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Zur Wirkung der Medienberichterstattung über Rechtsextremismus, Ausländer und Asyl in Deutschland

  • Hans-Jürgen Weiß
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Part of the Schriftenreihe Medienforschung der Landesanstalt für Rundfunk Nordrhein-Westfalen book series (LAMNRW, volume 11)

Zusammenfassung

Die öffentliche und wissenschaftliche Diskussion der Ursachen für die Eskalation fremdenfeindlicher Gewalt und das Wiederaufleben rechtsextremer Aktivitäten in Deutschland nach der Wiedervereinigung schließt auch die Medien und Journalisten ein. Haben sie durch ihre Berichterstattung über Ausländer und Asyl in Deutschland ein Meinungsklima geschaffen, das Gewalttaten gegen Ausländer und Asylbewerber in Deutschland begünstigt? Hatte ihre Berichterstattung über fremdenfeindliche Gewalttaten — mit Hoyerswerda (September 1991), Rostock (August 1992), Mölln (November 1992) und Solingen (Mai 1993) als Höhepunkten — Nachahmungsdelikte zur Folge? Und sind nicht auch die Bürgerproteste, die insbesondere nach der Mordtat von Mölln einsetzten, ein Effekt der Berichterstattung in Presse, Hörfunk und Fernsehen über die Lichterketten, die sich in kürzester Zeit über ganz Deutschland ausbreiteten?

