Advertisement

Das Selbstverständnis des theaterkritischen Schriftstellers

  • Gunther Nickel
Chapter
  • 30 Downloads
Part of the Kulturwissenschaftliche Studien zur deutschen Literatur book series

Zusammenfassung

Am 28. Februar 1933 erschien Carl von Ossietzkys letzter Beitrag für die Weltbühne unter der Überschrift »Herr Walter Bloem«. Er war eine zeittypische Auseinandersetzung mit einem heute vergessenen Romanschriftsteller, der sich in der Deutschen Allgemeinen Zeitung über die Ruinierung des deutschen Theaters durch eine »gegenvolkische [...], antinationale [...] Clique« von Kritikern beklagt hatte.2 Doch en passant war er auch ein Rückblick auf die Entwicklung von der Schaubühne zur Weltbühne:

Es sind jetzt mehr als dreißig Jahre vergangen, daß Hermann Sudermann sein berühmtes Pamphlet über die »Verrohung in der Theaterkritik«3 veröffentlichte. Ein erfolgreicher Autor hatte den Ehrgeiz, auch als künstlerische Erscheinung hundertprozentig gewertet zu werden, und begann unvermittelt auf jene Kritiker loszudreschen, die seinen Anspruch anfochten. Sudermanns grober Vorstoß hatte eine Reihe glänzender Gegenschriften zur Folge; in den Kritiken Siegfried Jacobsohns zitterte noch lange die Erregung jener Auseinandersetzung um die »Verrohung« nach.

Heute sind wir in der glücklichen Lage, diese Kämpfe historisch betrachten zu können. Wir gestehen gern zu, daß die berliner Theaterkritik damals einen Hitzegrad erreicht hatte, der uns heute unverständlich erscheint. Die wilhelmische Ära, durch und durch apolitisch, gab ihre großen streitbaren Temperamente an die Sphären der Kunst und des Theaters ab.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 1.
    Morgenstern 1994, 98.Google Scholar
  2. 2.
    »Wer hat das deutsche Theater ruiniert?«, Deutsche Allgemeine Zeitung, 2.2.1933, Morgen-Ausgabe. Auf eine Replik von Monty Jacobs (Vossische Zeitung, 2.2.1933, Abend-Ausgabe) reagierte Walter Bloem mit der Erwiderung »Wer hat das deutsche Theater ruiniert? Nachwort«, Deutsche Allgemeine Zeitung, 25.2.1933, Abend-Ausgabe.Google Scholar
  3. 3.
    Zuerst als fünfteilige Artikel-Serie im Berliner Tageblatt (30.10.1902, Abend-Ausgabe; 7.11.1902, Abend-Ausgabe; 17.11.1902, Abend-Ausgabe; 25.11.1902, Abend-Ausgabe; 1.12.1902, Abend-Ausgabe), dann als Monographie veröffentlicht (Sudermann 1902).Google Scholar
  4. 4.
    Wb, 28.2.1933, 316.Google Scholar
  5. 5.
    Zahlreiche der im folgenden zitierten Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge wurden im Nachlaß Sudermanns im Deutschen Literaturarchiv, Marbach (Cotta/Sudermann, Faszikel XI), aufgefunden. Weitere Artikel konnten in der internationalen Bibliographie der Zeitschriftenliteratur, durch Verweise in den Beiträgen selbst sowie bei der Durchsicht verschiedener Publikationsorgane ermittelt werden. Leider blieben einige bibliographierte Texte faktisch unzugänglich: So waren z.B. Alfred Klaars Artikel in der Königsberger Allgemeinen ZeitungNv. 535 vom 14.11.1902 und ein Beitrag in der Breslauer ZeitungNr. 823 (1902), weder im nationalen noch im internationalen Fernleihverkehr der Bibliotheken zu erhalten.Google Scholar
  6. 6.
    Wellek/Warren 1963, 119.Google Scholar
  7. 7.
    Bürger 1985, 88.Google Scholar
  8. 8.
    Ebd., 88 f.Google Scholar
  9. 9.
    Sudermann 1902, 6.Google Scholar
  10. 10.
  11. 11.
  12. 12.
  13. 13.
  14. 14.
  15. 15.
    Anonymus: Der Niedergang unserer Bühnendichtung., Deutsche Warte, 27.11.1902, Morgen-Ausgabe.Google Scholar
  16. 16.
    Erich Schlaikjer: Sudermanns Fälschungen, Leipziger Volkszeitung, Nr. 269 (1902).Google Scholar
  17. 17.
    »Die Kritikerschlacht«; in: Berg 1903, 47.Google Scholar
  18. 18.
    Bleibtreu 1903.Google Scholar
  19. 19.
    Friedrich Koppen: Kunstkritik. Einige zeit- und ortgemäße Betrachtungen, Hannoverscher Courier, 1.11.1902 (Abend-Ausgabe).Google Scholar
  20. 20.
    Julius Stettenheim: Zur Verrohung in der Kritik. Ein Versuch, die Umkehr zu erleichtern, Das Kleine Journal (Berlin), 26.11.1902. Sudermann notierte handschriftlich unter seinen Ausschnitt dieser Kritik: »verte!« (Wende um!).Google Scholar
  21. 21.
    Der Roland von Berlin: Der neueste Stil, Das Kleine Journal, 11.11.1902.Google Scholar
  22. 22.
    Anonymus: Ein Kritiker der Kritiker, Kölnische Volkszeitung, Litterarische Beilage, Nr. 47, 1902.Google Scholar
  23. 23.
    Heinrich Stümcke: Der Fall Sudermann. Kritische Glossen; in: Bühne und Welt. Zeitschrift fur Theaterwesen, Literatur und Musik (Berlin), 5. Jg. (1902/03), 284–288.Google Scholar
  24. 24.
