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Tayloristisch? Anthropozentrisch? - Gruppenarbeit in der Automobilindustrie

  • Heiner Minssen
Chapter
Part of the Schriften des Institut Arbeit und Technik book series (INSTAT, volume 2)

Zusammenfassung

Industriesoziologen und -soziologinnenäußern gern Vermutungen über die Zukunft der Arbeit. Es werden „Neue Produktionskonzepte“ (Kern/Schumann 1984) und ein „Neuer Rationalisierungstyp“ (Altmann u.a. 1986) identifiziert, unterschiedliche Betriebstypen diagnostiziert (Hirsch-Kreinsen u.a. 1990) und differierende Entwicklungspfade von Arbeit antizipiert, wobei diese Pfade als „rechnergestützter Neotaylorismus“, „dichotomisierte Reprofessionalisierung von Gruppenarbeit“ und „qualifizierte Gruppenarbeit“ (Lutz 1988) oder als „technozentrischer“ und „anthropozentrischer“ Entwicklungspfad (Brödner 1986) etikettiert werden. Die jeweiligen Vermutungen werden mit großem Engagement vorgetragen und haben ihre spezifische Triftigkeit. Allerdings weichen sie oftmals nicht unerheblich voneinander ab; das Neue des „Neuen Rationalisierungstyps“ etwa bezeichnet inhaltlich geradezu das Gegenteil des Neuen von Produktionskonzepten. Gleichwohl schlagen diese Bezeichnungen eine Schneise in die unüberschaubare Vielfalt industrieller Realität und reduzieren auf diese Weise Komplexität. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Diagnosen mit einem eingängigen Begriff belegt werden können — neue Rationalisierungstypen bzw. Produktionskonzepte etwa im Unterschied zu alten, strukturkonservative Betriebe im Unterschied zu strukturinnovativen, oder eben tayloristische im Unterschied zu anthropozentrischen Entwicklungspfaden.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 1993

Authors and Affiliations

  • Heiner Minssen

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