Advertisement

Suffizienz als Alltagspraxis: Handlungstheoretische Konzepte

  • Uwe H. Bittlingmayer

Zusammenfassung

In der Regel wird in umweltsoziologischen Arbeiten auf eine handlungstheoretische Einordnung und entsprechende handlungstheoretische Auseinandersetzungen weitgehend verzichtet. Wenn doch auf Handlungstheorien zurückgegriffen wird, werden nahezu ausschließlich Handlungstheorien aus dem Bereich des Rational-Choice-Paradigmas verwendet.59 Die in diesem Kapitel zu entfaltende These ist, daß es Rational-Choice-Modellen nur sehr bedingt gelingt, suffizientes Akteursverhalten angemessen zu erklären. Allerdings kann es im Rahmen dieser Arbeit nun nicht darum gehen, eine erschöpfende Auseinandersetzung mit den Theorien des Rational-Choice zu führen, zumal es nicht die Theorie des Rational-Choice gibt, sondern Theorien, die sich im Kontext des Rational-Choice-Paradigmas verorten, stellen eher ein Sammelbecken unterschiedlicher Varianten und Reichweiten dar. (Vgl. Brentel 1999: 156; Diekmann 1996: 91) Im forgenden sollen aus diesem Grund einleitend einige wesentliche Merkmale von Rational-Choice-Theorien und den daran ansetzenden Kritiken dargestellt werden, um anschiließend die in den oben referierten Studien (siehe 3.2) verwendeten Varianten unter dem Aspekt suffizienter Akteurshandlungen genauer zu analysieren (4.1.1; 4.1.2).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. 59.
    Trotz der Dominanz von Rational-Choice inspirierten Studien beklagen Andreas Diekmann und Carlo C. Jaeger, daß „in der umweltsoziologischen Diskussion eine gewisse Gefahr (besteht), daß die soziologische Relevanz der Rational-Choice-Theorie unterschätzt wird.“ (Diekmann/ Jaeger 1996: 19) Rational-Choice gibt, sondern Theorien, die sich im Kontext des RationalChoice-Paradigmas verorten, stellen eher ein Sammelbecken unterschiedlicher Varianten und Reichweiten dar. (Vgl. Brentel 1999: 156; Diekmann 1996: 91) Im folgenden sollen aus diesem Grund einleitend einige wesentliche Merkmale von Rational-Choice-Theorien und den daran ansetzenden Kritiken dargestellt werden, um anschließend die in den oben referierten Studien (siehe 3.2) verwendeten Varianten unter dem Aspekt suffizienter Akteurshandlungen genauer zu analysieren (4.1.1; 4.1.2).Google Scholar
  2. 60.
    Nach Helmut Wiesenthal lassen sich innerhalb des Paradigmas noch einmal Theorien unterscheiden, die, wie bspw. die von Homans, eine behaviouristische und lerntheoretische Auslegung rationalen Verhaltens anstreben und Ansätze, die auf die utilitaristische Tradition eines Adam Smith zurückgreifen. (Vgl. Wiesenthal 1987: 434; vgl. als Beispiel für die letzte Variante Sen 1986)Google Scholar
  3. 61.
    Insofern sind alle dem Rational-Choice-Ansatz verpflichteten Theorien gleichfalls dem methodologischen Individualismus verhaftet. (Vgl. Coleman 1990: 1–23; Reinecke 1994)Google Scholar
  4. 62.
    Die Ausschließlichkeit dieser Aussage muß zumindest für den Bereich der politischen Philosophie zurückgewiesen werden, in dem es nicht an Versuchen mangelt, die Perspektiven nutzenmaximierender Akteure und moralische Fragen nach dem Allgemeinwohl theoretisch zu ver söhnen. (Vgl. u.a. Rawls 1979) Eine äußerst differenzierte Auseinandersetzung mit dem Rationalitätsverständnis von Rational-Choice-Theorien auch in ideengeschichtlicher Hinsicht findet sich in Brentel 1999: Teil III.Google Scholar
  5. 63.
