Advertisement

Nationalismus — Rassismus/Kulturalismus — Identität: Aspekte ihrer Rezeption im wissenschaftlich-gesellschaftlichen Diskurs und in der „Neuen Linken“

  • Andrea Ludwig

Zusammenfassung

Die wissenschaftliche Bestimmung des Begriffs ‘Nationalismus’ hat sich als extrem schwierig erwiesen. Obwohl der “...immense() Einfluß, den der Nationalismus auf die moderne Welt ausübt...” (Anderson 1988: 13), in der Forschung unbestritten ist und der Untersuchung dieses Phänomens bereits seit Jahrzehnten große Aufmerksamkeit gewidmet wird, gelang es bis heute nicht, eine allgemein akzeptierte Definition zu umreißen (vgl. Alter 1985: 13).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Hinzu kommt, daß zwar der Nationalismus als Ideologie ein Exportartikel Europas in die Peripherie ist, und seine dortigen Formen einige Parallelen zu europäischen Nationalismen aufweisen (vgl. Tibi 1971: 46–57), er jedoch aufgrund anderer Voraussetzungen und Strukturen ebenso häufig Entwicklungen aufweist, die denen in Europa nicht entsprechen. Konkret sei hier auf die Rolle der aus der kolonialen Wirtschaft hervorgegangenen ‘bürgerlichen’ Schicht hingewiesen. Anders als z.B. im revolutionären Frankreich des Jahres 1789 fungiert diese Schicht in der Peripherie selten als Überwinder bestehender Gesellschaftsformationen, sondern versucht, nach der Dekolonisation die Rolle der Kolonialherren zu übernehmen (vgl. ebd.: 50).Google Scholar
  2. 2.
    Die hier konstatierte Veränderung trifft in ihrem Grundzug auch auf die Peripherie zu: “Der einst progressive Nationalismus wandelt sich in der postkolonialen Phase zur herschaftsstabilisierenden Ideologie...” (Tibi 1971: 50).Google Scholar
  3. 3.
    Im Zusammenhang mit dieser Orientierung auf die Vergangenheit steht der Bedeutungszuwachs von Geschichte und die Aufwertung der Geschichtswissenschaft, die insbesondere im Deutschen Reich nach 1871 ins Auge fallen. Die Bemühungen, eine kollektive nationale Vergangenheit der Deutschen zu konstruieren, umfaßten alle Lebensbereiche und führten dazu, “...daß eine Geisteshaltung wie der Historismus weit über den Bereich der Fachwissenschaft hinaus Einfluß gewann” (Thadden 1983: 53).Google Scholar
  4. 4.
    Den gleichen Sachverhalt faßte Tillich 1942 in den Satz: “Das Geheimnis des reinen Nationalismus ist, daß er keinen Inhalt hat und darum als reiner Wille zur Macht enthüllt wird” (zit. bei Schmid 1990: 135).Google Scholar
  5. 5.
    Der Charakter dieser Bindung und die Tatsache, daß es außer der Religion bislang keinem anderen Glaubenssystem gelungen ist. eine vergleichbare Unterordnung und Opferbereitschaft von Kollektiven zu erreichen, hat einige Wissenschaftler dazu veranlaßt, die enge Beziehung zwischen Nationalismus und Religion zu betonen (vgl. Hayes 1960; Nipperdey zit. bei Alter 1985: 15; Anderson 1988: 15). Die in dem von Hayes geprägten Begriff der Ersatzreligion implizierte Beziehung zwischen abnehmender Bedeutung von Religion und Stärkung des Nationalismus ist jedoch keine zwangsläufige, wie das irische und baskische Beispiel zeigen (vgl. Alter 1985: 15 f.).Google Scholar
  6. 6.
    Da die hier von Meinecke demonstrierte Fähigkeit zu öffentlicher Selbstkritik nicht nur in der Wissenschaft Seltenheitswert hat, verdient sie eine gesonderte Hervorhebung.Google Scholar
  7. 7.