    Rudolf Krauß: Sudermann und die moderne Theaterkritik; in: Deutsche Zeitschrift. Nationale Rundschau für Politik, Volkswirtschaft, Litteratur und Kunst (Berlin), Jan. 1903, 32–35.Google Scholar
  25. 25.
  26. 26.
    G. Sudermann wider die Kritiker; in: Neue Zürcher Zeitung, 24.11.1902 (Morgen-Ausgabe).Google Scholar
  27. 27.
    Stauf von der March: Sudermann Moriturus; in: Neue Bahnen, Halbmonatsschrift ftir Kultur (Wien), Jg. 1903,250–252.Google Scholar
  28. 28.
    Bartels 1903, 5.Google Scholar
  29. 29.
    Klaus Matthias: Kerr und die Folgen — Analyse der Sudermann-Kritik als Perspektive einer Neubewertung seiner Dramen; in: Rix 1980, 46.Google Scholar
  30. 30.
  31. 31.
  32. 32.
  33. 33.
    Habermans 1962, 57 f.Google Scholar
  34. 34.
    »Die Hermannsschlacht«, Die Welt am Montag, 24.11.1902.Google Scholar
  35. 35.
  36. 36.
    Blumenthal war Gründer des Berliner Lessingtheaters, Lustspieldichter und Theaterkritiker des Berliner Tageblatts. Google Scholar
  37. 37.
    Ebd. Moritz Gottlieb Saphir war Literatur- und Theaterkritiker, gab seit 1837 die satirische Zeitschrift Der Humorist heraus.Google Scholar
  38. 38.
    Theaterkritiker des Berliner Tageblatts, 1899 Direktor des Berliner Theaters, 1904 des Deutschen Theaters und 1904 erster Dramaturg der Berliner Königlichen Schauspiele.Google Scholar
  39. 39.
    1891–95 Feuilletonredakteur des Berliner Tageblatts (1891/92 als Feuilletonchef), seit 1895 Hg. der Romanwelt und des Magazins für Litteratur, seit 1898 Direktor des Berliner Lessing-Theaters.Google Scholar
  40. 40.
    Einen weiteren Angriff Jacobsohns gegen Fritz Engel beantwortete dieser noch am selben Tag in der Abendausgabe des Berliner Tageblatts: »Ich erkläre hiermit den Mann, der Dies geschrieben hat, öffentlich für einen Lügner.« In einem Brief vom 25.11.1902 teilte Jacobsohn Fritz Mau-thner mit, er habe gegen Engel Klage erhoben, und bat Mauthner, eine Meldung darüber im Berliner Tageblatt zu lancieren (Original im Leo-Baeck-Institute, New York).Google Scholar
  41. 41.
    »Kritikergedanken«, Berliner Tageblatt, 2.12.1902, Abend-Ausgabe.Google Scholar
  42. 42.
  43. 43.
    »In eigenen Sachen«, Die Welt am Montag, 1.12.1902.Google Scholar
  44. 44.
    Seit 1901 Feuilletonchef der Vossischen Zeitung. Google Scholar
  45. 45.
    Die Welt am Montag, 8.12.1902. Jacobsohns Verfasserschaft dieses namentlich nicht gekennzeichneten Beitrages ist u.a. deshalb anzunehmen, da Alfred Klaar als »prager Patriarch« bezeichnet wird, eine Wendung, die Jacobsohn bereits in seinem Artikel »Die Hermannsschlacht« verwendet hatte.Google Scholar
  46. 46.
    Die Zukunft, 22.11.1902, 311–326; Die Zukunft, 29.11.1902, 356–370; Die Zukunft, 6.12.1902, 297–402; Die Zukunft, 13.12.1902, 431–438.Google Scholar
  47. 47.
    »Kampfgenosse Sudermann.« Berlin 1903. Mit diesem Titel zitierte Harden die Widmung, die ihm Sudermann in sein Exemplar des Romans »Der Katzensteg« geschrieben hatte; vgl. Hardens Schilderung in der Zukunft, 29.11.1902, 363.Google Scholar
  48. 48.
    Die Zukunft, 6.12.1902, 399.Google Scholar
  49. 49.
    Ebd., 400.Google Scholar
  50. 50.
    Die Zukunft, 22.11.1902, 312.Google Scholar
  51. 51.
    Felix Philippi inszenierte die ersten deutschen Ibsen-Aufführungen am Stadttheater Augsburg, seit 1884 freier Schriftsteller und Journalist, seit 1891 in Berlin.Google Scholar
  52. 52.
    Die Zukunft, 22.11.1902, 314 f.Google Scholar
  53. 53.
    »Kunst und Kritik. Der Fall Sudermann [I.]«, Tägliche Rundschau, 6.12.1902.Google Scholar
  54. 54.
    »Die Schaffenden (Bühnen-Autoren und Zeitungsschreiber). Eine Auseinandersetzung mit Hermann Sudermann«; in: Goldmann 1905, 242–256, hier: 242 und 256.Google Scholar
  55. 55.
    Der Tag, 21.11.1902.Google Scholar
  56. 56.
