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Politik als Kompromiß auf einer mittleren Linie: Hans Kelsen

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Zusammenfassung

Hans Kelsen (1881–1973) hat sein Lebenswerk bekanntlich fast ausschließlich der Entwicklung seiner Rechtslehre gewidmet — und in Kelsens Rechtslehre spielt Politik ausdrücklich keine Rolle. Es ging Kelsen darum, die Vermengung der „Jurisprudenz mit Psychologie und Soziologie, mit Ethik und politischer Theorie“zu beseitigen (Kelsen 1960, 1) und „eine reine, das heißt: von aller politischen Ideologie und allen naturwissenschaftlichen Elementen gereinigte, ihrer Eigenart weil der Eigengesetzlichkeit ihres Gegenstandes bewußte Rechtstheorie zu entwickeln“. Nicht ohne Stolz verwies Kelsen darauf, dass man seine Rechtslehre aller möglichen politischen Richtungen verdächtigt habe und dass sie gerade dadurch ihre politische Enthaltsamkeit, ihre Reinheit beweise (Kelsen 1960, III/IVf). Freilich war sich Kelsen selbst darüber im klaren, dass sein Projekt einer von der Politik gänzlich unabhängigen Rechtswissenschaft insofern ein politisches war, als es politische Wirkungen zeigte — und durchaus zeigen sollte.

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© Leske + Budrich, Opladen 2001

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