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Banken, Sparkassen und Versicherungen: Ein eigener Weg der betrieblichen Transformation

  • Olaf Struck-Möbbeck
Chapter
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Part of the Beiträge zu den Berichten der Kommission für die Erforschung des sozialen und politischen Wandels in den neuen Bundesländern e. V. (KSPW) book series (BBSPW, volume 1.6)

Zusammenfassung

Insbesondere Banken, aber auch Versicherungen waren zunächst Nutznießer wie Protagonisten der Transformationsprozesse im „Aufschwung Ost“. Der wirtschaftliche Aufbau ist in diesem Wirtschaftsbereich zunächst mit einem erheblichen Bedarf an neuqualifiziertem Personal verknüpft. Zwar ist der Finanzdienstleistungssektor seiner ihm zugeschriebenen Rolle als beschäftigungspolitischer Hoffnungsträger nicht umfassend gerecht geworden. Berücksichtigt man jedoch Ausbau und Sicherheit der Beschäftigungsverhältnisse, die relative Stringenz der Personalauswahl und die Tatsache, daß der Frauenanteil in diesem Sektor zum Zeitpunkt der Wende ca. 90 Prozent betrug und derzeit immerhin noch 70 Prozent umfaßt, so handelte es sich doch um einen — im Vergleich zu anderen Branchen — spezifischen Weg der beschäftigungspolitischen Anpassung an den Standard West.