    Vgl. auch entsprechende Bemerkungen von Kerr in der Einleitung zu seiner Sammlung »Die Welt im Drama« (Kerr 1917, Bd. 1): »Der wahre Kritiker bleibt für mich ein Dichter: ein Gestalter. Und es ist beinahe kein großer Unterschied, ob er einen ernsten Autor gestaltet oder einen ulkigen und schlechten Autor gestaltet.« (S. 11) »Wert hat, wie ich glaube, nur Kritik, die in sich ein Kunstwerk gibt: so daß sie noch auf einen Menschen wirken kann, wenn ihre Inhalte falsch geworden sind (oder der Besprochene verschimmelt ist.)« (S. 12) »Produktive Kritik ist solche, die ein Kunstwerk in der Kritik schafft. Jede andere Deutung ist leer. Unter den Kritikern hat nur das Recht, einem abgestempelten >Dichter< zu nahen, wer selbst einer ist.« (S. 13)Google Scholar
  57. 57.
    Kerr 1902.Google Scholar
  58. 58.
    Herausgeber und Theaterkritiker der Zeitschrift Die Gegenwart. Google Scholar
  59. 59.
    Heinrich Rickert war zunächst Redakteur, dann Verleger der Danziger Zeitung. Google Scholar
  60. 60.
    »Kritisches von der Theaterkritik«, Münchner Neueste Nachrichten, 6.12.1902.Google Scholar
  61. 61.
    Musil 1981, Bd. 8, 1025 f.Google Scholar
  62. 62.
    Musil 1976, Bd. 1,230.Google Scholar
  63. 63.
    Ebd., 634.Google Scholar
  64. 64.
    Ebd., 814. Zur subtilen Umsetzung dieser Abneigung Musils gegen den Journalismus in seinem Roman »Der Mann ohne Eigenschaften« vgl. Schreiter 1993, 127–130. — Nicht nur in den Diskursen der Schriftsteller trifft man auf die Herabsetzung des Journalismus, sondern auch in den Diskursen der Wissenschaft. Sowohl Theodor W. Adorno (»Der wunderliche Realist«, in: Adorno 1981) als auch Heinz Schlaffer (»Denkbilder«, in: Kuttenkeuler 1973, 137–155) verfolgen mit der Kennzeichnung der Schriften von Ernst Bloch, Siegfried Kracauer oder Walter Benjamin als Journalismus pejorative Absichten; vgl. dazu: Mülder 1985, 105.Google Scholar
  65. 65.
    Peter Suhrkamp: Der Journalist; in: Mennicke/von der Gablenz 1930, 380–394, hier: 385.Google Scholar
  66. 66.
    »Über den Schriftsteller«; in: Neue Rundschau (1931, Bd. 1, 860–862; nachgedruckt in: text + kritik (Siegfried Kracauer), Heft 68 (1980), 1–3 sowie Kaes 1983, 190–193; jetzt in: Kracauer 1990, 343–346.Google Scholar
  67. 67.
    Vgl. dazu Walter Benjamin: Der Autor als Produzent; in: Benjamin 1980, Bd. 2, 686–687.Google Scholar
  68. 68.
    Heimann 1903, 17 f.Google Scholar
  69. 69.
    Vgl. dazu: Walter Benjamin: Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik; in: Benjamin 1980, Bd. 1, 66: »Kritik ist [in der frühromantischen Theorie der Kunsterkenntnis] also gleichsam ein Experiment am Kunstwerk, durch welches dessen Reflexion wachgerufen, durch das es zum Bewußtsein und zur Erkenntnis seiner selbst gebracht wird.«Google Scholar
  70. 70.
    Das Manuskript befindet sich im Tucholsky-Archiv des Deutschen Literaturarchivs, Marbach.Google Scholar
  71. 71.
    »Auch ein Kritiker«, Sb, 9.1.1908,1, 53–55.Google Scholar
  72. 72.
    »Von Sophokles bis Legal«, Sb, 18.3.1915,1, 256–259, hier: 258.Google Scholar
  73. 73.
    Börne/Heine 1986,46–47.Google Scholar
  74. 74.
    Heinrich Heine: Ludwig Börne. Eine Denkschrift; in: Börne/Heine 1986, 122.Google Scholar
  75. 75.
    Heinrich Laube: Nekrolog auf Heine; in: Börne/Heine 1986, 102.Google Scholar
  76. 76.
    Thomas Mann: Notiz über Heine; in: Börne/Heine 1986, 317.Google Scholar
  77. 77.
    »Berliner Theaterkritiker II«, Sb, 14.9.1905, 43–48.Google Scholar
  78. 78.
    »Berliner Theaterkritiker IV«, Sb, 21.9.1905, 59–62.Google Scholar
  79. 79.
    »Vom Mißbrauch der Kritik«, Sb, 23.11.1905, 335–338.Google Scholar
  80. 80.
    »Vom Wesen der Kritik«, Sb, 17.5.1906,1, 584–586.Google Scholar
  81. 81.
    »Kritikensammlung I«, Sb, 30.4.1908,1, 480.Google Scholar
  82. 82.
    »Vom Wesen der Kritik«, Sb, 17.5.1906,1, 584–586.Google Scholar
  83. 83.
    »Der Kritiker Bahr«, Sb, 17.1.1907,1, 72–76.Google Scholar
  84. 84.
    »Der Kritiker« [MV], Sb, 9.3.1911,1, 256–259; Sb, 16.3.1911,1, 291–293; Sb, 23.3.1911,1, 327–328; Sb, 30.3.1911,1, 348–349, hier: 291.Google Scholar
  85. 85.
    »Das Problem der Theaterkritik«, Sb, 14.9.1911, II, 199–203.Google Scholar
  86. 86.
    Kritik der Kritik, Heft 2, 49.Google Scholar
  87. 87.
    Ebd., Heft 1,8.Google Scholar
  88. 88.
    Ebd., Heft 1, 10.Google Scholar
  89. 89.
    Ebd., Heft 1,28.Google Scholar
  90. 90.
    Bourdieu 1987, 439 f.Google Scholar
  91. 91.
