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Parlamentsvergleich auf subnationaler Ebene. Zur Theorie und Methode am Beispiel der Untersuchungsverfahren in den deutschen Landesparlamenten

  • Jürgen Plöhn
Part of the Zeitschrift für Parlamentsfragen book series (ZPARLS)

Zusammenfassung

Im gesamten Bereich empirisch orientierter Wissenschaft1 erfolgt die Gewinnung allgemeiner Erkenntnisse „nicht anders als durch Vergleich beziehungsweise durch die Überprüfung der Bewährung von Hypothesen an verschiedenen Objekten und unter verschiedenen Randbedingungen“2. Diese Feststellung umfaßt über die komparative Analyse sozio-politischer Strukturen und Prozesse hinaus sowohl das Experiment als den Spezialfall eines Vergleichs unter exakt kontrollierten Laborbedingungen als auch die Messung, d.h. den Vergleich mit einem festen Maßstab. Dabei liegt die Besonderheit des sozialwissenschaftlichen Vergleichs in seiner argumentativ geprägten Analyse vorhandener Fakten, wohingegen das Experiment die auszuwertenden Befunde selbst hervorbringen soll.

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Literatur

  1. 1.
    Überarbeiteter und annotierter Vortrag vor der Sektion „Vergleichende Politikwissenschaft“ der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft auf ihrer Tagung in Dresden am 30.4./ 1.5.1993. Den Teilnehmern sowie Winfried Steffani danke ich für ihre kritisch-konstruktiven Kommentare.Google Scholar
  2. 2.
    Jürgen Hartmann, Vergleichende Politische Systemforschung und komparative Methode, in: ders. (Hrsg.), Vergleichende Politische Systemforschung, Köln/Wien 1980, S. 51.Google Scholar
  3. 3.
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  4. 4.
    Zu den umfangreicheren Studien aus der Politologie zählen Eckhard Kowalewski, Die Parlamente der Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg (1966–1971), Frankfurt a.M. u.a. 1984; Manfred G. Schmidt, CDU und SPD an der Regierung. Ein Vergleich ihrer Politik in den Ländern, Frankfurt a.M./New York 1980.Google Scholar
  5. 5.
    Zum Gegenstandsbereich der „Vergleichenden Politikwissenschaft“ und zum Anwendungsfeld des Vergleiches in der Politikwissenschaft Dirk Berg-Schlosser/Ferdinand Müller-Rommel (Anm. 3), S. 12f.; Klaus von Beyme, Der Vergleich in der Politikwissenschaft, München 1988, S. 50.Google Scholar
  6. 6.
    Dirk Berg-Schlosser und Ferdinand Müller-Rommel (Anm. 3, S. 23) betonen, daß „in der konkreten Verknüpfung unterschiedlicher Analyseebenen…, der Verbindung qualitativer und quantitativer Ansätze, der Beziehungen zwischen komparativen und historischen Aspekten (z.B. auch der Verknüpfung von Querschnitts-und Längsschnittstudien), der sinnvollen Eingrenzung des jeweiligen Untersuchungsfelds… und schließlich der Behandlung globaler Interdependenzen“ noch „eine Reihe weiter bestehender Spannungsfelder” zu sehen seien.Google Scholar
  7. 7.
    Gleichwohl hält das österreichische Verfassungsrecht an dem Grundsatz der Verfassungsautonomie der Länder fest, vgl. z.B. Anm. 1 zu Art. 99 B-VG in der Ausgabe von Hans R. Klecatsky/Siegbert Morscher, Die österreichische Bundesverfassung, Wien 1993, S. 115.Google Scholar
  8. 8.
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  11. 11.
    Dies zeigt sich etwa an einem Vergleich der in nationalen und internationalen Darstellungen verwendeten Variablen. Siehe z.B. Jürgen Hartmann (Hrsg.) (Anm. 9); Hiltrud Naf.?macher/Herbert Uppendahl (Hrsg.), Kanada. Wirtschaft, Gesellschaft, Politik in den Provinzen, Opladen 1989; Mavis Mann Reeves, The States as Polities, in: Annals AAPSS No. 509, 1990, S. 83ff.; Oscar W. Gabriel/Frank Brettschneider (Hrsg.), Die EU-Staaten im Vergleich, 2. Aufl., Opladen 1994; Winfried Steffani (Hrsg.), Regierungsmehrheit und Opposition in den Staaten der EG, Opladen 1991.Google Scholar
  12. 12.
    Klaus von Beyme (Anm. 5), S. 56f.; Frank H. Aarebrot/Pal H. Bakka, Die vergleichende Methode in der Politikwissenschaft, in: Dirk Berg-Schlosser/Ferdinand Müller-Rommel (Hrsg., Anm. 3), S. 54.Google Scholar
  13. 13.
    Klaus G. Troitzsch, Volksbegehren und Volksentscheid, Meisenheim 1979.Google Scholar
  14. 14.
