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Zusammenfassung

In den westlichen Industriegesellschaften veränderte sich im Zeitraum der letzten dreißig Jahre die Struktur von Produktion und Beschäftigung zu Lasten von Landwirtschaft und Industrie zugunsten der Dienstleistungen (OECD 1994). Als Elemente für den Wandel1 in den sektoralen Beschäftigungsstrukturen werden die Umschichtungen im Welthandel und der technologische Wandel, der sich auf die Art der Arbeitsplätze auswirkte, benannt.

Zur Reorganisation großbetrieblicher Unternehmensstrukturen — Eine Branchencharakteristik

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Literatur

  1. 1.
    Wenn im folgenden von Strukturwandel die Rede ist, dann ist damit der sektorale Strukturwandel gemeint, d.h. die Verlagerung der Gewichte einzelner Wirtschaftssektoren in bezug auf ihren relativen Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Leistung. Indikatoren dafür sind zum einen die Anteile der sektoralen Brutto-Wertschöpfungen am Brutto-Inlandsprodukt, zum anderen der relative Beschäftigungsanteil der Wirtschaftsbereiche an der Gesamtbeschäftigung.Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. zur Problematik des Begriffs Transformation Deiß 1994 und Rudolph 1995; als Arbeitshypothese fassen wir Transformation in Anlehnung an Etzioni (1975) nicht als adaptiven Wandel zur Wiederherstellung eines neuen Gleichgewichts in einer alten sozialen Einheit, sondern als Durchsetzung eines neuen Ordnungsmusters. Der Begriff hat erstens eine institutionelle Dimension und zweitens verweist er auf das intentionale Handeln von Menschen und Menschengruppen (vgl. Inhetveen 1992).Google Scholar
  3. 3.
    In den Bereich der industriellen Warenproduktion sind intellektuelle Arbeiten eingeschlossen, die ähnlich wie die reale und ökonomische Zirkulation zu einem besonderen Geschäft eines einzelnen Kapitals verdichtet werden können und deren Zuordnung zum tertiären Sektor erfolgt. Diese Dienste — Arbeitsvorbereitung, Management, Ingenieursbüros, Software-Industrie, Controlling-Funktionen etc. — werden aus dem Kernbereich der industriellen Produktion ausgelagert, konzentriert, ökonomisiert und verselbständigt.Google Scholar
  4. 4.
    Dienstleistungen als Momente des öffentlichen Sektors gehen in den Konsumtionsfonds der primären Einkommen ein, es findet ein bloßer Austausch gegen diese Einkommen statt. Diese Dienste sind in der Regel politisch vermittelt; sie kommen aus der spezifischen Tradition der gesellschaftlichen Ordnung her, um mit ihrer Tätigkeit den Staatsapparat und den sonstigen öffentlichen Überbau in Gang zu halten. Andererseits gehen sie z.T. als soziale und kulturelle Dienste in den Lebensstandard ein; das Ausmaß hängt von ihrer politischen Ausgestaltung ab (Gebühren, Kommunalisierung, flächendeckendes Angebot etc.). Diese Dienste und insbesondere ihr Umfang und ihre Qualität sind für den Lebensalltag der Familien und Individuen von herausragender Bedeutung (z.B. Kinderbetreuung und-erziehung).Google Scholar
  5. 5.
    Wenn einerseits mit dem Fortschritt der kapitalistischen Produktion die Entwicklung der Transport-und Kommunikationsmittel die Umlaufzeit für ein gegebenes Quantum Waren abkürzt, so führt derselbe Fortschritt und die mit der Entwicklung der Transport-und Kommunikationsmittel gegebene Möglichkeit umgekehrt die Notwendigkeit herbei, für immer entferntere Märkte, mit einem Wort, für den Weltmarkt zu arbeiten. Die Masse der auf Reise befindlichen und nach entfernten Punkten reisenden Waren wächst enorm, und daher auch absolut und relativ auch der Teil des gesellschaftlichen Reichtums, der sich beständig für längere Fristen im Stadium des Warenkapitals, innerhalb der Umlaufzeit befindet. Damit wächst gleichzeitig auch der Teil des gesellschaftlichen Reichtums, der, statt als direktes Produktionsmittel zu dienen, in Transport-und Kommunikationsmitteln und in dem für ihren Betrieb erheischten fixen und zirkulierenden Kapital angelegt wird“ (MEW 24: 254).Google Scholar
  6. 6.