    Kritik der Kritik, Heft 2, 59 f.Google Scholar
  92. 92.
    Aus der Fülle der Forschungsliteratur über die politischen und ökonomischen Hintergründe des Konzentrationsprozesses im deutschen Nachrichten- und Pressewesen sind Holzbach 1981 und Basse 1991 hervorzuheben. Eine ähnliche Entwicklung im französischen Pressewesen mit einer Fülle von Detailinformationen beschrieb in der Wb Simson Carasco 1929 in einer Artikelserie. (Bei dem Namen Carasco handelt es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um ein Pseudonym, das bislang Ossietzky zugeschrieben wurde. Zu der Fülle von Indizien, die mit großer Sicherheit Os-sietzkys Verfasserschaft ausschließen lassen, vgl. Ossietzky 1994, Bd. 8, 12). Für den Film wurde die Entwicklung vom Polypol zu einem Monopol von Prokop 1982 untersucht; zur Entstehung der Ufa vgl. Kreimeier 1992.Google Scholar
  93. 93.
    Die Darstellung stützt sich neben Briefen und Briefabschriften im Theodor-Lessing-Nachlaß des Stadtarchivs Hannover (im folgenden ThLN) und den von Jacobsohn in der Sb und Lessing in der Aktion veröffentlichten Artikeln vor allem auf Zeitungsberichte, die sich unter den Nummern 2380–2386 im ThLN sowie im Nachlaß Sudermanns (im Cotta-Archiv des Deutschen Literaturarchivs, Marbach) befinden (sowohl Lessing als auch Sudermann hatten Zeitungsausschnittsdienste beauftragt). Weiteres Material konnte durch Auswertung der Internationalen Bibliographie der Zeitschriftenliteratur und der Durchsicht einiger Zeitungen und Zeitschriften ermittelt werden.Google Scholar
  94. 94.
    Kurt Tucholsky: Fünfundzwanzig Jahre, Wb, 9.9.1930, II, 373–382, hier: 374; jetzt in: Tucholsky 1975, Bd. 8, 200–211, hier: 202.Google Scholar
  95. 95.
    Vgl. zur Biographie: Marwedel 1987.Google Scholar
  96. 96.
    Die Premiere fand schließlich am 7. Januar 1913 statt.Google Scholar
  97. 97.
    ThLN 2432.Google Scholar
  98. 98.
    Entsprechende Meldungen wurden in den großen Berliner Tageszeitungen wie dem Berliner Tageblatt und der Vossischen Zeitung nicht veröffentlicht, erschienen aber u.a. im Leiziger Tageblatt vom 25.12.1912 und der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung vom 28.12.1912.Google Scholar
  99. 99.
    Vgl. z.B. die Meldungen: »Konfiskation der >Schaubühne< auf Veranlassung Sudermanns«, Berliner Börsen-Courier, 1.1.1913, Morgen-Ausgabe; »Sudermann gegen die >Schaubühne<«, Berliner Tageblatt, 1.1.1913, Morgen-Ausgabe; »Sudermann läßt konfiszieren!«, Berliner Volks-Zeitung, 1.1.1913; »Die Schaubühne konfisziert«, Hannoverscher Anzeiger, 3.1.1913.Google Scholar
  100. 100.
    Er lautete: »Wer den wesentlichen Inhalt eines Werkes, bevor der Inhalt öffentlich mitgeteilt wird, vorsätzlich ohne Einwilligung des Berechtigten öffentlich mitteilt, wird mit Geldstrafe bis zu fünfzehnhundert Mark bestraft.«Google Scholar
  101. 101.
    »Die Schaubühne konfisziert!«, 3.1.1913.Google Scholar
  102. 102.
    Vgl. »Hermann Sudermanns Klage«, Berliner Tageblatt, 6.1.1913, Abend-Ausgabe,Google Scholar
  103. 103.
    10.1.1913, Morgen-Ausgabe. Das meldete auch der Vogtländische Anzeiger und gab zugleich die Einschätzung: »Die Herren Jakobsohn [!] und Lessing haben mit ihrer berühmten Vorkritik des >Guten Rufes< für Sudermann anscheinend wider Willen ausgezeichnete Reklame gemacht.«Google Scholar
  104. 104.
    Das berichtete Lessing in seiner Stellungnahme im Berliner Tageblatt (7.1.1919, Abend-Ausgabe), auf die sich der Hannoversche Anzeiger in einer Notiz »Zum Fall Sudermann-Jacobsohn« vom 9.1.1913 bezog.Google Scholar
  105. 105.
    »Eine literarische Unanständigkeit«, 3.1.1913.Google Scholar
  106. 106.
    »Premierenkritik vor der Premiere«, 2.1.1913, Abendausgabe.Google Scholar
  107. 107.
    »Die Vorbesprechung eines Dramas und das Urheberrecht«, 3.1.1913.Google Scholar
  108. 108.
    »Sudermann und die >Schaubühne<«, Berliner Tageblatt, 2.1.1913, Abend-Ausgabe; ebenfalls in der Vossischen Zeitung, 2.1.1913, Abend-Ausgabe sowie der Deutschen Tageszeitung, Berlin, 3.1.1913, Abend-Ausgabe.Google Scholar
  109. 109.
    »Sudermann-Jacobsohn«, Berliner Tageblatt, 3.1.1913, Abend-Ausgabe; ebenfalls in der Vossischen Zeitung, 3.1.1913, Morgen-Ausgabe. Andere Zeitungen meldeten lediglich, daß Zuschriften von Goldbaum und Jacobsohn eingegangen seien, und faßten deren Inhalt kurz zusammen (so die BZ. am Mittag, 2.1.1913 und der Berliner Börsen-Courier, 2.1.1913, Abend-Ausgabe). Eine weitere Zuschrift Jacobsohns wurde in Die Post vom 21.11.1913 veröffentlicht.Google Scholar
  110. 110.
