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Gymnasiasten ohne Studium: Die fehlende Gunst der Standardisierung

  • Heiner Meulemann
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Zusammenfassung

Vom Gymnasium über Abitur, Studium und Examen in einen akademischen Beruf — das ist der Normallebenslauf unserer Gruppe. Er ist durch Erfolge im Bildungswesen definiert; die übrigen Lebenslauf-Typen bleiben hinter ihm zurück — oder versuchen ihn wieder einzuholen. Auf der einen Seite bleiben nach jeder Schwelle des höheren Bildungswesens Erfolglose zurück, die ohne die “entsprechenden” Patente in den Beruf müssen. Wie schneiden sie im Beruf ab? Wie spiegelt sich der Mißerfolg im Bildungswesen als beruflicher Statusverlust wider? Und wie der Bildungserfolg im beruflichen Aufstieg? Auf der anderen Seite schaffen es manche, den Zug der Normalkarriere wieder einzuholen; sie finden auf unnormalen Wegen zur Normalität. Sie werden verspätet Studenten und haben erst später Chancen, als Studienabsolventen in den Beruf einzutreten; aber sie können durchaus bis zum 30. Lebensjahr die Normalstudenten auf dem Weg in einen akademischen Beruf eingeholt haben. Setzt ihre Berufskarriere nach dem Studium höher oder tiefer oder genau dort an, wo sie durch das Studium abgebrochen wurde? Führt das nachgeholte Studium zu gleichen beruflichen Positionen wie der normale Weg in die Normalität? Der normale, durch den Bildungsweg vorgezeichnete Lebensweg in höhere soziale Positionen ist in den letzten drei Kapiteln Schritt für Schritt nachgezeichnet worden; nun sollen Abzweigungen und Rückwege mit ihm verglichen werden. Dazu greifen wir auf die Typologie der Lebensläufe aus Kapitel 2 zurück. Aber auch die NichtStudenten haben ihre Karriere, deren Ergebnis nicht nur mit dem Normallebenslauf verglichen, sondern deren Ablauf in Abhängigkeit von den gleichen Bedingungen kausal analysiert werden muß wie bei den Studenten.

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Literatur

  1. 1.
    Eine kleine Minderheit der Langzeitstudenten (n=20), sowie auch der Normalstudenten, hat während des Studiums kurze Phasen der Erwerbstätigkeit eingelegt, die außer Betracht bleiben, weil sie nicht mit dem Studienabschluß angestrebt wurden.Google Scholar
  2. 2.
    Leider war es nicht möglich, auch bei den NichtStudenten den Arbeitsmarkt zu erfassen. Die ANBA-Statistik der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg bezieht sich auf Angebot und Nachfrage in akademischen Berufen. Die NichtStudenten gehen aber auf den allgemeinen Arbeitsmarkt, ohne daß man im vorhinein bestimmen könnte, welchen Teilmarkt sie im Visier haben.Google Scholar
  3. 3.
    Wie zu erwarten, ist der Schwerpunkt der privaten Bindungen bei den NichtStudenten nach oben verschoben: 8% haben keinen Partner, jeweils 6% haben einen Partner mit oder ohne Lebensgemeinschaft, 13% sind verheiratet ohne und 67% mit Kindern. Unter den Eltern sind nicht wie bei den Studenten fast vier Fünftel, sondern nur etwas mehr als ein Drittel Männer, so daß die Korrelation zwischen EKIND und EKIND*MANN mit r=.42 etwas niedriger ist; MANN und EKIND*MANN korrelieren allerdings r=.75 und EHE und EKIND r=-.54. Auch bei den NichtStudenten liegt eine Kolinearität der Prädiktorvariablen für private Bindungen vor.Google Scholar
  4. 4.
    Der Mittelwert des IST liegt mit 107 und der Durchschnittsnote mit z=-0.3 etwas unter dem Mittelwert der Studenten.Google Scholar
  5. 5.
    Das gilt selbst dann, wenn man von den Studenten nur die Erfolgreichen betrachtet und die Abbrecher ausschließt. Bei den erfolgreichen Studenten beträgt die Standardabweichung für das erste und letzte MPS-Prestige 32.3 und 31.1, die Standardabweichung für das erste und letzte logarithmierte Netto-Stun-deneinkommen .427 und .415. Auf der anderen Seite sind die Standardabweichungen der Studienabbrecher für das MPS-Prestige mit 21.8 und 20.8 und das logarithmierte Netto-Stundeneinkommen mit .385 und .397 mit den Standardabweichungen der NichtStudenten vergleichbar.Google Scholar
  6. 6.
    Die Berufsausbildung der NichtStudenten hingegen wird in den überwiegenden Fällen vor dem Berufseintritt erworben (siehe Tabelle 2.6), so daß sie als Prädiktor für den ersten und den letzten Status eingesetzt werden kann.Google Scholar
  7. 7.
    Die Studium und Beruf, und damit das ganze Leben übergreifende Hierarchie des Prestiges einzuüben und zu bekräftigen, war eine wichtige Funktion der studentischen Verbindungen. Daß die studentischen Verbindungen diese Funktion erfüllen, kann im übrigen erklären, warum sie, aller Kritik an unglaubwürdig gewordenen Ritualen zum Trotz, überlebt haben und seit den achtziger Jahren offenbar eine Renaissance durchmachen.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Heiner Meulemann

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