    Wir werden in der weiteren Betrachtung den Schwerpunkt auf die Erwerbstätigkeit legen.Google Scholar
  7. 7.
    Die sektorale Gliederung der Beschäftigung, also der Tertiarisierungsgrad der Wirtschaftszweige, weist für 1993 nur 59% der Beschäftigten als im tertiären Sektor tätig aus, während in den USA 72% im Dienstleistungsbereich arbeiten. Die deutsche „Tertiarisierungslücke“ zu den USA relativiert sich, da das sektorale Verfahren der Beschäftigungsgliederung nicht die eigentlich ausgeübten Tätigkeiten erfaßt. Stellt man diesen Aspekt in Rechnung, daß nämlich innerhalb der Sektoren sowohl Dienstleistungen als auch industrielle Tätigkeiten erbracht werden, ergibt sich ein anderes Bild. So betrachtet weisen die USA und die Bundesrepublik einen nahezu gleichen Dienstleistungsanteil mit etwas über 70% an der Gesamtbeschäftigung aus. In Ostdeutschland liegt der Anteil der industriellen Beschäftigung etwa 5% höher als in Westdeutschland; ein Rückstand besteht sowohl bei den produktionsorientierten wie aber auch bei den distributions-und konsumbezogenen Dienstleistungen; der soziale Bereich ist ausgeglichen. Nach Sektoren gegliedert liegt der Anteil des teriären Sektors ähnlich wie in Westdeutschland nahe bei 60% (vgl. DIW 14/1996).Google Scholar
  8. 8.
    Hierfür und für den folgenden Zusammenhang vgl. LBB Wirtschaftsreport Nr. 1/1995.Google Scholar
  9. 9.
    Die Verlagerung von Brutto-Wertschöpfungsanteilen des produzierenden Gewerbes auf den tertiären Sektor geht — wie oben schon dargestellt — zu einem großen Teil darauf zurück, daß Tätigkeiten, die ihrem Wesen nach als unternehmensorientierte Dienstleistungen zu klassifizieren sind, zunehmend aus dem Produktionsunternehmen ausgegliedert wurden. Im Zusammenhang mit der Verringerung von Fertigungstiefe und vertikaler Desintegration besteht in den Unternehmen eine starke Tendenz, solche Aufgaben, wie etwa Marketing, Software-Entwicklung, Beratung oder auch Transportleistungen auf externe Unternehmen zu verlagern, die dann statistisch dem tertiären Sektor zugerechnet werden. Schätzungen zufolge waren im letzten Jahr bereits etwa 80% aller Dienstleistungen unternehmensorientiert und standen damit in mehr oder weniger enger Verbindung zum produzierenden Gewerbe. Es wird davon ausgegangen, daß in den nächsten Jahren durch die Vergabe von Dienstleistungen an externe Anbieter weitere Dienstleistungsanteile ausgelagert werden. Dieser Prozeß zeigt aber auch, daß ein dynamisches Wachstum des Dienstleistungsbereiches ohne eine wettbewerbsfähige produzierende Basis nur schwer vorstellbar ist. Für Ostdeutschland stellt sich in diesem Zusammenhang die Frage, welche Bedeutung der Industrie zukommt. Hier hat nach dem Vereinigungsprozeß im Zuge der Privatisierung der ostdeutschen Wirtschaft ein derart drastischer Abbau industrieller Beschäftigung stattgefunden, daß nur ca. jeder fünfte Arbeitnehmer in Ostdeutschland im industriellen Sektor tätig ist. In Westdeutschland liegt der Anteil der industriellen Beschäftigung bei 30% und dürfte sich auch bis zum Jahre 2000 auf diesem Niveau halten.Google Scholar
  10. 10.
    Die gesellschaftstheoretischen Gründe dafür sollen hier nicht im einzelnen thematisiert werden; vgl. dazu Beer 1992 und Klinger 1988. Für die folgenden knappen Ausführungen vgl. Sahner 1994.Google Scholar
  11. 11.
    Dies läßt sich so pointiert nicht für die öffentlichen Dienstleistungen formulieren. 1991 waren noch 1,542 Mio. Menschen im öffentlichen Sektor der neuen Bundesländer beschäftigt. Aufgrund des Vereinigungsprozesses und der gegebenen entwickelten Strukturen in der staatlichen Verwaltung der neuen Bundesländer wird ein kurzfristig zu realisierender Abbau des — verglichen mit Westdeutschland — bestehenden Personalüberhangs nicht so rasch erfolgen. Vgl. dazu auch: Prognos 1993 und DIW 1994.Google Scholar
  12. 12.
