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Startchancen 1970 und Schulerfolg bis 1975: Der lange Arm des Herkunftsstatus

  • Heiner Meulemann
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Zusammenfassung

Die berufliche Laufbahn ehemaliger Schüler des 10. Schuljahres des Gymnasiums beginnt mit dem Schulerfolg. Die erste Hürde in der weiteren Gymnasiallaufbahn ist die mittlere Reife, die zweite Hürde das Abitur; weiterhin kann, wer nach der mittleren Reife auf die Fachoberschule geht, nach 12 Schuljahren die Fachoberschulreife erreichen, die zum Besuch einer Fachhochschule berechtigt. Aus diesen Alternativen ergeben sich die drei Stufen der Zielvariable dieses Kapitels, des Schulerfolgs: 19% der 1989 ehemaligen Gymnasiasten erreichen nur die mittlere Reife (in sehr seltenen Fällen nicht einmal die), 10% erreichen mit dem 12. Schuljahr die Fachoberschulreife und 71% erreichen das Abitur. Gemessen wurde dabei der höchste Abschluß, der in der Zeit zwischen 1970 und 1985 erreicht wurde. Im Durchschnitt wurde die mittlere Reife 1971, das Abitur 1973 erreicht. Obwohl es in einzelnen Fällen erhebliche Verzögerungen auf dem zweiten Bildungsweg gibt (siehe Tabelle 2.6), haben über 95% bis 1975 ihren höchsten Schulabschluß erreicht; im wesentlichen betrachten wir also — wie die Kapitelüberschrift sagt — die Zeit zwischen 1970 und 1975. Der Schulerfolg hängt von der schon im Kapitel 2 vorgestellten Trias der Einflüsse ab: von Herkunft, Leistung und Lebensplanung. Aber das sind nur Oberbegriffe für eine Vielfalt von Einflüssen, die im folgenden Abschnitt weiter aufgeschlüsselt und in ihrer mutmaßlichen Einflußstärke auf den Schulerfolg gegeneinander aufgewogen werden sollen. Die Aufschlüsselung der Einfluß-Trias und die mutmaßliche relative Stärke der Einflüsse ist in Abbildung 3.1 dargestellt.

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Literatur

  1. 1.
    Auch eine Reihe von weiteren Indikatoren der Förderung des Schülers durch die Eltern zeigen keine größeren Einflüsse auf den Schulerfolg: die Diskussion über den Unterrichtsstoff unabhängig von den Hausaufgaben (D = .05), das Interesse der Eltern für Stoff und Unterrichtsgestaltung (D = .08), die Wahrnehmung, daß die Höhere Schule kein Opfer für die Eltern bedeutet, bei Eltern und Schülern (D = .08, D = .05), der Widerstand der Eltern gegen einen Lehrerrat zum Schulabgang (D = .08), die Zahl der vom Schüler gewünschten zusätzlichen Unterstützungsaktivitäten der Eltern (D = .05), das Interesse der Eltern für Klassenarbeiten, mündliche Leistungen und Zeugnisnoten (D = .08), die Belohnung guter Schulleistungen durch die Eltern (D = .07), die Bestrafung schlechter Schulleistungen durch die Eltern (D = .02), die Meinung des Schülers, daß es mit den Eltern zu Hause keine Spannungen gebe (D = .03). Der relativ schwache Einfluß der Elternunterstützung auf den Schulerfolg ergibt sich also nicht aus einer unglücklichen Wahl der Indikatoren — im Gegenteil. Allerdings fehlen in der Primärerhebung 1970 Indikatoren des “kulturellen Kapitals” (Bourdieu 1973) des Elternhauses, wie der Buchbesitz, der eine indirekte Förderung des Elternhauses indiziert — im Gegensatz zu den hier eingesetzten Indikatoren einer direkten Förderung.Google Scholar
  2. 2.
    Man kann einwenden, daß dieser Vergleich unfair sei, weil bei der Klassenlage-Vaterberuf ein breites Spektrum von Kategorien, bei der Testintelligenz und der Schulnote jedoch nur drei Kategorien für metrisch gemessene Variablen verwendet wurden. Aber auch wenn man für alle drei Variablen metrisch differenzierte Maße nimmt, d.h. für den Vaterberuf Treimans (1977) Prestige-Werte nimmt und die Intelligenzwerte und Schulnoten nicht zusammenfaßt, betragen die Produkt-Moment-Korrelationen mit dem trichotomen Schulerfolg .18, .22, .29.Google Scholar
  3. 3.
    Der Verzicht auf die Elternvariablen schmerzt, da sie besonders gut die Traditionen des Schulbesuchs ausdrücken. Um diesen Einfluß abzuschätzen wurde eine logistische Regression in der Stichprobe mit Elternangaben (N = 1422) berechnet, in der wie in der größeren Stichprobe Geschlecht, Berufsprestige-Vater, IST-Intelligenz und Durchschnittsnote als Prädiktoren eingesetzt, an der Stelle der Schüler aber die Elternaspirationen verwandt und zusätzlich die Elternaussage, daß der Gymnasialbesuch schon immer feststand, als Prädiktor eingesetzt wurden. Dieser Indikator für die Tradition des Schulbesuchs hatte aber nur einen minimalen, auch nicht signifikanten Effekt.Google Scholar
  4. 4.
    Der Vaterberuf sollte als metrische Prädiktorvariable eingesetzt werden. Deshalb wurde er nicht, wie in Tabelle 3.2 und Abbildung 3.3 mit 12 Klassenlagen, sondern mit Treimans (1977) Prestigewerten verkodet.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Heiner Meulemann

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