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Zusammenfassung

Wie im Fall der Außenpolitik des Dritten Reiches handelt es sich bei der Appeasement-Diskussion um ein Kapitel unbewältigter Vergangenheit der englischen Nationalgeschichte. Anders als im Fall der deutschen Außenpolitik ist die wissenschaftliche Debatte in England von Methodenfragen und Theorieproblemen weitgehend unberührt geblieben. Die Kontroverse wird immer noch von zwei Hauptströmungen beherrscht, die sich zwar subtiler Argumentationen bedienen, im Kern aber die alten Linien nachziehen. Von den Kritikern wurde die Appeasement-Politik teils am traditionellen Maßstab der balance of power-Doktrin, teils an der Elle des Systems der kollektiven Sicherheit gemessen und für unzureichend befunden. Die Biographien oder die Memoiren der Beteiligten suchen demgegenüber den Vorwurf zu entkräften, sie wären entweder blind gewesen gegenüber den Gefahren des Nationalsozialismus oder hätten gar mit den Zielen des Hitlerregimes, zumindest gegenüber Osteuropa und Rußland, sympathisiert. Die Kontroversen dieser umfangreichen Forschungsdiskussion, die die Kenntnis über die Vorgänge fast ins Unüberschaubare erweitert haben, bleiben jedoch insofern recht steril, als sie die Ergebnisse der Erforschung von Strukturen nationalsozialistischer Herrschaft und Außenpolitik des Hitlerregimes oder des französischen politisch-sozialen Systems — soweit sie überhaupt zur Kenntnis genommen werden — lediglich dazu nutzten, die von den zeitgenössischen Kontrahenten vertretenen Auffassungen zu bekräftigen bzw. zu widerlegen1.

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Literatur

  1. 1.
    Eine der besten Interpretationen der Appeasement-Politik gibt Harold I. Nelson, Land and Power, London 1963, bes. Kap. 13;Google Scholar
  2. 1a.
    William Rock, British Appeasement in the 1930’s, London 1977, versucht zwar eine Zusammenfassung (S. 29, 55 u. a. O.), urteilt aber zu einseitig von „München 1938“ her. Während man Hitler und nationalsozialistische Außenpolitik — mit Hildebrand — als untrennbare Einheit begreifen kann, gilt dies keineswegs für Neville Chamberlain und Appeasement — es sei denn, man argumentiert: So wie Hitler die Kriegsrisikobereitschaft des Regimes repräsentiere, so stehe Chamberlain für ein englisches Interesse am „Frieden um jeden Preis“.Google Scholar
  3. 2.
    Zur Entwicklung der deutschen Appeasement-Forschung s. den in Anm. E/4 zitierten Überblick von B. J. Wendt; s. ferner Gottfried Niedhart, Großbritannien, München 1972, Einleitung;Google Scholar
  4. 2a.
    W. D. Gruner, ‚British Interests‘ in der Zwischenkriegszeit, in: Karl Bosl (Hrsg.), Gleichgewicht-Revision-Restauration, München/Wien 1976, S. 85–151. Typische Beispiele einer „parteinehmenden“ Historie sind Bassett, Democracy and Foreign Policy, London 1952, und Furnia, The Diplomacy of Appeasement, Washington 1960. Auch die ergiebigsten Studien zur Chamberlain-Ära, die Arbeiten von Middlemas, Diplomacy of Illusion, London 1972, und Rock, British Appeasement, 1977 (S. 30), unterscheiden zwischen Appeasement im positiven Sinn — d. h. einer Politik, die sich im Einklang mit dem „British way of life“ der dreißiger Jahre befand — und einer negativen Wendung, die auf Chamberlains ‚Missionsbewußtsein‘ (persönliche Außenpolitik usw.) zurückzuführen sei. Wer diesen Ansatz wählt, also die strukturellen Komponenten ausklammert (zumindest in der abschließenden Urteilsfindung), müßte erklären, warum N. Chamberlain der englischen Außenpolitik erst ab 1937 seinen Stempel aufprägte; das Aufrücken in das Amt des Premierministers dürfte als Erklärungsgrund kaum ausreichen. Man müßte auch nachweisen, warum die nach 1937 zutage tretenden „Schwächen“und negativen Seiten nicht schon vorher auf die englische Außenpolitik einwirkten u. a. m.Google Scholar
  5. 3.
    Klaus Hildebrand, Geschichte oder ‚Gesellschaftsgeschichte‘?, in; HZ, 223 (1976), S. 349; vgl. Gustav Schmidt, Wozu noch ‚politische Geschichte‘?, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 17/75 vom 26.4.1975. Die berechtigten Einwände Hans-Ulrich Wehlers — Kritik und kritische Anti-Kritik, in: HZ, 225 (1977), S. 378 — erkennt der Verf. durchaus an (s. Anm. E/9 und Anm. E/23). Wenn in dieser Studie dennoch die Interpretation des Willensbildungsprozesses und der Motivationsstrukturen stärker zum Zuge kommt als die „capability analysis“, d. h. die exakte Ermittlung der Handlungsmöglichkeiten sowie die Bestimmung des Grades der Autonomie eines ‚Akteurs‘, so hängt das mit Überlegungen über die Operationalisierbarkeit einer Konzeption des Handlungsspielraums zusammen. Der Verf. folgt hier Gilbert Ziebura et alii, Bestimmungsfaktoren der Außenpolitik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Berlin 1974, bes. S. 37, und G. Simonis, Außenpolitischer Handlungsspielraum und politische Autonomie, in: PVS, Sonderheft IV (1972), S. 286 ff., 300 ff. Außenpolitischer Handlungsspielraum wird verstanden „als verhaltenssteuerndes Umweltbild, das die als Handlungsmöglichkeiten wahrgenommenen Alternativen umfaßt, und zwar die wahrgenommenen Handlungsmöglichkeiten, die als Alternative in den Entscheidungsprozeß eingebracht werden“ (ebd., S. 303). Die Bestimmung a) der „Nutzer“ des Handlungsspielraumes und b) der „akzeptablen Kosten“ bezieht gesellschaftliche Zusammenhänge in die Konzeption ein. Zum Begriff „Herrschaftssynthese“ s. Anm. E/63.Google Scholar
  6. 4.
    Zum Forschungsstand s. die Literaturberichte von: Bernd Jürgen Wendt, Aspekte der deutschen Appeasement-Forschung, in: Internat. Jb. für Gesch. u. Geographie-Unterricht, XVII (1976), S. 248–275; ders., Der blockierte Dialog, in: MGM, XVII (1975), S. 201–211;Google Scholar
  7. 4a.
    J. A. S. Grenville, Contemporary Trends in the study of the British ‚appeasement‘ policies of the 1930’s, in: Internat. Jb. für Gesch. u. Geographie-Unterricht, XVII (1976), S. 236–247;Google Scholar
  8. 4b.
    Klaus Hildebrand, „British Interests“ und „Pax Britannica“, in: HZ, 221 (1975), S. 623–639;Google Scholar
  9. 4c.
    Donald C. Watt, The Historiography of Appeasement, in: A. Sked/Ch. Cook (Hrsg.), Crisis and Controversy (Taylor-Festschrift), London 1976, S. 110–129;Google Scholar
  10. 4d.
    Gottfried Niedhart, Friede als nationales Interesse, in: NPL, 1972/4, S. 451–470; ders., Appeasement: Die britische Antwort auf die Krise des Weltreichs und des Internationalen Systems vor dem 2. Weltkrieg, in: HZ, 226 (1978), S. 67–88;Google Scholar
  11. 4e.
    P. M. Kennedy, Idealists and Realists: British Views of Germany, 1864–1939, in: Transactions of the Royal Historical Society, 5. Folge, XXV (1975), S. 137–156;Google Scholar
  12. 4f.
    Gustav Schmidt, Britische Strategie und Außenpolitik. Wahlchancen und Determinanten britischer Sicherheitspolitik im Zeitalter der neuen Weltmächte, 1898–1929, in: MGM, 1971/1, S. 197–218; ders., Strategie und Außenpolitik des ‚Troubled Giant‘, in: MGM, XIII (1973), S. 208–218. Die „Personalisierung“ in der älteren Literatur ergibt sich aus der Begriffsbildung von Appeasement als Politik, die den Frieden zu bewahren suche, indem sie den Forderungen von Aggressoren angesichts drohender Gewaltanwendung nachgebe — s. Einzig, Economic appeasement, S. 1; Morgenthau, Politics among Nations, New York 1960, S. 64; der Fragehorizont wird beschränkt auf die Beurteilung, wie die Politiker die deutsche Gefahr einschätzten, wie sie „Verbündete“ behandelten, ob und unter welchen Bedingungen sie widerstandsbereit waren usw. Die Deutungen Taylors — Ursprünge des Zweiten Weltkriegs — gehen auf Vansittart, Lessons of my Life, New York 1943, zurück. Für Vansittart setzt die Geschichte des Appeasement 1897 ein, als J. Chamberlain „Bülow auf den Leim ging“; A. Chamberlain sei von Stresemann ebenso dupiert worden wie N. Chamberlain von Hitler. Die Logik würde verlangen, daß Taylor im Sinne seiner Kontinuitätsthese Churchill als Dupierten Adenauers (in der Frage der deutschen Wiederbewaffnung nach 1949) ausgibt. Dieses Beispiel, wohin eine „personalistische“ Geschichtsbetrachtung führen kann, steht nicht allein.Google Scholar
  13. 5.
