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Jugend in der modernen und technisierten Gesellschaft

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Zusammenfassung

Jugendliche von heute erleben die räumlichen und kommunikativen Reichweiten anders als die Generation ihrer Eltern. Sie disponieren vergleichsweise früh über individuelle Kommunikationsmittel, Fahrzeuge und mediales Equipment. In einer Welt, in der Informationen beständig abrufbar sind, erweist sich ein auf Erfahrung aufbauendes Wissen als weniger bedeutsam. Die Erwachsenengeneration vermittelt der nachwachsenden Generation die jeweils herrschenden kulturellen Normen und gesellschaftlichen Gegebenheiten. Wie aber geht das, wenn die kulturellen Muster selbst im raschen Umbruch begriffen sind und wenn das, was kulturellen Wandel ausmacht, von der jungen Generation rascher aufgegriffen wird als von der alten? In Zeiten raschen sozialen und technischen Wandels verlieren Tradition und auf Lebenserfahrung gründendes Wissen ihre vorherrschende Stellung, und aktuelle Inhalte gewinnen an Gewicht. Sozialisationsinhalte werden neu geformt. Sozialisation als Prozess der Auseinandersetzung mit und Aneignung von gesellschaftlichen Werten, Normen und Handlungsmustern, dient der Gewinnung von Handlungsfähigkeit. Bei Piaget wird die Entstehung der Persönlichkeit als spiralförmiger Anpassungsprozess an die Umwelt definiert; zu diesem gehören heute zwingend auch die technisierten Umwelten. Sie sind offen strukturiert und Bestandteil der historisch gewachsenen Lebenswelt. Die dingliche materielle Umwelt spielt als sozialisatorischer Kontext heute eine nicht minder wichtige Rolle als Familie, Schule, Wohnumgebung und Gleichaltrigengruppen (vgl. Hurrelmann/Nordlohne 1989, Hurrelmann 1986). Dies ist Thema der nachfolgenden Ausführungen, in denen es um Aufwachsen in technischen Welten geht.