    Die Frage, ob Wertungen in der Wissenschaft zulässig sind, ist nicht Gegenstand dieses Kapitels. M.E. läßt sich eine prinzipielle Verneinung dieser Frage heute weder aufrechterhalten noch rechtfertigen, da z.B. einer wertfrei’ betriebenen Rassismus-Forschung die Wertung in Form eines Votums für Inhumanität inhärent ist.Google Scholar
  8. 8.
    Anstelle dieser Trennung will Elias (1990: 199) seine Verwendung der Begriffe ‘Nationalismus’ und nationalistisch’ als “...von Untertönen der Zustimmung oder Ablehnung (gereinigt)...” verstanden wissen. Daß er selbst dem Phänomen Nationalismus skeptisch gegenübersteht, wird implizit deutlich, wenn er z.B. nationalistische Werte als solche charakterisiert, “...die ein Idealbild des eigenen Landes und der eigenen Nation über allgemeinmenschliche und moralische Ideale (erheben)...” (ebd.: 174).Google Scholar
  9. 9.
    Da dieses Anliegen in bezug auf eine gesamtdeutsche und eine westdeutsche Identität formuliert wurde, ist hier von (bundesdeutscher Identität die Rede.Google Scholar
  10. 10.
    Das Fehlen eines solchen Bewußtseins in der Studentenbewegung wurde bereits 1968 von Rabehl (1968: 40) konstatiert.Google Scholar
  11. 11.
    Dieser Entgegensetzung von Kultur und Zivilisation liegt ein spezifisch deutsches Denkmuster zugrunde (vgl. zum folg. Elias 1980: 1–10). Demnach ist Zivilisation etwas Zweitrangiges, das sich auf Leistungen und Verhalten von Menschen bezieht und dadurch nur die Oberfläche des menschlichen Daseins berührt, m.a.W. der trügerischen Äußerlichkeit verhaftet bleibt. Demgegenüber bezeichnet Kultur das Eigentliche, die wahre Tugend und Moralität des Menschen. Daß das hier beschriebene Kulturverständnis dem von Teilen der Grünen entspricht, wird in einer parteiinternen Kritik an den grünen Definitionen des Kulturbegriffs deutlich: “Zu seiner Bestimmung werden nur genauso entleerte Begriffe (wie Leben, Organisches etc.) benutzt, bzw. solche, die zwar wohlige Gefühle wecken, die Gesellschaft und den Menschen aber nur einseitig erfassen (wie Geborgenheit, Innerlichkeit, Gefühl), oder die direkt reaktionäre Inhalte haben (wie Intuition als Gegenbegriff zu Denken, Wissenschaftlichkeit)” (Wagner 1985: 69).Google Scholar
  12. 12.
    Bei diesem Selbstverständis als revolutionärer Focus stand die gleichnamige lateinamerikanische Revolutionstheorie Pate, nach der der Umsturz durch eine kleine Minderheit eingeleitet werden sollte.Google Scholar
  13. 13.
    Die erstaunliche Langlebigkeit religiös motivierter Argumente wird in einer bundesdeutschen Umfrage von 1992 belegt, nach der 1/5 der Befragten den Juden die Schuld an Jesus Tod geben (vgl. Spiegel v. 20.1.1992: 44).Google Scholar
  14. 14.
    Die zentrale Bedeutung ‘des Juden’ fur die deutsche Selbstdefinition faßt Ebach (1988: 102) zusammen: “Deutsch, was immer das sonst noch sein mochte, war zumindest und vor allem eins: nicht-jüdisch”.Google Scholar
  15. 15.
    Dank des Feminismus ist die Bedeutung der Wahl und Definitionsgewalt von Kriterien im Bereich der Geschlechterbeziehungen in den letzten zwei Jahrzehnten zumindest ansatzweise ins gesellschaftliche Bewußtsein gedrungen. So sind z.B. bei der Vergabe von Arbeitsplätzen relevant werdende Kategorien, wie die Fähigkeit zu logischem Denken, von Männern definierte Kriterien. Die Benachteiligung vonFrauen resultiert nicht aus dem Anlegen unterschiedlicher Maßstäbe, sondern aus der Verwendung eines Kriteriums, dessen Inhalt durch männliche Prioritäten und Werte bestimmt ist, wodurch dann die sog. weibliche Logik pejorativ besetzt ist.Google Scholar
  16. 16.