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Literatur

  1. 72.
    Vgl. Naschold, Frieder: Kommunikationstheorien. In: Aufermann, Jörg/Hans Bohrmann/Rolf Sülzer (Hg.): Gesellschaftliche Kommunikation und Information, Bd. 1. Frankfurt/Main 1973, S. 14.Google Scholar
  2. 73.
    Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf Beiträge zu dieser Debatte von Schönbach, Ohlemacher, Lüdemann/Erzberger und Brosius/Esser. Vgl. Schönbach, Klaus: Ist „Bild“ schuld an Mölln? Öffentliche Meinung und Gewaltbereitschaft in den Massenmedien. In: agenda 16, 1993, Heft 8, S. 52 — 56; Ohlemacher, Thomas: Bevölkerungsmeinung und Gewalt gegen Ausländer im wiedervereinigten Deutschland. Empirische Anmerkungen zu einem unklaren Verhältnis. Berlin 1993 (= Forschungsbericht des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, FS III 93–104); ders.: Public opinion and violence against foreigners in the reunified Germany. In: Zeitschrift für Soziologie 23, 1994, S. 222 — 236; Lüde-mann, Christian/Christian Erzberger: Fremdenfeindliche Gewalt in Deutschland. Zur zeitlichen Entwicklung und Erklärung von Eskalationsprozessen. In: Zeitschrift für Rechtssoziologie 15, 1994, S. 169 — 190; dies.: Bevölkerungsmeinung und Gewalt gegen Fremde. Ein Kommentar zu Thomas Ohlemacher „Public opinion and violence against foreigners in the reunified Germany”. In: Zeitschrift für Soziologie 23, 1994, S. 482 — 483 (= Lüdemann/Erzberger 1994a); Brosius, Hans-Bernd/Frank Esser: Eskalation durch Berichterstattung? Massenmedien und fremdenfeindliche Gewalt. Opladen 1995; dies.: Fernsehen als Brandstifter? Unerwünschte Nebenwirkungen der Berichterstattung über fremdenfeindliche Gewalt. In: Friedrichsen, Mike/Gerd Vowe (Hg.): Medien und Gewalt? Theorien, Fakten und Analysen zu Gewaltdarstellungen in den Medien. Opladen 1995, S. 240 — 268 (=Brosius/Esser 1995a ).Google Scholar
  3. 74.
    Schönbach 1993, S. 52.Google Scholar
  4. 75.
    Vgl. Maurer, Torsten: Diskussion der journalistischen Nachrichtengebung aus konstruktivistischer Perspektive. Göttingen 1995 (= Diplomarbeit am Fachbereich Sozialwissenschaften der Universität Göttingen); Staab 1976.Google Scholar
  5. 76.
    Schönbach 1993, S. 52.Google Scholar
  6. 77.
    Bezogen auf die in diesem Kapitel diskutierten Wirkungsstudien ist dies nur bei den Analysen von Brosius/Esser der Fall.Google Scholar
  7. 78.
    Er unterscheidet zwischen medienvermittelten und medienintendierten Wirkungen, die „oft sehr schwer auseinanderzuhalten“ seien (Schönbach 1993, S. 52).Google Scholar
  8. 79.
    Schönbach 1993, S. 52.Google Scholar
  9. 80.
    Vgl. dazu Abschnitt 6.2.Google Scholar
  10. 81.
    Schönbach 1993, S. 53 (Hervorhebung durch die Verfasser).Google Scholar
  11. 82.
    Vgl. Noelle-Neumann, Elisabeth: Die Schweigespirale. Öffentliche Meinung — unsere Soziale Haut. München/Zürich 1980; dies.: Kumulation, Konsonanz und Öffentlichkeitseffekt. Ein neuer Ansatz zur Analyse der Wirkung der Massenmedien. In: dies.: Öffentlichkeit als Bedrohung. Beiträge zur empirischen Kommunikationsforschung. Freiburg/München 1979, S. 127 — 168.Google Scholar
  12. 83.
    Schönbach 1993, S. 55.Google Scholar
  13. 84.
    Vgl. dazu zuletzt Friedrichsen, Mike/Gerd Vowe (Hg.): Gewaltdarstellungen in den Medien. Theorien, Fakten und Analysen. Berlin 1995.Google Scholar
  14. 85.
    Schönbach 1993, S. 56.Google Scholar
  15. 86.
    Vgl. Willems, Helmut: Fremdenfeindliche Gewalt: Entwicklungen, Strukturen und Eskalationsprozesse. In: Gruppendynamik 4, 1992, S. 433 — 448; siehe auch Willems/Würtz/Eckert 1993.Google Scholar
  16. 87.
    Willems 1992, S. 442.Google Scholar
  17. 88.