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Literatur

  1. 1.
    Landesbank Berlin, Deutsche Bank, Volksbank, Sparkassen, Vereinte Versicherung, Hamburg Mannheimer, Deutsche Krankenversicherung, Deutsche Versicherungs-AG, Allgemeine Ortskrankenkasse.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. Statistisches Bundesamt, Fachserie 1, Reihe 4.1.1., 1994. Allein die Deutsche Versicherungs-AG als Tochter der Allianz im Osten sah sich gezwungen, von den zunächst ca. 14.900 Stellen, davon 13.100 im Innendienst, die sie zum größten Teil von der staatlichen Versicherung 1990 übernahm, bis zur Jahreswende 1993/94 knapp 7.000 Stellen im Innendienst abzubauen. Die Zahl der Stellen im Außendienst stieg im gleichen Zeitraum von etwa 1.760 auf etwa 1.920 um knapp 10%.Google Scholar
  3. 3.
    Eine Einbeziehung der ostdeutschen Kreditinstitute in die Ertragsanalyse der Kreditinstitute ist im folgenden zunächst beschränkt auf die Kreditinstitute mit Sitz im alten Bundesgebiet, die seit 1990 zum Teil jedoch mit Filialen in Ostdeutschland vertreten sind. Im April 1994 veröffentlichte die Deutsche Bundesbank einen ersten Bericht über die Ertragslage ostdeutscher Sparkassen und Kreditgenossenschaften. Aufgrund der heterogenen Funktionen und Geschäftszuschnitte, der Abwicklungs-, Fusions-und Aufbaupraxis ist auch die sich auf vergleichsweise homogene „Einheiten“ beschränkende Untersuchung der Bundesbank nur begrenzt aussagekräftig (vgl. Monatsbericht der Deutschen Bundesbank, April 1994: 33ff.).Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. auch zu den folgenden Zahlenangaben die Monatsberichte der Deutschen Bundesbank August 1993 und Oktober 1995.Google Scholar
  5. 5.
    Monatsberichte der Deutschen Bundesbank, August 1993: 29.Google Scholar
  6. 6.
    Das Teilbetriebsergebnis ist gleich dem Zinsüberschuß aus dem sogenannten zinsabhängigen Geschäft (Kredite etc.) plus dem Provisionsüberschuß aus dem sogenannten zinsunabhängigen Geschäft (Wertpapiere etc.) abzüglich der allgemeinen Verwaltungsaufwendungen (Personal-und Sachkosten).Google Scholar
  7. 7.
    Nach Angaben der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen explodierten die Gewinne der deutschen Großbanken insbesondere nach 1992 geradezu. Das Teilbetriebsergebnis (geschätzt auf der Basis des Oktober-Ergebnisses) lag 1993 bei der Deutschen Bank bei ca. 29%, bei der Dresdener Bank bei ca. 22% und bei der Commerzbank bei ca. 27% über dem Vorjahresergebnis. Insbesondere die Provisionsüberschüsse konnten auf weit mehr als 20% Zuwachs gesteigert werden (vgl. HBV-Informationen 2/1994).Google Scholar
  8. 8.
    1989 betrug die Anzahl der Beschäftigten im Kreditgewerbe des alten Bundesgebietes 630.800.Google Scholar
  9. 9.
    Lokales Personal ohne DelegierteGoogle Scholar
  10. 10.
    Zwei bundesdeutsche Großbanken bauten im Zeitraum von Januar 1992 bis Ende 1993 fast 1.300 Stellen ab.Google Scholar
  11. 11.
    Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes — in denen etwas mehr Beschäftigungsverhältnisse berücksichtigt sind als in den Angaben der privaten Arbeitgeber — betrug der Frauenanteil 1992 an den 685.800 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten 55,6 Prozent.Google Scholar
  12. 12.
    Lokales Personal ohne Delegierte.Google Scholar
  13. 13.
    1989 betrug die Anzahl der Beschäftigten im Banken-und Sparkassenbereich der DDR ca. 40.000.Google Scholar
  14. 14.
    Daß es sich um kein gänzlich durchgängiges Muster handelt, zeigt beispielhaft der Fall der Sparkassen. Wurden in einer kleinen Sparkasse ad hoc 30 von 120 Beschäftigten entlassen, so wurde bei einer zwanzig Kilometer entfernten „größeren Schwester“ systematisch versucht, ältere Beschäftigte für Halbtagsregelungen zu gewinnen. Erklärtes Ziel war hier, Entlassungen zu vermeiden.Google Scholar
  15. 15.
    Der Anteil der Auszubildenden an der Gesamtzahl der Beschäftigten im Finanzdienstleistungssektor variiert im alten Bundesgebiet zwischen sechs und neun Prozent.Google Scholar
  16. 16.
    Etwa in folgender Form: Berufsausbildung, dann Kundenberaterlehrgang, dann der Fachlehrgang, der der Befähigung zu Führungsaufgaben dient; der Führungskräftenachwuchs durchläuft — weniger bei Sparkassen und Regionalbanken — zumeist ein Betriebswirtschaftstudium und bildet sich in Nachwuchskreisen oder extern fort.Google Scholar
  17. 17.
    So charakterisierte ein Personalverantwortlicher einer Großbank die erste Phase der Qualifizierung.Google Scholar
  18. 18.
    Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Fachserie 1) wuchs beispielsweise der Frauenanteil an den Vollzeitbeschäftigten in der Versicherungsbranche der neuen Bundesländer von 1990 zu 1992 von 41,3% auf 42,9%.Google Scholar
  19. 19.
    Hiervon ausgenommen waren Frauen, die in absehbarer Zeit in den Vorruhestand bzw. in Rente gingen.Google Scholar
  20. 20.
    Dennoch deuteten sich schon in diesem Zeitraum neue geschlechtsspezifische Disparitäten auf dem internen Arbeitsmarkt an: Zunächst wurden alle ausschließlich weiblichen ostdeutschen Zweigstellenleiter infolge ihrer an den neuen Arbeitsanforderungen gemessenen Qualifications-und Erfahrungsdefizite abgelöst; sie fungierten dann in der Regel als stellvertretende Filialleiterinnen und qualifizier(t)en sich in der Mehrzahl für eine Führungsaufgabe nach. Die vakanten Führungsposten in den Ost-Filialen wurden anfangs vornehmlich mit jungen, männlichen westdeutschen Führungskräften besetzt, und nur partiell fand bisher eine Wiedereinsetzung der ehemaligen, nun nachqualifizierten ostdeutschen-Frauen statt. Trotz des insgesamt steigenden weiblichen Anteils in der dritten und vierten Führungsebene sind Männer überproportional in der dritten Führungsebene vertreten, die gerade mit Blick auf den sich seit Ende 1993 schließenden internen Arbeitsmarkt für einen weiteren Aufstieg in der betrieblichen Hierarchie an Bedeutung gewann.Google Scholar
  21. 21.
    So z.B. im Rahmen der seit 1.1.1994 am Markt agierenden Berliner Bankenholding.Google Scholar
  22. 22.
    Begründet werden kann diese Haltung von Frauen u.a. mit hoher Erwerbsmotivation bezüglich des sog. Normalarbeitsverhältnisses und der Nutzung ehemaliger, gewohnter Mechanismen der bisherigen familialen bzw. partnerschaftlichen Arbeitsteilung etc.Google Scholar
  23. 23.
    Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß sich in befragten Unternehmen bei den ostdeutschen Beschäftigten in den unteren und mittleren Lohngruppen erhebliche Ängste vor dem Verlust des Arbeitsplatzes vorfanden. Damit resultiert die Leistungsbereitschaft dieser Gruppe zur Zeit sicherlich noch eher aus Befürchtungen vor der Zukunft als aus integrativen betrieblichen Motivationsanreizen.Google Scholar
  24. 24.
    Vgl. dazu ausführlicher: Hüning/Struck-Möbbeck 1996Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1997

Authors and Affiliations

  • Olaf Struck-Möbbeck

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