    In Europa läßt sich konstatieren, daß es sich bei diesen innerstaatlichen Rassismen zumeist um national unterschiedliche Ausprägungen einer übergreifenden rassistischen Phobie handelt. Dies gilt für den Antisemitismus (vgl. Balibar 1992: 78) ebenso wie für den anti-moslemischen Rassismus.Google Scholar
  17. 17.
    Unter bestimmten, real selten auftretenden Bedingungen kann tatsächlich von einer solchen Konstellation gesprochen werden. Als Beispiel nennt Balibar (1992: 69) die Bestrebungen des französischen Nationalismus, die Kolonialbevölkerung des Maghreb zu integrieren, was durch den verbreiteten kolonialen Rassismus behindert wurde.Google Scholar
  18. 18.
    Dieses Lebensgefühl charakterisiert Cohen (1990a: 6) kurz und prägnant: “A White Working Class Racist is Something to be”.Google Scholar
  19. 19.
    Die Bezeichnung ‘wirtschaftlicher Antisemitismus’ geht m.E. am Kern vorbei, da die Behauptung zu großer finanzieller Macht der Juden allein nicht antisemitisch ist. Das ist erst der Fall, wenn sie mit jüdischen ‘Wesenseigenheiten’ wie Materialismus, Raffgier und Schmarotzertum begründet wird. Dabei handelt es sich jedoch um kulturelle Wertvorstellungen, was bei der Gegenüberstellung der ‘deutschen Tugenden’ — Idealismus, Genügsamkeit, Gemeinschaftssinn — deutlich wird. Dies gilt nicht nur für diese und andere Kategorisierungen des Antisemitismus (vgl. Poliakov u.a. 1984: 183 f.), sondern für den Rassismus allgemein. Es handelt sich dabei um eine semantische Ungenauigkeit, da zwar unterschiedliche Begründungen von Rassisten für ihre Einstellung benannt werden können, die jedoch ihre spezifisch rassistische Qualität erst dadurch erlangt, daß das am Anderen Störende auf dessen kulturell oder biologisch bedingte Wesenheit zurückgeführt wird.Google Scholar
  20. 20.
    In diesem Sinn wurde auch die Niederlage Frankreichs 1871 als Beispiel für die zwangsläufige Schwäche einer Nation interpretiert, deren Bindung primär durch gemeinsame Interessen bestimmt ist (vgl. Lemberg 1950: 283 f.).Google Scholar
  21. 21.
    Die folgenden Ausführungen über die Grundpfeiler des nationalsozialistischen Denkens lehnen sich inhaltlich an Schefflers (1985: 189) erstgenannten Punkt an, der in zwei Leitlinien aufgeschlüsselt wird, während sein zweiter Punkt im Zusammenhang mit diesem Kapitel nicht relevant ist.Google Scholar
  22. 22.
    Die Bezeichnung ‘ausländische Arbeiter’ ist vor dem Hintergrund der damaligen Situation zu verstehen, in der entweder tatsächlich keine Einwanderung im Sinn einer Verlagerung des Lebensschwerpunktes stattfand, oder die “Lebenslügen” (Leggewie 1990: 147) vom befristeten Aufenthalt und der späteren Rückkehr ins Herkunftsland noch nicht als solche erkennbar waren. Von daher entspricht sie der Selbstdefiniton der ins Land geholten Arbeitskräfte in bezug auf ihren Status als Ausländer und ist nicht Ausdruck fehlender sprachlicher Sensibilität für die abgrenzende Funktion des Begriffs Ausländer’.Google Scholar
  23. 23.
    So publizierte z.B. die Zeitung “konkret” 1969 eine Serie von G. Wallraff (1969), in der diese Thematik behandelt wurde.Google Scholar
  24. 24.
