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Geschmack, Klassenhabitus und suffiziente Lebensstile

  • Uwe H. Bittlingmayer

Zusammenfassung

Bereits in den Ausführungen zum Habitus und dessen Verhältnis zu Klasse und Kapital ergab sich, daß die individuellen Habitus immer auch als Klassenhabitus gefaßt werden können, insofern sie typische Muster aufweisen, die soziale Welt auf spezifische Weise wahrzunehmen und dieser Wahrnehmung gemäß zu handeln.90 In diesem Kapitel soll es nun darum gehen, die gemeinsame Welt der Akteure über die Darstellung der jeweiligen Klassenhabitus weiter aufzuschlüsseln, um auf diese Weise die Fragen zu beantworten, warum das Mitgliederprofil von Car-Sharing-Organisationen die referierte Form besitzt und bei welchen Gruppen suffiziente Praktiken am ehesten anschlußfähig sind.

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Literatur

  1. 90.
    „Wer sich in dieser Welt ’vernünftig‘ verhalten will, muß über ein praktisches Wissen von dieser verfügen, damit über Klassifikationsschemata (oder, wenn man will, über ’Klassifikationsformen‘, ’mentale Strukturen‘, ’symbolische Formen‘ (...)), mit anderen Worten über geschichtlich ausgebildete Wahrnehmungs- und Bewertungsschemata, die aus der objektiven Trennung von ’Klassen‘ hervorgegangen (Alters-, Geschlechts-, Gesellschaftsklassen), jenseits von Bewußtsein und diskursivem Denken arbeiten. Resultat der Inkorporierung der Grundstrukturen einer Gesellschaft und allen Mitgliedern derselben gemeinsam, ermöglichen diese Teilungs- und Gliederungsprinzipien den Aufbau einer gemeinsamen sinnhaften Welt, einer Welt des sensus communis.“ (Bourdieu 1982a: 730)Google Scholar
  2. 92.
    Der von Bourdieu hier zugrundegelegte Begriff der Askese ist indes nur beschränkt auf Suffizienz übertragbar. Es geht bei der Suffizienzstrategie um freiwillige Verzichtsleistungen, mit denen dann in erster Linie der Gewinn von Zeit und ’Lebensqualität‘ verbunden wir. Der hier verwendete Begriff von Askese verweist hingegen auf eine Alltagspraxis, die gegen die bloße Zurschaustellung materieller Güter (Luxusautos, Yachten etc.) gerichtet ist und diese als Protzen aufgrund fehlendem kulturellem Kapital versucht zu enttarnen. Der mit dieser Form vonGoogle Scholar
  3. 93.
    Eine krasse Fehlinterpretation dieser empirischen Befunde leistet Thomas Müller-Schneider, wenn er etwa Situationen des Ressourcenmangels noch in Richtung subjektiver Genußmaximierungsstrategien verbiegt: „Selbst in Lebenssituationen, die durch noch weniger Sicherheit und noch mehr Knappheit charakterisiert sind, macht sich insbesondere bei jungen Menschen, darauf weisen entsprechende empirische Studien über Arbeitslosigkeit und soziale Überlebenstechniken hin (...), zunehmend die Orientierung an der Lebenslust bemerkbar. Biographische Unsicherheit scheint dabei sogar eine Möglichkeit zu sein, den Zwängen der Lohnarbeit, die man nicht mehr einfach hinnehmen will, auszuweichen. (...) Unter bestimmten Umständen kann man zudem feststellen, daß materielle Knappheit die Vitalität nicht dämpft, sondern sie eher noch beflügelt.“ (Müller-Schneider 1998b: 291)Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  • Uwe H. Bittlingmayer

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