    Martin Gilbert, Appeasement in Großbritannien. Freundschaft mit Deutschland um jeden Preis (Dokumentation), in: Politische Meinung, 8. Jg. (1963), H. 88, S. 68 ff. Laut Martin Gilbert/Richard Gott (The Appeasers, London 1963) war Appeasement eine Sache des Herzens, eine in deutschfreundlichen Gedankengängen verwurzelte Geisteshaltung, gepaart mit Frankophobie, Antikommunismus und Antisemitismus. Die Appeasementforschung — soweit sie in diesen Gedankenbahnen verharrt — täte gut daran, sich die von Günter Hollenberg (Englisches Interesse am Kaiserreich, Wiesbaden 1974, S. 6 f., 60 ff.) für die Zeit vor 1914 getroffenen Unterscheidungen innerhalb der pro-deutschen Verständigungsbewegungen methodisch zum Vorbild zu nehmen und die Verschiebung der politischen Standorte im Zusammenhang mit Veränderungen in der innergesellschaftlichen und in der internationalen Konstellation zu registrieren. — Daß Appeasement sich als Gegenstrategie zur französischen Sicherheitspolitik verstand, ergibt sich aus der Konstellation seit 1917/1920. So enthält Balfours Rechtfertigung der Locarno-Verpräge einige der Standards von „Appeasement“, 24.11. 1925, House of Lords, Parl. Debates, Bd. 62, Sp. 838: „The British people have always been anxious for appeasement“; der Realismus der Regionalpaktpolitik begünstige psychologische Entspannung in Europa; frei, d. h. ohne Diskriminierung ausgehandelte Verträge wirkten stabilisierender als die (Frankreich unterstellte) Diktatmethode. In dem Maße, in dem England Frankreich gegenüber die Initiative ergriff und den Ton angab — ab Herbst 1934, s. unten, Kap. I —, wurde Appeasement als Alternative zur französischen Sicherheitsdoktrin (nicht länger unbedingt gleichbedeutend mit der Außenpolitik der französischen Regierungen Laval, Flandin, Blum, Daladier) ausgeprägter. Im übrigen ist nicht zu bezweifeln, daß die deutsche — ebenso wie die französische — Politik und Diplomatie versuchte, bestimmte Persönlichkeiten in den Krisen zu konsultieren, in der Hoffnung, diese Honoratioren würden dem deutschen (bzw. französischen) „case“ im englischen Kabinett Gehör verschaffen;Google Scholar
  14. 5a.
    vgl. James Thomas Emmerson, The Rhineland Crisis, London 1977, S. 176. — Sowohl Lothian, Lloyd George, Londonderry (nach 1935) als auch Boothby, W. Churchill, W. Steed und andere „Kontaktpersonen“ müssen als Außenseiter gelten; ihnen gegenüber ließ sich leicht argumentieren, die englische Regierung müssen den „British case“ verteidigen.Google Scholar
  15. 6.
    Vgl. Klaus Hildebrand, Von der Reichseinigung zur ‚Krieg-in-Sicht‘-Krise. Preußen-Deutschland als Faktor der britischen Außenpolitik 1866–1875, in: Michael Stürmer (Hrsg.), Das kaiserliche Deutschland, Düsseldorf 1970, S. 205–234; s. ders., Anm. E/3; Gottfried Niedhart, Britische Deutschlandpolitik vor dem Zweiten Weltkrieg, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 13/77 vom 2.4.1977, S. 26–39;Google Scholar
  16. 6a.
    R. Meyers, Sicherheit und Gleichgewicht, in: Rh. Vjbl., Bd. 38 (1974), S. 406–449;Google Scholar
  17. 6b.
    P. M. Kennedy, ‚Splendid Isolation‘ gegen ‚Continental Commitment‘. Das Dilemma der britischen Deutschlandstrategie in der Zwischenkriegszeit (1919—1939), in: Tradition und Neubeginn. Symposium der Humboldt-Stiftung vom 10. bis 15.9.1974, Köln 1975; s. auch die Literaturberichte von Gustav Schmidt, in: MGM (Anm. E/4); Norman Gibbs, Grand Strategy, Bd. I: Rearmament Policy, London 1976. In dem Bemühen, die Kontinuität der englischen Friedenspolitik zu verdeutlichen, muß man jedoch Kurzschlüsse vermeiden. Oswald Hauser (England und das Dritte Reich, Stuttgart 1972, S. 134) und Wendt (Blockierter Dialog, Anm. E/4) betonen, daß es zwischen den Grundzügen der englischen Politik und Hitlers Programm ebensowenig eine Übereinstimmung geben konnte wie zwischen Deutschland und England vor 1914. Dabei wird eine Kontinuität und eine Leitfunktion des balance of power-Idioms unterstellt, die in den dreißiger Jahren gerade nicht in der Politik von Tag zu Tag vorhanden war — im Gegensatz zur englischen Politik vor 1914!Google Scholar
  18. 7.
    J. R Rosenau, International Aspects of Civil Strife, New York 1964; die Übersetzung folgt W. Link, Der amerikanische Einfluß auf die Weimarer Republik in der Dawesplanphase. Elemente eines penetrierten Systems, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 45/73, S. 3–12, hier: S. 4. Link hat den Ansatz „transnationale Beziehungen“ erweitert und in einer Studie über deutsche und amerikanische Gewerkschaften und Geschäftsleute (1945–75) „empirisch“ getestet. Zur Ausführung dieser These s. unten, Kap. I/Abschn. „Dominions“ und Kap. III „Economic Appeasement“, Abschn. „Große Lösungen“.Google Scholar
  19. 8.
    Rocks Studie (Anm. E/l) konzentriert sich so gut wie ausschließlich auf die Chamberlain-Ära und steht, obwohl einige neuere Studien resümiert werden, hinsichtlich der Fragestellungen auf dem Stand der Diskussion um 1967/1971; die neuere deutsche und französische Forschung läßt er unberücksichtigt. Donald N. Lammers, Explaining Munich, Stanford 1966, listet im Anhang die Namen derer auf, die als Appeaser eingeschätzt werden; s. zu diesem Komplex auch Neville Thompson, The Anti-Appeasers, Oxford 1971;Google Scholar
  20. 8a.
    J. S. Rasmussen, Opposition and Intra-Party Opposition: Dissent within the Conservative Parliamentary Party in the 1930’s, in: Political Studies, XIX/2, 1971, S. 172–183;Google Scholar
  21. 8b.
    Cowlings Personalskizzen sind hinsichtlich der Einordnung der verschiedenen Eliten in die Appeasement-Politik nicht eindeutig: Maurice I. Cowling, The Impact of Hitler, Cambridge 1975; außerdem abstrahiert Cowling zu stark von den „issues“ der englischen Politik, zum Beispiel der Rüstungsfrage.CrossRefGoogle Scholar
  22. 9.
    Der Verf. folgt in den Hauptteilen dieser Studie (Kap. III und IV) dem koalitionstheoretischen Ansatz, wie er von Almond, Flanagan, Rittberger in Anlehnung an Ch. Johnson entwickelt und von D. Kavanagh auf den englischen Fall der Krise 1931 angewendet worden ist. Der politische Entscheidungsprozeß als Form innergesellschaftlicher Konfliktaustragung wird begriffen als Vermittlungsforum zwischen sozial-ökonomischen (Binnen-)Strukturen und den nach außen (durch die Regierung) vertretenen „nationalen“ Positionen. Das bedeutet, daß Interessenlagen und vor allem Perzeptionen von Situationen, in denen politisches Handeln Folgen für den Bestand des Herrschaftssystems haben muß, im Mittelpunkt der Analyse stehen. „Das politische System ist als Teilsystem der Gesamtgesellschaft nicht losgelöst zu sehen von den gesellschaftlichen Macht- und Bevorteilungsstrukturen“— s. Martin Jänicke (Hrsg.), Politische Systemkrisen (Neue wissenschaftliche Bibliothek, Bd. 65), Köln 1973, S. 16; dort auch S. C. Flanagan, Das politische System und die systemische Krise, S. 98 ff.;Google Scholar
  23. 9a.
    D. Kavanagh, in: Gabriel A. Almond/Scott C. Flanagan/Robert J. Mundt (Hrsg.), Crisis, Choice and Change, Boston 1973;Google Scholar
  24. 9B.
    Martin Jänicke (Hrsg.), Herrschaft und Krise, Opladen 1973. — Umgekehrt ist mit Link, Transnationale Beziehungen, S. 16 ff., hervorzuheben, daß „nach wie vor die Trennung des politischen und ökonomischen Kommandos“ besteht und daß gerade die relative Eigenständigkeit gesellschaftlicher Gruppen das intensive Zusammenwirken zwischen Regierung und sozialen Groß-Organisationen ermöglicht.Google Scholar
  25. 10.
    Stellvertretend sei hier verwiesen auf Erhard Forndrans Einleitung und Schlußkapitel „Zur Theorie der internationalen Beziehungen“, in: Innen-und Außenpolitik unter nationalsozialistischer Bedrohung, hrsg. von Erhard Forndran/Frank Golczewski/Dieter Riesenberger, Opladen 1977. Forndran erkennt selbst die Schwierigkeiten der Umsetzung seines Arbeitszielkatalogs und der von den „Theorien“ geforderten Integrationsleistung in handhabbare Forschungsstrategien.Google Scholar
  26. 11.
    Vgl. ebd., S. 315.Google Scholar
  27. 12.
    Ebd., S. 316; vgl. dazu Wendt, Großbritannien — Demokratie auf dem Prüfstand: Appeasement als Strategie des Status quo, in: ebd., S. 11; s. auch Ekkehardt Krippendorff, Ist Außenpolitik ‚Außenpolitik‘?, in: PVS, IV/1963, S. 243–266. — Die Studie wird die gesellschaftspolitischen Aspekte der Außenpolitik, gerade aufgrund ihrer Verkuppelung mit der Rüstungsfrage, herausarbeiten und Appeasement als Strategie mit dem Ziel kennzeichnen, die Belastungen der Wirtschaft und des Gesellschaftsgefüges durch Aufrüstungsmaßnahmen möglichst so zu halten, daß sich England nicht bis zur Unkenntlichkeit (so Schatzkanzler Simon) verändere; s. unten, Anm. E/26 sowie die Kap. III und IV; s. auch oben, Anm. E/3 zum Handlungsspielraum und Anm. E/63 zur Herrschaftssynthese.Google Scholar
  28. 13.