    Vgl. Ohlemacher, 1992. Das zweite Argument knüpft — ohne daß dies von Willems bzw. Ohlemacher angemerkt wird — an sehr frühe Vermutungen von Lazarsfeld und Merton zur „prestigeverleihenden Funktion“ der Massenmedien an; vgl. Lazarsfeld, Paul F./Robert K. Merton: Massenkommunikation, Publikumsgeschmack und organisiertes Sozialverhalten. In: Aufermann, Jörg/Hans Bohrmann/Rolf Sülzer (Hg.): Gesellschaftliche Kommunikation und Information, Bd. 2. Frankfurt/Main 1973, S. 447 — 470.Google Scholar
  18. 89.
    Vgl. Noelle-Neumann 1980 und 1979.Google Scholar
  19. 90.
    Vgl. Ohlemacher 1993, S. 6.Google Scholar
  20. 91.
    Die Frage lautete: „Glauben Sie, daß die meisten Asylbewerber das deutsche Asylrecht mißbrauchen, oder glauben Sie dies nicht?“; die Ja-Antworten zwischen Oktober 1991 und Dezember 1992 lagen in den alten Bundesländern stets über 60 (bis hin zu 79) Prozent, in den neuen Bundesländern stets über 70 (bis hin zu 88) Prozent (vgl. Ohlemacher 1993, S. 12 —14).Google Scholar
  21. 92.
    Vgl. dazu Ohlemacher 1993, S. 15 — 17; im Rahmen der von ihm durchgeführten Regressionsanalysen werden die beiden Zeitreihen jeweils um einen Monat gegeneinander verschoben.Google Scholar
  22. 98.
    Im Grunde ist ihr Zwei-Ebenen-Modell eine Drei-Ebenen-Modell: „Genauer genommen fehlt in unserem Zwei-Ebenen-Modell eine dritte Ebene, nämlich die Meso-Ebene der jeweiligen Gruppen, die zwischen der Makro-Ebene der Gesamtgesellschaft und der Mikro-Ebene individueller Akteure liegt. Auf diese Gruppenebene beziehen sich auch die Verteilungen von Schwellenwerten. Aus Gründen der Einfachheit haben wir diese Meso-Ebene hier weggelassen.“ (Lüdemann/Erzberger 1994, Anmerkung 39).Google Scholar
  23. 99.
    Brosius/Esser 1995, S. 11. Zu den speziellen Nachahmungseffekten der Fernsehberichterstattung vgl. dies. 1995a.Google Scholar
  24. 100.
    Vgl. Brosius/Esser 1995, S. 56 — 70.Google Scholar
  25. 107.
    Zur Methode der Datenerhebung und Datenanalyse vgl. Brosius/Esser 1995, S. 87 — 96 und S. 132 — 143.Google Scholar
  26. 108.
    Vgl. Brosius/Esser 1995, S. 214.Google Scholar
  27. 109.
    Brosius/Esser 1995, S. 195.Google Scholar
  28. 110.
    Vgl. dazu die zusammenfassende Darstellung in Rogers, Everett M./James W. Dearing: Agenda setting research: where has it been, where is it going? In: Communication Yearbook 11, S. 555 — 594.Google Scholar
  29. 111.
    Vgl. Schulz, Winfried: „Agenda Setting“ und andere Erklärungen. Zur Theorie der Medienwirkung. In: Rundfunk und Fernsehen 32, 1984, S. 207 — 213.Google Scholar
  30. 112.
    Vgl. Hügel, Rolf/Werner Degenhardt/Hans-Jürgen Weiß: Strukturgleichungsmodelle für die Analyse des Agenda Setting-Prozesses. In: Schulz, Winfried (Hg.): Medienwirkungen. Einflüsse von Presse, Radio und Fensehen auf Individuum und Gesellschaft. Weinheim 1992, S. 143 — 159.Google Scholar
  31. 113.
    Vgl. Früh, Werner: Medienwirkung: Das dynamisch-transaktionale Modell. Theorie und empirische Forschung. Opladen 1991.Google Scholar
  32. 114.
    Vgl. Funk, Peter: Thematisierung durch Massenmedien und Problemwahrnehmung in der Bevölkerung. Eine empirische Untersuchung zum Einfluß der Medien auf die Wahrnehmung der Asylrechtsproblematik und Ausländerfeindlichkeit im Jahr 1992. Berlin 1994 (= unveröff. Magisterarbeit im Studiengang Publizistik an der Freien Universität Berlin).Google Scholar
  33. 115.
    Vgl. Funk/Weiß 1995.Google Scholar
  34. 116.
    Hierauf verweisen schon sehr früh Hyman, Herbert H./Sheatsley, Paul B.: Some reasons why information campaigns fail. In: Public Opinion Quarterly 11, 1947, S. 412 — 423.Google Scholar
  35. 117.
    Grundgesamtheit der Umfragen ist die in Privathaushalten lebende deutschsprachige Bundesbevölkerung in Ost-und Westdeutschland ab 14 Jahren. Die befragten Haushalte werden in einer mehrstufigen Zufallsstichprobe (zur Einwohnerzahl proportionale Gemeindeauswahl, Zufallsstichprobe von Telefonhaushalten, Haushaltsauswahl nach dem Randomized Last Digit-Prinzip) ermittelt; die befragten Personen werden nach dem Geburtstagsschlüssel ausgewählt. Die Stichproben werden nach Alterskriterien und den Bevölkerungszahlen in den Bundesländern gewichtet. Insgesamt wurden im Jahr 1992 n = 124 396 Personen befragt. Dies ist die Grundlage der in diesem Beitrag ausgewiesenen Deskriptivanalysen; für die Kausalanalysen wurde daraus eine Zufallsstichprobe von n = 3000 Fällen gezogen.Google Scholar