    »Die Sudermannafföre mit der Schaubühne«, Berliner Börsen-Courier, 3.1.1913, Abend-Ausgabe.Google Scholar
  111. 111.
    Vgl. die Sammlung von Kritikerstimmen von S.J.: Sb 16.1.1913,1, 92–94.Google Scholar
  112. 112.
    »Der Kampf um den >Guten Ruft«, Berliner Tageblatt, 7.1.1913, Abend-Ausgabe.Google Scholar
  113. 113.
    Vgl. die Meldungen »Sudermann gegen die >Schaubühne<. Vertagt!« Berliner Volks-Zeitung, 6.1.1913, Abend-Ausgabe; »Hermann Sudermanns Klage«, Berliner Tageblatt, 6.1.1913, Abend-Ausgabe; »Kritik vor der Uraufführung. Der Fall Sudermann — Schaubühne vor Gericht«, Berliner Lokal-Anzeiger, 6.1.1913, Abend-Ausgabe.Google Scholar
  114. 114.
    Sb, 9.1.1913,1,42–46.Google Scholar
  115. 115.
    Die Aktion, 15.11.1913, 1072.Google Scholar
  116. 116.
    »Der Dozent für Ethik«, Sb, 27.11. 1913,11, 1171–1176, hier: 1173 f.Google Scholar
  117. 117.
    Das umfangreiche Protokoll befindet sich im ThLN 2430.Google Scholar
  118. 118.
    Die Aktion, 15.11.1913, 107.Google Scholar
  119. 119.
    »Die Generalintendatur und >Der gute Ruft«, Berliner Tageblatt, 8.1.1913, Abend-Ausgabe; »Kleine Mitteilung«, Hannoverscher Courier, 9.1.1913.Google Scholar
  120. 120.
    ThLN 2431. Entsprechende Meldungen waren bereits zuvor in einigen Tageszeitungen erschienen: »Dr. Theodor Lessing«; Dresdner Nachrichten, 23.1.1913); »Dies und Das. Dr. Theodor Lazarus«, Deutsche Tageszeitung, 24.1.1913, Abendausgabe. (Bereits in ihrer Abendausgabe vom 6.1.1913 hatte die Deutsche Tageszeitung — fälschlicherweise — behauptet, Lessing heiße eigentlich Lazarus, womit offenkundig die jüdische Herkunft Lessings betont werden sollte. In einer Auswertung der Namenshäufigkeit in Witzen über Juden rangiert der Name »Lazarus« auf Platz 15; vgl. Bering 1991, 199).Google Scholar
  121. 121.
    Sb, 23.10.1913, II, 1037.Google Scholar
  122. 122.
  123. 123.
  124. 124.
    ThLN 2425, undatiert (das Datum ergibt sich aus der späteren Bezugnahme in Lessings Brief vom 21.7.1913).Google Scholar
  125. 125.
    Brief vom 21.7.1913, ThLN 2420.Google Scholar
  126. 126.
    ThLN 2415.Google Scholar
  127. 127.
    ThLN 2416.Google Scholar
  128. 128.
  129. 129.
  130. 130.
    Sb, 23.10.1913, II, 1037.Google Scholar
  131. 131.
    »Noch immer der Fall Lessing«, Hannoverscher Anzeiger, 22.10.1913, 1. Beilage.Google Scholar
  132. 132.
    »Der Prozeß um den >guten Ruft«, Hannoverscher Anzeiger, 30.10.1913, 1. Beilage.Google Scholar
  133. 133.
    »Jacobsohn widerlegt«, Hannoverscher Courier, 1.11.1913.Google Scholar
  134. 134.
    Lessing 1913.Google Scholar
  135. 135.
    Die Aktion, 15.11.1913, 1072.Google Scholar
  136. 136.
    Ermittelt wurde nur die entsprechende Meldung im Hannoverschen Courier, 9.11.1913.Google Scholar
  137. 137.
    Die Aktion, 8.11.1913, 1062Google Scholar
  138. 138.
    Die Aktion, 22.11.1913, 1906 [= 1096] bis 1100.Google Scholar
  139. 139.
    Die Aktion, 29.11.1913, 1117–1120.Google Scholar
  140. 140.
    »Berühmte Zeitgenossen«, 18.1.1913.Google Scholar
  141. 141.
    »Zu unseren Ausführungen über >Berühmte Zeitgenossen<«, Die Post, 21.11.1913.Google Scholar
  142. 142.
    Sb, 27.11.1913, II, 1171.Google Scholar
  143. 143.
    Die Prozeßakte befindet sich unter der Signatur Rep 58 F Ace. 1897 im Landesarchiv Berlin. Vgl. auch: »Der Fall Sudermann — Jacobsohn«, Neuköllner Tageblatt, 15.10.1913; »Gerichtshalle. Der Fall Sudermann — Jacobsohn«, Norddeutsche Allgemeine Zeitung, 16.10.1913; »Gerichtszeitung. Sudermann, Lessing und Jacobsohn«, Frankfurter Zeitung, 16.10.1913, 1. Morgenblatt; »Dichter und Kritiker«, Kölner Tageblatt, 16.10.1913; »Der Prozeß Sudermann — Jacobsohn«, Hannoverscher Anzeiger, 16.10.1913.Google Scholar
  144. 144.
    Vgl. die Prozeßakte (Anm. 144) sowie »Der Fall Sudermann vor dem Reichsgericht«, Tägliche Rundschau, 10.1.1914, Abend-Ausgabe.Google Scholar
  145. 145.