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Literatur

  1. 80.
    Zur kulturtheoretischen Einordnung vgl. etwa Hörning (1988, 1989), Winter/Eckert (1990) zur Mediengeschichte und kulturellen Differenzierung, sowie diverse jüngere Studien zur Welt der neuen Medien (Glaser 1994, Mettler-Maibom 1994, Rammert 1991, Ruppert 1993, Schivelbusch 1989 ).Google Scholar
  2. 86.
    In ihrem Buch zur Jugendkultur spekulieren Janke/Niehues (1995, S. 198), ob es vielleicht eine ,Trend-Polizei“ gebe: „Alle Bereiche, die dem ,Erlebnis` entgegenstehen, werden zum Problem. ,Du engagierst dich? Das verstehe ich nicht, das macht doch keinen Spaß.’ Auch die rein funktionalen Dinge blicken schweren Zeiten entgegen: ,Du hast ja eine total unhippe Nagelschere, ekelhaft.’ Jugendkultur weitet sich damit auf Felder aus, auf denen sie früher bedeutungslos war. Es wird dann Szene-Zahnbürsten, Szene-Scheren, Szene-Klopapier geben. Die entsprechenden Designer-Teile gibt’s schließlich schon. Lächerlich? Vor hundert Jahren konnte sich auch noch niemand vorstellen, dass es einmal junge Brillen geben würde. Die Jugendkultur wird also selbst in Sachen Zahnbürste bald schon wissen, wie man sich sowohl von seinen Eltern als auch von anderen Szenen absetzt.”Google Scholar
  3. 87.
    Dies meint das Bourdieusche Wort von den ,feinen Unterschieden“, die sich im Habitus spiegeln. ,Der Habitus bewirkt, dass die Gesamtheit der Praxisformen eines Akteurs (oder einer Gruppe von aus ähnlichen Sozialisationslagen hervorgegangenen Akteuren) als Produkt der Anwendung identischer oder wechselseitig austauschbarer Schemata zugleich systematisch den Charakter tragen und systematisch unterschieden sind von konstitutiven Praxisformen eines anderen Lebensstiles” (Bourdieu 1982, Anm. 2, S. 278).Google Scholar
  4. 90.
    Zum Zusammenhang Handybesitz und Bildungsindex der Eltern und Nutzung der Computer vgl. Jugendwerk der Deutschen Shell 2000 (S. 201f.).Google Scholar
  5. 91.
    Zwischen Ende 1998 und Anfang 2000 hat der Verlag Dino vier neue Jugendzeitschriften auf den Markt gebracht (,Pumuckl“, ,Tiere”, ,Freunde fürs Leben“ und ein Rätselmagazin). Die Dino-Produktion ,Gute Zeiten — Schlechte Zeiten” wurde im dritten Quartal rund 500.000-mal verkauft und liegt damit auf dem deutschen Jugendzeitschriftenmarkt hinter Bravo (881.000) und dem Jugendherbergsmagazin.Google Scholar
  6. 92.
    Dies ist u.a. auch deshalb der Fall, weil es immer weniger junge Menschen gibt. Der Anteil der unter 20jährigen ist von einem Drittel (1950) auf ein Fünftel der Bevölkerung gesunken und auch damit wird das Verhältnis des Lernens zwischen den Generationen neu definiert. Es geht um Beziehungswissen, das im integrativen Austausch der Generationen vermittelt wird. Sicher, einerseits verlieren die Älteren heute den Status der Wissenden und Weisen, andererseits, so argumentiert Hondrich (1999), ,nicht weil sie jung ist, lernt die Jugend besser — auch das! — sondern weil sie zur Minderheit geworden ist“ (S. 42).Google Scholar
  7. 93.
    Diese Netze setzen sich aus partikularen Orten zusammen, die ,durch eine Reihe von Anschlüssen miteinander verbunden sind, welche andere Orte durchqueren und ihrerseits neue Anschlüsse erfordern, wenn die Netze sich weiter ausdehnen sollen“ (Latour 1995, S. 157).Google Scholar
  8. 94.
    Zukunftspessimismus wird über verschiedene Items erfasst. Die drei Items mit den höchsten Mittelwerten sind: „Es wird immer weniger Arbeitsplätze geben und es werden noch mehr Menschen arbeitslos sein“; ,Technik und Chemie werden die Umwelt zerstören”; ,Gewalttätige Konflikte werden das Leben zunehmend unsicherer machen“ (Jugendwerk der Deutschen Shell 2000, S. 388).Google Scholar
  9. 95.
    Die Übemahmeofferte von Vodafone und die Ablehnung seitens der Mannesmann AG hat sich für die Zeitungen, in denen über Monate täglich mehrere ganzseitige Anzeigen lanciert wurden, mit rund 250 bis 350 Millionen DM als wahrer Geldsegen erwiesen. In der zweiten Woche des Jahres 2000 hat Mannesmann allein der FAZ einen 10-seitigen Brief an seine Aktionäre beschert und Vodafone im gleichen Blatt noch eine mehrseitige Anzeige beigesteuert.Google Scholar
