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Das Modell Planungszelle

  • Peter C. Dienel

Zusammenfassung

Das Modell „Planungszelle“ stellt ein einfaches, vermehrfachbares Grundelement dar, wie es gegeben sein muß, wenn ein die vorhandenen Entscheidungsverfahren funktional ergänzendes Laienplanungssystem entwickelt werden soll. Das Modell (siehe Kasten) verspricht beides zu erbringen, nämlich
  • die Verbesserung von Entscheidungsleistungen und

  • die Eröffnung neuer Beteiligungsmöglichkeiten.

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Anmerkungen zu Kapitel III

  1. 1.
    So wird z.B. die ‘Informiertheit’ der Teilnehmer mit je anderen Aspekten unter dem Gesichtspunkt der befristeten Teilnahme, dem der Zufallsauswahl sowie dem der Laienteilnahme zu behandeln sein.Google Scholar
  2. 2.
    So z.B. auch Niklas Luhmann, Politische Planung, 1971, S. 11, Anm. 9. Bei Nagels Modellen zur Aktivierung bürgerschaftlicher Willensbildung („Kleiner Salon“, „Zeitungs-jour-fixe“) tragen die Teilnehmer Lesefrüchte bei u. schaffen (vereinbarte) Taschenbücher an. Albrecht Nagel, Das ständige Gespräch unter den Bürgern, in: Partizipation. Aspekte politischer Kultur, Opladen 1970, S. 178 ff.Google Scholar
  3. 3.
    Das an anderer Stelle skizzierte Modell „Planwahl“versucht z.B. die Möglichkeiten des Plebiszits zu erweitern. Vgl. Dienel (1971 c); auch die „Computerdemokratie“Helmut Krauch’s verwendet plebiszitäre Elemente. Vgl. Krauch (1972).Google Scholar
  4. 4.
    Bei der Ortsbegehung im Rahmen eines der Probeläufe des neuen Beteiligungsverfahrens ‘Planungszelle’ kam es zu einer spontanen, informellen Gesprächssituation vor dem Hause eines Sanierungs-Betroffenen (Selbständiger; metallverarbeitender Kleinbetrieb). In dieser Straßendiskussion, in die der Eigentümer, Anlieger, Passanten und Teilnehmer der Planungszelle eingriffen, bezogen denn auch letztere — auf Angriffe hin — in diesem Fall auffallend eindeutig die Position des Sanierungsplanes.Google Scholar
  5. 5.
    Die Konstruktion einer Planpflicht ist im Zusammenhang mit den Überlegungen zur Planungszelle im Herbst des Jahres 1970 entwickelt worden. Erwähnungen und Kurzdarstellungen einer Planpflicht sind damals in eine Reihe von Vorträgen eingegangen. Vgl. z.B. Dienel (1971b), S. 85.Google Scholar
  6. 5a Ihre Erörterung erfolgt im Kapitel „Varianten zum Modell“, weil die PZ auch ohne sie einsatzfähig ist.Google Scholar
  7. 6.
    Auf eine Darstellung der Motivationskategorien muß hier verzichtet werden. Zu einer entsprechenden Aufreihung von Motivationen vgl. Dienel 1971 c, S. 153.Google Scholar
  8. 7.
    So in der ersten Hälfte des 4. Jahrh. v. Chr. jeder Beschluß über eine Einbürgerung, vgl. Tarkiainen 1972, S. 211.Google Scholar
  9. 8.
    Und zwar für die Mitarbeit in der Standortversammlung wie auch in den Planungs-, Problem-und Aufgabengruppen. Vgl. Curdes/Böttcher/Merk, Standortprogrammplanung. Handbuch für die Erarbeitung von Standortprogrammen. Institut für Städtebau und Landesplanung der TH Aachen 1972, Band I, S. 27 f.Google Scholar
  10. 9.
    Vgl. z.B. den Aufwand für das Ordenswesen. Einige Millionen Ehrenzeichen pro Kriegsjahr wollen verteilt sein. Das Vorschlagen, Prüfen, Zuteilen, Beurkunden und das Verleihen, sowie die Anfertigung der Orden erfordert eigene Zuständigkeiten bei den Truppenteilen und übergeordnete Institutionen und stellt ein gutes Stück Arbeit dar.Google Scholar
  11. 10.
    In der Kunst oder in der Werbung werden derartige Techniken heute schon vorweggenommen. Vergl. etwa den Bericht über Werner Neekes Film “T-WOMEN“in der ZEIT vom 23.3.1973 (Wolfgang Donner, Eine Fuge über das Sehen).Google Scholar
  12. 11.
    Demokrit (470–360 vor Chr.), genialer Naturforscher und Mitbegründer der Atomistik war z.B. der Meinung, daß es „nach der jetzt bestehenden Verfassung keine Möglichkeit gibt zu verhindern, daß diese Verfassung den Beamten, selbst wenn sie ausgezeichnet sind, unrecht tut.“Vgl. Wilhelm Capelle, Die Vorsokratiker. Stuttgart 1956, S. 453.Google Scholar
  13. 12.