    Nicht ermittelt.Google Scholar
  146. 146.
    Brief Jacobsohns an Tucholsky vom 3.6.1925; in: Jacobsohn 1989, 294.Google Scholar
  147. 147.
    Brief von Wilhelm an Werner in »Wilhelm Meisters Lehrjahre« (Goethe 1984, Bd. 7, 290).Google Scholar
  148. 148.
    Frankfurter Zeitung, 29.6.1930, zit. nach Kracauer 1977, 76–77.Google Scholar
  149. 149.
    Rathenau/Harden 1983, 18.Google Scholar
  150. 150.
    Meyer-Drawe 1990, 65.Google Scholar
  151. 151.
    Sennett 1986, 198–200.Google Scholar
  152. 152.
    Vgl. dazu: Theodor W. Adorno, Glosse über Persönlichkeit; in: Adorno 1969, 51–67.Google Scholar
  153. 153.
    »Ein psychologisches Rätsel«, Berliner Tageblatt, 12.11.1904, Abend-Ausgabe. Gold führte als Belege zwei Passagen aus Kritiken Jacobsohns, die in der Welt am Montag erschienen waren an: »Traumulus«, Die Welt am Montag, 26.9.1904 und »Vom Gastspiel der Düse«, Die Welt am Montag, 7.11.1904. Die Feststellung von Michael Hepp, die Plagiatsvorwürfe hätten sich auf zwanzig Zeilen in Jacobsohns Buch »Das Theater der Reichshauptstadt« bezogen (Hepp 1993, 71), ist unrichtig.Google Scholar
  154. 154.
    Jacobsohn 1913.Google Scholar
  155. 155.
    Vgl. »Das psychologische Rätsel«, Berliner Tageblatt, 14.11.1904, Abend-Ausgabe.Google Scholar
  156. 156.
    Alfred Kerr: Bagatellen, Pan 1 (1910/11), 385–386, hier: 385. Diesen Vorwurf griff Kerr, ergänzt durch weitere Plagiatsbeschuldigungen, wiederholt auf: vgl. seine Glossen »Kritik als Stand«, Pan 3 (1912/13), 552; »Nochmals Kritik als Stand«, Pan 3 (1912/13), 603–605; »Nachtrag«, Pan 3 (1912/13), 735–736. Vgl. auch die sich an Kerrs Glosse »Bagatellen« anschließenden Stellungnahme von Paul Cassirer: Erinnerung, Pan 2(1911/12), 293 und »Reue«, Pan 2(1911/12), 349–350.Google Scholar
  157. 157.
    Franz Pfemfert: Ein halber Held ist Siegfried, Die Aktion 13 (1923), 134.Google Scholar
  158. 158.
    Lederer veröffentlichte seine Vorwürfe zuerst in einer Reihe von Artikeln in der Zeitschrift Der Revolutionär. »So sehen sie aus«, Der Revolutionär 3 (1921), Nr. 28, 2–7; »Das Mauschel vom Kurfürstendamm«, Der Revolutionär 3 (1921), Nr. 28, 49–59, »Germanicus auf der Schau-, Welt-und Drehbühne«, Der Revolutionär 4 (1922), Nr. 29/30, 63–64; »Weltbühnen oder Die Lüge als Rohstoff«, Der Revolutionär 5 (1923), Nr. 31, 1–48. Vgl. dazu auch die folgende Glossen in der Aktion: Franz Pfemfert: Kleine Aktion. Gemeinheit plus Feigheit, Die Aktion 10 (1920), 375–382;Google Scholar
  159. 158a.
    Franz Pfemfert: Mein Nachschlagewerk >Wer ist’s?<, Die Aktion 10 (1920), 466–467;Google Scholar
  160. 158b.
    Franz Pfemfert: Ein halber Held ist Siegfried, Die Aktion 13 (1923), 134;Google Scholar
  161. 158c.
    Franz Pfemfert: Kleiner Briefkasten, Die Aktion 14 (1924), 43–44;Google Scholar
  162. 158d.
    Moritz Lederer: Jacobsohn, Die Aktion 14 (1924), 204–210;Google Scholar
  163. 158e.
    Moritz Lederer: Der Buckel des Jacobsohn, Die Aktion 14 (1924), 335–337;Google Scholar
  164. 158f.
    Franz Pfemfert: Nach zehn Jahren oder der Pazifismus des verlorenen Krieges, Die Aktion 14 (1924), 399–406;Google Scholar
  165. 158g.
    Franz Pfemfert: Ein toter Konjunkturschmock und die Schmockgemeinde, Die Aktion 17 (1924), 20–26.Google Scholar
  166. 159.
    So heißt es in Lederers »Weltbühnen oder Die Lüge als Rohstoff« (vgl. Anm. 64), in der Person Jacobsohns hätten »Blödheit und Unzulänglichkeit [...] einer immensen Verlogenheit, einer grotesk anmutenden Heuchelei und einer gemeingefährlichen Niedertracht den Platz geräumt« (S. 240), Jacobsohn habe eine »ungeahnte schurkische Potenz, gedeckt und immunisiert durch eine pathologische Substanz« (S. 241), er sei ein »Kerlchen«, »alles ist an ihm verkümmert; bis auf den Schädel mit einem rastlos bewegten Maul. Das pendelt über einem Zwergenleib, der überreif und darum halb verschrumpft schon auf die Welt gekommen scheint.« (S. 243) Daß Jacobsohn gegen Lederer prozessierte (und den Prozeß gewann) verstand sich (beinahe) von selbst. Pfemfert schoß während der Verhandlungen Fotos, was den Anlaß zu einem weiteren Prozeß bildete, diesmal über die Erlaubnis, ein Foto Jacobsohns abzudrucken. Auch dieses Gerichtsverfahren wurde in der Tagespresse lang und breit diskutiert und ist einer jener Auswüchse des In-dividualjournalismus, die für diese Zeit keineswegs untypisch sind. Vgl. dazu Franz Pfemfert: Kleiner Briefkasten, Die Aktion 14 (1924), 79–84;Google Scholar
  167. 159a.
