom 28729.7.1936 und 23.11.1936; Cab. 21–437/438; Protokoll, 23.11.1936, S. 32 ff. (Inskip); WO-Memo., Oktober 1936, Cab. 21–437; die Zeugnisse und die Anlässe sind ausführlich zitiert bei Gilbert, Churchill, Bd. V, S. 768 ff., 761 f. — Inskip griff die von Eden angeregte Debatte mit dem Ziel auf, die militärischen Dispositionen betreffs des Abessinien-Konflikts aufzuheben. Er wertete sie als Störfaktor für die Durchführung der Aufrüstungs-programme. Seiner Meinung nach war die Situation nach den Erfolgen der Diktatoren in der Rheinzonen- bzw. Abessinien-Krise ein zwingender Grund, die Grundlagen der englischen Sicherheits- und Außenpolitik zu überprüfen. Da Inskip nicht mit schnellen Erfolgen bei der Realisierung der Aufrüstungsprogramme rechnete — wegen der Engpässe und der Priorität gesellschafts- und wirtschaftsordnungspolitischer Gesichtspunkte —, konnte sein Vorstoß nur heißen, die außenpolitischen „commitments“ an den verteidigungspolitischen Möglichkeiten zu orientieren; hier liegt die Basis für sein Zusammenwirken mit dem Schatzamt 1936/37.Google Scholar
  298. 139.
    Zur Geltungsdauer der einzelnen Rüstungsprogramme, zur Umkehrung der Prioritäten und zur Abhängigkeit der Rüstungsplanung von der Entwicklung der internationalen Beziehungen sowie der innenpolitischen Konstellation s. unten, Kap.,,Politisches System“. — Einen informativen Überblick geben die Beiträge von Gibbs und Parker in: Forstmeier/Volkmann (Hrsg.), Wirtschaft und Rüstung am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, sowie im Detail Gibbs; Dennis; Meyers; Higham; Shay; Collier; Hancock-Gowing.Google Scholar
  299. 140.
    Inskip, 29.5.1936, Cab. 23–84, S. 243 f.;s. auch Pownall-Diary, S. 96. — Eden (Cab. 23–84, S. 252) machte den Vorschlag, Frankreich mitzuteilen, daß England in keinem Falle seine „commitments“ anläßlich der Völkerbundsreform erweitern könne; Inskip empfahl, die englischen Verpflichtungen auf Westeuropa zu beschränken. Die englische Regierung ging nicht auf französische Forderungen ein, das englische Bekenntnis zur Unabhängigkeit Belgiens durch definitive Abmachungen zu unterstreichen; Frankreich erklärte, es könne Belgien erst wirkungsvoll beistehen, wenn es die englischen Engagements kenne (s. Petibon/ Beaumont-Nesbitt, 20.3.1936, Clerk an FO, 21.3.1936, FO 2203/4/18, FO 371–19 896, 197 ff.). Den Hintergrund bildet die Kündigung des französisch-belgischen Militärvertrages Anfang März 1936 durch Belgien und der sich ankündigende Rückzug Belgiens vom Locarno-Vertrag zum Neutralitätsstatus. Zur belgischen Außenpolitik der dreißiger Jahre s. Kieft, Belgium’s Return to Neutrality; de Launay, Histoire contemporaine.Google Scholar
  300. 141.
    Siehe unten, Kap. IV.Google Scholar
  301. 142.
    Zu Hankeys Haltung gegenüber Frankreich und Fishers Einstellung zu den USA s. unten, Kap. II. — Die nachfolgenden Ausführungen weichen von anderen Interpretationen dadurch ab, daß sie erstens Appeasement nicht als bloße Reaktion auf Hitlers ,,Coups“ deuten, zweitens Appeasement Deutschlands als eine Option darstellen, die ihr Gegenstück in der Beschwichtigungspolitik gegenüber einem anderen Herausforderer (Italien, Japan) findet. So sehr sich der Verf. gegen eine uferlose Ausweitung des Appeasement-Begriffs — unter Gesichtspunkten der Forschungsstrategie — wendet, so sehr ist er der Ansicht, daß die Problematik der Appeasement-Politik nur aus den Zielkonflikten zu verstehen ist, a) gegen wen und mit welchen Mitteln England auf einen Konflikt vorbereitet sein müsse (Abschrek-kungsfunktion der Aufrüstungsprogramme), b) wen es auf diplomatischem Weg mit besseren Aussichten auf Erfolg beschwichtigen, d. h. zum Stillhalten, veranlassen könne, c) gegen wen andere Mächte einen Schutzwall errichten. Je geringer die Gruppen das englische Interesse in der von Deutschland bzw. Japan ,,zuerst“ bedrohten Region einschätzten (Mittel-, Südost-Europa bzw. China), desto eher konnte die Beschwichtigungspolitik zu „Appeasement“ im pejorativen Sinn abgleiten — falls die am meisten betroffenen Größmächte (Frankreich bzw. USA) nicht Flagge zeigten.Google Scholar
  302. 143.
    CID, 261. Sitzung, 9.11.1933; Cab. 62 (33) 5,15.11.1933,Cab. 23–77, C. P. 64 (34), Most Secret Report of the DRC; 14.3.1934, Cab. 23–78, S. 267 ff.: „no intention to incur expenditure on measures of defence required to provide exclusively against attack by the United States, France or Italy“; s. ferner 31.7.1934, Cab. 23–79, S. 357 ff. sowie S. 372 ff., den Zusatz „that defences are not allowed to fall so far behind that it will be impossible to bring them up to date to a suitable standard in time to meet changes in the political situation.“ Report des Ministerial Committee, C. P. 205 (34), §§4, 6, Cab. 24–250. — Siehe im einzelnen Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 86 f.; Dennis, Decision by Default, S. 34–45; Meyers, Britische Sicherheitspolitik, S. 90 ff.Google Scholar
  303. 144.
    a Zu den Änderungen in den Richtlinien Italien betreffend s. Eden, S. 479 ff.; Hancock/Gowing, British War Economy, S. 64; Meyers, Britische Sicherheitspolitik, S. 102 ff.; Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 386 ff.; D. Watt, Britain, France and the Italian Problem; Pratt, East of Malta. Zur englischen Politik im Abessinien-Konflikt s. besonders Marder, The Royal Navy, in: AHR, Bd. LXXV/5 (1970);Google Scholar
  304. 144.
    b Parker, Ethiopian Crisis 1935/36, in: EHR, Bd. 89 (1974); Funke, Sanktionen und Kanonen.Google Scholar
  305. 145.
    N. Chamberlain, 11.2.1937, Cab. 2–6/2, S. 430 f.; Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 386 (betr. ,,up to date“-Bringen).Google Scholar
  306. 146.
    N. Chamberlain, 11.2.1937, CID, Cab. 2–6/2, S. 430 f. Ähnlich hatte N. Chamberlain 1934 argumentiert, als er die Chancen eines Ausgleichs mit Japan testen wollte (s. Anm. I/188 ff.). — In der Phase vor der Rheinzonen-Krise verlangte das FO gleichfalls „Dämpfungsmaßnahmen“ — Einwirken auf die Presse, keine Importrestritkionen usw. —, kam aber in den Wirtschaftsfragen nicht durch; s. C. 998/4/18, 15.2.1936, FO 371–19 885, S. 276.Google Scholar
  307. 147.
    Zur englischen Rußland-Politik s. besonders die Arbeiten von Niedhart; vgl. unten, Kap I, Abschn. 9. Ein Pendant dazu ist Roosevelts Einstellung (vor 1941) zur Sowjetunion; s. dazu Hillgruber, Der Zenith des Zweiten Weltkriegs Juli 1941, S. 26.Google Scholar
  308. 148.
    C. P. 64 (34), Hankey-Committee-Report; Cab. 23–78, 14.3.1934, S. 268. Zum Folgenden s. ausführlicher Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 120 ff., 124 ff., 256 ff., 86 f., 94 ff.; für die Periode 1937—39 s. B. A. Lee, Britain and the Sino-Japanese War 1937–39, Stanford 1973; Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 144 ff.; Thorne, The Limits of Foreign Policy; Leutze, Bargaining for Supremacy.Google Scholar
  309. 149.
    In seinen Literaturberichten — MGM 1971 und 1973 — hat der Verf. das Problem in historischer Perspektive anzudeuten versucht. Meyers hat diese Fragestellung aufgegriffen und ausgebaut. Der Verf. hat daher die umfangreichen Vorstudien auf die nachfolgend ausgewählten Aspekte reduziert. Die Schlüsselzeugnisse sind zitiert von: Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 86 f., 94 ff., 287 f., 293 u. a. O.; Watt, Personalities; Thorne, Approach of War; ders., The Limits of Foreign Policy; ders., Allies of a Kind; Meyers, Britische Sicherheitspolitik; Barnett, Collapse of Power.Google Scholar
  310. 150.
    Zur 1931/33-Krise s. die auch vom methodischen Ansatz her interessante Studie von Thorne, die gute Einblicke in die englische und die amerikanische Politik sowie die daraus resultierenden anglo-amerikanischen Beziehungen gewährt. Die Atmosphäre, um Beistandsabkommen zu diskutieren, bestand erst im Winter 1937/38. Die Fühlungnahmen im Frühjahr 1937 (Chamberlain, Morgenthau, Davis) scheiterten an den unterschiedlichen Ausgangspositionen. Zu den Flottenverhandlungen 1937/38 s. Roskill, Hankey, S. 309 f.; Pratt, The Anglo-American Conversations on the Far East of January 1938, in: International Affairs, Bd. 47/4 (1971); Leutze, Bargaining for Supremacy, Kap. 1–3; Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 144 ff.; Offner, American Appeasement, S. 195 ff. Die Annahme, daß England auf US-Unterstützung nicht rechnen dürfe, so entscheidend sie auch sein würde, teilten Liddell Hart, H. Nicolson und andere Teilnehmer einer Konferenz im All Souls College (18.12. 1937, Protokoll, Nicolson-Nachlaß); das veröffentlichte Tagebuch geht auf die wichtige „private“ Konferenz nicht ein.Google Scholar
  311. 151a.
    Zur Position Baldwins s. die Zeugnisse bei Middlemas/Barnes, Baldwin, S. 762 ff., 767 ff., 876; N. Chamberlain-Simon-Korrespondenz Februar/Oktober 1934, Simon-Nachlaß; vgl. E. Segal, Sir John Simon, Berkeley 1969. Für die Stabschefs war die Beschwichtigung Japans oder Deutschlands ein leitender Gesichtspunkt. — Die Dominions stellten in strategischer und verteidigungspolitfscher Hinsicht eher ,,liabilities“ als „assets“ dar; das gilt auch für den Rüstungssektor (s. bes. Hall, North American Supply, S. 2 f., 10 ff.; Barnett, Collapse of Power, S. 204 ff., 218 ff., 504 ff.) — Die Dominions waren von der Weltwirtschaftskrise (und der Agrarabsatzkrise in den zwanziger Jahren) stärker als England betroffen. Die Auslandsverschuldung — besonders Australiens — war so groß, daß die Frage zu einem Hauptfeld der außenpolitischen Aktivität der australischen Regierung wurde. Industrielle Kapazitäten, die sich auf Rüstungszwecke umstellen ließen, waren nur begrenzt Vorhanden. Die Vorbehalte gegenüber der englischen Außenpolitik waren ebenso ausgeprägt wie die Aversion gegen eine von London inspirierte imperiale Strategie. Zu diesem Problemkreis s. als Überblick Meyers, Britain, Europe and the Dominions in the 1930’s, in: Australian Journal of Politics and History, XXII (1976), S. 36–50;Google Scholar
  312. 151b.
    R. Tamchina, In Search of Common Causes. The Imperial Conference 1937, in: The Journal of Imperial and Commonwealth History, I (1972/73), S. 79–105; s. ferner Ovendale, „Appeasement“; Louis.Google Scholar
  313. 152.
    Lothian-Bericht über Interview mit Roosevelt, 10.10.1934, in: Lindsay an FO, 12.10.1934, F 6784/591/23, FO 371–18 184, S. 383 (Roosevelts Haltung gegenüber England sei ähnlich der Englands gegenüber Frankreich).Google Scholar
  314. 153.
    Zum Folgenden s. Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 94 ff., 126 ff.; CID, Defence Requirements Sub-Committee, Report, 28.2.1934, C. P. 64 (34); Cab. 21–434; Ministerial Committee on Defence Requirements, Report C. P. 205 (34), 31.7.1934, Cab. 24–250; D. C. M. (32), 50.–55. Sitzung, Cab. 16–110; Barnes-Middlemas, Baldwin, S. 760 ff.Google Scholar
  315. 154.
    Vgl. Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 96. Die Argumentationsstruktur ist daher in vielen Punkten ähnlich. Die Doppelstrategie „rearmament and removal of causes which are delaying the return of confidence“, gilt in beiden Fällen; zu den „vertrauensbildenden Maßnahmen“ gehört die englische Bereitschaft, „peaceful change“ zu vermitteln, s. unten, Anm. 184,185.Google Scholar
  316. 155.
    W. Fisher und N. Chamberlain vertraten diese Linie; s. dazu Watt, Personalities, S. 96 ff., 100 ff.; Shay, S. 32 f.; Gibbs, S. 120 ff.; s. Anm. II/31 (betr. CIGS); Feiling, S. 253 f.Google Scholar
  317. 156.
    Hauptvertreter dieser Ansicht war die Admiralität, s. unten, Kap. II. Zum Two-Power-Standard s. Gibbs, S. 117 ff., 286 f., 318 ff.; Shay, S. 82 f., 142; Barnett, S. 414, 519; Postan, S. 26 ff.; Roskill, Naval Policy, Bd. II, S. 194 ff.; DRC, 3. Report, DRC 37, Nov. 1935.Google Scholar
  318. 157.
    N. Chamberlain, 9.11.1933, CID, 261. Sitzung, Cab. 2–6; s. ferner Gibbs, S. 120 ff., 256 f., 86 f., 94 ff. Zur Frage der englischen Japan-Politik s. Hankey an N. Chamberlain, 30.10. 1933, Cab. 21–369; Hodsoll an Hankey, 3.12.1934, Cab. 21–398; Louis, S. 207 ff. Die Wechselwirkung zwischen Fernost- und Europapolitik als Erklärungsfaktor der Appeasement-Strategie wird besonders deutlich hervorgehoben von David Dilks, Unneccessary War, in: Preston (Hrsg.), General Staffs, S. 102, und R. John Pritchard, The Far East, in: Millennium, II (1973), S. 21. Pritchard zeigt, daß für N. Chamberlain vor 1937 Japan als verhandlungswilliger galt. Um die japanische Gefahr zu bannen, habe man nach 1937 ein ,,settlement“ mit Deutschland in Europa angestrebt.Google Scholar
  319. 158.
    Der amerikanische Kapitalmarkt spielte für Australien in den zwanziger Jahren eine größere Rolle als London; die Bank von England ermunterte die Dominions, in New York Anleihen aufzulegen. Zur englischen Politik in diesen Fragen s. Moggeridge, Return, S. 206 ff.; Sayers, Bank of England, I; zu den australisch-amerikanischen Beziehungen s. Esthus, From Emnity to Alliance.Google Scholar
  320. 159.
    Hankey an Chamberlain, 30.10.1933, Cab. 21–369. — Zu den kontroversen Positionen in der englischen Japan-Politik s. bes. die Studien von Thorne und Trotter.Google Scholar
  321. 160.
    Monsell vertrat die von N. Davis geäußerte These, stieß aber auf N. Chamberlains Gegenwehr; s. Hodsoll an Hankey, 3.12.1934, Cab. 21–398. Zum Folgenden s. Hankey an R. MacDonald, 3.8.1934; Hankey an Chamberlain, 30.10.1933; Watt, Personalities, Essay 4; Simon/Chamberlain-Memo., C. P. 223 (34) vom 16.10.1934, Cab. 27–597.Google Scholar
  322. 161.
    N. Chamberlain, 19.3.1934, Cab. 23–78, S. 295; CID, 22.11.1934, Cab. 2–6/1, S. 157.Google Scholar
  323. 162a.
    W. Runciman/N. Chamberlain-Memo., P. E. J. (35) 2 vom 3.3.1935, Cab. 27–596 (Committee on Political and Economic Relations with Japan, 18.2.–4.6.1935). Vgl. Weinberg, S. 204; S. Olen Agbi, British Imperial Defence and Foreign Policy in Asia and the Pacific, and the Impact of Anglo-Japanese Relations 1937–41, Ph. D., Birmingham 1975;Google Scholar
  324. 162b.
    ders., in: HJ, XXXI/1 (1978), S. 176.Google Scholar
  325. 163.
    Betr., early move“-Inititativen gegenüber Deutschland, s. Anm. I/79.Google Scholar
  326. 164.
    Diese Diskussionen spielten sich im englischen Kabinett 1934 ähnlich ab wie 1934–37 über Deutschland. Zum Ringen zwischen Smuts/Lothian/Simon und N. Chamberlain s. Watt, Personalities, Essay 4; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 775 ff.; Trotter, Britain and East Asia.Google Scholar
  327. 165.
    Das betrifft auch den Disput, ob die Ursachen des ,,Militarismus“/Expansionismus in wirtschaftlichen Schwierigkeiten lägen oder politischen Faktoren (Rassenideologien, Machtansprüchen) zugeschrieben werden müßten; s. Louis, British Strategy, S. 219.Google Scholar
  328. 166.
    Runciman-Chamberlain-Memo., P. E. J. (35) 2, 3.3.1935, Cab. 27–596. — Im Unterschied zu den disparaten und schwachen englischen Interessen an den mittel-südost-europäischen Märkten (Griechenland ausgenommen) war die China-Lobby lange Zeit „vor Ort“ sowie in London eine wirksame Einflußgruppe. In diesem Punkt hinkt der Vergleich. Zum englischen Chinahandel, Englands Finanzinteressen in China und zum Einfluß der China-Lobby auf die britische Fernostpolitik s. Louis, British Strategy, S. 214 ff.; Endicott, Diplomacy and Enterprise; Gull, British Economic Interests in the Far East; C. F. Remer, Foreign Investments in China, New York 1933; Leith-Ross, Kap. 15. Das Board of Trade — P. E. J. (35) 3, 13.5.1935, Cab. 27–596 — setzte sich dafür ein, daß die englische Regierung durch eine klare Chinapolitik mithelfe, daß die geschlossene Front der englischen Firmen in China wiederentstehen könne; China sollte nicht den japanischen Ratgebern ausgeliefert werden. Zur amerikanischen Chinapolitik, in der die Kontroversen ähnlich verliefen, s. L. C. Gardner, Economic Aspects of New Deal Diplomacy, Madison 1964.Google Scholar
  329. 167a.
    Zur China-Lobby s. Endicott, Diplomacy and Enterprise, S. 86 ff.Google Scholar
  330. 167b.
    Agbi (in: HJ, XXXI/1 (1978), S. 173–179) hat, gestützt auf FO 371–20 277/20 279 und FO 371–21 029, die Gründe zusammengefaßt, warum das FO/Eden 1936/37 auf japanische Rapprochementge-suche (Botschafter Joshida) zurückhaltend reagierten.Google Scholar
  331. 168.
    Cab. 23–79, 31.8.1934, S. 354 ff. (Monsell); Cab. 23–78, 19.3.1934, S. 295 (N. Chamberlain).Google Scholar
  332. 169.
    Daß die englischen Flugzeugtypen ungeeignet waren, die von der Trenchard-Doktrin vorgesehene Offensiv-Aufgabe zu erfüllen, ergab eine Untersuchung im Spätsommer 1937; s. dazu Slessor, The Central Blue, S. 204 ff. Zu den Prioritäten im Flugzeugbau s. Frankland/ Webster (S. 65 ff., 91 ff.); Higham; Gibbs; Dempsey-Wood; D. C. Watt, Too Serious a Business. Zur Frage der Aufmarschbasis im Fernen Osten s. CID, 22.11.1934, Cab. 2–6/1, S. 157; s. ausführlich Gibbs, Kap. IX. Zur Frage der Operationsbasis in Belgien und Frankreich für die RAF s. Cab. 23–79, S. 217 ff. Das Problem, durch die Neutralität Hollands kompliziert, war ein Dauerthema in den CID-Beratungen.Google Scholar
  333. 170.
    Hinsichtlich des „Krisenjahrs“ 1936 s. COS 364, 8.2.1935 = CID 1161-B, § 16, S. 3 f.; CID 1187-B, 29.4.1935; DCM (32), Sitzung vom 7.6.1935. Auch für die Luftwaffe war 1936 wegen der Vorverlegung des Zieljahres von 1939 auf 1937 und der dadurch bedingten Umstellungen ein kritisches Jahr: Swinton, 20.5.1935, Cab. 27–508; 22.11.1934, Cab. 2–6/1, S. 155 f. (Marine); vgl. besonders D. C. Watt, Too Serious a Business, S. 128 ff.Google Scholar
  334. 171.
    22.11.1934, CID, Cab. 2–6/1, S. 157, 266. Meeting.Google Scholar
  335. 172.
    Eden-Bericht, 29.1.1936, Cab. 23–83; Monsell/Pietri-Gespräch, Cab. 23–83; S. 47 f.; den Hintergrund bilden deutsch-japanische Militärkontakte und entsprechende Berichte aus Tokio an das FO, s. im einzelnen Hauser, England und das Dritte Reich, S. 172. — Swinton, 20.5.1935, Cab. 27–508; WO, 8.3.1936, FO 371–19 888, S. 38; COS-Report über Sitzung vom 12.3.1936, im Kabinett beraten am 18.3.1936; Ministersitzung, 13.3.1936 (Locarno-Krisenausschuß) Cab. 27–603; 22.11.1934, Cab. 2–6/1, S. 155 ff.; Stresa-Briefing, 8.4. 1935, Cab. 23–81, S. 290 f.; CID 1187-B, 29.4.1935; D. P. R., 19. Sitzung, 3.3.1936. — Daß die japanische Gefahr momentan größer einzuschätzen sei, äußerten Hankey/Baldwin in der 50. Sitzung des Ministerial Committee on Disarmament anläßlich der Beratung über den Bericht des Hankey-DR-Committee, 24.6.1935, D. C. M. (32), Cab. 16–110; Bruce — 9.11.1933, CID, 261. Sitzung, Cab. 2–6/1 — war der gleichen Ansicht. Den Blick auf Japan zu lenken, geschah meist in Verbindung mit Beratungen über eine Beteiligung an französischen Ost-Initiativen. England müsse mit einem deutsch-japanischen Pakt als Reaktion auf ,,Einkreisungs“-manöver rechnen; im Fernen Osten würde England auf keine Unterstützung seitens Frankreichs und seiner Klientel zählen dürfen. Dieser Punkt wurde vor ,,Stresa“ und in der Rheinzonen-Krise sowie 1937/38 herausgestrichen; vgl. Gibbs, S. 124 ff.; Shay, S. 41; Emmerson, S. 139; Cowling, S. 168 ff. (betreffs der Debatte im Herbst 1937). — Deutschland wurde zwar ab Mitte 1934 als Hauptfeind identifiziert, gegen den sich die Rüstungsmaßnahmen in erster Linie richten müßten, doch die Erwartung, daß Japan ab 1936 seinen Vorsprung auf einige Zeit würde ausbauen können, während mit Deutschlands Herausforderung (im Westen) erst 1938/39 zu rechnen wäre, hielt die Situationseinschätzung offen. Dabei spielte auch eine Rolle, daß man eine deutsche Aktion für wahrscheinlicher hielt, wenn Italien oder Japan anderswo eine Krise ausgelöst hätten; mit dem Ausbruch des chinesisch-japanischen Krieges im Sommer 1937 wurde die Debatte in England wiederbelebt.Google Scholar
  336. 173.
    Eden-Bericht, 29.1.1936, Cab. 23–83;Monsell über seine Gespräche mit dem französischen Marineminister Pietri, ebd., S. 47 f.Google Scholar
  337. 174.
    14.3.1934, Cab. 23–78, S. 270 f. (N. Chamberlain).Google Scholar
  338. 175.
    Der von Simon und N. Chamberlain stellvertretend ausgefochtene Richtungsstreit, der sich in mehreren Etappen über das Jahr 1934 erstreckte, wurde begleitet von „appeasement“-trächtigen Ausführungen des Privatsekretärs des Außenministers, Granville, gegenüber Rosenberg/Hitler, während Chamberlain seine Präferenz durch Kontakte mit dem japanischen (Sonder-)Botschafter in London zum Erfolg zu bringen suchte — s. Granville an Simon, zit. auch bei Weinberg, S. 202, Simon-Nachlaß; über Chamberlains Aktivitäten s. Watt, Essay 4. Ein deutsch-japanisches Rapprochement als Folge einer „harten“ Reaktion Englands in der Krise befürchtete auch das FO, Memo., 12.3.1936, Cab. 27–603.Google Scholar
  339. 176.
    Im Winter 1937/38 betonte N. Chamberlain in den Auseinandersetzungen zwischen den Stabschefs und dem FO, daß England die japanische Gefahr nicht ignorieren dürfe; für ihn folgte daraus die Berechtigung, mit Deutschland oder Italien einen Ausgleich anzustreben. Die Fernostpolitik wurde - vor Juli 1937 (Ausbruch des Krieges in China) — viel stärker dem FO überlassen als die Deutschlandpolitik; das FO lehnte es ab, chinesische Interessen zu verletzen, um Englands Position im Fernen Osten von Japans Gnaden zu behaupten; s. Agbi, in: HJ, S. 173. — Die wirtschaftlichen Fragebereiche standen im Zeichen der Interessenwahrnehmung — dies ist das Ergebnis der Studien von Lee, Sino-Japanese War; Trotter, Britain and East Asia; Endicott, British China Policy; Louis, British Strategy. Zu den Gründen zählt, daß England im Fernen Osten gegen den japanischen Expansionismus stärkere Gegenkräfte (USA, UdSSR) wirken sah; daß die japanische Politik zwischen anti-russischer, anti-amerikanischer und anti-britischer Orientierung schwankte; daß die pro-japanischen Appeaser in der Regierung und in der Konservativen Partei keine tragfähige Koalition schmieden konnten. N. Chamberlain war nach der „Niederlage“ im Herbst 1934 nicht mehr als Exponent aufgetreten, wenn er auch von japanischer Seite als Anlaufstelle für Rapprochement-Angebote (1936/37) betrachtet wurde.Google Scholar
  340. 177a.
    Lothian an House, 20.11.1934, GD 40–17, Bd. 200;Google Scholar
  341. 171b.
    Lothian an Garvin, 16.11.1934, ebd.***GD, Bd. 282; Lothian an L. Curtis, 8.11.1934, Bd. 281; Lothian an Dafoe, 27.11.1934, Bd. 281; s. auch Barnes-Middlemas, Baldwin, S. 784 ff. Lothian sah zu diesem Zeitpunkt (bis etwa Mitte 1937) Frankreich und dessen Klientel durch Deutschland nicht ernsthaft bedroht; daher sollte die englische Regierung die Chance nutzen, im Fernen Osten mit den USA eine Solidargemeinschaft aufzubauen, die sich später auch bei der Erhaltung des Friedens in Europa bewähren könne. Freilich dürfe die Annäherung an die USA nicht soweit gehen, daß Japan offen auf Deutschlands Seite trete. In den Diskussionen spielte die Überlegung mit, daß Deutschland bzw. Japan ein Stillhalteabkommen nutzen könnten, um einen Rüstungsvorsprung zu erzielen; denn während Deutschland bzw. Japan die ausgehandelten „Rechte“ konzentriert „ausschlachten“ könnten, würde England auch weiterhin für beide Fälle — wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß — rüsten müssen, um im Falle des Bruchs des „Waffenstillstands“ in der jeweiligen Region nicht ganz „entblößt“ dazustehen. Diese Diskussion ist bereits 1920/1922 in ähnlicher Form geführt worden; s. Fry, Illusions of Security, sowie Roskill, Naval Policy.Google Scholar
  342. 178a.
