Advertisement

Politik und republikanisches Denken: Hermann Heller

Chapter

Zusammenfassung

Hermann Heller gehört zu den wenigen Staatslehrern der Weimarer Zeit, die mit Entschiedenheit den Angriff extremistischer Kräfte auf die Verfassungsordnung ablehnten. Dieser Einstellung blieb er vom Anfang bis zum Ende der Ersten Republik treu. Als Heller 27jährig aus dem Ersten Weltkrieg kommend eine wissenschaftliche Karriere anstrebte, engagierte er sich zunächst am meisten in der Erwachsenenbildung, die er für die Heranziehung und Ausbildung von Republikanern nach der Zeit des Obrigkeitsstaates als wichtigste Aufgabe erkannte (Rädle 1969). In den Wirren des Kapp-Lüttwitz-Putsches versuchte er zusammen mit Gustav Radbruch in Kiel den Putschisten entgegenzutreten und war nach Niederschlagung des Aufstandes zugleich bemüht, die Täter vor der Wut der Bevölkerung zu schützen. Heller war einen Tag nach seiner Habilitation in die SPD eingetreten und versuchte, ihren republikfeindlichen Flügel von der Notwendigkeit zu überzeugen, den Sozialismus nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung, sondern in deren Bahnen und mit deren Hilfe zu verwirklichen. Zugleich kritisierte Heller in schärfsten Worten die „Geldsackrepublik“und die Macht der Medien, deren Konzentration in wenigen politischen Händen er als eine der größten Gefahren der Republik bezeichnete. Heller besuchte etwa ein halbes Jahr das Italien Mussolinis und veröffentlichte danach eine der ersten umfangreichen Analysen der Scheindemokratie nach faschistischem Vorbild.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literaturverzeichnis