  36. 120.
    Diese These schließt nicht aus, daß in den Medien intensiv behandelte Themen nicht genannt werden. Insofern kann die subjektive Themenwahrnehmung auch nur bei Thematisierungsanalysen, nicht aber bei Themenstrukturierungsanalysen ggf. als Ersatzkategorie bzw. als Indikator für die tatsächliche Medienberichterstattung genutzt werden. Zur Unterscheidung von Thematisierungs-und Themenstrukturierungsanalysen vgl. Uekermann Heinz R./Hans-Jürgen Weiß: Agenda Setting. Zurück zu einem medienzentrierten Wirkungskonzept? In: Saxer, Ulrich (Hg.): Politik und Kommunikation. München 1982, S. 69 — 79.Google Scholar
  37. 122.
    Daß die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit für ein bestimmtes Thema immer relational zu allen um öffentliche Aufmerksamkeit konkurrierenden Themen zu betrachten ist, läßt sich sowohl zwischen den Teilthemen des Rechtsextremismus-, Ausländer-und Asyl-Komplexes als auch im Verhältnis zwischen dem gesamten Themenkomplex und anderen Themen nachweisen. Vgl. dazu allgemein Hilgartner, Stephen/Charles L. Bosk: The rise and fall of social problems: a public arena model. In: American Journal of Sociology 94, 1988, S. 53 — 78.Google Scholar
  38. 123.
    Neben der Agenda Setting-Forschung sind hier insbesondere der Uses and Gratifications-Approach und der Information Seeking-Ansatz zu nennen. Vgl. dazu zusammenfassend Schulz, Winfried: Ausblick am Ende des Holzweges. Eine Übersicht über die neuen Wege der Medienwirkungsforschung. In: Publizistik 27, 1982, S. 49 — 73.Google Scholar
  39. 124.
    Das Alter der Befragten wurde in Jahren codiert (keine Klassenbildung). Die formale Bildung wurde in 4 Stufen erfaßt: (1) Haupt-NolksschulabschluB, (2) Mittlere Reife, Realschul-oder Fachschulabschluß, (3) (Fach-)Abitur, (4) Studium.Google Scholar
  40. 125.
    Folgende Parteinennungen wurden in eine siebenstellige Links-/Rechts-Skala übertragen: (1) PDS, (2) GRÜNE/Bündnis 90, (3) SPD, (4) FDP, (5) CDU, (6) CSU, (7) Republikaner. Alle übrigen Fälle (andere oder keine Nennungen) wurden aus der Analyse ausgeschlossen.Google Scholar
  41. 126.
    Logistische Regressionen sind zur Erklärung von Variablen geeignet, die — wie im vorliegenden Fall die Erstnennungen von Medienthemen und politischen Problemen — dichotom codiert sind: „Thema bzw. Problem genannt“ vs. „Thema bzw. Problem nicht genannt”. Zur Erläuterung des Verfahrens vgl. Hanushek, Eric A./John E. Jackson: Statistical Methods for Social Scientists. London 1977. Die in Tabelle 1 — 4 dokumentierten Analysen beziehen sich auf eine Stichprobe von n = 3000 Fällen, die aus der Gesamtzahl der im Jahr 1992 befragten Personen — nach vorherigem Ausschlug aller Personen mit fehlenden Werten in den Variablen der Kausalanalysen — in einer Zufallsauswahl gezogen wurde.Google Scholar
  42. 127.
    So sind diese Befunde wohl am besten als „Wirkungsspuren“ zu bezeichnen. Andererseits sind alle in Tabelle 50–53 ausgewiesenen Modelle (einzige Ausnahme: Tabelle 51/Stufe 1) signifikant. Zur Kritik einer weniger an theoretischen Kriterien orientierten als vielmehr auf hohe Varianzerklärung ausgerichteten Analysestrategie vgl. Lewis-Beck, Michael S.: Applied Regression. Beverly Hills/London 1980, S. 53.Google Scholar

Copyright information

© Leske + Budrich, Opladen 1995

Authors and Affiliations

  • Hans-Jürgen Weiß
    • 1
  1. 1.Institut für Publizistik- und KommunikationswissenschaftFreien Universität BerlinDeutschland

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