    Die Variable der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle bildet gleichsam den entscheidenden Unterschied der Theorie des geplanten Verhaltens gegenüber der Theorie der bedachten Entscheidung von Ajzen und Fishbein. Mit ihr reagierte Ajzen auf die gegen ihr vorheriges Modell vorgebrachten Einwände, daß ihre handelnden sozialen Akteure objektive Handlungsbeschrän kungen nicht in den Blick bekommen. Wenn zum Beispiel die subjektive Einstellung zur Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel hin tendiert und gleichzeitig die subjektiv wahrgenommenen Normen in die gleiche Richtung zielen, dann wird ein entsprechendes Verhalten nicht zustande kommen, wenn keine öffentlichen Verkehrsmittel verfügbar sind. (Vgl. Bamberg/ Schmidt 1993: 26) Mit dieser Weiterentwicklung ist ebenfalls der gegenüber der früheren Theorie fortgeschrittene Anspruch verbunden, eine allgemeine Verhaltenstheorie darzustellen. (Vgl. Bamberg/Lüdemann 1996: 33)Google Scholar
  6. 64.
    Quelle: Bamberg/Schmidt 1993: 27.Google Scholar
  7. 65.
    In einem viel beachtetem Versuch hat Harmut Esser sich um die Integration von einer Theorievariante des Rational-Choice und der Theorie des Hintergrundwissens von Alfred Schütz bemüht. (Vgl. Esser 1990; Esser 1991a; Esser 1991b) Doch Esser kommt aus den Schwächen, die im Ansatz des Rational-Choice bereits eingeschrieben sind, nicht hinaus, ohne die grundlegenden Prämissen der Rational-Choice-Theorie zu verwerfen. Auch Esser muß annehmen, daß soziale Akteure im Regelfall bewußt kalkulieren und nur in Ausnahmefällen auf das ihnen zur Verfügung stehende Hintergrundwissen zurückgreifen. Die soziale Konstitution von Wissensmustern oder Handlungsroutinen wird bei Essers Integrationsversuch „mit dem Argument, die letzte Stufe der Wahlhandlung sei eben doch die rationale Wahl“, (Dallinger 1998: 101) zugunsten eines ökonomischen Handlungskonzeptes hin aufgelöst. Zur Kritik an Esser: Srubar 1992; Dallinger 1998.Google Scholar
  8. 66.
    Auch auf der empirischen Ebene ist die Anwendung der Theorie geplanten Verhaltens nicht ohne Schwierigkeiten realisierbar. (Vgl. Diekmann 1996: 95–98)Google Scholar
  9. 67.
    Der Begriff des Trittbrettfahrens ist erstmals 1968 von Mancur Olson in die Debatte eingeführt worden. Olson zeigt am Beispiel der Mitgliedschaft in Gewerkschaften auf, daß rational handelnde Individuen aus der Gewerkschaft austreten müßten, weil das Kollektivgut Manteltarifvertrag ihnen zugute kommt, auch wenn sie nicht über Mitgliedsbeiträge eine Gewerkschaft unterstützen. (Vgl. Olson 1968)Google Scholar
  10. 69.
    Zwischen dem objektiven und dem ipsativen Möglichkeitsraum siedelt Klaus Foppa in seinem ursprünglichen Modell den attributierten Handlungsraum an, der die Perspektive bspw. des Forschers in bezug auf eine beliebige Untersuchung von Handlungen sozialer Akteure darstellt, also Möglichkeitszuschreibungen von Seiten dritter reflektieren soll. (Vgl. Foppa 1989: 2–6) In aktuellen Arbeiten hat Foppa auf dieses Konzept aber nicht mehr zurückgegriffen.Google Scholar
  11. 70.
    Quelle: Tanner 1995: 9, eigene Modifizierungen.Google Scholar
  12. 71.
    „B3egriffe wie Habitus (...) hatten unter anderem die Funktion, daran zu erinnern, daß es ein praktisches Wissen gibt, eine praktische Erkenntnis, die ihre eigene Logik hat, nicht reduzierbar auf die Logik der theoretischen Erkenntnis; daß in gewissem Sinne die Akteure besser über die soziale Welt Bescheid wissen als die Theoretiker; und dennoch daran festzuhalten, daß sie nicht wirklich Bescheid wissen und daß die Arbeit des Wissenschaftlers darin besteht, dieses praktische Wissen explizit zu machen.“ (Bourdieu 1991: 275)Google Scholar
  13. 72.
    In den ‘feinen Unterschieden’ zeigt Bourdieu auf, in welcher Weise Körperkonzepte, bspw. in Form von Sportpräferenzen, mit spezifischen sozialen Lagen der Akteure einhergehen. (Vgl. Bourdieu 1982a: 332–354; vgl. auch Bourdieu 1992c, Bourdieu 1993) Zum Zusammenhang von Habitus, Präferenzen und sozialen Lagen siehe weiter unten.Google Scholar
