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Individualisierung im zweigeschlechtlichen System sozialer Ungleichheit: Zwänge, Spielräume, Chancen

  • Brigitte Ziehlke

Zusammenfassung

Im historischen Vergleich erscheinen die Lebensbedingungen heutiger Jugendgenerationen in westlichen “Konsumgesellschaften” deutlich anders als jemals zuvor. Die technische und wirtschaftliche “Revolution” und sozialpolitische Reformbemühungen fuhren dazu, daß immer mehr Menschen in den alten Ländern der BRD am gesellschaftlichen Reichtum teilhaben. Auch bisher Unterprivilegierte profitieren vom allgemeinen Mehr an “Einkommen, Bildung, Mobilität, Recht, Wissenschaft und Massenkonsum” (vgl. Beck 1986: 121f.). Traditionale Sozialformen wie Klassen, Schichten, Familie, aber auch die Phase Jugend selbst zerspringen dabei quasi “nach innen” (vgl. Dörre 1988: 55), und die “klassische” Geschlechterordnung ist “brüchig” geworden. Kollektive soziale Bezüge und Normen sowie traditionelle Weiblichkeitszuweisungen bestimmen scheinbar immer weniger die individuelle Lebenspraxis. Ehemals strukturell festgelegte Lebensläufe werden zu persönlichen Biografien. Diese Veränderungen versprechen den Einzelnen ungewohnte Chancen, sind aber auch mit neuartigen Risiken verbunden. So haben Jugendliche der 70er und 80er Jahre im Vergleich zu früheren Jugendgenerationen mehr Handlungschancen und Rechte. Ihre individuellen Handlungsmöglichkeiten unterliegen dabei neuen, aber auch weiterhin alten strukturellen Beschränkungen bzw. Benachteiligungen. Chancen und Risiken eigener Lebensgestaltung sind sehr ungleich verteilt und aufs engste verknüpft mit den Strukturen sozialer Ungleichheit, der Geschlechtszugehörigkeit und den veränderten Rahmenbedingungen der Altersphase Jugend.

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Anmerkungen

  1. 3.
    Zum Freizeiterleben von Arbeitern vgl. Schlösser (1981)Google Scholar
  2. 4.
    Die Wohnsituation und ganz besonders die Wohnumweltbedingungen strukturieren die innerfamiliäre Sozialisation. Wohnumweltbedingungen beeinflussen z.B. die elterliche Kontrolle, die Sprachkompetenzförderung, die Bildungsaspiration von Kindern (vgl. Bargel u.a. 1981); der Diskreditierungsgrad des Wohnviertels hat negative Auswirkungen auf den Schulerfolg (Vaskovics/Watzinger 1982: 272 ff.). Wenn auch starke Unterschiede zwischen innerstädtischen Gebieten, Stadtrandgebieten, städtischen Vororten und ländlichen Gebieten bestehen, so sind in der Regel sozialisationsfreundliche Wohnumweltbedingungen (im Hinblick auf Lärm-und Luftbelastung oder infrastrukturelle Ausstattung der Wohngebiete) teuer. Ökonomisch schlechter gestellte Familien werden daher häufig in billige, qualitativ schlechte Wohnungen verdrängt, die nicht selten auch noch Wohnumweltbedingungen aufweisen, denen negative Sozialisationseffekte zugeschrieben werden (vgl. Vaskovics 1988: 57).Google Scholar
  3. 5.
    Trotz teilweise unterschiedlicher gesellschaftstheoretischer Positionen besteht ein weitgehender Konsens (vgl. Fuchs 1983; Ferchhoff 1985; Hornstein 1985; Hurreimann u.a. 1985; Olk 1985; Baacke 1987; Bertram 1987; Breyvogel 1989).Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1993

Authors and Affiliations

  • Brigitte Ziehlke
    • 1
  1. 1.Universität HamburgDeutschland

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