    Franz Pfemfert: Kleiner Briefkasten, Die Aktion 14 (1924), 306–309;Google Scholar
  168. 159b.
    Franz Pfemfert: Kleiner Briefkasten, Die Aktion 14 (1924), 437–448. Auf die Berichterstattung in der Tagespresse reagierte Jacobsohn damit, daß er nach Gewinn des Prozesses gegen Pfemfert dem Abdruck einer Fotografie von ihm in der Zeitschrift Das Stachelschwein zustimmte. Vgl. »Siegfried Jacobsohns Photographie. Ein Quentchen Zeitgeschichte«, Das Stachelschwein 1 (1924), Heft 15, 2–4; das Bild Jacobsohns als Beilage zwischen den Seiten 16 und 17.Google Scholar
  169. 160.
    Bosse erblickte den Ursprung eines Bewußtseins von Autorschaft in der Durchsetzung des Urheberrechts: »In Deutschland bildete sich das Urheberrecht in jenen zweimal 30 Jahren vor und nach 1800 heraus, die nach Goethes literarischer Wirksamkeit benannt werden und den Aufbruch zur Industrialisierung umfassen. Den Anstoß gab überraschenderweise kein Jurist, sondern ein Dichter, Klopstocks Aufruf zur Subskription auf >Die Deutsche Gelehrten-Republik< (1773). Zwanzig Jahre später begründete das Preußische Allgemeine Landrecht 1794 das Verlagsrecht im Verlags vertrag zwischen Autor und Verleger, doch so, daß der Verleger Subjekt des Rechtsschutzes war. Das Badische Landrecht von 1810 anerkannte als erstes den Anspruch des Verfassers, indem es ihn von seinem Doppelgänger, dem Ghostwriter, unterschied.« (Bosse 1981, 8f). Söhn sah den Ursprung des Autorbewußtseins dagegen mit dem beginnenden Buchdruck und dem Bedürfnis einhergehen, die Autorschaft zu fixieren (vgl. Söhn 1974, 16 f).Google Scholar
  170. 161.
    Vgl. den Artikel »Plagiat« in: Merker/Stammler 1977, Bd. 3, 116.Google Scholar
  171. 162.
    Stemplinger 1911, 168.Google Scholar
  172. 163.
    Bosse 1981, 124.Google Scholar
  173. 164.
    Die Auseinandersetzung mit Herzog begann mit Jacobsohns und Alfons Goldschmidts Artikel »Der Jobber der Republik« (Wb, 20.2.1919, I, 210–213) und Alfons Goldschmidts Beitrag »Bankerott« (Wb, 27.2.1919, I, 234–235, hier: 235) und wurde fortan vor allem in der Rubrik »Antworten« weitergeführt (vgl. Antwort: Franz J., Wb, 28.3.1919, I, 329–330; Antwort: Franz J., Wb, 3.4.1919, I, 393–396; Antwort: Hermann U. in Danzig, Wb, 10.4.1919, I, 427–428; Antwort: F.G., Wb, 1.5.1919, I, 519–521; Antwort: Franz J., Wb, 15.5.1919, I, 578–579; Antwort: Reinlichkeitsfex, Wb, 1.1.1920, I, 32; Antwort: Mitglied der U.S.P.D., Wb, 22.4.1920, I, 480; Antwort: Theaterbesucher, Wb, 13.5.1920, I, 576; Heinrich Ströbel: Die Hemmungslosen, Wb, 20.5.1920, I, 577–581; Antwort: Hermann F, Wb, 26.8.1920, II, 247–248; Antwort: Hermann F., Wb, 14.10.1920, II, 438–440; Antwort: Hermann F., Wb, 11.11.1920, II, 568; Antwort: Hermann F., Wb, 18.11.1920, II, 598). Erst im Februar 1925 wurde nach einer Gerichtsverandlung vor dem Amtsgericht Charlottenburg (vgl. Jacobsohns Schilderung in dem Artikel »Gerichtstag«, Wb, 3.3.1925, I, 318–320) der Streit durch einen Vergleich beigelegt, dessen Ergebnis Jacobsohn in der Wb abdruckte: »Ich habe mich auf Grund der heutigen Hauptverhandlung davon überzeugt, daß die von mir in der >Weltbühne< erhobenen Vorwürfe, Wilhelm Herzog habe Arbeitergelder unterschlagen, völlig haltlos sind, und nehme die Beleidigungen mit dem Ausdruck des Bedauerns zurück. Ich verpflichte mich, eine Buße von hundert Reichsmark zu zahlen und diesen Vergleich auf meine Kosten binnen zwei Wochen in der >Weltbühne< am Ort, in der Schrift und in der Art der Behauptung, ferner im >Vorwärts<, in der >Leipziger Volkszeitung<, in der >Roten Fahne< und in der frankfurter Zeitung< zu veröffentlichen. Ich übernehme sämtliche Kosten.