    Zur Methodik der Datenerhebung in der DDR zu den Dienstleistungen bedarf es weiterer Forschungen. So ist hier offen geblieben, inwieweit z.B. die Erwerbstätigen in den kombinatsinternen Rationalisierungsmittelbauabteilungen zu den Dienstleistungen oder zur Industrie gezählt wurden.Google Scholar
  13. 13.
    Ein Abriß des strukturellen Wandels in den neuen Bundesländern muß sich allein auf den kurzen Zeitraum seit der deutschen Vereinigung beschränken. Eine Gegenüberstellung von Strukturmerkmalen aus DDR-Zeiten mit den heutigen Gegebenheiten im Sinne eines kontinuierlichen Aus-und Aufbauprozesses ist auf der vorliegenden Datenbasis kaum angemessen machbar.Google Scholar
  14. 14.
    Auf der Basis der Daten des Statistischen Bundesamtes; lediglich von 1992 zu 1993 erfolgte im Dienstleistungssektor ein minimaler Rückgang von 3,99 auf 3,97 Mio. Erwerbstätige. Vgl. dazu auch ausführlicher den Datenanhang in diesem Band. SÖSTRA 1996 kommt auf Basis einer funktionalen Umrechnung der Daten der VGR zu etwas modifizierten Zahlen: danach verzeichnet die Beschäftigungsentwicklung der Dienstleistungen von 1989 mit 3,73 Mio Beschäftigten einen leichten Rückgang auf 3,48 Mio im Jahre 1994. Bisher ist empirisch noch nicht überprüfbar, ob sich — gewissermaßen als lineare Verlängerung von Beschäftigungseffekten des tertiären Sektors in modernen Industriestaaten — die Annahme einer möglichen beschäftigungspolitischen Konsolidierung Ostdeutschlands durch den tertiären Sektor in der mittelfristigen Realität bewahrheiten wird.Google Scholar
  15. 15.
    Kompetente Beobachter des bundesdeutschen Arbeitsmarktes insgesamt gehen angesichts der strukturellen Arbeitslosigkeit davon aus, daß ein deutlicher Beschäftigungsaufbau via Dienstleistungssektor zumindest nicht in dem Maße zustande kommt, daß die laufenden Abbauprozesse kompensiert werden könnten. Es wird sogar eher von einer „tertiären Krise“ ausgegangen, die nun wiederum ihrerseits rückwirkend eine relative Schrumpfung der Industrie zur Folge haben würde (vgl. Zinn 1993, 1994).Google Scholar
  16. 16.
    Bisherige Befunde ergaben, daß die These von einem „Schutzwalleffekt“ ehemaliger DDR-Frauenerwerbsdomänen (Quack/Maier/Schuldt 1992) gegen den vorrangigen Abbau von Frauenarbeitsplätzen durchaus ihre Berechtigung hat; in der Finanzdienstleistungsbranche konnten Frauen ihren „Heimvorteil“ (Hüning/Nickel/Struck-Möbbeck 1994) nutzen und sich trotz der Marktöffnung dieses Berufsfeldes auch für Männer deutlich günstiger als in anderen Branchen behaupten, wenngleich auch hier ihr Angteil insgesamt von früher 90% auf heute ca. 70% zurückgegangen ist.Google Scholar
  17. 17.
    Vgl. dazu auch Hüning 1995.Google Scholar
  18. 18.
    Angesichts der noch schwachen Investitionstätigkeit reichte das höhere Aufkommen an haftenden Mitteln offensichtlich weitgehend aus, um den Bedarf an langfristigem Kapital zu decken. … (Es) zeigt sich eine in den letzten Jahren bei groβen Konzernen mehr und mehr zu beobachtende Tendenz, Finanzierungsmittel an den traditionellen Finanzintermediären vorbei direkt an den Märkten zu beschaffen und konzernintern weiterzuleiten. … Das deutet darauf hin, daβ es auch im vergangenen Jahr für viele Unternehmen rentabler war, einen groβen Teil des gewachsenen Cash flow zum Aufbau von Geldvermögen zu verwenden, als in neue Sachanlagen zu investieren“ (Bericht der Deutschen Bundesbank v. Nov. 1995: 41f).Google Scholar
  19. 19.