    Der koalitionstheoretische Ansatz erlaubt es, innerhalb der Herrschaftssynthese politischstrategische Zielkonflikte festzustellen und in ihrer Bedeutung für die Außenpolitik festzumachen; s. unten, Kap. II (ohne Bezug auf den koalitionstheoretischen Ansatz hat Peter Hüttenberger — Nationalsozialistische Polykratie, in: GG, II/4, 1976, S. 417–442 — den Anspruch in mustergültiger Weise eingelöst). Die Vorbehalte richten sich gegen Versuche, die Interessen von „Herrschaftscliquen“ (Ludz) als Triebkräfte der englischen Außenpolitik festzumachen im Sinne von „Agententheorien“— s. zum Beispiel A. L. Rowse, All Souls and Appeasement, London 1961;Google Scholar
  29. 13a.
    S. Haxey, Tory M. P., London 1939. Sie zielen auch gegen Versuche, sozialen Wandel bzw. Veränderungen in der Kollektivmentalität der „Zeitalter“ englischer Geschichte in einen Zusammenhang mit Appeasement-Mentalität zu bringen und dann letztlich die englische Irland-, Indien-, Amerika- und Deutschlandpolitik gleichermaßen als Zeichen der Schwäche zu deutenGoogle Scholar
  30. 13b.
    — s. Correlli Barnett, The Collapse of British Power, London 1972. Solange der Appeasement-Begriff selber vage und damit inhaltlich manipulierbar bleibt, sind Bezugnahmen auf Gruppeninteressen verfrüht. Der umgekehrte Weg, Gruppeninteressen in außenpolitischen Fragenkomplexen zu identifizieren und von dorther einen Bezug zur Appeasementpolitik herzustellen, ist bislang meist nur für Außenseiter — und zwar für Meinungsgruppen und nicht für „interests“— gelungen. Weder die politischen Strömungen in der City noch die Einflußversuche organisierter Interessen (im Unterschied zu einflußreichen Einzelpersönlichkeiten aus Wirtschaft und „traditioneller“ Gesellschaft) sind bislang zufriedenstellend untersucht worden. Die Aufgabe besteht zunächst darin, unter den Beweggründen und Triebkräften die ausschlaggebenden Handlungsimpulse zu verorten; erst dann kann die Korrelation zu ebenso sorgfältig ermittelten „Daten“erfolgen, die für bestimmte „interests“mehr gelten als für andere.Google Scholar
  31. 14.
    Die Vorbehalte richten sich gegen Studien, deren hochtrabende Titel in keinem Verhältnis zu dem in der Forschungsdiskussion der Teilbereiche stehenden Problembewußtsein stehen. Zum Beispiel ist Wilfried Röhrich, Gesellschaftssysteme und internationale Politik. Sozialökonomische Grundrisse, Stuttgart 1976, in den England- und USA-Kapiteln weder auf der Höhe der Studien zur englischen oder US-Weltpolitik des 19./20. Jahrhunderts noch gar der Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Hobsbawm (Industry and Empire, London 1969) zu zitieren, ist kein Ersatz für eine Erfassung des methodisch oft vorbildlichen Fortgangs der wirtschafts- und gesellschaftsgeschichtlichen Forschung zur englischen und amerikanischen Geschichte im Zeitalter des Imperialismus und der Weltkriege.Google Scholar
  32. 15.
    Hans Herzfeld, Zur Problematik der Appeasement-Politik, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 16/63 vom 17.4.1963; s. zusammenfassend Wendt, Aspekte (Anm. E/4). Die erste Fassung dieser 1967/68 abgeschlossenen Studie suchte die von Herzfeld angeschnittenen Themenbereiche in extenso zu behandeln.Google Scholar
  33. 16.
    Der Verf. denkt vor allem an Stanley Hoffmann, In Search of France, Cambridge/Mass. 1963;Google Scholar
  34. 16a.
    Gilbert Ziebura, Léon Blum, Bd. I, Berlin 1963;Google Scholar
  35. 16b.
    William A. Williams (Hrsg.), From Colony to Empire, New York 1972;Google Scholar
  36. 16c.
    William A. Williams (Hrsg.), Die Tragödie der amerikanischen Diplomatie, Frankfurt a. M. 1973;Google Scholar
  37. 16d.
    Volker R. Berghahn, Der Tirpitzplan, Düsseldorf 1971;Google Scholar
  38. 16e.
    Volker R. Berghahn ders., Rüstung und Machtpolitik, Düsseldorf 1973;Google Scholar
  39. 16f.
    Volker R. Berghahn ders., Germany and the Approach of War in 1914, London 1973;Google Scholar
  40. 16g.
    Gilbert Ziebura, Sozialökonomische Grundfragen des deutschen Imperialismus vor 1914, in: Hans-Ulrich Wehler (Hrsg.), Sozialgeschichte heute. Festschrift für Hans Rosenberg zum 70. Geburtstag, Göttingen 1974, S. 495–524. — Es ist eine zweite Frage, ob die Interpretationen immer der Kritik standhalten! Die spezifischen Dominanten der englischen Situation müssen berücksichtigt werden; dies geschieht beispielsweise nicht in Wendts Versuch, „War Socialism“mit „Organisiertem Kapitalismus“zu assoziieren oder Appeasementpolitik als Klassenpolitik zu charakterisieren, so in: Forndran u. a., Innen- und Außenpolitik, S. 22.Google Scholar
  41. 17.
    Wendt, in: Friedrich Forstmeier/Hans-Erich Volkmann (Hrsg.), Wirtschaft und Rüstung am Vorabend des Zweiten Weltkriegs, Düsseldorf 1975, S. 301. Die Konzentration auf die innenpolitischen Aspekte der Außenpolitik ist keine Identifizierung mit Theorien der Außenpolitik, die auswärtige Angelegenheiten auf sozio-ökonomische Dimensionen beschränken wollen. Die Vernachlässigung des internationalen Interaktionssystems — u. a. des Aspekts, daß englische Außenpolitik von Veränderungen in der deutschen Englandpolitik abhängig ist — hat teils pragmatische Gründe: Zu den einzelnen Phasen liegen detaillierte Studien und zusammenfassende Aufsätze vor, so für die Märzkrise 1936 von Emmerson und von Meyers. Die diplomatiegeschichtliche Seite der Studie ist auf die Darstellung des Grundmusters reduziert worden. Die umfangreichen Vorstudien — besonders hinsichtlich der englischen Perzeption des deutschen Ausgreifens nach Mittel- und Südost-Europa und der deutsch-französischen Beziehungen (seitens der Regierung, Militärs, Wirtschaft, Presse usw.) — sowie quellenkritische Vergleiche der französischen, belgischen, amerikanischen, deutschen und englischen Aktenüberlieferung zu wichtigen „Interviews“ gehen nicht in diese Veröffentlichung ein.Google Scholar
  42. 18.
    Die kritische Auseinandersetzung mit den Studien von B. J. Wendt, Economic Appeasement, Düsseldorf 1971, und C. A. MacDonald, Economic Appeasement and the German „Moderates“ 1937–1939, in: Past & Present, 56/1972, erfolgt in Kap. III. Wendt, Aspekte (Anm. E/4), S. 265, stellt sich dieser Kritik. Es erscheint dem Verf. nötig, „economic appeasement“ als Strategie abzuheben a) von den zahlreichen Kontakten, die im Sinne Wendts eine Brükkenbau-Funktion erfüllten (s. Aspekte, S. 282 f.), b) von den wirtschaftlichen Faktoren, die die Außenpolitik mitprägten. In der Einschätzung der wirtschaftlichen Faktoren und ihres hohen Stellenwerts in der Analyse englischer Außenpolitik besteht kein Gegensatz. Der Verf. betont nur stärker und konsequenter als Wendt, daß von den innenpolitischen Konstellationen und regierungsinternen Gegensätzen her gesehen die „economic appeasement“-Strategien eher „Oppositions“-Strategien sind (s. Kap. III, unten S. 239f., 250ff.)Google Scholar
  43. 19.
    Die auf eine breite Quellenbasis gestützten Untersuchungen Wendts bleiben im Ergebnis anfechtbar, weil er nicht klärt, 1. welchen Stellenwert die von ihm berücksichtigten, am Deutschland-Geschäft interessierten Bank-, Handels- und Exportinteressen im ökonomischen Machtgeflige einnahmen; welches Gewicht haben Kohlebergbau, Bradford-Region, Unilever oder Dunlop oder Shell im Vergleich zur Stahl-Eisenindustrie, zum Schiffsbau u. a., die die deutsche Konkurrenz zu spüren bekamen und daher die Welt aus einem anderen Gesichtswinkel betrachteten, aber auch im Aufrüstungsprozeß eine richtungweisende Funktion (zurück-)erhielten?; 2. welche Einflußchance das als Filtersystem gedachte Cabinet Committee-System den Interessenartikulationen, sei es von Verbänden, sei es von (miteinander rivalisierenden?!) Wirtschaftsführern überhaupt ließ, 3. aus welchen Gründen die Regierung im jeweiligen Einzelfall Entscheidungen im Sinne der „prodeutschen“ wirtschaftlichen Einflußgruppen traf.Google Scholar
  44. 20.
    Siehe das Kap. „Economic Appeasement“, unten S. 231 ff.. Einer der einflußreichsten Wirtschaftsführer, Sir Arthur Balfour (Lord Riverdale), führte im Auftrag der Regierung sowohl in Deutschland als auch in Kanada und den USA Sondierungen durch, ob und zu welchen Bedingungen England Rüstungsgüter, Werkzeugmaschinen usw. importieren oder (in Kanada und den USA) Rüstungsaufträge plazieren könne. Balfour plädierte für „business approach“ in der Außenpolitik, d. h. für bilaterale Methoden, achtete aber primär darauf, daß die „englischen Interessen“ geschützt würden und sprach sich von daher — sowohl 1930/32 als auch nach 1934 — gegen wirtschaftliche Erleichterungen bzw. Zugeständnisse an Deutschland aus. Mit anderen Worten: Als Wirtschaftsführer war er für „appeasement“, nicht aber für Entgegenkommen („englische Opfer“) auf wirtschaftlichem Gebiet.Google Scholar
  45. 21.