« (Antwort: Leser, Wb, 3.3.1925,1, 334) Die Auseinandersetzung mit Großmann begann Jacobsohn mit einer Notiz in der Rubrik »Antworten« (»Schmetterlingssammler«, Wb, 12.2.1920, I, 224). Es folgte Viktor Barnowsky Artikel »Herr Stefan Großmann« (Wb, 19.2.1920, I, 248–249). Als Großmann den Vorwurf erhob, Jacobsohn attackiere ihn nur wegen der Gründung der Konkurrenzzeitschrift Das Tage-Buch, teilte Jacobsohn seinen Lesern in dem Artikel »Der Fall Großmann« mit, daß er bereits »vor ungefähr zwei Jahren alle persönlichen Beziehungen zu ihm abgebrochen habe, nachdem er einen Charakter enthüllt hatte, für den selbst ein größeres Talent, als ihm zuteil geworden, niemals entschädigen könnte« (Wb, 26.2.1920, I, 279–282, hier: 279). Wiederholt nahm er nun in der Rubrik »Antworten« zum Fall Großmann Stellung (Antwort: Theaterbesucher, Wb, 22.4.1920, I, 479; Antwort: Theaterbesucher, Wb, 13.5.1920, I, 576; Antwort: Theaterbesucher, Wb, 3.6.1920,1, 669–672; Antwort: Theaterbesucher, Wb, 15.7.1920,1, 87–96; Antwort: Berliner Theaterkritiker, Wb, 19.5.1921,1, 566; Antwort: Berliner Theaterkritiker, Wb, 23.6.1921,1, 692; Antwort: Rechtsanwalt Fritz Grünspach, Wb, 7.7.1921, II, 22–26; Antwort: Berliner Theaterkritiker, Wb, 14.7.1921, II, 53–54; Antwort: Berliner Theaterkritiker, Wb, 21.7.1921, II, 79–82; Antwort: Berliner Theaterkritiker, Wb, 28.7.1921, II, 106–108; Antwort: Mittelsmann, Wb, 4.8.1921, II, 134; Antwort: Einige Fragen, Wb, 6.4.1922,1, 363). In der Wb vom 4.5.1922,1, 462 druckte Jacobsohn die Erklärung des Schiedsgerichtes (bestehend aus Richard Otto Frankfurter, Fritz Engel, Herbert Ihering, Hans Kyser und Paul Wiegler), in der es hieß: »Die Behauptungen [Jacobsohns] sind nicht erwiesen. Herrn Großmann fallen ehrenrührige Handlungen nicht zur Last. Jacobsohn konnte — bei seiner Berufsauffassung — nach dem äußern Schein und auf Grund von Zwischenträgereien der Meinung sein, daß er seine Angriffe berechtigt erhebe.« Der Streit wurde damit für beendet erklärt.Google Scholar
  174. 165.
    Brief von Jacobsohn an Tucholsky vom 29.6.1920; in: Jacobsohn 1989, 73 f.Google Scholar
  175. 166.
    Wb, 20.1.1925,1, 85.Google Scholar
  176. 167.
    Wb, 3.2.1925, I, 183. Fischer wies die Anschuldigung entschieden zurück (Wb, 17.2.1925, I, 256) Jacobsohn reagierte, wiederum in der Rubrik »Antworten«, entschuldigend: »Ich selbst habe Herrn Heinrich Fischer den Vorwurf des Plagiats weder gemacht noch machen wollen. Ich habe an Hebbels Wort gedacht: »Doubletten sind wertlos in der Kunst«; und Doubletten sind was ganz andres als Plagiate. Wenn aber hier auch eine Doublette nicht vorliegt — umso besser.« (Wb, 17.2.1925,1, 256) Hatte Jacobsohn schon vor der Veröffentlichung Skepsis an der Stichhaltigkeit der Behauptung Tucholskys, ohne indessen mit seiner öffentlichen Beschuldigung abzuwarten -»Stimmt das auch«, fragte er Tucholsky brieflich (Brief von Jacobsohn an Tucholsky vom 26.1.1925. Jacobsohn 1989, 254)-, so schrieb er an Tucholsky nunmehr: »Der Fall Fischer ist für uns beide eine gerechte, gesunde und erziehliche Strafe. Für Dich, der Du mir ganz — wie Du jetzt sagst — >vage< Dinge mit apodiktischer Sicherheit mitteilst, von denen nachher kein Buchstabe stimmt, und für mich, der ich mich künftig auf Deine Briefgens nicht mehr, sondern nur noch auf Deine Gartikel verlassen werde. Übrigens gibts über literarische Dinge keine Privatbriefe. Die Anekdote, die Du mir zur Entschädigung schickst ist uralt. Sonst würde ich sie drucken.« (Brief von Jacobsohn an Tucholsky vom 23.2.1925 Jacobsohn 1989, 265). Vgl. auch Meyer 1990,90–95.Google Scholar
  177. 168.
    Zu anderen öffentlichen Auseinandersetzungen zwischen Jacobsohn und Kraus vgl. Enseling 1962, 149–151.Google Scholar
  178. 169.
    Die Fackel, Nr. 686–690 vom Mai 1925, 54–69.Google Scholar
  179. 170.
    »Von Berlin geprägt. Über den Kritiker Siegfried Jacobsohn, aus Anlaß seiner Briefe an Kurt Tucholsky«, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.5.1991.Google Scholar
  180. 171.
    Vgl. auch Klaus Manns Einschätzung der Rolle Jacobsohns in seiner Autobiographie »Der Wendepunkt«: »Siegfried Jacobsohn gehörte zu den meist-gehaßten, meist-bewunderten und meist-diskutierten Figuren des geistig-politischen Deutschland; der kleine Mann — ich erinnere mich seiner als eines behenden Gnomen — verfügte über große Energien, großen Witz und große Zivilcourage.« (Mann 1981, 169 f).Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Opladen 1996

Authors and Affiliations

  • Gunther Nickel

There are no affiliations available

Personalised recommendations