  14. 73.
    Bourdieu führt in den ‘feinen Unterschieden’ als Beispiel den Statusverlust von höheren Bildungstiteln durch die Bildungsexpansion an. Der Hysteresis-Effekt des Habitus bewirkt, daß auch bei „einem veränderten Stand des [Bildungs-; U.H.B.]Titel-Marktes noch die Wahrnehmungs- und Bewertungskategorien appliziert werden, die einem früheren Stand der objektiven Chancen der Einschätzung entsprachen (...). Die bloße Tatsache, im weiterführenden System Fuß gefaßt zu haben, läßt die neu aufrückenden Klassen von diesem erwarten, was es früher, als sie noch praktisch ausgeschlossen waren, tatsächlich auch erfüllte.“ (Bourdieu 1982a: 238, 242) Die Kehrseite des Hysteresis-Effekts in bezug auf Bildungstitel ist der Effekt der Allodoxia: „(D)ie Ilysteresis der Wahrnehmungs- und Bewertungskategorien (bewirkt), daß die Inhaber entwerteter Titel sich gleichsam zum Komplizen ihrer eigenen Mystifikation machen, indem sie kraft eines typischen Effekts der Allodoxia den ihnen zuerkannten Titeln einen Wert beimessen, der objektiver Anerkennung entbehrt.“ (Ebd.: 239)Google Scholar
  15. 74.
    Die sekundäre Sozialisation über die Institution Schule zementiert bis heute die unterschiedlichen Ausgangsvoraussetzungen von Kindern. (Vgl. Bourdieu/Passeron 1971; Bourdieu/Passeron 1973; als aktuellere Studien Geißler 1996a: 249–274; Geißler 1996b; Gellert 1996) In bezug auf die vermeintliche Bildungsexplosion hält Ludwig von Friedeburg, der eine der maßgebenden Personen in der Diskussion um die Öffnung der Bildungsinstitutionen für die Kinder auch aus den Arbeiter- und Angestelltenmilieus in den 60er und 70er Jahren gewesen ist, fest: „Die enorme Bildungsexpansion in den vergangenen Jahrzehnten (...) ist im öffentlichen Bewußtsein weithin als Erfolg durchgesetzter Chancengleichheit verstanden worden. Doch verkennt diese Deutung, daß auch heute gerade zehn Prozent der Arbeiterkinder ein Gymnasium besuchen können, im Gegensatz zu der Mehrheit der Kinder des neuen Mittelstandes und nahezu allen Sprößlingen höherer Beamtenfamilien.“ (v. Friedeburg 1997: 120) Bourdieu merkt hierzu an, daß „viele soziale Mechanismen nur deshalb so wirksam (sind), weil sie verkannt und unterschätzt werden. Das ist zum Beispiel bei den ‘Mechanismen’ der Fall, die die Kinder aus denjenigen Familien, die ökonomisch und kulturell am stärksten benachteiligt sind, aus der Schule herausdrängen: Man beobachtet, wie gerade die Familien, die kulturell benachteiligt und Opfer der sozialen Ungleichheit sind, am stärksten daran glauben, daß Begabung und Tüchtigkeit die einzig ausschlaggebenden Faktoren für den Schulerfolg sind.“ (Bourdieu 1997a: 16) Daß ein Scheitern in der schulischen Laufbahn selbst bei später relativ erfolgreichen biographischen Lebensläufen zu dauerhaften psychischen Problemen führen kann, zeigt Alain Acardo. (Vgl. Acardo 1997) Auch wenn Bourdieu das Unterrichtssystem als „ein Reproduktionsinstrument mit besonderer Fähigkeit zur Verschleierung der eigenen Funktion.“ (Bourdieu 1997c: 75) charakterisiert, sieht er gleichwohl in der Institution Schule auch ein entscheidendes Potential, die sozialen Verhältnisse in Hinblick auf soziale Ungleichheiten zu korrigieren. (Vgl. Bourdieu 1997b)Google Scholar
  16. 75.