    Die Idealisierung der Befreiungsbewegungen wurde umstandslos auf die aus der Peripherie stammenden Menschen übertragen, wie der Iraner Bahman Nirumand (1991: 101) aus seiner eigenen Erfahrung in den 60er Jahren berichtet: “Innerhalb kurzer Zeit wandelten sich die ehemals fremden Asiaten, Afrikaner, Lateinamerikaner aus der Sicht der politisch-engagierten Deutschen zu Vorbildern der Revolution und engsten Kampfgenossen. Jeder Angehörige der Dritten Welt, gleichgültig ob er tatsächlich am Befreiungskampf seines Landes teilnahm oder nicht, wurde wie ein Auserwählter behandelt und in die Rolle eines Helden gedrängt”.Google Scholar
  25. 25.
    Der von Guillaumin verwandte Begriff des altero- und selbstzentrierten Rassismus greift im Hinblick auf die hier behandelten Auffassungen zu weit, da die Differenz nicht als genetisch bedingt begriffen wird. Bei den im folgenden Zitat in Klammern gefaßten Ausdrücken handelt es sich um jene Stellen, an denen im Original “Rasse” bzw. “rassisch” steht.Google Scholar
  26. 26.
    Da die Existenz und Funktion einer affektiv besetzten ‘irrationalen’ Identität durch Historie und Gegenwart ausreichend belegt ist, beziehen sich die folgenden Betrachtungen über Großgruppenidentitäten auf ‘rationale’ Identitäten, auch wenn zur Vermeidung von Wortungetümen wie kollektive Identität nationaler Reichweite’ der assoziativ anders besetzte Begriff nationale Identität verwendet wird.Google Scholar
  27. 27.
    Hiermit ist nicht die psychologische Fachliteratur im engen Sinn gemeint, sondern solche Arbeiten, die sich unter einem soziologischen oder politologischen Blickwinkel mit kollektiver Identität auseinandersetzen, wie Habermas 1974/1976/1987, Marmora 1985, Honolka 1986/1987.Google Scholar
  28. 28.
    Vgl. zur Kritik an Habermas’ Identitätskonzept Bilden (1975: 198), die in der undialektischen Annahme einer bloßen Einheit von Individuum und Gesellschaft den Grund dafür sieht, daß bei Habermas “...die Individuierung, die Ausbildung des Besonderen, der universalisierenden Betonung des Allgemeinen der Gesellschaftlichkeit des Menschen zum Opfer fällt”.Google Scholar
  29. 29.
    Nationale Identität muß sich in diesem Zusammenhang notwendig auf das ‘Deutsch-Sein’ beziehen, da eine Verknüpfung mit einem anderen Identitätsfocus wie dem Staat nicht geeignet wäre, eine direkte Verbindung zum Nationalsozialismus herzustellen. Die Frage, was den Inhalt dieses Deutsch-Seins ausmacht, das sich nicht am nationalsozialistischen Verständnis orientieren soll und an neueren Identitätsangeboten nicht orientieren kann, da damit eine Kontinuitätserfahrung unmöglich würde, bleibt offen.Google Scholar
  30. 30.
    Da eine Verantwortung, die sich auf die “Wiedergutmachung” direkter Folgen, d.h. auf die Zahlung von Entschädigungen reduziert, ein biologisch bedingtes Ende hat, ist anzunehmen, daß den zitierten Texten der erweiterte Verantwortungsbegriff zugrunde liegt.Google Scholar
  31. 31.
    Die Verf. ist sich der Tatsache bewußt, daß es sich bei dieser Charakterisierung von Generationen um eine Pauschalisierung handelt, die dem Individuum nicht gerecht wird. Wenn im folgenden trotzdem an dieser verallgemeinernden Formulierung festgehalten wird, ist die Einschränkung mitzudenken, daß — sofern es die Elterngeneration betrifft — deren Mehrheit gemeint ist, während sich der Begriff ‘nachfolgende Generation’ auf eine politisierte Minderheit bezieht.Google Scholar
  32. 32.
    Die von Dutschke nicht beabsichtigte Charakterisierung des SDS als einer von Männern beherrschten Organisation ist trotzdem vollauf berechtigt. In keinem anderen Punkt werden die Defizite der angestrebten Bewußtseinsveränderung und die Selektivität des Postulats von der umfassenden Befreiung so deutlich, wie hinsichtlich des Unvermögens, die patriarchalischen Strukturen im eigenen Verband als Form von Unterdrückung wahrzunehmen.Google Scholar
  33. 33.