    Hierzu als spezielle oder vergleichende Darstellungen u.a. Klaus von Beyme/Manfred G. Schmidt (Hrsg.), Politik in der Bundesrepublik Deutschland, Opladen 1990; Arnold J. Heidenheimer/ Hugh Heclo/Carolyn Teich Adams (Hrsg.), Comparative Public Policy, 3. Aufl., New York 1990; Robert T. Kudrle/Theodore R. Marmor, The Development of Welfare States in North America, in: Peter Flora/Arnold J. Heidenheimer (Hrsg.), The Development of Welfare States in Europe and America, New Brunswick/London 1981, S. 81ff. Aus den zahlreichen Vergleichen zwischen Einzelstaaten der USA z.B. Ira Sharkansky/Richard I. Hofferbert, Dimensions of State Politics, Economics, and Public Policy, in: APSR Vol. 63, 1969, S. 867ff.Google Scholar
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  17. 18.
    Frank H. Aarebrot/Pal H. Bakka (Anm. 12), S. 52–55; Dieter Nohlen (Anm. 16), S. 1082.Google Scholar
  18. 19.
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  24. 25.
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  25. 26.
    Adam Przeworski/Henry Teune,The Logic of Comparative Social Inquiry, New York u.a. 1970, S. 32ff.; Frank H. Aarebrot/Pal H. Bakka (Anm. 12), S. 56; Hiltrud Nafmacher (Anm. 21), S. 24. John Stuart Mill, A System of Logic Ratiocinative and Inductive, Book III, Chap. 8, gg 1–4, in: Collected Works of John Stuart Mill, Vol. 7, Toronto/Buffalo 1973, S. 388ff. Dabei ist zu beachten, daß Mill seine beiden Ausdrücke, „Method of Difference“ und „Method of Agreement”, auf das jeweils interessierende Phänomen bezogen hat. Demgegenüber stellt die Begriffsbildung von Przeworski und Teune auf die Selektion der Vergleichspaare ab. Hieraus ergibt sich eine Gegenläufigkeit der Begriffe: Mills Method of Difference bezeichnet Vergleiche unter naturwissenschaftlich-exakt konstanten Bedingungen, unter denen ein Phänomen durch Einführung einzelner experimenteller Veränderungen auf seine Abhängigkeit von einem entscheidenden Faktor hin überprüft wird. Entsprechend versteht Mill unter der Method of Agreement eine Vergleichsanlage, bei der durch unterschiedliche Rahmenbedingungen gegebenenfalls einige intervenierende Variablen ausgeschlossen werden können.Google Scholar
  26. 27.
    Frank H. Aarebrot/Pal H. Bakka (Anm. 12), S. 63. Kombinationsvarianten bereits bei John Stuart Mill (Anm. 26), S. 394ff.Google Scholar
  27. 28.
    So aber Dieter Nohlen (Anm. 16), S. 1084.Google Scholar
  28. 29.
    Über 17% der Schweizer wohnen im Kanton Zürich, ein halbes Prozent wohnt in Uri, — 0,2% in Appenzell-Innerrhoden; knapp ein Fünftel der Österreicher lebt in Wien — 3,5% im Burgenland; über ein Drittel der Kanadier in Ontario» etwa ein halbes Prozent auf Prince Edward Island.Google Scholar
  29. 32.
    Hierzu abstrakt auch Frank H. Aarebrot/Pal H. Bakka (Anm. 12), S. 54f.Google Scholar
  30. 33.
    Hierzu die Sichtungen vorhandener Literatur zu amerikanischen Einzelstaaten in den zitierten Vergleichsstudien und mein Überblick, Jürgen Plöhn (Anm. 10), S. 26f.Google Scholar
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    Zur Verwaltungsstruktur der Bundesländer u.a. Frido Wagener, Äußerer Aufbau von Staat und Verwaltung, in: Klaus König/Hans Joachim von Oertzen/Frido Wagener (Hrsg.), Öffentliche Verwaltung in der Bundesrepublik Deutschland, Baden-Baden 1981, S. 73ff. (83ff.).Google Scholar
  32. 36.
    Die Differenzierung der Parteiensysteme ist in Anlehnung an Giovanni Sartori, Parties and party systems, Cambridge 1976, S. 121ff., 131ff., erfolgt. Dabei wurde eine Gruppierung der Parteien in lediglich zwei einander gegenüberstehende, geschlossen operierende Akteursgruppen, Regierungsmehrheit und Opposition (jeweils als Koalition möglich), als Kennzeichen eines „bipolaren“ Parteiensystems, die Existenz mehrerer, ideologisch disparater Oppositionsfraktionen oder die Bildung von Koalitionen aus mindestens drei ideologisch unterschiedenen Parteien als Beleg für ein „multipolares” System genommen. Gemäß Sartoris Zählregeln ist dabei in Schleswig-Holstein der seit 1962 jeweils einzige Abgeordnete des SSW nicht als eigenständige, systemrelevante Partei gezählt worden.Google Scholar
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    Hierzu Ernst Fraenkel, Deutschland und die westlichen Demokratien, erw. Neuausg., Frankfurt/M. 1990; Martin Kriele, Einführung in die Staatslehre, 5. Aufl. Opladen 1994, S. 235ff., 328ff.Google Scholar
  34. 39.
    Anders bei internationalen Vergleichen, Suzanne S. Schüttemeyer (Anm. 3) S. 185; Klaus von Beyme (Anm. 5), S. 51.Google Scholar

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© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Jürgen Plöhn

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