    Allerdings ist darauf zu verweisen, daß die Habitustheorie nicht umstandslos die Generativität im Sinne Chomskys übernimmt: „Keineswegs erstaunlich, daß die Aporien der Chomskyschen Linguistik, die die Voraussetzungen aller Grammatiken bis in die letzte Konsequenz überspitzt hat, zwangsläufig zu der Wiederentdeckung führen, daß die wirkliche Frage, wie Jacques Bouvesse bemerkt, nicht lautet, ob man ‘grammatikalische’ Sätze in unendlicher Zahl hervorbringen kann, sondern ob das für eine unendliche Zahl von Sätzen möglich ist, die wirklich auf eine unendliche Zahl von Situationen passen.“ (Bourdieu 1987: 61)Google Scholar
  17. 76.
    Allerdings ist es m.E. verfehlt, wie Markus Schwingel aus dieser schwachen Anthropologie die Bourdieusche Soziologie trotz all ihrer immanenten herrschaftskritischen und gesellschaftstheoretischen Intentionen und Implikationen - im Sinne eines Kampfparadigmas auszubuchstabieren. (Vgl. Schwingel 1993; vgl. hierzu Bauer/Bittlingmayer 2000)Google Scholar
  18. 77.
    Bourdieu rechtfertigt konsequenterweise die Theorie des Habitus an einer zentralen Stelle mit dem Fehlen einer adäquaten Theorie der Praxis. (Vgl. Bourdieu 1979: 227)Google Scholar
  19. 78.
    Obwohl diese Position eindeutig an die Tradition des frühen amerikanischen Pragmatismus erinnert, ist der geistesgeschichtliche und erkenntnistheoretische Hintergrund der Bourdieuschen Positionen in dieser Hinsicht dem späten Idealismus Ernst Cassirers verpflichtet. So führt Cassirer in den zwanziger Jahren aus, daß „das ‘Sein’ (...) nirgends anders als im ‘Tun’ erfaßbar (ist)“ (Cassirer 1994: 11) und bereitet dem praxeologisches Wissenschaftsverständnis Bourdieus früh den Weg. (Vgl. auch Barlösius 1999: 8–11)Google Scholar
  20. 79.
    Caterina Pizanias gelingt es, aus der Bourdieuschen Theorie eine poststrukturalistische Theorie eines normativ aufgeladenen Zwischenraums (‘in between’) zu entwerfen. Dabei entgeht ihr allerdings, daß ihre Lesart Bourdieus denjenigen Bestandteil vollständig ausblendet, der ihm besonders in der Bundesrepublik den Determinismusvorwurf einbrachte. Auf diese Weise schafft Pizanias das Kunststück, aus Bourdieu einen Subjektivismus herauszukristallisieren, der dem in nichts nachsteht, den Bourdieu auf das Schärfste kritisiert. (Vgl. Pizanias 1996)Google Scholar
  21. 80.
    Das Konzept eines „situativen Filters“ findet sich auch in anderen soziologischen Theorien. So wird in dem systemtheoretischen Paradigma der Soziologie jener Filter als selektive Wahrnehmung bzw. „selektive(n) Empfindlichkeit“ (Luhmann 1984: 563) reformuliert, in der Habermasschen Perspektive an eine Lebenswelt erinnert, die den Kontext für die Konstitution von Sinn bereithält und Akteure mit nur vor ihrem Hintergrund relevanten situativ-angemessenen Wissensressourcen versorgt. (Vgl. Habermas 1981, Bd.2: Kap.V, VI)Google Scholar
  22. 81.
    An dieser Stelle ist kritisch anzumerken, daß Bourdieu den Kapitalbegriff teilweise theoretisch unvermittelt und dadurch inflationär gebraucht, wenn er bspw. ohne nähere Ausführungen von informationellem, juristischem oder körperlichem Kapital spricht. (Vgl. Bourdieu 1998c: 106, 109; Bourdieu 1982a: 329) Aus den vier Grundkapitalsorten ökonomisch, kulturell, sozial und symbolisch sind allerdings alle anderen Kapitalsorten abgeleitet. (Vgl. Bourdieu/Wacquant 1996: 128)Google Scholar
  23. 82.
    In gewisser Hinsicht ist von einer Radikalisierung der Ungleichheitsproblematik innerhalb der Bourdieuschen Theorie zu sprechen, indem sie nicht nur die Verteilung von Geld als ungleichheitsrelevantes Merkmal herausstreicht, sondern ebenfalls den seit Kant tendentiell ‘unschuldigen’ Bereich der kulturellen Sphäre und die Verfügbarkeit an sozialen Beziehungen mit in die Analyse einbezieht. Bourdieus „Interesse gilt in erster Linie dem Verhältnis von Kultur, Herrschaft und sozialer Ungleichheit, denn in seinen Augen ist Kultur keine unschuldige Sphäre, sondern das entscheidende Medium zur Reproduktion der Klassenstrukturen in spätkapitalistischen Konsumgesellschaften“. (H.-P. Müller 1992: 240)Google Scholar