    Dieser Umkehrung des im konservativ-rechten Lager verbreiteten Bildes vom Menschen als des Menschen Wolf liegt eine vergleichbar eindimensionale Betrachtungsweise zugrunde, die den Menschen nicht als ambivalentes, moralisch positiv und negativ bewertete Fähigkeiten in sich vereinigendes Wesen begreift.Google Scholar
  34. 34.
    “Partein” steht hier und im folgenden als Kürzel für das im Berliner Rotbuch-Verlag erschienene Buch “Wir warn die stärkste der Partein...”, das eine Sammlung von Erfahrungsberichten anonym bleibender K-Gruppenmitglieder beinhaltet.Google Scholar
  35. 35.
    Nur der KB öffnete sich ab Mitte der 70er Jahre in Ansätzen für eine “...eher durch subjektive Faktoren geprägte() Betrachtungsweise,...die das ‘Private’ öffentlich und diskutierbar machte,...für die Diskussion von Utopien, ’die nicht allein im Bereich des nach der Revolution Machbaren lagen...” (Klotzsch/Stöss 1984: 1562 f.).Google Scholar
  36. 36.
    Zu diesem Jargon gehört der ständige Gebrauch von Begriffen wie ‘Front’, ’Kampf, ‘Krieg’, Rivalität’, Ausbeutung’ und Verrat’. Ein weiteres Charakteristikum der in K-Gruppen-Publikationen verwandten Sprache ist die Vorliebe für — Entschlossenheit vermittelnde -Substantive und ein geringer Wortschatz, der dadurch ausgeglichen wird, daß kein Wort mit einem spezifischen Bedeutungsinhalt versehen ist, d.h. die Mehrdeutigkeit zur Methode gehört.Google Scholar
  37. 37.
    Angesichts der Regelmäßigkeit, mit der bereits seit dem Parteiaustritt H.Gruhls 1981 der Abschied vom Primat der Ökologie und die damit zusammenhängende “Verlinkung der GRÜNEN” (Vogt 1990: 173) beklagt wird, sollte diese Behauptung nicht überbewertet werden. Dafür spricht zudem die Tatsache, daß auch Teile der Linken die Klage anstimmen, sie seien mit ihren Ideen und ihrem Engagement bei den Grünen gescheitert (vgl. Ebermann: 1990: 213).Google Scholar
  38. 38.
    Vgl. zu diesbezüglichen Tendenzen in der Ökologiebewegung und bei den Grünen Stöss 1979: 19–28; Huber 1982: 194–208; Dudek 1983: 27–35.Google Scholar
  39. 39.
    Über die Frage, ob der Golfkrieg tatsächlich Schlimmeres, d.h. insbesondere die Vernichtung Israels verhütet hat, oder ob derartiges außerhalb der irakischen Möglichkeiten gelegen hat, kann zwar mit beidseitig guten Argumenten gestritten werden. Davon unberührt bleibt das hier interessierende Verhalten, globale Doktrinen aufzustellen und an diese potentielle Katastrophe, die — nach allen zu Beginn des Krieges verfügbaren Informationen — in realistischer Nähe lag, weit weniger zu glauben, als an die selbstentworfenen worst-case-Szenarien.Google Scholar
  40. 40.
    Die Dringlichkeit eines veränderten Umgangs mit dieser Differenz wird durch ihre Relevanz im europapolitischen Bereich unterstrichen. Darauf weist Markovits (1986: 158) hin, dessen Beispiel des — heute neuzuformulierenden Neutralitätsbegriffs im grünen Konzept eines “Europa der Regionen” dem Kern seiner Aussage nicht die Gültigkeit nimmt: “(V)on den Grünen (wird) nicht klar erkannt..., daß auch in einem völlig blockfreien, nur von progressiven Regierungen angeführten Europa auch ein von Grünen geleitetes Deutschland qua seiner Geschichte eine ganz bestimmte (und belastete) Rolle einnehmen wird”.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Andrea Ludwig

There are no affiliations available

Personalised recommendations