    „Anpassung“ meint Hinnahme von Gewichtsverlagerungen, aber auch zurückwirkende Mitbestimmung auf Weltpolitik und Weltwirtschaft. Die Fragestellung „Appeasement und politisches System“ impliziert wegen der strukturell-langfristigen Komponente „System“ eine Kontinuität der Außenpolitik. Die Argumentations- und Verhaltensmuster — zum Beispiel „outlets“ für die dynamische deutsche Wirtschaft, möglichst auf Kosten Dritter (Portugal, Türkei, China vor 1914) — ebenso wie Motivations- und Interessenstrukturen der Unterstützungsgruppen sind zum einen Teil schon vor 1914 anzutreffen (s. Günter Hollenberg, Englisches Interesse am Kaiserreich, Wiesbaden 1974, S. 105 ff.). Der Begriff Appeasement sollte einerseits auf bestimmte innen-(gesellschafts-)politische Konstellationen und Bedingungen bezogen und andererseits an die Politik der Adressaten und an das internationale System gekoppelt werden; s. hierzu die Ausführungen des Verf. auf der Braunschweiger Tagung, Internat. Jb., XVII (1976), S. 283 (Anm. E/4).Google Scholar
  46. 22.
    Zur Grobstruktur der internationalen Politik im 20. Jahrhundert und insbesondere der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen s. F. H. Hinsley, Power and the Pursuit of Peace, Cambridge 1967, S. 280 ff., 299, 301 ff. Als Anlässe und strukturelle Gründe für das Machtgefälle in der Weltpolitik hebt Hinsley hervor: 1. „the distribution of effective power was more unstable and more rapidly changing than usually“; 2. „The states involved became both more preoccupied with relative power and less confident in their ability to assess it.“ Medlicott, Bartlett und P. Kennedy legen den Akzent darauf, daß England im 19. Jahrhundert eine führende Stellung in der Weltpolitik erringen konnte, ohne einen entsprechenden Aufwand an Machtmitteln leisten zu müssen. So beanspruchten die Gesamtausgaben für Verteidigung im Zeitraum 1830–1900 lediglich 2%–3% des Nationaleinkommens (s. Frankel, in: Kaiser/Morgan [Hrsg.], Britain and West Germany, Oxford 1971, S. 90). Die Rüstungslasten beschnitten nicht den durch internationalen Handel erwachsenden Wohlstand. Mit dem Aufstieg der neuen Weltmächte wurde die englische Politik vor das Problem gestellt, mit welchen Mitteln sie ihre Position verteidigen wollte: durch Bündnisabsprachen?; Two-Power-Standards in der Flottenrüstung?; Detenten mit möglichst allen Herausforderern? usw. Siehe hierzu die Literaturberichte des Verf., in: MGM (Anm. E/4);Google Scholar
  47. 22a.
    s. ferner R. Meyers, Britische Sicherheitspolitik 1934–1938, Düsseldorf 1976;Google Scholar
  48. 22b.
    M. Howard, The Continental Commitment, London 1972.Google Scholar
  49. 23.
    Hinsichtlich des Ansatzes schließt sich der Verf. Jürgen Kocka an: Theorien in der Praxis des Historikers. Forschungsbeispiele und ihre Diskussion, hrsg. von Jürgen Kocka, Göttingen 1977, bes. S. 10.: „[Theorien sind] explizite und konsistente Begriffs- und Kategoriensysteme, die der Identifikation, Erschließung und Erklärung von bestimmten zu untersuchenden historischen Gegenständen dienen sollen und sich nicht hinreichend aus den Quellen ergeben…“ Bezogen auf außenpolitische Studien, schließt sich der Verfasser der Position an, die Czempiel gegenüber Abendroth abgesteckt hat: Ernst-Otto Czempiel, in: Ekkehard Krippendorff (Hrsg.), Internationale Beziehungen, Köln 1973, S. 364 ff.; und dazu Czempiel, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, B 20/74, S. 13, Anm. 35; s. unten, Anm. E/35.Google Scholar
  50. 24.
    Der Zusammenhang wurde in der Forschung hin und wieder herausgestellt, aber nicht systematisch verfolgt. So spricht zum Beispiel Taylor (Ursprünge des Zweiten Weltkriegs, S. 160), in einem seiner stimulierenden Aperçus von der Nationalen Regierung als einem Club wohlmeinender ‚alter‘ Männer, die vor Auseinandersetzungen zurückscheuten, solange es die Möglichkeit zum Rückzug gab und deren innerster Natur es widerstrebte, Kompromisse in der Außenpolitik abzulehnen, da doch die Innenpolitik so weitgehend auf diesen beruhte. In der Sache führte Medlicott’s Hinweis auf den Kontinuitätsaspekt die Diskussion weiter: Die Problemstellung wurde ausgedehnt auf die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen weltpolitischen Obligationen (,,over-commitments“) und expandierenden innenpolitischen Aufgaben; s. W. N. Medlicott, Contemporary England, London 1967, Einleitung.Google Scholar
  51. 25.
    Vgl. Anm. IV/318, 327. Die deutsche Forschung setzt beides im englischen Fall zu unbesehen gleich. Wo wären zum Beispiel in den dreißiger Jahren namhafte innere Reformen anzutreffen? Der Wohnungsbau war in den zwanziger Jahren ein Reformprogramm (mit dem starken Einschlag einer Besitzschaffungsideologie als Bollwerk gegen den „bolschewistischen Bazillus“); in den dreißiger Jahren war er ein Anwendungsfeld der „cheap money“-Politik. Die Regierung hob weder — als Geste gegenüber den Gewerkschaften, deren Einverständnis mit den Aufrüstungsmaßnahmen als politisches Argument diente (s. unten, Kap. IV) — das Trade Union Law auf, noch beseitigte sie den „Means Test“. Ein konstruktives innenpolitisches Appeasement-Programm ist nicht festzustellen; das hängt in erster Linie damit zusammen, daß die Regierung davor zurückscheute, als politische Zentrale für die Durchführung der Sozialpolitik zu haften. Die Zugeständnisse, die „labour“ in der Sozialpolitik gemacht wurden, sind eher Korrekturen unter dem Druck öffentlicher Kritik; s. F. M. Miller, National Assistance or Unemployment Assistance? The British Cabinet and Relief Policy, 1932–33, in: JCH, IX (1974), S. 184. Die Rechtfertigung der Budgetpolitik durch Chamberlain und dessen Erläuterungen zur Finanzierung der Aufrüstungsprogramme — jede soziale Gruppe werde zu den Steuererhöhungen ausgewogen herangezogen — erschienen Labour ebenso als Hohn wie die mit Zahlenwerk dokumentierte These, daß England auf Jahre mit einem Heer von über 1,2 Millionen Arbeitslosen werde leben müssen. Die Tatsache, daß es in England trotz Arbeitslosendemonstrationen, Streiks usw. nach dem Generalstreik 1926 keine „revolutionäre“ Bewegung gab, ist nicht mit konstruktiver Reformpolitik zu erklären.Google Scholar
  52. 26.
    Vgl. unten, Kap. IV: „Politisches System“, Abschn. 4 und 1 und Kap. III: „Economic Appeasement“. „Economic Appeasement“ erklärt der Verf. zum Teil als gesellschaftspolitische, am Selbstverständnis eines „sozialen Liberalismus“ orientierte Strategie, die mit dem Anspruch auftritt, Englands Wertesystem zu bewahren. Ausdruck hierfür ist die Schlüsselformel „sense of confidence“, die innen- und außenpolitisch eingesetzt wird. Entsprechende Aussagen stammen vor allem von Garvin, Th. Jones, Lothian, Eden, Simon, Runciman, Hoare, Halifax, Dawson, Baldwin. Als Beispiele mögen dienen: 1. Eden, 12.1.1937 (in: A.W. Baldwin, My Father, London 1955, S. 265): Die englische Regierung könne nicht in der Außenpolitik jene Konfrontation (demokratische Völkerbundsmitglieder versus Faschismus/Militarismus) vornehmen, auf deren Vermeidung ihre gesamte Innenpolitik ruhe. Die Klassenkampf- und die Blockbildungsdoktrin seien für den Frieden gleichermaßen gefährlich und daher abzulehnen; 2. Simon sprach sich gegen die von den Streitkräften aufgestellten Rüstungsprogramme aus, weil deren Verwirklichung England bis zur Unkenntlichkeit verändern würde. Anders als Deutschland wolle und könne England nicht die „social services“ vernachlässigen oder Schulden mit einem Federstrich aus der Welt schaffen (s. M. M. Postan, British War Production, London 1952, S. 17); 3. Lothian, August 1935, „The Peace Aspect of Reconstruction“, Memorandum für den Council of Action und Next Five Years Group, GD 40–17, Bd. 113, S. 131: „Just as in the domestic sphere revolution follows inability to bring about reform, so in the international sphere war inevitably follows inability to bring about revision.“Google Scholar
  53. 27.
    „Aggressionspotential“ war in der Innenpolitik überreichlich vorhanden, schon wegen des Verteilungskonflikts im Gefolge der Finanzierung der Rüstungsprogramme und wegen der ordnungspolitischen Konflikte („dilution“, „control of profiteering“, „conscription of labour“ vs. „conscription of wealth“, Proteste der City und der Industrie gegen Chamberlains projektierte Verteidigungsabgabe [National Defence Contribution]). Im Wahlkampf 1935 konnten beide Seiten einander vorwerfen, wer Labour bzw. National Government wähle, wähle den „Krieg“. Diese Parolen sind nicht auf Randerscheinungen beschränkt (s. unten, Kap. IV). Trotz dieser Konfliktlinien kann man nicht von „Klassenkampfsituation“ bzw. „Klassenpolitik“ sprechen. Zum Baldwin/MacDonald-Age s. Blake, in: Raymond, The Baldwin Age, S. 47 ff.; Feiling, The Life of Neville Chamberlain, S. 269; A. W. Baldwin, My Father, S. 350; Young, Stanley Baldwin, S. 77/78; W. Churchill, Gathering Storm, S. 33 f., 42 f.; Jones, A Diary with Letters, S. 54, XXIII.Google Scholar
  54. 28.