    Zur Außenpolitik Salisbury’s s. J. A. S. Grenville, Lord Salisbury and Foreign Policy, 1964;Google Scholar
  343. 178b.
    L. M. Penson, The Principles and Methodes of Salisbury’s Foreign Policy, in: Cambridge Historical Journal, V (1935/37), S. 87–106;Google Scholar
  344. 177c.
    W. Palmer, Lord Salisbury’s Approach to Russia, 1898, in: Oxford Slavonic Papers, IV (1955), S. 112–114; G. Schmidt, Politische Tradition (Habil.-Schrift), Teil I.Google Scholar
  345. 179.
    Deutschland bzw. Japan legten die von England an die jeweils andere Macht unterbreiteten Offerten als Zeichen der Schwäche aus. Sie zogen aus ihren Verhandlungen mit England, besonders in Flottenfragen, den Schluß, daß man „hart“ auftreten müsse, denn England würde im Hinblick auf die ,,Doppelfront“-Gefahr nachgeben; das wird — wenn auch überzogen — deutlich in der Arbeit von Robert Ingram, Hitlers glücklichster Tag. London, am 18. Juni 1935, Stuttgart 1962.Google Scholar
  346. 180.
    Diese Konzeption artikulierte Smuts besonders klar, s. Smuts an Lothian, 14.12.1934, zit. bei: Butler, S. 202; s. auch Smuts an Lothian, 20.2.1935, Smuts-Papers, Bd. VI, hrsg. von J. van der Poel, S. 7–9; vgl. auch die Aufzeichnungen über die All Souls Conference 187 19.12.1937, Nicolson-Papers.Google Scholar
  347. 181.
    Lothian (Jan. 1935), s. Bames/Middlemas, Baldwin, S. 793; diese Vorstellung hatte Lothian 1919 Lloyd George im Hinblick auf den Bolschewismus in Rußland und die deutsche Revolution unterbreitet. Siehe ferner Lothian, Chatham House-Vortrag, 29.6.1937, in: International Affairs, XVI, S. 886; die Auffassung findet sich auch in den Aufzeichnungen über das All Souls Meeting, Nicolson-Nachlaß, 2. Teil der Besprechung, 18.12.1937; ferner Lothian an Coupland, 11.7.1935, Bd. 300; Baldwin, Simon, Lothian betrachteten Aufrüstung und Defensiv-,,bündnis“ mit Frankreich als Gegenstück zu den Bemühungen um einen Ausgleich mit Deutschland; zu Simon s. Anm. I/202. — Diesen Überlegungen lag die Ansicht zugrunde, daß Hitler Englands Stehvermögen, d. h. politische Stabilität und Stärke respektiere; Hitler verfolge im Osten zwar expansive Ziele, werde aber die Zeit für sich arbeiten lassen, d. h. die Ereignisse nicht überstürzen. Die ,,Pause“ zwischen den Coups vom März 1936 und März 1938 schien solche Annahmen zu rechtfertigen.Google Scholar
  348. 182.
    Chief of Imperial General Staff, 17.1.1936, C. P. 12 (36), Cab. 24–259, „The Importance of Anglo-Japanese Friendship“; zu Monsell vgl. Anm. I/172 u. I/173. Die Admiralität/ Kriegsmarine befürwortete Informationsaustausch mit Deutschland und Japan ebenso wie das Air Ministry (und noch deutlicher die inoffiziellen RAF-Zeitschriften) den Informationsaustausch mit der deutschen Luftwaffe: s. C 209/4/18, 14.–16.1.1936; C 248/4/18, 14./15.1.1936; C 384/4/18, 17.1.36; C 213/4/18, 30.1.1936; C 502/4/18, 23.1.1936; C 389/4/18, 17.1.1936 u. a. O. Zu den Milch-„Missionen“ s. Middlemas, S. 91 f., 305 ff.; Gilbert, Churchill, Bd. V, S. 841, 871 ff.; Eden, S. 484 f.; Gibbs, S. 302, 568; Barnes/Middle-mas, S. 945, 1027 ff.; Roskill, Hankey, III, S. 259 ff.; Colvin, Vansittart, S. 133 ff.; Gibbs, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 258; Overy, German Plans, S. 795.Google Scholar
  349. 183.
    R. G. Glenday, Chief Economic Adviser der FBI, erhoffte zum Beispiel von dem aus anderen Gründen befürworteten Interessenausgleich zwischen der deutschen und englischen Industrie, daß die Vereinbarung als Plattform für die Abwehr der japanischen Handelsexpansion fungieren könne (FBI/C/2/1936, Tariff & Commercial Treaties Committee, Minutes, 13.12.1936; s. Holland, Ms., S. 8).Google Scholar
  350. 184.
    Zum Vorstoß von Smuts und Lothian gegen die „pro-japanischen“ Kräfte in der Phase der Flottengespräche Oktober/November 1934 s. Anm. I/177. Auch Handelsminister Runciman sprach sich dafür aus, die Flotte im Hinblick auf Japan auszubauen und England aus europäischen Verwicklungen herauszuhalten, s. Anm. IV/411 u. Anm. III/26. Zu „Ottawa“ s. unten, Kap. III. Über den Zusammenhang dieser wirtschaftspolitischen mit den sicherheitspolitischen Fragen — anglo-amerikanische Beziehungen und englischer Handlungsspielraum ip Europa und im Fernen Osten — s. auch All Souls Meeting, 18719.12.1937. 185 A. Chamberlain, Kommentar zum Grigg-Vortrag im Chatham House über Defekte des Lo-carno-Systems, Ende Januar 1935. Bezogen auf die Mandchurei-Krise formulierte A. Chamberlain Prinzipien, die die „Appeaser“ gegenüber Deutschland gelten lassen wollten: Man diene dem Frieden viel besser, wenn man nicht auf jedem Rechtstitel beharre, sondern „allow a measure of compromise to enter into your decisions“; der Völkerbund täte gut daran, in einzelnen Fällen zu vermeiden „being put into the position that, having given definite decision, it meets with resistance and is impotent to take any effective action to secure compliance.“ Je nach Einschätzung der momentanen Machtverhältnisse und der „legitimate grievances“ müsse Politik sich distanzieren können vom Befolgen der „rule of law“ als Handlungsmaxime. — In polemischer Absicht hat Bassett (Democracy and Foreign Policy, S. 564 ff.) besonders über Churchill Zeugnisse aus den Jahren 1932/33 zusammengetragen, die Verständnis gegenüber Japans Mandchurei-Politik bekunden, anti-bolschewistische Töne (Bollwerkfunktion) anklingen lassen usw. Über N. Chamberlains Appeasement-Absichten gegenüber Japan s. Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 124 ff., 86 f., 94 ff. A. Chamberlain, Churchill u. a. wollten Frankreich moralisch den Rücken stärken, damit es dem deutschen „Bluff“ Paroli bieten könne; da Englands Sicherheit vorläufig vom Vorsprung der französischen Militärmacht gegenüber Deutschland abhänge, sollte England sich in der Aufrüstungsphase eher zurückhalten statt Frankreich diplomatisch in den Arm zu greifen. Die englisch-französische Einheitsfront sollte Hitler abschrecken; Lothians Bemühen um eine Allianz zwischen den atlantischen Partnern bezweckte, die Abschreckungsstrategie im Fernen Osten zu erproben.Google Scholar
  351. 186a.
    G. B. Sansom-Memo., 29.10.1934, im Kabinett behandelt am 11.1.1935, C. P. 8 (35), Cab. 27–596. Vgl. Louis, S. 224 ff.; Sansom, in: Clive an FO, 6.11.1936, FO 371–20 279. Sansom verwies auf den neuen japanischen Stil, den er auf die Formel brachte: Ihr (England) gebt alles, wir (Japan) nehmen alles. Japan verkündete im April 1934 — erneut — seinen Hegemonieanspruch und sprach von der „Neuen Ordnung im Fernen Osten“; die Kampfansage gegen die „open door“-Politik der USA erfolgte im November 1938 (s. Junker, 130 ff., 217 ff.). Zur Entwicklung Japans in den dreißiger Jahren s. Junker, S. 120 ff.; J. W. Hall, Das japanische Kaiserreich, Frankfurt a. M. 1968;Google Scholar
  352. 186b.
    R. Storry, The Double Patriots, 1957;Google Scholar
  353. 186c.
    F. C. Jones, Japans New Order in East Asia 1937–1945, London/New York/Toronto 1954;Google Scholar
  354. 186d.
    J. W. Morley (Hrsg.), Dilemmas of Growth in Pre-War Japan, Princeton N. J. 1971;Google Scholar
  355. 186e.
    G.-K. Kindermann, Der Ferne Osten in der Weltpolitik des industriellen Zeitalters, München 1970;Google Scholar
  356. 186f.
    B. Martin, Aggressionspolitik als Mobilisierungsfaktor. Der militärische und wirtschaftliche Imperialismus Japans 1931–1941, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 222–244.Google Scholar
  357. 187.
    Vansittart-Minute, 10.12.1934, zu F 7162/591/23, FO 371–18 184, S. 388; zur FBI-Mission s. Louis, British Strategy, S. 225 ff.; Endicott, British China Policy, S. 73 ff.; Trotter, Britain and East Asia, S. 115 ff.Google Scholar
  358. 188.
    N. Chamberlain, 9.1.1935, Cab. 23–81, S. 12. Die ins Konkrete gewendeten Vorschläge suchte MacDonald mit dem Hinweis abzublocken, daß in den Ressorts die entsprechenden Vorkehrungen noch nicht weit genug gediehen seien. Die Vorschläge der Ressorts wurden im Japan-Ausschuß —Cab. 27–596, Februar–Juni 1935 — erörtert, ohne besondere Ergebnisse; man wollte die Leith-Ross-Mission abwarten.Google Scholar
  359. 189.
    Wigram, Vortrag „British Foreign Policy“, 1935, FO 800–292, S. 137.;Google Scholar
  360. 190.
    Roskill, Hankey, Bd. III, S. 31 (1932); Chamberlain, 9.1.1935, Cab. 23–81, S. 12; Chamberlain, 14.3.1934, Cab. 23–78, S. 271 (Chamberlain befürwortetem Appeasement Japans, damit England sich um die „nähere“ kontinentale Gefahr kümmern könne); vgl. Feiling, Neville Chamberlain, S. 253 f.;Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 760 ff.; Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 120 ff., 124 ff.Google Scholar
  361. 191.
    14.3.1934, Cab. 23–78, S. 271. N. Chamberlain, 9.1.1935, Cab. 23–81, S. 12.Google Scholar
  362. 192.
    Chamberlain, 9.1.1935, Cab. 23–81, S. 12. Japan bzw. Deutschland sollten „realistische“ Daten als Basis für eine „freiwillige“ Rüstungsbegrenzung vorlegen; die Daten könnten zu einer multilateralen Konvention zusammengestellt werden: 31.10.1934, Cab. 23–80, S. 139 f.; C. P. 223 (34), Cab. 24–250; 7.11.1934, Cab. 23–80, S. 155 f.; 14.11.1934, Cab. 23–80, S. 185.Google Scholar
  363. 193.
    Hoare, 14.3.1934, Cab. 23–78, S. 270; betr. Japan s. Agbi.Google Scholar
  364. 194.
    CP 223 (34), 16.10.1934, Simon/Chamberlain-Memo., Cab. 24–250, in: Cab. 23–80, S. 81 ff.; Feiling, Neville Chamberlain, S. 253 f.; Louis, British Strategy, S. 212 ff. - Simon optierte gegen Japan, weil er eine Trübung der Beziehungen zu den USA und den Dominions vermeiden wollte — das entsprach der Argumentation von Lothian/Smuts. Chamberlain schrieb den USA einen aus Geschäftsinteresse und Isolationismus gemischten Eigennutz-Kurs zu (s. Simon-Nachlaß, Korrespondenz zur Kabinettsvorlage C. P. 223). — Vgl. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 770, 781 u.a.; Watt, Personalities, Essay 4. — Simon setzte sich als Richtpunkt, daß Deutschlands Austritt aus dem Völkerbund zum Oktober 1935 rechtswirksam wurde; er wollte Hitler veranlassen, die Austrittserklärung zurückzunehmen. Für Chamberlain kam es darauf an, im Fernen Osten eine „Ruhepause“ zu gewinnen, um die englische Aufrüstung auf die RAF konzentrieren zu können (zu den Motiven s. unten, Kap. IV, „Politisches System“). Die Hoffnung, Japan zu einer Verlängerung des Flottenabkommens in irgendeiner Form bewegen zu können, stützte sich auf die von Hirota angekündigten Nichtangriffspakt-Angebote; N. Chamberlain, 25.9.1934, Cab. 23–79, S. 384 ff.Google Scholar
  365. 195.
    Cab. 23–80, S. 220 ff; 5.12.1934, Cab. 23–80, S. 296; 12.12.1934, Cab. 23–80, S. 325; 19.12.1934, Cab. 23–80, S. 357 f.Google Scholar
  366. 196.
    Simon, 31.10.1934, Cab. 23–80, S. 140.Google Scholar
  367. 197.
    14.11.1934, Cab. 23–80, S. 185; vgl. Watt, Personalities, Essay 4; Trotter, Britain and East Asia, S. 92 ff., 107–114.Google Scholar
  368. 198.
    Das Dilemma englischer Sicherheitspolitik wurde darin sichtbar, daß Deutschland im Oktober 1933 und Japan im März 1933 ihre Mitgliedschaft im Völkerbund kündigten, während die Sowjetunion 1934 rechtskräftig Mitglied wurde. Die seit 1921 — besonders auf Drängen Kanadas — abgeschwächten Beistandsverpflichtungen der Völkerbunds-Akte ließen der englischen Politik praktisch mehr Bewegungsspielraum als Bündnisverträge es tun könnten.Google Scholar
  369. 199.
    Zur englischen Einschätzung der wirtschaftlichen Lage Japans und deren Zusammenhang mit Japans Außenpolitik s. Trotter, Britain and East Asia, S. 115 ff., 92 ff.; Endicott, British ChinaPolicy, S. 73 ff.;Martin, Aggressionspolitik, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 222–244.Google Scholar
  370. 200.
    18.4.1934, Cab. 23–79, S. 14 f. Die These, daß die englische Regierung durch politische Aktionen Vorsorge schaffen müsse, damit die Handelsrivalitäten nicht zum Sprengstoff würden, vertrat die Japan-Mission der FBI gegenüber der englischen Regierung; s. Locock an H. Wilson, 10.12.1934, = C. P. (35) 9, 4.1.1935, Cab. 27–596; s. dazu Trotter, Britain and East Asia, S. 115 ff.; Louis, British Strategy, S. 222 f.; Endicott, British ChinaPolicy, S. 73 ff. Die FBI flocht in ihre Argumentation (deutlicher als in anderen Eingaben) politische Argumente ein: Die Mandchukuo-Region wurde nicht nur als Rohstofflager und Fertigwarenabnehmer Japans bezeichnet, sondern als Bollwerk/Pufferzone gegen ein Vordringen bolschewistischer Ideen und Einflüsse. Der Vorgang ist zu sehen vor dem Hintergrund der Einigungsbemühungen und Konflikte zwischen den chinesischen Kommunisten und Tschiang-Kai-Schek sowie den japanischen und deutschen Militärberater-Aktivitäten.Google Scholar
  371. 201.
    Cabinet Committee on Political and Economic Relations with Japan, Cab. 27–596; C. P. 35 (35), 8.2.1935. Zur Einschätzung der Lage in China unter den Wirkungen des ‚Bürgerkrieges‘ s. im einzelnen Louis, British Strategy, S. 222 ff.; Trotter, Britain and East Asia, 107 ff. sowie Kap. 8; Leith-Ross, Kap. 15.Google Scholar
  372. 202.
    Gibbs, S. 115 (N. Chamberlain, Juli 1934); Simon-Notizen, 17.4.1935, Rückflug von der Stresa-Konferenz, Simon-Papers, s. Anm. I/205. — Die Einstellung wurde von den Dominions geteilt und wirkte auf die englische Meinungsbildung zurück; s. Tamchina, S. 86 f.; Weinberg, S. 253; Lammers (für die „München“-Krise), S. 844 ff. (Jebb); zu Hankey s. unten, Kap. II; zu Chamberlain/Inskip s. unten, Kap. IV. Die Gewißheit, die öffentliche Meinung hinter sich zu haben, wenn man so tat, als ob England im Westen nicht bedroht und Verhandlungen (Neu-Locarno, Rüstungsbegrenzung u. a. m.) möglich seien, beschwichtigte die im Kabinett geäußerten Besorgnisse: 30.4.1936, Cab. 23–84, S. 62 f.Google Scholar
  373. 203.
    Besonders N. Chamberlain betonte in den Jahren 1933–35, daß vor Ablauf von fünf Jahren nicht mit deutscher Kriegsbereitschaft im Westen gerechnet werden müsse — 1.7.1934, D. C. M. (32); s. Gibbs, S. 96 f., 115. - Baldwin, 26.2., 5.3. und 9.3.1936, Cab. 23–83. — Exponiert: O’Malley, 24.2.1936, C 1028/4/18, FO 371–19 885, S. 321 f.Google Scholar
  374. 204.
    Hankey, 1.2.1935, A. F. (B) (35), Protokoll S. 7; COS 364 = CID 1161-B, 8.2.1935, Cab. 21–413. Hierbei ist zu beachten, daß Hankey und Baldwin sich für Ausgewogenheit im Rüstungsprogramm einsetzten und anders als Chamberlain — zunächst — nicht die ausschließlich — vorrangige Expansion der RAF forderten.Google Scholar
  375. 205.
    Hankey-Memo., 2.2.1935, S. 1–2, Cab. 21–413; Hankey, 14.2.1935, CID 1162-B, §§ 50, 55; Hankey, 1.2.35, Protokoll S. 9–10, A. F. (B) (35). Hankey ging davon aus, daß Frankreich über das Ostlocarno-Projekt als Garantiemacht der östlichen Nachbarn Deutschlands engagiert wäre. Er unterstellte Frankreich, daß es deutsche Aktionen provozieren könnte oder auf geringfügige Verletzungen — zum Beispiel der Lufthoheit — „überreagieren“ könne; bestände dann ein Luft-Locarno-Abkommen einschließlich der von Frankreich verlangten schnellen („automatischen“) Bündnishilfe, dann sähe England sich „frühzeitig“ in Konflikte mit Deutschland verwickelt; s. Roskill, Hankey, S. 155 ff. — Für Simon ergab sich eine längere „Schonfrist“ für England (Notizen auf dem Rückflug von Stresa, 17.4.1935). „At any rate, I am completely satisfied that Germany regards the East as her preoccupation for many years to come.“ Simon sah Hitlers Furcht vor dem bolschewistischen Rußland als genuin an und akzeptierte, daß die deutsche Aufrüstung in erster Linie dem Zweck diene, Deutschland als Bollwerk gegen den Bolschewismus aufzubauen. Hitler rechne erst in 10— 20 Jahren mit einer Konfrontation mit der SU; der Beschleunigung der deutschen Aufrüstung, besonders der Luftwaffe maß Simon keine Präventivkriegsabsichten bei. Er folgerte, daß die englische Diplomatie die Frist nutzen solle, um die Rückstände der englischen Rüstung gegenüber den in den zwanziger Jahren.festgelegten Sollstärken wettzumachen und gleichzeitig Verhandlungen über Regionalpakte zu führen. Je mehr sich Simon — ähnlich wie Halifax nach dem November 1937-Besuch — der Diskrepanz zwischen den englischen und Hitlers Intentionen und Methoden bewußt wurde, desto stärker plädierte er dafür, weiter an der „Brücke“ nach Deutschland zu bauen (Diary, 27.3.1935). Seine Hoffnungen basierten auf dem bereits erwähnten Kalkül, Englands „politische Stärke“ diplomatisch nutzbringend einzusetzen; s. Anm. I/27.Google Scholar
  376. 206.
    Zum Folgenden: 29./30.4.1936, Cab. 23–84, S. 33 ff.;Phipps, C. 3879/4/18 (über die deutsche Haltung zur Frage eines „european settlement“) und Sargent/Vansittart-Minutes, 28. 5.–1.6.1936, FO 371–19 906, S. 96 ff. Das FO warnte davor, Hitlers Strategie einer Isolierung Frankreichs auf den Leim zu gehen; diese Absicht verberge sich hinter den Manövern, England Aussichten auf einen Ausgleich zu eröffnen. Die Intensivierung der deutschen Bemühungen um einen bilateralen Ausgleich mit England hänge mit der Bildung der Volksfront-Regierung in Frankreich zusammen. Zu Ribbentrops Bemühungen, ein Treffen Hitlers mit Baldwin und Eden zustandezubringen und den Einflußversuchen auf Baldwin s. Jones, Diary with Letters, passim; Tennant, True Account, S. 214 ff.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 955 ff.Google Scholar
  377. 207.
    30.4.1936, Cab. 23–84, S. 62 f.Google Scholar
  378. 208.
    Baldwin, 1.2.1935, A. F. (B) (35), Protokoll S. 10, Cab. 21–413; noch deutlicher Hankey, ebd.; s. unten, Kap. II. Ähnlich Simon zur Zeit der Stresa-Konferenz: C 3258/55/18, 8.4. 1935; C 3779/55/18, 30.4.1935. — Eden — 3.6.1937, Imperial Conference, FO 371–21139 — sprach davon, daß es falsch wäre, die Länder in Mittel- und Südost-Europa zum Widerstand gegen die deutsche Durchdringung zu ermuntern. Dies verdeutlicht bzw. ergänzt die englische Absichtserklärung, die Verpflichtungen im Zuge einer Völkerbundsreform eher zu vermindern als auszuweiten (s. dazu ausführlich Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 954 ff.). Inskip sprach gegenüber der Defence Deputation davon, daß England — wegen der Gefahr, durch einen deutschen Luftangriff mattgesetzt zu werden — das Recht habe, die deutsche Gefahr von sich abzulenken (23.11.1936, Protokoll, S. 32 ff., Cab. 21–438); ähnlich Baldwin, 28729.7.1936 (Antwort an die Deputation); s. die ausführlichen Zitate in Gilbert, Churchill, Bd. V, S. 768 ff. Der volle Sinn dieser Erklärungen wird erkennbar, wenn man sie im Licht einer späteren Erklärung Inskips sieht: ,,In a sentence we were in a weak military position to meet a political situation which we could not avoid“ (27.3.1939, Cabinet Committee on Foreign Policy, zit. von F. W. Deakin, Anglo-French Policy in Relation to South-East Europe, in: Les Relations Franco-Britanniques, S. 84). Vgl. Em-merson, The Rhineland Crisis, S. 60; Tamchina, S. 87 (über die Haltung einiger Dominions, die England zwar im Westen Hilfe in Aussicht stellten, aber unter dem Vorbehalt, daß es Deutschland in Mittel- und Südost-Europa expandieren lasse).Google Scholar
  379. 209.
    Vgl. Anm. I/359 u. I/362. Vgl. ferner Newman, Origins of Munich, in: HJ, XXI/2 (1978), S. 371 ff.; s. auch C 585/4/18, FO-Minutes, 30.1.–4.3.1936. Hierzu gehören Hankey, Swinton, Cranborne, Wigram, Sargent, O’Malley, Ashton-Gwatkin, Jebb. Die Argumentation beruht darauf, daß die Donauraum-Länder ökonomisch ohnehin von Deutschland abhängig seien und keinen ausreichenden Widerstandswillen aufwiesen; ferner, daß Frankreich seiner Klientel keinen wirksamen Schutz angedeihen lassen wolle: Wigram-Sargent-Memo., 21.11. 1935, §§ 25, 27;Cranborne, 17.3.1936, FO 800–296, S. 139 ff.; FO-Minutes, Ende November 1935, FO 371–18 860, S. 137; Sargent, 10.2.1936, FO 371–19 884, S. 25; O’Malley, G (36) 6, 24.2.1936, Cab. 27–599; Andeutungen auch in C. P. 42 (36), 11.2.1936, § 22, Cab. 27–599. Diese Auffassungen wurden von Collier und Vansittart bestritten. Ovey (Botschafter in Brüssel) gehörte zum Kreis der Diplomaten, die im Fall eines deutsch-russischen (= teutonisch-slawischen!) Konfliktes eine Schwächung beider Mächte erwarteten und daher England in der Rolle des lachenden Dritten zu sehen wünschten; Ovey an Vansittart, 18.9.1936, C 6619/4/18, FO 371–19 912, S. 203 ff.Google Scholar
  380. 210.
    Simon, 17.4.1935, Notes written in aeroplane returning from Stresa/Geneva, Simon-MSS.Google Scholar
  381. 211.
    Siehe unten, Kap. IV.Google Scholar
  382. 212.
    29.4.1936, Cab. 31 (36) 5, Cab. 23–84; im einzelnen s. Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 228, 232. Die Regierung Blum kam den englischen Vorstellungen entgegen, indem sie offiziell auf Strafaktionen gegen den deutschen Vertragsbruch vom 7. März 1936 verzichtete und auch zustimmte, die Fragebogenaktion einzustellen.Google Scholar
  383. 213.
    Siehe unten, Kap. IV.Google Scholar
  384. 214.
    Vgl. Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 233.Google Scholar
  385. 215.
    Zu den Schacht/Blum-Gesprächen, zu der Kolonial- und Rohstoff-Frage sowie den Initiativen, die zur Bildung der Völkerbundsausschüsse und der Van-Zeeland-Kommission führten, s. unten, Kap. III/C.Google Scholar
  386. 216.
    Daß nach den englischen Beobachtungen bis zum Oktober 1936 keine Befestigungsbauten in der Rheinzone erfolgt waren, beeinflußte die englische Gelassenheit (Newton [Berlin] an FO, 16.9.1936, C 6251/4/18, FO 371–19 912, S. 143 u. Minutes). Der Bau des Siegfriedwalls war 1936/37 keine Priorität in der deutschen Rüstungspolitik — s. Robertson, Hitlers Pre-War Strategy, Kap. 9; Emmerson The Rhineland Crisis, S. 235. Das Thema der englischfranzösischen Gespräche waren nicht konkrete Befestigungsbauten, sondern die (scheinbare) französische „Entschlossenheit“, eine Offensivstrategie als Option zu behalten. Die Stabsgespräche lagen nach dem Verebben 1936 bis Anfang 1938 still (s. Ph. Masson u. Buckley/Neave-Hill/Haslam, in: Les Relations Franco-Britanniques 1936–1939, S. 91 ff., 119 ff.). — Ende März und Ende Mai/Anfang Juni 1936 hatte Deutschland versucht, die Stabsgespräche zu beeinflussen, indem England bedeutet wurde, die Bauten in der Rheinzone würden sich auf ein Minimum beschränken; falls die Stabsgespräche Folgen zeitigten, müsse Deutschland durch massive Befestigungsbauten für seine Sicherheit sorgen. Zwischen FO und WO (Vansittart/Dill) kam es zum Disput, weil Dill sich beschwerte, daß das FO diese ,,vertraulichen“ Informationen an Frankreich weitergebe; Vansittart konterte, daß es sich um eine politische Frage handele, die das FO nach eigenen Gesichtspunkten handhaben dürfe (s. auch Anm. I/235). — C 3761/4/18, FO 371–19 906, Paget (WO) an FO betr. Gespräch mit Geyr; Sargent an Vansittart, 3.6.36; Sargent-Aufzeichnung, 20.5.1936, C 3762/4/18, 19 906; Vansittart an Dill, 28.5.1936; Dill an Vansittart, 5.6.1936.Google Scholar
  387. 217.