  10. 99.
    Vgl. Collmer (1997), Dippelhofer-Stiem/Odebrett (1994), Heppner u.a. (1990), MetzGöckl. u.a. (1991), Ritter(1994), Waibel (1992), Wajcman (1994).Google Scholar
  11. 100.
    Vgl. z.B. Eckert u.a. (1991), Hejl u.a. (1989), Noller/Paul (1991), Wetzstein u.a. (1995).Google Scholar
  12. 101.
    Vgl. Gehrmann (1986), Geissler (1985). Kritisch äußerte sich Ziefuss (1983). Es wurden auch Tagungen unter dem Motto veranstaltet,Die Zukunft unseres Landes beruht auf Jugend und Technik“ (vgl. Roser/Schlaffke 1983 ).Google Scholar
  13. 102.
    Am Beginn der Diskussion stand die Frage, wie die geringe Zahl von Jugendlichen zu erklären sei, die sich in der gymnasialen Oberstufe für das Schulfach Physik als Leistungskurs entschieden (vgl. Born/Euler 1978, Lehrke u.a. 1985, der,Spiegel“ (Heft 27, 1981) sowie die „Höhere Schule” 6/1981).Google Scholar
  14. 104.
    Vgl. für einschlägige Szenenberichte zu Beginn der Computerwelle Hon (1984), Weizenbaums Thesen zum einsamen Computerfreak (1982) und die kritischen Positionen bei Hentig (1984), Pflüger/Schurz (1987) und Roszak (1988).Google Scholar
  15. 107.
    Die Schätzungen in den 70er Jahren gingen von 26,5 Millionen Arbeitnehmern und rd. 6000 Computern aus. Damals kam ein Computer auf 4200 Arbeitnehmer. Bis 1989 sank die Zahl der Arbeitnehmer auf 25 Millionen, allerdings wurde die Zahl der beruflich genutzten Computer auf ungefähr 2,5 Millionen geschätzt. Versuche, erforderliche Qualifikationen und ,Manpower` für einen künftigen Computereinsatz zu kalkulieren, erweisen sich als durchweg schwierig, denn sowohl die Entwicklung der Arbeitsplätze, als auch die Zahl der Geräte und deren Leistungsfähigkeit ist kaum absehbar. Statt zentraler Rechner wurden entgegen den Erwartungen viele dezentrale PCs an den Arbeitsplätzen eingerichtet. Zwischen 1979 und 1985 stieg der Anteil der Beschäftigten, die Computer und Terminals nutzten, von 4,7 auf 16,1%.Google Scholar
  16. 108.
    Zur Cebit 2000 (März 2000 ) wurde durch den Bundeskanzler ein Fehlbestand von 40.000 Computerspezialisten angemahnt. Die darauf einsetzende, öffentlich geführte Kontroverse um eine, Green Card“ endete mit ihrer Ausgabe im Sommer 2000.Google Scholar
  17. 110.
    Kraftwerk schaffte mit Klischees und totaler Fixierung auf synthetischen Sound und der Magie der Technologie eine Popmusik im modernen Deutschland, einem Deutschland des ,Wirtschaftswunders [...1 der sich jagenden Autobahnkreuze, der stündlichen Intercity-Züge, der chromschimmernden Industriekomplexe“ (Haring 1984, S. 198).Google Scholar
  18. 124.
    Die Rede war damals häufiger vom ,einsamen Computerfreak“. Heute befinden Jgendstudien: ,Jm Netz und trotzdem kommunikativ”. Im Zentrum steht u.a. auch die Frage nach der Verarmung sozialer Beziehungen und sozialer Kompetenzen im Zuge wachsender Cyber-Welten. Cyber-Junkies sind nur bedingt Heimatlosigkeit im globalen Dorf ausgesetzt, elektronische Verkabelung steht sozialer Vernetzung Jugendlicher nicht entgegen (Jugendwerk der Deutschen Shell 2000, S. 181f.).Google Scholar
  19. 136.
    Bei jüngeren Jugendlichen ist die Gegenwartsorientierung strikter als bei älteren (vgl. Fuchs-Heinritz 2000). Sie ist wohl entwicklungspsychologisch begründbar (vgl. Kohr 1992 ). Vor allem Reinders u.a. (2001) differenzieren bei der Orientierung Jugendlicher nach Moratorium und Transition, d.h. gegenwarts- und zukunftsbezogene Jugendliche.Google Scholar
  20. 137.
    Die Absatzstrategie war bei der Schreibmaschine — so berichtet Theo Pirker (1962, 1963 ) — wichtiger als ihre technische Entwicklung und Herstellung. Da die Schreibmaschinentastawren nicht standardisiert waren, bedurfte es für jede Schreibmaschine entsprechender Einweisung und Übungen, um sie optimal zu bedienen. Auch Microsoft hat zu Beginn seine Produkte über spezielle Seminare und Verkaufsveranstaltungen, in denen die Grundzüge der Programme erläutert wurden, vertrieben.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2003

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