  1. Arendt, Hannah 1965: Über die Revolution, (New York 1963) dt. Ausgabe mit einem Nachwort von Hermann Lübbe, München.Google Scholar
  2. Baron, Hans 1933: Das Erwachen des historischen Denkens im Humanismus des Quattrocento, in: Historische Zeitschrift 147, 5–20.Google Scholar
  3. Bauer, Wolfram 1968: Wertrelativismus und Wertbestimmtheit im Kampf um die Weimarer Demokratie. Zur Politologie des Methodenstreits der Staatsrechtslehrer, Berlin.Google Scholar
  4. Bernstein, Eduard 1919–1920: Hg., Ferdinand Lassalle — gesammelte Reden und Schriften, 12 Bände, Berlin.Google Scholar
  5. Böckenförde, Ernst-Wolfgang 1991: Demokratie als Verfassungsprinzip. In: Ders., Staat, Verfassung, Demokratie. Studien zur Verfassungstheorie und zum Verfassungsrecht, Frankfurt a. M., 289–378.Google Scholar
  6. Borinski, Fritz 1984: Hermann Heller. Lehrer der Jugend und Vorkämpfer der freien Erwachsenenbildung. In: Christoph Müller/ Ilse Staff, Hg., Der soziale Rechtsstaat. Gedächtnisschrift für Hermann Heller 1891–1933, Baden-Baden, 89–110.Google Scholar
  7. Bracher, Karl Dietrich 1984: Die Auflösung der Weimarer Republik — eine Studie zum Problem des Machtverfalls in der Demokratie, 1955, 5.Aufl., Villingen 1971, hier: TB Düsseldorf.Google Scholar
  8. Demm, Eberhard 1990: Les intellectuels allemands et la guerre, in: Becker, Jean-Jacques/ Audoin-Rouzeau, Stéphane (Hg.) 1990: Les sociétés européennes et la guerre de 1914–1918, Nanterre, 193–197.Google Scholar
  9. Döring, Herbert 1975: Der Weimarer Kreis — Studien zum politischen Bewußtsein verfassungstreuer Hochschullehrer in der Weimarer Republik, Meisenheim.Google Scholar
  10. Duve, Thomas 1988: Normativität und Empirie im öffentlichen Recht und in der Politikwissenschaft um 1900. Eine historisch-systematische Untersuchung des Lebens und Werks von Richard Schmidt 1862–1944, München.Google Scholar
  11. Freyer, Hans 1925: Der Staat, Leipzig.Google Scholar
  12. Gierke, Otto von 1873: Das deutsche Genossenschaftsrecht, Band 2: Geschichte des deutschen Körperschaftsbegriffs, Berlin.Google Scholar
  13. Hebeisen, Michael W. 1995: Souveränität in Frage gestellt. Die Souveränitätslehren von Hans Kelsen, Carl Schmitt und Hermann Heller im Vergleich, Baden-Baden.Google Scholar
  14. Heller, Hermann 1971: Gesammelten Schriften, 3 Bde., Leiden, 2. Aufl. Tübingen 1992.Google Scholar
  15. Kelsen, Hans 1924: Marx oder Lassalle. Wandlungen in der politischen Theorie des Marxismus, in: Archiv für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung 11, 261–98; monographisch veröffentlicht unter dem gleichen Titel Leipzig.Google Scholar
  16. Kennedy, Ellen 1984: Möglichkeiten und Grenzen einer freien Gesellschaft in der politischen Theorie Hermann Hellers, in: Christoph Müller/ Ilse Staff, Hg., Der soziale Rechtsstaat. Gedächtnisschrift für Hermann Heller 1891–1933, Baden-Baden, 347–366.Google Scholar
  17. Klueting, Harm 1986: ‚Vernunftrepublikanismus’und ‚Vertrauensdiktatur‘— Friedrich Meinecke in der Weimarer Republik, in: Historische Zeitung 242, 69ff.Google Scholar
  18. Llanque, Marcus 1995: Die Theorie politischer Einheitsbildung in Weimar und die Logik von Einheit und Vielheit (Rudolf Smend, Carl Schmitt, Hermann Heller), in: Andreas Göbel/ Dirk van Laak/ Ingeborg Villinger, Hg., Metamorphosen des Politischen — Grundfragen politischer Einheitsbildung seit den 20er Jahren, Berlin, 157–176.Google Scholar
  19. Llanque, Marcus. 1999: Der Untergang des liberalen Individuums. Zum Fin de siècle des liberalen Denkens in Weimar. In: Karsten Fischer, Hg., Neustart des Weltlaufs? Fiktion und Faszination der Zeitenwende, Frankfurt a. M., 164–183.Google Scholar
  20. Llanque, Marcus. 2000: Demokratisches Denken im Krieg, Berlin.Google Scholar
  21. Mayer, Gustav 1921–1926: Lassalle. Nachgelassene Briefe und Schriften, 6 Bände, Berlin, Stuttgart.Google Scholar
  22. Meyer, Klaus 1984: Hermann Heller. Eine biographische Skizze (1967). In: Christoph Müller/ Ilse Staff, Hg., Der soziale Rechtsstaat. Gedächtnisschrift für Hermann Heller 1891–1933, Baden-Baden 1984, 65–87.Google Scholar
  23. Münkler, Herfried 1991: Die Idee der Tugend. Ein politischer Leitbegriff im vorrevolutionären Europas, in: Archiv für Kulturgeschichte 73, 379–403.Google Scholar
  24. Oncken, Hermann 1920: Lassalle, 3. Aufl. (mit einem Anhang: Historische Perspektiven), 4. Aufl. 1923.Google Scholar
  25. Pocock, J.G.A. 1972: Civic Humanism and its role in Anglo-American Thought, in: Christoph Müller/ Ilse Staff, Hg.,Politics, Language and Time. Essays on political thought and history, London, 80–103.Google Scholar
  26. Pocock, J.G.A. 1975: The Machiavellian Moment — Florentine Political Thought and the Atlantic Republican Tradition, Princeton.Google Scholar
  27. Radbruch, Gustav 1922: Kulturlehre des Sozialismus — ideologische Betrachtungen, Berlin.Google Scholar
  28. Rädle, Hans 1969: Erwachsenenbildung und staatsbürgerliche Erziehung, in: Paeda-gogica Historica 9, 425–451.Google Scholar
  29. Ritter, Gerhard 1921: Ferdinand Lassalle geschichtliche Sendung Christoph Müller/ Ilse Staff, Hg.,Worte Lassalles (Weisheit der Völker, Band 21), München o.J.Google Scholar
  30. Schluchter, Wolfgang 1983: Entscheidung für den sozialen Rechtsstaat — Hermann Heller und die staatstheoretische Diskussion in der Weimarer Republik, Köln, 1968, 2. Auflage, Baden-Baden.Google Scholar
  31. Schmidt, Richard 1901ff.: Allgemeine Staatslehre, 3 Bände, Leipzig.Google Scholar
  32. Schmidt, Richard. 1919: Grundlinien des deutschen Staatswesens, Leipzig.Google Scholar
  33. Schmitt, Carl 1988: Legalität und Legitimität (1932), 4. unveränderter Nachdruck, Berlin.Google Scholar
  34. Schmidt, Richard. 1983: Verfassungslehre (1928), 6. unveränd. Aufl., Berlin.Google Scholar
  35. Schneider, Hans-Peter 1984: Positivismus, Nation und Souveränität. Über die Beziehungen zwischen Heller und Radbruch, in: Christoph Müller/ Ilse Staff, Hg., Der soziale Rechtsstaat. Gedächtnisschrift für Hermann Heller 1891–1933, Baden-Baden, 585–602.Google Scholar
  36. Spinoza, Baruch de 1984: Theologisch-politischer Traktat (1670), ed. Günter Gaw-lick, Hamburg.Google Scholar
  37. Walter, Franz 1983: Jungsozialisten in der Weimarer Republik. Zwischen sozialistischer Lebensform und revolutionärer Kaderpolitik, Göttingen.Google Scholar
  38. Weber, Max 1988: Die ‚Objektivität sozialwissenschaftlicher und sozialpolitischer Erkenntnis (1904). In: Christoph Müller/ Ilse Staff,., Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, Tübingen 1922, 146–214, 7., gegenüber der 3., unveränderte Auflage, Tübingen.Google Scholar
  39. Weber, Max. 1972: Wirtschaft und Gesellschaft — Grundriß der verstehenden Soziologie, 5. revidierte Aufl., Tübingen.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 2001

Authors and Affiliations

There are no affiliations available

Personalised recommendations