    FO-Memo., Preparations for the Five-Power-Conference (betr. Neu-Locarno), 19.8.1936, FO 371–19 912. Zum Sinn und Zweck der Frage bogen akti on vom April 1936 s. Sargent-Memo., 20.5.1936, „on the Question of the Fortification in the Rhineland“, C 3762/4/18, FO 371–19 906, S. 30.Google Scholar
  388. 218.
    FO-Memo., 19.8.1936, Frage 16. Vgl. Eden-Bericht, 6.7.1936, Cab. 23–85, S. 56. — Die Außenminister Frankreichs, Belgiens und Englands hatten sich am 10. April 1936 auf diese „Perspektive“ geeinigt.Google Scholar
  389. 219.
    Sargent, C 1912/4/18, FO 371–19 982, S. 229; Harris-Memo., „Collective Security. Strategical Review of the Situation in Europe“, Mai 1936, in: COS 491 (Joint Planning Staff), Cab. 21–441; vgl. Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 611 ff.Google Scholar
  390. 220.
    Eden, 6.7.1936, Cab. 23–85, S. 56.Google Scholar
  391. 221.
    Anhaltspunkte sind: Schwächen der französischen Rüstungsproduktion (schon vor dem Matignon-Abkommen und der Verkürzung der Arbeitszeit); Währungsverfall, der durch das Tripartite-Agreement vom September 1936 nur unterbrochen, aber nicht sistiert wurde; Frankreichs Luftwaffe galt den englischen „Experten“als obsolet. (Die Schwächen der französischen Luftwaffe und die Mängel bzw. Defizite der Flugzeugproduktion betonen G. Chapman, Why France Collapsed, London 1968, S. 33 ff.;Google Scholar
  392. 221a.
    A. Maroselli, Le Sabotage de Notre Aviation: Cause Principale de Notre Defaite, 1941.); Instabilität der französischen Regierungen und generell die vergleichsweise hohe Abhängigkeit der Regierungspolitik von parlamentarischen und Presse-Einflüssen. Ausschlaggebend war, daß Laval in der Saar-Frage zuerst die Möglichkeit eines Alleingangs andeutete und dann auf die englische „Führung“(Vorschlag einer internationalen Streitmacht zur Sicherung einer „geordneten“Saar-Abstimmung) einging. Laval’s Erklärung, den Barthou-Kurs verlassen zu wollen, konnte die englische Seite als Stichwort aufgreifen, ihrerseits zu versuchen, die französische Politik ins Schlepptau zu nehmen; s. Anm. I/320. Die Einzelheiten, die im Herbst 1934 in der genannten englischen Perzeption des französischen „Zustands“kulminierten, liegen zeitlich auseinander; sie werden (s. Simon-Diary; Eden-Memoiren) schrittweise verzeichnet und begründen — etwa ab Herbst 1934 — das Kontrastbild zwischen der englischen „politischen Stärke“und französischer politischer Schwäche/Unsicherheit. Es ist eine andere Frage, ob Frankreich 1934 „objektiv“schwächer war als 1932. Dafür spricht in jedem Fall, daß die Weltwirtschaftskrise Frankreich verspätet ereilte und daß politische Vorfälle, wirtschaftliche Rezession, Verteilungskonflikte sowie generell die verbalisierte Konfrontation zwischen der „Rechten“und der Volksfront eine Schwächung anzeigten; weder im Oktober 1933 noch in der Märzkrise 1936 hatte Frankreich eine handlungsfähige Regierung.Google Scholar
  393. 222.
    6.7.1936, Cab. 23–85, S. 56 ff. — Gemeint ist Sicherheit für Frankreich, Belgien und England in Westeuropa durch ein „Neu-Locarno“; mit der Formel wollten die Befürworter Frankreich vom Kurs einer „forward policy“in „Zwischeneuropa“abbringen.Google Scholar
  394. 223.
    6.7.1936, Cab. 23–85, S. 36 ff.; s. Anm. I/236, I/362; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 955 ff. — Die Diskussion wiederholte sich im März und im Mai 1938 in den Beratungen, ob man Frankreich und der Tschechoslowakei sagen sollte, daß England nicht eingreifen werde (s. Simon-Diary, 22.5.1938; ausführlich Middlemas, Kap. 6 u. 8). Als Beispiel für die Meinungsbildung in der informierten Öffentlichkeit s. N. Nicolson-Diary, 22.3.1938 (nicht gedruckt in der Edition von N. Nicolson): Er will N. Chamberlain drängen, die Politik der All Souls Group zu verfolgen, d. h. auf die Tschechoslowakei Druck auszuüben, der Sudetendeutschen Partei entgegenzukommen im Tausch gegen eine englische Garantie für die „Rest-Tschechei“; Nicolson will für die Regierung stimmen, wenn sie offen sage, daß sie nicht für die Tschechoslowakei kämpfen könne.Google Scholar
  395. 224.
    Inskip, 23.11.1936, Cab. 21–438, Protokoll S. 32 ff. — Die Appeaser, vor allem Lothian und Allen, vertraten die Auffassung, daß der französisch-russische Pakt Deutschland geradezu zwinge, den Schlieffen-Plan neu aufzulegen, d. h. den Krieg im Westen mit einem Luftangriff auf England als Finanzier und Waffenschmiede der Gegenseite zu eröffnen. Aus ihrer Sicht war es nur konsequent, wenn sie Frankreich zur Liquidierung seiner Ostbindungen auffordern wollten. Lothian-Memo., The Peace Aspect of Reconstruction, August 1935, GD 40–17, Vol. 113; das Memorandum findet sich auch im Alien-Nachlaß als Diskussionspapier für die Wahlkampfempfehlungen der Next Five Years Group. Folgt man der DeutungOverys — German Aircraft Production Plans, S. 788 —, dann erscheint die Befürchtung von Allen, Lothian u. a. plausibel: „Before the later plans (8–16) the emphasis had been on building up a bomber force that could be used against distant enemies, even perhaps against Russia. This would give the Luftwaffe an independent strategic role… after intervention in Spain the Luftwaffe came to be seen much more as an adjunct of the army… “Google Scholar
  396. 225.
    Baldwin, 29.7.1936, gegenüber Defence Deputation, Cab. 21–438, Protokoll 2. Tag: „supposing the Russians and Germans got fighting and the French went in as the Allies of Russia owing to that appalling pact they made, you would not feel you were obliged to go and help France, would you?… if there is any fighting in Europe to be done I should like to see the Bolshies and the Nazis doing it“; s. auch Gilbert, Churchill, Bd. V, S. 777; Barnes-Middlemas, Baldwin, S. 955. A. Chamberlain and W. Churchill hielten dem entgegen, daß England, wenn es sich von Frankreich abwende, Deutschland allein gegenüberstehen würde. Zur Haltung Baldwins s. auch Jones, Diary with Letters, S. 231 (27.7.1936); zu Chamberlain s. Feiling, Neville Chamberlain, S. 347 (20.3.1938) und Pownall-Diary, I, S. 271 (17. 12.1939). — Simon-Diary, 11.8.1936;,,It is beyond question that Germany is putting herself in a position where she can act as she pleases and fears no one’s veto. On the other hand her eyes are turned East and South East. The Cyclops paid Odysseus the compliment to eat him last. “— Die Armee — s. stellvertretend Dill gegenüber Liddell Hart, März 1935, Liddell Hart, Memoirs, Bd. I, S. 291 f. — wollte nicht auf russischer Seite gegen eine deutsch-japanische Allianz kämpfen und tendierte aus diesem Grunde dazu, die Gefahr auf Rußland abzulenken.Google Scholar
  397. 226.
    Zu den Hoffnungen, die man mit der Zeitgewinn-Taktik jeweils verknüpfte, s. Anm. IV/84; s. auch Anm. I/208. Zur Defence Deputations, ausführlich Gilbert, Churchill, Bd. V., S. 761 f., 768 ff.; Roskill, Hankey, Bd. III, 232 f., 250 f.; Dennis, Decision by Default, S. 69 ff.; Protokoll der Unterredungen 28/29.7.1936 und 23.11.1936 in Cab. 21–438; Simon- und Churchill-Nachlaß. Einige Mitglieder der Defence Deputation wie Grigg und Croft befürworteten die Konzentration der Rüstungsanstrengungen auf den Verteidigungsfall im Westen;Google Scholar
  398. 226b.
    s. zum Beispiel E. Grigg, The Threefold Problem of Defence, in: National Review, März 1936, S. 447–452; Grigg sah die Aufgabe der Armee in der Deckung der Operationen der RAF. Noch weiter ging Page-Croft: Für ihn stand fest, daß die Rekrutierungskampagne besser laufen würde, wenn feststände, daß die Truppen vorgesehen seien für „anti-aircraft defence“; die Regierung solle Bedenken ausräumen, indem sie versichere, „that there is absolute no immediate commitment to Europe“. Die Frage eines englischen Truppeneinsatzes auf dem Kontinent etwa sechs Monate nach Kriegsausbruch sei ein zweites Problem.Google Scholar
  399. 227.
    Defence-Deputation, 2. Tag, 29.7.1936, Cab. 21–438. Zur Vorbereitung auf das zweite Treffen mit der Defence Deputation im November 1936 legte das War Office in einem Memorandum (Oktober 1936) dar, daß englische Truppen wie im Ersten Weltkrieg den Kampfausgang zugunsten der Verbündeten wenden könnten. Es plädierte für eine,,Expeditionary Force“; s. dazu Dennis, Decision by Default, S. 72. Anders beurteilten Inskip und die Regierung die Lage; der Einsatz der Field Force galt als ungewiß. Man erwartete einen deutschen Luftangriff gegen England; s. dazu Gibbs, Grand Strategy, Bd. I, S. 461 ff.Google Scholar
  400. 228.
    Die „limited liability“-Doktrin zeigt Anklänge an den wirtschaftlichen Begriff der „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“. Um an diese Assoziation zu erinnern, wird in dieser Arbeit der englische Terminus gebraucht. — Zu den innenpolitischen Begründungszusammenhängen s. unten, Kap. IV/Einleitung.Google Scholar
  401. 229.
    Inskip, Chamberlain, Baldwin, Simon u. a. lehnten Absprachen über die Rolle und die Einsatzfelder einer „Field Force“ähnlich den Kontakten vor 1914 ab; 23.11.1936, Defence Deputation, Protokoll, S. 32 ff., Cab. 21–438. In der Times vertrat Liddell Hart diesen Standpunkt mit Entschiedenheit. Unter den Prioritäten für die Expansion der Armee rangierten vor dem Frühjahr 1939 „anti-aircraft defence“und „imperial policing“vor einem kontinentalen Einsatz, wie ihn Cooper und die Generalstabschefs wünschten; s. Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 444 ff.; Dennis, Decision by Default, S. 72 ff. Unter den Gesamtstreitkräften galt die RAF als Hauptschlagarm; die Flotte sollte eine effektivere Blockade als im Ersten Weltkrieg gewährleisten, d. h. entsprechend der Annahme, daß ein Krieg, in den England und Deutschland verwickelt seien, lange dauern werde, die deutsche Wirtschaft in die Knie zwingen.Google Scholar
  402. 230.
    Als Beispiel s. eine von zwölf konservativen MP eingebrachte „Motion“im Unterhaus, wonach die Regierung jeden Anschein einer Allianz mit Frankreich und Rußland vermeiden sollte; s. Times, 30.8.1936. Antragsteller waren: Despencer-Robertson, Dower, Stone-ton, Macnamara, A. Ramsey, Fremantle, ferner McCorquodale, G. W. Rickards, W. S. Liddall, C. S. Taylor, Sir F. Anderson, Moreing; s. ferner Nicolson-Diary, 8.8.1936.Google Scholar
  403. 231.
    Stellvertretend N. Chamberlain, 4.6.1937, 13. Sitzung der Principal Delegates, Imperial Conference, Cab. 32–128:,,An universal League with diminished powers would be indefinitely preferable to a limited League with increased powers.“In diesem Sinn verlief 1936 die Diskussion im Foreign Policy Committee über die Reform des Völkerbundes; s. FO-Memo., FP (36) 5, 13.7.1936; FO-Memo, FP (36) 8, 20.8.1936, Cab. 27–626; s. ferner Cab. 21–441: „Collective Security-Strategical Review of the Situation in Europe.“Vgl. auch Cab. 23–76, S. 126 ff.; Cab. 23–84, 29.4.1936 (Inskip); s. Anm. I/245, 273, 274 sowie Anm. II/24; Pownall-Diary, Bd. I, S. 110 ff. (23.4.1936 ff.).Google Scholar
  404. 232.
    Bericht über die Einsatzfähigkeit der englischen Streitkräfte im Falle eines Konflikts nach dem 7. März 1936: COS 442; ausführlich dargelegt bei Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 246 ff.Google Scholar
  405. 233.
    CID 1224-B = COS 452 = C 2608/4/11, 1.4.1936, FO 371–19 899, S. 46 ff.; s. dazu CID 276, 3.4.1936, FO 371–19 901, S. 29 ff.; COS 442, 18.3.1936, „The Condition of the Forces to meet the possibility of War with Germany“. — COS 452, § 6: „the Conversations immediately to be undertaken should be strictly limited in their scope in order to prejudice the future as little as possible.“Die Stabsgespräche dürften Frankreich nicht ermutigen, sonst sähe England sich in Aktionen verwickelt. Siehe Anm. I/66 und Anm. IV/57, IV/58.Google Scholar
  406. 234.
    Vansittart an Eden, 31.3.1936, C 2702/4/18, FO 371–19 900. Vansittart erblickte den Ausweg darin, Frankreich freimütig einzugestehen, daß England in der Umrüstung und Reorganisation der Streitkräfte begriffen sei, „we therefore are not ablefor the present to undertake any commitments which are not in accordance with our factual capacities“. Den Hintergrund bildet die Diskussion, ob England dem französischen Partner alles sagen solle — ähnlich wie Frankreich im Dezember 1935 bei den Stabsgesprächen über die Abessinien-Krise —, d. h. Einblick in den desolaten Zustand der Streitkräfte gewähren solle.Google Scholar
  407. 235.
    Zum Disput WO-FO s. Anm. II/24; Anm. I/216. — Sargent an Hankey, 15.8.1936, Cab. 21–441; FO an Army Council, 25.4.1936; Harris an Adam, 11.5.1936, Cab. 21–441. Das FO (FO-Memo., F. P. [36] 5, § 13, 13.7.1936) regte eine neue Lagebeurteilung an, weil sich die Situation seit April 1935 verändert habe und das FO nicht wünschen könne, daß die vom WO erteilte Auskunft an das Kabinett gelange. Hankey bezweifelte, ob man dem überlasteten Joint Planning Staff die neue Arbeit aufbürden dürfe!Google Scholar
  408. 236.
    C. P. 218 (36), § 75 = COS 511 = C 6223/4/18, 1.9.1936, FO 371–19 912, S. 49 ff. - Die Warnung, Frankreich solle nicht (auf russisches Drängen!) die englischen Interessen an einem Neu-Locarno gefährden, trug auch Vansittart Leger vor — 17.9.1936, C 6528/4/18, FO 371 -19 912, S. 171 f. Die Stellungnahme der Chiefs of Staff bezog sich auf die FO-Memoranden C.P. 56 (36), 12.9.1936, und C 5951/4/18, 19.8.1936. Zum Problemkreis s. Watt, Too Serious a Business; Dennis, Decision by Default, S. 81 ff. — Das FO strebte eine Lösung an, die England zwar nicht zum Eingreifen im Osten verpflichtete, aber doch der deutschen Auffassung entgegenwirken könnte, daß England nicht einschreiten würde, falls Frankreich im Zuge der Erfüllung seiner Obligationen den Entente-Verbündeten zu Hilfe eilte: FO-Memo., 19.8.1936, Frage 8. Zur Haltung des CID s. auch 22.11.1934, Cab. 2–6/ 1, S. 155 ff.; ferner COS 364 = CID 1161-B, 8.2.1935, § 16, Cab. 21–413.Google Scholar
  409. 237.
    C. P. 218 (36), § 75; die Regierung — Foreign Policy Committee — trug dem Standpunkt Rechnung: „We should decline to disinterest ourselves from the East and Centre of Europe and continue to insist on the need for a general settlement, while urging France not to wreck a Western settlement by maintaining impossible demands in the East and Centre.“(F.P. (36) 9, 25.8.1936, Cab. 27–626.) Vgl. Simon, 17.4.1935, Notizen auf dem Rückflug von der Stresa-Konferenz; Simon-Diary, 11.8.1936; Anm. I/358.Google Scholar
  410. 238.
    Die Stabschefs tendierten dahin, eine belgische Neutralität zu bevorzugen, unter der Voraussetzung, daß Belgien sich verpflichte, diese Neutralität zu verteidigen; C. P. 218 (36), § 45. Zum Komplex belgische Neutralität (1934/35 und 1936/37) s. Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 616 ff.; Dennis, Decision by Default, S. 35 ff., 40 ff.; vgl. unten, Kap. IV/1.Google Scholar
  411. 239.
    C. P. 218 (36), §§ 47–49. Auch Eden votierte — entgegen der Auffassung seiner Beamten (Vansittart, Sargent, Wigram) — gegen Stabsgespräche. Er meinte, Stabsgespräche mit Frankreich/Belgien wären nicht vereinbar mit dem Bild eines,,Neu-Locarno“als multilateralem Sicherheitsvertrag; Eden zu C 6259/4/18, 11.9.1936, FO 371–19 912, S. 61 (a); CID 267, S. 3, in: FO 371–19 901:,,this contact between the General Staffs cannot give rise in respect of either Government to any political undertaking, nor to any obligation regarding the organization of national defence“. Zur Haltung des FO gegenüber Argumenten von Mandel, Gamelin, daß Frankreich seine Obligationen im Osten nur erfüllen könne, wenn die Locarno-Mächte deutsche Befestigungsbauten in der Rheinzone verhinderten, s. Sargent-Minute zu C 1912/ 4/18, FO 371–19 892, S. 229.Google Scholar
  412. 240.
    Pownall-Diary, 25.5.1936, S. 113: „Meanwhile the FO and Vanfsittart] in particular keep on saying there’s going to be a European war in not more than two years. So there will be… if we continue tied to the French and don’t come to an arrangement with Germany. “Zum FO-Standpunkt s. FO-Memo., 19.8.1936, Frage 17; C 5951/4/18, Preparation for the Five Power Conference, FO 371–19 912; auch das FO wollte jedoch Frankreich anhalten, nicht durch übertriebene Forderungen hinsichtlich Mittel- und Südost-Europas die Aussichten der Locarno-Verhandlungen zu gefährden. Der Standpunkt der Service Departments kann als prodeutsch eingestuft werden in dem Sinn, daß sie 1. Ausgleichsverhandlungen der Organisation kollektiver Sicherheit vorzogen, 2. — wie Deutschland — eine Trennung des Völkerbundes vom Versailler Vertrag forderten und 3. die „Revisions“-klausel (Art. 19) stärker als die Sanktions- und,,Status quo“-Klauseln (Art. 10 und 16) betont wissen wollten.Google Scholar
  413. 241.
    Siehe unten, Kap. IV.Google Scholar
  414. 242.
    Die Labour Party engagierte sich in der Öffentlichkeit stärker für Sanktionen gegen Italien; die latenten Gegensätze wurden seit dem Spanischen Bürgerkrieg und dem „Gerücht“, daßGoogle Scholar
  415. die englische Regierung der französischen „Volksfront“-Regierung die Non-Intervention-Politik aufgezwungen habe, verschärft. Im Vorfeld der Tschechoslowakei-Krise tendierte die Labour Party dazu, eher ein Engagement der Regierung gegen Franco zu fordern als in „Mitteleuropa“Flagge zu zeigen. In der Locarno-Krise beantragte Labour eine Verurteilung der deutschen Aktion durch den Völkerbund, aber auch die Aufnahme von Verhandlungen über eine Lösung, die beiderseitige entmilitarisierte Zonen in den Mittelpunkt stellte.Google Scholar
  416. 243.
    Chatfield, 3.4.1936, CID 267, S. 2, FO 371–19 901, S. 29 f.; vgl. CID 1224-B, 1.4.1936, §8, FO 371–19 899, S. 46 f. Daß Rußland unterschätzt oder als unzuverlässiger Faktor im Fall einer Konfliktsituation mit Deutschland oder als,,lachender Dritter“eingeschätzt wurde, hat Niedhart deutlich gemacht; s. auch Pownall-Diaries, S. 214 f., 270 f. u. a. O. Zu den Verhandlungen 1939 s. R. Manne, The British Decision for Alliance with Russia, May 1939, in: JCH, IX (1974), Nr. 3, S. 3 ff. Bezüglich Frankreich muß man unterscheiden zwischen der Annahme, sich auf den Maginotwall und Frankreichs Abwehrkraft gegen einen deutschen Angriff im Westen (als Abschreckungsinstrument) verlassen zu können, und den Zweifeln, ob Frankreich in einem Krieg alle Kräfte verfügbar machen könne. Die Situation im Sommer und Herbst 1917, als die Kampflast angesichts französischer Truppenmeutereien, bolschewistischem Drängen auf einen Friedensschluß und amerikanischem Zögern, effektiv in den Krieg einzugreifen, fast allein auf England fiel, ließ sich nicht vergessen, besonders die Ex-Serviceman-Organisationen erinnerten daran.Google Scholar
  417. 244.
    29.4.1936, Cab. 23–84, S. 28 u. a. O.; s. auch Cab. 21–436. — Eden konnte unter Hinweis auf die öffentliche Meinung und die Haltung der Dominions erreichen, daß die Regierung feststellte, die Streitkräfte könnten die Risiken des Verbleibs im Mittelmeer eher verkraften als die Regierung ein weiteres Aufbegehren der öffentlichen Meinung gegen einen Bruch der Wahlparolen! Siehe unten, Kap. IV.Google Scholar
  418. 245.
    Vgl. Anm. I/138, I/140 und I/208. Die Ansichten der Service Ministers hatten sich Ende April 1936 angesichts einiger innenpolitischer Rückschläge der Regierung in anderen Angelegenheiten noch nicht durchsetzen können.Google Scholar
  419. 246.
    Die „dual strategy“ist von den Regierungsvertretern von Beginn des Aufrüstungsprozesses an öffentlich dargelegt worden; in der Literatur haben Herzfeld und Lundgreen ihre Interpretation unter diesen Gesichtspunkt gestellt; s. ferner Niedhart (S. 181 ff.); Grüner; Hildebrand; Wendt.Google Scholar
  420. 247.
    Die dritte Variante — Abschreckung durch Bündnispolitik — bestand nach 1936 in Regierungskreisen (Ausnahme: Vansittart, s. unten, Kap. II) kaum noch, da Rußland und Frankreich, wenn auch aus verschiedenen Motiven bzw. Interessenkalkuls, als unzureichende Partner galten und die USA auf englische Anfragen abweisend reagierten.Google Scholar
  421. 248.
    Zum Verhältnis Regierung und Industrie s. unten, Kap. IV/6; zu Leith-Ross s. unten, Kap. III/B 2.Google Scholar
  422. 249.
    Zu den Bemühungen Churchills, Amerys, Cecils u. a., eine,,Anti-Appeasement“-Sammlungsbewegung zustandezubringen, s. Cowling, Teil II: The Opposition; N. Thompson, The Anti-Appeasers; ferner N. Nicolson (Hrsg.), H. Nicolson-Diaries and Letters.Google Scholar
  423. 250.
    Zum Thema,,sense of confidence“s. unten, Kap. IV, Einleitung; zu den Stabsgesprächen s. Anm. IV/56–59. — Baldwin, 26.2., 5.3. und 5.3.1936, Cab. 23–83; Cab. 23–80, 12.12. 1934, S. 321 ff.; C. P. 6 (35), § 7, Cab. 23–81, S. 37.Google Scholar
  424. 251.
    Vgl. Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 607 ff.; s. Anm. I/229 und I/237.Google Scholar
  425. 252.
    Siehe auch Anm. I/244. Zur englischen Völkerbundspolitik s. Hauser; s. ferner E. Most, Großbritannien und der Völkerbund (1925–36), Diss. Mannheim 1974; Wolfers, Britain and France between two Wars, Kap. 13, 20/21.Google Scholar
  426. 253.
    Die wirtschaftlich-finanziellen Sanktionen würden gegenüber Deutschland Wirkung erzielen, aber auch England erheblichen,,Schaden“zufügen — dies hatten die fortgeschriebenen Berichte des Advisory Committee on Trade Questions in Time of War, Committee on Economic Pressure, wiederholt herausgestellt: CID 1118-B, Cab. 2–6/1, S. 111 f.; CID 1128-B; CID 1175-B, CID 1177-B (6.6.35); CID, Meeting, 11.7.1935, Cab. 2–6/1, S. 207/208; Reports, 16.5.1933, Cab. 47–48; Report, 30.10.1933, A. T. B. (E. P.) 6, Cab. 47–8; A. T.B.(E.P.) 15, 11.4.1934; 24.1.1934, Cab. 23–78, S. 151 (Elliott, betr. Österreich-Krise).Google Scholar
  427. 254.
    Der Einsatz wirtschaftlicher Sanktionen galt auch in Regierungskreisen als Ausdruck der Konzeptionslosigkeit. Die englische Politik, die wenig Neigung zur Intervention in die Wirtschaft hatte, beurteilte mit einer gewissen Zwangsläufigkeit auch Embargo- und Boykottmaßnahmen in ihrer Wirkung skeptisch. Im Abessinien-Konflikt setzte sich die Regierung unter dem Einfluß der öffentlichen Meinung über einen Teil der Bedenken hinweg; doch die Unterscheidung zwischen wirtschaftlichen und kriegsauslösenden Strafmaßnahmen bot ihr eine Handhabe, die Schwelle zum Interventionismus nicht zu überschreiten.Google Scholar
  428. 255.
    Die Ambivalenz der englischen Österreich-Politik verdeutlicht M. Newman, The Origins of Munich, in: HJ, XXI/2 (1978), S. 374 ff. Er vertritt die These, daß die Politik des „passive pragmatism“eine Kontinuität in der Mittel- und Südost-Europa-Politik von den zwanziger Jahren bis „München“ausmache. In der Tschechoslowakei-Krise hätte die englische Politik erstmals eine „aktive“Wende nehmen müssen, um den Frieden zu erhalten. Im Zusammenhang, der hier nicht entwickelt werden kann, ist zu beachten, daß neben „Labour“auch die Finanzwelt mißtrauisch gegenüber Österreich eingestellt war, zum Teil als Nachwirkung der von Wien 1931 ausgehenden Finanzkrise. Die englische Regierung bemühte sich, Mussolini als „Mittler“gegenüber Hitler in den Abrüstungsgesprächen zu gewinnen und als Hüter der österreichischen Unabhängigkeit zu erhalten. Mussolinis Intervention in die österreichische Innenpolitik und die französisch-italienischen Spannungen erschwerten England eine zielstrebige Politik.Google Scholar
  429. 256.
    24.1. u. 31.1.1934, Cab. 23–78, S. 51, 62.Google Scholar
  430. 257.
    24.1.1934, Cab. 23–78, S. 49 f.; 31.1.1934, ebd., S. 62; vgl. O’Malley-Memo., G (36) 6, 24.2.1936. Die englischen Kapitalanlagen beliefen sich auf ca. £ 34 Mill., davon £ 22 Mill, als „market private loans“an den Staat, Kommunen und andere Körperschaften.Google Scholar
  431. 258.