    John H. Herz, Sinn und Sinnlosigkeit der Beschwichtigungspolitik, in: PVS, V (1964), S. 389; vgl. Herzfeld, Zur Problematik der Appeasement-Politik (Anm. E/15);Google Scholar
  55. 28a.
    s. auch die bei Martin Gilbert, The Roots of Appeasement, London 1967, S. 220 ff., zitierte Erklärung Sargents (1946), eines der Initiatoren der „working agreement“-Konzeption. Der Verf. verwendet den den Ost-West-Beziehungen, genauer: der sowjetischen Außenpolitik vorbehaltenen Begriff bewußt für die Konfrontation zwischen den westlichen Demokratien und den militant-expansiven Regimen der dreißiger Jahre. Zur Erkenntnis des Kontinuitätsproblems, d. h. Englands Politik gegenüber Napoleon I. und Napoleon III., dem deutschen Kaiserreich, dem Bolschewismus 1917/20, den dreißiger Jahren und der Ära des Kalten Krieges, ist er unentbehrlich. Trotz aller berechtigten Kritik am Totalitarismus-Konzept ist der Konflikt zwischen dem Selbstverständnis „demokratischer“ und „obrigkeitlicher“ Ideologien für Analysen der internationalen Politik konstitutiv; denn die Akteure in den internationalen Beziehungen hatten gleichzeitig oder aufeinanderfolgend mit den „ismen“ zu tun und mußten lernen, den jeweils unterschiedlichen Grad der Bedrohung ihrer Wertsysteme durch die verschiedenen militanten Regime zu erkennen. Es ist im übrigen eine Alltagserfahrung, daß bestimmte politische Gruppierungen Verständnis (Koexistenzbereitschaft) gegenüber „Unrechtsregimen“ aufbringen, gegen die ihre innenpolitischen Gegner diskriminierende Maßnahmen fordern und umgekehrt. In der Diskussion über den Totalitarismus- bzw. Faschismusbegriff folgt der Verf. Bracher, ohne freilich dessen Distanzierung von sozialgeschichtlichen Definitionen in der Sache dienlich zu finden. Die in letzter Zeit verstärkt beobachtbare Ausklammerung sozial-geschichtlicher Erkenntnisinteressen aus „politischer“ Geschichte hält, der Verf. für eine unangemessene Überreaktion.Google Scholar
  56. 29.
    Es läßt sich nicht verschweigen, daß Sätze wie dieser in den verschiedenen Stadien der Niederschrift (von der Berlin-Krise 1961 über die Tschechoslowakei-Krise 1968 bis heute) unter dem Wechsel der Eindrücke mit unterschiedlicher Überzeugungskraft vertreten wurden.Google Scholar
  57. 30.
    Lothian, zit. bei Butler, Lord Lothian, S. 229; vgl. Baldwin, 5.10.35, bei Barnes/Middlemas, Baldwin, S. 857; s. auch Gibbs, Grand Strategy, S. 647; Anm. IV/254, 255. Wendepunkt der Appeasement-Politik heißt nicht, daß die Kompromißbereitschaft abrupt endete, sondern nur, daß der Akzent in der „dual strategy“ nicht mehr auf Appeasement lag. Wie in anderen Fällen hält Taylor (Origins, S. 204) zur Erklärung des Sachverhalts eine einprägsame Formel bereit: „There was still a hope of conciliating Hitler under the determination to resist him, just as previously there had been an inclination to resist under the top layer of appeasement.“ Nach „Prag“ war die Atmosphäre, die Appeasement konsensfähig gemacht hatte, zerstört; s. Cowling, The Impact of Hitler, S. 294 f.; Doherty, Das Ende des Appeasement.Google Scholar
  58. 31.
    Vgl. Karl Dietrich Bracher, Über das Verhältnis von Innen- und Außenpolitik, in: Karl Dietrich Bracherders., Deutschland zwischen Demokratie und Diktatur, Bern/München/Wien 1964, S. 337–372; ders., Die Krise Europas 1917–1975, Frankfurt a. M. 1976;Google Scholar
  59. 31a.
    K. Hildebrand, Innenpolitische Antriebskräfte der nationalsozialistischen Außenpolitik, in: Hans-Ulrich Wehler (Hrsg.), Sozialgeschichte heute. Festschrift für Hans Rosenberg zum 70. Geburtstag, Göttingen 1974, S. 635–651; für weitere Literatur sei hingewiesen auf den Aufsatz des Verf., Wozu noch ‚politische Geschichte‘? (Anm. E/3) sowie auf Wehler, Kritik und kritische Anti-Kritik (Anm. E/3), S. 347–384. Die Funktion der Innenpolitik für die englische Außenpolitik, die budgetären Schwierigkeiten, die einer Forcierung der Aufrüstung entgegenstanden, die „no more war“-Stimmung und andere Aspekte sind natürlich wiederholt behandelt worden. D. C. Watt (British Domestic Politics, in: Relations Franco-Britanniques 1935–39, bes. S. 244, 249 f.) hat eine Verbindung von Innen- und Außenpolitik, wie sie sich für Frankreich zeigen läßt, d. h. die Erklärung der englischen Außenpolitik aus den innenpolitisch-parlamentarischen Gebundenheiten, bestritten. Ein zu eng gefaßter Begriff „innenpolitische Bedingungsfaktoren der Außenpolitik“ verschließt den Zugang zu wichtigen Fragestellungen.Google Scholar
  60. 32.
    Die Appeasement-Initiativen 1934/35–1936/37 werden in der vorliegenden Studie behandelt; zur Halifax-Mission s. Middlemas, Diplomacy of Illusion; Wendt, Economic Appeasement; Colvin, The Chamberlain Cabinet; s. vor allem Robbins, Munich 1938; zusammenfassend Rock, British Appeasement, S. 4; zur „colonial appeasement“-Initiative 1936/38 s. neben Middlemas, Colvin, Wendt, MacDonald auch Parker, in: Oswald Hauser (Hrsg.), Weltpolitik 1933–1939, Göttingen u. a. 1973.Google Scholar
  61. 33.
    Die Rüstungsfrage, in der Politikwissenschaft der letzten Jahre ein Forschungsschwerpunkt, weist zahlreiche Aspekte auf, die hier nicht alle erörtert werden können. Zur Struktur des Rüstungssektors in der englischen Wirtschaft vor 1939 s. Postan, British War Production; zur Auslastung rüstungsindustrieller Kapazitäten durch Staatsaufträge s. Higham, Armed Forces in Peacetime. Der militärische Anteil an der Produktion einzelner Wirtschaftszweige ist m. W. für die zwanziger und dreißiger Jahre nicht untersucht worden; von Rüstungsausgaben als Instrument der Wirtschaftssteuerung kann für die Zwischenkriegszeit im englischen Fall nicht die Rede sein (s. unten, Kap. IV). Der „military-industrial complex“ ließe sich zwar durch eine Analyse des Netzwerks des Committee of Imperial Defence, der Beziehungen Hankeys zu Rüstungsindustriellen oder am Beispiel von Imperial Chemical Industries (W. J. Reader, History of Imperial Chemical Industries, Bd. 1, London 1970) für Teilbereiche aufdecken, doch ist die rüstungswirtschaftliche Komponente zu schwach ausgeprägt, um den Begriff als analytisches Instrument sinnvoll anwenden zu können. In dieser Studie interessiert primär die Frage nach der „Autonomie“ der Regierung im Politikbereich „Rüstung“, d. h. ihrer Steuerungsfähigkeit gesellschafts- und wirtschaftsordnungspolitischer Prozesse. G. Krell, Zur Theorie der Rüstungsdynamik im Ost-West-Konflikt. Ein kritischer Überblick über die verschiedenen Ansätze, in: PVS, XVII (1976), bes. S. 446 ff. Zur englischen Rüstungspolitik und -industrie s. vor allem die Studien von Shay, Peden, Postan, Collier, Hancock/Gowing, Fearon, Scott, Reader, Trebilcock, Coghlan und Dunbabin.Google Scholar
  62. 34.
    Siehe Kap. IV, unten S. 451 ff. „Labour“meint in dieser Formel nicht nur die Arbeiterbewegung, d.h. in erster Linie die Gewerkschaften, sondern ist ein Syndrom, das den „Teufelskreis“ einer angespannten Mobilmachungssituation umfaßt: Ausgehend von der Tatsache, daß „labour“ in einer Aufrüstungs- oder erst recht in einer Kriegswirtschaft so gebraucht werde wie kein anderer Faktor, erwartet man, daß „labour“ seinen Preis fordere. Da auch die Industrie höhere Gewinne als „üblich“ bzw. vom Staat garantierte Profite verlange, gehe der Preis, den „labour“ fordere, in die Höhe. Am Ende sieht man — zum Beispiel Simon, Runciman, Hoare, Inskip, N. Chamberlain — eine Umgestaltung des sozialen Profils Englands. Die „Spirale“ist von den ausschlaggebenden Kabinettsministern und ihren Beratern mannigfach beschrieben worden; als Beispiel unter vielen sei verwiesen auf N. Chamberlain, 25.4. 1937, zit. in: Feiling, The Life of Neville Chamberlain, S. 292. Zum faktischen Zusammenhang zwischen Aufrüstung und Inflation — Anzeichen 1937, praktisch erst 1939 — s. H. W. Richardson, Economic Recovery in England, 1932–1939, London 1967, bes. S. 284 ff., 233. Die Annahmen auf Regierungsseite entsprechen in etwa der These, daß der Krieg soziale Reformen erzwinge; s. hierzu die in den fünfziger und sechziger Jahren geführte Diskussion im Überblick bei Ph. Abrams, The Failure of Social Reform: 1918–1920, in: Past & Present, Nr. 24 (1963), S. 43–64. Die Formel wurde von Hankey vor dem Hintergrund der Protestbewegungen 1919 und der Abrüstung/Entwaffnungsbestimmungen geprägt, die Deutschland im März 1919 auferlegt worden waren. Zur Genesis der Formel s. Howard, Continental Commitment, bes. S. 77 f.; Gibbs, Rearmament, S. 3 ff. Im Folgenden ist die Formel im doppelten Wortsinn — „labour“= Gewerkschaften und „labour“= Rüstung-Inflation → soziale Unruhen → Zwang zu Konzessionen → Belastung des Kräftehaushaltes — gemeint und zu verstehen.Google Scholar
  63. 35.