    Hier sei noch einmal ausdrücklich darauf hingewiesen, daß die leicht nach oben weisende Akkumulationsentwicklung im IX. Nachkriegszyklus von 1988–1993 die gleiche Ursache hatte wie die im internationalen Vergleich hervorzuhebende Verzögerung des zyklischen Abschwungs und Periodenwechsels: Beide Phänomene erklären sich aus dem einmaligen und kurzfristigen Fakt der schlagartigen Vergrößerung des deutschen Binnenmarktes für das westdeutsche Kapital durch die Ausstattung der Bevölkerung der DDR mit inländischen (westdeutschen) Zahlungsmitteln in der Wirtschafts-, Währungs-und Sozialunion Mitte 1990. Der dadurch ausgelöste Nachfrageimpuls hatte auch unter den Bedingungen einer seit mehreren Zyklen anhaltenden Überakkumulationskrise wachstumssteigernd gewirkt. Die Rezession 1992/93 reihte die Wirtschaft der Bundesrepublik wieder in den internationalen Zusammenhang der deflationären Tendenzen ein.Google Scholar
  20. 20.
    Die Finanzierung der Wirtschafts-, Währungs-und Sozialunion weitete z.B. seit 1990 den Umfang der öffentlichen Verschuldung aus und trieb sie 1995 auf die Rekordmarke von knapp 350 Mrd. DM Kreditneuverschuldung hoch (Bericht der Deutschen Bundesbank 3/1996).Google Scholar
  21. 21.
    Hier handelt es sich zumeist um die Beschäftigung freier Mitarbeiter (Außendienst, Akquisition etc.), die eher unter prekären Beschäftigungsbedingungen ihrer Arbeit nachgehen.Google Scholar
  22. 22.
    Im gleichen Zeitraum erfolgte zum Teil auch eine Neubildung bzw. Umstrukturierung der Verbände des Kreditwesens. Der Transformationsprozeß hat wesentliche Rückwirkungen auf die verbandliche Organisation der drei Bankgruppen gehabt, vor allem aber auf den Sparkassensektor. Für die Geschäftsbanken waren die organisatorischen Probleme beim Einstieg in Ostdeutschland vorwiegend technischer und personalpolitischer Art, aber für die Sparkassen und Kreditgenossenschaften hatten die organisatorischen Probleme auch durchaus eine „politische“ Dimension. Diese beiden Bankengruppen basieren auf freiwilligen Zusammenschlüssen unabhängiger Kreditinstitute. Die Einfügung der östlichen Sparkassen und Kreditgenossenschaften in den jeweiligen West-Verband erforderte eingehende Verhandlungen zwischen Verband, Kreditinstituten und auch den öffentlichen Institutionen. Der erfolgreiche Aufbau der Raiffeisen-und Sparkassenverbände in Ostdeutschland war also erheblich komplizierter als der Aufbau des Bankenverbandes. Die verbandspolitische Seite der Neustrukturierung des Kreditwesens stellt eine eigenständige Forschungsaufgabe dar und ist bei unserer Untersuchung ausgeklammert.Google Scholar
  23. 23.
    Mit dem 1. Juli 1990 trat der Staatsvertrag über die Wirtschafts-, Währungs-und Sozialunion in Kraft. Damit wurde sowohl die DM in der DDR eingeführt, als auch mit einem Wettbewerb privater, genossenschaftlicher und öffentlich-rechtlicher Institute die Grundlagen für ein marktwirtschaftliches Kreditsystem geschaffen. Ebenfalls zum 1. Juli 1990 trat das noch von der Volkskammer beschlossene Sparkassengesetz der DDR in Kraft, welches später durch entsprechende Landesgesetze ersetzt wurde. Bereits dieses Volkskammergesetz schaffte für die Sparkassen der DDR einen zu den Sparkassen der alten Bundesrepublik kompatiblen Rahmen (kommunale Verankerung, Gewährträgerschaft, Regionalprinzip etc.). Damit waren bereits zum 1. Juli 1990 die Weichen für die Angleichung an die bundesdeutsche Banken-und Sparkassenstruktur gestellt“ (Rogas 1996).Google Scholar
  24. 24.
    Zusammenstellung nach Zahlen des Arbeitgeberverbandes des privaten Bankengewerbes e.V.Google Scholar
  25. 25.
    Lokales Personal ohne DelegierteGoogle Scholar
  26. 26.
    Zwei bundesdeutsche Großbanken bauten im Zeitraum von Januar 1992 bis Ende 1993 fast 1.300 Stellen ab.Google Scholar
  27. 27.
    Lokales Personal ohne Delegierte.Google Scholar
  28. 28.