    7.2.1934, Cab. 23–78, S. 101–103, Runciman-Bericht über Gespräch mit Schüller; s. auch ebd., 14.2.1934, S. 161. — England verzichtete auf MFN-Rechte betreffs des polnischösterreichischen Handelsvertrages, s. FO 433–4, S. 199 f.; FO-Memo., 11.6.1937. Simon mußte zuvor an das Board of Trade appellieren, wenigstens als Geste dem österreichischen Wunsch zu entsprechen und Unterhändler zu empfangen; Simon an Runciman, 26.1.1934, FO 800–291, S. 319 ff. Zu den in den Jahren 1930–32 erörterten und verhandelten Projekten für „preferential tariff systems“in Mittel- und Südost-Europa s. Campbell, Confrontation in Central Europe, S. 233 ff.Google Scholar
  432. 259.
    Runciman, 31.1.1934, Cab. 23–78, S. 62; das betraf vor allem Holzimporte, deren Beschaffenheit laut Runciman nur wenig Aussicht auf Absatz eröffne; s. 2.2.1934, FO 800- 291, S. 323. — Der österreichische Botschafter hatte Simon zu verstehen gegeben, daß Entgegenkommen in Handelsfragen nicht viel Gutes bringen könne, da Österreich,,on the point of collapse“stehe: Simon-Bericht, 24.1.1934, Cab. 23–78, S. 47. England verzichtete darauf, Abgaben auf Importe aus Österreich zu erhöhen (Lederwaren usw.); G (36) 4, 24.2.1936, S. 3, Cab. 27–599.Google Scholar
  433. 260.
    24.1.1934, Cab. 23–78. — Die englische Regierung stellte fest — G (36) 6, 24.2.36, Cab. 27–599 (zusammenfassende „Story“) —, daß Frankreich außer der Mit-Garantie zweier österreichischer Anleihen keinen materiellen Beitrag zur Stützung des Regimes leistete. — England, Frankreich und Italien verfochten in Mittel- und Südost-Europa unterschiedliche „Stabilisierungs“-Strategien: 1. Frankreich gab Präferenzabkommen den Vorzug (Tardieu-Plan), mit der Folge, daß England und die Dominions auf die MFN-Klausel hätten verzichten müssen; C.P. 101 (32), FO-Memo., Cab. 24–229. — The Economic Restoration of Central Europe. — 2. Italien bevorzugte bilaterale Verhandlungen der einzelnen Donauraumstaaten mit den vier „westlichen“Großmächten entsprechend den Römischen Protokollen. 3. England wollte in wirtschaftlicher Hinsicht die Donaumonarchie wiederherstellen, d. h. die Zollmauern zwischen den Nachfolgestaaten abbauen. England wertete eine Zollunion zwischen Österreich, Tschechoslowakei, Rumänien, Ungarn, Jugoslawien als „mildest form of closer economic cooperation“(C. P. 101 [32], S. 6). Zum englischen Interesse an der Wiederherstellung der Habsburger Monarchie in wirtschaftlicher Hinsicht, dem Sich-Abfinden mit den Handelsverflechtungen mit Deutschland sowie der Gegnerschaft zum Hodza-Plan 1937 s. Aide-Memoire, Concerning the Economic Rapprochement in Central Europe, FO 371–21 139, S. 271 ff.; s. ferner FO-Memo. respecting the Economic Union in the Danubian Basin, R 4475/770/67, FO 433–4. — Simon (an Amery, 19.3. 1932, FO 800–286, S.437) hielt eine, „complete customs union“wegen der Interessengegensätze unter den Beteiligten für nicht praktikabel; ähnlich erklärte sich N. Chamberlain am 14.6.1933 auf der Weltwirtschaftskonferenz, Cmd. 4357. Amery hatte den Verzicht auf MFN-Rechte zugunsten,,mutual preference groupings“(Ottawa) als den besten Weg zu „political appeasement“empfohlen; Amery an Simon, 14.3.33, FO 800–286, S. 386. Runciman wollte auf MFN-Rechte nur verzichten, wenn übergeordnete politischstrategische Gründe dafür sprachen; Runciman an Simon, 14.3.1932, FO 800–286, S. 386.Google Scholar
  434. 261.
    24.1.1934, Cab. 23–78, S. 53 (Simon, Thomas).Google Scholar
  435. 262.
    Stellvertretend: Leith-Ross, 6.5.1932, FO 800–286, S. 601: „… if they have nothing better to recommend than that the tax-payers in other countries should take over the liabilities on which these Eastern European countries have defaulted they are wasting their time. “Siehe auch Stresa-Konferenz-Report, S. 7, T 177–10. Auf der Konferenz ging es primär um Kredithilfen für die „Agrar“Mänder Mittel- und Südost-Europas. Ähnliche Gesichtspunkte, wie sie Leith-Ross geltend machte, spielten 1917/1923 eine Rolle; zur englischen Haltung in der Multilateral Tariff Reduction-Frage s. BT 11–213 und T 160–498, File 14 558 (3.8.–7.12.1933). Zur hohen Auslandsverschuldung der Nachfolgestaaten und des Anteils der Schul den dien ste am Staatshaushalt s. Bandera, Foreign Capital as an Instrumerit of National Economic Policy. Deshalb erschien es zweifelhaft, ob Finanzhilfen etwas ausrichten könnten; die Öffnung von Marktchancen schien wichtiger, aber in politischer Hinsicht unmittelbar weniger wirkungsvoll zu sein. Zum Gegensatz Marktbeziehungen zu Deutschland-Kapitalbeziehungen zu den Westmächten s. Teichova, in: Forstmeier/Volkmann (Hrsg.), Wirtschaft und Rüstung am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, S. 275 ff., sowie Wendt, in: ebd., S. 296 ff.Google Scholar
  436. 263.
    Simon an Baldwin, 9.1.1935; zum Eden-Vorstoß 1936 s. unten, Kap. III.Google Scholar
  437. 264.
    Zum Folgenden s. die grundsätzlichen Erörterungen im Kabinett vor dem Berlin-Besuch Simons und vor der Stresa-Konferenz, 20.3.1935 und 8.4.1935, Cab. 23–81, S. 239 ff. — Die Akzente setzten Simon und MacDonald. Chamberlain und Ormsby-Gore betonten stärker die Notwendigkeit, Hitler durch Warnungen vor Englands Entschlossenheit, notfalls einer Front gegen Deutschland beizutreten, vor Illusionen zu bewahren. Simon hielt angesichts der Kritik am 1935-Defence White Paper die Berlin-Reise für erforderlich. Eine einseitige Erklärung zugunsten der Westfront-Strategie würde die Wellen der anti-französischen Stimmung in England hochgehen lassen; Simon-Diary, 20.3.1935.Google Scholar
  438. 265.
    5.4.1935, Simon-Memo., C.P. 79 (35); 8.4.1935, Cab. 23–81, S. 297 ff. — Noch deutlicher in dieser Richtung argumentierte Hankey, 1.4.1935, sowie Hankey an Simon, 3.4. 1935, s. unten, Kap. II.Google Scholar
  439. 266.
    Die Appeaser gingen noch weiter und behaupteten, daß England und Frankreich, wenn sie direkte Bindungen an Deutschlands östliche Nachbarn aufgäben, ein realistisches Einpendeln der Kräfte ermöglichen würden; die Nationalstaaten würden sich auf ihr Interesse an „normalen“Beziehungen mit Deutschland besinnen und frühere, vom,,Bündnis“mit Frankreich hochgepeitschte Ambitionen fallen lassen. Siehe Lothian, 29.6.1937, in: International Affairs, XVI, S. 870 ff.; betr. E. H. Carr, s. Newman, The Origins of Munich, in: HJ, XXI/2 (1978), S. 378 ff. — Halifax (3.3.1937, HofL [Speeches on Foreign Policy]) kommt dieser Position nahe.Google Scholar
  440. 267.
    Baldwin, 4.3.1936, HofC, Bd. 309, Sp. 1376/77; vgl. Central Office, Campaign Guide 1935 (Notes for Speakers), S. 343 (Kommentar zum Flottenabkommen). Die Pressestimmen von März bis Juni 1935 plädieren für,,Realismus“: England solle Chancen, Rüstungsbegrenzungsabkommen zu schließen, wahrnehmen, wo sie sich böten. Frankreich und Italien würden früher oder später erkennen, daß die englische Vorreiterrolle auch ihren Interessen diene; vgl. Eden, S. 230 ff.; Simon-Diary, 30.6.1935; Hoare, S. 128 ff.; Feiling, 257 ff.; Times, Leserbriefe, 7.3., 13.3., 19.3., 20.3., 8.4. und 11.4.1935; Times, Leitartikel, 22.3. 1935.Google Scholar
  441. 268.
    20.3.1935, Cab. 23–81, S. 239 ff.; 8.4.1935, Cab. 23–81, S. 295 ff. — MacDonald legte in einem viel kommen tier ten Artikel diese Argumente dar. Das Kabinett bekannte sich dazu, daß der Artikel den Standpunkt der Regierung wiedergebe (auch wenn „man“es ungewöhnlich fand, daß der Artikel unter Namensnennung erschien). Der Tenor der Kabinettsberatungen liegt auf der Linie des Artikels; R. MacDonald, 27.4.1935,,,Peace, Germany and Stresa“, in: News Letter.Google Scholar
  442. 269.
    Am deutlichsten wird das in der München-Krise, wo Hitler Chamberlain keine Chance ließ, das Gespräch in der vom englischen Kabinett verabredeten Richtung zu führen; s. Middle-mas, Diplomacy of Illusion, S. 344 ff.; Cowling, The Impact of Hitler, S. 187 ff. — Ähnlich erging es Eden und Simon bei ihrem Berlin-Besuch im März 1935 und Halifax im November 1937. In den Berichten über den Verlauf der Unterredungen „verschleiern“sie den Fehlschlag hinter der Formel, Hitler spreche eine andere „Sprache“bzw. schlage einen anderen Ton an.Google Scholar
  443. 270.
    Außer dem Beispiel „München“(s. Anm. I/269) sind auch die Erfahrungen anzuführen, die die englischen Botschafter bei der Ausführung ihrer Instruktionen machten, so Phipps im Dezember 1935 anläßlich der Anfrage, ob man die Luftpakt-Frage wieder aufgreifen könne.Google Scholar
  444. 271.
    Keith Middlemas, Diplomacy of Illusion. Middlemas’ These, daß Baldwin und Eden 1935/ 37 keine Positionen preisgegeben hätten — im Unterschied zur Regierung Chamberlain — ist kaum stichhaltig, es sei denn, man folgt der Auffassung der Zeitgenossen in England und sieht in der Aktion vom 7. März 1936 den letzten noch akzeptablen Schlag gegen das „Unrecht“von Versailles und nicht den Durchbruch zu den Erfolgen in den Krisen 1938 (Anschluß und München).Google Scholar
  445. 272.
    22.3.1933, Simon, Cab. 23–75, S. 327 f.; vgl. Anm. I/77 ff.Google Scholar
  446. 273.
    Die Frage der Ausweitung der Obligationen ergab sich, weil Frankreich für die von England betriebene „Legalisierung“der Vertragsbrüche nicht nur von Deutschland, sondern eher noch von England Kompensationen begehrte: Stresa-„Briefing“, C. P. 79 (35), § 20, S. 7, Cab. 24–254. — 1933 hatte Simon noch die Vorstellung von Vansittart geteilt, durch Erhöhung der englischen Verpflichtungen (Commitments) Frankreich Sicherheit zu vermittein; darunter verstand er nicht nur englische Aufrüstung, sondern auch Engegenkommen an die französischen Standardformeln („supervision“,,,guarantees of execution“). Simon an Vansittart, 23.12.1933; Vansittart an Simon, 29.12.1933, in: Baldwin-MSS., Bd. 121, S. 129–144. Diese Rücksichtnahme sah Simon auch noch in der Startphase seiner 1934/35-Initiative vor; das Kabinett bevollmächtigte die englischen Delegierten jedoch nicht, insbesondere auf die Sanktions- und Garantieforderungen Frankreichs einzugehen; s. Anm. IV/215.Google Scholar
  447. 274.
    Cab. 23–76, S. 126 f. Zu der Auffassung, daß England Frankreich keine Kompensationen für ein Mitziehen auf dem von England gewünschten Weg schulde, s. bes. Hankey, 1.2.1935, A. F. (B) 35, Protokoll, S. 17, Cab. 21–413; ähnliche Stimmen in der Kabinettssitzung vom 14.1.1935, s. auch C. P. 19 (35), § 7, S. 2.Google Scholar
  448. 275.
    28.7.1933, Cab. 23–76, S. 343. — Dieser Sachverhalt bedeutet einen gewissen Kontrast zu den Interpretationen der England-Politik Hitlers; s. Josef Henke, England in Hitlers politischem Kalkül, Boppard a. Rh. 1973;Google Scholar
  449. 275a.
    Andreas Hillgruber, Hitlers Strategie, Wiesbaden 1965;Google Scholar
  450. 275c.
    * Andreas Hillgruber *ders., Der Faktor Amerika in Hitlers Strategie 1938–1941, B 19/66, 11.5.1966;Google Scholar
  451. 275d.
    * Andreas Hillgruber *ders., Die weltpolitische Lage 1936–1939: Deutschland, in: Oswald Hauser (Hrsg.), Weltpolitik 1933–1939, Göttingen 1973, S. 270 ff.;Google Scholar
  452. 275e.
    K. Hildebrand, Deutsche Außenpolitik 1933–1945, Stuttgart 19732. Bestimmte Aspekte müssen im Folgenden vernachlässigt werden, zum Beispiel die Klage des FO, daß weder die englische Botschaft in Paris noch die französische in London zufriedenstellend arbeiteten (C 2239/4/18, FO 371–19 896). Die Spitzengespräche der Außenminister, die meist aktuellen Anlässen galten, bildeten keinen Ersatz für die Schwächen in der diplomatischen Alltagsarbeit; vgl. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 918. —,,Pro“-französische Zirkel waren Steed’s,,Monday Club“, Lord Camrose-, Spear’s Dinner-Zirkel. Zum deutsch-englisch-französischen Dreiecksverhältnis s. Hauser, England und das Dritte Reich.Google Scholar
  453. 276.
    28.7.1933, Cab. 23–76, S. 342 ff. — Das kam u. a. darin zum Ausdruck, daß sich die englische Regierung auf die Presse einzuwirken bemühte, die französischen Noten nicht zu „zerreißen“; 22.3.1934, Cab. 23–78, S. 378. Der Grund dafür war, daß England in dem frühen Stadium seiner Beratungen über den Report des Hankey-Defence Requirement Committee und wegen der bevorstehenden Sicherheits-Sanktions-Verhandlungen Frankreich nicht vor den Kopf stoßen wollte; der Regierung kam es darauf an, in der Abrüstungsfrage noch zu retten, was zu retten war. — Eine gute Zusammenfassung der englischen Kritik an Frankreich, aber auch derbleibenden Bindungen, enthält Wigrams Vortrag, 8.1.1932, Review of Franco-British Differences, FO 800–292, S. 1–8.Google Scholar
  454. 277.
    Cab. 23–77, S. 59; vgl. Hankey, 1.2.1935, Protokoll S. 17; s. Anm. I/273. Die Frage, inwieweit die von England konstatierte Unentschlossenheit Frankreichs ein Produkt der englischen Abwiegelungspolitik ist, wird kontrovers beantwortet; während zum Beispiel Fur-nia und zum Teil Rock England die Verantwortung für die Demoralisierung Frankreichs anlasten, betonen Duroselle, Adamthwaite u. a. den Einfluß innenpolitischer Faktoren auf die französische Außenpolitik.Google Scholar
  455. 278.
    Zum „Parallel“-fall englische Japan-/ englische Deutschlandpolitik s. unten, Kap. I, Abschn. 4.Google Scholar
  456. 279.
    Protokoll englisch-französisches Ministertreffen, 9.7.1934, 1. Treffen, C 4454/4454/17; 2. Sitzung C 4455/4454/17, S. 1, in: Cab. 21–382; s. auch Cab. 21–394. — Zum französisch-russischen Pakt s. Scott; Néré, Kap. 11. — Barthou drohte, das Ostlocarno-Projekt in einen französisch-russischen Militärpakt zu verwandeln, falls England keine Vermittlungsdienste in Warschau und Berlin leisten wolle. Simon handelte für diese Zusage die Konzession ein, daß die (Ab-)Rüstungsfrage während der Ostlocarno-Sondierungen ins Gespräch käme und nicht vom erfolgreichen Verlauf der Ostlocarno-Verhandlungen abhängig gemacht werde; dieses Junktim führte zum Londoner Kommunique vom 3.2.1935; zum Junktim s. 2. Sitzung, C 4455/4454/17, S. 245. Zur Ostlocarno-Frage s. die Studie von Christian Höltje, Die Weimarer Republik und das Ostlocarno-Problem, Wiesbaden 1958. Zur französischen Außenpolitik s. Wolfers, Britain and France between two Wars, S. 88 f., 128; s. ferner die zusammenfassende Studie von Nere, Foreign Policy of France 1915–1945, sowie die Sammelbände von Waites, Troubled Neighbors; Les Relations Franco-Britannique und die Kolloquien über die deutsch-französischen Beziehungen. Zur Frankreich-Politik Hitlers s. K. Hildebrand, in: Francia, V (1977), S. 591 ff.;Google Scholar
  457. 279a.
    Günter Wollstein, Vom Weimarer Revisionismus zu Hitler, Bonn 1973, S. 12 ff. 1934 kamen die internen englischen Beratungen über die Sicherheitspolitik in Bewegung — Belgienfrage, japanisch-amerikanisch-englische Beziehungen, Österreich-Frage, Abrüstung- und,,Defence Requirements“usw. —, doch behielt die Regierung Doumergue/Barthou die Initiative. Anläßlich des Barthou-Besuches in London sah die englische Seite es bereits als Erfolg an, daß sie erreichte, daß die Ostlocarno-Frage nicht als Selbstzweck behandelt wurde.Google Scholar
  458. 280.
    Clerks Analyse der französischen Intentionen (vor dem Besuch Barthous, C 3942/291/17, 20.6.1934, Cab. 21–394; Simon-Analyse der Politik Barthous, 6.6.1934, Cab. 23–79, S. 154 f.: Frankreich wolle lieber die Aufrüstung Deutschlands geschehen lassen, als mit der Reichsregierung ein Abkommen zu schließen, das die bisherigen Verstöße gegen den Ver-sailler Vertrag gleichsam legalisiere; das Motiv sei die Erwartung, daß England und vor allem Rußland angesichts der deutschen Gefahr auf die Seite Frankreichs treten müßten; für Frankreich entfalle der Grund, Konzessionen an die englische Politik zu machen.Google Scholar
  459. 281.
    Simon, 19.12.1934, Cab. 23–80, S. 354 f.Google Scholar
  460. 282.
    Der Exponent dieses Wandels ist Simon; hatte er 1932–34 noch die Parole befolgt, daß England Frankreich entgegenkommen müsse, da England in Sicherheitsfragen auf Frankreich,,baue“, so verstand er seit etwa 1934/35 die englische Politik in zunehmendem Maße als Alternative zur französischen,,sign-on-the-dotted-line-diplomacy“. Diese Haltung kulminiert in der München-Krise in dem Vorwurf, „München“sei die Quittung für eine verfehlte französische Nachkriegspolitik: Simon an J. A. Spender, 10.10.1938, Simon-MSS. Die von Barnes/Middlemas und Middlemas (S. 42) vertretene These, zwischen der Devise der Baldwin/Eden-Regierung (,,keep Germany guessing“) und dem Buhlen Chamberlains um die Gunst Berlins bestehe ein Unterschied, hält der Verf. für überspitzt. Die Gleichgültigkeit in der Rheinzonen-Frage („no vital interest“) — trotz des Wissens um die strategische und „symbolische“Funktion — entspricht der These, für die Fehler der Vergangenheit und die Fehler der tschechischen Politik könne die englische Regierung nicht geradestehen. Die strukturellen Bedingungen der Nachgiebigkeit sind die gleichen; entscheidend ist, daß Hitlers Kalkül auf die „Strukturschwächen“der englischen Politik 1933–37 ebenso aufging wie 1938–39.Google Scholar
  461. 283.
    Frankreichs Abrücken von der Barthou-Linie fiel nicht nur der englischen Politik auf, Laval ließ dies sowohl gegenüber Deutschland als auch in den Unterredungen mit Simon erkennen; 24.1.1935, C.P. 19 (35), Cab. 21–413; C.P. 302 (34);C.P. 6 (35), 9.1.1935; 10. und 14.1.1935, Cab. 23–81; Simon-Diary, 23.12.1934; Wigram/Sargent-Memo., 21.11. 1935.Google Scholar
  462. 284.
    Das Scheitern der Abrüstungskonferenz bzw. der Abrüstungsverhandlungen konnte innenpolitisch erfolgreich gegen die Regierung verwendet werden (s. unten, Kap. IV). Die Regierung fürchtete außerdem, der Mißerfolg in der Rüstungsbegrenzung würde zur „Vorkriegspolitik“zurückführen, vgl. Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 133 ff.; s. Anm. I/273. Zur Genfer Abrüstungskonferenz und der Barthou-Note s. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 751, 756 f.; Eden, S. 89 f.; Hauser, England und das Dritte Reich, passim; Néré, Foreign Policy of France 1915–1945, S. 166 ff., Kap. 9; Survey of International Affairs, 1934.Google Scholar
  463. 285.
    14.3.1934, Cab. 23–78, S. 248 f.; 22.3.1934, Cab. 23–78, S. 330 ff.; vgl. Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 100 ff.Google Scholar
  464. 286.
    Baldwin, 27.6.1934, Cab. 23–79, S. 223; Baldwin, 11.7.1934, Cab. 23–79, S. 278; zu den innenpolitischen Gesichtspunkten und Implikationen s. unten, Kap. IV/2 u. 5; vgl. Chamberlain, 19.3.1934, Cab. 23–78, S. 287; ders., 11.7.1934, Cab. 23–79, S. 279; s. im einzelnen Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 766 ff.; Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 110 ff.Google Scholar
  465. 287.
    MacDonald, 27.6.1934, Cab. 23–79, S. 219; Baldwin, 11.7.1934, Cab. 23–79, S. 278; s. ferner Cab. 23–78, S. 332. Die Auffassung, englische Zusagen an Frankreich würden die französische Politik in ihren Präventivabsichten bestärken, hat „Tradition“. Sie wurde 1921/22 selbst von Befürwortern der Ententepolitik wie Hardinge und Crowe geäußert (Hardinge an Curzon, 26.12.1921, Hardinge-MSS., S. 44; Crowe-Notes, 26.12.1921, FO 800–243). Der Vorwurf, Frankreich sei in die Fußstapfen des preußisch-deutschen Militarismus getreten, spielt bis Anfang der dreißiger Jahre in der englischen Diskussion eine Rolle; besonders Regierungen der „nationalen Konzentration“wurden — u. a. von Hankey — mit Mißtrauen beobachtet; Leith-Ross an Rowe-Dutton, 8.9.1932, T 188–39: „I should foresee that the present policy in 2 or 3 years time will bring Germany into a state when there is chaos at home and she has no friends or funds abroad. At that stage the French general staff may think the time has come to launch a preventive war which will settle the hash of their German friends for the next generation!“Google Scholar
  466. 288.
    Cab. 23–78, S. 332.Google Scholar
  467. 289.
    Siehe Anm. I/310. — Die englische Politik sah den Ausweg darin, von Deutschland wie von Frankreich und anderen Mächten (Japan) die als optimal erachteten Rüstungsdaten einzuholen und diese — nach Überprüfung am Sicherheitsbedürfnis der übrigen Partner einer Konvention — in einem Paket zusammenzufügen; s. Anm. I/50.Google Scholar
  468. 290.
    6.6.1934, Cab. 23–79, S. 154 f. — Barthous Rückzug von den Standard forme In der französischen Diplomatie der 20/30er Jahre ist damit zu erklären, daß er Sicherheit auf dem Weg der Einkreisung — Ostiocarno, französisch-russischer Pakt — zu erreichen suchte; damit machte sich Frankreich von englischen „Ratschlägen“unabhängig.Google Scholar
  469. 291.
    4.7.1934, Cab. 23–79, S. 243 f.; 6.6.1934, Cab. 23–79, S. 154 ff.; ferner Phipps über Papens Rede, in: Cab. 23–79, 19.6.1934, S. 194.Google Scholar
  470. 292.
    Zu den Beratungen über den Bericht des Hankey-Defence-Requirement Committee und im Zusammenhang damit über Chamberlains Belgien-Projekt s. Feiling, The Life of N. Chamberlain, S. 252 ff.; Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 110 ff.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 766 ff.; Roskill, Hankey, S. 110 f.; Pownall-Diaries, Bd. I, S. 42 ff.; Meyers, Britische Sicherheitspolitik 1934–38, S. 90 ff.Google Scholar
  471. 293.
    11.7.1934, Cab. 23–79, S. 332; s. auch den historischen Rückblick im FO-Memo., C 1803/ 4/18, 13.3.1936, FO 371–19 891, S. 114 ff. — Den Anstoß gab im Mai 1934 eine Anfrage von Hymans. Die Belgien-Frage stellte sich, weil die offene Flanke Deutschland zum Angriff einlud, vorausgesetzt, man betrachtete den Maginotwall als Bollwerk und die unbefestigte belgische Grenze als offene Tür; s. Dennis, Decision by Default, S. 35 ff., 40 ff.; Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, passim. In einer einseitigen Garantieerklärung erblickte man auch einen Beitrag zur Sicherheit Frankreichs und verlangte, daß Belgien mit Frankreich Verhandlungen führte; Belgien war — zum Teil aus Mißtrauen gegenüber Frankreichs Ostpolitik — gerade nicht daran interessiert, zunächst mit Frankreich zu verhandeln. Die Frage wurde von Chamberlain aufgeworfen und im Ministerial Committee on Disarmament ausführlich beraten; s. dazu Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 110 ff., 616 ff.Google Scholar
  472. 294.
    7.6.1934, Cab. 23–79, S. 216 ff. — Eine Belgien-Erklärung hätte die Wirkung gehabt, nach der Unterscheidung zwischen den deutschen West- und Ostgrenzen 1925 auch innerhalb des Locarno-Systems abgestufte Verbindlichkeiten einzuführen. Simon und Swinton wiederholten diese Warnungen anläßlich der Beratungen über die Richtlinien für die englischfranzösischen Verhandlungen vom 1. bis 3. Februar 1935; 14.1.1935, Cab. 23–81, S. 25, 27. — Im Januar 1935 äußerten Baldwin, Chamberlain, Thomas, Eyres-Monsell — mit Blick auf die öffentliche Meinung in England — die Bereitschaft, Belgien Soforthilfe zuzusagen und diese Erklärung von Präzisierungen der übrigen Locarno-Verpflichtungen zu trennen. Zur Belgien-Frage s. Cab. 23–79, S. 328; C. P. 205 (34), S. 12, Cab. 23–80, Cab. 24–250, S. 35 ff.; ferner Eden-Memo., Dez. 1936, Cab. 24–265.Google Scholar
  473. 295.
    11.7.1934, Cab. 23–79, S. 277 ff.; Simon, 13.7.1934, HofC. — MacDonald wollte die von Chamberlain gewünschte Entscheidung umgehen. Die Belgien-Erklärung wurde u. a. deshalb abgeschwächt, weil die Stabschefs erklärten, daß eine Garantieerklärung nur unter französischer Mitwirkung zu realisieren wäre. Hinzu kam das Problem der holländischen Neutralität. Ferner spielte eine Rolle, daß eine einseitige englische Garantieerklärung — im Unterschied zur reziproken Verpflichtung im Rahmen des Locarno-Vertrages — England nicht den Vorteil eingebracht hätte, auf den die Militärs Wert legten, nämlich Einblick zu erhalten in den Stand der belgischen Verteidigungsmaßnahmen/Befestigungsbauten usw.; es entfiele auch die Möglichkeit, auf Belgien Druck auszuüben, seine Verteidigungsmaßnahmen zu forcieren bzw. in eine bestimmte Richtung zu lenken: Cab. 23–79, S. 217 ff.Google Scholar
  474. 296.