  24. 83.
    Der Habitus geht aber über die Bedeutung des inkorporierten Kulturkapitals hinaus, insofern als er gleichzeitig ein handlungsgenerierendes Prinzip verkörpert, das in dem Begriff des inkorporierten Kulturkapitals nicht aufgehoben ist, zumal auch die Inkorporierung gesellschaftlicher Strukturen nicht innerhalb des Bourdieuschen Modells denkbar ist, ohne zugleich die Strukturierung durch auf Akteure zurückgehende Praxis zu berücksichtigen. (Vgl. Bourdieu 1979: 147 und die Ausführungen zum modus operandi weiter oben) Aus diesem Grund ist der Formulierung Gerhard Fröhlichs zuzustimmen, daß der Kapitalbegriff „teilweise quer zum Habitus“ (Fröhlich 1994: 34) liegt.Google Scholar
  25. 84.
    Quelle: H.-P.M üller 1992: 282.Google Scholar
  26. 85.
    Das soziale Kapital sollte nicht — wie Gehard Fröhlich nahelegt — mit dem symbolischen Kapital, das weiter unten besprochen wird, gleichgesetzt oder verwechselt werden. (Vgl. Fröhlich 1994: 37) Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch der Aufsatz von Bonnie H. Erikson, die noch 1996 glaubt, daß Bourdieu lediglich über die begriffliche Differenzierung in ökonomisches und kulturelles Kapital verfügt und auf diese Weise versucht, gegen Bourdieu auf die Bedeutung von sozialen Netzwerken und konkreten Arbeitszusammenhängen hinzuweisen. (Vgl. Erickson 1996)Google Scholar
  27. 86.
    Die hier vorgenommene Funktionsbestimmung des sozialen Kapitals als Multiplikator der beiden anderen Kapitalsorten ist allerdings nicht differenziert genug und muß schichtenspezifisch genauer aufgeschlüsselt werden. Gerade in den unteren sozialen Schichten ist ein hohes soziales Kapital eine wichtige Handlungsressource, selbst wenn dieses nicht in ökonomisches Kapital transformiert werden kann.Google Scholar
  28. 87.
    Klaus Eder merkt an, daß Bourdieu das Klassenkonzept der Marxschen Theorie in dreifacher Hinsicht weiterführt. „Bourdieus Ansatz zu einer empirischen Klassenanalyse bedeutet eine dreifache Brechung der traditionellen Klassentheorie. Sie bricht erstens mit der Trennung von Basis und Überbau in der Klassenanalyse; sie integriert zweitens die Analyse des Klassenhandelns in eine Theorie klassenspezifischer kultureller Praktiken; und sie analysiert drittens die theoretische Beschreibung einer Klassenstruktur selbst noch als Moment dieser Klassenstruktur“. (Eder 1989: 15) Bourdieu bestimmt seinen Ansatz in diesem Zusammenhang als „strukturalistischen Konstruktivismus“ bzw. „konstruktivistische(n) Strukturalismus.“ (Bourdieu 1992b: 135; vgl. auch Bittlingmayer/Kraemer 2000)Google Scholar
  29. 88.
    Die an die ipsative Handlungstheorie herangetragene Forderung, die sozialstrukturellen Faktoren und den ipsativen Handlungsraum zu vermitteln, ist mit dieser theoretischen Figur gleichsam eingelöst.Google Scholar
  30. 89.
    Diese objektiv meßbaren ungleichen Verteilungsstrukturen lassen sich bspw. abbilden in Form von Bildungsabschlußstatistiken als Maß für das unterschiedliche institutionalisierte Kulturkapital. In Deutschland haben etwa 300.000 Schülerinnen und Schüler das Abitur o.ä. erreicht, etwa 400.000 den Realschul-, ca. 220.000 den Hauptschulschluß und etwa 70.000 haben keinen Schulabschluß erworben.Google Scholar

Copyright information

© Westdeutscher Verlag GmbH, Wiesbaden 2000

Authors and Affiliations

  • Uwe H. Bittlingmayer

There are no affiliations available

Personalised recommendations