    Vgl. Ernst-Otto Czempiel, Der Primat der auswärtigen Politik, in: PVS, IV (1963), S. 266–287, bes. S. 285; vgl. auch Forndran, Innen- und Außenpolitik, S. 316 f., 357.Google Scholar
  64. 36.
    Vgl. Klaus Hildebrand, Hitlers Ort, in: HZ, 217 (1973), S. 604 ff.Google Scholar
  65. 37.
    Wendt, in: Forndran, Innen- und Außenpolitik, S. 22. Forndran versteht Wendt dahingehend, daß „die Erhaltung der Vorrechte des Besitzbürgertums“ das Ziel der Appeasement-Politik gewesen sei.Google Scholar
  66. 38.
    Vgl. Wendt, in: ebd., S. 18, 22; s. auch ders., Aspekte (Anm. E/4), S. 266 ff. Der Verf. dieser Studie bestreitet weder die Ideologisierung der Außenpolitik noch die mit der Dominanz der Rüstungsfrage als Scharnier von äußerer Sicherheitspolitik und „Systemerhaltung“ nach innen gegebene Bedeutung gesellschaftspolitischer Konfliktformationen. Die Subsumierung dieser Beobachtungen unter die Etikette „konservative Immunisierungs- und Status quo-Strategie“ (Aspekte, S. 264, 266 f.) muß aber im Zusammenhang mit dem Begriff „Klassenpolitik“ Assoziationen erwecken, die das englische politische System in die Nähe einer Sozialimperialismus-Strategie (Wehler) bringen. Es handelt sich im englischen Fall jedoch nicht um „Klassenpolitik“, sondern um „group politics“ im Sinne von S. Beer, Kavanagh u. a.: „… the mobilization of consent — is more than ever necessary for the collectivist politics of the late-industrial society… The emphasis is on the extent of compromise, negotiation and anticipation of demands by government, and on the government’s preparedness to move only where wide agreement has been reached with large producer and consumer groups.“ D. Kavanagh, An American Science of British Politics, in: Political Studies, XXII/3 (1974), S. 264.Google Scholar
  67. 39.
    Siehe Kap. III, unten S. 228 ff. Die „economic appeaser“ waren zu einem großen Teil Freihändler. Die Masse der konservativen Parlamentarier, also Chamberlains Anhängerschaft, unterstützte die wirtschaftspolitische Wendung von 1931/32. Einige der „economic appeaser“ wollten eine Phalanx der Liberalen (C. Hull, MacKenzie King) gegen die konservativ-schutzzöllnerischen Regierungen im Empire-Commonwealth ins Leben rufen (zum Beispiel vor der Imperial Conference 1937).Google Scholar
  68. 40.
    Siehe hierzu Kap. II, unten S. 186 ff.Google Scholar
  69. 41.
    N. Chamberlain und Eden zogen im Herbst 1935 in der Abessinien-Krise an einem Strang, im Frühsommer 1936 signalisierte Chamberlains Flucht an die Öffentlichkeit die Distanzierung von Edens Standpunkt. N. Chamberlain und R. MacDonald waren 1934/35 in den rüstungspolitischen Beratungen Zweckverbündete gegen Baldwin und Hankey; in der Japan-und Deutschland-Frage standen Simon und MacDonald gegen Chamberlain. Auch in den innenpolitischen Kernfragen wechselten die Zweckbündnisse. Im Detail führt Maurice Cowling (The Impact of Labour, Cambridge 1971; ders., The Impact of Hitler, Cambridge 1975) eine entsprechende Interpretation durch; s. aber die Besprechung von Gustav Schmidt, in: HZ, 215/2, 1972, S. 405–407.Google Scholar
  70. 42.
    Die Deutungen stützen sich auf die durchaus richtige Beobachtung, daß die Prioritäten, die die Regierung in der Außen- und Rüstungspolitik setzte, jene Überlegungen und Rücksichtnahmen widerspiegeln, die ihre Vorstellungen über die „Natur“ der britischen Gesellschaft und deren künftige Entwicklung leiten; vgl. Shay, British Rearmament in the Thirties, S. 3; Wendt, Aspekte (Anm. E/4), S. 11 f. Da die Bezugsgruppe („constituency“) der Konservativen Partei die Geschäftswelt gewesen sei, Industrie und City aber „control“mit Entschiedenheit ablehnten, habe die Regierung nicht die erforderlichen Rüstungsmaßnahmen einleiten können, also eine nachgiebige Außenpolitik angesichts der Diktatoren betreiben müssen (so Shay’s Argumentation). Die Prämisse, die Regierung hätte in der Aufrüstung mehr erreichen können, wenn sie ihre „Scheu“ vor Eingriffen in die Wirtschaft, vor „Strukturpolitik“, abgelegt hätte, ist angesichts der Wirtschaftsstruktur Englands (s. Postan, British War Production) wenig plausibel. Zur Debatte steht nicht, ob die gesellschaftspolitischen Vorstellungen von Regierung und „Geschäftswelt“ deckungsgleich waren — das bestreitet niemand —, sondern ob die Regierung, von ihrer „constituency“ hin und wieder (wie im Fall der NDC-Frage, s. Shay, S. 147 ff.) „zurückgepfiffen“, die ihres Wissens nach nötigen nationalen Verteidigungsmaßnahmen vernachlässigte bzw. „lieber“ den Appeasement-Kurs steuerte. Um diese Frage zu beantworten, muß man prüfen, in welcher Richtung auf die Regierung Druck ausgeübt worden ist; die Forderungen der „defence lobby“ betrafen u. a. höhere Gewinnmargen für die zu Rüstungszwecken herangezogenen Industrien, Nahrungsmittelbevorratung (d. h. Subvention der Agrarier) und andere Punkte, die auf „labour“ aufreizend wirken mußten.Google Scholar
  71. 43.
    Die These schließt nicht aus, daß Wahlkampfstrategie und Strategien bestimmter Interessenkoalitionen dahin tendierten, ein zwei-Lager-Schema zu konstruieren. Man kann Cowling kaum als Kronzeugen für derartige Thesen zitieren, wie es Wendt tut (MGM, 1977/1, S. 257). Cowlings „centrality“-These beruht darauf, daß die politischen Bündnisse sich über „soziale“ Klassengegensätze hinwegsetzten; die „centrality“-These bezieht sich auf das Bestreben jeder Regierung, ihre interne Machtbasis in den innergesellschaftlichen Auseinandersetzungen zu erhalten.Google Scholar
  72. 44.
    Das Zitat deutet einen wichtigen Aspekt an, um den Kontext der Appeasement-Politik vor und nach 1937 zu unterscheiden. Die Aufgabe, die Übergänge ebenso wie die Differenzen zwischen beiden Phasen zu bestimmen, steht der Forschung zur englischen Außenpolitik noch bevor. Die Frage des Handlungsspielraums ist seit Herbst 1937 (Kriegsausbruch im Fernen Osten; Verschiebungen in der Machtstruktur des Dritten Reiches; die sich andeutende Tschechoslowakei-Krise; Rezession in den USA; ökonomisch bedingte Engpässe in der Rüstungsproduktion usw.) anders einzuschätzen als in den Jahren von 1930 bis 1937.Google Scholar
  73. 45.
    Shay, British Rearmament in the Thirties, S. 197 f. Nach der Chronologie der deutschen England-Politik — s. Henke, Hitler und England, gestützt auf Hillgruber und Hildebrand — beschäftigt sich diese Studie mit der zweiten von drei Phasen, der des Übergangs von der Mitzur Gegen-England-Phase in der Weltmachtstrategie Hitlers.Google Scholar
  74. 46.
    Entsprechende Theoriebildungen hält der Verf. beim gegenwärtigen Forschungsstand über die englische Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik einerseits und der unzureichenden Gesamtdarstellungen englischer Außenpolitik (USA-, Japan-, Frankreich-, Rußlandpolitik) andererseits für unangemessen. Geringe „konstruktive“ Einflußchancen bestimmter „interests“ auf die englische Außenpolitik bei gleichzeitiger intensiver Berücksichtigung innenpolitischer Gebundenheiten in der Reparations- und Außenwirtschaftspolitik kennzeichnen die englische Außenpolitik; s. auch Anm. E/49.Google Scholar
  75. 47.
    Die Studie will die „ältere“, an den außenpolitischen Implikationen des nationalsozialistischen Herrschaftssystems orientierte Forschung mit den Fragestellungen neuerer Studien verbinden, die die innergesellschaftlichen — ökonomischen, militärstrategischen, gesellschaftspolitischen — Bestimmungsfaktoren der englischen Außenpolitik in den Blickpunkt rücken.Google Scholar
  76. 48.
    Cowlings Deutungsmuster kann stellvertretend für die hier gemeinte Hypothese stehen; Cowling, The Impact of Labour, S. 5, 7, 10: „[politicians] were trying not merely to say what electors wanted to hear but to make electors want them to say what they wanted to say in the first place… It was an attempt to secure acquiescence through words… the polarisation of rhetoric did not produce a polarisation of action… party must be seen as protecting the classes by persuading the masses to support the parliamentary conflict through which inequality was sustained… the central political achievement was… the continuous process by which politicians created personalities for themselves in order to claim the right to play a part in reducing political problems to a form suitable for governmental decision.“Google Scholar
  77. 49.