    Simon — an MacDonald, 11.7.1934 — rechnete es sich als Verdienst an, die von Baldwin, Halifax, Chamberlain erwogene Belgien-Erklärung als nicht opportun zurückgestellt zu sehen. — Hoare hatte auf den logischen Widerspruch hingewiesen, einerseits in der Ostlo-carno-Frage Frankreich die Abgabe einseitiger Schutz- und Garantiezusagen auszureden, dann aber Belgien von englischer Seite eine einseitige Zusage zu offerieren. Cab. 23–79, S. 278 f.; vgl. auch FO-Memo., 13.3.1936, C 1803/4/18, FO 371–19 891, S. 115, § 7.Google Scholar
  475. 297.
    4.7.1934, Cab. 23–79, S. 243 f. (Simon); 11.7.1934, Cab. 23–79, S. 279 (Hoare, Chamberlain).Google Scholar
  476. 298.
    Zum Folgenden: 12.1.2.1934, Cab. 23–80, S. 322; 9.1.1935, C. P. 6 (35); C. P. 303 (34), Simon-Bericht über Gespräche in Paris, 22.12.1934; C. P. 295 (34); C. P. 302 (34) Report, Committee on German Rearmament; zur Vereinbarung von Höchstgrenzen/freiwilligem Datenaustausch als Verhandlungsgrundlage s. Anm. I/50, Anm. I/3 38. — Dieses Prinzip lag Chamberlains Angeboten an Japan zugrunde, vgl. Anm. I/310.Google Scholar
  477. 299.
    Londonderry, 14.1.1935, Cab. 23–81, S. 21 f. Die Regierung hielt sich die Möglichkeit offen, ihre Vorbehalte fallen zu lassen, falls diese sich als Haupthindernis für den Abschluß einer Rüstungsvereinbarung erweisen sollten. Die früher geäußerten Besorgnisse — Inspektionen u.a.m. würden den desolaten Zustand der englischen Streitkräfte aufdecken; Rüstungsinspektionen könnten zur Wirtschaftsspionage mißbraucht werden — wurden vorerst zurückgestellt bzw. übergangen.Google Scholar
  478. 300.
    Hailsham, 14.1.1935, Cab. 23–81, S. 22. Nimmt man MacDonalds Resümee zum Maßstab, dann folgte das Kabinett dem Ratschlag Hailshams; s. ebd., S. 27; s. auch C.P. 19 (35). Hier sei daran erinnert, daß Barthou die französischen Standard forme In fallengelassen hatte.Google Scholar
  479. 301.
    Hailsham, 14.1.1935, Cab. 23–81, S. 22. — Vgl. Hauser, England und das Dritte Reich, S. 92 ff.Google Scholar
  480. 302.
    6.2.1935, Cab. 23–81, S. 114. Die Aussage, „certain concessions authorised by the Cabinet had not had to be made“, bezieht sich in erster Linie auf die Frage „supervision“; in englischer Sicht war das Thema fortan erledigt. Die Tischvorlagen des FO wurden im Kabinett in mehreren Anläufen revidiert - s. den Weg von C. P. 295 (34) über C. P. 302/303 (34) und C. P. 6 (35) zu C. P. 19 (35) und C 893/53/18, Cab. 29–146, Notes of Anglo-French Conversations, 1.–3.2.1935. Frankreich fand zwar 1934/35 noch die es interessierenden Punkte im „Paket„ wieder, aber die Passagen, die Anlaß zu Friktionen mit Deutschland hätten geben können, wurden zumindest abgeschwächt. Noch deutlicher wird das 1936 anläßlich der sog. Fragebogenaktion, s. die Kabinettsberatungen vom 30.4. bis 6.5.1936, Cab. 23–84, S. 56 f., 80 ff., besonders die Äußerungen N. Chamberlains, S. 58.Google Scholar
  481. 303.
    14.1.1935, Cab. 23–81, S. 27. — Den Aufhänger bot die Tatsache, daß die Bestimmungen über die demilitarisierte Zone nicht Bestandteil des Teils V des Versailler Vertrages waren; nur über die Ablösung des Teils V sollten die Verhandlungen gehen. Im Laufe der Beratungen erhielt der Vorbehalt eine andere Richtung, nämlich durch den Hinweis, daß sich Deutschland mit dem Rheinzonen-Status nicht lange abfinden werde — anders als mit Belgiens „Neutralität„. Zur Genesis der Abtrennung der Rheinzonen-Frage von den Entwaffnungsbestimmungen/Teil V des Friedensvertrages s. die „klassischen„ Studien von Jordan und Wolfers sowie Nelson, S. 202–240.Google Scholar
  482. 304.
    14.1.1935, Cab. 23–81, S. 28.Google Scholar
  483. 305.
    Ebd., S. 27.Google Scholar
  484. 306.
    Ebd., S. 25. Chamberlain wollte die Belgien-Frage als englisches Sicherheitsinteresse (d. h. hohe Priorität in der Rüstungsplanung) von der Frage einer Bekräftigung der Locarno-Obli-gationen abtrennen.Google Scholar
  485. 307.
    MacDonald, 14.1.1935, Cab. 23–81, S. 24.Google Scholar
  486. 308.
    Vgl. Anm. I/273; Hailsham, 9.1.1935, Cab. 23–81; 14.1.1935, Cab. 23–81, S. 21 f.; Hankey, Protokoll, 1.2.1935, S. 17, A. F. (B) 35; zu Hankey s. ferner unten, Kap. II; C.P. 19 (35), § 7, S. 2. — England wollte weder Frankreich zuliebe die Locarno-Bindungen bekräftigen noch umgekehrt Deutschland Gelegenheit geben, den Status quo durch Erklärungen über Neutralitäts- oder Nichtangriffspakte zu schwächen: 14.1.1935, Cab. 23–81, S. 28 f.Google Scholar
  487. 309.
    Hailsham, 9.1.1935, Cab. 23–81; 14.1.1935, Cab. 23–81, S. 21 f. — Hankey argumentierte: Frankreich würde, wenn es den englischen Kurs in der Deutschlandpolitik unterstützte, davon genauso profitieren wie England. Daher wäre es unbillig, wenn Frankreich von England Konzessionen verlangte, bevor es eine Änderung der Vertragsbestimmungen erlauben wolle; Frankreich verlangte die Konzessionen jedoch, weil es von Deutschland keine „Ent-schädigungs„-leistungen für die französischen Verzichterklärungen erwartete, sich also an England halten mußte, um nicht „leer„ auszugehen. Dies ist der Sinn der Erklärungen der französischen Delegation, sie könnten nicht ohne englische Konzessionen zurückkehren.Google Scholar
  488. 310.
    Vgl. Anm. I/17. — Chamberlain empfahl, das in den Verhandlungen mit Japan erprobte Rezept anzuwenden, Absichtserklärungen über die jeweils angestrebten Rüstungsstandards auszutauschen. Er nahm an, daß Deutschland auf den Vorschlag, Abkommen auf der Basis „freiwilliger“Selbstbeschränkung zu schließen, entgegenkommend reagieren würde. Hier zeigt sich die Prädisposition der englischen Regierung für das Flottenabkommen! Zum deutsch-englischen Flottenvertrag s. Haraszti; Wiggershaus; Dülffer; Salewski; Ingram; Gibbs (Grand Strategy, Bd. 1, S. 160 ff.).Google Scholar
  489. 311.
    14.1.1935, Cab. 23–80, S. 30. Insbesondere die Stabschefs, Hankey und MacDonald lehnten eine Beschäftigung mit dieser Frage ab. Chamberlain hielt sich im Vergleich zu seinem Vorstoß im Juni/Juli 1934 in den Beratungen über diesen Punkt im Dezember 1934/Januar 1935 zurück.Google Scholar
  490. 312.
    Cabinet, 9. u. 14.1.1935, Cab. 23–81; s. auch Anm. I/319. England kam es darauf an, daß sein Interesse am „bargain“sichtbar hervortrat; daher wurden Passagen, die auf deutscher Seite hätten Anstoß erregen können, gemildert bzw. eliminiert (vgl. Anm. I/302). — N. Chamberlain, Cab. 23–84, S. 58 (1936).Google Scholar
  491. 313.
    C. P. 19 (35), § 8 c, 24.1.1935; 14.1.1935, Cab. 23–80, S. 23. — Laval hatte Simon in der Unterredung vom 12. Januar 1935 zugesichert, daß die Ostlocarno-Frage nicht zur Vorbedingung (Testfall) bei den Gesprächen mit Deutschland über eine Ersatzlösung für Teil V des Versailler Vertrages gemacht würde; vielmehr sollte über beide Fragen parallel verhandelt werden; dies entsprach der zwischen Simon und Barthou im Juli 1934 ausgehandelten Lösung. England wollte jedoch in der Flottenfrage keine Gelegenheit versäumen, ein „Wettrüsten“mit Deutschland zu vermeiden. Simon/Laval-Treffen, 12.1.1935, R 318/1/67, Cab. 21–413; s. ferner C.P. 6 (35), 9.1.1935; C. P. 302 (34), 22.12.1934; 10.1. u. 14.1.1935, Cab. 23–81.Google Scholar
  492. 314.
    Simon gegenüber Laval, 12.1.1935, R 318/1/67; s. Anm. I/313.Google Scholar
  493. 315.
    Das Londoner Communiqué wurde als Government Paper veröffentlicht, Cmd. 4798 (1935); Cab. 29–146; Cab. 21–413; s. auch Documents on International Affairs, 1935; Survey; Hauser, England und das Dritte Reich, S. 92 ff.; Anm. I/51.Google Scholar
  494. 316.
    C. P. 23 (35), Summary of Conclusions, § 40 a. Zum Flottenvertrags, außer den in Anm. I/310 genannten Werken und Quellen Gibbs (S. 156 ff., 169, 261) und Hauser (S. 120 ff.); Simon/Laval, 12.1.1935, R 318/1/67, Cab. 21–413; zur Rechtfertigung des Flottenvertrages s. auch Pownall-Diaries, Bd. I, S. 94 (16.12.1935). Zu Lothians Gesprächen in Berlin, die die Kontakte über die Flottenfrage fortführten und mit Wissen von Baldwin und Simon erfolgten (vor dem englisch-französischen Treffen), s. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 792 ff.; GD, C-III, Nr. 445, 468; zur Allen/Hitler-Unterredung s. ebd., Nr. 463.Google Scholar
  495. 317.
    Dies ist der Ansatzpunkt für die Interpretationen von Rock (S. 44), Furnia u. a., die in der englischen Haltung zu Frankreich die wichtigste Ursache für den Weg in den Zweiten Weltkrieg sehen. Die naheliegende Vermutung, die englischen Politiker, besonders Chamberlain, hätten im Zuge der Umkehr der Stärkerelation „Revanche“genommen für die hochtrabende französische Politik in den Jahren 1930–32, läßt sich nicht verifizieren. Chamberlain wies weder französische Kapitalhilfebegehren (Februar 1936) noch Währungsstützungshilfe (September 1936) zurück.Google Scholar
  496. 318.
    N. Chamberlain, Cab. 23–83, S. 58. — Die Rüstungsmaßnahmen waren indirekt stets auch als Instrument gedacht, die Schicksalsgemeinschaft mit Frankreich zu erhalten. Sie sollten keine Kluft zu Frankreich aufreißen, wenn sie auch die französische Politik auf die von England verfolgte,,dual policy“einstimmen und insofern Umstellungsschwierigkeiten auf französischer Seite in Kauf nehmen wollten: Baldwin, 26.2., 5.3. u. 9.3.1936, Cab. 23–83; Cabinet, 29./30.4.1936; 13.1.1937.Google Scholar
  497. 319.
    Cab. 23–83, S. 58; Sitzungen vom 30.4.–6.5.1936, S. 56 ff., 80 ff.; vgl. Anm. I/312 u. I/282 (zu Simon). — Die Beobachtung, daß Laval in Berlin sondieren ließ, bedeutete in englischer Sicht, daß Frankreich auch gegen englische Fühlungnahmen in Berlin nichts einwenden dürfe.Google Scholar
  498. 320.
    Die Argumentation lautete, daß die Energien der französischen Regierungen von der Aufgabe absorbiert würden, eine regierungsfähige Mehrheit zu erhalten. Angesichts dieser,,politischen“Abhängigkeiten könne England die Entscheidung über die gemeinsamen Sicherheitsinteressen nicht den französischen Regierungen überlassen; die Federführung müsse an die stabilen, „politisch starken“englischen Regierungen übergehen (s. Simon-Diary, 20.11. 1934; ders. an Mrs. Grey-Turner, 20.11.1934; Simon an O. Clarke, 11.1.1934; vgl. Eden, S. 82 ff.; Macleod, Chamberlain, S. 207; Th. Jones, Diary with Letters, S. 408 (Inskip)). Das Kommen und Gehen französischer Regierungen („jumpiness and corruption“), die Schwierigkeiten der Währungs- und Finanzpolitik, die industriellen Unruhen, die innenpolitische Blockbildung und andere Faktoren wurden mit dem englischen Prestige kontrastiert: „Britain’s status is high“,,, we have a great part to play“(Simon), vgl. Anm. I/221. — Zur Perzeption französischer Schwächen im Militär- und Rüstungsbereich s. Pownall-Diaries, I, S. 85 ff., 115, 134 f., 142 ff.; ferner Slessor, S. 157, 230 ff.; Ironside-Diary, S. 42 ff., 51; Barnett, S. 506 ff.; Emmerson, S. 109; 26.11.1935, Cab. 23–82; 29.1.1936, Cab. 23–83 (Eden); 16.10.1935, Cab. 47(35) 1, Cab. 23–82, S. 271; CID 1224-B, 1.4.1936, FO 371–19 899, S. 46 f.; Chatfield, 3.4.1936, CID-267, S. 2, FO 371–19 901, S. 29 ff. Die Formulierung von Cairns (S. 729), Frankreich habe es England nie recht machen können, weil England nicht wußte, ob es ein starkes oder ein schwaches Frankreich wünschen solle, ist brillant, trifft aber nicht ganz zu. Treffender ist die Formulierung Youngs (in: Preston [Hrsg.J, General Staffs, S. 58): „by some strange and terrible irony it seemed necessary for France to endure a progressive weakening of her own continental situation before the British would come alive to her importance as an ally…“Google Scholar
  499. 321.
    In ähnlichem Sinne versteht der Verf. die These von Girault:,,… loin d’être en mésure d’imposer nos vues à la Grande-Bretagne, il nous faut compter sur son appui pour trouver une solution à la crise financière qui assaille alors le nouveau gouvernement français“. Rene Girault, Leon Blum, in: Relations Internationales, Nr. 13 (1978), S. 94.Google Scholar
  500. 322.
    Rowe-Dutton an Waley über das Gespräch mit dem Wirtschaftsberater der Bank von Frankreich, Lacour-Gazet, 12.3.1936, C 1877/4/18, FO 371–19 892; dazu Jebb-Minute, 18.3. 1936. Die Berichte der englischen Botschaft über die Stimmung in den regionalen Zentren — Rouen, Lyon, Havre, Lille, Bordeaux, Marseille usw. — sind auf den Tenor abgestimmt: kein „Interesse“an einer Krise; gegen Mobilmachung, um die deutschen Truppen aus der Rheinzone zu vertreiben usw. Die Diskrepanz zwischen der Pariser Presse und dem „Urteilsvermögen“in der ‚Provinz‘gehörte zu den Standards der Berichterstattung über Frankreich (auch in der deutschen Diplomatie); s. zum Beispiel C 1949/4/18, 16.3.1936; C 1987/4/18, 17.3.1936, in: FO 371–19 896. Wigram hob 1933 in einem Vortrag hervor, daß ca. 200 Abgeordnete (Radikale und Sozialisten) eine Anpassung der französischen an die englische Außenpolitik befürworteten und in diesem Sinne für „Lausanne“und die Formel vom 11. Dezember 1932 gewirkt hätten (FO 800–292, S. 29 f.).Google Scholar
  501. 323.
    Minute zu C 2048/4/18, FO 371–19 894, S. 150 ff.; ähnlich Locarno-Ausschuß-Sitzungen, 13. —17.3.1936, Cab. 27–603 (die englische Linie finde im französischen Volk mehr Anklang als die französische Delegation in London wahrhaben wolle). Edens Berichte im Kabinett vor dem 7. März 1936 unterstrichen die Diskrepanz zwischen der Stimmung in Paris und in der,Provinz“. Die Stabschefs übertrugen die in den Gesprächen mit ihren Gegenüber in der Abessinien-Krise gemachten Erfahrungen auf die Situation der Märzkrise 1936. Minutes zu C 1877/4/18, FO 371–19 892; ferner FO 371–19 894, S. 151 f.; Kontakte zwischen französischen Honoratiorenpolitikern (de Nadaillac) und englischen Kreisen wirkten wahrscheinlich gleichfalls dahin, die von Flandin angestrebte Wirkung auf England — „act now“— abzuschwächen; 21.3.1936, FO-Minutes zu C 2243/4/18, FO 371–19 896. Zu den Kontaktpersonen de Nadaillacs auf englischer Seite gehörten Lord Mansfield und Wise, die in der Sitzung des Foreign Affairs Committee vom 17. März für eine „Zähmung“des französischen Aktionswillens eintraten; C 2384/4/18, Perowne an Wigram, FO 371–19 897; Premier I–194, 2. Sitzung des FAC, 17.3.1936.Google Scholar
  502. 324.
    Wigram-Vortrag, „France“, 1933, FO 800–292, S. 41 f.Google Scholar
  503. 325.
    Es wäre den Versuch wert, das Grundmuster der Appeasementpolitik mit der englischen Frankreichpolitik in den zwanziger Jahren zu vergleichen. In 1964/66 durchgeführten Interviews haben R. A. Butler, Swinton, Th. Dugdale zu verstehen gegeben, daß die englische Politik gegenüber Hitler nicht viel anders gewesen wäre als die Passivität in der Ruhrkrise; erst mit der Anschluß-Krise sei erkennbar geworden, daß Hitlers Machtpolitik andere Ziele hatte als die französische Ruhrpolitik.Google Scholar
  504. 326.
    Der letzte Fall schien die Zusage an Flandin auf der Stresa-Konferenz gewesen zu sein, den Luftpakt durch „mutual assistance“-Abkommen zu untermauern und für die Ostlocarno-und Donaupaktprojekte diplomatisch zu werben, um die französische Regierung gegen die Kritik an der „schwächlichen“Reaktion auf den 16. März 1935 zu schützen (17.4.1935, Cab. 23–81, S. 329 f.). 1936 agitierten Hankey, O’Malley gegen MacDonalds Appell, die englische Politik auf Flandin abzustellen; 14.2.1936, C 1028/4/18, FO 371–19 885, S. 321 ff.; 17.2.1936, Cab. 27–599, Protokoll der 1. Sitzung. 1934 berichtete Eden (S. 87) von der Forderung französischer Minister, England müsse ihnen in der Sicherheitsfrage entgegenkommen; anderenfalls könnten sie die innenpolitischen Widerstände nicht überwinden. In den Kabinettsberatungen 1934 mahnte Baldwin wiederholt, nicht auch noch die Beziehungen zu Frankreich durch ein Beharren auf eng verstandenen englischen Interessen zu trüben.Google Scholar
  505. 327.
    Eden forderte die englischen Diplomaten auf, sich französische Drohungen zu verbitten, daß Frankreich ein Rapprochement mit Deutschland versuchen müsse, wenn England kein Verständnis für französische „essentials“zeige. Schließlich habe Frankreich bis hin zur Locarno-Krise alle vernünftigen und rechtzeitigen Tauschgeschäfte nicht mitgemacht (Eden, 21.3.1936, C 2110/4/18, FO 371–19 895, S. 337). Den Hintergrund bilden Ausführungen Flandins gegenüber Botschafter Clerk und in einem Interview in La Tribune des Nations (18.3.1936), in denen Flandin Lavais Intrigen anspricht. Die FO-Beamten mahnten gleichfalls, Frankreich wissen zu lassen, daß es die Drohung mit einer französischdeutschen Detente besser unterlasse (ebd., S. 336).Google Scholar
  506. 328.
    Flandin versuchte in der Märzkrise 1936, zunächst über pro-französische Einflüsse in London (Lord Camrose, Spears, W. Steed, Boothby, Churchill, A. Chamberlain), dann in Wahlreden in Frankreich, die englische Politik mit Warnungen zu beeindrucken, daß sie Frankreich nicht im Stich lassen solle. Die Gefahr eines Rechtsruckes in Frankreich bedeutete vor 1934/35, daß ein,,nationalistisches“Regime (Tardieu, Barthou) ans Ruder gelangen und die englischen Vermittlungsbemühungen ignorieren würde. Seit 1936 meint die Formel eher Auftrieb für jene Kräfte, die entsprechend der Parole „Lieber Hitler als Blum“ein Rapprochement mit Deutschland ohne und insofern gegen England ins Auge faßten; entsprechende Absichten wurden Laval nachgesagt.Google Scholar
  507. 329.
    N. Chamberlain, 18.3.1936, Cab. 23–83, S. 338 (anläßlich der Debatte über seine Unterredung mit Flandin und die Konferenz der Locarno-Mächte). Den Hintergrund bilden Äußerungen Flandins gegenüber Churchill, Vansittart u. a., daß Laval und Caillaux als Konsequenz aus dem Krisenverlauf eine Politik ohne England befürworteten (C 2026/4/18, Van-sittart-Flandin, FO an Clerk, FO 371–19 894: s. auch Hauser, England und das Dritte Reich, Bd. 1, S. 225 f.). Das französische,,game of politics“bestärkte Vorurteile gegen den unzuverlässigen Partner und diente dazu, den englischen Führungsanspruch zu demonstrieren. Das gilt für Simon, der Edens Bemühungen um eine ausgewogene Reaktion kritisierte und die englischen „Dämpfungsmaßnahmen“gegenüber Frankreich noch erweitert wissen wollte; s. hierzu Eden, S. 360 f.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 920 f.; Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 194. — Hankey faßte die Zusammenarbeit zwischen dem FO/Vansittart und Flandin/Laval/Massigli/Comert in der Luftpakt-Frage als eines der „Erpressungsmanöver“auf, zu dem sich das FO hergab; s. Hankey-Memo., 2.2.1935; zur Organisation der Gegenwehr s. die bei Roskill, Hankey, III, S. 156 ff., zitierten Tagebuchnotizen; s. ferner Cab. 23–81, S. 106 ff.Google Scholar
  508. 330.
    N. Chamberlain, 16.10.1935, Cab. 47 (35) 1, Cab. 23–82; vgl. Feiling, N. Chamberlain, S. 268. — Das Zeugnis bezieht sich auf die englisch-französischen Verhandlungen über Sanktionsmaßnahmen und militärische Begleitschutzaktionen Mitte Oktober 1935; Laval warf nicht nur die Frage englischer Vertragstreue im Fall einer Rheinzonen-Krise auf, sondern ließ erkennen, daß er mit Mussolini in Kontakt stand. Zu dieser Phase der Abessinien-Krise bzw. zur englischen Willensbildung s. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 861 ff.; Eden, S. 267 ff.; Pownall-Diaries, I, S. 85 ff.; Marder, The Royal Navy, in: AHR, Bd. LXXV/5 (Juni 1970), S. 1346 ff.Google Scholar
  509. 331.
    In englischen Regierungskreisen brachte man Verständnis dafür auf, daß Hitler die Rheinzonen-Aktion mit dem „Verstoß“des französisch-russischen Paktes gegen den,,Geist von Locarno“rechtfertigte, s. Anm. I/362. Sargent, 18.3.1936, zuC 2048/4/18, FO 371–19 894, S. 151. — Unter dem Eindruck des Wahlsieges der Volksfront-Parteien in Frankreich und des Spanischen Bürgerkrieges verstärkte sich der Chor der Stimmen, die Sympathien für den deutschen Standpunkt aus antibolschewistischer Einstellung heraus entwickelten; s. zum Beispiel Londonderry an Croft, 3.7.1936; 28.9.1937, Croft-MSS., 1/15. Page-Croft war Gründer verschiedener antisozialistischer und antibolschewistischer Propaganda-Ligen; Londonderry machte Frankreich für das Hitler-Regime verantwortlich sowie für die Gefährdung Europas durch den „Russenpakt“. Hailsham, Ormsby-Gore u. a., die wie Londonderry 1933/35 Deutschland — im Hinblick auf die Prioritäten in der Aufrüstung — als Hauptfeind bezeichnet hatten, argumentierten seit dem Sommer 1936 ähnlich wie Londonderry. Zur Haltung der Konservativen und der Regierung im Verlauf des Spanischen Bürgerkrieges s. Watkins, Britain Divided; s. femer die Memoiren von Liddell Hart, die Editionen der Tagebücher und Briefe von H. Nicolson und Channon.Google Scholar
  510. 332.
    Sargent, 16.3.1936, C 2134/4/18, FO 371–19 895, S. 10.Google Scholar
  511. 333.
    Vansittart-Leger-Gespräch, 17.9.1936,C 6522/4/18, FO 371–19 912, S. 172. Vansittart ließ durchblicken, daß die englische Regierung wegen ihres konservativen Anhangs im Fall einer außenpolitischen „Links“-Orientierung der Blum-Regierung zum deutschen Standpunkt würde tendieren müssen; zu Vansittarts Strategie und seiner Einstellung zur Sowjetunion s. unten, Kap. II.Google Scholar
  512. 334.
    Zwischen der Mehrheitsmeinung im Kabinett und dem FO entstand ein Meinungsgefälle. Nach dem Scheitern der „working agreement“-Initiative bezweifelten neben Vansittart auch Wigram und Sargent die deutsche Verhandlungsbereitschaft. Die Divergenzen zwischen dem FO und den Stabschefs/Service Departments beeinträchtigten gleichfalls die Meinungsbildung; vgl. Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 229 ff.Google Scholar
  513. 335.
    Sargent, 19.3.1936, FO 371–19 894, S. 151; Wigram, 20.3.1936, zu C 2113/4/18 (Clerk-Report), FO 371–19 895.Google Scholar
  514. 336.
    Siehe Anm. I/345. In den Debatten vor dem 7. März 1936 zeigte sich das u. a. in der Behandlung der Frage, ob England Frankreich abraten sollte, den Pakt parlamentarisch absegnen zu lassen. England verhielt sich abwartend, um nicht die Gegenfrage zu provozieren, welche Alternative England bieten könne.Google Scholar
  515. 337.
    Halifax, 13.1.1937, s. Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 43; O’Malley, FO 371–19 885, S. 318 ff.; Cabinet Committee on Germany, Sitzung vom 17.2.1936, Cab. 27–599 (Eden, Halifax); zu Hankey s. unten, Kap. II. Warnungen, Deutschland und Frankreich nicht auf eine Stufe zu stellen (Cooper), verhallten in den Kabinettsberatungen (30.4.1936, Cab. 23–83). Zum Echo auf Coopers „pro-französische“Rede in Paris, die in der Presse und im Kabinett kritisiert wurde, s. Nicolson-Diaries, 29.6.1936; Barnes-Middlemas, Baldwin, S. 948 f.Google Scholar
  516. 338.