    Auch hier brauchen wir nicht gleich auf Verfahren des antiken Athens zurückzugreifen, dessen Zeit-Beamte in vielköpfigen Behörden einzeln und kollektiv mit Person und Vermögen haftbar waren. Vor Abschluß des Pflicht-Ermitdungsverfahrens am Jahresende durfte keiner der etwa 700 Beamten außer Landes gehen, sich adoptieren lassen oder frei über sein Vermögen verfügen. Vgl. Tuttu Tarkiainen, Die athenische Demokratie, München 1972, S. 269 ff.Google Scholar
  14. 13.
    Zu Robert Owen vrgl. Thilo Ramm (Hrsg.), Der Frühsozialismus, Stuttgart 1956, S. 181–305, sowie W.W. Engelhardt, Robert Owen als früher freiheitlicher Sozialist, in: Flohr/Lompe/Neu-mann, Freiheitlicher Sozialismus, Bonn-Bad Godesberg 1973, S. 3–20. Kurzbeschreibungen seiner und ähnlicher anderer Gruppen in: L. und O.M. Ungers, Kommunen in der Neuen Welt 1740–1972, Köln 1972.Google Scholar
  15. 14.
    Seit den aufsehenerregenden Untersuchungsergebnissen Michels’ sind die von ihm zitierten Sachverhalte vielfältig neu beschrieben worden. So spricht Vilmar (1973, Bd. I, S. 155) von „die Demokratie zerstörenden Entfremdungstendenzen aller… Repräsentanten gegenüber denen, die sie durch Wahlakte bevollmächtigt haben.“Google Scholar
  16. 15.
    So der damalige Abgeordnete Dr. Dr. Gustav Heinemann am 12. Dez. 1964 in Loccum. Vgl. Loccumer Protokoll der Tagung „Parteiendemokratie“, S. 51.Google Scholar
  17. 16.
    So Bundespräsident Walter Scheel anläßlich der Verleihung des Theodor-Heuss-Preises am 11.2.77 in München.Google Scholar
  18. 17.
    Bei Probeläufen wurden ausländische Staatsangehörige, die noch nicht vier Jahre lang in der BRD gemeldet waren, von der Einladung ausgenommen. Die Ansprüche an die Ansässigkeitsdauer (Indikator für Sprachbeherrschung) waren zunächst nach Erfahrung grob gegriffen.Google Scholar
  19. 18.
    So bereits: Der aktive Bürger — Utopie oder Wirklichkeit? Ein Cappenberger Gespräch. Köln u. Berlin, Mai 1971, S. 31. Inzwischen steht fest, daß das Geburtsdatum in das Personenkennzeichen eingeht, das als automationsgerechtes Sortiermerkmal für Einwohnerdaten in allen Verwaltungen in Gebrauch sein wird.Google Scholar
  20. 19.
    Als aufschlußreich hierfür werden immer wieder die Arbeiten Basil Bernsteins zitiert. Einführend Bernstein (1959).Google Scholar
  21. 20.
    Brunner (1966, S. 237) stellt die Frage, wie weit in den Verbänden des schweizer Bundesheeres mehrere Altersstufen vermischt werden sollen. Ergebnis: „Die beruhigende Wirkung älterer auf die jüngeren und der anspornende Einfluß der jüngeren auf die älteren Jahrgänge ist eine durch die Kriegsgeschichte vielfach bewiesene Tatsache“Google Scholar
  22. 21.
    Erfahrungen während der Probeläufe mit ‘Außenseiterrollen in der Planungszelle’ werden zur Zeit in einer eigenen Untersuchung ausgewertet.Google Scholar
  23. 22.
    So Prof. Nevil Johnson, Oxford, auf der Tagung der Deutschen Sektion des Internationalen Instituts für Verwaltungswissenschaften, Regensburg, Oktober 1973.Google Scholar
  24. 23.
    Zwei der hier aufgeführten,Poster‘sind als Beispiele abgebildet in: Dienel 1977 b, S. 45.Google Scholar
  25. 24.
    Die Darstellung des Arbeitsablaufs der Planungszelle wird später noch eingehender zeigen, daß es eine Fülle von Variationsmöglichkeiten einzelner Strukturelemente gibt, die zur Anpassung des Modells an bestimmte Aufgabenstellungen durchgespielt werden können. Das reicht von der Form der Informationsdarbietung oder der Weise der Vergütung über die Pausengestaltung bis hin zu der Frage, ob dem Teilnehmer ein Techniker-Kittel gestellt wird oder nicht. Derartige Variationsmöglichkeiten brauchen nicht als Merkmale im hier gemeinten Sinne begriffen zu werden. Sie stellen aber Konkretisierungsnotwendigkeiten bei der Realisierung des Modells dar.Google Scholar
  26. 25.
    Die Verwendung der Planungszelle als Bauelement für höherrangige Abstimmungsverfahren könnte z.B. ein solcher Grund sein.Google Scholar
  27. 26.
    Im Verlauf der Modellentwicklung ist mit Konstrukten solcher Länge theoretisch gearbeitet worden.Google Scholar
  28. 27.
