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Theoretischer Teil

  • Evelyn Timmermann
Chapter
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Zusammenfassung

Diese möglichen Alltagsbetrachtungen von Menschen einer älteren Generation erscheinen trivial, obwohl sie vor allem die negativen Auswirkungen eines gesellschaftlichen Wandels beschreiben. Jüngere Menschen hingegen, vor allem Mädchen und Frauen sehen den derzeitigen Trend der Zeit positiv als Befreiung und Herauslösung aus alten Traditionen, Lebensmustern und Werten. BECK (1986, 1990, 1994) sieht die Realität eher in der Mitte, in den Chancen und Möglichkeiten, aber auch in der Problematik von Orientierungslosigkeit und einer daraus häufig resultierenden Entscheidungsunfähigkeit. Gerade wegen dieser Kombination sind Lebensentwürfe somit nicht mehr kollektiv, sondern individuell ausgerichtet. BECK/BECK-GERNS-HEIM (1990a: 26) gehen am Beispiel des Wandels der Liebe und Ehe davon aus, daß „die Biographie der Menschen… aus traditionellen Vorgaben und Sicherheiten, aus fremden Kontrollen und überregionalen Sittengesetzen herausgelöst, offen, entscheidungsabhängig und als Aufgabe in das Handeln jedes einzelnen gelegt (wird).

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Literatur

  1. 1.
    Die Handlungsspielräume variieren so DEEZINGER (ebd. 1991: 23) oder MAYER/ BLOSS-FELD (1990) jedoch nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch durch milieuspezifische Deutungsmuster. Sie gehen im Gegensatz zu BECK nicht davon aus, daß die Entkoppelung von sozialer Lage und Biographie einen sehr hohen Grad erreicht haben, denn nach wie vor würden materielle, soziale und psychische Ressourcen Spielräume mit definieren. Dies sei zwar nicht im Sinne einer kausalen Beziehung zu verstehen, sondern vielmehr als Begrenzung von Bandbreiten. Beide verweisen aus soziologischer Sicht darauf, daß eine Verknüpfung von Individualisierung und Homogenisierung sozialer Milieus empirisch sehr zweifelhaft ist. Aus pädagogischer Sicht ist allerdings die strittige Frage der Herkunftsdeterminanten vor allem ein philosophisches wenngleich kein unwichtiges Problem. In der hier intentierten pädagogischen Herangehensweise steht vor allem das Geschlechtverhältnis im Mittelpunkt, während die Frage der sozialen Herkunft durch eine individuumsbezogene Konzeption der Seminare aufgefangen werden kann (vgl. Kapitel II). Google Scholar
  2. 3.
    BECK-GERNSHEIM (in: WSI-Mitteilungen 2/1991) nennt diesen Mechanismus ein „subjektives Korrelat“und meint damit, die besondere Herausforderung der Frauen in der Moderne, wobei ein gesellschaftliches Diktat der Selbstverwirklichung und Eigenständigkeit für Frauen existiert. „Das subjektive Korrelat solcher Veränderungen ist, daß Frauen heute zunehmend Erwartungen, Wünsche und Lebenspläne entwickeln — ja entwickeln müssen -, die nicht mehr allein auf die Familie bezogen sind, sondern ebenso auf die eigene Person“. Somit ist nicht nur die Verknüpfung von Familie und Beruf ein Problem, sondern auch der gesellschaftliche Druck das Gesicht einer modernen Frau wahren zu müssen, das heißt, die eigene Existenzsicherung und Interessen zu erkennen und allein zu planen.Google Scholar
  3. 5.
    Detailliertere Ausführungen bei KRÜGER 1989, LEMMERMÖHLE-THÜSING 1993 Bd. 1: 64–68 und die Berufsbildungsberichte 1990, 1991.Google Scholar
  4. 6.
    Als stellvertretend für Konfliktlinien innerhalb des Diskurses über den Arbeitsbegriff und im Zusammenhang damit der Arbeitsbelastungsbegriff gilt die Auseinandersetzung innerhalb der Metallindustrie. So führen JADISCH et.al (WSI9/1990) die Lohndiskriminierung von Frauen auf eine ebenso diskriminierende Definition von Arbeitsbelastung zurück. Demnach werden hauptsächlich von Männern ausgeführte Produktions- und Muskelarbeiten als schwer beurteilt und deshalb besser bezahlt, als die eher von Frauen ausgeführten und als leicht definierten feinmotorischen und psychischen Fertigkeiten. Der Europäische Gerichtshof hat bereits 1988 versucht, diese Lohndiskriminierung zu unterbinden. Bei der Eingruppierung in Tarifgruppen sind demnach alle Umstände zu berücksichtigen, die belastend einwirken und zu körperlichen Reaktionen führen können. Dazu zählen z.B. stehende Tätigkeiten, nervliche Belastungen und Lärmeinwirkung (BMFJ 1992: 52).Google Scholar
  5. 8.
    Weitere Ausführungen finden sich bei NYSSEN, Elke (1987): Frauen und Frauenopposition im Dritten Reich. In: FLESSAU/NYSSEN/PÄTZOLD (Hrsg.): Erziehung im Nationalsozialismus „… und sie werden nicht mehr frei für ihr ganzes Leben!“Köln und Wien.Google Scholar
  6. 9.
    Zitiert nach Sigrid METZ-GÖCKEL und Ursula MÜLLER in WSI-Mitteilungen 8/1986.Google Scholar
  7. 10.
    HESS-DIEBÄCKER/STEIN-HILBERS (1989) empfehlen in diesem Zusammenhang sogar, vollständig auf den Begriff der Partnerschaft zu verzichten. In der weiter unten ausgeführten Analyse verwenden sie den Begriff „geteilte Elternschaft“. In dem hier zu erörternden Zusammenhang greift „Elternschaft“jedoch zu kurz, ist es zwar ein wesentliches aber nicht zwangsläufiges Element von Partnerschaft.Google Scholar
  8. 13.
    1990 lebten 1,8 Millionen Familien mit nur einem Elternanteil in der Bundesrepublik; 86,3% der Kinder lebten bei ihren Müttern (BMFJ 1992: 85). Besonders in den fünf neuen Bundesländern ist die Zahl der alleinerziehenden Väter gering. Sie betrug 1%.Google Scholar
  9. 14.
    Im Kontext von (sexueller) Gewalt und Selbstvertrauen von Mädchen in der Schule sind zahlreiche Studien durchgeführt worden. Z.B.: BREHMER, Ilse (Hrsg. 1982): Sexismus in der Schule. Der heimliche Lehrplan der Frauendiskriminierung, Weinheim/Basel; HORST-KEMPER, Marianne (1988): Schule, Geschlecht und Selbstvertrauen. Eine Längsschnittstudie über Mädchensozialisation in der Schule, Weinheim/Basel.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1998

Authors and Affiliations

  • Evelyn Timmermann

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