    1989 betrug die Anzahl der Beschäftigten im Banken-und Sparkassenbereich der DDR ca. 40.000.Google Scholar
  29. 29.
    Das Bundesaufsichtsamt für das Versicherungswesen hat nach eigenen Angaben bis Anfang Oktober 1990 für das Gebiet der früheren DDR folgende Zulassungen zum Geschäftsbetrieb erteilt: — 195 Zulassungen für Schaden-und Unfallversicherer (darunter 85 Zulassungen für Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherer), — 97 Zulassungen für Lebensversicherer, — 29 Zulassungen für private Krankenversicherer, — 1 Zulassung für einen Pensionsversicherer. Insgesamt wurden also 322 Zulassungen erteilt, und damit ist seither nahezu die gesamte bundesdeutsche Versicherungswirtschaft in den ostdeutschen Bundesländern aktiv.Google Scholar
  30. 30.
    Eine Sonderstellung nehmen die Träger der Sozialversicherung hinsichtlich ihrer Aufgaben und öffentlich-rechtlichen Verfaßtheit ein. Generelle Trends, wie sie für die Versicherungssbranche typisch sind, gelten auch hier, allerdings sind die Ursachen unterschiedlich begründet. Ebenso wie in der Gesamtbranche werden EDV-gestützte Kommunikationsnetzwerke aufgebaut. Die Rationalisierungserfolge führten jedoch noch nicht zu gravierenden Stelleneinsparungen, sondern zu Umstrukturierungen in den Tätigkeiten. Vormals bestehende Resttätigkeiten fallen zwar weg, aber es wird besonders qualifiziertes Personal insbesondere in Bereichen der Kundenberatung, Prävention, Rehabilitation und in der EDV gebraucht.Google Scholar
  31. 31.
    Nachdem der Personalbedarf der Deutschen Versicherungs-AG nach der Übernahme durch die Allianz zunächst noch angestiegen war, um die durch die Währungsunion und die Umstellung der Versicherungsbestände bedingte Mehrarbeit zu bewältigen, kam es in Folge der Schließung der kleinen Nebenstandorte (vor allem der über 200 ehemaligen Kreisdirektionen bzw.-stellen) zu einem gleitenden Personalabbau. Insgesamt verließen seit 1991 von den gut 12.000 Mitarbeitern über 7.000 das Unternehmen, so daß der Personalbestand der DVAG gegenwärtig auf ca. 5.000 Innendienstmitarbeiter zurückgegangen ist.Google Scholar
  32. 32.
    Ab 1990 einschl. neue Bundesländer. Die im Ostteil von Berlin ansässige Deutsche Versicherungs-AG und die DARAG (Deutsche Versicherungs-und Rückversicherungs-AG) hatten in den Jahren 1990 bis 1993 zusammen folgende Arbeitnehmerzahlen: 1990: 14.100; 1991: 13.835: 1992: 10.440; 1993: 8.170. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Fachserie 1) stieg die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten dieser Branche in der BRD von 261.100 in 1990 auf 284.900 in 1992. Nach diesen Zahlen lag die Zuwachsrate von 1990 auf 1991 bei 5,5%, von 1991 auf 1992 betrug sie nur noch 3,4%. Als wesentliche Ursache der Zuwächse ist der Aufbau von neuen Versicherungsstrukturen in den neuen Bundesländern zu nennen.Google Scholar
  33. 33.
    Es ist festzuhalten, daß es der DVAG/Allianz weitgehend gelungen ist, den mit der Umstrukturierung verbundenen Personalabbau ohne große interne Verwerfungen und Komplikationen umzusetzen. Es dürfte aufschlußreich sein genauer zu prüfen, inwieweit dies ein Verdienst des in diesem komplizierten Prozeß radikaler Strukturveränderung, ständiger Standortänderung und massiver Personalreduzierung sehr engagiert und kenntnisreich agierenden ostdeutschen Akteurspotentials ist, und inwieweit dieser Weg nur vor dem Hintergrund der Systemtransformation beschritten werden konnte, weil im übrigen Arbeitsmarktumfeld (vorrangig industrielle) Betriebe in beachtlichen Größenordnungen geschlossen wurden und sich kaum andere arbeitsmarktpolitische Alternativen eröffneten.Google Scholar
  34. 34.