    Im folgenden wird davon ausgegangen, daß die öffendiche Hand eine Planungszelle veranstalten will und daß als Veranstalter ein sogenanntes „Partizipationsamt“zur Verfügung steht.Google Scholar
  29. 28.
    Die Schnelligkeit, mit der sich Gruppen aus einander zunächst unbekannten Personen bilden, fällt auch bei den sogenannten T-Gruppen auf. Vgl. Hofstätter 1972, S. 219.Google Scholar
  30. 29.
    Es hat sich für den Arbeitsablauf als eine Vereinfachung herausgestellt, wenn die Laiengutachter bei den schriftlich abgegebenen Bewertungen nicht namendich, sondern mit einer ‘Arbeitsnummer’ zeichnen. Bei den Probeläufen sind diese Nummern zur Wahrung der Anonymität der Beteiligten ausgelost worden.Google Scholar
  31. 30.
    Solche Ausweise können mit attraktiven Nebenfunktionen ausgestattet sein, z.B. mit Berechtigung zur Freifahrt auf den städtischen Verkehrsmitteln.Google Scholar
  32. 31.
    Interessante Indikatoren zur Beurteilung der jungen afrikanischen Nationen lieferte z.B. der Medaillenspiegel der pan afrikanischen Spiele in Lagos.Google Scholar
  33. 32.
    Presse- und Informationsamt der Bundesregierung (Hrsg.), Gesellschaftliche Daten 1973, Bonn Okt. 1973. — Die in den USA üblich gewordenen Sozialbilanzen (als Beispiel: Polaroid Corporation) werden zunehmend auch von deutschen Unternehmen aufgestellt.Google Scholar
  34. 33.
    Sie artikuliert sich in einer Vielzahl von Veröffendichungen. „Wie erfährt man, was alle Bürger als nützlich empfinden?… ist zu überlegen, ob man Sozialindikatoren entwickeln kann, die verschiedene Werturteile, also verschiedene Nutzenbeurteilungen umfassen.“Gerhard Brück, Sozialindikatoren als Instrumente zur Messung der Lebensqualität, in: Theorie und Praxis der Sozialarbeit, Heft 2/1974, S. 42 ff.Google Scholar
  35. 34.
    Harvey Brooks beispielsweise geht davon aus, daß bei technischen Fragen informierte Meinungen des Bürgers nicht zustande kommen und spricht von „unrealistischen Hoffnungen“und davon, daß es „unmöglich ist, die Öffentlichkeit entsprechend zu erziehen“. (Technology assessment as a process, in: Internat. Social Science Journal, 3/1973, S. 255).Google Scholar
  36. 35.
    „Wo allerdings die Möglichkeiten liegen, die Bevölkerung und die gesellschaftlichen Gruppen zu beteiligen, ist mir noch unklar“. So Helmut Schmidt in: Bergedorfer Protokolle, Nr. 45, 1973, S. 40.Google Scholar
  37. 36.
    Im Februar 1971 fand in Stuttgart ein anderthalbtägiges ‘Planspiel Städtebauförderungsgesetz’ statt, das dem entsprechenden Bundestagsausschuß die Positionen des Deutschen Städtetages verdeudichen sollte. Den mündlichen mit verteilten Rollen vorgetragenen Darlegungen lag ein präzis formuliertes ‘Drehbuch’ von 127 Seiten Länge zugrunde.Google Scholar
  38. 37.
    Der Einwand, obrigkeitliche Vorgänge sollten der Einblicknahme entzogen bleiben, galt bis ins frühe 19. Jahrh. sogar bei Gerichtsurteilen. Erst mit der Reichszivilprozeßordnung von 1879 wird das Fehlen von Entscheidungsgründen zum Anlaß der Revision.Google Scholar
  39. 38.
    Stadt Köln, Niederschrift über die Sitzung des Rates am 15.3.1977, S. 10 (Ds-Nr. 01–125/77).Google Scholar
  40. 39.
    Im Prinzip wäre es auch möglich, das Verfahren an die Rechtsprechung anzulehnen oder es im Bereich der relativ autonomen Kontrollgewalten einzusetzen, die (wie Bundesbank, Rechnungshöfe oder Sachverständigenrat) außerhalb des klassischen Gewaltenteilungssystems entstanden sind. Die Überlegungen zur Verortung werden hier beispielhaft auf die beiden oben genannten Bereiche begrenzt.Google Scholar
  41. 40.
    Im August 1967 ließ sich der Gouverneur dieses Staates in zunächst sieben verschiedenen örtlichen sozialen Brennpunkten durch persönlich Bevollmächtigte vertreten. Später waren dann 21 Ansprech-Läden (Governer’s Branch Offices) — mit der Kanzlei des Gourverneurs direkt verbunden — in dieser Funktion tätig. Vgl. Vosburg/Hyman (1973).Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1997

Authors and Affiliations

  • Peter C. Dienel

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