    Vgl. Anm. I/182, 216, 235. — Die Service Ministers, die sich bietende Kontakte wahrnehmen wollten, preschten vor; das Kabinett hielt sie zwar in Fragen der „großen Politik“ zurück, nicht aber in „technischen“ Fragen. Außer den in Anm. I/182 gemachten Angaben s. ferner die Gespräche Swinton/Milch: CID, 10.7.1936, Cab. 2–6/2, S. 321 f.; CID, 29.10. 1936, ebd., S. 362 ff. „Some of the information that came across was remarkably accurate (Milch himself told the British of the German air plans in 1936) “, Eden-Memoirs, Bd. I, S. 484; s. Overy, German Aircraft Production Plans, in: EHR, Bd. 90, S. 795. Das CID beschloß gegen Bedenken des FO, Swinton zu autorisieren, die deutschen Vorschläge zum Informationsaustausch über die Expansion der Luftwaffen aufzugreifen. Die Berichterstattung darüber sollte nicht den Dienstweg der Diplomatie gehen. Zum Konflikt Vansittart/Dill in einer ähnlichen Frage s. Kap. I, Anm. 216; betr. Flottenfragen s. Cab. 23–83, S. 169 f., 327 f. (26.2. u. 18.3.1936); s. ferner Runciman, Monsell, Chamberlain, 26.2.1936, Cab. 23–83, S. 169 f.; 24.1.–28.1.1936, C 650/4/ 18, FO 37119 884.Google Scholar
  517. 339.
    Vgl. Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 43; über die Reaktion auf den 16. März 1935 vgl. Anm. IV/87.Google Scholar
  518. 340.
    Im Bemühen um die Aufnahme von Verhandlungen über „New Locarno“ und Rüstungsbegrenzung setzte sich zum Beispiel England über das französische Interesse hinweg, erst die Folgen der Krise (Befestigungsbauten) zu regeln; Cadogan/Eden-Minutes, 11.9.1936, zu Wigram-Memo., C 6259/4/18, FO 371–19 912, S. 62. Der französisch-russische Pakt gab einen weiteren Anstoß, die Führung im Bunde zu suchen und „Aufsichts“-rechte über die französische Politik zu beanspruchen; s. zum Beispiel Sargent, 16.3.1936, C 2134/4/18, FO 371–19895, S. 10; zu Baldwin s. Anm. I/208 und 1/225.Google Scholar
  519. 341.
    So wiederholt Sargent, s. zum Beispiel FO 371–19 892, S. 229, zu C 1912/4/18. Edens Berichte über Gespräche mit Laval, Flandin und Botschafter Corbin lassen dieselbe Tendenz erkennen — s. Eden, S. 332 ff.Google Scholar
  520. 342.
    29./30.4.1936, Cab. 23–84, S. 62. — Eden — 22.4.1936, Cab. 23–84, S. 7 ff. — argumentierte, England solle von der Annahme ausgehen, daß Deutschland ein Interesse an englischen Bemühungen um ein deutsch-französisch-englisches Rapprochement habe. Diese Formel erlaubte es, Rückschläge in den Sondierungen zu nutzen, um vor Illusionen und zu weitem Entgegenkommen an den deutschen Standpunkt zu warnen, aber ebenso auch neue Anläufe gutzuheißen. Die Formel entsprach dem Parallelogramm der Kräfte im Kabinett. Eden/Baldwin, 20.5.1936, Cab. 23–84, S. 177 ff.Google Scholar
  521. 343.
    Eine Allianz mit Frankreich hatte auch in den zwanziger Jahren den pro-französischen Politikern als risikobehaftet gegolten (s. zum Beispiel Hardinge an Curzon, 26.12.1921, Har-dinge Papers 44). Unter A. Chamberlain setzte sich — zumindest im FO und in der Vorbereitung auf Konferenzen im Kabinett — die Meinung durch, daß England, wenn es mit Frankreich eng und vertraulich zusammenarbeite, die ,,militanten“ Tendenzen ausschalten könne; s. die Habil.-Schrift des Verf.; Barnes-Middlemas, Baldwin, S. 763 ff.; s. ferner zu Hankey Anm. II/80, Anm. IV/57.Google Scholar
  522. 344.
    MacDonald, 27.6.1934, Cab. 23–79, S. 219 (anläßlich der Debatte vor dem Barthou-Be-such); Simon an Chilston (über Gespräch mit Maisky, 20.2.1935), C 1429/55/18, Cab. 21–413. Das fordernde russische Auftreten wurde in London mißtrauisch beurteilt.Google Scholar
  523. 345.
    Baldwin, 11.3.1936, Cab. 23–83; vgl. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 918; ähnlich Mai 1935 (ebd., S. 814); Young, Baldwin, S. 223. Vgl. Hankey an Phipps, 9.10.1936, Cab. 21–540; England war bestrebt, den französisch-russischen Pakt zu entschärfen, insbesondere Stabsgespräche auszureden. Dabei kam es England entgegen, daß Laval/Flandin den Pakt primär als diplomatisches Druckmittel gegenüber Deutschland einzusetzen beabsichtigten und der französische Generalstab (Gamelin) gleichfalls zurückhaltend gegenüber Stabsgesprächen mit Rußland war. Jones glaubte (Diary with Letters, S. 209, 211, 231), eine Neigung Baldwins zuerkennen, in einer Verbindung mit Hitler ein Bollwerk gegen die Ausbreitung des Bolschewismus zu sehen. Dabei ist zwischen der Ansicht, ein von Frankreich und der Sowjetunion besiegtes NS-Reich würde bolschewistisch werden und einer ins Offensive gewendeten Bollwerk-These zu unterscheiden.Google Scholar
  524. 346.
    Zu den nach Frankreich hin orientierten Wirtschaftsinteressen gehörten Kapitalanlagen in den kontinentalen Eisenbahngesellschaften, im Weinbau und im Luxusgüterhandel. Dieser Fragenkreis ist noch wenig erforscht; s. Margaret Gowing, Anglo-French Economic Collaboration before the Second World War: Oil and Coal, in: Relations, S. 263 ff. Die gesellschaftlich-kulturellen Bindungen scheinen ausgeprägter zu sein als die ökonomisch-interessenmäßigen. Über die Phasen des englisch-französischen Zollkrieges 1931–34 s. HJ. Richardson, S. 110 ff.; Cab. 23–78, S. 38,98, 164, 379; Cab. 23–79, S. 196 f. Die französischen Quota- und Lizenzregelungen sind seit dem Ende des Ersten Weltkrieges ständiger Klagepunkt in den Journalen der englischen Handelskammern. Frankreich wurde 1931/32 von den ,,economy“-Restriktionen — wegen der Auswirkungen auf den Tourismus-; Luxusgüter-, Seidenexporte nach England; landwirtschaftliche Schutzmaßnahmen — stark betroffen; England litt unter dem Rückgang der Kohle-, Stahl-und Textilexporte nach Frankreich. Die englischen Exporte nach Frankreich sanken 1933: 1931 von 3 734 auf 2 167 Mill. Frcs, die französischen Exporte nach England von 5 081 auf 1 676 Mill. Frcs (Economist, 24.3. 1934). Die Zahlen lassen erkennen, daß Frankreich versuchen wollte, ein Gleichgewicht im Handelsaustausch zu erzwingen. Zu den Standardargumenten (Wigram, 8.1.1932, FO 800–292, S. 1–8) in den wechselseitigen Vorhaltungen gehörte, daß England Frankreich Schulden im Umfang von £ 373 Mill, erlassen hatte, was die englischen Steuerzahler jährlich mit £ 18 Mill, belastete und daß Frankreich die Schulden, die es zurückzahlte, mit entwerteten Francs beglich. Umgekehrt betonte man auf französischer Seite, daß die £-Guthaben der Bank von Frankreich von der £-Abwertung betroffen seien u.a.m. Die englische Massenpresse (Beaverbrook, Rothermere) agitierte dafür, London zum Modezentrum der Welt zu machen und damit der englischen Textilindustrie neue Impulse zu geben. Die englischen Textilregionen (Bradford) gehörten — nach dem Zahlungsabkommen — zu den prodeutsch/antifranzösisch eingestellten Regionen (soweit sich dies aus der Lokalpresse schließen läßt).Google Scholar
  525. 347.
    Auf andere Aspekte dieses Fragenkomplexes kann hier nicht eingegangen werden. — Zu den Sondierungen Blum/Rueff/Bastid/Corbin/Spinasse-Eden/Cranborne/Leith-Ross/Morri-son/Phillips/Vansittart/Waley über ein Handels-Liberalisierungsabkommen in Ergänzung zum Tripartite Agreement s. den zusammenfassenden Bericht des Economic Relations Office im FO vom 6.11.1936, C 7953/7746/62, FO 433–3, Nr. 22, bes. S. 146 ff., 152 ff., Appendix D u. E; die Gespräche fanden zwischen dem 2.10. und 14.10.1936 statt; s. im einzelnen T 177–31/34; Clay, „Norman“, S. 421 ff. Die maßgeblichen französischen Politiker sahen in der Abwertung des Franc eine Erklärung gegen einen Autarkiekurs und ein Indiz für die Konvergenz der Standpunkte der drei großen liberalen Demokratien. N. Chamberlain brachte in seiner zustimmenden Erklärung zum Tripartite Agreement zum Ausdruck, daß er den englischen Verzicht auf die Forderung nach französischen Konzessionen im Handelsbereich als „Opfer“ verstanden wissen wolle. Im Februar 1936 hatte Chamberlain davon Abstand genommen, für die Gewährung einer Währungsstützenhilfe von Frankreich handelspolitische Konzessionen zu verlangen (s. Girault, Leon Blum, S. 97). Im Oktober 1936 lockerte Frankreich einen Teil der Restriktionsmaßnahmen; s. dazu im einzelnen Girault, Leon Blum, S. 101 ff.; Bouvier, Contröle, S. 114; T 177–31/33; T 160–627, F 14308/01/1–2, French Proposals for reducing quota restrictions in return for stabilisation of currencies (17.9.1935–24.4.1936); T 160–684, F 14379, French proposals regarding reduction of certain customs duties: abolition of quotas following devaluation of the Franc (29.9.1936–28.1.1937); T 160–728, F 12743/1–5, Anglo-French Commercial Negotiations (4.12.1931–27.4.1938); T 160–539, F 13771/01/1–3, Anglo-French Commercial Treaty (10.8.1933–22.11.1934); T 160–572, F 13373/1–2, France: Import duties and quotas and United Kingdom retaliatory measures (21.3.1933–22.11. 1934).Google Scholar
  526. 348.
    Niedhart; Lammers (Explaining Munich); Henke (England, S. 201). Lüthi (Das britische Parlament, S. 17, 207), Hauser (England und das Dritte Reich, S. 142) weisen die Konspirationsthese zurück, nach der die konservativen Führer Appeasement als Instrument zum Schutz ihrer Klasseninteressen nutzten und dabei die deutsche Gefahr auf die Sowjetunion ablenkten. Demgegenüber ist jedoch daran festzuhalten, daß ‚Antibolschewismus‘ (s. Anm. I/208 ff., 225) ein ins Gewicht fallendes Motiv des Handelns ist; dabei ist zu beachten, daß ‚Antibolschewismus‘ verschiedene Bedeutungsvarianten aufweist. Die wichtigste ist, daß die Appeaser aus der bekannten These, man müsse die Rivalitäten zwischen den imperialistischen Mächten nutzen, um der SU das Überleben zu sichern, das Recht ableiteten, einen Ausgleich mit anderen „imperialistischen“ Staaten zu suchen. — Allard, Stalin und Hitler, und Seaton, Stalin and the Red Army General Staff in the Thirties, in: Preston (Hrsg.), General Staffs, S. 68, untermauern die Auffassung, daß sich Stalin nach dem Röhm-Putsch um eine Verständigung mit Hitler bemühte. — Die Frage, ob Stalin befürchtete, daß England Hitler oder Japan gegen die Sowjetunion ,,hetzen“ werde, läßt sich zur Zeit nicht klären; Haraszti (Treaty-Breakers, S. 45) macht geltend, daß Stalin die Erklärung Edens, England habe keine entsprechenden Absichten, mit Befriedigung aufnahm. — In der englischen Politik galt die Aktivierung des russischen Faktors (im Sinne der französischen Diplomatie) als unzulässiges Druckmittel, da sie das Dritte Reich zur Militanz ‚provozieren“ würde, ohne effektiven russischen Beistands sicher zu sein. Man beobachtete, daß der französisch-russische Pakt die Staaten in „Zwischeneuropa“ vor die unmögliche Wahl zwischen zwei Übel stellte. Diese Einschätzung wurde gerade auch von denjenigen Oppositionspolitikern geteilt, die — wie Leonard Woolf, Sekretär des Advisory Committee der Labour Party „on Internanional Affairs“ — den Nationalstaaten bescheinigten, sie seien Demokratien.Google Scholar
  527. 349.
    20.3.1935, Cab. 23–81 (Kabinettsdebatte vor dem Simon/Eden-Besuch in Berlin und Edens Reise nach Moskau und Warschau); 8.4.1935, Cab. 23–81, S. 239 ff.,C.P. 79(35), § 20, S. 7, Cab. 24–250. — Simon-Diary, 20.3.1935; Simon-Notizen auf dem Rückflug von Stresa/Genf, 17.4.1935. — Zur Genesis des französisch-russischen Paktes s. Scott; Néré, Kap. 11.Google Scholar
  528. 350.
    Flandin, de Margerie, Massigli und andere französische Politiker und Diplomaten rechtfertigten England gegenüber den Pakt damit, daß es gelte, einem deutsch-russischen Rapprochement zuvorzukommen; s. Eden, 29.1.1936, Cab. 23–83, S. 43; FO-Minutes 6.4.1936, zu C 2737/4/18, FO 371–19 901, S. 103 ff.; zu Vansittart s. unten, Kap. II.Google Scholar
  529. 351.
    Sargent, 14.2.1936, C 887/4/18. Sargent wollte die Drohwirkung englisch-russischer Kontakte als Deckung für den „working agreement“-Vorstoß werten. Er meinte, die Wirkung des Paktes als Damoklesschwert hielte nur solange an, wie er nicht ratifiziert sei; danach würde er als Klotz am Bein wirken. Die deutsche Botschaft (Hoesch) mahnte — im englischen Sinne — das Auswärtige Amt, das Risiko einer englischen Annäherung an den französisch-russischen Pakt ins Auge zu fassen: Einkreisung würde die Antwort auf deutsche coup de force-Methoden sein. Zur Absicherung des „working agreement“-Konzepts bemühte sich die englische Politik, die englisch-russischen Gespräche als Zeichen des Bemühens um normale Beziehungen mit allen Mächten auszugeben, s. GD, C-IV, Nr. 523. — Die Dominions machten diese Differenzierungen nicht mit. Das lag zum Teil daran, daß ihre Information durch das DO erfolgte und nicht seitens des FO. Das Echo zeigte sich in der für den deutschen Standpunkt vorteilhaften Reaktion der Dominions in den Krisen der dreißiger Jahre.Google Scholar
  530. 352.
    Simon wollte zunächst — wegen der ablehnenden deutschen Haltung — eine Meinungsäußerung zum Pakt vermeiden — 27.6.1934, Cab. 23–79, S. 213. — Er äußerte Verständnis dafür, daß Deutschland weder russische Hilfe gegen Frankreich noch eine Verwicklung in einen polnisch-russischen Konflikt zu wünschen (vorgab); denn England gehe es ähnlich: 20.3.1935, Cab. 23–81, S. 239 ff. — Im Tagebuch — 27.3.1935 — und in den Stresa-Notizen, 17.4.1935 — betonte er — unter Anspielung auf deutsche und polnische Aversionen gegen russische „Intrigen“-, daß England nicht das volle Ostlocarnoprojekt (mit Rußland in der Garantiemachtrolle) betreiben dürfe, sonst müsse es alle Hoffnungen auf ein Generalabkommen mit Deutschland fallen lassen. Für Simon kam es darauf an, gegenüber Deutschland und Japan den Anschein zu vermeiden, als folge England dem französischen Beispiel und suche Rußland gegen Deutschland bzw. Japan aufzubieten — Simon an N. Chamberlain, 7.8.1934; s. auch DBFP, 2. Ser., VII, Nr. 609, 711, 670, 582.Google Scholar
  531. 353.
    Simon, 11.7.1934, Cab. 23–79, S. 274–276; 6.6.1934, ebd., S. 154 f.; Simon an R. Mac-Donald, 11.7.1934, Simon-MSS.; Simon-Barthou, 9.7.1934, C 4454/4455/4454/17, in: Cab. 21–382. Als Gegenleistung versprach die englische Regierung, in Warschau, Berlin und Rom für das Ostlocarno-Projekt zu werben. Die englische Diplomatie erfüllte ihr Versprechen: s. GD, C-III, S. 202; C-II, S. 502, 901. — Gegenüber Georg V. ließ Simon durchblicken, daß er nicht erwarte, daß die anderen Länder „will acquiesce“: Lord Wigram an Simon, 12.7.1934 (rezitiert Simons Bericht über die Kabinettssitzung). Simon bekräftigte die englische Haltung gegenüber Maiskys Drängen, dem in Berlin bestehenden Eindruck entgegenzuwirken, daß England dem Ostlocarno-Projekt nur begrenzten Wert beimesse: Simon an Chilston, 20.2.1935, C 1429/55/18, Cab. 21–413.Google Scholar
  532. 354.
    Gibbs,S. 133 ff., 613, 620 ff.; Niedhart, B 13/77 vom 2.4.1977, S. 34. — Auf französisches Ersuchen, England solle sich zur Frage der Vereinbarkeit des Paktes mit „Locarno“ erklären, reagierte London nicht öffentlich; entsprechende deutsche Anfragen — Mitte 1935 — hatte London im französischen Sinne beantwortet. 1936 argumentierte man, daß England vor dem Abschluß nicht gefragt worden sei, daher könne es sich auch zur Opportunität der Ratifizierung nicht äußern. Im Kabinett fiel die Überlegung ins Gewicht, daß es sich als vorteilhaft erweisen könnte, Deutschland zu erklären, England habe mit der Sache nichts zu tun (12.2.1936, Cab. 23–83, S. 78 f.). Im FO war man aus verschiedenen Gründen geneigt, nicht zur Ratifizierungsteilung zu beziehen (s. Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 78 ff.).Google Scholar
  533. 355.
    Schweissguth gab zu verstehen, daß Frankreich die von Rußland angebotenen Stabsgespräche abgelehnt habe, u. a. weil man meinte, Rußland könne wegen der Haltung Polens und Rumäniens nichts tun. Frankreich käme es auf die Verhinderung einer russisch-deutschen Allianz an. Nach dem Fortfall des Rheinzonenstatus gehe der Weg französischer Hilfe an die östlichen Verbündeten über Italien (!); s. C 2737/4/18, 6.4.1936, FO 371–19 901, S. 103 ff. — Einiges spricht dafür, daß Gamelin die Obligationen aus dem Pakt mit der Sowjetunion und der Tschechoslowakei praktisch zu ignorieren wünschte und statt dessen die Verwandlung des Locarno-Vertrages in ein Bündnis England-Frankreich-Belgien bevorzugte; s. Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 51. Vgl. Anm. I/345.Google Scholar
  534. 356.
    Da Luftpaktgespräche in englischer Sicht aus vielen Gründen den geeignetsten Ansatzpunkt für Ausgleichsverhandlungen mit Deutschland bildeten, erschien der französisch-russische Pakt als Störfaktor; denn die von England gewünschte strukturelle Gleichartigkeit des Luftlocarnopaktes mit den französischen Verpflichtungen gegenüber der SU und der Tschechoslowakei gab Hitler die Möglichkeit, für die deutsche Luftwaffe einen Two-Power-Standard zu fordern. Dies wiederum untergrub die englischen Hoffnungen auf ein Junktim zwischen „Air Pact and Air Limitation“. Hitlers Reaktion auf Phipps’ Vorstoß am 13. Dezember 1935 hätte der englischen Politik die Aussichtslosigkeit ihres Versuchs klar machen müssen, über Luftpaktgespräche zu einem allgemeinen Gespräch mit dem Hitler-Regime zu kommen.Google Scholar
  535. 357.
    Moskau unterbrach im März 1936 vorübergehend die Kreditverhandlungen mit Berlin; s. im einzelnen Emmerson, The Rhineland Crisis, S. 157 f. — Molotows öffentliche Rede Anfang Januar 1936, in der er ein deutsches Angebot eines Kredits mit 10jähriger Laufzeit ankündigte, Äußerungen Schachts und von Schacht inspirierte Artikel über die Komplementarität der deutschen und russischen Wirtschaftsinteressen und andere Anhaltspunkte legten die Frage nahe, ob diese handfesten Kontakte nicht das „wahre“ Gesicht der deutschrussischen Beziehungen enthüllten, während die Propagandaschlachten nur die Kulisse bildeten. Stalin hatte gegenüber Eden im März 1935 (Eden, S. 155) die russischen Rohstofflieferungen und deutsche Warenlieferungen offen zugegeben. Die englisch-russischen Handelsbeziehungen in den dreißiger Jahren litten generell unter der ungelösten Schuldenfrage. Die Tatsache, daß England aus Rußland mehr importierte als es dorthin exportierte, ließ sich nicht zugunsten Englands ausnutzen. Nach Abschluß einer Handelsvereinbarung im Februar 1936 senkte England die Gebühren für Exportkreditgarantien nach Rußland um ein Drittel. Rußland ging 1936 von der Barzahlungsbasis ab und wünschte, Aufträge auf Kreditbasis zu plazieren (Wallace, 17.12.1935, HofC, Bd. 307, Sp. 1574; Runciman/Baldwin, 18.2.1936, HofC, Bd. 308, S. 1582). Runciman teilte Ende Juli (30.7.)1936 im Unterhaus mit, das Export Credits Guarantee Department habe zugestimmt, bis zu £ 10 Mill, in Verbindung mit Aufträgen russischer Einfuhrorganisationen für englische Fertigwaren in England zu plazieren; vgl. Niedhart, S. 338 ff. — Der Rußland-,,Lobby“ wirkten Interessen in der Konservativen Partei entgegen, die die Holzimporte aus Rußland zugunsten verstärkter Importe aus Kanada beschränken wollten; s. Central Council der National Union of Conservative and Unionist Associations, 8.3.1932, Council Minutes (Locker-Lampson, Ramsden); Anfragen von H.G. Williams/Ramsden (Empire Industries Association und FBI) im HofC, 18.2.1936; C. P. 177 (33), Cab. 23–76, S. 295/296. — Die englische Regierung suchte gegenüber der kanadischen Regierung ihre Interessen am Rußland-Handel zur Geltung zu bringen, mußte aber in Ottawa den Dominions entgegenkommen; s. Drummond, S. 94, 103; Kottmann, S. 25 f., 29, 31 ff.Google Scholar
  536. 358.
    Sargent-Minute zum Eden/Litwinow-Gespräch, 30.1.1936, C 692/4/18, 5.2.1936; Litwinow riet Eden, deutsche Truppen aus der Rheinzone gegebenenfalls mit Gewalt vertreiben zu helfen. — Die Auffassung, die sowjetischen Politiker seien Intriganten, die die deutsche Gefahr nach Westen ablenken wollten, begegnet bei Simon, Stresa-Notizen, 17.4. 1935; Feiling, N. Chamberlain, S. 348 (20.3.1938); Baldwin, s. Anm. 1/208, 216. — Eden hielt Stalin für vorsichtiger als Hitler und erwartete ähnlich wie Vansittart von Rußland keine Bedrohung des Status quo (s. Eden, S. 167 f.), doch ließ Eden Maisky zurückweisen, als dieser sich über Lavais Ausgleichsbemühungen gegenüber Deutschland beschwerte: ,,I am through with the Moscowites of this hue“ (20.11.1935, C 7730/55/18, FO 371–18 851, S. 70).Google Scholar
  537. 359.
    Baldwin an Eden, 27.7.1936; Jones, Diary with Letters, S. 231: ,,on no account, French or other, must he [Eden] bring us in to fight on the sight of the Russians“. Vgl. Baldwins Erklärung gegenüber der Defence Deputation, 29.7.1936, Cab. 21–438; Barnes/Middlemas, S. 947, 918, 814, 454 f.; s. Anm. I/208, 209. Im Sinne Baldwins analysierten Garvin und Barringdon-Ward die europäische Szene im „Observer“ bzw. der ,,Times“.Google Scholar
  538. 360.
    Chiefs of Staff-Memo., 1.9.1936, S. 10, FO 371–19 912. Die Ratifizierung des Paktes zu einem Zeitpunkt, zu dem England seine Deutschland-Initiative einleitete, erweckte den Anschein, als ob Deutschland auf dem Wege der friedlichen Revision nie zu seinem „Recht“ gelangen könne, da Frankreich immer neue Hindernisse auf dem von England geräumten Weg auftürme; s. Anm. IV/312.Google Scholar
  539. 361.
    Die Empfehlung, Frankreich solle den Pakt liquidieren, sprachen vor allem „economic appeaser“ aus: Jebb, 25.3.1936; vgl. Lammers, S. 845. Zu den Positionsgefechten über diese Frage s. Cab. 50 (36), 6.7.1936, Cab. 23–85, S. 56 ff. Die Regierung folgte auch 1938 dem Ratschlag nicht: DBFP, 3. Ser. III, Nr. 325; s. Lammers, S. 855. Vgl. Anm. I/223.Google Scholar
  540. 362.
    6.7.1936, Cab. 23–85, S. 61 (positive Wertung des Pakts als Abschreckung für den Fall einer gewaltsamen Änderung des Status quo); vgl. Gibbs, Grand Strategy, S. 798. — Baldwin betonte gegenüber Ribbentrop, daß Hitler Beweise seines Friedenswillens liefern müsse, anderenfalls müsse England seinen Kurs der friedlichen Revision in Osteuropa zugunsten einer Bündnispolitik verlassen; s. Aufzeichnung Dertinger, 28.3.1936, Nachlaß Bram-mer. Baldwins Erklärung, England wolle keine neuen Garantien übernehmen, aber Deutschland auch nicht freie Hand im Osten einräumen, habe Becks Sorgen vor einer englischen Konzentration auf Westeuropa beschwichtigt. Die englische Haltung gegenüber Deutschland/Rußland sowie Frankreich/Rußland brachte Eden gegenüber Litwinow Ende März 1935 (Eden, S. 152) sowie in einer Rede in Fulham, 16.5.1935 (ebd., S. 188) klar zum Ausdruck; ferner Reden in Leamington (20.11.1935 und 17.1.1936); das Kabinett bekräftigte Edens Standpunkt in den Debatten über die Reform des Völkerbundes: 13.7.1936, F. P. (36) 5, Cab. 27–626.Google Scholar
  541. 363.
    Siehe Anm. I/331. — Die von Eden in anderem Zusammenhang geäußerten Vorbehalte — s. Anm. I/358 — wurden im Spanischen Bürgerkrieg zum unmittelbaren Reibungspunkt in den englisch-russischen Beziehungen.Google Scholar
  542. 364.
    Siehe generell Niedhart; s. dazu die Rezension des Verf. in MGM, XVI (1974), S. 249 ff. — Das Pendant ist Roosevelts Rußlandpolitik vor 1941; s. Hillgruber, Der Zenith des 2. Weltkriegs, S. 26.Google Scholar
  543. 365.