    Die schwache Umsatzentwicklung im Einzelhandel seit 1993/94 (der deutsche Einzelhandel setzte 1994 mit 2,8 Mio Beschäftigten in 387.000 Betrieben etwa 680 Mrd. DM um; damit mußte die Branche erstmals seit 30 Jahren einen nominalen Rückgang hinnehmen; vgl. die ausführliche Darstellung der Handelsgruppen und ihrer Vertriebslinien in FAZ vom 4.10.1995, S. 29) bewegt sich im Rahmen des Normalisierungsprozesses nach den Boomjahren der deutschen Vereinigung. Als äußerst problematisch für die ca. 63.000 mittelständischen ostdeutschen Handelsunternehmen ist ihre knappe Kapitaldecke von weniger als 5% Eigenkapital, die von 22% der Unternehmen angegeben wird (vgl. Neues Deutschland vom 14.9.1995, S. 8).Google Scholar
  35. 35.
    Für den Personalabbau waren sowohl strukturelle als auch strategische Gründe bedeutsam. Es gelang den Unternehmen in dieser Zeit, die organisatorischen und personellen Strukturen der ostdeutschen Häuser an die Situation im Westen anzugleichen und dabei zugleich strategisch hochbewerteten Zielen — höhere Teilzeitquoten von bis zu 60 Prozent, Senkung des Durchschnittsalters, Nutzung des Potentials ostdeutscher Führungskräfte auch für den westdeutschen unternehmensinternen Arbeitsmarkt — näherzukommen. Mittel der Wahl waren die Vorruhestandsregelungen, Versetzungen vom Nichtverkauf in den Verkauf, Abfindungsvereinbarungen und Stundenreduzierungen innerhalb bestehender Arbeitsverhältnisse. Den Arbeitsplatzabbau erlebten die Beschäftigten auf dem Hintergrund relativ günstiger materieller und betrieblicher Bedingungen. Sie wurden tarifgemäβ bezahlt, im DDR-Handel geleistete Berufsjahre wurden bei der Eingruppierung berücksichtigt. Auch bei den Abfindungen schlugen die langen Betriebszugehörigkeiten — etwa drei Viertel waren länger als zehn Jahre im Betrieb — positiv zu Buche. Stundenreduzierungen, Abstiege in der Hierarchie und Wechsel vom Nichtverkauf in den Verkauf wurden finanziell abgefedert. Zusätzliche betriebliche Sozialleistungen wurden sukzessive übertragen“ (Jacobsen 1996).Google Scholar
  36. 36.
    Der Zusammenbruch der staatssozialistischen Gesellschaften hat dem betriebswirtschaftlichen Prinzip des Wettbewerbs und des Marktes als Zauberformel für die Transformation des westlichen Gesundheitssystems einen zusätzlichen und entscheidenden Schub verliehen (Deppe 1996).Google Scholar
  37. 37.
    In der DDR arbeiteten 1988 125.420 Kranken-und Kinderkrankenschwestern.Google Scholar
  38. 38.
    Im nahezu gleichen Zeitraum wurde die Zahl der Pflegekräfte in den Krankenhäusern der neuen Bundesländer von 66.170 im Jahre 1989 auf 63.020 im Jahre 1993 zurückgeführt; auch hier hat organisatorisch die Anpassung an die bundesdeutsche Versorgungsstruktur gegriffen, die einen institutionellen Umbau von der Betreuung durch langfristige Präsenzpflege in die Akutbehandlung erzwang.Google Scholar
  39. 39.
    Die bis in die 80er Jahre reichende klassische Organisationsstruktur von Banken und Sparkassen richtete sich nach der Produktions-bzw. Spartenorientierung aus; die Organisation war in die Geschäftssparten Kredite, Finanzen und Anlagen unterteilt. Diese Organisationsstruktur orientierte sich nahezu ausschließlich an innerbetrieblichen Arbeitsvorgängen. Ihr großer Nachteil war die schwierige Kooperation und Koordination zwischen den Sparten und die Vernachlässigung der Kundenbeziehungen. Im Zuge der Marktdynamik in der Bankenbranche und im Zuge des Wechsels vom Verkäufer-zum Käufermarkt erlangte der Kunde stärkere Beachtung. Diese hatte eine Umorientierung der Organisationsstruktur in Richtung Markt zur Folge. Das Ergebnis war eine Segmentierung in Kundengruppen.Google Scholar
  40. 40.
    Die Auseinandersetzung über die Öffnungszeiten von Bankfilialen („Bank 24“) und öffentlichen Dienststellen sowie im Einzelhandel sind Ausdruck dieser Veränderung.Google Scholar

Copyright information

© Springer Fachmedien Wiesbaden 1997

Authors and Affiliations

  • Hasko Hüning

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