    Zur Wirtschaftspolitik und zu den Einflußchancen der Federation of British Industries s. Stephen Blank, Industry and Government in Britain, Farnborough/Hants 1973, S. 7, 23, 28, 30. Vom „age of collectivism“ profitierten eher die Verbände der einzelnen Wirtschaftszweige (Iron & Steel Federation) als der Dachverband;Google Scholar
  78. 49a.
    s. S. Beer, British Politics in the Collectivist Age, London 1965;Google Scholar
  79. 49b.
    S. E. Finer, The Political Power of Private Capital, in: Sociological Review, III (1955); IV (1956); ders., The Federation of British Industries, in: Political Studies, IV/1 (1956). — Einzelne Interessengruppen, wie die Agrarlobby nach 1932 und die Empire Industries Association — die als „vested interests“ bezeichneten Trägergruppen der innenpolitischen Wende von 1931/32 —, hatten eine erhebliche „Verhinderungsmacht“, besonders gegenüber „economic appeasement“-Projekten; ihre Programme konnten sie jedoch nur begrenzt durchsetzen. Der koalitionstheoretische Ansatz ist gewählt worden, um diese Diskrepanz in den Griff zu bekommen.Google Scholar
  80. 50.
    In der englischen Außenpolitik sind „Non-intervention“, „Isolation“ und andere Begriffe weitgehend austauschbar. Der gemeinsame Nenner ist eine möglichst enge Definition britischer Interessen auf dem Kontinent, d. h. ein pragmatisches Interesse am jeweiligen Status quo, weil dies England ersparte, Ressourcen für eine aktive Europapolitik abzuzweigen; s. Hildebrand, „British Interests“, sowie Teil I der Habil.-Schrift von Gustav Schmidt, Politische Tradition und wirtschaftliche Faktoren; s. ferner Hollenberg, Englisches Interesse am Kaiserreich, S. 85 (die Aussage gilt nicht nur für die Sozialreformer vor 1914, sondern auch für die politischen Gruppen der dreißiger Jahre).Google Scholar
  81. 51.
    Siehe unten, Kap. IV, Abschn. 2–4.Google Scholar
  82. 52.
    Vgl. Anm. E/35. Hollenbergs Aussage, daß man englische Minister, auch wenn sie bestimmte Wirtschaftsinteressen vertreten, nicht als Werkzeuge dieser Wirtschaftsinteressengruppen betrachten kann, trifft auch für die dreißiger Jahre zu (Hollenberg, Englisches Interesse am Kaiserreich, S. 45 f.). Das englische politische System „zwingt“ die Interessen, die Einfluß und Macht anstreben, aber auf sich allein gestellt nicht durchschlagskräftig genug sind, sich auf Koalitionsverhandlungen und Kompromißfindung einzulassen; dadurch verlieren die Ausgangsinteressen ihre Konturen. Der Prozeß des Gebens und Nehmens, der taktischen und strategischen Operationalisierung von „Interessen“, ist im englischen Fall im Kabinett zentriert als Filterstelle der Ressortsund „Cliquen“-Einflußnetze. Die politischen Instanzen sind nicht bloße Durchgangsstationen, sondern Umschlagplatz der von gesellschaftlichen Interessen artikulierten Präferenzen. Ein ganz anderer Aspekt ist der, daß nicht allein Regierungen Akteure in der internationalen Politik sind, sondern auch gesellschaftliche Gruppen „diplomatisch“ agieren und den Handlungsspielraum der Regierungen zu präformieren suchen; s. Kaiser, Morse und Link zum Begriff „transnationale Politik“. Für die Appeasement-Politik hatten diese inoffiziellen Kontaktebenen einige Bedeutung; vgl. Meyers, Sicherheit und Gleichgewicht, in: Rh. Vjbl, Bd. XXXVIII (1974), bes. S. 422 und die Literaturberichte des Verf., in: MGM (Anm. E/4).Google Scholar
  83. 53.
    Zum Begriff „politisches System“ s. auch Anm. IV/37. — Aus der umfangreichen Diskussion sind besonders hervorzuheben: Karl Rohe, Politik. Begriffe und Wirklichkeiten, Stuttgart 1976, S. 121 ff.;Google Scholar
  84. 53a.
    Jürgen Habermas/Niklas Luhmann, Theorie der Gesellschaft oder Sozialtechnologie — Was leistet die Systemforschung?, Frankfurt a. M. 1971;Google Scholar
  85. 53b.
    Wolf-Dieter Narr, David Eastons Systemanalyse. Ein Königs- oder Holzweg einer allgemeinen Theorie politischen Verhaltens, in: PVS, VIII (1967), S. 424–444;Google Scholar
  86. 53c.
    P. Nettl, The Concept of System in Political Science, in: Political Studies, XIV (1966), S. 305–338;Google Scholar
  87. 53d.
    Ch. B. Robson, Der Begriff des politischen Systems, in: Politologie und Soziologie (Festschrift für Otto Stammer), hrsg. von Jürgen Fijalkowski, Köln/Opladen 1965, S. 119–125;Google Scholar
  88. 53e.
    Karl Wolfgang Deutsch, Politische Kybernetik, Modelle und Perspektiven, Freiburg/Br. 1969;Google Scholar
  89. 53f.
    Wolf-Dieter Narr, Theoriebegriff und Systemtheorie, Stuttgart 19723, bes. S. 128 ff.;Google Scholar
  90. 53g.
    Frieder Naschold, Die systemtheoretische Analyse demokratischer politischer Systeme, in: PVS, Sonderheft II (1970), S. 3–39;Google Scholar
  91. 53h.
    Dieter Senghaas, Systembegriff und -analyse. Analytische Schwerpunkte und Anwendungsbereiche in der Politikwissenschaft, in: Zs. f. Pol., XV (1968);Google Scholar
  92. 53i.
    G. Almond, A Developmental Approach to Political System, in: World Politics, XVII (1964/65), S. 183–214;Google Scholar
  93. 53k.
    Gabriel A. Almond/G. Bingham Powell jr., Comparative Politics. A Developmental Approach, Boston/Toronto 1966.Google Scholar
  94. 54.
    Die Frage, was nach Ablauf der Aufrüstungsprogramme mit den Kapazitäten und mit der durch die Anleihefinanzierung („defense loans“) aufgeblähten Schuldenlast geschehen solle, beschäftigte die Wirtschaftsberater der Regierung ebenso wie die Spitzenkräfte des Schatzamts. In Kreisen der Industrie und der Gewerkschaften wirkten die (negativen) Erfahrungen und Enttäuschungen über die improvisierte Kriegswirtschaft 1914/18 und die einseitige Abrüstung nach 1919 — mitdem Bruch zahlreicher „Versprechen“ seitens der Regierung (Lloyd George) gegenüber „labour“— nach. Die im Ersten Weltkrieg gemachten finanz- und gesellschaftspolitischen Erfahrungen konnten weder Baldwin, Chamberlain, Weir und Runciman noch die Gewerkschaftsführer „abschütteln“.Google Scholar
  95. 55.
    Siehe hierzu Kap. III, unten S. 297 ff.; zur innenpolitischen Dimension der englischen Friedensstrategie im Zeichen erhöhter äußerer Herausforderungen s. Kap. IV, unten S. 550.Google Scholar
  96. 56.
    Die Definition „Krisen“ folgt E. L. Morse, Crisis Diplomacy, Interdependence and the Politics of International Economic Relations, in: World Politics, XXIV (1972), S. 127 f.;Google Scholar
  97. 56a.
    s. ferner Martin Jänicke (Hrsg.), Politische Systemkrisen, Köln 1973, darin: Flanagan, S. 102, 105, 107 ff. Verwiesen sei auf die Auseinandersetzung von L. Herbst mit dem Krisenbegriff Tim Masons;Google Scholar
  98. 56b.
    s. Ludolf Herbst, Die Krise des national-sozialistischen Regimes am Vorabend des Zweiten Weltkrieges und die forcierte Aufrüstung, in: VZG, XXVI/3 (1978), bes. S. 385: „Krisen werden historisch überhaupt nur als Abweichungen von gesellschaftlich vermittelten Normen faßbar. Es ist deshalb… nach diskursiven Normen zu fragen, deren Geltung gesellschaftliche Kommunikation und damit Gemeinschaftsbewußtsein überhaupt erst eröffnet. In Krisenzeiten verlieren sie ihre diskursive Geltung.“Google Scholar
  99. 57.
    Das zeigte sich u. a. bei den Vorgesprächen und Verhandlungen über den Young-Plan; s. unten, Kap. I, Abschn. 1 u. 3.Google Scholar
  100. 58.
    „Processes, values, outcomes — these are the parts from which wholes are built. When they are included in a comprehensive cognitive map, we call them systems.“ E. B. Haas, On Systems and International Regimes, in: World Politics, XXVII (1975), S. 164. Als Symptom gilt der sogenannte Baldwin-MacDonaldism, s. Blake, in: Raymond, The Baldwin Age, S. 47 ff.; Percy, Some Memories, 1958, S. 88 ff., 124 ff. (Percy gehörte 1935/36 vorübergehend dem Kabinett als „Minister for Thought and Action“ an).Google Scholar
  101. 59.
    Siehe unten, Kap. IV, Einleitung und Abschn. 1 u. 6.Google Scholar
  102. 60.
    Volker R. Berghahn, Rüstung und Machtpolitik, Düsseldorf 1973, S. 69.Google Scholar
  103. 61.
    An anderer Stelle — Wozu noch ‚politische Geschichte‘? (Anm. E/3), S. 34 — hat der Verf. diese Grundentscheidungen in der These zusammengefaßt, daß die Fragen der inneren und äußeren Sicherheit zu einer das Handlungsbewußtsein prägenden Norm verschmelzen mußten; diese Thematik wird in Kap. IV, Abschnitt 2–4, aufgegriffen.Google Scholar
  104. 62.
