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Studium: Chancen und Risiken der Lebensplanung

  • Heiner Meulemann
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Zusammenfassung

Der normale Lebensweg führt Gymnasiasten des 10. Schuljahres nach dem Abitur in das Studium oder nach dem Fachoberschulabschluß in das Fachhochschulstudium. Der Schritt von der Schule in das Studium ist ein Schritt in eine neue Welt. Der Schüler lebt in der Welt, in der er aufgewachsen ist; der Student kann die Welt, in der er leben will, in starkem Maße wählen. Der Schüler muß sich einem Lehrplan fügen; der Student muß sich einen Studienplan zusammenstellen. Der Schüler lebt in der Klassengemeinschaft; der Student muß sich die Kommilitonen suchen, mit denen er zusammen studieren will. Was der Schüler leistet, wird mehr oder minder lückenlos kontrolliert; was der Student leisten will, muß er selber kontrollieren. Der Schüler kann auf die Lenkung der Institution vertrauen, in der er lernen muß; der Student muß sich selber in der Institution zurechtfinden, in der er lernen will.

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Literatur

  1. 1.
    Die Interessen wurden also durch die direkte Präferenz für Fächer erfragt, nicht — wie in einer ähnlichen Längsschnittstudie (Giesen u.a. 1986;: 31) — durch eine Präferenz für Tätigkeiten, die einen inhaltlichen Bezug zu Fächern haben, wofür der Differentielle-Interessen-Test (DIT) von Todt (1967); ein Beispiel ist. In der Terminologie der Interessenforschung werden hier nicht allgemeine, sondern spezifische Interessen behandelt.Google Scholar
  2. 2.
    Die negative Korrelation von geistes- und naturwissenschaftlichen Interessen findet sich auch bei Giesen u.a. (1986;: 46–50), die Gymnasiasten des 12. Schuljahres bis zur Mitte der Studiums verfolgten. Sie liegt im übrigen auch den Forschungen zu allgemeinen Interessen und dem DIT (Todt 1967;) zugrunde. Abweichend von der allgemeinen Interessensforschung aber wird hier auch die zur Trennung von Geistes- und Naturwissenschaften querstehende Trennung von lebenspraktischen oder theoretischen Schulfachern und von theoretischen oder professionsnahen Wissenschaften betrachtet.Google Scholar
  3. 3.
    Was man als Übereinstimmung, Abstoßung und Umformung von Interessen mißt, hängt von der Abgrenzung der Schulfacher ab. Die Abgrenzung der Schulfächer in Tabelle 4.1 richtet sich nach dem gymnasialen Lehrplan und ist — wie die Verteilungen zeigen — durchaus sinnvoll. Allerdings zeigen die Korrelationen in Tabelle 4.2, daß die Polarität von Natur- und Geisteswissenschaften der Entwicklung der Interessen vom Gymnasium bis zum Studium zugrundeliegt. Faßt man alle geisteswissenschaftlichen Schulfacher — d.h. die ersten fünf Fächergruppen in Tabelle 4.1 — zusammen und zählt man für geistes- wie naturwissenschaftliche Fächer die Häufigkeit der Nennungen, so bilden die Korrelationen der beiden Schulfacher mit dem Studienfach in Stärke und Vorzeichen nahezu ein Spiegelbild. Die Polarität der Schulfächer setzt sich also im Wunsch theoretischer Studienfächer fort; aber die Wahl professionsnaher Studienfächer — Wirtschaft, Technik, Recht, Medizin — kann nach wie vor nicht auf diese Polarität zurückgeführt werden.Google Scholar
  4. 4.
    Diese Spiegelbildlichkeit wird auch dadurch produziert, daß die Häufigkeit der Nennungen geistes- und naturwissenschaftlicher Fächer negativ korrelieren: r = -.92 bei den Lieblingsfächern, wo die (nicht immer beachtete) Fragevorgabe von drei Nennungen eine negative Korrelation erzwingt; r = .26 bei den Fachinteressen, wo eine freie Aufzählung zu einem erheblich schwächeren Ausschluß beider Fachgruppen führt. Für das Lieblingsfach sind die beiden Korrelationen mit dem gewählten Studienfach also nicht unabhängig voneinander, wohl aber für das Fachinteresse. Der Vergleichbarkeit halber wurden beide Variablen auch in Tabelle 4.2 aufgenommen. In den folgenden multivariaten Analysen wird allein das Fachinteresse betrachtet.Google Scholar
  5. 5.
    Diese Ergebnisse replizieren Ergebnisse von Giesen u.a. (1986;: 61–63) in den meisten Fällen: für die hohe Stabilität von Technik und Recht und die geringe Stabilität der Sprach- und Kulturwissenschaften sowie der Orientierungswissenschaften. In starkem Kontrast zu unseren Ergebnissen aber finden Giesen u.a. eine geringe Stabilität der Medizin zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Eine mögliche Erklärung für den Kontrast ist methodischer Art. Giesen u.a. berichten den Prozentsatz derer, die bei gegebenem Studienwunsch Medizin, also in einer sehr kleinen Stichprobe (73 Jungen und 59 Mädchen) tatsächlich später Medizin studieren. In Tabelle 4.3 ist jedoch die Beständigkeit von Wunsch und Nichtwunsch in der Gesamtgruppe der Studenten wiedergegeben, die früher einen Studienwunsch geäußert hat (n=973). Giesen u.a. betrachten nur zwei Zeilen einer Vierfeldertafel, deren Koeffizient in Tabelle 4.3 wiedergegeben ist. Sachlich steht hinter der geringen Realisierung des Medizinstudienwunsches bei Giesen u.a. wohl der Numerus Clausus, der in dieser Untersuchung 16% Wünsche (bei 1058 Gymnasiasten, Tabelle 4.2) auf 7% Realisierungen (bei 1479 Studenten, Tabelle 4.3) drückt. Obwohl viele Wünsche nach einem Medizinstudium durch den Numerus Clausus vereitelt werden, ist die Kontinuität von Wunsch oder Nichtwunsch zu Realisierung oder Nichtrealisierung in der Medizin hoch.Google Scholar
  6. 6.
    Von den 8 Korrelationen zwischen den beiden Interesse-Variablen und den 4 Herkunfts-Variablen liegt nur eine, die zwischen naturwissenschaftlichen Fachinteressen und dem Prestige des Vaterberufs mit r = .052 über der Schwelle von absolut r=.05.Google Scholar
  7. 7.
    An dieser Stelle muß an die durchschnittliche Studiendauer der Studienabbrecher aus Tabelle 2.2 erinnert werden; sie betrug bei den Langzeitstudenten ohne anschließende Berufsausbildung 97 Monate, d.h. 8 Semester.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Heiner Meulemann

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