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Lyrik in der DDR und die Moderne

  • Ekkehard Mann

Zusammenfassung

Von DDR-Literatur und -Lyrik läßt sich von dem Zeitpunkt an sprechen, als die sowjetische Zonengrenze auch poetische Normierungs- und Bekenntnisgrenze wurde. 1945 schienen zur kulturellen und geistigen Erneuerung die humanistischen Werte der deutschen Klassik geeignet, um sowohl völkisch-mystische Schicksals- als auch eine korrumpierte ‘reine’ Dichtung zu überwinden. Der Theoretiker Lukács hatte in den dreißiger Jahren in der Sowjetunion einen Literaturbegriff entwickelt, der die als vorbildhaft geltende Klassik mit der shdanovschen volkstümelnden Realismusdoktrin — Realismus als Widerspiegelung der ‘Realität’ — zum sog. sozialistischen Realismus verband, den die SED ab 1948 mit zunehmendem Druck als Kunstprinzip durchsetzte. Der sozialistische Realismus übernahm unreflektiert das bildungsbürgerliche Formenreservoir und substituierte ihm die kommunistische Botschaft. Zu ihrem eifrigsten Befürworter wurde Johannes R. Becher (1891–1958). Die literarische Moderne der Vorkriegszeit war nach den Verfolgungen im NS-Staat vertrieben und vergessen, Bemühungen um Rückgliederung und Würdigung fanden anfangs Tolerierung,1 beschränkten sich aber zunehmend auf die antifaschistischen Exilautoren. Die zielgerichtete sowjetische und SED-Kulturpolitik gipfelte in der Formalismuskampagne 1950/52, die eine — bis auf wenige Ausnahmen — verödete und monolithische Literaturszene hinterließ.2 Moderne war nun Synonym für Unkultur, Kosmopolitismus und Imperialismus, der nationalsozialistische Vorwurf der Entartung ihr gegenüber als antihumane Dekadenz perpetuiert, der Reflexions gewinn moderner Literatur erneut suspendiert.

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Literatur

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1994

Authors and Affiliations

  • Ekkehard Mann

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