    Die Frage, ob „1933“ einen Einschnitt in der deutschen Geschichte bildet, ist im Anschluß an Jacobsen, Nationalsozialistische Außenpolitik, heftig diskutiert worden. Unstrittig dürfte sein, daß sich die Bedingungen der internationalen Politik in den dreißiger Jahren von denen in den zwanziger Jahren erheblich unterscheiden; diese Feststellung gilt unabhängig davon, welchen Anteil man der Kontinuität und der Rolle der deutschen Politik am „Bruch“ in der internationalen Politik beimißt. Churchills Kritik (der die Forschung lange gefolgt ist) beruht darauf, daß er Baldwin/MacDonald zwar an sich begrüßenswerte Einstellungen und Führungseigenschaften bescheinigt, aber meint, sie hätten ihren Einfluß und ihre Machtposition in eine Zeit hinüberzuretten versucht, in der England von einem anderen „Geist“, d. h. von anderen „Helden“ hätte regiert werden müssen, um der Herausforderung des Hitler-Regimes Paroli bieten zu können oder sogar den Zweiten Weltkrieg zu verhindern.Google Scholar
  105. 63.
    „Herrschaftssynthese“ als analytisches Konzept geht zurück auf Stanley Hoffmann, In Search of France, Cambridge/Mass. 19652; s. ders., Contemporary Theory in International Relations, Englewood Cliffs 19602, S. 181 ff. Vgl. Gilbert Ziebura/Franz Ansprenger/Gerhard Kiersch (Hrsg.), Bestimmungsfaktoren der Außenpolitik in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Berlin 1974, S. 39 f.: „eine relativ dauerhafte Koalition verschiedener Gruppierungen mit unterschiedlichem Einfluß auf die politische Entwicklung, die in der Lage ist, ihr Interaktionsmuster ohne Veränderung der ihr zugrundeliegenden Struktur einer sich verändernden Umwelt anzupassen. Sie leistet dies insbesondere über die Entwicklung von Denkmustern (= Problem der gemeinsamen Situationsdefinition), die als herrschende Ideologie auch Herrschaftsunterworfene zu beeinflussen in der Lage sind und damit der Stabilität des Systems dienen“. Die Ergänzung bildet der koalitionstheoretische Ansatz, s. Anm. E/9.Google Scholar
  106. 64.
    Weder die „Opposition von rechts“ (Churchill-Gruppe, „Diehards“, Amery-Gruppe) noch die „Opposition von links“ (Labour Party, Samuel- und Lloyd George-Liberale, außerparlamentarische Linksgruppen) trat geschlossen auf. Hier sind die Programmpunkte ausgewählt, die der Regierungskoalition zu schaffen machten, weil Flügelgruppen mit dem einen oder anderen Standpunkt der Opposition sympathisierten.Google Scholar
  107. 65.
    J. Headlam-Morley, Studies in Diplomatie History, London 1930; die Passage ist zitiert in: MGM, 1973/2, S. 202.Google Scholar
  108. 66.
    P. M. Kennedy, Theory and Practice in the Study of International History (ungedrucktes Ms., das P. M. Kennedy dem Verf. dankenswerterweise überließ).Google Scholar
  109. 67.
    Die Appeaser (Hoare, 1934; s. unten, Kap. IV) erwogen, den Faktor „Friedenswille des deutschen Volkes“ gegen das Hitler-Regime auszuspielen und zwar dadurch, daß die englische Regierung die Bereitschaft demonstrierte, „legitimate grievances“ auszuräumen. Die Anwendung des Konzepts durch Chamberlain - 1938, s. Rock, British Appeasement, S. 97 — scheiterte an der NS-Propaganda gegen die verächtlich gemachte „Regenschirmdiplomatie“ Chamberlains; Baldwin hatte Appelle, seinen „personal appeal“ auch auf das deutsche Volk zu testen und ein Treffen mit Hitler zu arrangieren, abschlägig beschieden (auf Intervention Edens und des Foreign Office). Die Alibifunktion der Argumentation darf nicht übersehen werden.Google Scholar
  110. 68.
    Den Aufgabenkatalog formuliert Wendt ähnlich, in: Forndran, Innen- und Außenpolitik, S. 11.Google Scholar
  111. 69.
    St. D. Krasner, State Power and the Structure of International Trade, in: World Politics, XXVIII/3 (April 1976), S. 318, 341 f.Google Scholar
  112. 70.
    Im Vordergrund der Untersuchung steht die Herausarbeitung allgemeiner Merkmale der englischen Außenpolitik der dreißiger Jahre; von der Schilderung der Ereignisabläufe kann im Hinblick auf einschlägige Monographien Abstand genommen werden. Für die Rheinzonen-Krise sei verwiesen auf James Th. Emmerson, The Rbineland Crisis, London 1977; Reinhard Meyers, Das Ende des Systems von Locarno, in: Colloques internationaux de C. N. R. S., Nr. 563; Max Braubach, Der Einmarsch deutscher Truppen in die entmilitarisierte Zone am Rhein im März 1936;Google Scholar
  113. 70a.
    Esmonde M. Robertson, Zur Widerbesetzung des Rheinlandes 1936, in: VZG, X (1962), S. 178–205;Google Scholar
  114. 70b.
    George Sakwa, The Franco-Polish Alliance and the Remilitarization of the Rhineland, in: Historical Journal, XVI/1 (1973), S. 125–146;Google Scholar
  115. 70c.
    Donald C. Watt, German Plans, in: Journal of Contemporary History, Bd. 1 (1966), S. 193 ff.; P. M. Kennedy, Idealists and Realists (Anm. E/4);Google Scholar
  116. 70d.
    R. A. Parker, The First Capitulation, in: World Politics, Bd. 8 (1955/56), S. 355–373.Google Scholar
  117. 70e.
    Zur Begründung des methodischen Ansatzes sei verwiesen auf Klaus Faupels Begriff „einsinnige Zweierbeziehungen“: Klaus Faupel, Internationale Politik und Außenpolitik, in: Ernst-Otto Czempiel, Die anachronistische Souveränität, 1969, S. 28 ff.Google Scholar
  118. 71.
    Donald C. Watt, The Nature of the Foreign-Policy-Making Elite in Britain, in: ders., Personalities and Policies, Kap. 1 sowie Kap. 2; Michael G. Fry, Illusions of Security. North Atlantic Diplomacy, 1918–1922, Toronto 1972, Kap. 1: „The Atlanticists“; Cowling, The Impact of Hitler, Teil III;Google Scholar
  119. 71a.
    Karl Kaiser/Roger Morgan (Hrsg.), Britain and West Germany, Changing Societies and the Future of Foreign Policy, Oxford 1971;Google Scholar
  120. 71b.
    Christopher Thorne, The Limits of Foreign Policy, London 1973, S. 78 ff.;Google Scholar
  121. 71c.
    W. Wallace, The Foreign Policy Process in Britain, 1977;Google Scholar
  122. 71d.
    David Vital, The Making of British Foreign Policy, London 1968;Google Scholar
  123. 71e.
    Kenneth N. Waltz, Foreign Policy and Democratic Politics: The American and British Experiencce, Boston 1967;Google Scholar
  124. 71f.
    Lord Gladwyn, The Memoirs, London 1972.Google Scholar
  125. 72.
    Vgl. K. C. Wheare, Government by Committee, London 1958;Google Scholar
  126. 72a.
    Franklyn A. Johnson, Defence by Committee. The British Committee of Imperial Defence 1885–1959, London 1960.Google Scholar
  127. 73.
    Das hängt damit zusammen, daß die „terms of reference“ elten präzise waren; daß die Spitzenkräfte der Ressorts meinten, sie könnten — über die Ausschüsse — Politik machen, falls sie untereinander „handelseinig“ wurden; daß die Minister oft in einer Situation über die Reports zu befinden hatten, die sich gegenüber einigen Ausgangspunkten der Committee-Arbeit verschoben hatte; daß sich das Kabinett in der Regel erst aus akutem Anlaß mit den Vorlagen beschäftigte und dann von anderen Informationen und Rücksichtnahmen abhängig wurde u.a.m.Google Scholar
  128. 74.
    G. Allison, Essence of Decision: Explaining the Cuban Missile Crisis, 1971, S. 145. Auf Allisons Modell der „bureaucratic politics“ wird in Kap. IV, Abschn. 5 Bezug genommen.Google Scholar
  129. 75.
    Siehe unten, Kap. III. Zum Beispiel stützt Wendt (in: Forndran, Innen- und Außenpolitik) seine Interpretation auf Aussagen, die Außenminister Eden von den „economic appeasers“ im Foreign Office, Ashton-Gwatkin und Jebb, übernahm. Edens Eintreten für die Vorschläge der „economic appeaser“ verhalf deren Argumenten nicht zum Durchbruch in den Ausschuß-und Kabinettssitzungen; vielmehr nahmen die den englischen Diplomaten erteilten „Richtlinien“ Rücksicht auf die Einwände des Schatzamts, des Board of Trade. Ashton-Gwatkin und Jebb beklagten, daß ihre Vorschläge verwässert und nutzlos geworden seien.Google Scholar
  130. 76.
    Das Erklärungsmodell Appeasement-Politik/Politische Systemerhaltung schließt nicht aus, daß die einzelnen Autoren (Medlicott, Beloff, Wendt, Niedhart, Shay) bestimmte — oft: jeweils andere — Aktionen der englischen Außenpolitik kritisch deuten.Google Scholar
  131. 77.
    Diese Ergebnisse hat Wendt zusammengefaßt: s. Aspekte (Anm. E/4) sowie in: Forndran, Innen- und Außenpolitik; s. ferner Niedhart, Britische Deutschlandpolitik (Anm. E/6) und R. Meyers zur Frage der „overcommitments“; zum Thema „dual strategy“ s. Lundgreen, Die englische Appeasement-Politik; Niedhart, Großbritannien und die Sowjetunion, Kap. II; Gibbs, Grand Strategy, S. 294 ff., 303 ff.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1981

Authors and Affiliations

  • Gustav Schmidt

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