    Watt, Personalities, S. 159–174; Ovendale, „Appeasement“, S. 28 ff., 57 f.;Gibbs, Grand Strategy, S. 784 ff.; Mansergh, Survey, S. 437–444; Drummond, Economic Policy, passim. Gute Zusammenfassungen stellen die Aufsätze von Tamchina und Meyers dar. Zur Entwicklung der englischen Außenpolitik in der Locarno-Ära 1925–36 vordem Hintergrund des Wandels im Empire-Commonwealth s. die Oxforder Dissertation von R. B. Holland. Siehe ferner Meyers. — Die innenpolitische Lage in den Dominions und die dadurch bedingten Schwierigkeiten in der Ausarbeitung einer imperialen Strategie oder gar arbeitsteiliger inter-imperialer Rüstungsprogramme sind ausführlich dargelegt in: Roskill, Naval Policy; Eayrs; Cab. 21–386; Cab. 21–398; Cab. 21–414. — Die komplizierten Konsultationsmechanismen — mit dem Ziel, London ein Hineinregieren in die Sicherheits- und Außenpolitik der Dominions zu verwehren (Kanada) — sowie die Interessengegensätze zwischen den Dominions (Kanada—Australien) sind in den Memoiren/Biographien der Hohen Kommisare anschaulich geschildert; s. Massey, What’s Past is Prologue; Edwards, Bruce of Melbourne. — Die Dominions waren wegen der Betroffenheit von der Weltwirtschaftskrise teils gegen Frankreichs Politisierung der Wirtschaftsbeziehungen voreingenommen, teils am Ausgleich mit Deutschland sowie an Handelsgeschäften interessiert und gegen englische Konzessionen an die Donauraum-Agrarlän der eingestellt.Google Scholar
  544. 366.
    Ovendale, „Appeasement“, S. 319: „They were informed rather than consulted“. Vgl. Gibbs, Grand Strategy, Bd. 1, S. 784, 789; Meyers, Britische Sicherheitspolitik, S. 50; Tamchina, Commonwealth, S. 100; den Einfluß der Dominions überschätzt gelegentlich D. C. Watt, zum Beispiel: History Today, VI, S. 250.Google Scholar
  545. 367.
    N. Chamberlain, 16.3.1936, anläßlich M. MacDonalds Bericht über die Reaktionen der Dominions auf die 7.-März-Krise (Tenor: Die Dominions hätten Frankreich das Ruhr-Abenteuer nicht verziehen), Cab. 23–83.Google Scholar
  546. 368.
    Dabei kann als Faustregel gelten, daß die Politiker, die ihr Plädoyer für eine Politik des ,,no entanglement“ in Mittel-, Südost-Europa mit gleichgerichteten Vorbehalten wichtiger Dominions (Kanada, Südafrika) abstützten, das Bestreben dieser Dominions nach Autonomie in der Außenpolitik unterstützten. Umgekehrt wünschten Churchill u. a., die vom Empire Unterstützung für das Mutterland erwarteten, den Bewegungsspielraum der Dominions zu begrenzen, d. h. primär auf eine von England vorgezeichnete imperiale Linie abzustimmen. Diese Faustregel läßt sich freilich in erster Linie auf Politiker anwenden, die nicht in der Regierungsverantwortung standen. — Die kanadische Position — vor allem unter MacKenzie King seit dem Herbst 1935 — stand der amerikanischen Europapolitik näher als der englischen. Zur kanadischen Außenpolitik s. James Eayrs, In Defence of Canada: Appeasement and Rearmament, Toronto 1965;Mansergh, Survey, II. Zum Stellenwert Kanadas als Nachschubbasis im Kriegsfall s. Hall, North American Supply, bes. S. 5, 16 f. Zu den Gesprächen Baldwin/King im Oktober 1936 über Rüstungskooperation s. Cab. 21–440; s. ferner Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 967 f.Google Scholar
  547. 369.
    Zur Definition s. Link, B 45/73; ders., Die amerikanische Stabilisierungspolitik, S. 564 ff.; ders., Transnationale Beziehungen; Kaiser, Transnationale Politik, in: PVS, Sonderheft 1 (1969). Beispiele sind das von Fry geschilderte Zusammenwirken kanadischer, amerikanischer und englischer Atlanticists vor und während der Washington-Conference 1921/22, die Imperial Conference 1937 — s. Kottmann, Reciprocity, S. 149 ff. - und die von Watt behandelten Ereignisse im September/November 1934. Die Darstellung Watts ist zwar durch Trotter (Britain and East Asia, S. 97 ff., 107 ff.) in mancher Hinsicht zu korrigieren, aber als methodischer Ansatz eine Pionierleistung. Die Bedeutung des Faktors kann man relativieren, indem man feststellt, daß die Entscheidungen stets vor dem Konfliktausbruch (März 1936, Anschlußfrage, München) gefallen waren, und zwar ohne Beteiligung der Dominions oder Rücksichtnahme auf die öffentliche Meinung; so zu argumentieren, heißt aber, die Stützfunktion der Querverbindungen zu unterschätzen und die Autonomie des Meinungsbildungsprozesses in Whitehall oder gar am Kabinettstisch zu überschätzen. Das Meinungsbild der Dominions war weniger differenziert als das Spektrum innerhalb der englischen Regierung (Kabinett, Ausschüsse); es war dadurch aber eine kalkulierbare Größe, derer sich die Kontrahenten bedienen konnten.Google Scholar
  548. 370.
    C 3621/270/18, Sargent-Minute, 27.5.1937, FO 371–20 735, S. 235 ff. — Zu Lothians Aktivitäten vor und während der Imperial Conference s. Ovendale, S. 26 ff.; Butler, S. 217 f.; Colvin, S. 143 ff. — Lothian an N. Chamberlain, 11.5.1937: ,,I put your question to Hitler who said that Schacht was authorised to discuss economic questions, but that before he could trench on political issues he would have to get authority from himself.“ Lothian hatte in Ottawa und Washington Gespräche geführt und seinen Berlin-Besuch so angelegt, daß er seine Eindrücke und Schlußfolgerungen den versammelten Premierministern unterbreiten konnte. Lothian hatte MacKenzie King gedrängt — in diesem Sinn äußerte sich auch Roosevelt zu King —, auf der Imperial Conference die englische Regierung zur Flexibilität in der Europapolitik zu veranlassen. Eden bezog die Gegenposition zu der von Hertzog, Casey und King artikulierten Unzufriedenheit mit der englischen Europapolitik, 4. Sitzung, 22.5.1937 und 12. Sitzung, 3.6.1937, Cab. 32–128. Lothian hatte seine Denkschrift vom 11.5.1937 Baldwin, Inskip, Eden, Vansittart, N. Henderson, Halifax, Chamberlain, Hoare, Smuts, Hertzog, Casey, King, Aga Khan und Roosevelt zugesandt (GD 40–17, Bd. 203). Das FO arbeitete die Stellungnahme entsprechend dem Zitat aus (Vansittart, 29.5.1937, S. 240; Eden, 4.6.1937).Google Scholar
  549. 371.
    Zur Weltwirtschaftskonferenz s. Kindleberger, S. 205 f., 209 ff.;Sayers, Bank of England, II, S.452 ff.; Kottmann, S. 39 ff.; Gardner, S. 26 ff.; Survey of International Affairs, 1933, S. 35 ff.; T 172–1811/1816. Zu den englisch-amerikanischen Beziehungen s. H. C. Allen, Great Britain and The United States: A History of Anglo-American Relations 1783–1952, 1955, S. 53 ff.; Dayer; Leffler; B. M. Russett, Community and Contention: Britain and America in the 20th Century, 1963, S. 49 ff., 81 ff. Betr. USA/Japan/Großbritannien: A. Rappoport, H. L. Stimson and Japan 1931/1933, 1963; D. Borg, The USA and the Far Eastern Crisis of 1933–38, 1964; Ch. Thome, The Limits of Power; Middlemas, S. 144 ff. Zur Schuldenfrage und wirtschaftlich-finanzieller Rivalität s. bes. Costigliola. Als die USA angesichts der militärischen Verwicklungen im Fernen Osten und der drohenden Kriegsgefahr in Europa den englischen Sorgen hinsichtlich der Überbelastung durch einen Zweifrontenkrieg mehr Verständnis entgegenbrachten, bemühte sich England um die USA als Sicherheitsfaktor, mußte aber im Winter 1937/38 — nach Roosevelts Chicago-Rede — Rückschläge hinnehmen. Die von Roosevelt vorgeschlagenen Embargo- und Boykottaktionen gegen Japan schienen N. Chamberlain nicht in englischem Interesse zu liegen; s. im einzelnen Pratt; Leutze (Kap. 2, S. 14 ff.); Cowling (S. 175).Google Scholar
  550. 372.
    Die Aussage bezieht sich vor allem auf W. Fisher, trifft mit Einschränkungen aber auch auf Hankey, N. Chamberlain, Runciman zu. Die Konsequenz, die USA zu ignorieren, zog nur W. Fisher. Zur kritischen Einstellung des FO s. Minutes zum Lindsay-Bericht, 5.2.1936, A 1302/1293/45, FO 371–19834, S. 5 ff. Zur Flottenfrage als Symbol und Gradmesser wirtschaftlicher Weltgeltung s. die Habil.-Schrift des Verf.; Roskill, Naval Policy, Bd. 1, Einleitung; Gardner, Sterling-Dollar-Diplomacy; A.G. Allen-Memo., 15.3.1937, The United States and British Imperial Interests, A 2847/228/45, FO 371–20 659, S. 266 ff. u. Minutes. — Besonders die Befürworter des „imperial preference“-Systems — denen „Ottawa“ nicht weit genug ging - wollten Großbritannien mit derartigen Mitteln gegen die Wechselfälle amerikanischer Wirtschaftspolitik abschirmen; sie meinten ohnehin, vom Freihandel würden allein die USA profitieren. England brauche den USA („open door“-Ideologie) um so weniger Konzessionen zu machen, als die USA mit dem Smoot-Hawley-Tarif 1930 ihre Schutzzollmauern noch erhöht hätten; s. bes. Amery, III, S. 203 ff. Amery sprach von Hull als „typical american blend of muddle-headed idealism and thirst for economic powe“.Google Scholar
  551. 373.
    Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 29 ff.; Thorne, The Limits of Power, S. 122 ff.; Defence Requirements Committee, Report, § 9; s. unten, Kap. II. Zu Chamberlains Urteilen und Vorbehalten gegenüber den USA s. Ovendale, „Appeasement“ Cowling, The Impact of Hitler, S. 175 f.; D.C. Watt, Roosevelt and N. Chamberlain, in: International Journal, 1973/2; Roskill, Anglo-American Rivalry.Google Scholar
  552. 374.
    England wies in den Völkerbunds-Krisen (Mandchurei, Abessinien) den USA als Nicht-Mitglied eine Schlüsselrolle in der Frage zu, ob Embargo-, Boykott- u. a. Sanktionsmaßnahmen verhängt werden könnten oder unterbleiben sollten, da sie ohne US-Beteiligung wirkungslos bleiben würden. Bis zur Klärung der amerikanischen Haltung — Kooperation bzw. einseitige, aber parallel laufende Aktionen der USA — wollte die englische Regierung ihre Beschlußfassung suspendieren. Diese Linie wurde besonders von Baldwin betont; s. Jones, Diary with Letters, S. 30, 50, 57, 115, 124 f.; Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 861 ff.; A.W. Baldwin, My Father, S. 207 f., 229, 237 ff.; 2.12.1935, Cab. 23–82, S. 349; 11.12.1935, Cab. 23–82, S. 410. Hoare, 2.12.1935, Cab. 23–82, S. 341 f.; vgl. Eden (im Disput mit N. Chamberlain 1937/38); Nicolson-Diary, 22.12.1937 (unveröffentlicht). England setzte voraus, daß die USA und England im Fernen Osten gleichartige Ziele und Interessen hätten und ähnliche Methoden befürworteten. Die Zusammenarbeit sollte sich aber danach richten, daß England gegenüber dem als Feind Nr. 1 identifizierten Deutschland — wegen der unmittelbaren Bedrohung — in vorderster Frontlinie stände, also die USA im Fernen Osten als zweiter Front als Vordermann fungieren müßten. Dies brachte Chamberlain im Frühjahr 1937 gegenüber Morgenthau und N. Davis unmißverständlich zum Ausdruck. Die kühle Reaktion Hulls und Roosevelts ist entscheidend für Chamberlains Verhalten in der Affäre vom Januar/Februar 1938, die zu Edens Rücktritt beitrug; Feiling, S. 253; Dilks, The Unnecessary War, in: Preston (Hrsg.), General Staffs, S. 120. Zu den Chamberlain/Morgen-thau-Sondierungen s. FRUS, 1937/1, S. 98 ff.; Blum, Morgenthau. Years of Crisis, S. 457 ff.; Ovendale, S. 14 ff.; Offner, S. 178 ff.; Kottmann, S. 144 ff.; Eden, S. 477 ff., 527; Middlemas, S. 44 f. Während die USA — zumindest indirekt — England aufforderten, als Bollwerk gegen Hitlers Expansionismus und Japans Aggressionen zu fungieren, weigerten sie sich, Englands schwierige Lage durch ein wirksames Flottenabkommen hinsichtlich des Fernen Ostens zu entlasten oder Auswege zu finden, um es England trotz Johnson Act und Neutralitätsgesetzen zu ermöglichen, Rüstungsaufträge in den USA zu plazieren oder Rüstungsgüter zu kaufen (durch „private“ Organisationen etwa, die von der US-Regierung bevorzugt behandelt würden); zum Problem englischer Rüstungskäufe in den USA s. Anm. 1/390. Zu den Sondierungen im Winter 1937/38 s. Middlemas, S. 144 ff.; C. Hull, Memoirs, S. 562 ff.; Pratt, in: International Affairs, 1971; Gibbs, S. 398 ff.; Offner, S. 195 ff.; Junker, S. 137, 180 ff.; Leutze, S. 14 ff., 19 f. Die Teilnehmer der All Souls Conference - Nicolson-Nach-laß, 18./19.12.1937; Nicolson-Diary, 22.12.1937 — erwogen, den USA einen Boykott gegen Japan vorzuschlagen, um 1. den Diktatoren „Stärke der Demokratien“ zu demonstrieren, 2. die USA über ein Engagement in der für sie interessanten Zone auch für europäische Sicherheitsfragen zu werben (in diesem Sinne wirkte Lothian im Oktober 1937 in Washington). Den Hintergrund bildeten die Annahme, 1. daß nicht Deutschland den großen Krieg auslösen werde, sondern ein Akt Japans oder Italiens Auslöser sein würde; 2. daß Hitler eventuell einer Allianz mit Rußland den Vorzug vor der Allianz mit Japan geben könnte; aus ihrer Sicht war die deutsch-russische Allianz akzeptabler als die deutsch-japanische, ,,since London would not be bombed“. Auf der Basis einer anglo-amerikanischen Einigung könne man Deutschland ein „general settlement“ anbieten; dieses würde den „Anschluß“ zugestehen, ferner einen „cantonal status“ für die Sudeten in der Tschechoslowakei, wirtschaftliche Vorherrschaft Deutschlands in „Mitteleuropa“ und „pooled territory“ in einigen Kolonien (Kamerun) vorsehen.Google Scholar
  553. 375.
    2.12.1935, Cab. 23–82, S. 351; Troutbeck-Minute, 24.2.1936, zu A 1784/890/45, FO 371–19 834, S. 135;Hoare,S.263;D.C. Watt, Roosevelt and N. Chamberlain: Two Appea-sers, in: International Journal, 1973/2, S. 185 ff. Die Ursache für die Inkonsistenz liegt in den für die USA charakteristischen Widersprüchen zwischen den Kräften, die von „der Unteilbarkeit des Weltmarktes“ und des Weltfriedens ausgingen und folgerichtig weltweite Handelsvertragspolitik („open door“-Ideologie) und die Notwendigkeit der Eingriffsbereitschaft in „Weltkriege“ postulierten, und jenen die Mehrheit im Kongreß beeinflussenden Strömungen, die die USA gegen das Einwirken äußerer Störfaktoren abschirmen wollten (Isolationisten); s. hierzu Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 57, 172 ff., 196 ff., 206, 225, 252, 255 ff., 166 ff.; Schröder, Deutschland und die Vereinigten Staaten, Kap. 2.Google Scholar
  554. 376.
    FO-Minutes zu Lothians Bericht über das Interview mit Roosevelt, 10.10.1934, F 6784/591/23; Lindsay an Vansittart, 12.10.1934, FO 371–18 184, S. 378 ff.; Vansittart, Minute zu A 3607/890/45, 27.4.1936, FO 371–19 834, S. 194. Beispiele: Auf Roosevelts Kritik an den Diktatoren Anfang Januar 1936 folgten Erklärungen Hull’s, daß die USA nicht in europäische Angelegenheiten verwickelt sein wollten (FRUS, 1936/1, S. 218, 228, 234 f., 244 ff.; Hull, Memoirs, S. 453 u.a.O.); s. dazu C. MacDonald, The US, passim.Google Scholar
  555. 377.
    Vansittart an Lindsay, 24.9.1934, FO 371–17 603, bes. S. 264 f.; A 9942/2280/45; ferner Wellesley-Memo., 1.2.1932, DBFP, 2. Ser., Bd. IX, Nr. 239. — Vansittart-Minute zu Eden/Bingham, A 7548/890/45, FO 371–19 834, S. 261, 30.9.1936: „They are double-crossing us... They are trying to push from this statement into something detrimental to ourselves, not because it would suit the world so much as because it would suit them. They are already gettingmore than their fair share.“ (Zum Welthandel und Hulls „lowering trade barrier“-Kampagne s. Anm. 1/407.) Das Gefühl, im Stich gelassen zu werden, bezog sich vor allem auf die Stimson-Simon-Affäre. N. Chamberlain berief sich in den Verhandlungen 1937/38 mit den USA auf das englische Dossier. Aus den umfangreichen Aufzeichnungen im Simon-und im Lothian-Nachlaß ist zu schließen, daß das Dossier als „Pflichtlektüre“ vor der Aufnahme von Gesprächen mit den USA diente. Zur Affäre selbst s. Thorne, S. 247 ff.; Louis, S. 189 ff.; Bassett; Barnes/Middlemas, S. 726 ff.; Rappaport; J.W. Pratt; Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 29 ff., 34 ff. (mit einer Vielzahl von Tagebuch-Eintragungen aus den Jahren 1932/33).Google Scholar
  556. 378.
    2.12.1935, Cab. 23–85, S. 341 f., 351. Die als moralische Unterstützung gewerteten amerikanischen Erklärungen (Roosevelt, 6.1.1936; Chicago-Quarantäne-Rede, Oktober 1937) wurden von den Skeptikern dahingehend interpretiert, daß sie in die „parlamentlose“ Zeit fielen. Alles würde sich anders anhören, sobald der Kongreß wieder zusammentrete. Hoare stellte sich gegen die Zweifler von dem Moment an, in dem er selbst dem Risiko von Öl-sanktionen zuneigte; s. dazu die Hankey/Hoare-Unterredung, 25.11.1935, in: Roskill, Hankey, Bd. Ill, S. 187 ff.Google Scholar
  557. 379.
    Gibbs, S. 797. Zu Roosevelts Konferenzideen 1937/38 s. Roskill, Hankey, Bd. III, S. 298 ff. („too amorphous“); Eden, Kap. 12; Feiling, N. Chamberlain, S. 335 f.; Middlemas, Diplomacy of Illusion, S. 144 ff.; Colvin, Chamberlain Cabinet, Kap. VII; Leutze, Bargaining for Supremacy; Dilks (Hrsg.), Cadogan-Diaries, S. 37 ff.; Junker, Der unteilbare Weltmarkt, S. 180, 182 ff., 186; Harvey, Diaries, S. 64 ff.; Ovendale, S. 98 ff.Google Scholar
  558. 380.
    Jones, Diary with Letters, S. 72 f. (25.11.1932); A.W. Baldwin, My Father, S. 185; H. Nicolson-Diary, S. 256 (9.6.1936).Google Scholar
  559. 381.
    Eden, Simon, Lothian, R. MacDonald, H. Wilson, Craigie, M. Norman und andere pro-amerikanische Kräfte gingen davon aus, daß Englands Überlebenschancen in einem Krieg mit Deutschland und/oder Japan zu einem großen Teil von der Verfügbarkeit über nordamerikanische Ressourcen abhingen; N. Chamberlain, 25.10.1936, s. Feiling, N. Chamberlain, S. 314 f.; zum Ausmaß der US-Hilfe an England im Zweiten Weltkrieg s. Medlicott, Contemporary England, bes. S. 475 ff.; Hancock/Gowing, British War Economy, S. 115 ff. — Die französische Regierung bemühte sich, in Washington solchen Auffassungen Nachdruck zu verleihen, um über diesen Umweg Englands Abwehrbereitschaft gegen Deutschland zu stärken. Die einschlägigen Zeugnisse — DDF, I; Eden-Memoiren; FRUS — sind zitiert bei Emmerson, S. 121 f.Google Scholar
  560. 382.
    Zum „Supply“-Problem (Rüstungskäufe, -auftrage) s. Hall, North American Supply, S. 39 ff., 46 ff. — Klassisches Zeugnis der „pro-amerikanischen“ Position: Howard-Memo., Outstanding Problems Affecting Anglo-American Relations, 12.11.1928, Baldwin-MSS., Bd. 109, S. 28–33. Howard stand Lothians Auffassungen nahe (s. unten, Kap. „Economic Appeasement“). Der Leitsatz hieß: Da alle England berührenden und interessierenden Probleme vom Stand der englisch-amerikanischen Beziehungen abhingen, müsse englische Politik ihre Zielsetzungen unter dem Aspekt sehen: Welchen Wert messen wir den USA zu? Ihre Strategie hieß ,,to use the better elements in the United States for the purpose of advancing our own worldwide interests!“ Englands Einfluß und Prestige in Europa seien eine Funktion der englisch-amerikanischen Beziehungen. Diese Beziehungen, die von Hause aus auf divergierenden Voraussetzungen beruhten, bedürften der besonderen Pflege. England müsse dabei der Tatsache Rechnung tragen, daß die USA am längeren Hebel säßen und unverwundbarer seien als Großbritannien. Die Pflege der politischen Beziehungen und Entgegenkommen an die USA in wirtschaftlichen Fragen („Rubber Restriction Scheme“ usw.) müßten gleichermaßen bedacht werden; zielstrebiges englisches Auftreten wäre den Beziehungen zu den USA dienlich. Die Auseinandersetzungen in der englischen Regierung haben Tradition; dementsprechend begegnen eingeschliffene Argumentationsmuster. Hankey vertrat zum Beispiel - an Henderson, 21.10.1930, FO 800–282, S. 106 — die Auffassung, daß ein Schiedsvertrag (Arbitration Treaty) den englischen Interessen ähnlich schaden würde wie die — freilich nicht ratifizierten — Seerechtskonventionen vor 1914 die englische Kriegsführung im Ersten Weltkrieg zu „unnötigen“ Rücksichtnahmen gezwungen hätten: so wie Grey diese Kritik vor 1914 zurückgewiesen hatte, antwortete Henderson Hankey, daß die Behauptungen keine Basis hätten (28.10.1930). In der Schulden-, Flotten- und Handelsvertragsfrage standen sich die gleichen Auffassungen gegenüber (MacDonald/Simon gegen Chamberlain/Monsell). Im FO versuchte erst Eden wieder an die Ratschläge anzuknüpfen, nämlich die Beziehungen zu den USA so ernst zu nehmen wie die Schicksalsgemeinschaft mit Frankreich, und die USA ähnlich Grey eher mit Glacehandschuhen „anzufassen“: das klassische Beispiel hierfür: Selby-Memo., 23.11.1928, in: FO800–263, S. 70 ff.Google Scholar
  561. 383.
    Troutbeck-Memo., 28.9.1936, A 7548/890/45, FO 371–19 834, S. 258. Vansittart verlangte, daß die USA nunmehr mit konkreten Angeboten die Initiative nehmen müßten; England habe oft genug versucht, durch Gesten den ersten Schritt zur Verständigung zu tun.Google Scholar
  562. 384.
    Trotz ihrer Vorbehalte gegenüber den USA erhoben Treasury und Board of Trade „antiamerikanische Vorwärtsdiplomatie“, wie sie von Interessengruppen (FBI, Schiffahrtslinien) empfohlen wurde, nicht zur Richtlinie; umgekehrt sorgten die Vorbehalte dafür, daß sie reserviert auf Initiativbegehren der pro-amerikanischen Kräfte reagierten, besonders seit der Zurückweisung englischer Pläne 1930/31 (Kindersley-Norman-Plan) und 1933 (Weltwirtschaftskonferenz). Ein Musterbeispiel, das hier nicht näher ausgeführt werden kann, ist der Rüstungsfragen berührende Vorstoß der englischen Mitglieder des Direktoriums von Metropolitan Vickers (Richards), die amerikanischen Teilhaber (General Electric Co. of America) auszubooten. Department of Overseas Trade und Collier (FO) unterstützten den Vorstoß, Air Ministry und War Office sowie Board of Trade hielten sich zurück; s. Record of Interdepartmental Meeting, 21.10.1936, re US Control of Metropolitan Vickers, C 8396/G, FO 371–19 835, S. 206–218.Google Scholar
  563. 385.
    Minutes zu A 1302/1293/45, Februar/März 1936, FO 371–19 834, S. 8 ff.Google Scholar
  564. 386.
    R. MacDonald an Simon, 31.1.1933, S. 2, FO 800–291, S. 193 (zur englischen Verschuldung gegenüber den USA, zur Lausanne-Konferenz und US-Europapolitik); s. ferner Memo, for Instructions to HMG’s Ambassador at Washington, C.P. 28(33), as approved by the Cabinet on 13.2.1933, Cab. 23–75, S. 125 ff. — Für MacDonald kam es darauf an, durch das englische Vorgehen sicherzustellen, daß die Beziehungen zu den USA auch dann freundlich blieben, falls England sich zur Einstellung der Schuldendienste genötigt sehen sollte. Er legte es darauf an, die Methoden Washingtons zu ändern, die er mit „general ignorance and lack of experience“ erklärte. Es fällt auf, daß MacDonald gegenüber den USA ähnlich argumentierte wie Asquith und Baldwin in der Frage, ob ihre Parteien eine Labour-(Minderheits-) Regierung tolerieren sollten!Google Scholar
  565. 387.
    Memo, for Instructions, C.P. 28(33). — Die USA sollten „Lausanne“ als Beitrag zum Waffenstillstand in Europa respektieren und ihre Forderungen auf Eis legen. Roosevelt sollte der englischen Regierung das Zeugnis ausstellen, daß sie in der Schuldenfrage guten Willens sei. England wollte dann eine Abstandszahlung leisten und sich den Anspruch auf eine billiggerechte Regelung der Schuldenfrage sichern; s. Cab. 23–76, S. 204 ff., 12./13.6.1933 (während Weltwirtschaftskonferenz); s. 31.5.1933, Cab. 23–76, S. 136 f., zum Zusammenhang Lausanne-Moratoriumsfrage.Google Scholar
  566. 388.
    MacDonald an Simon/Baldwin, 31.1.1933, Baldwin-MSS., Bd. 110, S. 148; vgl. Barnes/ Middlemas, Baldwin, S. 690 f.;Marquand, AfacDoratf/d, S. 733 ff.; s. Anm. I/16; Instruktionen von N. Chamberlain für Leith-Ross, C.P. 222 (33), Cab. 23–77, S. 148 ff.; Cab. 58 (33) 1, 26.10.1933; Leith-Ross-Bericht, Cab. 66 (33), Cab. 23–77, S. 286, 307 ff., 29.11. 1933. Zum Zusammenhang Schuldenfrage-Weltwirtschaftskonferenz (bzw. Roosevelts Veto gegen eine Behandlung der Schuldenfrage im Rahmen der WWK) s. Kindleberger, S. 214 ff.; Kottmann, S. 40ff.;Hull, Memoiren, S. 387 ff.; Schröder, S. 71 ff.; Offner, S. 37 ff.; C.P. 146 (34), 30.5.1934, Cab. 23–79, S. 127 ff.Google Scholar
  567. 389.
    Siehe Anm. I/407. — Zu den englischen Reaktionen auf Hull’s Vorstöße s. u. Anm. III/221, 222. Troutbeck, 24.2.1936, A 1784/890/45, FO 371–19 834, S. 135: „If one is correct in assuming that neither we nor the US Government are, in fact, prepared to modify the aspects of our economic policy which dissatisfaction to the other, the prospects for cooperation, however desirable... are not bright... But nothing could be less co-operative than the political attitude of the US Government. “Google Scholar
  568. 390.
    Die „cash and carry“-Klauseln in den Neutralitätsgesetzen erschwerten Rüstungskäufe, erst recht Rüstungsaufträge an US-Firmen; s. Hall, S. 46 ff.; Hull, Memoirs, S. 382, 387 ff., 583 f. u.a.O. Die englische Regierung wußte, daß die Steigerung des Anteils der Rüstungsausgaben am BSP im Ersten Weltkrieg von der Bereitstellung amerikanischer Kredite abhing; diese hatten eine Beschaffung der Rohstoffe, Nahrungsmittelimporte (über England für die Alliierten!), Rüstungsgüter „erlaubt“; s. dazu im einzelnen Sayers, Financial Policy 1939–1945, S. 16 ff.; Hancock/Gowing, British War Economy, S. 115; Medlicott, Economic Biockade,S. 328 ff; ders., Contemporary England, S. 475 ff.; Howard, S. 135 ff; Watt, Too serious, S. 113 ff.; s. bes. Sir R. Hopkins, Note on the Financial Position, Juli 1939, CP 149 (39), beraten im Kabinett am 15.7.1939, Cab. 23–100.Google Scholar
  569. 391.
    Besson, S. 39 ff.; Eden, S. 331; Phipps an FO, 8.1.1936, C 186/4/18, FO 371–19 883; Junker, S. 206, 216, 225; gegenüber Morgenthau (26.3.1937) betonte Chamberlain, daß die USA einen wirklichen Beitrag zur internationalen Stabilität leisten könnten, indem sie ihre Neutralitätsgesetze änderten oder gar aufhöben; Kottmann, S. 144 f.; Junker, S. 184, 282 f.; Medlicott, S. 170 ff.; Colvin, Vansittart in Office, S. 140 ff.Google Scholar
  570. 392.
    Lothian an Jones (Baldwin), 14.9.1936, Jones-MSS., Class Q, Nr. 83; vgl. Lamont/Churchill-Gespräch, 9.6.1936, Nicolson-Diary, S. 256. Lothian meinte nicht nur in diesem Fall, daß England durch Gesten/Vorleistungen — zum Beispiel einmalige Abschlagszahlungen — die Atmosphäre bereinigen könnte. Damit würde es den Boden für wichtige Aktionen bereiten (zum Beispiel Rüstungskäufe in den USA); ständen die USA als Waffenschmiede hinter England, dann erzielte man den größtmöglichen Abschreckungseffekt. Zur Reaktion Baldwins auf frühere Vorschläge Lothians s. Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 686; zur Schuldenfrage 1932/33 s. Anm. I/386–388.Google Scholar
  571. 393.
    Zur Flottenrivalität und ihren Auswirkungen auf die Weltgeltung der Handelsmächte s. Roskill, Naval Policy, Einleitung; ders., Hankey, Bd. III, S. 29 ff.; Thorne, The Limits of Power, S. 122 ff. — Das Mißtrauen war wechselseitig. Die USA befürchteten beispielsweise, daß die Briten in Verhandlungen alle Vorteile für sich herausschlagen und die USA mit den Resten abspeisen würden, obwohl die USA stets die „Substanz“ (zum Beispiel „international lending“) beisteuern sollten; s. Kindleberger, S. 240, 221 ff.; Moffat, 7.10.1936; „At present she thinks she can count on our help politically, and yet hit us below the belt commercially all over the world“; s. Kottmann, S. 8. — Gore-Booth-Memo., „Possible Grievances... towards the US“, 1934, A 8038/2280/45, FO 371–17 603; in vielen Einzelheiten ergab sich dabei, daß die Ressorts — T, BofT, DOT, Mof A, FO, AM, WO — feststellten, daß England dieselben „Sünden“ begangen habe, die man den USA vorhalten wolle (Flugzeugmotorenexporte nach Deutschland nach 1933). Die diesbezügliche Korrespondenz ist im übrigen ein Musterfall für die mangelhafte Koordination der Informationen und politischen Aktionen der einzelnen Ressorts und für den schlechten Überblick, den die Länderabteilung im FO über die relevanten Aktivitäten der anderen englischen Ministerien (nicht nur) gegenüber den USA hatte.Google Scholar
  572. 394.
    Mit der Streichung bzw. Herabsetzung der Schuldenlast, mit dem Junktim: Reparationszahlungen an England — Schuldenrückzahlung an die USA u. a. Richtlinien wollten die englischen Regierungen auch der Klage der englischen Wirtschaft über die vergleichsweise hohe steuerliche Belastung entsprechen und die Wettbewerbssituation berücksichtigen; andererseits wollten sie mit der Rückzahlung auch die Kreditwürdigkeit Englands beweisen (Baldwin 1922/23 und 1932/33); vgl. Anm. I/16; Cab. 23–76, S. 184 ff. (9.6.1933);Cab. 23–79, S. 127 f. (30.5.1934), C.P. 146 (34). — England blieb zwar der größte Importmarkt der Welt, doch erreichten die USA aufgrund des Anteils ihrer Exporte an den Weltexporten, des Anteils ihres Verbrauchs an den wichtigsten „primary products“, ihrer Gläubigerposition und ihrer Auslandsinvestitionen die Bedeutung Englands in Schlüsselfunktionen der Weltwirtschaft. England erkannte dies auch an, indem es die substanziellen Beiträge zur Belebung des Welthandels und der -konjunktur nach dem Ersten Weltkrieg und nach der Krise von den USA erwartete; s. dazu u. a. Hal B. Lary (Hrsg.), The United States in the World Economy, 1943; Cleona Lewis, America’s Stake in International Investments, Washington 1938; William Woodruff, America’s Impact on the World. A Study of the Role of the US in the World Economy, 1750–1970, London 1975; C.J. Bartlett, The Rise and Fall of the Pax Americana. US Foreign Policy in the 20th Century, 1974.Google Scholar
  573. 395.
    Betr. 1917/1923 s. die Habil.-Schrift des Verf.; Parrini, Heir to Empire; Abrahams; Fry, Illusions of Security, Roskill, Naval Policy. Anfang der dreißiger Jahre lagen die amerikanischen Investitionen in Kanada, Südamerika, Europa über den historisch begründeten englischen „stakes“; FO-Memo., 28.8.1933, W9874/9874/50, Overseas Investment of the USA and the UK, FO 371–337, S. 119 ff. Die Ansicht, daß die Schulden- und Reparationsregelungen wettbewerbsverzerrend wirkten — besonders gegenüber den USA —, bildet auch den Hintergrund für Runcimans Vorschlag, England solle den USA Schuldenzahlungen nur in Form von Warenlieferungen und Dienstleistungen anbieten. Finanzlösungen (Transferzahlungen) bezeichnete er als Pferdehändlermethoden. Nur die von ihm vorgeschlagene Lösung würde England nicht mit untragbaren Bürden belasten; Runciman an Baldwin, 20.10.1933, Baldwin-MSS., Bd. 110, S. 172. Die Stellungnahme erfolgte im Vorgriff auf eine Kabinettsdebatte über die US-Konkurrenz in Südamerika und Südafrika und die Schul den frage, Cab. 57 (33) 3, 26.10.1933, Cab. 23–77, S. 146. H.D. Henderson prophezeite Baldwin — 16.1. 1933, Baldwin-MSS., Bd. 110, S. 134 ff. — für den Fall fortgesetzter Ratenzahlungen negative Rückwirkungen auf den £-Kurs (angesichts verringerter Gold- und Devisenreserven der Bank von England). Die City erwarte die Einstellung künftiger Zahlungen (nach den Raten vom Dezember 1932 und Juni 1933), andernfalls würde sie auf die Zahlungen reagieren müssen.Google Scholar
  574. 396.
    2.12.1935, Cab. 23–82, S. 346; vgl. Cab. 23–80, S. 218 ff. (Nov./Dez. 1934 betr. Ölge-sellschaften und Staatskontrolle in Japan); s. Thorne zur Mandchureikrise, bes. S. 337 ff., 364 ff.Google Scholar
  575. 397.
    2.12. u. 6.12.1935, Cab. 23–82, S. 340 ff., 347 ff.Google Scholar
  576. 398.
    „The Americans have warned their traders; we have not — the Anglo-Persian (Oil) Co. are making a nice little nest-egg with supplies to the Italian colonies. What could we give as our motive for refusal? Politically it was impossible“ (Han key/Ho are, 25.11. 1935, s. Ros-kill, Hankey, Bd. III, S. 187); s. auch Vansittart, 27.4.1936, zu A 3607/890/45, FO 371–19834, S. 194 (keine Zugeständnisse an die USA).Google Scholar
  577. 399.
    Der Vorstoß der amerikanischen Regierung Ende Januar/Anfang Februar 1936, die Frage der „trade outlets“ zu behandeln, fiel zusammen mit Interpellationen der Labour Party, Lothians und Lloyd Georges in der Rohstoff-Frage. Der gemeinsame Nenner war die Aufforderung, die englische Regierung solle im Sinne von Hoares Genfer Rede endlich aktiv werden. Die Rohstoff-Frage war eine der Optionen, die als Ansatzpunkt für Gespräche mit Deutschland erwogen wurden; die Frage wurde dann vom „working agreement“-Verfahren abgekoppelt (s. unten, Kap. III/C). Board of Trade und Treasury erhoben Einwände gegen die von Hull, Lothian u. a. lancierten Vorschläge. Vansittart sah keinen Grund oder Anlaß, den USA Zugeständnisse zu machen; s. FO 371–19 834, S. 194; FO 371–19 884, S. 21, zu C 883/4/18; FO 371–19 885, S. 273. Lothian stand in Kontakt mit Hull, MacKenzie King, die er dann nach der Rückkehr von den Nordamerikareisen über seine Schritte in London informierte. Ashton-Gwatkin führte unter den Stützargumenten für seine Initiative zur Berücksichtigung von „economic appeasement“-Elementen im „working agreement“-Konzept die Gespräche Eden/Davis vom 7.2. bzw. Hull/Lindsay vom 21.7.1936 auf (s. FO 371–19 934, S. 186 ff.). Zum Zusammenspiel Davis/Lothian/Jones/Massey und der (versuchten) Einflußnahme auf Baldwin und zum Interaktionsfeld Lothian/Tweedsmuir/ MacKenzie King/Roosevelt/Hull vor der Imperial Conference 1937 s. unten, Kap. III. 400 Siehe Vansittart-Kommentar, Anm I/377; FO-Minutes zu Lindsay an FO, 5.2.1936 (betr. US-Handelsvertragspropaganda und Hull’s Anfragen an England), A 1302/1293/45, FO 371–17 685, S. 268; s. ferner Minutes zu A 2926/890/45, 7.4.1936 (Eden/Bingham), FO 371–19 834, S. 145 ff.; Troutbeck-Memo., Economic Co-operation with the United States, FO 371–19 834, S. 195 ff., A 3607/890/45. — Das FO, erst recht das Board of Trade -BT 11/589, BT 11/755 — und das Schatzamt fanden die amerikanische Kritik an „Ottawa“ und an den Handelsverträgen mit Spanien, Argentinien, Kanada usw. übertrieben, da diese Verträge England gerade nicht die von den USA unterstellten Vorteile einbrachten. In jedem Fall warfen Vansittart, Troutbeck und Runciman den USA vor, nur den Splitter in Englands Auge zu sehen und nicht die Balken im eigenen Auge — A 7548/890/45, 28.9. 1936, FO 371–19 834, S. 259. — Das Reciprocal Trade Agreement-Programm Hull’s war darauf ausgerichtet, die Diskriminierung amerikanischer Exporte abzubauen und den internationalen Handel durch Lockerung der Einfuhrbeschränkungen zu fördern. Zur Genesis, zum innenpolitischen „Streitwert“ und zu den Wirkungen der US-Handelsvertragspolitik s. D.H. Popper, The Hull Trade Program, in: Foreign Policy Reports, 15.10.1936, Bd. XII, Nr. 15, S. 190–200; Hull, Memoirs, S. 359 ff.; Schröder, S. 121 ff.; P.A. Varg; Schatz; Kott-mann, S. 54 ff., 65 ff., 75 f; Junker, S. 63 ff., 76 f., 87 f., 91, 199 ff., 207 ff. Die US-Handelsverträge waren auf die Wirtschaftsstruktur der Vertragspartner zugeschnitten; sie sollten sicherstellen, daß die Vergünstigungen in der Regel nur Produkte betrafen, die in erster Linie aus dem Partnerland importiert wurden. Die Handelsverträge nutzten den US-Industrieexporten mehr als den landwirtschaftlichen Produkten. Der hohe Stellenwert des Handelsvertrages mit England ergab sich daraus, daß Hull/Roosevelt hier die Gelegenheit erblickten, den Agrarexporteuren Absatzchancen in einem Industrieland zu eröffnen; die ersten Handelsverträge waren mit „Agrar“-ändern abgeschlossen worden. Zum Handelsvertrag s. unten, Kap. III, Abschnitt 7. Zur Kontinuität der amerikanischen Handelspolitik s. Junker, S. 29 ff., 73 ff. Nach seiner Deutung spiegelt die RTA-Politik das Bewußtsein als führende Weltwirtschaftsmacht wider; die aktive „liberale“ Politik sollte das Interesse der USA an Absatzmärkten in aller Welt ebenso berücksichtigen wie die steigende Abhängigkeit von Rohstoffquellen in anderen Ländern. Zur USA-Handelspolitik nach 1945 s. vor allem W. Diebold, The United States and the Industrial World. American Foreign Economic Policy in the 1970’s 1972.Google Scholar
  578. 401.
    Die Themen in Roosevelts Botschaft vom 12. Januar 1938, eine internationale Konferenz über Rüstungsbegrenzung, „international law“ und „economic agreement“ einzuberufen, waren im Oktober 1937 zwischen Lothian und Roosevelt/Hull erörtert worden (das bedeutet noch nicht, daß Lothian hinter Roosevelts Vorschlag gestanden hätte). Zu Ashton-Gwatkin s. Anm. I/399; FO 371–19 934, S. 186 ff. Vor der Imperial Conference suchte Lothian MacKenzie King und Roosevelt auf und fuhr Anfang Mai 1937 nach Berlin. Lans-bury suchte Hitler und dann Roosevelt auf (Times, 20.4. und 26.4.1937; s. Offner, American Appeasement, S. 183 f.). In öffentlichen Erklärungen unterbreiteten sie Vorschläge für eine Weltwirtschaftskonferenz/,,economic co-operation“, kritisierten ,,Ottawa“ als Hindernis für eine Restauration des Welthandels, führten die politische ,,Unruhe“ in der Weltpolitik auf die vernachlässigten internationalen Wirtschaftsbeziehungen zurück u.a.m. Die Labour Party und die liberale Opposition nahmen Erklärungen Hull’s, die Berichte über Lans-bury’s Interviews und Lothians Vorstellungen zum Anlaß, um die Regierung zu drängen, die Frage des englisch-amerikanischen Handelsvertrages bzw. die Revision von „Ottawa“ auf die Agendader Imperial Conference zu setzen und sich zur Frage einer Weltwirtschaftskonferenz zu äußern. Die Antworten der Regierung — die Agenda der IC sei ,,voll“; sie habe bereits mit dem Antrag, die Van Zeeland-Kommission zu berufen, einen praktischen Beitrag zur Konferenz-Frage geleistet — befriedigten weder die „Opposition“ noch die USA. Hull-Rede, 5.4.1937 (New York), Lindsay an FO, 8.4.1937, W 7465/5/50, FO 37–21 215, S. 215 ff.; Price, HofC, 8.4.1937; Lansbury, Times, 20. und 26.4.1937; Bellenger, HofC, 26.4.1937; Henderson, 22.4. und 27.4.1937, HofC; Resolution der League of Nations Union, 23.4.1937, Garnett an FO, W 8134/5/50; Cecil an Cadogan, 21.4.1937, FO 371–21 215, S. 241 f.: Die englische Teilnahme an der „Weltkonferenz“ bilde die Voraussetzung für die Resonanzfähigkeit der Aufrüstungsprogramme in der englischen Öffentlichkeit. In diesem Sinn traten auch King, Casey, Hertzog, Smuts und Aga Khan auf der Imperial Conference auf, kritisierten die „politische“ Sicherheits- und Europapolitik der englischen Regierung und setzten einen Passus im IC-Report durch, der wirtschaftliche Kooperation und Aufrüstung als gleichrangige Ziele betonte.Google Scholar
  579. 402.
    Zum Hall- und McDougall/Bruce-Plan s. unten, Kap. III, Abschn. 8. — Lothian weilte im Oktober 1934 in Washington und Ottawa. Zur Intervention Lothians/Smuts’ in die Richtungskämpfe um eine Beschwichtigung Japans (Gentleman’s Agreement) s. Watt, Personalities, Essay 4; dazu Trotter, Britain, S. 97 ff., 107 ff. Zu Lothians Aktivitäten Anfang 1936 s. Anm. III/217. In London hielt er Kontakt mit Davis und Massey, die — ebenso wie die „Appeaser“ (Jones, Dawson) — den inneren Zusammenhang zwischen „Propaganda“ zugunsten internationaler wirtschaftlicher Zusammenarbeit und Durchsetzbarkeit des „Ideal Scheme“-Rüstungsprogramms betonten. Im April 1937 berichtete der englische Govenor-General in Kanada, Lord Tweedsmuir, an Baldwin über Gespräche Roosevelt/MacKenzie King — 8.4.1937, Baldwin-MSS., Bd. 97, S. 184–187 —, die auf der Linie lagen, wie Lothian sie entwickelt hatte (was im übrigen nicht heißt, daß Lothian die amerikanische oder kanadische Politik formuliert hätte).Google Scholar
  580. 403.
    Zu Japan s. Anm. I/194 ff.; zu den Dominions s. Anm. I/370. Chamberlain, 20.1.1937, Cab. 2 (37) 7, Cab. 23–87, S. 71: „he could not admit that our policy conformed to the views of the American Secretary of State— (bezieht sich auf Meldungen Lindsay’s aus Washington über Hull’s Kritik am englisch-kanadischen Handelsabkommen). — Die Formel, die Regierung sei auf der Grundlage ihrer erfolgreichen Wirtschafts- und Finanzpolitik wiedergewählt worden und brauche daher ihre Politik nicht den Wünschen Hull’s und der innerenglischen Opposition anzupassen, richtete Runciman gegen die „economic appeaser“.Google Scholar
  581. 404.
    Zum Folgenden vor allem Vansittart an Lindsay, 24.9.1934, A 9942/2280/45, FO 371–17 603, S. 259 ff. Vansittart wies Philipps’ Behauptung zurück, daß England zahlreiche amerikanische Avancen unbeachtet gelassen habe. Schuld am Stand der Beziehungen sei die Stupidität des amerikanischen (Wähler-)Volkes. Die Londoner Zentrale und die englische Botschaft wiederholten in ihrem Schriftwechsel gleichsam die Divergenzen zwischen der englischen und der amerikanischen Lesart über Ursachen gescheiterter, abgebrochener oder gar nicht erst begonnener Sondierungen. Gore/Booth-Memo., A 8038/2280/45, FO 371–17 603; vgl. Vansittart an Phipps (betr. Dodd’s Protest gegen deutsch-englische Vereinbarung über Dawes-Young-Schuldendienste): „Here we are again impudently asked to make another sacrifice not only as regards our pockets but as regards what we believe to be the right policy towards Germany“, 13.7.1934, FO 371–17 685, S. 263; s. dazu auch Briefwechsel Leith-Ross/Lamont, 5.-17.7.1934, C 5091/1/18, FO 371–17 685, S. 278–281; beide versichern einander, daß sie glaubten, England habe auch für andere Gläubigerinteressen zu wirken versucht.Google Scholar
  582. 405.
    Baldwin an Cecil, 12.3.1933, Cecil Papers. Der Vorwurf der Unzuverlässigkeit, Konfusion, Täuschung und Selbsttäuschung stützt sich vor allem auf Roosevelts Schwanken zwischen Nationalisten und Internationalisten in der Phase der Vorbereitung und während der Weltwirtschaftskonferenz ; s. dazu Kindleberger, S. 226 ff.; Junker, S. 58 ff., 63, 166 ff.; Kott-mann, S. 39ff.;Schröder, S. 71 ff.; Leith-Ross, Kap. 13; H. Feis, 1933. Characters in Crisis, S. 171, 116 ff.Google Scholar
  583. 406.
    Die These, England hätte, wenn die Regierung 1932/33 Stimson gefolgt wäre, den Völkerbund zum Instrument der Friedenssicherung ausbauen können, diente der Opposition in England als einer der Rechtfertigungsgründe für die ,,give a lead“-Kampagne und das Festhalten am Prinzip kollektiver Sicherheit; ein Kurswechsel könne den Fehler wiedergutmachen. Die Regierung sah in den amerikanischen Äußerungen, die dieser Version neue Nahrung gaben, ein destabilisierendes Moment der englischen Außenpolitik. Lothian ließ sich über die Vorgänge informieren, um die englische Sicht in den USA zur Kenntnis zu bringen.Google Scholar
  584. 407.
    Siehe Anm. I/400 zu Hull’s RTA-Politik. Die englische Regierung, besonders BofT und T, sahen in Hull’s Pressionen, durch den englisch-amerikanischen Handelsvertrag die führende europäische Industrienation in das auf US-Außenhandelsinteressen ausgerichtete System einzuspannen, den Versuch, England zum Juniorpartner abzustempeln. — Die ‚objektiven‘ Ursachen des Spannungsverhältnisses sind: 1. Die „Insel“ USA war im Vergleich zu Englands Doppelfrontproblem weniger direkt bedroht; 2. die Außenhandelsbilanzen beider Mächte waren gegenläufig gelagert. Die USA erzielten gegenüber Europa (Frankreich, Deutschland), Australien, Argentinien einen Exportüberschuß; aus Brasilien, Chile, Japan importierten sie mehr, als sie dorthin ausführten (s. im einzelnen Junker, S. 34 ff.). England (1935) importierte mehr aus den USA, der UdSSR, Kanada, Australien/Neuseeland, Argentinien, Deutschland u. a., als es dorthin ausführte. 3. Das englische Interesse am US-Geschäft war weniger ausgeprägt als das politische Interesse, die USA sicherheitspolitisch zur Entlastung vom Druck der Zwei-Fronten-Gefahr heranzuziehen. 4. Einzelne englische Industrieregionen, die von amerikanischer Konkurrenz bedroht waren (s. als Beispiel Nicolson-Diary, 7.2.1938, MP für Leicester, Lyons, über die Bedeutung von Imperial Typewriter Co. für seinen Wahlkreis, den er behalten wollte; Lyons erhoffte sich vom deutsch-englischen statt vom englisch-amerikanischen Bündnis eine Stärkung der englischen Autorität in der Weltpolitik!), sowie die Federation of British Industries waren aus vielfältigen Gründen gegen einen Handelsvertrag mit den USA. N. Chamberlain engagierte sich aus politischen Gründen seit Anfang 1938 für den Abschluß der Verhandlungen.Google Scholar
  585. 408.
    Die in Junkers Interpretation herausgestellte „globale Definition“ des Nationalinteresses der USA, die, vom Zusammenhang der Krisen in Europa und im Fernen Osten ausgehend, folgerichtig eine Strategie der Vorwärtsverteidigung gleichzeitig im Pazifik und Atlantik nach sich zog (Hillgruber, S. 24 f.), ist zumindest der englischen Politik vor 1940/41 in den Gesprächen nicht bewußt geworden.Google Scholar
  586. 409.
    Lindsays Depeschen von Mitte Januar 1937 sind dem BofT und der T vorgelegt worden; s. BT 11–755. Die vorhergehenden Ausführungen beziehen sich zum großen Teil auf die Chamberlain/Morgenthau-Sondierungen in der ersten Hälfte 1937: Cab. 19 (37) 1, 28.4. 1937, Cab. 23–88, S. 137 f.; Cab. 24(37)4, 17.6.1937, Cab. 23–88, S. 277; FRUS, 1937/ I, S. 98 ff.; Lindsay an Halifax, 1.6.1937, A 4165/228/45, FO 371–20 660, S. 203 ff.; J. M. Blum, From the Morgenthau Diaries. Years of Crisis 1928–1939, Boston 1959, S. 457 ff.; Eden, S. 526 ff. Zu den Flottengesprächen: Roskill, Hankey, Bd. III, S. 274 ff., 309 ff.; Leutze, Bargaining for Supremacy, S. 14 ff., 19.Google Scholar
  587. 410.
    Allen-Memo., 15.3.1937, The United States and British Imperial Interests, A 2847/228/45, FO 371–20 659, S. 271–309; FO-Minutes, S. 264 ff., bes. Craigie, und Troutbeck; zu N. Chamberlain s. auch Tamchina, S. 91; Ovendale, passim; Thorne, S. 122 ff., 395 f. Da Lothian (s. unten, Kap. III) seine Ziele mit den ,,operative ideals“ von Roosevelt/Hull identisch glaubte, fiel ihm die „Anpassung“ nicht schwer.Google Scholar
  588. 411.
    Zu den Beziehungen zwischen den „economic appeaser“ und den Dominions (Hall-,Mc-Dougall-Schemes); Lothian/Dafoe(Winnipeg Free Press)-MacKenzie King) s. unten, Kap. III, Abschn. 7/8 und Anm. 1/401, 402.Google Scholar
  589. 412.
    Vgl. Wendt, in: Forndran, S. 12, 21, 29; Niedhart, B 13/77 vom 2.4.1977, S. 27; K. Hildebrand, „British Interests“ und ,,Pax Britannica“, in: HZ 221 (1975), S. 629; Korreferat, Braunschweig, s. Internat. Jahrbuch, XVII, 1976, S. 276 ff.Google Scholar
  590. 413.
    Siehe unten, Kap. III, Abschn. C.Google Scholar
  591. 414.
    Vgl. Hans-Jürgen Schröder, Südosteuropa als ,,Informal Empire“ Deutschlands 1933–1939. Das Beispiel Jugoslawien, in: Jahrbuch für Geschichte Osteuropas, 23 (1975), S. 70–95; Martin Broszat, Deutschland-Ungarn-Rumänien. Entwicklung und Grundfaktoren nationalsozialistischer Hegemonial- und Bündnispolitik 1938–1941, in: HZ, 206 (1968), S. 45–96; Bernd Jürgen Wendt, England und der deutsche ,Drang nach Südosten’. Kapitalbeziehungen und Warenverkehr in Südosteuropa zwischen den Weltkriegen, in: Immanuel Geiss/ Bernd Jürgen Wendt (Hrsg.), Deutschland in der Weltpolitik des 19. und 20. Jahrhunderts, Düsseldorf 1973, S. 483–512; ders., Strukturbedingungen der britischen Südosteuropapolitik am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, in: Forstmeier/Volkmann, Wirtschaft und Rüstung, S. 296–307; M. Newman, The Origins of Munich. British Policy in the Danubian Region, 1933–37, in: HJ, XXI (1978), 371 ff.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1981

Authors and Affiliations

  • Gustav Schmidt

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